Deutschland: BuBa: Target2 Forderung auf Allzeithoch

von am 7. Dezember 2016 in Allgemein

DeutschlandDie Deutsche Bundesbank (BuBa) berichtete heute für den Monat November 2016 von einem deutlichen Anstieg der Target2 Forderung in Höhe von +46,028 Mrd. Euro zum Vormonat, auf 754,057 Mrd. Euro. Zum Vorjahresmonat stieg der Target2 Saldo um +161,540 Mrd. Euro an. Die Target2 Forderung im November 2016 entspricht einem neuen Allzeithoch, übertrifft den bisherigen Höchststand aus August 2012 und reflektiert die schlimmsten wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone seit ihrem Bestehen.

 

 

s1072Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Von 1999 bis 2006, d.h. vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur +1,6 Mrd. Euro. Zum alten Hoch aus August 2012 lagen die Forderungen (positiver Target2 Saldo) bei +751,449 Mrd. Euro. Nun im November 2016 liegt der Target2 Saldo sogar bei +754,057 Mrd. Euro.

Target2 Salden sind Ausdruck der Zahlungsbilanz, sie entstehen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr innerhalb der Eurozone, via dem Target2 Zahlungssytem und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz. Überweisungen mittels dem Target2 Zahlungssystem werden nur über Zentralbankgeld (ZBG) abgewickelt. Fließt einem Bankensystem einer Volkswirtschaft der Eurozone mehr ZBG über das Target2 Zahlungssystem zu als ab, ensteht ein positiver Target2 Saldo, fließt mehr ZBG ab als zu, ein negativer Target2 Saldo. Allerdings heißt ein Zufluss nicht, dass ein Ausgleich zwischen den nationalen Zentralbanken (NZBs) der Eurozone stattfindet. Hat das die Überweisung ausführende Bankinstitut kein oder nicht genügend Zentralbankgeldguthaben, muss sich diese Bank Zentralbankgeld bei der entsprechenden heimischen NZB holen. Dies führt zu einer Bilanzausweitung, bei der betreffenden NZB steigt auf der Akiva-Seite die Position 5. “Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute” und/ oder die Position 6. “Sonstige Forderungen in Euro an Kreditinstitute”, dass sind die ELAs, Notfallkredite der NZBs und/ oder die Position 7., primär 7.1 die “Zu geldpolitischen Zwecken gehaltene Wertpapiere”. Auf der Passiva Seite der NZB steigen eben nicht die Zentralbankgeldeinlagen der Banken, sondern die Target2 Verbindlichkeit (negativer Saldo aus den ZBG-Überweisungen in und aus anderen Ländern der Eurozone). Die Empfänger-NZB erhält aber gar nicht das ZBG, aber schreibt dieses der Empfänger-Bank gut. Die Bilanz wird auch dort, mittels der Target2 Forderung auf der Aktiva-Seite ausgeweitet und auf der Passiva Seite, als ZBG-Einlage der Banken. Ein positiver Target2 Saldo ist nur eine Forderung der entsprechenden NZB gegenüber der EZB, so wie der negative Target2 Saldo eine Verbindlichkeit der entsprechenden NZB gegenüber der EZB ist. Im Falle eines Bruches des Euro-Raumes sind diese Forderungen uneinbringbar, erst Recht in der deutschen Dimension, so wie sie schon jetzt nicht fungibel sind!

Target2 Salden zeichnen wirtschaftliche Ungleichgewichte in der Eurozone auf, soweit sie sich über das Zahlungssystem Target2 darstellen. Dieses Ungleichgewicht kann aus realwirtschaftlichen Transaktionen für Waren, Güter und Dienstleistungen entstehen und/oder auch Kapitalflucht bzw. allgemeiner die Kapitalflüsse (Finanztransaktionen) spiegeln. Die lockere Geldpolitik der EZB und das Aufkaufen von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren hält das Bankensystem mit Zentralbankgeld liquide und fördert/ ermöglicht letztlich auch die Kapitalflucht, aktuell gerade aus Italien. Zur wirtschaftlichen Situation in Italien: Italien: so sieht’s wirtschaftlich aktuell aus

s1126Die Entwicklung der Target2 Salden ausgewählter NZBs der Eurozone seit Januar 2007.

s1262

Die Entwicklung der Target2 Salden von Deutschland (blau), Italien (rot) und von Spanien (grün) seit Januar 1999.

