Butter bei die Fische: ESM-Aufstockung nur bei europaweiter Zustimmung zu Finanzsteuer

von am 29. Januar 2012 in Allgemein

Immer wieder aufs Neue zeigt sich, dass in der Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise einzig immer noch mehr Geld und immer noch weiter gehende Sparmaßnahmen als Lösung angesehen werden. Was die Hilfsmittel und die ergriffenen Sparmaßnahmen bewirken und ob sie mit Blick auf die bisherigen Wirkungen überhaupt sinnvoll sind, spielt in jeder neu in den Medien angestoßenen Debatte angesichts des „dringenden“ Handlungsbedarfs keine Rolle. Die inzwischen sehr gut dokumentierte Abwärtsspirale, in der sich Schuldenstaaten wie Griechenland, Portugal und zunehmend auch Spanien deswegen befinden, wird ignoriert. Man könnte dieses Vorgehen aus diesem Grund auch als gewollten Blindflug bezeichnen, was – vor allem wenn man an die Weimarer Republik denkt – Grund zur Sorge ist, weil sich eine kritische Überprüfung des bisherigen Krisenkurses nicht einmal abzeichnet.

Auffällig ist auch, dass Entscheidungen über Maßnahmen zur sinnvollen Eingrenzung der Finanzmärkte auch im vierten Jahr nach der Lehman-Pleite kaum vom Fleck kommen. Der Druck zur fortlaufenden Erhöhung der finanziellen Risiken von Retter-Staaten und zur Verfolgung eines drastischen Sparkurses in den Schuldenstaaten ist sehr effektiv, obwohl beides – mit unterschiedlichem Zeithorizont – selbstzerstörerisch ist. Selbstzerstörerisch ist das jedenfalls so lange, wie die Finanzmärkte, deren potenzieller Kollaps infolge nach wie vor viel zu riskanter Geschäfte und Wetten ja der Hauptgrund für die Forderung von immer mehr Geld für die Rettung von Schuldenstaaten ist, nicht gezügelt werden. Doch der Handlungsdruck für die Ergreifung entsprechender Maßnahmen ist offensichtlich immer noch zu gering. Man muss sich wirklich fragen, ob es erst einen neuen Kollaps geben muss, damit sich in diesem Punkt etwas ändert – was dann freilich zu spät wäre.

Aktuell wird von allen Seiten – insbesondere vom Internationalen Währungsfonds, den USA, Großbritannien, Italien und neuerdings auch von Österreich – Druck auf die Bundesregierung ausgeübt, endlich einer finanziellen Aufstockung des European Stability Mechanism (ESM) zuzustimmen. (1) Es ist eine neue Runde des Kampfes für eine aberwitzige Krisenpolitik mit dem Geldbeutel.

Vielleicht wäre das die Gelegenheit für die Bundesregierung, aus der Not eine Tugend zu machen und den Spieß umzudrehen, das heißt, endlich den nötigen Druck für den Beschluss von Maßnahmen zur Zügelung der Finanzmärkte zu erzeugen: Was spräche dagegen, die deutsche Zustimmung zur Erhöhung der finanziellen Ausstattung des ESM an die Zustimmung für eine europaweit geltende Finanztransaktionssteuer zu koppeln? Denn wieso soll das Wohl und Wehe des Euros allein vom (deutschen) Geld abhängen? Um Profitgier bzw. hoch riskante Geschäfte von Finanzmarktakteuren abzusichern? Immerhin müsste ja auch David Cameron, der sich für die britische Finanzindustrie stark macht, ein großes, nationales Interesse daran haben, dass diese nicht in Schwierigkeiten kommt – was leicht geschehen kann, denn die britischen Banken sind die mit Abstand am stärksten verschuldeten weltweit (2).

Freilich kann man für oder gegen die Finanztransaktionssteuer sein und sich ewig darüber streiten, wie wirksam sie wohl wäre und welche negativen Folgen sie hätte. Dann aber muss man im Gegenzug akzeptieren, dass in der gleichen Weise über die Maßnahmen zur Rettung von Schuldenstaaten und zur Überwindung der Schuldenkrise in den Schuldenstaaten debattiert wird – was auf einer grundsätzlichen Ebene bisher nicht geschehen ist. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sie bisher alles andere als effektiv waren, ist eine Fortsetzung der bisherigen Rettungspolitik mit dem Geldbeutel in der Euro-Zone gar nicht mehr zu rechtfertigen und eine solche Debatte längst überfällig.

