Das Brexit-Votum, Boris Johnson und die EU: Vorbereitung von „Lehman 2.0+“ wie aus dem Lehrbuch

von am 30. Juni 2016 in Allgemein

Das war´s. Die Finanzmärkte haben den Brexit-Test bestanden. „Lehman 2.0“ wurde abgesagt. Oder nicht?

Die Brexit-Erkenntnis des Boris Johnson

Die Politik hat erleichtert aufgeatmet, weil sie nicht von einer neu eskalierenden Finanzmarktkrise auf dem falschen Fuß erwischt worden ist. Der Kopf der Brexit-Befürworter Boris Johnson hat einen Rückzieher gemacht und kandidiert nun nicht für die Cameron-Nachfolge weil er meint, dass er wohl doch nicht der richtige Mann für den Posten und die damit verbundenen Herausforderungen ist. Das sind, wenn man es genau nimmt, die anderen aus seiner Partei, die jetzt kandidieren, zwar auch nicht. Aber Johnson ist eben vorerst der einzige Politiker in Großbritannien, der es öffentlich zugegeben hat. Immerhin, das ist ein Anfang – jenseits des Kanals.

Wortgewaltige Europäer: Gut Ding will Weile haben

Die Europäer (richtig: die Kontinentaleuropäer) sind schon weiter. Sie haben bereits die „notwendigen“ Lehren aus dem Referendum gezogen – jedenfalls verbal. Gefühlt jeder Politiker hat seine Forderungen zum Ausdruck gebracht, was in Europa nun alles verändert, angestrebt und erreicht werden muss. Es war eine wahre Flut von Postulaten und ein beeindruckender Berg von „notwendigen“ Schritten und Einzelmaßnahmen, der dabei über die Medien und Zeitungen sowie in Form von Positionspapieren auf die Bürger in Europa niederprasselte. Sogar Altkanzler Helmut Kohl und Ex-Präsident Giscard d´Estaing haben sich zu Wort gemeldet und Besonnenheit und Ruhe angemahnt. Das ist freilich leicht gesagt, wenn eine Stichflamme aus dem Haus schießt, in dem bereits seit längerem ein Schwelbrand tobt, aber kein Feuerlöscher in Sichtweite ist – wobei einer ohnehin nicht genug wäre. Aber was will man von den Europa-Rettern erwarten?

First things first: Postenpoker in Großbritannien

In Großbritannien ist man natürlich noch nicht ganz so weit wie auf dem Kontinent. Dort ist nach dem angekündigten Rücktritt des konservativen Premierministers David Cameron und dem Misstrauensvotum gegen Labour-Parteichef Jeremy Corbyn zunächst einmal das große innerparteiliche Hauen und Stechen losgegangen, frei nach dem Motto: Die Brexit-Krise war gestern, das Unabhängigkeitsreferendum in Schottland kommt sowieso erst später. Großbritannien ist führungslos.

Der Brexit-Entscheid scheint von nicht wenigen Politikern dort in erster Linie als unverhoffte Karrierechance wahrgenommen worden zu sein. Das lässt tief blicken und nichts Gutes erwarten. Denn es hat durchaus den Anschein, als seien sie alle gleichermaßen überrascht, unvorbereitet und planlos. Doch andererseits strahlen die Kandidaten alle eine große Zuversicht aus.

Kurzum, alle sind wieder zum Tagesgeschäft übergegangen. Der Krisenalarm ist vorüber, auch an den Märkten. Was kann es also wichtigeres geben als die Frage, ob Deutschland Italien schlägt und wer Fußball-Europameister wird? (Nun ja, zugegeben, für die Briten ist das nicht so wichtig.)

Krisenentwarnung? Wirklich?

Oha! Wer das so sieht, der hat nicht genau hingeschaut.

Zunächst einmal ist die Entscheidung über den Austritt Großbritanniens als krisenauslösendes Ereignis in Bezug auf die Finanzmärkte, die Europäische Union und die Weltwirtschaft etwas ganz anderes als die Pleite von Lehman Brothers 2008 und deswegen entfalten sich auch die Wirkungen in einer ganz anderen Weise.

Was der Fall von Lehman bewirkte, war ein erdrutschartiger Vertrauensverlust innerhalb des globalen Finanzmarktsektors und offenbarte sich deswegen folgerichtig als Finanzmarkt-Tsunami. Beim Brexit geht es selbstverständlich nicht um irgendein gravierendes, aber lange Zeit verdecktes Problem im Finanzsektor (oder der Wirtschaft). Es ist vielmehr ein einschneidendes politisches Ereignis und Ausdruck einer fundamentalen Politikkrise der Europäischen Union.

Wie diese auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft wirkt, lässt sich schwerlich abschätzen. Das einzige, was man zum gegebenen Zeitpunkt mit Gewissheit sagen kann, ist, dass es perspektivisch definitiv nichts Gutes zu bedeuten hat. Nicht für Großbritannien, nicht für die EU, nicht für die globalen Märkte.

Vor allem aber stehen die von diesem Entscheid beeinflussten Elemente der politisch-ökonomischen Realität und die durch dieses Ereignis zum großen Teil nicht in der unmittelbaren Zukunft ausgelösten Entscheidungen keineswegs in einem so direkten Zusammenhang wie jene, die von der Lehman-Pleite betroffen waren. Der Brexit-Entscheid kann also auch nicht wie die Pleite der US-Investmentbank als auslösender Faktor in kürzester Zeit eine ganze Dominostein-Kette zu Fall bringen. Wer das erwartet hatte, der hat die Problemkonstellation nicht richtig erfasst.

George Soros Krisenprognose für die EU

George Soros hat gerade vor dem Europäischen Parlament in Brüssel gesagt, der Brexit-Entscheid habe auf den Märkten eine neue Krise ausgelöst, die mit der globalen Finanzmarktkrise von 2007/2008 vergleichbar sei. Wahrscheinlich würden dadurch die ohnehin schon bestehenden deflationären Tendenzen verstärkt. Die Banken auf dem europäischen Kontinent, die sich noch nicht von der Finanzmarktkrise erholt hätten, stünden vor einem ernsten Test. (1)

Hat er recht?

