23,7 Billionen Dollar – eine unvorstellbare Summe

von am 20. Juli 2009 in Allgemein

In seinem vierteljährlichen Bericht an den US-Kongress verweist Neil Barofsky, der Special Inspector General for the Troubled Asset Relief Program (SIGTARP) auf eine maximal mögliche Bruttoexposition inkl. der staatlichen Garantien und Sicherheiten von 23,7 Billionen Dollar hin, welche die FED, das US-Finanzministeriums, die US-Einlagensicherung FDIC, die Federal Housing Finance Agency, die Federal Housing Administration (FHA) und andere Einrichtungen eingehen könnten um die Finanz- und Wirtschaftskrise in den USA zu bewältigen.

Die 23,7 Billionen Dollar sind die maximale Bruttoverpflichtung aus über 50 staatlichen Initiativen und Programmen zur Eindämmung der Krise.

Das 700 Mrd. Dollar schwere TARP-Bankenrettungsprogramm wird in dem Bericht als ein Programm mit einem noch nie da gewesenen Umfang, Größenordnung und Komplexität bezeichnet, welches laut Barofsky durch andere Komponente eine Ausweitung auf bis zu 3 Billionen Dollar erfahren könnte. 79,3 Mrd. Dollar aus TARP sind an die US-Autobauer GM, Chrysler und an den Autofinanzierer GMAC geflossen! Weitere 5 Mrd. Dollar an Autozulieferfirmen. An den Versicherer AIG sind aus TARP 69,8 Mrd. Dollar verschoben worden und für die Citigroup gibt es eine 301 Mrd. Dollar Vermögenswertgarantie, Asset Guarantee Program (AGP)!

TARP hilft auch bei TALF, der Term Asset-Backed Securities Loan Facility, hier könnten sich US-Unternehmen, u.a. auch Hedgefonds, bis zu 1 Billionen Dollar an Asset Backed Securities (ABS- Kreditverbriefungen), welche auf US-Konsumenten-, Auto-, Studenten- und Kreditkartendarlehen basieren, aufkaufen lassen. An einer weiteren kräftigen Erweiterung auf andere faule Kreditverbriefungen ist auch TARP beteiligt, am Public-Private Investment Program (PPIP), bei dem nochmal bis zu 1 Billion Dollar an Kreditverbriefungen aufgekauft werden könnten!

TARP ist aber nur ein Bestandteil der umfassenden Bemühungen der US-Regierung zur Stabilisierung des Finanzsystems. Einen großen Anteil an potentiellen Hilfen für den Erhalt des Systems leistet die FED:

Gewaltige 6,8 Billionen Dollar würde die FED im Extremfall bereitstellen, u.a. 1,8 Billionen Dollar in Form von kurzfristigen Schuldverschreibungen über die Commercial Paper Funding Facility (CPFF). Zum Vergrößern bitte die Tabelle anklicken!

2,3 Billionen Dollar würden maximal über die US-Einlagenversicherung FDIC ins System gespeist. Die FDIC schützt alle Kundeneinlagen bis 250’000 Dollar je Konto. Die Versicherung muss für 4,831 Billionen Dollar an Kundeneinlagen greifen, hier erscheinen avisierte 700 Mrd. Dollar als Extremexposition nicht gerade übertrieben! Die FDIC garantiert auch Anleiheemissionen mit dem Temporary Liquidity Guarantee Program (TLGP) in Höhe von maximal 940 Mrd. Dollar. Die mit einer TLGP-Garantie versehenen Bonds profitieren von niedrigeren Refinanzierungskosten.

 

Gewaltige 7,4 Billionen Dollar könnte das US-Finanzministerium beisteuern, 3 Billionen Dollar aus dem TARP-Programm und 4,4 Billionen Dollar aus dem NON-TARP-Programmen! Ungeheure 3,355 Billionen Dollar könnte alleine die maximale Stützung von Geldmarktfonds betragen über das Money Market Mutual Fund (MMMF) Programm!

Unfassbare 7,2 Billionen Dollar könnten die Belastungen durch die Finanzierungen des US-Häusermarktes durch die verschiedenen Agency’s-Programme erreichen. Zur Stützung der 12 regionalen Federal Home Loan Banks könnten 1,3 Billionen Dollar fällig werden und irrwitzige 5,5 Billionen Dollar für die Kosten der Federal Housing Finance Agency (FHFA) aus der Verstaatlichung der beiden Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac!

Diese unvorstellbaren Summen könnten allerdings nur vakant werden wenn alle in Frage kommenden Antragsteller die maximale Unterstützung im gleichen Zeitfenster stellen würden. Allerdings übertrifft diese Aussage des Generalinspektor, der für die Kontrolle des TARP-Program zuständig ist, alle bisher in der Öffentlichkeit präsentierten Summen an angekündigten und bereits umgesetzten Liquiditätsprogramme, Nothilfen und Kreditgarantien! Bisher war die maximale Höhe zuletzt von der FDIC mit 13,9 Billionen Dollar (PDF Seite 4) angegeben worden!

Die von Barofsky avisierten 23,7 Billionen Dollar wären immerhin 170% des nominalen BIPs (aller erwirtschafteten Waren, Güter und Dienstleistungen eines Jahres) der USA und würden runter gebrochen auf den einzelnen US-Bürger 80’000 Dollar bedeuten!
Barofsky ist ein ehemaliger US-Bundesstaatsanwalt von New York, der sich einen guten Ruf bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität beim Dogenmilieu und bei Korruption und Geldwäsche erworben hatte.

In seinem Bericht empfiehlt er eine höhere Rechenschaftspflicht, die alle Teilnehmer am TARP-Program dazu verpflichten soll, über die Verwendung der Mittel detailliert zu berichten. Dem Finanzministerium, dass in Hinblick darauf zu inaktiv sei, gab er im Bericht mit auf den Weg: “Die Glaubwürdigkeit von TARP und damit in hohem Maße die Chance auf einen Erfolg hängt davon ab, ob das Finanzministerium ein hohes Maß an Transparenz sicherstellt.”
Der republikanische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus Darrell Issa, Mitglied im Ausschuss zur Überwachung von TARP schrieb dazu: “Wenn man eine Million Dollar pro Tag seit der Geburt Christi ausgibt, kommt man noch nicht mal auf 1 Billion Dollar – 23,7 Billionen Dollar ist eine erstaunliche Zahl”.

Die Angaben im Bericht des Generalinspekteur verdeutlichen noch einmal mehr, in welchem einzigartiges Geldexperiment wir uns bewegen und dies legt zugleich den Finger in die offene Wunde. Das erstaunliche ist nicht, dass sich vielleicht die Wirtschaft erholt, sondern das der positive realwirtschaftliche Effekt trotz geplanter und eingesetzter hoher Summen – so gering ausfällt. Dies ist eine schwere Bürde, denn sollte es nur zu einem kurzen zarten Aufschwung kommen und danach die Wirtschaft wieder in eine Art Agonie fallen, ist das Ende der Fahnenstange nahe!

Solche aberwitzigen finanziellen Stimulus-Programme sind nicht beliebig wiederholbar. Solche virtuellen finanziellen Verrenkungen sind Beleg, wie dieses Wirtschafts- und Finanzsystem durch Deregulierung, mangelnder Aufsicht, exzessive Kreditvergabe und Verschuldung, sowie hemmungslose Gier und komplette Fehleinschätzung von Risiken abgewirtschaftet wurde!

Quelle Daten und Tabellen: PDF SIGTARP Quarterly Report to Congress und Foxnews.com, News.yahoo.com

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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