Noch nie waren die deutschen Forderungen aus Target2 so hoch, in dieser Dimension erklären sie zwar, warum der Euroraum noch funktioniert, die Banken der Südperipherie werden liquide und damit zahlungsfähig gehalten, aber zugleich zeichnen sich auch, die sich immer weiter aufschaukelnden Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone und eine Wirtschafts-, Geld- und Finanzpolitik die keine adäquaten Antworten findet, sondern nur dazu beiträgt die Ungleichgewichte weiter anzufeuern.

Die Horter von Forderungen, ob aus Target2, Krediten und Finanzanlagen sonnen sich vermeintlich noch im Erfolg, aber nur in einem historisch betrachtet kurzen Zeitraum, bis zu den dann folgenden Abschreibungen derselben. Je höher die Ungleichgewichte, je sicherer das Brechen des Euro-Systems in dieser Ausprägung, nur noch eine Frage der Zeit und der aufgestauten Dimension.

s1076Die Entwicklung der kumulierten deutschen Leistungsbilanz gegenüber der Welt seit Januar 1956 im Chart. Bis September 2016 kumulierte sich ein Leistungsbilanzüberschuss von +2347 Mrd. Euro! Der Chart macht schön deutlich, wie sich dieses Ungleichgewicht erst nach 2002 dynamisch aufbaute (+2232 Mrd. Euro seit Anfang 2002), einhergehend mit einem für Deutschlands Leistungsfähigkeit permanent unterbewerteten Euro.

Der erzielte akkumulierte Leistungsbilanzüberschuss ist 1:1 der Finanzierungssaldo des Auslands, um diese akkumulierte Summe verschuldet sich das Ausland um deutsche Nettoexporte zu absorbieren.

n986Die Entwicklung der kumulierten deutschen Leistungsbilanz gegenüber den Mitgliedern der Eurozone auf Quartalsbasis von Q1 1971 bis Q2 2016 im Chart. Bis Q2 2016 kumulierte sich ein Leistungsbilanzüberschuss von +822 Mrd. Euro! 

Wo werden diese Ungleichgewichte und deren Implikationen ernsthaft diskutiert, fast nirgends, ein Drama!

Quelle: Bundesbank.de/Portal Target2 Saldo

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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26 KommentareKommentieren

  • Basisdemokrat - 8. Dezember 2016

    Der durch Lohndumping erschlichene Wettbewerbsvorteil scheint unter diesen Bedingungen unaufholbar zu sein. Kommen jetzt steigende Rohstoffpreise dazu?
    Katar ist einer der Finanziers des IS. Jetzt kauft Katar für über 10 Milliarden einen Anteil an Rosneft. Auf dem Schlachtfeld Syrien kämpften sie erbittert gegeneinander. Das deutet auf einen Deal hinter den Kulissen Saudi-Arabien und die Türkei haben sich ebenfalls Russland angenähert. Wächst dort eine neue Energiemonopolgesellschaft zusammen?
    Trump wird für eine ausgeglichene Handelsbilanz sorgen!
    Wenn Deutschland jetzt nicht auf Teufel komm raus investiert, wofür noch keine Anzeichen in Sicht sind, wird 2017 ein historisches Schicksalsjahr!
    Gruß BD
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/glencore-und-katar-beteiligen-sich-an-russischem-oelkonzern-rosneft-14564407.html

    • Basisdemokrat - 8. Dezember 2016

      Die schweizer Glencore, größter Rohstoff Handelsgruppe der Welt, ist auch mit im Boot!

