Wirtschaftswachstum in Griechenland: Prognose und Realität

von am 15. Februar 2012 in Allgemein

Wie kann in Griechenland die wirtschaftliche Entwicklung in Gang gebracht und wieder Wirtschaftswachstum erreicht werden?

Diese Frage hat bisher in der europäischen Schuldenkrise gar nicht zur Debatte gestanden und wenn doch, dann wurde sie als Angelegenheit der jeweiligen Regierung in den Schuldenstaaten angesehen – allerdings in einer sehr eindimensionalen Perspektive.

Die sogenannte Troika, also das Team aus Fachleuten der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gebildete Team, das die Bemühungen um die Haushaltssanierung in den europäischen Schuldenstaaten überwacht, aber auch die Euro-Retter, also die Euro-Finanzminister sowie die Staats- und Regierungschefs der europäischen Gläubigerstaaten, gehen offensichtlich davon aus, dass eine Kombination aus drastischen Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen und Veräußerung von Staatseigentum nicht nur zur Sanierung der jeweiligen Staatshaushalte führt. Vielmehr wird dies zugleich als geeignete Voraussetzung dafür angesehen, die Wirtschaft zu beleben – der Anteil des ineffizienten Staates an der volkswirtschaftlichen Aktivität wird zurückgefahren und, so das zentrale Argument, dies schafft Freiräume für effiziente privatwirtschaftliche Aktivitäten. Ob das gelingt, so die zugrundeliegende Haltung, liegt allein an der jeweiligen nationalen Regierung.

Dass dieses Konzept im Einklang steht mit dem auf Schuldenstaaten weltweit insbesondere vom IWF und der Weltbank angewendeten Standards zur Staatssanierung, dem sogenannten Washington Consensus (1) und dass es auf Grundannahmen der liberalen sowie neoklassischen Wirtschaftstheorie aufgebaut ist, ist bekannt und bedarf keiner besonderen Erklärung mehr.

Wie sehr die genannten Kreise von Fachleuten und Politikern davon überzeugt sind, dass dieses Konzept – allen durch die Finanzkrise aufgedeckten Schwächen der zugrundeliegenden wirtschaftsliberalen Lehre und allen Fakten zum Trotz – auf mittlere bis lange Sicht funktioniert, verdeutlichen nicht zuletzt die Wachstumsprognosen der Europäischen Kommission für Griechenland. Und auf diese Wachstumsprognosen baute jüngst auch der griechische Ministerpräsident Loukas Papademos, als er den Griechen versprach, die griechische Wirtschaft werde 2013 wieder wachsen – sofern das neue Sparprogramm beschlossen wird (2).

Wir also alles wieder gut?

Es lohnt ein Blick auf die Wachstumsprognosen der Europäischen Kommission für Griechenland aus den zurückliegenden Jahren. Aus der unten stehenden Tabelle geht hervor, dass sie mit ihren Prognosen regelmäßig deutlich daneben gelegen hat. Gerade in der Vorausschau für die dem jeweiligen Jahr der Prognoseerstellung folgenden zwei Jahre ist sie regelmäßig viel zu optimistisch gewesen.

Quellen: 3), 4), 5), 6), 7), 8 und 9)

Dieser Optimismus speist sich seit Beginn der Zuspitzung der Schuldenkrise Griechenlands im Jahr 2010 aus den anvisierten und bisher umgesetzten austeritätspolitischen Maßnahmen – Senkung der Staatsausgaben (Einsparungen, u.a. Einschnitte bei Beschäftigung, Löhnen, Renten) und Erhöhung der Staatseinnahmen (Steuererhöhungen, Einführung neuer Steuern, Privatisierungen). Und dass in Griechenland in einem für die Industriestaaten beispiellosem Ausmaß gespart wird, hat die OECD im Rahmen einer Analyse festgestellt. (10)

Diese Rechnung ist bisher nicht aufgegangen. Die griechische Wirtschaft befindet sich in einer sich immer noch beschleunigenden Abwärtsspirale. Es ist vor diesem Hintergrund schwer vorstellbar, dass sie 2013 wieder wächst. Mehr noch ist es fraglich, wann und unter welchen Voraussetzungen sie wieder prosperiert.