Die Schuldenkrise ist nicht beendet, sie ist noch nicht einmal gestoppt – nicht in Europa, nicht in Japan und schon gar nicht in den USA. Dasselbe gilt aber auch für die Finanzmarktkrise und die nahezu ungebremst weiter wuchernden Finanzmarktrisiken, die die Schuldenkrise erst so gefährlich gemacht haben. Mit Geld und Austeritätspolitik löst man die interdependenten Finanzmarkt- und Schuldenprobleme nicht.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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33 KommentareKommentieren

  • der Bauer aus dem Hunsrück - 29. Januar 2012

    die Ursachen sind die gleichen wie 1929, die akkumulationszeiten bis zum crash betrug 1929 ca. 10-15 jahre, die krise 2008 ff begann bereits 1991, kulminierte zunächst mit der dot.com blase 1999-2000, deren Abgesang dank 9/11 noch einmal aufgeschoben werden konnte um dann endgültig ab 2006 ihren ruinösen Weg zu beschreiten im Wohlwissen aller Involvierten. Damals litten die stäksten Volkswirtsschaften am stärksten, weil sie, wie heute, unsummen an erträgen in das system zurückschleusten auf der suche nach rendite bei der suche nach schuldnern nicht wählerisch waren. Heute ist es nicht anders. US-Staatsanleihen in $, die nie mehr zurückgezahlt werden können, ebenso wie €-Staatsanleihen, die einst auf der Suche nach rendite P und GR hinterhergeworfen wurden, wohlwissend, dass ab einem gewissen Volumen, deren Rückzahlbarkeit infrage steht, ebenso wohlwissend, dass keine regierung der sog. demokratischen Länder im Zweifel den Kampf mit dem Kapital und den Investoren aufnehmen wird um sie untergehen zu lassen. So gesehen handelt es sich bei den Renditebestrebungen um vorsätzliche Erpressung ganzer Volkswirtschaften. Wenn wir uns nicht bald dagegen erheben, wird das immer wieder passieren. Wir werden zu erpressbare Sklaven des Kapitals.

  • peter - 29. Januar 2012

    “Wir werden zu erpressbare Sklaven des Kapitals.”

    Wir sind es doch schon!

    Und alle Verantwortlichen (allen voran unsere – von mir nicht gewählte – Bundeskanzlerin) erpressen uns bereits, angetrieben von Beratern wie Hrn. Ackermann.

  • peter - 29. Januar 2012

    @Werner: dem Staat mehr Geld “zuzuschustern” wäre ja wohl mehr als legitim, bisher wurde ja nur den Banken geholfen ( was ja wohl zu einem erheblichen Teil dazu geführt hat, dass sich Staaten deswegen verschuldet haben, siehe Spanien!). Also gerechter Ausgleich!

    “Dabei wäre eine Trennung von Zahlungs-Verkehr / Geschäftsbanken (die NICHT spekulieren dürfen (!) ) aber systemisch wichtig sind und Invesmentbanken (die nach herzenslust spekulieren und pleite gehen dürfen) aber systemisch irrelevant sind eine seeehr einfache Sache.”

    Auf solche einfache Lösungen warte ich schon lange, aber dazu ist unsere regierung angesichts der vorhandenen verflechtungen unfähig!

  • Kistrof - 29. Januar 2012

    Die Finanztransaktionssteuer löst sicher nicht das “too big to fail”-Problem.

    Es gibt aber andere Probleme, die damit wenn vielleicht nicht gelöst, so doch gemildert werden können. Mit einer FTS könnte man insb. das High-Frequency-Trading bremsen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hochfrequenz-Handel
    Laut ökonomischer Theorie ist der höhere Zweck der Börse eine optimale Kapitalallokation, in dem vor allem fundamentale realwirtschaftliche Überlegungen die Kauf-/Verkaufsentscheidungen bestimmen. HFT ist das Gegenteil davon: Im Jahr 1980 hielten Käufer Ihre Aktien im Schnitt zehn Jahre. Im Jahr 2008 waren es noch 3 Monate.

  • Systemfrager - 30. Januar 2012

    @ der Bauer aus dem Hunsrück
    >>> die Ursachen sind die gleichen wie 1929, die akkumulationszeiten bis zum crash betrug 1929 ca. 10-15 jahre

    Ja, der Kapitalismus funktioniert seit über zwei Jahrhunderten auf immer gleiche ZYKLISCHE Weise, aber die akademischen Theorien seines Funktionierens beruhen auf einem paradigmatischen Modell, wo es logisch absolut ausgeschlossen ist, dass der Kapitalismus periodische Einbrüche haben kann. Sind alle Wirtschaftwissenschaftler einfach nur Idioten?