    • willy-winzig - 8. Dezember 2016

      Das hat über nichts mit Dupinglöhnen zu tun. Für Deutands Exportwirtschaft sind die Konkurrenten nicht innerhalb der EU, sondern außerhalb. Nämlich Japan, USa China usw. Dessen Lohnniveau und nicht das von Frankreich, Spanien oder Italiens ist für die deutsche Exportwirtschaft relevant. Wem würde es in Frankreich , Intalien oder Griechenland nutzen, wen Deutschland seine Löhne erhöht und auf den Weltmaarkt dadurch nicht mehr Konkurrenzfähig ist. Wer soll dann die EU finanzieren???? Wer bezahlt dann die Schulden der anderen EURO-Staaten????

      • mitwisser - 8. Dezember 2016

        Nicht ganz. Je nach Branche gibts auch europäische Wettbewerber gegen die es mit der DM oft spürbar schwerer war als heute.

      • Basisdemokrat - 8. Dezember 2016

        Wie bitte?
        Frankreich, Italien etc. kämpfen auf dem Weltmarkt nicht um Marktanteile mit Deutschland?
        Richtig ist, dass die nicht Euroländer Marktanteile durch Abwertung der eigenen Währung halten können. Deutschland hat sich sozusagen hinter dem gemeinsamen Euro “maskiert” und immer wieder auf die Gesamthandelsbilanz des Euros insistiert.
        Würde Deutschland seine akkumulierten Handelsbilanzüberschüsse ausgleichen z.B. durch ein Schulden finanziertes billionenschweres europäisches Infrastrukturprogramm, könnte dies vielleicht noch die Rettung der “Europäischen Idee” und die Rückführung der Überschüsse bedeuten. … allein mir fehlt der Glaube!
        Auf den Nachdenkseiten habe ich soeben ergänzend folgenden aktuellen Artikel gefunden:
        “Ungesunder Überschuss
        In diesem Jahr wird die deutsche Wirtschaft einen neuen Rekord aufstellen: Sie wird für fast 290 Milliarden Euro mehr Güter und Dienste exportieren als importieren. Der Leistungsbilanz­überschuss wird mehr als neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen – so viel wie noch nie. „Ein Anlass zum Feiern ist das nicht“, sagt Gustav Horn, Direktor des IMK. „Daran zeigt sich, in welche gefährliche Schieflage wir geraten sind.“
        Die Exportstärke Deutschlands beruht auf einer Vielzahl von Gründen – einer davon ist die hohe Qualität deutscher Produkte, die auf dem Weltmarkt sehr geschätzt wird. Dies ist soweit gut für Deutschland. Entscheidend ist allerdings nach Ansicht des IMK-Ökonomen ein anderer Punkt: die hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Deutsche Unternehmen produzieren vergleichsweise kostengünstig. Über mehrere Jahre sind die Löhne in Deutschland kaum gestiegen. Der Verteilungsspielraum für Lohnsteigerungen, der sich aus der mittelfristigen Zunahme der Produktivität und der Zielinflationsrate ergibt, wurde in der Vergangenheit „lange nicht ausgeschöpft“, so Horn. Dadurch haben deutsche Firmen einen Kostenvorteil gegenüber Konkurrenten aus anderen Ländern erlangt, in denen die Löhne stärker gestiegen sind.
        Gleichzeitig hat Deutschland relativ wenige Güter aus dem Ausland eingeführt. Der private Konsum blieb ebenfalls lange Zeit verhalten, was angesichts niedriger Lohnzuwächse nicht verwundert. All dies führt dazu, dass Deutschland riesige Leistungsbilanzüberschüsse anhäuft. Nicht einmal China, dem in der Vergangenheit häufig vorgeworfen wurde, sich durch Preisdumping Vorteile im Welthandel zu verschaffen, verzeichnet so hohe Überschüsse. In den vergangenen Jahren sind Löhne und private Nachfrage zwar stärker gestiegen. Der Trend zu größeren Überschüssen hat sich dadurch aber noch nicht umgekehrt.”
        ( unter Punkt 4.)