Welchen Orientierungswert haben also solche Wirtschaftsprognosen? Was taugt deren wirtschaftstheoretisches Fundament – vor allem mit Blick auf die Wachstumsfrage?

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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33 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 15. Februar 2012

    ” Welchen Orientierungswert haben also solche Wirtschaftsprognosen? Was taugt deren wirtschaftstheoretisches Fundament – vor allem mit Blick auf die Wachstumsfrage? ”
    Natürlich (genau wie Du unterstellst) gar keinen.
    Das ist aber überall das gleiche, die Prognosen sind politischer Natur, selbst einen positiven psychologischen Aspekt würde ich verneinen.
    .
    Die Frage aller Fragen lautet für mich : Wie kann man das Gemeinwesen entschulden und die Wirtschaft (möglichst gleichzeitig) erhalten oder fördern?
    Meine Antwortet lautet : man kann es nicht.
    Daraus ergibt sich die Frage nach der fairen Verteilung der Lasten. Da muss sich ein Staat fragen lassen, wo die Subventionen bleiben und was die bewirken.
    Wieviel Staat braucht es ? Die größe des Staatsapperates ist eine gesellschaftliche Frage. Die Briten privatisieren gerade ihr Polizeiwesen, niemanden scheint das auf der Insel zu stören.
    Die Beamtenpensionen und die Gleichstellung der Wahlbeamten mit Berufsbeamten ist durchaus keine Gott gegebene Größe.
    Fairness kommt im Moment eindeutig zu kurz …. aber fairness ist sehr relativ. Ein Herr sagte vorhin am Telefon zu mir : Nun sei nicht naiv, wenn der Sturm in Griechenland nachläßt schwappt das Kapital zurück und alle feiern den Boom.
    Werden die Rentner und Arbeitslosen mitfeiern?

    • Frank Bell - 15. Februar 2012

      “Nun sei nicht naiv, wenn der Sturm in Griechenland nachläßt schwappt das Kapital zurück und alle feiern den Boom.”

      So ist es. Die Börsen sind bereits in Feierstimmung. Da wirkt bereits der genannte “positive psychologische Aspekt”.

      Was die faire Verteilung der Lasten angeht:

      Es wird alles so bleiben, wie es ist. Wenn die Menschen statt die Politiker anzugreifen (siehe auch Griechenland, da haben die falschen Gebäude gebrannt, wenn auch besser keinerlei Gebäude gebrannt hätten) die Almosen-Empfänger (Hartz IV, Rentner, Arbeitslose) angreifen, bleibt tatsächlich alles beim Alten.

      • dank - 15. Februar 2012

        Natürlich wird es wieder einen Boom und Wachstum in Griechenland geben.
        .
        .
        .
        Wenn alles bis auf 20 % runtergeschnitten, kaputt gespart und zusammengestrichen wurde und alles in “Schutt und Asche” liegt, dann gibts jedes Jahr wieder Wachstum satt.
        Das ist doch das schöne an Prozentzahlen.
        Da werden sich unsere Medien überschlagen:
        Griechenland 2018: + 1,2 Wirstschaftswachstum
        Griechenland 2019: + 2,7 Wirstschaftswachstum
        Griechenland 2020: + 4,8 Wirstschaftswachstum

        Das wir 2018 von einem Level starten der ein absolutes Füntel von 2006 ausmacht, peilt doch eh keiner mehr… Hauptsache das Wachstum stimmt.

