ABACUS 2007-AC1 – “Gottes Werk”

Die US-Börsenaufsicht, US Securities and Exchange Commission (SEC) teilte heute mit, dass sie die Geschäftsbank Goldman Sachs wegen Wertpapierbetrug verklagt! Ein bemerkenswerter Vorgang, schließlich verrichtet Goldman Sachs nach Intention von CEO Lloyd Blankfein nur “Gottes Werk”! Im Selbstverdrängungsmechanismus der Finanzmarktakteure ist der Weg von einem “organisierten Betrug” zu “Gottes Werk” nicht weit.


Goldman Sachs hatte synthetische Collateralized Debt Obligations (CDOs) konstruiert, die mit Kreditverbriefungen aus Subprime-Residential Mortgage Backed Security (RMBS) besichert waren und diese über eine Zweckgesellschaft, Special Purpose Vehicle (SPV), mit Sitz auf den Cayman Islands vertrieben. Soweit der ganz normale und übliche Banken-Wahnsinn!

Pikant daran, der einflussreiche Hedgefond Paulson & Co. hatte Goldman Sachs mit der Konstruktion des CDOs, genaugenommen Credit Linked Notes (CLNs), beauftragt und war bei der Auswahl, dem Verpacken der zweitklassigen Anleihen federführend beteiligt. Während die Investoren der 2 Mrd. Dollar Emission dicke Verluste einfuhren, generierte gleichzeitig der Hedgefond Paulson & Co mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps (CDS)) auf diese Konstruktion kräftige Gewinne. Dies nährt den berechtigten Verdacht, dass beim Verpacken bewusst die miesesten RMBS-Papiere mit einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit in den ABACUS gepackt wurden! Goldman Sachs wiederum hat den Anlegern bei ABACUS 2007-AC1 die führende Rolle des Hedgefonds im Prospekt verschwiegen, stattdessen wurde zum Zwecke der Glaubwürdigkeit die unabhängige Analysegesellschaft ACA Management LCC., Tochter des US-Anleiheversicherers ACA Financial Guaranty Corporation, als Verantwortliche beim Verpacken der RMBS-Papiere (Portfolio Selection Agent) benannt. Siehe PDF Seite 12: ABACUS-Prospekt

Die komplexe Struktur von Credit Linked Note (CLN), synthetische Unternehmensanleihen sind spezielle Formen von Kreditderivaten kombiniert mit Anleihen. Zum Vergrößern bitte die Grafik anklicken! ABACUS 2007-AC1 ist ein Special Purpose Vehicle (SPV) und die CLNs dienen dem Transfer des Kreditrisikos! CLNs stellen synthetische Verbriefungen dar, die RMBS verblieben zwar in der Bilanz von Goldman Sachs, aber es wird das Risiko des Kredits gleichsam verbrieft und in dieser Form an den Risikonehmer (Investor) weitergeleitet. Der Rückzahlungsbetrag aus den CLNs an den Investor wird um den Betrag gekürzt den der Risikogeber (Goldman Sachs) im originären Kreditgeschäft erlitten hat!

Goldman Sachs Vice President Fabrice Tourre, verantwortlich seitens der Bank für die Struktur, den Vertrieb und das Marketing von ABACUS behielt nicht nur die führende Rolle des Hedgefonds für sich, sondern suggerierte anscheinend dem Management der Analysegesellschaft ACA, dass der Hegdefond Paulson & Co. rund 200 Millionen Dollar in ABACUS investiert habe und somit dieselben Interessen wie ACA an ABACUS hatte. Das Gegenteil war der Fall!

Auch die unrühmliche Rolle der Ratingagenturen wird im Falle von ABACUS deutlich. Am 28. Februar 2007 war das zu Grunde liegende Referenz Portfolio von Moody’s mit dem zweitniedrigsten Investment Grade Baa2 bewertet worden. Durch die Beimischung von Kreditderivaten bekamen Teiltranchen mit einem Volumen von 480 Millionen Dollar sogar ein AAA-Rating. Bereits am 29. Januar 2008 waren 99% des mit Subprime RMBS-Papieren besicherten Portfolios auf Speculative Grade herabgestuft.

Investoren in ABACUS haben nach Angaben der SEC mehr als 1 Mrd. Dollar verloren, darunter die Royal Bank of Scotland (ursprünglich ABN-AMRO) und auch die deutsche “Mittelstandsbank” IKB verlor 150 Millionen Dollar durch ein ABACUS-Investment. Die SEC schreibt u.a. in der Klage gegen Goldman Sachs, dass gerade die IKB durch eine falsche Darstellung der Auswahlkriterien im Referenz Portfolio zum Fehlinvestment verleitet wurde!

Der Hedge Fond Paulson & Co. gewann dagegen laut Bloomberg 1 Mrd. Dollar an dem Verfall der CDOs! Das spekulative Kapital des Paulson & Co. Hedgefonds beträgt übrigens 32 Mrd. Dollar!

Goldman Sachs war bereits in einige gut gefüllte Fettnäpfchen getappt. Das US-Finanzministerium gewährte Goldman Sachs im Zuge der Finanzkrise über die US-Steuerzahler 10 Milliarden Dollar an Hilfen! Im Geschäftsjahr 2009 wiesen die Goldmänner bereits 13,4 Mrd. Dollar an Gewinn aus und genehmigten sich 16,193 Mrd. Dollar an Gehalts- und Bonizahlungen, dies entsprach für pro Mitarbeiter durchschnittlich 498’246 Dollar! Goldman Sachs war auch einer der größten Profiteure vom staatlichen Bailout der AIG! Insgesamt wurden nachdem Bailout Steuergelder in Höhe von 14 Mrd. Dollar über die AIG an die Goldmänner gezahlt! Goldman Sachs spielte auch eine unrühmliche Rolle beim Verschleiern der Schulden Griechenlands!

Der amerikanische Immobilienmarkt, insbesondere Subprime-Hypotheken, Kreditverbriefungen und Derivate standen im Zentrum der Finanzkrise. Bis heute fehlt eine Finanzmarktreform, die diesen Namen auch verdient, eine strenge Regulierung des Finanzmarktes, der Verbot undurchschaubarer Finanzinnovationen und eine Haftung für diese Produkte durch die Emittenten. Der ABACUS steht nur exemplarisch für die Verwerfungen und das Wirken des Hedgefonds Paulson & Co zeigt nur die Spitze des Eisbergs.

Kreditverbriefungen und Kreditderivate führten zu einem unfassbaren Kreditrisiken-Verschiebebahnhof, bei dem sich in letzter Konsequenz, die Marktteilnehmer in Sicherheit wogen, trotz unglaublicher Volumen an fauler Kredite! Die urkapitalistische Tugend, dass diejenigen, welche die Risiken eingehen diese auch tragen müssen, wurde bis zur Unkenntlichkeit zerstört!

Das Erhalten der spekulativen Finanzmarktstrukturen durch den Staat und die Notenbank und das ungehinderte Wirken der Finanzmarktakteure, wie Banken, Hedgefonds und Private Equity-Gesellschaften zum Schaden der gesamten Wirtschaft bleibt ein fataler Fehler!
Die Aktie von Goldman Sachs fiel heute in Folge der SEC-Klage um -12,63% bzw. um -23,28 Dollar auf 160,99 Dollar und leitete eine erste Korrektur an den Aktienmärkten, aber auch an den Rohstoffmärkten ein!

Quelle: Sec.gov

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