        1a


        Gruß BD

  • Bubblegum - 8. Dezember 2016

    @ Steffen

    habe ich das jetzt richtig verstanden:
    Wir verschenken an die anderen Europäer Fiat Geld , damit sie unsere Brocken kaufen.
    Wenn dem so ist, dann macht es ja, ganz platt gesagt, mehr Sinn, den ganzen Krempel den Hartz IV Empfängern vor die Füsse zu knallen. Die können auch nicht zahlen, aber die Vermögenswerte bleiben wenigstens im Land.
    Dazu ca. 3,2 Billionen US $ de facto uneinbringliche Forderungen gegen die Vereinigten Terror – und Folterstaaten von Nordamerika. Wie heißt das immer so schön:
    “Man gönnt sich ja sonst nichts.”
    Viele Grüße Bubblegum

    • Querschuss - 8. Dezember 2016

      “Wir verschenken an die anderen Europäer Fiat Geld , damit sie unsere Brocken kaufen.” Im weitesten Sinne, volkswirtschaftlich betrachtet, kann man dies genau so sagen, faktisch werden Nettoexporte gegen Forderungen getauscht, große Teile davon sind Target2 Forderungen, Forderungen welche nicht fungibel sind, worauf beim derzeitigen Zustand der Südperipherie der Eurozone wenig bis kaum Chancen bestehen, dass diese Forderungen abgebaut werden und reale Gegenleistung fließt!!

      Gruß Steffen

      • Marja - 8. Dezember 2016

        Schön wärs: wir verschenken an die Anderen Waren, also Arbeitsleistungen, damit wir uns Target 2 Forderungen aufschreiben können. Harte Arbeit gegen Bits und Bytes. Man muss zwischen Waren und Geld unterscheiden. Letzteres kostet nichts und entsteht aus Nichts. Auch wenn Waren immer in Geld gemessen werden, entstehen Waren nur aus Arbeit und nicht aus Nichts.

        Grüße Marja

  • willy-winzig - 8. Dezember 2016

    Das ist das Ergebnis der Erpressung des französichen Prsident “Herrn” Mitterand.
    Wie das Deutschlandradio (von den Bundeskanzleramt finanziert!!!) zu dessen 100jährigen Geburtstag am 26.10.2016 den Deutschen höchstoffiziell erklärte, hatte Mitterand 1990 bei den 2+4 Verhandlungen, die Einführung einer europäischen Gemeinschaftswährung zur VORAUSSETZUNG der französischen Zustimmung zur Vereinigung der BRD und DDR gemacht! Erst als Kohl die Zustimmung zur Schafung einer europäischen Gemeinschaftswährung gab, gab Frankreich seine Zustimmung zur Wiedervereinigung! Anschließend war es dieser mitterand der sich für die Aufnahme der Südländer in diese Währungsgemeinschaft einsetzte einsetzte. Nach desssen Tod setzten seine Nachfolger die Politik fort. Das Deutschlandradio erkärte hierzu am 26.10.2016

    Mittarands Ja-Wort zur Wiedervereinigung
    Die europa- und die sicherheitspolitischen Gemeinsamkeiten, die Frankreich und Deutschland in den 80er-Jahren verbanden, wurden gestört, als Ende des Jahrzehnts in Berlin die Mauer fiel. Der Wirtschaftsriese Bundesrepublik, um die DDR erweitert, bedrohte nun in Mitterrands Augen die deutsch-französische Machtbalance innerhalb der Europäischen Gemeinschaft. Für ihn war deshalb die Wiedervereinigung erst dann akzeptabel, wenn ihr eine Wirtschafts- und Währungsunion folgte, die die finanzpolitische Vorherrschaft der D-Mark brach und durch eine gesamteuropäische Währung ersetzte. Als Kanzler Kohl dieses Zugeständnis machte und auch noch die Oder-Neiße-Grenze anerkannte, erhielt er vom französischen Präsidenten das Ja-Wort zur Wiedervereinigung.
    Man sieht: Der Sozialist Mitterrand war ein genauso entschiedener Verfechter französischer Interessen wie sein Vorgänger Charles de Gaulle.

  • Marcus Junge - 8. Dezember 2016

    “Der Chart macht schön deutlich, wie sich dieses Ungleichgewicht erst nach 2002 dynamisch aufbaute (+2232 Mrd. Euro seit Anfang 2002), einhergehend mit einem für Deutschlands Leistungsfähigkeit permanent unterbewerteten Euro.”