        @Frank Bell
        Also es wäre erst richtig traurig gewesen, wenn diesen SO in Griecchenland keine Gebäude gebrannt hätten:
        Wenn das Volk und die Regierung; Politik; Wirtschaft entkoppelt sind, wird das Winken mit Sonnenblumen nichts bewirken. Wir leben eh in der super-flauschi-flauschi Zeit, dass ich jeden Tag aufs neue deswegen schreien könnte…

        Wer könnte es (damit will ich die Vorgeschichte zur GR-Pleite gar nicht einbeziehen) dem griechischen Volke verübeln, wenn es morgen das Parlament samt Regierungsviertel und jede Bank in GR niederbrennt?
        Und vielleicht den ein oder anderen Banker, Politiker, Troikaner, … teert und federt oder schlimmeres? Es wird und soll das Volk nicht interessieren, welche Einzelschicksale sich dahinter (den “bösen” Jungs) verstecken, den umgekehrt ist es auch nicht so.

  • Lazarus09 - 15. Februar 2012

    Wie kann in Griechenland die wirtschaftliche Entwicklung in Gang gebracht und wieder Wirtschaftswachstum erreicht werden?

    Definitiv nicht mit den alles abwürgenden Sparpaketen die als Allheilmittel allerorten angepriesen werden … und praktisch das komplette Gegenteil der jetzigen Maßnahmen ..statt virtueller Geldvermehrung, Wertschöpfung aus Arbeit und Einkommen daraus ..blablabla Groundhog Day ;-)

    Aber das wissen eigentlich alle denn darum geht es gar nicht sondern um Kapitalvermehrung und Machterhalt/ausbau auf dem Rücken der mit den Kosten belasteten Gesellschaften mit ” Nach mir die Sintflut” Einstellung . Es ist 10 nach 12 die Mördern beklagen ihre Opfer medienwirksam ,das Kind im Brunnenschacht unterwegs aber genau das ist der gewünschte Zustand ,das war gewollt denn sonst hätte man an genug Punkten berichtigen ,oder es gleich anders machen können..

    666

  • Benedikt - 15. Februar 2012

    Mit reelen Prognosen, wären Bailouts Politisch nicht durchsetzbar. Daher werden die Prognosen entsprechend den Politischen Notwendigkeiten erstellt. Wenn man 2011 vorausgesagt hätte, aufgrund des Niedergangs muss es 2012 und danach 2013, 2014 usw. die nächsten Bailouts geben, hätte man den Bailout nicht 2011 mehr durchführen können. Die Eliten spielen auf Zeit, und hoffen, dass sich die Probleme irgendwie von alleine lösen. Wenn das sich nicht von selber löst, wirds richtig teuer für die Steuerzahler.

  • hunsrückbauer - 15. Februar 2012

    @ Steffen: Frage?

    es scheint so zu sein, dass das sog. “Großkapital” sein Geld aus GR rechtzeitig ins Ausland transferiert hat. Ich meine, du hättest auch schon darüber geschrieben. So weit mir bekannt, tut aber die gr. Regierung weder etwas dagegen, noch läßt sie die Konten einfrieren, noch fanhdet sie erfolgreich danach, noch treibt sie ausstehende Steuern ein, noch konfisziert sie dubiose Vermögen……das Alles hätte doch in den seit 2 Jahren sich zuspitzenden Krise parallel laufen können, tut es aber wohl nicht?!

    GR zu helfen ist die eine Sache, nur wie, ohne die obigen Machenschaften zu schließen oder zu verhindern, bleibt das ein Faß ohne Boden – oder sehe ich das falsch?

    Das gilt m. E. auch für P, S, I …..

    Wäre nett, wenn du darüber einmal schreiben möchtest, da du sicher mehr Hintergrundwissen darüber hast, als ich, danke.

    • Lazarus09 - 15. Februar 2012

      es scheint so zu sein, dass das sog. “Großkapital” sein Geld aus GR rechtzeitig ins Ausland transferiert hat….___…. treibt sie ausstehende Steuern ein, noch konfisziert sie dubiose Vermögen……das Alles hätte doch in den seit 2 Jahren sich zuspitzenden Krise parallel laufen können, tut es aber wohl nicht?!

      Du meinst die Frösche sollten darauf pochen das der Sumpf trocken gelegt wird :-D nee odder ..

