Zypern: 10% aller Bankeinlagen sind im April “geflüchtet”

von am 29. Mai 2013 in Allgemein

Die zyprische Zentralbank berichtete heute die Daten zu den aggregierten MFI – Bilanzen, darunter die Daten zu den Deposits (Bankeinlagen) bei den zyprischen Banken (Monetary Financial Institutions). Die Daten liefern erstaunliches, trotz angeblichen Kapitalverkehrskontrollen kommt es zu beachtlichen Abflüssen bei den Bankeinlagen. Nachdem bereits im März -3,752 Mrd. Euro aus den zyprischen Banken abgezogen wurden, entschwanden im April -6,346 Mrd. Euro, immerhin 10% aller Bankeinlagen – in nur einem Monat. Selbst Kapitalverkehrskontrollen scheinen in der Eurozone nicht effektiv zu funktionieren!

1aDie Entwicklung der Bankeinlagen bei den zyprischen MFIs seit Januar 2006 bis April 2013 im Vergleich zum Vormonat im Chart. Besonders erhellend, wie schon im März, besonders Ausländer (grün-residents of rest of the world) ziehen ihre Einlagen ab, im April -3,087 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Abzug der Bankeinlagen der Ausländer von -16,2% aller Bankeinlagen von Ausländern – ebenfalls in nur einem Monat!

2aDie Entwicklung der Bankeinlagen bei den zyprischen MFIs seit Januar 2006 bis April 2013 im Chart. Im April 2013 sanken die Bankeinlagen um -6,346 Mrd. Euro zum Vormonat, auf 57,371 Mrd. Euro.

Dafür das große Teile der Einlagen, bis zu 60% ab 100’000 Euro gesperrt sind und als zyprischer Eigenanteil zur Sanierung der Banken verwendet werden sollen, fließt doch erstaunlich viel Geld ab, was den Fokus drauf schärft, dass die Rettung Zyperns und seiner Banken noch viel teurer werden dürfte als bisher angenommen. Am 13.05.2013 floss die erste “Rettungstranche” aus dem ESM in Höhe von 2 Mrd. Euro nach Zypern, insgesamt 9 Mrd. Euro sollen aus dem ESM fließen und 1 Mrd. Euro vom IWF. Niemand stellt anscheinend die Frage, wie bei nur 500 Euro täglich, die Zyprer in bar abheben können, 15’000 Euro die maximal im Monat von Privatpersonen überwiesen werden dürfen und 75’000 Euro im Monat die von Unternehmen überwiesen werden dürfen, in nur 2 Monaten -10,097 Mrd. Euro an Bankeinlagen entschwinden können?

Anscheinend bleibt in der Eurozone alles beim Alten, trotz beschlossener fulminanter Beteiligung der zyprischen Bankguthaben (Tarnkappe Bail In?), finanziert der europäische Steuerzahler die Flucht der Bankguthaben, denn immerhin konnten -10,097 Mrd. Euro in nur 2 Monaten entschwinden, also wie immer alles außer Kontrolle in der Eurozone! Die Sozialisierung der Verluste aus den Verwerfungen nimmt immer noch seinen Lauf, so wie die Privatisierung der Gewinne, wo immer diese auflaufen.

Quelle Daten: Centralbank.gov.cy/Monetary and Financial Statistics/Portal

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

10 KommentareKommentieren

  • Stefan Vogel - 29. Mai 2013

    Hallo Steffen,

    habe vergessen diesen Monat zu überweisen, morgen kommt die doppelte Dosis und es wird jetzt ein Dauerauftrag.

    Ich habe mir den Monatsbericht von April angesehen (zyprische Nationalbank) und nichts gesehen (keine Geldscheine, keine Target2 Erhöhung…..). Kannst Du Dir das mal ansehen?