    Die Deutschen sind in der alten EU mit die ärmsten (im Durchschnitt), gleichzeitig stagniert die Kaufkraft seit der Euroeinführung. Wir produzieren wie blöde und haben nichts davon, außer der Übernahme der Schulden anderer Eurostaaten, die auch wegen unserer Dumpingexporte Probleme haben. Sie merkeln, der Euro bringt Liebe, Frieden und Wohlstand.

  • Kairo - 8. Dezember 2016

    @Bubblegum
    3,2 Billionen uneinbringlich?
    Nicht doch, lassen sich drucken. Ein umgerüsteter Öltanker sollte zum Transport reichen.
    Was die Ladung bei Ankunft noch wert ist, haben Sie ja nicht gefragt!?!

    Grüsse Kairo

  • Frank Berger - 8. Dezember 2016

    Das sind € 10.000 pro Nase bei rund 80 Mio Einwohnern und gerundet € 800 Mrd.

    Das ist NICHT pro arbeitendem Deutschen, denn da wären es ganz grob über € 20.000 je Nase, sondern bezogen auf alle, also die weniges Babies, vielen Rentner und Arbeitslosen mit eingerechnet.

    Und dann behaupten einige Wahnsinnige, niemand würde mehr vom Euro profitieren, als die Deutschen. Die sind IRRE!

  • Wutbürger - 8. Dezember 2016

    Laut Prof. Sinn bestehen die Target2 Forderungen hauptsächlich aus Kontoguthaben, die aus Angst vor Bail-In aus den Olivenländern nach D flüchten, von der Bundesbank der deutschen Zielbank wertgestellt werden, aber “aus den “Olivenzentralbanken noch nicht eingetroffen sind”.

    • Querschuss - 8. Dezember 2016

      Hallo Wutbürger,
      das mag am äußeren Rand primär so sein, aber Target2 spiegelt Kapital- und Leistungsbilanz und immer noch erzielt Deutschland Überschüsse in der Leistungsbilanz gegenüber den Mitgliedern der Eurozone, +65,8 Mrd. Euro in den letzten 4 Quartalen und kumuliert über 821 Mrd. Euro. Und auch hier entwickelte sich das Ungleichgewicht erst dynamisch seit 2002, mit einem für die deutsche Leistungsfähigkeit unterbewerteten Euro, respektive einen viel zu starken Euro für die schwachen Volkswirtschaften der Eurozone, ohne Ventil für deren Wettbewerbsverluste gegenüber Deutschland.

      Einen Chart zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber den Mitgliedern der Eurozone habe ich dem Artikel noch beigefügt.

      Gruß Steffen

  • asisi1 - 8. Dezember 2016

    aber, aber ihr vorposter.
    es wird uns doch eingebläut, wir sind reich!
    jetzt verstehe ich so langsam. wir sind reich an “Forderungen”!

  • Peter Hobel - 8. Dezember 2016

    Hans Werner Sinn erklärte uns schon vor Jahren das wir für alle Südländer Banken haften müssen-Stichwort BAIL IN.Das sind 12 BILLIONEN EURO!

    Die Besitzer sollen ohne Schaden davonkommen hat man beschlossen.Gewinne dürfen sie aber immer machen…

    In Brüssel wurde es besiegelt.Deutschen Banken wurde das selbe in der Krise verboten wegen Wettbewerbsverzerrung.

  • Wutbürger - 8. Dezember 2016

    Hallo Steffen, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Nur wie erklärt sich folgendes: Target2 pendelte um 0 bis zum Ausbruch der Krise Mitte 2007, dann erst begann das “Abheben”, obwohl der kumulierte Überschuss (letztes Bild) bereits 3 Jahre früher abhob. In Target2 sind sicher mehrere Faktoren überlagert, aber es kommt mir so vor, als ob die Ereignisse von 2007 den Marktteilnehmern in der Olivenzone einen Schock versetzt haben und diese sich seitdem generell anders verhalten (z.B. Guthaben in sichere Länder verschieben), nicht zuletzt durch die später eingeführte Bail-In Regel.