Schwer zu sagen, aber es wäre gut möglich sofern man relativiert, dass es – wenn überhaupt – keinen Finanzmarkt-Tsunami geben wird, sondern eben eher eine sich langsam, über Wochen und Monate aufbauende und sukzessive oder in Schüben verstärkende Krise.

Europäische Soll-Bruchstelle: Kein Krisendurchblick, schlechte Vorbereitung

Einiges spricht dafür, dass es so kommen könnte. An erster Stelle der schlechte Zustand (Uneinigkeit, Streit, schwierige, langwierige Entscheidungsfindung) und die schwache Krisenkompetenz der EU-Politik.

Das Brexit-Referendum hat beides erneut augenscheinlich werden lassen, genauso wie zuerst 2008 nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise in Europa und später in der Euro-Krise. Letztere hatte EZB-Chef Mario Draghi im Alleingang bewältig. Ob die Staats- und Regierungschef dieses Glück im Falle einer Brexit-Krise, die noch gar nicht begonnen hat, wieder haben werden, ist mehr als fraglich.

Boris Johnsons ist für die politische Misere vielleicht das prominenteste Beispiel. Denn mit der heutigen Entscheidung, nicht für die Nachfolge von Premier Cameron zu kandidieren, hat er indirekt ebenfalls zugegeben, dass er die möglichen Folgen des Brexits weder durchdacht noch vorab ein politisches Konzept für diesen Fall entwickelt hat. Er wäre halt gerne Premierminister geworden.

Damit befindet er sich innerhalb der (Noch-)EU28 in guter Gesellschaft.

Vor dem Brexit-Votum hatten Politiker der etablierten Parteien in Europa den aufstrebenden populistischen Parteien immer gerne vorgeworfen, sie hätten eigentlich gar keine Konzepte zur Bewältigung der ernsten Probleme, mit denen sich die Regierungen und die EU herumschlagen muss. Doch was sie selbst nun vorschlagen, um nach dem Brexit-Votum die Bürger wieder mit ins Boot zu holen uns so einen weiteren Zerfall der EU aufzuhalten, ist keineswegs Vertrauen erweckender. (2)

Maximum an Ratlosigkeit: Kein Konzept für EU-Zusammenhalt, keins für eine neue Finanzmarktkrise

Ein glaubwürdiges, an den Ursachen für die Unzufriedenheit mit der Politik der EU und mit dem Euro ansetzendes Konzept, in das alle sinnvoll zu ergreifenden Einzelmaßnahmen stimmig eingeordnet werden können, um insgesamt die beabsichtigte Wirkung entfalten zu können, existiert gar nicht. Das ist nicht erst seit dem letzten Freitag so, sondern seit der Finanzmarktkrise.

Das Problem: Dafür fehlt offenbar der wirtschaftswissenschaftliche Unterbau. Denn die herrschende Wirtschaftslehre ist an der Finanzkrise 2008 gescheitert und die bisherige neoliberale Fundierung der europäischen Krisenpolitik hat überhaupt erst die Probleme, die die EU inzwischen zu zerreißen drohen, heraufbeschworen. Eine erkennbare Alternative dazu gibt es bisher nicht. Jedenfalls erweckt gegenwärtig keine politische Partei den Eindruck, als habe sie eine an der Hand.

Schlimmer noch ist, dass danach offensichtlich nicht einmal gesucht wird. Die Notwendigkeit dazu wird nicht erkannt. Es werden stattdessen immer wieder nur entweder die alten Rezepte ausgepackt (Keynes, Konjunkturprogramme, Umverteilung) oder es wird „pragmatisch“ vorgegangen, frei nach dem Motto: Was hättet ihr denn gern? Als ließe sich in turbulenten Zeiten der Weg aus der Krise aus Daten aus der Vergangenheit ableiten oder in Umfragen ermitteln.

Die Ursache des Brexit-Votums und der Krise der EU

Die Flüchtlingskrise, das Sicherheitsbedürfnis der Menschen und das Demokratiedefizit sowie die Reformbedürftigkeit der EU sind ohne Zweifel ernst zu nehmende Probleme. Aber sie sind genauso wenig die zentrale Ursache für die Krise der EU wie der Euro. Sie sind eher Symptome oder besser gesagt nur das Ventil für eine aufgestaute Unzufriedenheit, die viele schwer zuzuordnen vermögen, die sich aber im Wesentlichen aus den sich verschlechternden Lebensbedingungen/-perspektiven oder auch nur aus der sich verschlechternden Lebensqualität von immer mehr Bürgern in der EU gespeist wird.

Das Brexit-Votum ist wie andere Unzufriedenheitsäußerungen (Referenden, Wahlen, Proteste, Streiks usw.) ein Misstrauensvotum gegen das politische Establishment in Europa, das die unbewältigten Probleme der Euro-Krise im Prinzip lediglich verwaltet, die daraus entstehenden Lasten auf die Bevölkerung abwälzt und das durch schlechte Politik immer neue Folgeprobleme schafft.

All das findet im Brexit-Votum seinen vorläufigen Höhepunkt. Der Endpunkt ist das nicht – weder in Bezug auf den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt Europas noch hinsichtlich der Crashgefahr für globale Finanzmärkte und Wirtschaft. Aber das sind zwei verschiedene – wenn auch interdependente – Problemfelder, für die der EU die geeigneten Antworten fehlen.

Die Frage nach der Lösung

Eine Lösung kann, grundsätzlich betrachtet, einzig und allein darin bestehen, ein Konzept für eine erfolgreiche und dauerhafte Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektiven für die Bürger Europas zu entwickeln und umzusetzen. Viele Folgeprobleme, die oben auch als Symptome bezeichnet wurden, werden sich dann ebenfalls relativieren oder verschwinden. Danach und vor allem nach einer ökonomischen Fundierung als Alternative zum Neoliberalismus und Keynesianismus muss gesucht werden. Nur so lässt sich ein in sich stimmiges und wirkungsvolles Gesamtkonzept für den „Turnaround“ Europas entwickeln.

Das Problem: Ohne eine fundamentale Neuausrichtung der europäischen Politik ist der nicht mehr zu erreichen!