    Gruss aus Mainz

    Stefan

    • Querschuss - 30. Mai 2013

      Hallo Stefan,
      Danke!
      Leider sind in der zyprischen Zentralbankbilanz keine Auffälligkeiten zu sehen, die den Abzug der Bankeinlagen bei den MFIs erklären könnten. Insofern inkonsistent, denn wenn 6 Mrd. Euro im April von den Bankeinlagen verschwinden müsste der Banknotenumlauf, der negative Target2 Saldo steigen oder eben die Währungsreserven abschmelzen. Aber vielleicht ist das Geld auch noch in Zypern, in bar gehortet, die Banknoten wurden von der Bundesbank geliefert, Verbindlichkeit der zyprischen Banken gegenüber der BUBA respektive Forderung der BUBA gegen die zyprischen Banken und gleichzeitig eine Verbindlichkeit der BUBA gegen das Eurosystem, eine andere Erklärung habe ich nicht, die Banknoten sollen ja laut Medienberichten aus Deutschland geliefert worden sein. Ansonsten ist die Inkonsistenz der MFI-Bilanzen und der Zentralbankbilanz in Zyperns ein klarer Fall von Creativ-Accountig :)

      Doch so was gibt es doch nicht in der Eurozone, oder?

      Gruß Steffen

      • Roland - 30. Mai 2013

        “Creativ-accounting” würde die beaufsichtigende Troika niemals zulassen und kann ihr auch nicht untergeschoben werden.

        • Roland - 30. Mai 2013

          Nachtrag:
          Die “Russian Commercial Bank” (Cyprus) erklärt auf ihrer webpage, dass mit dem 27.5. alle Restriktionen für ausländische Kunden aufgehoben wurden.
          Der Abfluss von Kapital könnte also evtl. noch zunehmen.
          target 2 bleibt ja außen vor, wenn diese Gelder aus der EURO-Zone heraus verbracht werden.

  • MartinR - 29. Mai 2013

    Schoenen Dank fuer diese interessanten Daten, Steffen. Vor allem weil Zypern schon wieder raus aus dem Medienfokus ist.

    Erstaunlich finde ich sie aber nicht. Ist doch nachvollziehbar, dass die Sparer und Kontoinhaber im Rahmen ihrer eingeschraenkten Moeglichkeiten, ihre Guthaben jetzt stetig abauen. Wer weiss schon wie lange die Banken liquide bleiben, die 10 Mrd Hilfe sind ja schon verdampft, bevor sie eingetroffen sind.

    Dient Zypern also weiter als Versuchsballon fuer die EU, ob ein Bankrun abgefedert werden kann?

  • Chotschen - 29. Mai 2013

    Besonders auffällig ist, dass vor allem das ausländische Kapital entfliehen konnte. Wer weiß, ob da nicht bewusst Geldmittel unbeaufsichtigt gelassen wurden.

  • Mammon - 30. Mai 2013

    Köstlich danke querschuees

  • Bubblegum - 30. Mai 2013

    @Chotschen,

    Was soll so ein armer Bankmensch in Zypern denn auch gegen die ach so ” freundliche” Aufforderung
    der Diebe im Gesetz unternehmen können!
    Viele Grüße Bubblegum

  • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 30. Mai 2013

    Es haben sicher einige mit den Bankeinlagen Aktien gekauft. So könnte man zumindest die Schrumpfung erklären und von einer Beschränkung für Aktienkäufe wurde nichts kommuniziert.

  • Ethel Contreras - 31. Mai 2013

    Das Institut der deutschen Wirtschaft hat die Teilbeschlüsse des zyprischen Parlaments im Kampf gegen den Staatsbankrott als ein Einlenken auf den richtigen Weg bezeichnet. Das verabschiedete Gesetz zur Aufspaltung von in Schieflage geratenen Finanzinstituten sei wichtig, damit der überdimensionierte Bankensektor, wie von den europäischen Partnern gefordert, geschrumpft werden könne, sagte IW-Direktor Michael Hüther im Deutschlandfunk. “Die Aufspaltung der Laiki-Bank in eine Good Bank und eine Bad Bank ist da ganz wichtig”, betonte Hüther mit Verweis auf die zweitgrößte Bank des Landes. Eine tragbare Einigung im Parlament bis Ablauf der EU-Frist am Montag sei möglich. “Ich glaube, der Druck wird am Wochenende zu einer heilsamen Lösung führen”, sagte Hüther. Zugleich trat Hüther Sorgen vor einer Verschärfung der Euro-Schuldenkrise durch einen Bankrott des kleinen Inselstaates entgegen. Es gebe hier keinen systemischer Effekt.