      ….in einem System in dem Banken auf die eigene Zahlungsunfähigkeit ” wetten” ..? Du glaubst doch wohl das auch griechische Anleger am Niedergang des eigenen Landes profitieren .. !
      Also warum sollte den die griechischen Staatsschauspieler die Konten ihrer Gönner prüfen oder einfrieren ..?

    • mitwisser - 15. Februar 2012

      Die OECD hats ja neulich auf den Punkt gebracht, mit ihrer Einschätzung, dass Griechenland reformunfähig sei. Die (noch) Handelnden dort sind ja weiterhin verstrickt in das alte Klientelsystem mit unzähligen gegenseitigen Abhängigkeiten.
      Das dortige Gemeinwesen und die Verwaltung sind ja in weiten Teilen nicht nur finanziell sondern auch moralisch (heikles Kriterium, ich weiss) und gesellschaftlich bankrott.
      Hier einen Neubeginn zu organisieren, stelle ich mir äusserst schwer vor. Denn da haben einige wenige zu viel zu verlieren.

      • SLE - 15. Februar 2012

        Hallo mitwisser,

        ja, die Klientelpolitik bzw. der Lobbyismus ist ein gravierendes Problem …. aber sieht es etwa in den USA so viel anders aus ? Sind die USA reformfähig?

        Grüße
        SLE

        • mitwisser - 16. Februar 2012

          Was den Griechen ihre Klientelpolitik ist, haben die Amis mit den Lobbyisten geschafft. Ich halte beides für unhaltbar, zumindest in diesem enormen Umfang.
          Reformfähig halte ich die USA auch nicht (mehr), speziell die Wall Street hat sich beide Parteien schon lange gekauft.

    • MikeH - 15. Februar 2012

      Vielleicht ist dies von der Troika auch so gewollt? Das Großkapital soll flüchten und rettet so D vor der Deflation weil reihenweise Immobilien gekauft werden, da das Geld ja irgendwo angelegt wird? So hatte D jetzt zwei fette Jahre. Man muss ja nicht immer gleich alles nur auf den Exportboom schieben!

      Außerdem: Griechenland soll ja auch brennen, denn je schlimmer es kommt desto einfacher kann man Spanien, Portugal und vielleicht Italien erpressen. Griechenland ist nur ein Exempel und Bauernopfer. Die erzeugten Bilder von brennenden Gebäuden werden quasi von der EU verlangt.

      Man hätte den Wahnsinn viel früher stoppen müssen.

    • SLE - 15. Februar 2012

      Hallo hunsrückbauer,

      ich selbst habe das Thema noch nicht beackert, aber soweit ich weiß, hat etwa auch die EU-Taskforce Griechenland vorgeschlagen, an die Vermögen in der Schweiz heranzugehen:

      http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-soll-steuern-in-der-schweiz-erheben/5858156.html

      Grüße
      Stefan (SLE)

      • mitwisser - 16. Februar 2012

        Und die griechische Steuerbehörde schätzt, dass jährlich bis zu 50 Mrd. Steuern hinterzogen werden. Das wäre pro Kopf dort 4.000.- Euro und das fünffache des aktuellen Haushaltsdefizits. Nun braucht man diesen Schatz ja nur noch zu heben.
        Aber auch wenn dort heftig hinterzogen wird, soviel wirds so viel wohl kaum sein. Da waren wohl die gleichen Schätzer am Werk, wie die von den Privatisierungserlösen. In der Taverne nach dem Ouzo mal ne griffige Zahl aus dem Ärmel geschüttelt und nach Brüssel gemeldet.

        • Querschuss - 16. Februar 2012

          Hallo Mitwisser,
          das Staatshaushaltsdefizit lag 2011 bei ca. -28 Mrd. Euro. Die 50 Mrd. Euro Steuerhinterziehung sind mit Sicherheit überzeichnet, entspräche ja fast der Summe aller Arbeitnehmerentgelte in Griechenland 2011 und knapp 25% des nominalen BIPs von nur noch 215 Mrd. Euro. Solche Weihnachtsmärchen dienen primär dazu, den Buhmann Griechenland weiter aufzubauen und allgemeine Erleichterung bei deren Austritt aus der Eurozone auzulösen, warum dies gerade die griechische Steuerbehörde tut bleibt allerdings ein Rätsel, überzeichnet sie damit ja auch ihr eigenes Versagen.