    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
    Albert Einstein

    Verrückt ist, wer immer wieder das gleiche tut und ein anderes ergebnis erwartet.

    James Robbins

    Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

    Einstein

  • Holly01 - 30. Januar 2012

    erstens : Es gibt keine deutsche Sonderposition. Die deutsche Politik ist genauso abhängig wie im Rest der Industriestaaten und denkt garnicht daran die Axt an der Problembasis anzusetzen.
    zweitens : Der Hochfrequenzhandel wurde bereits angesprochen. Ich plädiere für eine Wertstellung für alle Finanztransaktionen. Es sollten mindestens 24h sein, Wertstellungskonten bei der EZB anzusiedeln.
    drittens : Klare Trennung von Privatkundengeschäft und ALLEN anderen Bankgeschäften. Guthaben von Kunden dürfen nicht als Banksicherheit angesehen werden.
    viertens : Hypotheken dürfen nicht mehr als handelbare Sicherheit eingesetzt werden oder es muss zumindest eine Stelle geben, die bei Insolvenz des Inhabers der Sicherheit, diese Hypothek aufnimmt, damit sie nicht unmittelbar für den Hypothekennehmer fällig wird.
    fünftens : Zwangsnetting für alle deutschen – europäischen Banken. Alle Positionen, welche man verrechnen kann werden unter Aufsicht der Bankenaufsichten abgewickelt. Sofort.
    sechstens : Die Staaten und Sozialsysteme müssen Kostendeckend gestaltet werden. Es kann nicht sein, dass die jenigen, die wirtschaftlich am Ende der Nahrungskette stehen und mit der Krise rein garnichts verursacherisch zu tun haben, am meisten bluten.
    siebtens : Umstellung von Schuldenregiemen auf Guthabensysteme.
    achtens : Absicherung der realen Wirtschaft, indem den AGs der Aktienrückkauf erleichtert wird.
    neuntens : Auflösung der politischen Einflussnahme auf Banken, indem für ein Amt in der Bankleitung eine entsprechende Ausbildung zwingend vorgeschrieben wird.
    zehntens : Alle Staatsschulden im EU-Raum müssen auf eine Mindestlaufzeit von 10 Jahren verlängert werden. Das ist teurer, aber planbarer.
    elftens : Ächtung von Schulden als das was sie sind : asoziale Bereicherung zu Lasten kommender Generationen.

    • Achim Hase - 30. Januar 2012

      @Holly01: ist das nicht eine Beschreibung des DDR-Bankensystems?

      • Holly01 - 30. Januar 2012

        Das weiss ich nicht, aber Genossenschafts- und Reifeisenbanken haben sich als stabil erwiesen und dieser Zweig hat sich bisher weniger durch exessive Ausweitung hervorgetan.
        Auch das Dachinstitut hält sich aus negativen Schlagzeilen ziehmlich raus.
        Wenn das in der DDR auch so organisiert ist, dann ist das für mich kein Gegenargument.

        • Michael S. - 31. Januar 2012

          Holly01 du hast sehr viele sehr gute Punkte angesprochen aber einen versteh ich wirklich nicht.

          “achtens : Absicherung der realen Wirtschaft, indem den AGs der Aktienrückkauf erleichtert wird.”

          ? Wenn AGs Aktien zurückkaufen dann machen sie das ja mit Milliarden neuer Schulden oder Milliarden Gewinnen die Sie dann nicht zum tilgen ihrer vorhanden Schulden einsetzen! Wäre nicht der umgekehrte Weg der Viel bessere, nämlich alle Mitarbeiter über Aktien am Unternehmen und seinem Gewinn zu beteiligen und dadurch ihre Motivation zu stärken und die Schulden über Aktienverkäufe zu reduzieren?!