Der Grund dafür: Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Gegebenheiten und globalen Marktstrukturen vergrößern die bestehenden Ungleichgewichte auf allen Ebenen immer weiter und sie vergrößern das Heer der dauerhaften, chancenlosen wirtschaftlichen Verlierer.

Die (im Kern neoliberale) europäische Politik, insbesondere auch die zur Bewältigung der Schuldenkrise, verstärkt diesen Effekt erheblich. Es ist, als gösse sie Benzin ins Feuer. Das ist die Hauptursache der wirtschaftlichen Schwäche und das Kernproblem, das die wirtschaftlichen Perspektiven verschlechtert und den Zusammenhalt der EU vor eine Zerreißprobe stellt.

Wenig Hoffnung auf Einsicht

Es spricht beim gegenwärtigen Stand der Dinge auch nach dem Brexit-Votum nüchtern betrachtet wirklich wenig dafür, dass die Staats- und Regierungschefs und die Europäische Kommission gemeinsam in der Lage sind, die Ursachen ihrer Misere zu erkennen und diesen Prozess stoppen oder gar umkehren können. Und das ist einerseits schlecht für die EU und erhöht im Zusammenhang mit dem Brexit andererseits die Wahrscheinlichkeit einer sich langsam aufbauenden neuen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise beträchtlich.

Europas Politik ist für eine neue, schwere Euro- und/oder Finanzmarkt-Krise nicht gewappnet. Die Konsequenz wird im Falle einer großen Krise sein, dass nicht mehr auf europäischer Ebene dagegen vorgegangen werden wird, sondern auf nationaler Ebene. Wenn das Haus abzubrennen droht, weil seine Bewohner das Feuer gemeinsam nicht zu löschen vermochten, ist sich jeder selbst der Nächste. Das ist die nächste Eskalationsstufe für Europa. Damit wäre aber de facto das Ende der Europäischen Union besiegelt. Ende der Geschichte.

von Stean L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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40 KommentareKommentieren

  • Basisdemokrat - 30. Juni 2016

    Wir jucken ohne Zweifel
    Den Satan oft im Fell,
    Doch heut’ zieh’n wir den Teufel
    Am Schwanze aus der Höll’.
    Sperr’n ihn dann ein, in’n Kasten,
    Wenn er auch tobt wie irr
    Und lehren ihn das Fasten!
    Ja singt eins, zwei, drei, vier:
    Wir haben immer, immer gute Laune . . .
    Gruß BD

  • Holly01 - 1. Juli 2016

    Hallo,
    “Damit wäre aber de facto das Ende der Europäischen Union besiegelt. Ende der Geschichte.”
    Tja, die Menschen wären aber alle noch da ……………
    Die USA werden nicht zulassen, dass etwas passiert das die NATO als Dollarstütze in Frage stellt.
    So lange die USA die Macht haben, so lange wird nichts passieren, was den status quo der Weltfinanzen gefährden kann.
    Die Briten bleiben in der EU oder die USA entscheiden das die Briten ausserhalb noch positiver sind.
    Die EU wird CETA beschliessen und danach TTIP.
    VW wird seine Milliarden abliefern.
    Danach wird eine andere Firma abgefackelt. Thyssen hat sein Amerika Abenteuer mit dem Verlust der Selbstständigkeit bezahlt, die übernimmt Tata.
    Die deutsche Börse wird von der Londoner übernommen……….
    Gott schütze die USA ……. 😉 denn die halten den Laden am Laufen.
    Die EU ist kein Verein dem man nach belieben beitritt.
    Das bestimmen die USA.
    Also kann niemand sagen wie es weiter gehen wird oder wie lange das noch so weiter geht.
    Die US Kollonien werden tanzen so lange die Musik spielt, auch wenn es Marschmusik ist.
    lg

    • Holly01 - 1. Juli 2016

      OT:
      Die US Tochter der DB ist das 2.Jahr in Folge durch den Stresstest gestolpert und hat nicht bestanden.
      Die dürfen also das 2.Jahr in Folge keine Gewinn an die Mutter in Deutschland überweisen.
      Durchgefallen sind die weil die Bankenaufsicht da Kompetenzprobleme sieht.
      Jo, das Geld kommt aus den USA erst mal nicht raus …..
      lg

    • Peel - 1. Juli 2016

      Wenn es die NATO (militärisch) und TTIP (wirtschaftlich) gibt, wozu braucht man dann noch eine EU? Dann spielt die Musik doch nur noch in Washington. Ich glaube nicht, dass man dann noch den Willen hat, den politischen Wasserkopf Brüssel zu finanzieren.

      • Holly01 - 1. Juli 2016

        Genau so ist das im Grunde,
        die USA könnten locker inhaltlich von EU auf NATO wechseln. Die Länder erklären ihre Nationalwährungen und binden die fix an den Dollar.
        Die Führung übernimmt die NATO. Die wirtschaftlichen Dinge regeln Abkommen wie CETA, TTIP und TiSA.
        Damit haben die USA überall die Führung und die Lenkung inne.
        Die EZB ist eine Aussenstelle der FED und verwaltet nicht den Euro sondern die Rettungsschirme wie zB den ESM. und verhandelt mit dem IWF.
        Denn mit der Fixierung zum Dollar ist der Dollar save, aber die Europäer können weiter nicht abwerten.
        lg Holly

  • Marja - 1. Juli 2016

    “Es ist vielmehr ein einschneidendes politisches Ereignis und Ausdruck einer fundamentalen Politikkrise der Europäischen Union”.

    Das sehe ich komplett umgekehrt. Was wir hier sehen, ist der Schaum auf der Welle! Und die Welle ist angetrieben von der Wirtschaftslage. Was wir sehen, ist das politische Schauspiel auf dem Boden einer schiefen Wirtschaftslage. Da machen wir uns doch nichts vor, Statistik spiegelt halt nicht den sozialen Durchschnitt wieder, insbesondere wenn die Zahlen noch hedonistisch überarbeitet sind.

    Man muss nur die Perspektive wechseln. Wenn ich am unteren Ende der schiefen Wirtschaftslage stehe und gleichzeitig in allen Medien die tollen Statistiken höre, dann fühle ich mich abgehängt. Blöd nur, wenn sich die zahlenmäßige Mehrheit abgehängt fühlt, wenn der Median ganz gewaltig vom arithmetischen Mittel abweicht.