          Gruß Steffen

      • Vogel - 19. Februar 2012

        Die Botschaft hör’ ich wohl …

  • Sochard - 15. Februar 2012

    In einem Land, wo es als normal angesehen wird, dass Jahr ca. ein Monatsgehalt einer Familie für Bestechung aufgewendet werden muss, ist das Eintreiben von Steuern wahrscheinlich ein hoffnungsloses Unterfangen. Dabei spreche ich noch nicht einmal vom “Großkapital”, denn dass hat immer und überall Möglichkeiten steuerschonend zu agieren …

  • MFK - 15. Februar 2012

    Hallo Steffan, Steffen,
    könnt Ihr einmal etwas zu Japan schreiben? Die höchste Staatsverschuldung aller Industriestaaten, Anleihekäufe durch die Notenbank ohne Ende, Konjunkturprogramme ohne Erfolg, Haushalt nur noch 55% durch Einnahmen gedeckt – dennoch keine Inflation. Dieses alleine durch die Binnenverschuldung und Leistungsbilanzüberschuss begründen zu wollen, erscheint mir zu kurz gegriffen.

    • dank - 15. Februar 2012

      Here u r:

      http://www.querschuesse.de/?s=japan

    • titoslavija - 15. Februar 2012

      japan hat einen entscheidenden vorteil: es ist nicht im euro! japan steht eigentlich besser da als die usa und gb

  • Russe - 15. Februar 2012

    Der Iran liefert kein Öl mehr u.a. nach GR (-14%).

    http://www.neftianka.ru/files/2012/02/skolkovo1.gif

  • Systemfrager - 15. Februar 2012

    @ SLE
    Es war vor Kurzem … genau kann ich es nicht wiederholen, es war eine deine ganz pessimistische Einschätzung, was die deutsche WiW-ler betrifft (wo ich leider leider kaum anders anders denke als du). Und was sagst du jetzt dazu? Wird uns das “Ausland” doch retten können? Oder schön um wahr zu sein?

    Ordnungspolitik, was ist das?
    Eine Kolumne von Wolfgang Münchau

    Die EZB flutet die Märkte mit billigem Geld und kauft zweifelhafte Staatsanleihen auf. Mit der Tradition der alten Bundesbank haben die Euro-Hüter von heute kaum noch etwas gemeinsam.

    SPON >>>

  • Christian A.Wittke - 15. Februar 2012

    Welchen Orientierungswert haben also solche Wirtschaftsprognosen? Was taugt deren wirtschaftstheoretisches Fundament – vor allem mit Blick auf die Wachstumsfrage?

    Realität ist, daß des mainstreams Forderung nach der Rückkehr zu Wachstum und Prosperität nicht nur auf Griechenland bezogen viel zu kurz greift; sie beweist einen naiven Umgang mit den selbst geschaffenen Fakten und eine in ihrer Vollkommenheit ignorante Herangehensweise an den Versuch, dieselben zu korrigieren.

    Realität ist, daß (wir) alle global spielen wollten und ob grober, zum Teil grob vorsätzlicher Versäumnisse, z.B. der Nichtvorgabe von Spielregeln inklusive allumgreifender Bedingungen nun genau daran scheitern; und wir scheitern vehement; dabei vernichten wir das, was in globalem Ernst hätte der wahre Fortschritt werden können; eine weitgehend friedliche, kontrolliert sinnvolle und nachhaltige Existenz des Menschen auf Erden.

    Realität ist, daß nur die, die bis hierher global wenngleich falsch (mit-)gespielt haben, es verstanden, sich die ungleichen Bedingungen zu Nutze zu machen indem sie dem Rest erklär(t)en, daß das alles unser Aller einzig wahre Freiheit sei.