          • Holly01 - 31. Januar 2012

            Gewinne bei Minizinsen in Bankguthaben zu parken fnde ich uneffektiv. Mit Gewinnen zu spekulieren, verbietet sich meiner Meinung nach für Firmen.
            Der beste Weg ist also (nach meiner Auffassung), das Geld dort anzulegen, wo es dem Firmenwert nutzt, also in eigenen Aktien.
            Idealer weise gibt die Firme je nach Zyklusstand Aktien aus oder kauft sie zurück. Der Rückkauf ist aber durchaus schwierig.
            Bsp.: Porsche Aktien sind sehr sprunghaft, weil der Anteil der gehandelten Aktien am Gesamtbestand gering ist. Wollte Porsche nun seine eigenen Aktien zurückkaufen, so wäre man in der Zwickmühle.
            Meine Intention ist, das die Firma prozentual Aktien zurücknimmt, als Gegenstück zur Aktienausgabe.
            Die Inhaber behalten prozentual ihren Stand und haben bei Neuemission ein Vorkaufsrecht.
            Das ist dynamisch und dem Kapitalbedarf der Firma entsprechend. Es zwingt zudem die Aktionäre sich mit Fragen wie den Forschungsausgaben und Produktvorbereitungskosten auseinanderzusetzen. Die meisten wissen bei ihrer Aktie gerade einmal den Firmennamen …… Beratung ist das eine, Eigenverantwortung das andere.
            Darum dieser Ansatz.

          • Michael S. - 31. Januar 2012

            Ich geb dir ja Recht bei einem Unternehmen, dass KEINE Verbindlichkeiten hat. Aber der Großteil der Unternehmen hat nunmal Mehr Verbindlichketen als Cash (Daimler VW Telekom BMW… haben alle mehr Schulden) Also Konkret wenn Daimler 1 Milliarde Gewinn macht und 10 Milliarden Verbindlichkeiten hat sollte Daimler zuerst seine Schulden tilgen auf 9 Milliarden. Und im nächsten Jahr ist der Gewinn dann höher weil Da. sich die Zinsen spart!

          • Holly01 - 31. Januar 2012

            Schulden tilgen >> Geldanlage

  • Roland - 30. Januar 2012

    Danke für den link unter (2)
    Mit diesen guten bolgs macht man perspektivisch die Propaganda-Blättchen (Konzern-Medien) überflüssig.

    Banken:
    Als ersten dringenden Schritt muss man unser ehemals gutes System aus Sparkassen und ihren Girozentralen (Landesbanken) wieder herstellen.
    Dazu muß sofort die Gewährträgerhaftung des Staates wieder eingeführt – und im Gegenzug den Landesbanken jede Spekulation verboten werden.

    Dann wäre zumindest dieser Bereich wieder bereinigt.

    • Holly01 - 30. Januar 2012

      Der Reifeisenverband kann das ganz gut ohne Staatshaftung. Ich ziehe diese Modelle vor.
      Der Staat als Bürge … ist auch nicht mehr das was er einmal war.

      • Roland - 30. Januar 2012

        Die Sparkassen gehören eben den Kommunen und die Landesbanken den Sparkassen und den Ländern. Von daher war es völiig widernatürlich von Rot-Grün, den Landesbanken im Jahre 2001 die Gewährträgerhaftung zu entziehen.
        Folge war nämlich, dass sich deren Refinanzierungskosten erhöhten und sie damit von den Großbanken, die damals noch quersubventionieren konnten, aus dem Markt gedrängt wurden.

        Nachdem also damals ihr Geschäftsmodell zerstört wurde, hat man -ausgerechnet den stock-konservativen Landesbanken- “empfohlen”, ihr Glück doch ebenfalls mit Spekulation im Finanzcasino zu versuchen. Dass dies gründlich schief gegangen ist, wissen wir.

        Also: Der Staat kann seine eigenen Kinder (Landesbanken) nicht verstoßen und als Stiefkinder behandeln.
        Die Gewährträgerhaftung, wie gesagt bei gleichzeitigem Verbot der Spekulation, muß wieder her.

        • Ert - 30. Januar 2012

          Was ist daran schief gegangen? Es war doch das Ziel die ungeliebte Konkurrenz der Geschäfts- und Investmentbanken zu schwächen.

        • Holly01 - 31. Januar 2012

          Sparkassen und Landesbanken sind oft Verlängerungen der Komunalhaushalte.
          Da wird von der Vereinsförderung, bis zur Politikeraltersversorgung, von der Wirtschaftsförderung bis zur Bildungspolitik, alles aus dem Sparkassentopf genommen.
          In NRW wanken die Banken unter dem Doppel aus Landesbankrettung und Verlagerung der öffendlichen Aufgaben, in “freiwillige” Sparkassenleistungen.
          Unter diesen Umständen, würde ich die Sparkassen entweder verstaatlichen (ehrlicher) oder schliessen (realistischer, denn die Kunden werden systematisch betrogen, weil sie Sachleistungen finanzieren die Bankenunüblich sind).