    50.000.000 Menschen erhalten Food stamps in der wirtschaftlich erfolgreichsten Nation, den USA. Und GB ist hinsichtlich der Wirtschaftslage und -struktur nur der kleine Bruder.

    Dann kommt es nämlich bei der unteren Mehrheit zur kognitiven Verzerrung der Wahrnehmung, je nach dem, ob man in das Portemonnaie guckt, die Straße runter guckt oder in die Medien guckt.

    Dass die Parteien in GB kein geeignetes Personal finden, ist auch nur das Epiphänomen einer nicht lösbaren wirtschaftlichen Situation.

    • Holly01 - 1. Juli 2016

      Hallo Marja,
      hier noch ein kleines Beispiel für die Schere von wirtschaftlichen Möglichkeiten vs politischem Willen:
      http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-will-in-zehn-jahren-in-der-eu-sein-14318198.html

      Wenn die USA den Takt vorgeben, werden reale Größen völlig ausgeblendet. Erinnern Sie sich noch? Vor ein paar Jahren war im Gespräch Israel in die EU aufzunehmen.
      Auch das wurde in Brüssel als “klasse Idee” gerne aufgenommen.
      Natürlich mag sich kein Berufspolitiker gerne in einer Mühle aus Realität und äusserer Vorgabe zermahlen lassen, fragen Sie mal Hr.Gabriel wie sich das anfühlt, links quatschen und rechts regieren …….

      lg

  • hunsrueckbauer - 1. Juli 2016

    Man kann eine Krise auch herbeireden mit Brexit, dabei ändert sich ja nun nicht viel. GB hat die Schnauze voll von den Bevormundungen aus Brüssel und sich verabschiedet. GB bleibt aber im EWR und damit Mitglied im Handelsraum Europa. Ergo, alles nur Panikmache um den mob gefügig zu halten.

    Scheiß drauf!

  • Karl Kraus - 1. Juli 2016

    Zitat: “Danach und vor allem nach einer ökonomischen Fundierung als Alternative zum Neoliberalismus und Keynesianismus muss gesucht werden.”

    Wieso eine Alternative zum Keynesianismus suchen? Weil eine Lösung, die vor 80 Jahren gefunden wurde, nicht mehr sexy genug ist? Dann sollten wir aber dringend auch nach einer Alternative zum 4 räderigen PKW suchen. Der ist nämlich noch älter.

    Der Neoliberalismus sieht die Lösung im Angebot, der Keynesianismus in der Nachfrage. Angesichts der Tatsache, dass alle Wirtschaftskrisen seit der Produktivitätsexplosion infolge der Industrialisierung Nachfragekrisen waren (mit Ausnahme von Nachkriegskrisen), frage ich mich, warum das so schwer zu begreifen ist.
    Aber klar: was heute nicht mindestens unter dem Label 2.0 daherkommt, ist einfach nicht auf der Höhe der Zeit.

    • SLE - 1. Juli 2016

      Hallo Karl Kraus,

      wir brauchen eine alternative Lehre, weil weder der Keynesianismus noch der Neoliberalismus eine Antwort auf die Probleme bieten können, vor denen wir heute, wenn wir auf die globalen Märkte schauen, stehen.

      Selbstverständlich habe Sie Recht, dass wir ein Nachfrageproblem haben. Aber keynsianische Konjunkturpolitik ist eben auch nur dann eine Lösung für dieses Problem, wenn man eine Konjunkturkrise hat. Haben wir aber nicht. Wir haben eine strukturelle Krise und damit meine ich in erster Linie eine marktstrukturelle Krise.

      Ich will es an Beispielen verdeutlichen.

      Der Neoliberalismus war im Nachkriegsdeutschland die richtige “Medizin” (bzw. Basis für die Wirtschaftspolitik), weil die Marktentwicklung (nach dem Krieg) am Anfang ihres Lebenszyklus stand und die Märkte tendenziell überwiegend von vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen geprägt war. In einem solchen Umfeld ist das neoliberale Konzept effektiv.

      In den 60er Jahren befanden sich die Märkte in Deutschland in einem Stadium der Expansion, in der es viel stärker um Effizienzsteigerung ging. Karl Schiller war in dieser Phase mit keynesianischer Politik sehr erfolgreich, aber auch deswegen, weil er anders als Erhard die Oligopolisierung der Märkte zuließ, um Effizienzsteigerungen und Größenvorteile zu ermöglichen.

      Heute haben wir hoch konzentrierte, ausgereifte und überwiegend sogar stagnierende Märkte. Das Wachstumspotenzial ist ausgeschöpft. Die Nachfrageprobleme heute haben nichts mit einer “stotternden Konjunktur” zu tun, sondern resultieren aus einer über viele Jahre bis zum Anschlag gedrehten Kostensenkungs-/Effizienzsteigerungs-Schraube. Das hat die Kaufkraft sukzessive sinken lassen (sich öffnende Einkommens- und Vermögensschere).

      In einer solchen Situation nützt Keynesianismus nichts. Es gibt nichts zu stimulieren. Die marktstrukturellen Gegebenheiten und der Reifegrad der Märkte sind der Grund dafür, dass Stimuli verpuffen. Die Abenomics in Japan zeigen das mit aller Deutlichkeit, Fataler Weise bewirken in dieser Lage neoliberale Konzepte im Wesentlichen dasselbe wie keynesianische Konzepte: Beide stützen und erhalten auf den Märkte den Status Quo (die Oligopolisten).

      Ändern kann man daran nur etwas mit einem anderen Ansatz, nämlich mit einem Markt- und wirtschaftsstrukturellen Ansatz. Darauf spiele ich im Aufsatz oben an. Dazu habe ich hier im Blog aber schon mehrfach und auch recht ausführlich geschrieben. Bitte einfach mal ins Blog-Archiv schauen,

      Viele Grüße
      SLE

      • Roland - 2. Juli 2016

        Die Suche nach einem neuen “Markt – und wirtschaftsstrukturellen Ansatz”, bei der sich auch Sahra Wagenknecht auf den Weg gemacht hat, wird sich vermutlich in einem “learning by doing” entwickeln. Das richtige Verhältnis von Markt und Staat wird man theoretisch alleine nicht bestimmen können.