    Realität ist, die Verfehlungen haben Tatsachen geschaffen, die nur begrenzt reversibel sind; wo doch, dann nur unter Anwendung von immer ausgrenzenden, protektionistischen Maßnahmen, die nicht nur zunächst antiglobal erscheinen, die damit dem herrschenden mainstream entgegenstehen und noch dazu Aggressionen hervorrufen werden, die ein friedliches Zusammenleben unglaublich schwierig, ja in weiten Teilen unmöglich machen werden. Die Vernichtungswaffe Mensch in seiner schieren Masse auf mickrigen fünf Kontinenten eines immer mehr ausgelutschten Planeten ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.

    Realität ist, daß, um Arbeit zurückzuholen, Handel und Dienstleistung reguliert werden können; wie aber reguliert man die durch China mittels der ihm auf einem globalen Tablett servierten Überschüsse geschaffen Besitztümer; von Land bis jede Art von Rohstoffvorkommen?

    Prognose(n): wer braucht die noch nur um festzustellen, daß es purer Unsinn ist wenn alle Volkswirtschaften gleichgeschaltet das Gleiche tun (sollen): „Oh Herr, laß‘ wachsen!“ Kurioserweise wird da nicht von dem so angebeteten und ach‘ so freien Wettbewerb gesprochen, wo sich die paar Hellenen an solch‘ Kapazitäten wie den USA, Frankreich oder gar Japan messen lassen sollen – von Chinas Extrawürsten und überhaupt unter der Last parasitärer, deutscher Währungstricksereien ganz zu schweigen.

    Prognose hinfällig.

    caw

    • Holly01 - 15. Februar 2012

      Ansich krankt der ganze “Westen” an der gleichen Krankheit. Man hat den Konjunkturzyklus ausgehebelt.
      Immer nur up, up und up mit immer mehr Geld pro %-Wachstum. Immer mehr Betriebe die nur noch existieren, aber nicht rentabel sind, mit immer mehr Ersatzmaßnahmen für INdustrie- und Agrarwachstum.
      Die Krux ist, das Dienstleistungen nachrangig sind und Finanzwesen nichts erschafft.
      Mit genug politischem “Willen” kann man alles maximal verbiegen, aber das zurückfedern kann man nicht verhindern. Die politischen “Biege- und Haltekräfte” erlahmen, weil denen das Geld ausgeht.
      Alles ist beliehen und mehrfach ausgegeben, abgeschrieben.
      Was kommt, kann man nicht verhindern. Das ist wie eine schiefe Ebene, wir haben den Karren schön raufgeschoben und können ihn nicht mehr halten.
      Der Rest wurde bereits (?) 1972 ? vom Club of Rome beschrieben. Die Menschheit wird auf das zurückfallen, was die Erde an Resourcen bietet. Wasser ist ein großes Problem, Essen ist ein Problem und der Willen zum Teilen fehlt gänzlich.
      Wenn ich die Essensmarken in den USA sehe, die arbeitslosen Jugendlichen in Spanien und die Tragödie in Griechenland, dann habe ich einen ungefähren Eindruck von dem was kommt.
      Man kann auch prognostizieren, wen es am schlimmsten erwischen wird.
      Das ist wie vor dem Mittelalter, immer die Schwachen müssen weichen.
      Ich liebe unsere Politiker, weil die so schön ihre Sonntagsreden halten, aber wer mag, kann 15 Jahre zurück gehen und schauen was die an Gesetzen verabschiedet haben.
      Die hatten damals schon Angst.
      so bekommt 9/11 einen ganz anderen Touch ……..

      • Andreas Demuth - 15. Februar 2012

        Was ist damit http://de.wikipedia.org/wiki/Georgia_Guidestones, speziell der erste Absatz?

        • hko - 15. Februar 2012

          @ Demuth
          das ist der Ausdruck freier Bürger in einem freien Land, mehr nicht.

      • Achim Hase - 16. Februar 2012

        Holly01: wir brauchen nur noch einen ganz geringen Teil der Bevölkerung um unsere Äcker zu bestellen und die Ernten einzufahren. So lange dieser kleine Teil noch seine Arbeit macht, muss keiner in Europa verhungern. Unsere Probleme sind daher auf absehbare Zeit ein paar Stufen höher auf der Maslow-Pyramide zu finden.