          • Michael S. - 31. Januar 2012

            Mir wäre ein Model ohne Staatliche Haftung auch viel lieber! Es ist für gutes wirtschaften Notwendig, dass man im Zweifel nicht die Verluste bei jemand anders Abladen kann!

  • Systemfrager - 30. Januar 2012

    @ Holly01
    >>> Es gibt keine deutsche Sonderposition.

    Aber natürlich gibt es sie. Das ist immer die gleiche Bruningsche deusche Lohn-und-Sozialdumping Wirtschaftspolitik.

    Aber natürlich hat eine entwickelte exportorientierte Nation eine völlig andere Interessen als die weniger entwickelten

    Sollte die EU zerfallen, ist Deutschland daran schuld – wie für die zwei WK. Da kann sich die EU glücklich schätzen, dass Deutschland keine Kinder hat, die wir mit dem Gewehr schicken könnten, “unseres” Geld einzutreiben

    Träum weiter, Deutschland!
    Deutschland ergeht sich im Moment in einem schönen Traum. Dem Traum, dass man den Politikern der Eurozone lediglich per Vertrag das Schuldenmachen verbieten müsse, und schon werde eine Art höherer finanzpolitischer Vernunft einkehren: Sparsamkeit und Redlichkeit in Ewigkeit. Amen.
    SPON >>>

    • Holly01 - 30. Januar 2012

      Ich möchte Ihnen mit einem Gleichniss antworten :
      Wenn ein Baumfäller (Exporteur) mehr Bäume abholzt, als nachwachsen (mehr exportiert, als der Handelspartner bezahlen kann), dann ergibt sich erst eine Ausdünnung und dann ein Kahlschlag (Überschuldung/Konkurs).
      Der Baumfäller kann dann eine Brandrodung betreiben und zum nächsten Wald weiterziehen. Ob das so sinnvoll ist, kann man auch in diesem Bild rege diskutieren.
      Ein Exporteur kann auch brandroden und weiterziehen, aber ob das klever ist, das würde ich auch diskussionslos bestreiten.
      Die Welt ist nicht halb so groß und die Kunden nicht halb so doof, wie manche Entscheider anscheinend meinen.
      Ich “freue” mich auf den Tag wenn das ganze in den PFIIGS gerichtlich aufgearbeitet wird. Bei Haftstrafen von bis zu 50 Jahren, wird auch mancher Managername aus Deutschland fallen, weil Entscheidungen durch Zuwendungen “erleichtert” wurden.
      Mal sehen, ob das amerikanische Modell, dass Amis im Ausland nicht verurteilbar sind, auch auf Deutschland und seine AGs übertragbar ist.

  • Systemfrager - 30. Januar 2012

    zur Erinnerung
    Geschichte wiederholt sich nicht (sofort)
    weiter >>>

  • Ert - 30. Januar 2012

    Markus Gärtner bzw. der Auswirkungen der 500 Milliarden Ausleihung der EZB:

    “Weil das viele Geld in Anleihen fließt und zurück zur EZB – gleichzeitig aber wachsende Kapitalanforderungen erfüllt werden müssen – schrumpfen Kredite an die Wirtschaft in atemberaubendem Tempo. Um 90 Mrd. Euro allein in Dezember. Das ist der größte Rückgang in einem Monat seit es den Euro gibt, schlimmer als nach dem Lehman-Kollaps, wie Ambrose Evans-Pritchard beim Telegraph bemerkt.”

    Kann sein, das es schon in irgend einem Artikel hier stand – dann habe ich es übersehen. In jedem fall ist aber M3 im Dezember ja auch recht stark nach unten abgetaucht. Mal sehen was dann erst ende Februar – nach dem nächsten Tender – pasiert…….

  • Benedikt - 30. Januar 2012

    Bei der Finanzsteuer kommte es darauf an, bei wem man alles kassiert. Da wird es Außnahmen und schlupflöcher geben. Ich kann mir nicht vorstellen, das die EU Eliten von Goldman Sachs Finanzsteuer kassieren wollen. Letztlich dürften von der Finanzsteuer vor allem Kleinanleger und Anlgergruppen ohne Lobby betroffen sein. Die Banken und Versicherungen werden sich schon Außnahmen in das Gesetz schreiben lassen.