        • SLE - 2. Juli 2016

          Hallo Roland,

          sofern man sich überhaupt mit Märkten beschäftigt, z.B. auch aus beruflichen Gründen oder als einfacher Anleger, wird man sich immer eine Erklärung zurechtlegen, um nachzuvollziehen, was warum geschieht, aber eben auch wegen der sich daraus ergebenden Möglichkeit, Ereignisse und Entwicklungen bis zu einem gewissen Grad antiziperen zu können.

          Im Grunde testet jeder implizit fortlaufend für sich, ob sein Verständnis, sein Modell, sein Erklärungsansatz oder seine Theorie) von den Märkten in der Praxis funktioniert.

          Allein auf der Basis von Vergangenheitsdaten und Erfahrungen aus der Vergangenheit funktioniert das nur so lange, wie die Märkte sich in einem Entwicklungsmodus befinden, den man als “Routinemodus” bezeichnen könnte. Kommt es jedoch zu Turbulenzen und/oder signifikanten, einschneidenden Veränderungen, dann wird ein Großteil von Vergangenheitsdaten und Erfahrungen quasi entwertet, teilweise oder gänzlich wertlos.

          In diesem Fall kann man nur mit Erklärungsansätzen weiter kommen, die von empirischen Daten und von Erfahrungen unabhängig sind. Das ist der ultimative testfall für Wirtschaftstheorien und die oben angesprochen haben diesen Test in der gegenwärtigen Realität nicht bestanden. Also sind sie auch nur bedingt hilfreich.

          Wenn es nichts besseres gibt als diese, dann sieht es in turbulenten Zeiten schlecht aus. Und Sie werden mir sicher zustimmen, wenn ich sage, es sieht schlecht aus. Die Wirtschaft dümpelt vor sich hin, die Finanzmärkte sind fragil. Notenbanken und Politik tun etwas, aber es hilft so gut wie gar nicht, um etwas daran zu ändern. Im Gegenteil.

          Viele Grüße
          SLE

      • Karl Kraus - 2. Juli 2016

        Das Problem, das sich durch die globalen Märkte ergibt, besteht darin, dass sich eine Wirtschaftspolitk nach Keynes kaum mehr durchsetzen lässt. Denn das wäre eben eine Aufgabe der Politik. Die massgeblichen (und also handlungsmächtigen) politischen Einheiten sind jedoch immer noch die Staaten, während die Märkte und die handlungsmächtigen wirtschaftlichen Einheiten in Form der internationalen Konzerne durch die Globalisierung über alle staatlichen Grenzen hinweg agieren. Eingeleitet wurde diese Entwicklung jedoch durch politische Entscheidungen (Abbau von Kapitalverkehrskontrollen etc.). Diese politischen Entscheidungen wiederum wurden vorbereitet durch massive neoliberale Lobbyarbeit.

        Und was den “Neoliberalismus in Nachkriegsdeutschland” betrifft: Die Nachkriegszeit war weltweit bis in die 70er Jahre hinein gerade *nicht* neoliberal geprägt sondern durch Keynes. Der Neoliberalismus (Chicago-Boys, Friedman etc.) hatte eine lange Vorlaufzeit mit dem ersten Versuchsballon Chile (unter Pinochet) gebraucht, bis er sich dann als Mainstream durchsetzen konnte mit Reagan und Thatcher.

        Zitat: “Die Nachfrageprobleme heute haben nichts mit einer “stotternden Konjunktur” zu tun”
        Stotternde Konjunktur und Nachfrageprobleme sind dasselbe.

        Zitat: “Die marktstrukturellen Gegebenheiten und der Reifegrad der Märkte”
        Zitat: “Markt- und wirtschaftsstrukturellen Ansatz”
        Immer wenn es darum geht, die Früchte der kollektiven Anstrengungen etwas gerechter und sozial verträglicher zu verteilen, also die Umverteilung von unten nach oben der letzten 30 Jahre zu korrigieren, werden die sogenannten “strukturellen Probleme” vorgeschoben.

        Lasst den 99% ihren gerechten Anteil (gemessen am Produktivtätsfortschritt) zukommen. Was dann noch an Problemen zu lösen bleibt, soll meinetwegen strukturell genannt werden.

        • SLE - 2. Juli 2016

          Hallo Klaus Kraus,

          markt- und wirtschaftsstrukturelle Probleme schiebe ich nicht vor. Sie sind eine Tatsache, weil die globalen Märkte nahezu allesamt hochkonzentriert sind und hieraus eregebn sich auch nationale wirtschaftliche Ungleichgewichte.

          Die “strukturellen Reformen” die immer vorgeschoben werden, beispielsweise von der Euro-Gruppe, dem IWF und der EZB im Falle von Griechenland, sind etwas ganz anders. Dabei geht es um Reduzierung des Staatsanteils, Arbeitsmarktliberalisierung, Lohnsenkung, Privatsierung, Abbau von sozialen Sicherungssystemen. Das ist ein neoliberale Agenda. Marktstrukturelle Probleme festzustellen und auch darauf bezogenes Handeln haben damit nichts zu tun. Das ist eine ganz andere Baustelle.

          Konjunkturelle Probleme sind definitionsgemäß kurzfristiger Natur. Die von mir angesprochenen (gravierenden) markt- und wirtschaftstrukturellen Probleme sind langfristiger Natur und, wie ich zuvor bereits schrieb, mit keynesianischer Politik nicht zu beheben.

          Sturkturell bedingte Arbeitslosigkeit ist keineswegs daselbe wie konjunkturell bedingte Arbeitslosigkeit.

          Viele Grüße
          SLE

          • Karl Kraus - 2. Juli 2016

            Und was bedeutet das: “die globalen Märkte nahezu allesamt hochkonzentriert” ?
            Es bedeutet: Die globalen Märkte sind globalisiert…
            Sie wollen nämlich auf die Konkurrenzsituation hinaus.
            Und ich sage: das ist kein markt- oder wirtschaftsstrukturelles Problem sondern ein regulatorisches Problem. Es wurde hervorgerufen durch die totale Deregulierung infolge der erfolgreichen Arbeit der neoliberalen Lobby- und Pressuregroups.