  • HAJO - 15. Februar 2012

    Hier der Link zu einer hoch interessanten historischen “Bestandsaufnahme” bzgl. Griechenland:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/griechenland-das-land-lebt-seit-seiner-geburt-im-totalen-bankrott-11645836.html

    Was hat sich denn in diesem Land seither wesentlich verändert? Sicherlich, Griechenland hat den Massentourismus entdeckt, doch es kann mit den “All-Inclusive” Angeboten der Türkei absolut nicht Schritt halten. Sehr viele Fracht- und Kreuzfahrtschiffe laufen unter griechischer Flagge, doch griechische Reedereien geraten zunehmend in den Strudel von Insolvenzen. Beim Export spezieller Agrarprodukte steckt Griechenland in einem harten Konkurrenzkampf mit Italien, Spanien, Portugal und der Türkei. Was hat denn dieses Land wohl noch an weiteren Gütern zu bieten, die für Importeure in den EU-Staaten interessant wären? Ach ja, unser Finanzminister Schäuble hatte vor etlichen Monaten mal angedacht, in Anbetracht seiner vielen Sonnenmonate könne man Griechenland vielleicht zu einem großen Exporteur von Solarenergie in den EU-Kern entwickeln. Die deutschen Stromkonzerne haben ihm allerdings bescheinigt, dass er keine Ahnung von Stromversorgung habe: Der sehr lange Transportweg von Griechenland nach Deutschland sei völlig unwirtschaftlich, und die Hochspannungsleitungen durch die ehemaligen Staaten Jugoslawiens befänden sich in einem desolaten Zustand. Diesbezügliche Investionen seien von der deutschen Stromwirtschaft nicht zu erwarten.

  • R1b - 15. Februar 2012

    Ja, ich meine, Griechenland ist ein Land komplett am Rande Europas, erreichbar auf dem Landweg, wie oben richtig festgestellt, ausschließlich über den Balkan und nicht nur die Hochspannungsleitungen sind dort in einem desolaten Zustand. Weit ab von jeglichen wirtschaftlichen Zentren. Das Land ist gebirgig, hat wenig fruchtbare Ebenen, leidet unter Wasserknappheit, große Flüsse gibt es nicht, folglich ist das Land auch ziemlich energiearm, dazu kommt, daß die Küste auch noch zerklüftet ist, was die verkehrstechnische Erschließung nicht gerade erleichtert und noch dazu aus enorm vielen Inseln besteht, die auch erst einmal versorgt werden müssen, Bodenschätze sind dort auch kaum, was bitteschön erwartet man eigentlich von diesem Land? Wunder? Nicht favorable geopolitische Faktoren könnte mans wohl nennen….

  • Thorsten Eckau - 16. Februar 2012

    Ich möchte auf folgenden Artikel in der ZEIT hinweisen, welchen ich für sehr informativ und hintergründig halte:

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-02/sparpolitik-krisenlaender

    Ein jeder mag sich selbst ein Bild davon machen, ob oder ob nicht er/sie dies mit trägt, aber ich denke dass der Verfasser hier ziemlich ins Schwarze trifft.

  • dicke bertha - 20. Februar 2012

    Fragen wir doch so: Was ist die Voraussetzung damit die Güternachfrage in Deutschland anzieht?

    Wovon ist die Nachfrage nach Investitons- und Konsumgütern abhängig?

    Und belebt eine höhere Nachfrage in Deutschland die Volkswirtschaften um uns herum?

    Was bedeutet es für die Währungsunion wenn die Konsumgüternachfrage in Griechenland um 1% anzieht und wenn die Nachfrage in Deutschland um 1% anzieht.

    Die Wachstumsaussichten der Währungsunion hängen an zwei drei Volkswirtschaften.

    Ein gemeinsames Vorgehen mit Frankreich, Italien und Spanien , mehr Defict Spending, würde unsere Wirtschaft und die Investitonstätigkeit beleben.

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