    • Catweazle - 30. Januar 2012

      Kleinanleger von der Finanztransaktionssteuer betroffen, wie soll das denn gehen? Für Aktien werden 0,1% fällig und welcher Kleinanleger schichtet sein Depot schon 10x am Tag um. Es geht schon um die großen Fische, die man aber weder als Anleger noch als Investoren bezeichnen sollte. Es sind schlicht Zocker. Besonders schlimm finde ich das die Derivate mal wieder eine Extrawurst bekommen sollen. Richtig wäre es die Derivate wie CFD’s und den kompletten Forex-Handel mit mindestens 1% Steuern zu belegen um die Manipulationen an den Finanzmärkten einzudämmen. Oder glaubt ihr wirklich diese Zockerbuden machen Gewinne mit dem Aktienhandel? Hebelprodukte bringen das Geld!

  • Catweazle - 30. Januar 2012

    Bitte mal “Staat” definieren!
    Sind wir nicht alle Staat?

  • Greg - 30. Januar 2012

    @ Holi01

    “elftens : Ächtung von Schulden als das was sie sind : asoziale Bereicherung zu Lasten kommender Generationen.”

    Lieber Holi 01, wie ich bis jetzt gelernt habe, gibt es Geld ja nur gegen Schulden. Dementsprechend sind des einen Vermögen auch “gleich hoch” wie die Schulden der anderen.

    Deiner Aussage zuvolge sind Schulden schlecht – Geld ist also schlecht! Diese Meinung vertrete ich grundsätzlich auch, weil das Geldsystem automatisch die Kapital”besitzer” bevorzgt, da diese auch automatisch “ihren” Zinsanteil abkassieren und die Schwächern benachteiligen. Chancengleichheit wird zur Farce.

    Wer begriffen hat, was Handeln heisst, weiss, dass langfristig nur Ausgleich nachhaltigen Handel zulässt. Kurz – wer kein “Geld” besitzt, kann auch nichts kaufen, ausser er verschuldet sich oder er erbringt eine Dienstleistung. Wenn das “Spiel” weiter geht, werden die Ungleichheiten einfach grösser und irgendwann ist man dann so verschuldet, dass man eben überschuldet ist.

    Nun zum Kern der Geschichte. Wer glaubt dass ein Gläubiger moralischer handelt, als ein Schuldner, der irrt. Denn wenn man schon weiss, jemand kann in seinem Leben etwas nicht zurückbezahlen, darf man auch diejenigen nicht verschulden lassen, sonder muss ihm helfen, bevor er mir eins auf die “Rübe” haut.

    In der Eu haben wir ja genau diese Problem. Damit die Wirtschaft wächst, ist jedes Mittel recht und weil Papier ja so geduldig ist, kann man ja Forderungen aufschreiben wie man will… die Zukunft wirds schon richten. Nur, das ist ein Aufschieben der Problematik, denn irgendwann ist Zahltag. Dann gibt es eben Probleme mit den Ungleichgewichten. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass dieser Prozess jeweils sehr schmerzlich ist.
    Nach Georg Schramm gab es ja “damals” schon in Frankreich einen “Hair-Cut” der eben etwas tiefer ausgeführt wurde… (http://www.youtube.com/watch?v=8s3PffnAyQE&feature=related)

    Kapitalismus ist zwar ein höchst effektives “Verteilungswirtschaftsmodel”, das in seiner “Ausdehnungsphase (Wachs(d)um?”)” durch wildes, fiktives Geldschöpfen sogar Armut beseitigt!?, aber wie beschrieben zu Irritationen führt.

    Wer nun, wie in diesem Blog beschrieben nach einer Lösung des “Schuldenproblems” sucht, darf nicht in seinem “eigenen” beschränkten “Wirklichkeitsrahmen” suchen, den wir sind durch unsere Bildung zwar schlau, aber befangen, um neue Lösungen zu ersinnen.

    Wahrscheinlich braucht es ein “gerechteres” Ressourcenverteilsystem, das nicht auf dem Fiat-Money-Prinzip aufgebaut ist, damit die Kriesen auf dieser Welt weniger “schlimme” Auswirkungen haben werden.

    Kapital ist nur ein durch Menschenhand erdachtes, virtuelles KONSTRUKT. Insofern ist der Handel und dessen Vermehrung etwas “Entartetes”. Genauso wie die ultitmativen “Wirtschaftsirrlehren”, welche durch eine Bildungslobby den Menschen einkonditioniert wird, damit sie nicht selber weiter denken. ZB. werden Externe Kosten nicht in “Marktpreise” miteingerechnet, obwohl diese mit Sicherheit entstehen… kl. Bsp. Billigprodukte? aus CHina…. http://www.20min.ch/news/ausland/story/China-droht-Kadmium-Pest-20795486

    Ich habe meine Konsequenzen gezogen und habe im Moment nur noch Bargeld, damit die Banken nicht mehr mit meinem Geld zocken können. Leider ist das noch eine unbefriedigende Lösung. Vielleicht hat ja jemand einen “besseren” Vorschlag!?