            Meine Gegenmassnahme im Falle Deutschland:
            1)
            Mindestlohn von 20 Euro
            (Das ist jetzt eine aus den Fingern gesogene Zahl, wie gross genau der angemessene Betrag wäre, weiss ich nicht. Was ich weiss: diese 8 Euro und irgendwas, noch dazu mit allerlei Ausnahmen, die aktuell in Deutschland als Mindestlohn gelten, sind ein Witz)
            2) Strafzölle für alle ausländischen Konkurrenten, die, bei Berücksichtigung der jeweiligen Produktivität (Lohnstückkosten), mit Dumpinglöhnen versuchen Marktanteile zu gewinnen.

            Ein kleiner Hinweis: Aktuell wären innerhalb der Euro-Zone solche Massnahmen (speziell Strafzölle!) natürlich im Gegenteil die angemessene Anwort auf das dreckige Lohndumping der deutschen Musterknaben. (Dreckig, weil innerhalb einer Währungs-Union die andern sich nicht mittels Abwertung wehren können.)

            Strafzölle gehen nicht? Wegen EU-Verträgen? Richtig.
            Deshalb wird die EU in 2-3 Jahren auch Geschichte sein.

            Zitat:
            “Konjunkturelle Probleme sind definitionsgemäß kurzfristiger Natur. Die von mir angesprochenen (gravierenden) markt- und wirtschaftstrukturellen Probleme sind langfristiger Natur und, wie ich zuvor bereits schrieb, mit keynesianischer Politik nicht zu beheben.”
            Und ich sage: dieses Einteilen in kurzfristig und langfristig aktzeptiere ich nicht.
            Um es nochmal zu wiederholen:
            “Lasst den 99% ihren gerechten Anteil (gemessen am Produktivtätsfortschritt) zukommen. Was dann noch an Problemen zu lösen bleibt, soll meinetwegen strukturell genannt werden.”
            Und in dem Augenblick, in dem die kurzfristigen konjunkturellen Probleme sich zeigen, springt (Achtung: Keynes) der Staat ein und hilft aus, damit keine Sockelarbeitlosigkeit und kein Lohndruck entsteht.
            Und was dann noch an Problemen bleibt kann man strukturell nennen.

            Noch eine allgemeine Anmerkung: der Traum von der langfristigen (“nachhaltigen” *GRINS*) Wirtschaftsstrategie/politik ist genau das: ein Traum. Oder wie Keynes so schön sagte: “Langfristig sind wir alle tot.”

            • SLE - 3. Juli 2016

              Hallo Herr Kraus,

              SIe ordnen mich scheinbar als Vertreter des Neolberalismus ein. Da haben Sie mich offenbar nicht verstanden.

              Ich denke anders als die Vertreter der liberalen/neoklassischen ehre eben nicht, dass es selbstheilende Kräfte der Märkte gibt, die grundsätzlich alles wieder ins Lot, ins Gleichgewicht bringen.

              Sie haben, wenn ich Ihre Ausführungen richtig verstanden habe, aber auch Keynes in diesem Punkt nicht richtig verstanden. Denn seine Theorie setzt implizit auf der herrschendenMarktauffassung auf. Er hat keine neue Erklärung für Märkte entwicklet oder verwendet.

              Das ist genau der Punkt, auf den ich in meinen Ausführungen anspreche. Die Idee sich selbstregulierender Märkte, die dafür sorgen, dass immer wieder alles ins Gleichgewicht kommt, ist nicht haltbar und wor allem hilft sie nicht, die angesprochenen anhaltenden Probleme zu lösen.

              Das ist genau deswegen auch kein – wie Sie meinen – regulatorisches Problem, wenn Märkte hochkonzentriert sind. Denn erstens werden enge Oligopole heute auf der Grundlage der herreschenden Lehre als optimal angesehen. Da gibt es als überhuapt nichts zu regulieren bzw. keinen Grund für marktstrukturelle Eingriffe. Und zweitens ist die hohe Marktkonzentration ein natürliches Ergebnis der Marktentwicklung bzw. der Ausreifung von Märkten, was die herrschende liberal-neoklassische lehre jedoch vollkommen ausblendet.

              Das ist aber auch der Grund, warum alle wirtschaftstheoretischen Ansätzte, die auf dem liberal-neoklassischen Marktverständnis (Selbstregulierung) aufbauen – und Keynes hat das wie gesagt gar nicht in Frage gestellt und schon gar nicht einen anderen Ansatz entwickelt -, keine Basis darstellen, um die wirtschaftlichen und Finanzmarktprobleme zu bewältigen, vor denen wir seit Jahren stehen.

              Ich denke, eben weil ich mit dem Neoliberalismus und der Neoklassik in der gegenwärtigen Lage nichts anfangen kann, auch, dass wir langfristig alle tot sein werden. Aber der Keynesianismus bietet lediglich eine Orientierung für Globalsteuerung. Eine Orientierung dafür, wie man marktstrulturelle und wirtschaftsstrukturelle Verwerfungen, die aus neoklassischer Sicht (vorgeblich) gar nicht existieren, weil sie gemäß dieser Theorie nicht existieren können, bietet der keynesianische Ansatz zweifelsfrei nicht.

              Viele Grüße
              SLE

              • Karl Kraus - 3. Juli 2016

                Nein, nein. Ich ordne Sie nicht dem neoliberalen Lager zu. Da hätte ich mir die Mühe nicht gemacht, etwas zu schreiben.
                Ich wollte nur darauf hinaus, dass es sinnlos ist, in einer Zeit, die neoliberal total versaut ist, irgendwelche neue Stellschrauben und -schräubchen zu suchen. Man sollte zuerst eben genau die Globalsteuerung anwenden, die erwiesenermassen funktioniert. Wenn dann wieder etwas mehr Verteilungsgerechtigkeit herrscht (und das vorzugsweise *weltweit*, auch ich habe meine Träume ), dann werden die ach so komplizierten markt- und wirtschaftsstrukturellen Probleme zum grössten Teil einfach verschwunden sein.
                Sie träumen von der perfekten Marktmaschine. Ich sage: lasst uns zuerst mal eine Revision nach bewährter Art durchführen und etwas Öl nachgiessen.
                Das ist als Vorhaben schon schwierig genug. Es bedeutet, sich mit der geballten Macht der Eliten anzulegen und zB. mit dem unsäglichen Märchen aufzuräumen, dass Staaten gegeneinander konkurrieren müssten.
                Denn das ist der eigentliche Punkt. Man muss die neofeudale Elite in die Schranken weisen. Freiwillig werden sie kein Fitzelchen rausrücken. Da sind sie eben wie der Affe, der durchs Loch nach der Nuss greift und nicht mehr loslassen kann, obwohl er nur durch Loslassen die Hand befreien und sein Leben retten kann. Kurz: alles sehr menschlich .