    • Marja - 8. Dezember 2016

      Warenströme entsprechen nicht unmittelbar Geldströmen. Man kann seine Waren ins Ausland exportieren, das Geld aber im Ausland auf der Bank dort liegen lassen. Dann ist die Handelsbilanz positiv und Target2 bewegt sich nicht.

      • Querschuss - 8. Dezember 2016

        Hallo Wutbürger, hallo Marja,
        nun kommen wir an den wichtigen Kern, richtig beobachtet Wutbürger, die kumulierten Leistungsbilanzüberschüsse stiegen schon bevor die Target2 Forderung stieg, warum, weil privates Kapital aus Deutschland, die Nettoexporte in die anderen Länder der Eurozone finanzierte. Es floss also z.B. dem italienischen oder auch spanischen Bankensystem Zentralbankgeld aus Deutschland über Target2 zu, als Kredit einer deutschen Bank, als Kauf von Privaten in Form von Staatsanleihen, Wertpapieren usw. Dieser private deutsche Kapitalstrom ist versiegt (Finanztransaktionen die zu ZBG-Überweisungen führten), nun finanzieren Zentralbanken die Nettoexporte Deutschlands, gut visualisieren tut dies z.B. der Rückgang der Auslandsaktiva der deutschen Banken gegenüber Spanien, so siehts auch bei Italien aus:

        Man kann sagen, der Target2 Saldo zeigt an, wieviel Zentralbankgeld mehr zufließt als abfließt in Deutschland oder eben auch um wieviel die Zentralbank in die Bresche springt, damit 1 Euro in Italien auch 1 Euro in Deutschland wert ist, ohne dass die italienische Volkswirtschaft soviel Zentralbankgeld erwirtschaftet hat, als es nach Deutschland abgeflossen ist, ob für Käufe von Waren und Gütern, von Vermögensgegenständen oder als Transfer von Bankeinlagen.

        Gruß Steffen

  • DukevanHudde - 8. Dezember 2016

    @willy-winzig

    Das Problem hat wohl etwas mit den Löhnen in Deutschland am Hut. Selbst wenn es so wär das es in Frankreich und Italien( in Norditalien kann ich aber klar sagen gab oder gibt es Konkurenz) nicht mit den Produkten von Deutschland konkurieren. Der Euro hat einen Gemsichtwert aus der Leistugnsfähigkeit aller einzelnen Teile. Deutschland treibt den Wert des Euros daher mit seiner Lohnpolitik nach oben und die Südschiene nach unten. Die Effekte daraus sind das für Deutshcland der Euro zu billig ist und aus diesen Grund ist Deutschland günstiger als seine Konkurenz und erziel massive Leistungsbilanzüberschüsse. Die Südschiene ist dann im Vergleich zu ihrer Konkurenz zu teuer und erleidet Leistungsbilanzdefiziete wenn alles normal laeuft sollten sich die Überschüsse und Defiziete halbswegs ausgleichen.

    Das heisst wenn Deutshcland Leistugnsbilanzüberschüsse hat ist es daher ziemlich klar das andere Länder in der Eurozone ein Minus in ca gleicher Höhe haben.

    Ich bezweifel stark das die bisher erzielten Überschüsse nur halbwegs verzinst im Ausland angelegt wurden. Das müsste ja mi Zinsen locker 4 Billonen sein.

    Den eigentlich bedeuten Überschüsse ja den gleichzeitigen Export von Geld und Waren. Ein Grossteil der Überschüsse werden in Finanzkriesen verloren sein oder in den Unverzinsten und nicht einbringbaren Target2 Forderungen stecken. Den Länder mit einer miesen Leistungsbialnz haben halt auch nicht wirklich eine Menge guter Assets.

    Die Lösung des Problem ist recht einfach vor dem Euro hat die Südschiene die Gehälter auch stärker steigen lassen wie Deutschland, aber hat immer langsam abgewertet und dann passte es wieder. Norditalien hätte weiter eine brauchbare Industrie und Deutschlands Arbeitskräfte hätten einen fairen Lohn.

