Blick auf die Leistungsbilanzen

von am 9. November 2011 in Allgemein

Der Krise in der Eurozone liegt grundsätzlich die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften zu Grunde, eine Leistungsfähigkeit die sich seit dem Bestehen des Währungsraumes in einer immer größeren Divergenz dokumentiert und dadurch für die schwachen Volkswirtschaften eine immer umfangreicherer Finanzierung der Leistungsbilanz- und Staatshaushaltsdefiziten erforderte. Die aktuelle Staatschuldenkrise ist nichts anderes als das privates Kapital die Defizite der Südperipherie nicht mehr finanziert und diesen Part nun die nationalen Notenbanken im Eurosystem mit Zentralbankgeld übernehmen.

Die Austeritätsmaßnahmen sind im Gegenzug der Versuch die Defizite einzudämmen, führen aber zu einer Kontraktion der wirtschaftlichen Aktivität und konterkarieren damit das eigentliche Ziel. In der Sache selbst, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gibt es kaum Fortschritte, der Output der Industrie der Südperipherie verharrt auf einem erbärmlichen Niveau von 1994 bis 1997. Auch die Leistungsbilanzdefizite bauen sich nicht genügend ab, so dass es auch von dieser Seite keine wirkliche Entlastung gibt:

Die Entwicklung der Leistungsbilanzen von Deutschland, Frankreich, Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien von Q1 1995 bis Q11 2011. Zwar verengen sich die Abstände etwas, aber trotzdem sind die Defizite der PIIGS und Frankreich viel zu hoch und weisen auf mangelnde wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hin.

Kumuliert betrug das Leistungsbilanzdefizit der PIIGS und Frankreich in Q2 2011 -49,041 Mrd. Euro, nach -61,697 Mrd. Euro im Vorquartal und nach -46,370 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Die chronischen Defizite gilt es Quartal für Quartal durch Kapitalzuflüsse zu finanzieren und diese Defizite erhöhen auch immer weiter die Auslandsverschuldung der Südperipherie. Die aktuelle private Kapitalflucht aus der Südperipherie erhöht die Problematik.

Zuletzt in Q2 2011 betrug der Leistungsbilanzüberschuss von Deutschland +27,201 Mrd. Euro, das Defizit von Irland -488 Mio. Euro, von Portugal -4,840 Mrd. Euro, von Griechenland -5,744 Mrd. Euro, von Spanien -9,910 Mrd. Euro von Italien -13,807 Mrd. Euro und von Frankreich -14,252 Mrd. Euro.

Selbst Irland hat seit Q1 2005 ein Leistungsbilanzdefizit von -37,742Mrd. Euro kumuliert, von der einsetzenden Kapitalflucht im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise ganz zu schweigen. Unter der herrschenden Agenda sind keine Lösungen der Probleme in Sicht. Denn Austeritätsmaßnahmen die u.a. dazu führen das die Investitionen in die unterentwickelten Volkswirtschaften der Südperipherie deutlich schrumpfen sind nicht dazu geeignet die Probleme zu beheben. Während zuletzt in Q2 2011 in Deutschland die Bruttoanlageinvestitionen um +7,46% zum Vorjahresquartal zulegten, ging es sogar in Irland überraschend um -16,9% abwärts, in Griechenland um -17,7%, in Portugal um -8,9% und in Spanien um -4,5% jeweils zum Vorjahresquartal. In Italien ging es wenigstens noch um +2,8% und in Frankreich um +4,9% aufwärts.

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

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