                • SLE - 4. Juli 2016

                  @ Karl Kraus

                  Das ist Ihre Sicht. Ich habe versucht darzulegen, warum die – in der Anwendung – so nicht funktionieren kann. Ich träume nicht von einem perfekten Mechanismus. Im Gegenteil liegt meinem Erklärungsansatz eher eine evolutorische Betractungsweise zugrunde. Aber egal. Ich akzeptiere Ihre Meinung. Ab hier beginnen wir uns allerdings im Kreis zu drehen und das führt nicht weiter.

                  Viele Grüße
                  SLE

        • SLE - 2. Juli 2016

          Ach ja, habe ich vergessen: Ludwig Erhard hat in der Nachkriegszeit bis Mitte der 60er Jahre selbstverständlich eine neoliberale oder, wenn SIe wollen, wirtschftasliberale Politik gemacht. Das wird Ihnen sicher auch die Ludwig-Erhard-Stiftung gerne bestätigen.

          Grüße
          SLE

          • Karl Kraus - 2. Juli 2016

            Das wundert mich gar nicht, dass die neoliberalen Epigonen in der Ludwig-Erhard-Stiftung das behaupten…

  • JL - 1. Juli 2016

    Obwohl der Lehman- Schock dank der bereitgestellten 400 Milliarden Euro seitens der EZB und 250 Milliarden Pfund seitens der britischen Zentralbank ausgeblieben ist, kann man schon Vergleiche ziehen- nur eben mit einem Unterschied. Während damals in 2008/2009 die Politik die Finanzwirtschaft rettete, versucht nun die Finanzwirtschaft die Politik zu retten.

    Dabei war diese Woche sehr interessant was die Reaktionen zum britischen Referendum angehen. Während die einen Reformen der EU anmahnen reicht es unserer Kanzlerin schon wenn man irgendwie enger zusammenrückt, also die bisherige politische Stellung hält. Lindner (FDP) fordert den Rücktritt Junkers und der wiederum verbittet sich nationale Einmischungen zu CETA während Schäuble den Portugiesen mit einem Rettungsschirm droht. Und als Krönung dessen müssen die meisten EU- Länder fassungslos feststellen, daß die sogenannten „Kernländer“ in Berlin sich über die EU beraten- der Rest der Gemeinde war wohl unerwünscht.

    Wer will, kann darin „zielführende Konsensfindungen“ vermuten oder aber sprachlos anerkennen dürfen in welch einen politisch zerrissenen Zustand sich die EU offenbart. Politisch einig ist man sich allerdings darin, daß es zukünftig irgendwie besser werden soll- auch so ein Spruch aus Lehmans Pleitezeiten.

    Interessant wird es aber erst, wenn der Wille der Briten Realität werden sollte. Die dann vorzunehmende Umverteilung von Schuldforderungen und Garantien seitens der EU wird sicher für weitere Freuden bei den verbliebenen Mitgliedsländern sorgen.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Basisdemokrat - 2. Juli 2016

    OT
    Steinmeier reklamiert Weltmacht-Anspruch für Deutschland.
    Sie scharren ja schon lange in ihren Löchern:
    https://www.foreignaffairs.com/articles/europe/2016-06-13/germany-s-new-global-role
    https://deutsch.rt.com/inland/39229-steinmeier-erklart-deutschland-zur-weltmacht/
    Gruß BD

    • Basisdemokrat - 2. Juli 2016

      Alter Schwede!

    • JL - 2. Juli 2016

      Hallo Basisdemokrat

      Bildung und Einbildung schließen sich nunmal gegenseitig aus- auch wenn man in Griechenland mal eben Ramsauert.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

  • JL - 2. Juli 2016

    Hallo Zusammen

    Was ist schon ein Brexit, schließlich scheint die EU- Führung nun endlich im interstellaren Raum angekommen zu sein…

    http://www.mmnews.de/index.php/politik/77549-juncker-ausserirdische

    … und ins Wochenende fliegt man mit der Enterprise.

    Also gut, offenbar geht es auch noch schlechter als schlecht.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Basisdemokrat - 2. Juli 2016

      Wenn die Grenzen dicht sind, kommen sie eben aus den Wurmlöchern.
      Next Generation.
      Gruß RBD
      (Raumbasis Demokrat)

  • Basisdemokrat - 3. Juli 2016

    Vielleicht spielt Steinmeier auch den sterbenden Schwan?
    Indien und Pakistan treten am Tag des Brexit der Shanghai-Gruppe bei:
    http://www.voltairenet.org/article192706.html#nh12
    http://www.feuerwehrabzeichen-weltweit.de/0_Shanghaier_Organisation_Fuer_Zusammenarbeit.htm
    Gruß BD

    • Holly01 - 3. Juli 2016

      Hallo BD,
      Europa ist seit dem Doppelweltkrieg international bedeutungslos. Wie die Entwicklung sich gerade darstellt, bleibt das auch für die nächsten 50 Jahre so.
      Ich nehme an die Amis kommen damit zurecht …… und der Rest der Welt auch.
      lg

  • Holly01 - 3. Juli 2016

    OT:
    Die MM und das nicht sein KANN was nicht sein DARF:
    http://www.heise.de/tp/artikel/48/48713/1.html

    Ich habe den Mann live gesehen und halte den für ausgesprochen authentisch, also Hr. Mark Bartalmai. Das bedeutet nicht fehlerlos……
    lg Holly