    Die EU wird aber eher versuchen alles ganz Sozialistisch zu steuern und den Leistugnsbilanzüberschuss Deutschlands mit Hilfe des EU Haushalts in die Südschiene zu verschenken.

    Dann ist die Aufwertugnsdividende für den Deutschen Arbeitnehmer bei Lohnzurückhaltung entgültig Geschichte. Den durch die Aufwertung der Währung hat der Deutsche Arbeitnehmer früher seinen Anteil an der Lohnzurückhaltung bekommen.

    Die EU hat mit dem Euro und damit der engeren “Zusammenarbeit “Probleme geschaffen die es vorher nicht gab und versucht diese Probleme mit noch engeren “Zusammenarbeit” zu lösen. So kann man natürlich seine Macht und den Staat auch immer ausweiten. (Staatsanteil 70 % wir kommen.)

    Ein ziemlich krankes System.

  • Michael Stöcker - 8. Dezember 2016

    TARGET2 ist weder eine Forderung noch ein Verbindlichkeit, sondern, wie Sie korrekt schreiben: ein Saldo. Und dieser Saldo gibt Auskunft über die Verbringung von Zentralbankgeld. Siehe hierzu auch die Diskussion bei Daniel Stelter: http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/rogoff-traeumt-weiter-von-der-enteignung/#comment-20926 sowie hier: http://www.geldsystempiraten.de/wp/populare-irrtumer-die-rolle-der-target-salden/. Auch die Kommentare sind lesenswert.

    Bei den Ursachen für dieses Dilemma, den massiven LB-Ungleichgewichten, bin ich ganz auf Ihrer Seite.

    LG Michael Stöcker

  • guguk - 8. Dezember 2016

    Und dieses kriminelle Regime weiss davon nichts?

    • Querschuss - 9. Dezember 2016

      Hallo guguk,
      der Euroraum, das Eurosystem und der Euro sind ja ganz bewusst so gestaltet worden, so eben im Detail beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr mit den Target2 Salden und das es zwischen den NZBs keinen Ausgleich gibt und demzufolge sich im schlimmsten Fall die Ungleichgewichte auch noch höher aufschaukeln können als bisher. Dies ist dem geschuldet, dass 1 Euro in Italien, Spanien, Frankreich oder in einem anderen Land der Eurozone, einem Euro in Deutschland wert sein muss/soll. Im schlimmsten Fall können also z.B. “Italiener” noch für hunderte Milliarden Euro deutsche Waren und Güter, Vermögenswerte in Deutschland aufkaufen oder Bankeinlagen nach Deutschland transferieren, ohne das Italien entsprechend Zentralbankgeld “erwirtschaftet” hat, die BuBa zahlt die Rechnung, schreibt es beim Zentralbankgeldkonto der Bank, des deutschen Exporteurs, des deutschen Immobilienverkäufers usw. gut, mit frisch geschöpften Geld, was einer Bilanzverlängerung entspricht und dies ist nur eine Forderung gegenüber der EZB. Uneinbringbar, bei einem Bruch des gemeinsamen Währungsraumes.

      Dies jetzt 2016 als “kriminell” einzuordnen ist viel zu spät, der Drops ist längst gelutscht, in jedem Szenario, werden gewichtige Teile der angehäuften Target2 Forderung keine realwirtschaftliche Gegenleistung erfahren, sprich es handelt sich im Kern um wertlose Forderungen, solange Deutschland ein Überschussmodell fährt und nicht Nettoimporteur in der Eurozone wird. Nicht in der Momentaufnahme, aber im Aggregat, entsprechen die deutschen kumulierten Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber den Mitgliedern der Eurozone fast den Target2 Forderungen, dass ist die Dramatik, wenn man hinter die Kulisse schaut und es zuspitzt bzw. auf den Punkt bringt!