    Auf jedenfall ist unser “Lebensstil” NICHT alternativlos.

    “Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung.
    Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein”

    • Holly01 - 31. Januar 2012

      “Gerechtigkeit” definiert sich als positiv besetztes Wort ohne nachvollziehbaren Inhalt. Ich benutze es selbst gerne, aber “Gerechtigkeit” liegt im Auge des Betrachters.
      Geld ist ein Konstrukt. Zins ist eine Zusatzkonstruktion. Geld kann ohne Zinsen funktionieren. Der “gerechte Preis” lässt sich als Diskussion bis in die Anfänge der Schrift verfolgen.
      Nur Bargeld dürfte eine der schlechtesten Lösungen sein.
      Arbeitsteilung erzwingt geradezu Geld.
      Die derzeitige Krise ist eine politische, keine systemische. Man kann jedes System bis zu seiner Negierung verbiegen und persiflieren, aber das System ansich muss deswegen nicht schlecht sein.
      Mitte der sechziger Jahre ist einiges schief gelaufen. Das wurde nie korrigiert. Man hat es weiter laufen lassen, mit immer neuen Ideen unterfüttert hat man ein System etabliert, welches Sparer bestraft und Schuldner subventioniert.
      Niedrigzinsen dienen den Staaten und schaden dem Kapitalinhaber. Dauerniedrigzinsen führen zu immer mehr Schuldenanteil und immer weniger Eigenkapital.

    • Michael S. - 31. Januar 2012

      @Greg
      Wenn sie davon ausgehen, dass das aktuelle System sich nicht ändern wird oder lässt, könnte das Thema bitcoin für Sie und ihren Fall von Interresse sein. Einfach mal googlen. Dieses kommt nämlich ganz ohne Banken aus.

      Gruß Michael S.

  • Hardy - 30. Januar 2012

    “Freilich kann man für oder gegen die Finanztransaktionssteuer sein und sich ewig darüber streiten, wie wirksam sie wohl wäre und welche negativen Folgen sie hätte. ”

    Ich vergleiche diese Steuer – auch sie von Keynes dargelegt in einer Zeit, da war Tobin noch ein Teenager – gerne mit der Mehrwert-/Umsatzsteuer. Alle Vorteile und Nachteile der Umsatzsteuer treffen auch auf die Finanztransaktionssteuer zu. Aber diese kleine wie dreckige Lobby schafft es trotzdem sie zu verhindern, obgleich davon nicht 80 Millionen Deutsche sondern nur ein Bruchteil davon betroffen wäre. Und auch das dümmste Argument von allen – “dann werden Bankgeschäfte teurer” – zieht nicht; die Geschäfte verändern sich nur, es bildet sich einfach ein neues Gleichgewicht. Wer betreibt denn Hochfrequenzhandel, Goldman Sachs oder ich?
    Keynes schrieb damals zur Begründung: “Die Einführung einer substanziellen Transaktionssteuer auf alle Handelstätigkeiten könnte sich als die zweckdienlichste Reform erweisen, die man sich vorstellen kann, um die Dominanz der Spekulation über das Unternehmertum in den USA zu brechen.”

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  • Bubblegum - 30. Januar 2012

    @Werner, @Benedikt

    “Also die Finanztransaktionssteuer geht völlig am Problem vorbei und soll nur dem Staat mehr Geld zuschustern. Unter dem Deckmantel die Finanzmärkte zu “kontrollieren / im Zügel zu halten “.
    Im Übrigen würden die Banken die Transaktions-Steuer einfach ihren Kunden weitergeben.”

    mfg. Werner

    “Letztlich dürften von der Finanzsteuer vor allem Kleinanleger und Anlegergruppen ohne Lobby betroffen sein. Die Banken und Versicherungen werden sich schon Außnahmen in das Gesetz schreiben lassen.”

    Manchmal hat man beim Lesen der Kommentare das Gefühl, dass einige Zeitgenossen
    vom Virus des intellektuellen Autismus befallen sind! Denen wird eine Parole ins Gehirn
    geätzt, mit dem Ergebnis, dass wie bei einer kaputten Schallplatte diese tausendfach immer
    und immer wiederholt wird, aber sie bleibt eben trotzdem Nonsens.

