Zweites Rettungspaket für Griechenland

von am 21. Juli 2011 in Allgemein

Ein zweites Rettungspaket für Griechenland in Höhe von 159 Mrd. Euro bis 2014 unter der freiwilliger Beteiligung privater Gläubiger in Höhe von 49,6 Mrd. Euro, so ein Ergebnis des Euro-Sondergipfels in Brüssel und dies verschafft einen weiteren Zeitgewinn für das Konstrukt der Eurozone und deren gemeinsamer Währung. In der Sache leistet dieses zweite Rettungspaket kaum einen relevanten Beitrag zur Problemlösung, ist aber ein deutlicher Schritt in Richtung Transferunion. Dies dokumentieren heute auch plakativ die Renditen der Staatsanleihen der Mitglieder der Eurozone an den Finanzmärkten. Den sinkenden Renditen der Südperipherie  und Irlands standen die steigenden Renditen bei den Staatsanleihen der starken Volkswirtschaften der Eurozone gegenüber.

Den prozentualen Abschlägen bei den Renditen der Staatsanleihen im Vergleich zum Vortag in den Südperipherieländern und Irland, stand ein entsprechender Aufschlag bei deutschen, niederländischen, finnischen, französischen und österreichischen Staatsanleihen gegenüber. Quelle Tabelle: Euro-bonds.appspot.com/eurobonds.jsp

Wenn diese Entwicklung anhalten sollte, eine teurere Refinanzierung der deutschen Staatsanleihen an den Kapitalmärkten und vieles spricht dafür, dürfte erstmals auch in Deutschland die Staatsschuldenkrise der Südschiene und Irland spürbar werden, denn die Zinslast im Bundeshaushalt könnte deutlich steigen und damit dürfte sich die Haushaltslage verschlechtern und in Folge dieser Entwicklung könnten auch in einem absehbaren Zeitraum Sparmaßnahmen und Leistungskürzungen des Staates auf die Agenda in Deutschland kommen.

Hingegen für die Griechen dürfte niedrigere Zinsen für die Kredite aus dem Krisenfonds EFSF und längere Laufzeiten der Kredite eine gewisse Entlastung des Staatshaushalts bedeuten, nur an der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands und auch daran das die Staatsschulden weder aus eigener wirtschaftlicher Kraft bedient noch abgetragen werden können ändert der erneute Bailout wenig.

Die Entwicklung der Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen seit Januar 2002 im Dailychart. Heute sank die Rendite kräftig auf 33,807%.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen seit April 1998 im Dailychart. Heute sank die Rendite auf 16,486%.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen seit Januar 1989 im Dailychart. Heute stieg die Rendite auf 2,877%. Dieser Chart kommt in ein paar Monaten zur Wiedervorlage. Zum Vergrößern der Grafiken, bitte in 2 Schritten die Charts anklicken.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone haben sich für ein weiteres Systemstretching entschieden, etwas anderes war auch nicht zu erwarten. Lösungen für die fundamentalen Fehlentwicklungen in der Eurozone waren beim Sondergipfel nicht in Sicht, nur ein klares “Weiter so”!

Bundeskanzlerin Angela Merkel meinte anlässlich des zweiten Rettungspakets im gewohnt ALTERNATIVLOSEN Ton: „Für Deutschland sind der Euro und die europäische Union Grundlage von Wohlstand und Frieden. Was wir, wie in diesen Zeiten für Europa und den Euro aufwenden, dass bekommen wir um ein vielfaches zurück.“

Besonders “gut” ist auch dieser Auszug aus dem STATEMENT BY THE HEADS OF STATE OR GOVERNMENT OF THE EURO AREA AND EU INSTITUTIONS: “Seit dem Beginn der Schuldenkrise sind wichtige Maßnahmen ergriffen worden, um das Euro-Währungsgebiet zu stabilisieren, darunter die Reform der Regeln und die Entwicklung neuer Werkzeuge zur Stabilisierung. Die Erholung in der Eurozone ist auf gutem Weg und der Euro basiert auf soliden wirtschaftlichen Fundamentaldaten.”

Nachtrag vom 22.07.2011:

Die Rendite griechischer Staatsanleihen stürzen ab, so die 2-jährige auf 26,628%. Und sie könnten noch weiter fallen, denn private Gläubiger erhalten die Möglichkeit im Rahmen des 2. Rettungspakets die griechischen Staatsanleihen zurückzugeben bzw. auch in zwei verschiedenen Varianten umzutauschen, die ungefähr alle darauf hinauslaufen einen Nennwert von 80% bei Rückgabe oder am Ende der Laufzeit zu erhalten. Gemessen am Nennwert von 50% -60% für griechischer Anleihen in den letzten Tagen, ist dies keine wirkliche Beteiligung der privaten Gläubiger, sondern ein weiterer Bailout.

Die Bundeskanzlerin erinnert heute in der Bundespressekonferenz an die Berliner Erkärung anlässlich des 50. Jahrestages der Römischen Verträge und zitiert daraus: ”Wir Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union sind zu unserem Glück vereint.” Statt auf diesen Gemeinplatz, hätte sie besser auf den Vertrag über die Europäische Union vom 29.07.1992 verwiesen, mit dem geänderten Artikel 2: “Aufgabe der Gemeinschaft ist es, durch die Errichtung eines Gemeinsamen Marktes und einer Wirtschafts- und Währungsunion sowie durch die Durchführung der in den Artikeln 3 und 3 a genannten gemeinsamen Politiken oder Maßnahmen eine harmonische und ausgewogene Entwicklung des Wirtschaftslebens innerhalb der Gemeinschaft, ein beständiges, nichtinflationäres und umweltverträgliches Wachstum, einen hohen Grad an Konvergenz der Wirtschaftsleistungen, ein hohes Beschäftigungsniveau, ein hohes Maß an sozialem Schutz, die Hebung der Lebenshaltung und der Lebensqualität, den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern.“ 

Deutlicher ist die Divergenz zwischen Anspruch und Realität nicht herauszuarbeiten. 

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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