    • Basisdemokrat - 3. Juli 2016

      Hallo Holly01,
      ich folge Mark seit einem Gespräch mit KenFM

      und habe ihm auch finanzielle Unterstützung gegeben zur Fertigstellung seines Filmes “Ukrainian Agony”. Die Panzergeschichte sehe ich ihm nach, auch wenn sie mich damals ziemlich aufgewühlt hatte. Für mich war er in der Zeit der Umwälzung ein glaubwürdiger Gewährsmann.
      Auf facebook kann man ihm folgen, auch wenn man tagelang nichts von ihm hört. Wobei man immer unruhiger wird wenn nicht mal wieder ein Lebenszeichen kommt.
      https://www.facebook.com/markbartalmai
      Gruß BD

      • Holly01 - 4. Juli 2016

        Dafür beide Daumen hoch, die Welt ist ein Dorf und die freien Geister sind rar …….
        lg Holly

      • Klaus - 4. Juli 2016

        https://linksunten.indymedia.org/de/node/144110

        Einfach nur als Gegenpol…:-)

        • Basisdemokrat - 4. Juli 2016

          Geschenkt…
          Einfach nur so…
          Gruß BD

        • Holly01 - 4. Juli 2016

          Hallo Klaus,
          diese Debatte der Linken oder der Leute die sich für links halten ohne einen Schimmer davon zu haben wofür “Links” steht ist der artig dumm, das es schwer fällt dazu überhaupt noch etwas zu sagen und es unsinnig ist dafür auch nur eine Sekunde Zeit zu verplämpern.
          Gerade die “Neurechts” Sparte hebt sich da sehr negativ ab.
          Wenn die Linke Angst hat ihren Einfluss auf die Strasse und die (isoliert in ihren Wohnungen hockenden) Prekären zu verlieren dürfte das die mit Abstand schlechteste Reaktion sein.
          Und alles “Rechts” zu nennen was sich nicht drei mal täglich distanziert und dabei ausspuckt und eine dicke Prise Salz über die Schulter wirft ist auch keine wirkliche Lösung.
          Die Linken sind aus dem Diskurs raus und haben deswegen Panik und hauen auf alles und jeden und meinen das wäre Aktion. Das ist aber einfach nur …. dumm.
          lg Holly
          (und nein ich halte hier keinen für dumm und ich spreche niemanden damit persönlich an)

  • Holly01 - 3. Juli 2016

    Noch ein Hinweis darauf warum “Spar”-Konzepte bei der Altersvorsorge völlig unsinnig sind:
    http://www.heise.de/tp/news/Das-einzige-Land-das-mir-Sorge-macht-ist-Portugal-3253199.html

    In dem Artikel wird auch erwähnt das von der Rentenrücklage in Spanien die einmal bei 67Mrd. lag nur noch 25Mrd. übrig sind.
    Den Rest hat die Politik als Verfügungsmasse entnommen.
    Betriebliche Altersvorsorge gehört zum Betriebsvermögen und wird auch gerne aufgelöst, während die laufenden Zahlungen ein wichtiger Aspekt bei den Verhandlungen von Thyssen mit Tata warfen, der Thyssen Konzern möchte sich der rechtlichen Verpflichtungen anscheinend entledigen.

    Die Umlage ist die einzige Rentenform, bei der die Politiker nichts vorfinden, wo sie willkürlich verteilen können.
    Die “Reformen” bestehen ganz überwiegend aus dem Betrug an der Masse. Nur so können Wenige reich werden, indem Viele arm werden ….
    lg Holly

    • Holly01 - 3. Juli 2016

      Die großen “Investitionsvorhaben” der letzten Jahrzehnte erweisen sich auch immer öfter als Luftnummern, bei denen die Gesellschaft finanziert, damit das ganze dann für 1€ privatisiert werden kann.
      Kosten sozialisieren und Gewinne privatisieren, das ist Neoliberalismus und das ist auch Austerität.
      lg Holly

  • Illoinen - 3. Juli 2016

    Solange die Realwirtschaft, dank der Deregulierungs-Orgien, ein Anhängsel der Finanzwirtschaft bleibt, wird sich die Situation noch verschlimmern. “Märkte” schaffen keine Arbeitsplätze, nur die Realwirtschaft. Zinsen wachsen nicht in den Tresoren der Banken, sondern müssen erwirtschaftet werden, von realen Menschen. Wenn aber heute das ca. 10 bis 12 Fache dessen, was in der Realwirtschaft weltweit produziert wird, alleine den uns bekannten Derivaten “investiert” wird, also nur Vermögen zwischen wenigen Vermögenden hin und her geschoben wird, also da wo es einen Gewinn gibt, stehen exact dieselbe Summe an Verlusten gegenüber. Wenn wir also nicht wieder dafür sorgen, dass die Finanzmärkte reguliert werden, bekommen wir noch größere Probleme.

  • Basisdemokrat - 4. Juli 2016

    Einfach unglaublich, das George Soros Netzwerk:
    http://www.muckety.com/6CBD1B1C01E60ACC799AECDE57637E70.map

    • Basisdemokrat - 8. Juli 2016

      Psychopathen bei der Arbeit:
      http://www.ecfr.eu/page/-/ECFR_166_PUTINS_DOWNFALL.pdf

      • Basisdemokrat - 8. Juli 2016

        “Da die allgemeine Einschätzung darin besteht, dass die erst kürzlich wegen der ungelösten Krimfrage verlängerten Sanktionen gegen Russland dort zu keiner Kursänderung führen werden, ist ein baldiges Ende des EU-Wirtschaftskrieges aufgrund dieser Passagen in der EUGS in weite Ferne gerückt. Womöglich wird dies auch überhaupt nicht gewünscht, wie eine Besorgnis erregende Studie des „European Council on Foreign Relations“ nahelegt. Die Sanktionen würden wohl zu keiner Wiederannäherung an den Westen, sondern eher zu einem unkontrollierten „Kollaps“ Russlands führen, so die Einschätzung. Während die Studie vor einem solchen Ergebnis warnt, scheint dies aufgrund des Ziels, Russland maximal zu schwächen, von der EU zumindest billigend in Kauf genommen zu werden”
        http://www.imi-online.de/2016/07/06/eu-globalstrategie-und-deutsch-franzoesische-militarisierungsoffensive/#_ednref7

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