    Nehmen Sie doch einfach die folgenden Fakten zur Kenntnis:

    1. Auf Sicht von 20 Jahren wird ein Kleinanleger mit gerade einmal 60 € belastet während
    die Summe der Bankgebühren für die von ihm in diesem Zeitraum getätigten
    Transaktionen ca. 4000 € beträgt.
    Quelle Prof. Max Otte bei einer Anhörung im BT jetzt nochmals wiedeholt in ZDF heute!

    2. Das Phänomen der sog. Flashcrashs gibt es es erst seit es den Hochfrequenzhandel gibt.
    Das ganze System des Computerhandels, mit dem der Hochfrequenzhandel
    minimale Preisunterschiede im tausendstel Sekundenbereich ausnutzt, schädigt vor allem
    die Kleinanleger, die finanziell gar nicht in der Lage sind, soweit technologisch aufzurüsten!
    Und flashcrashs bedrohen die Vermögenswerte der Versicherten/Pensionsfonds etc., denn
    einige Mrd. der Beiträge sind in Aktien angelegt. Insofern bietet eine Fnanztrans-
    aktionssteuer die Möglichkeit einen Teil des technologischen Ungleichgewichts abzubauen!

    3. Nach einer Studie der Wirtschaftsuni Wien aus 2009 wäre allein in Europa das
    Aufkommen der Finanztransaktionssteuer 50 Mrd. €/Jahr! Verglichen mit dem Schaden
    den Hedgefonds und Schattenbanken allein durch die Manipulation von Rohstoffpreisen
    anrichten bzw. angerichtet haben ein Tropfen auf den heißen Stein!
    Steffen hat ja hier schon die liquiditätsgetriebene Manipulation bei den Agrarrohstoffen
    beschrieben!

    Allerdings gebe ich Ihnen beiden in einem Punkt Recht: Würde man die Marktteilnehmer
    zwingen, jede dieser Transkationen mit einem Anteil von 50% Kernkapital zu unterlegen, wäre
    der Spuk vorbei und die Kurse wären ein halbwegs korrekter Gradmesse für das Verhältnis
    von Angebot und Nachfrage.

    Hochachtungsvoll

    Bubblegum

  • Greg - 31. Januar 2012

    @Holi01

    “Dauerniedrigzinsen führen zu immer mehr Schuldenanteil und immer weniger Eigenkapital.”

    Liege ich da falsch, wenn zur Aussage der “steigende Vermögensanteil” fehlt? Wird beschrieben, dass die Banken mit mehr Fremdkapital “Girageld” schöpfen, um die Geldmenge zu steigern?

    Das ist die Folge des “systemischen” alternativlosen? Wachstumszwangs. Dieses implodierende “Geldschneeballsystem” verträgt ja kein Schrumpfen und wird am Überfluss sich selber zerstören.
    (Nach Aldo Haesler http://blog.tagesanzeiger.ch/berufung/index.php/836/die-gesellschaft-wird-an-all-dem-uberfluss-ersticken/ )

    Am System stört mich vor allem der “Selbstläufer”, dass nur das forciert wird, was “Geld” generiert, aber eigentlich keinen Nutzen hat. Insofern sehe ich das im Blog beschriebene Hochfrequenzhandeln als unlautere Machenschaft, welche parasitär die “eine” schwache Gruppe benachteiligt.

    Spekulation generiert auch keinen Mehrwert, sondern verteilt Kapital einfach um. 1% – 99% ist noch nicht das Ende….

    Die Politik hilft zu verschleiern, legitimiert diese Praxis ( Bilanzierungsregeln, Steueroasen…) . Worin soll nun der Fehler der Politk sein?

    “Niedrigzinsen dienen den Staaten und schaden dem Kapitalinhaber.”

    Es ist nicht in Stein gemeisselt, dass der Staat sich sein Geld bei “Privaten” leihen muss. Diese kapitalistische Prinzip wird missbraucht, da letzlich doch der “Staat”, aktuell also der Steuerzahler für die Privatschulden der Banken haftet. Der FinanzSozialismus und das generelle Abschieben der Risiken auf die Allgemeinheit ist falsch.

    Die Lösung liegt in der Demokratisierung des Geldes oder besser gesagt, eines gesetzlichen Zahlungsmittels. Das Geldmonopol gehört dem Staat. Obschon ich ja auch gerne “Geld schöpfen” würde… Zudem sähe ich dann keinen Grund mehr, weshalb es dann noch Arbeitslose geben müsste…

    fg

    Greg