      Verlierer dieser gemeinsamen Währung gibt es zu Hauf, nicht nur in der Südperipherie, auch in Deutschland, denn seit Jahren waren im Trend nicht nur die Lohnerhöhungen zu schwach, es wurden auch die deutschen Arbeitnehmer um die “Aufwertungsdividende” gebracht, die eine starke Volkswirtschaft, mit immensen Nettoexporten erfahren würde, ohne den Euro, sprich um billigere Importwaren und preiswerteren Urlaub.

      Das Nettoexportüberschüsse auf der anderen Seite “Unterkonsum” und “Unterinvestitionen” in Deutschland bedeuten, merkt ein jeder, wenn er sich den Zustand der deutschen Infrastruktur, Strassen, Brücken, Schienen, Schulen… kritisch ansieht.

      Die Regierenden leben dagegen in einem postfaktischen Raum, in diesem ist die Welt weitgehend i.O. 🙂

      Gruß Steffen

      • Marja - 9. Dezember 2016

        Das Problem, dass es unterschiedlich wirtschaftliche starke Gebiete innerhalb eines Staates gibt, kennen wir ja in Schland zur Genüge, – nur gibt es dort einen Finanzausgleich, übrigens nicht nur über den Länderfinanzausgleich sondern hauptsächlich durch die Sozialversicherung! Rente wird halt nicht nur dort verfrühstückt, wo sie erwirtschaftet wird. Je ärmer die Gegend umso mehr soziale Leistungserbringer, die von überregionalen Kostenträgern versorgt werden, möchte man manchmal meinen.

        Nur in der EU ist der Transfer eingeschränkt. Es gibt ihn z. B. im Rahmen der Strukturförderung für die 20 (oder 25?) % strukturschwächsten Regionen (z. B. ist der LK Uelzen Empfänger), nur das reicht natürlich nicht. Es ist ja damit zu rechnen, dass Schland den Anteil von GB an der EU-Finanzierung übernimmt, wenn es tatsächlich zum Brexit kommt.

        Wir brauchen m. E. einen intensivierten Strukturausgleich, also z. B. mehr Geld aus Schland für die Infrastruktur in Rumänien. Dass schafft Nachfrage und nützt allen. Dann kann man auch in Schland noch ein paar Autobahnen in die Landschaft knallen, – von mir aus.

        Dass die Taler aus Schland aber irgendwo (ich weiß noch nicht wo und wie genau) versacken, ohne “BIP-wirksam” umgesetzt werden, ist schon eine Schande. Mit BIP-wirksam meine ich vor allem so, dass realer Wohlstand entsteht und nicht nur virtueller. Unsere Blockparteien scheinen ja irgendwie der Ansicht zu sein, dass wir zu einem Calvinistisch-Feudalen Wirtschaftssystem oder zu Dagobert-Duck-Geldspeichern zurückkehren sollen. Nur, dass man Geld nicht essen kann.

        Nur der Ausgleich der Schieflagen bringt Wohlstand für alle. Eine Verstärkung der Schieflagen führt nur dazu, dass Geld gehortet wird, dass nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückkehrt, keine Nachfrage schafft, keine Arbeit, kein BIP-Anstieg. Die Steigerung der privaten Vermögen entzieht dem Wirtschaftskreislauf Wirtschaftskraft. Wie Georg meint, Bill Gates kann sein Geld nicht mehr verfrühstücken, das fehlt dem Wirtschaftskreislauf. Das passt dann dazu, dass dort die Vermögen am höchsten sind, wo die Leistungsbilanzdefizite am größten sind. Oder sehe ich das falsch?

  • Klaus - 10. Dezember 2016

    Zum Thema Target2 ein recht ordentlicher Beitrag aus der Wirtschaftswoche 2013.

    http://www.wiwo.de/politik/europa/euro-krise-target-salden-draengen-deutschland-an-den-abgrund/6277238.html

    Steffens Beschreibung des Problems, möglicherweise für den (die) eine(n) interessant.

  • Florian Geyer - 11. Dezember 2016

    Hauptsache “wir” sind weiter “Exportweltmeister”!
    Daß es für die hochwertigen gelieferten waren nur wertloses Papier und, wie im Fall der target -salden, nur VERSPRECHEN aus wertloses Papier gibt, stört da ja nicht weiter.