Deutschland: ETR Q4 2016

von am 16. Februar 2017 in Allgemein

DeutschlandDas Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute für das 4. Quartal 2016 die Daten zur Erwerbstätigenrechnung (ETR). Diese Daten zeigen erneut die schwache Seite des deutschen Arbeitsmarktes. Zwar stieg auch in Q4 2016 die unbereinigte Zahl der Erwerbstätigen, aber nur noch mit +0,6% zum Vorjahresquartal, nach +0,8% in Q3, nach +1,2% in Q2 und nach +1,3% in Q1 2016, auf 43,724 Millionen Erwerbstätige. Aber die Summe aller geleisteten Arbeitsstunden sank um -0,6% zum Vorjahresquartal, auf 14,990 Mrd. Stunden und damit waren auch die geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen weiter rückläufig, auf 342,8 Stunden (-1,2%).

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s1718Die Entwicklung der saisonbereinigten Zahl der Erwerbstätigen (blau) und der von ihnen insgesamt geleisteten saisonbereinigten Arbeitsstunden (rot). Von 1991 (=100) = 38,790 Millionen Erwerbstätigen stieg bis Q4 2016 die Zahl der Erwerbstätigen um +12,2%, auf saisonbereinigte 43,31 Millionen Erwerbstätige. Trotz +4,819 Millionen mehr an Erwerbstätigen seit 1991, liegt die gesamte geleistete Zahl der Arbeitsstunden unter dem Niveau von 1991! Die gesamte Zahl der geleisteten saisonbereinigten Arbeitsstunden sank seit 1991 (=100) = 15,091 Mrd. Stunden um -2,1% bis Q4 2016, auf 14,804 Mrd. Arbeitsstunden.

Während also seit 1991=100, dass insgesamt geleistete Arbeitsvolumen in Stunden um -2,1% bis Q4 2016 sank, stieg das nominale BIP im selben Zeitraum um über 90 Prozent was den Einfluss von Produktivitäts- und Preissteigerungen auf das nominale BIP dokumentiert und die Aberwitzigkeit ein Sozial- und Rentensytem ausschließlich auf Erwerbsarbeit abzustellen!

Noch deutlicher ist die Entwicklung, wenn man die geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen betrachtet, vor allem in der langen Reihe seit Q1 1970:

s1719Die Entwicklung der saisonbereinigten, geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen und je Quartal im Chart. In Q4 2016 sanken die saisonbereinigten geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen um -0,2% zum Vorquartal auf 340,1 Stunden, zum Hoch seit der deutschen Einheit in Q1 1992 waren es aber noch 389,2 Stunden und zum Allzeithoch in der alten Bundesrepublik aus Q2 1970 sogar 494,1 Stunden, je Erwerbstätigen und je Quartal! 

Ungebrochen zeigen uns die Daten aus der ETR, mehr Erwerbstätigen stehen im Trend immer weniger geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigen gegenüber. Da zeichnen sich also auch prekäre, atypische Beschäftigung, Millionen von Unterbeschäftigten, Leiharbeit, Teilzeit (unfreiwillig und freiwillig) oder geringfügige Beschäftigung.

Quellen Daten: Genesis.destatis.de/Datenbank VGR

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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2 KommentareKommentieren

  • Olaf23 - 16. Februar 2017

    Eigentlich müsste man die gesellschaftlichen Verteilungssysteme komplett neu aufstellen, um irgend wann den totalen Kollaps zu vermeiden (selbst ohne Finanzkrise würde das zwangsweise folgen).

    Stattdessen feiert man im Sinne vom Exportweltmeister die hohen Erwerbstätigenzahlen ohne auch nur irgendwie tiefer ins Detail zu schauen, was eine ganze andere Aussage präsentiert, so wie du das hier machst. Dabei sieht man ja bei dir, dass die Information tatsächlich kurz genug verpackbar wäre, um den “Anforderungen” der üblichen Zeitungs- und Nachrichtenportale zu genügen.