Deutschland: sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanz 2016

DeutschlandWie jedes Jahr im November, veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) die sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanz Deutschlands für das vorangegangene Jahr, nun also für 2016. Hierfür erfasst Destatis das Sachvermögen und die Bundesbank die Geldvermögen und Verbindlichkeiten (Geldschulden) aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren.

Für jeden inländischen volkswirtschaftlichen Sektor, wie auch für die gesamte Volkswirtschaft werden die Bilanzpositionen nach diesem Schema erfasst: S698

Der Blick auf die Aktiva-Seite der gesamten deutschen Volkswirtschaft:

Die gesamten Vermögenswerte Deutschlands stiegen 2016 auf 22,281 Billionen Euro, davon 14,025 Billionen Euro Sachvermögen und 8,256 Billionen Geldvermögen, in Form von Forderungen gegenüber dem Ausland. Das Ausland ist, wie könnte es auch anders beim Nettoexportmeister Deutschland sein, NETTOSCHULDNER, denn die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland betrugen 2016 6,742 Billionen Euro, demzufolge das Nettogeldvermögen (Deutschlands Nettoforderungen gegenüber dem Ausland) 1,514 Billionen Euro:

Zieht man vom Sachvermögen und dem Geldvermögen (Forderungen gegenüber dem Ausland) die Verbindlichkeiten (gegenüber dem Ausland ab) erhält man das Reinvermögen, auf der Ebene der gesamten Volkswirtschaft auch Volksvermögen genannt. Das Reinvermögen, in Englisch bezeichnet als net worth, betrug 2016 15,539 Billionen Euro, im Jahr 2000 waren es 9,155 Billionen Euro und 1991 5,985 Billionen Euro. Erweitert um den Zeitwert der Gebrauchsvermögen (langlebige Gebrauchsgüter, wie Möbel und Einrichtungsgegenstände, elektrische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Schmuck und Uhren und Autos) privater Haushalte, belief sich 2016 das Reinvermögen der Volkswirtschaft bei 16,582 Billionen Euro.

Das Reinvermögen nur der privaten Haushalte (ohne Gebrauchsvermögen) kletterte 2016 um +4,7% zum Vorjahr, auf 11,703 Billionen Euro, im Schnitt der Datenreihe ging es mit +4,5% p.a. aufwärts.

Die Entwicklung des Reinvermögens der privaten Haushalte, Sachvermögen+Geldvermögen-Verbindlichkeiten (ohne Gebrauchsvermögen) von 1991 bis 1998 nach ESVG 1995 und von 1999 bis 2014 nach ESVG 2010 in Billionen Euro im Chart.

Das Vermögen der privaten Haushalte stieg 2016 auf 13,390 Billionen Euro. Davon waren 7,625 Billionen Euro Sachvermögen, darunter 4,733 Billionen Euro in Form von Wohnimmobilien, 2,718 Billionen Euro an Grund und Boden und 5,765 Billionen Euro betrug das Geldvermögen. Davon muss man 1,686 Billionen Euro an Verbindlichkeiten (Geldschulden) der privaten Haushalte abziehen und dann dokumentieren sich 11,703 Billionen Euro an Reinvermögen der privaten Haushalte. Dies dokumentiert enormen Reichtum, einer der immer weiter ansteigt, aber die Vermögensverteilung ist sehr ungleich, denn viele haben wenig, nichts, gar Schulden. Laut den Daten des DIW besitzt das oberste 1% der Bevölkerung 31 bis 34 Prozent des Vermögens in Deutschland. Die obersten 10% gar zwischen 63 bis 74 Prozent des Vermögens. Die scheinbare Unschärfe kommt aus einer erweiterten Methodik, die dazu führt das die bisher auch schon sehr ungleiche Vermögensverteilung aus den Daten des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) oder der Bundesbank-Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen übertroffen wird und nur annähernd mit einer Spanne angegeben werden kann.

Deutschland ist eine sehr leistungsfähige und erfolgreiche Volkswirtschaft, für Wohnungsnot, Obdachlosigkeit, Kinderarmut, Altersarmut, prekäre Beschäftigung mit Löhnen von denen man nicht leben kann, gibt es sachlich betrachtet keine Notwendigkeit, sie entsteht nur aus der Gier weniger, der ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung.

Aus der Sicht des Reinvermögens der privaten Haushalte (11,703 Billionen Euro), wie auch des Nettogeldvermögens (Geldvermögen minus Geldschulden), immerhin auch noch 4,079 Billionen Euro relativieren sich die Staatsschulden ganz erheblich. Betrachtet man den Staat isoliert, drücken zwar die Geldschulden (Bruttostaatsschulden), aber auch der Staat hat Vermögenswerte auf der Habenseite, Sachvermögen und Geldvermögen. Selbst beim Staat zeigt sich ein Reinvermögen von 575,6 Mrd. Euro. Denn Sachvermögen, insbesondere Immobilien im Besitz des Staates und das Geldvermögen, wie Bargeld und Einlagen übersteigen die Verbindlichkeiten (Fremdkapital) des Staates. In der Regel wird die Problematik der deutschen Staatsschulden überzeichnet, weil man nur auf die Verbindlichkeiten, Schulden des Staates, auf die Passiva-Seite der Bilanz sieht. Die bestehenden Verbindlichkeiten des Staates könnten ohne Weiteres abgebaut werden, ohne die Aktiva des Staates zu verwerten, durch eine adäquate Besteuerung von privaten Vermögen, Geldvermögen und hoher Einkommen. Die Nettogeldschulden des Staates sind einfach die Nettogeldvermögen Anderer. Beides bedingt sich einander. Oft wird dies komplett übersehen, weil man den Blick auf die andere Seite, die der Geldvermögen und auch auf die bisher schon aufgebauten Sachvermögen unterlässt.

Der kurze Blick auf die Vermögensbilanz des Staates:

Die Vermögensbilanz des deutschen Staates für 2014. 2015 und 2016, in der Tabelle von Destatis.

Ähnliches gilt für die nicht finanziellen Kapitalgesellschaften (Unternehmen der Realwirtschaft), sie sind im Prinzip der ideale Schuldner, denn im Regelfall stehen den Schulden die Anlageinvestitionen in Maschinen, Ausrüstungen und Bauten gegenüber:

Die Vermögensbilanz der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften für 2014. 2015 und 2016, in der Tabelle von Destatis. Anlageinvestitionen von 3,549 Billionen Euro standen nur Geldschulden von 2,251 Billionen Euro gegenüber. Das Reinvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften betrug 2016 2,587 Billionen Euro. Im Aggregat aller Unternehmen betrachtet sind die Unternehmen nicht überschuldet, sie weisen ein sattes Reinvermögen aus, sie könnten und müssten mehr investieren, dies würde dann auch dazu beitragen die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse zu senken.

Dieses Land hätte soviel wirtschaftliches Potential, um die meisten Probleme im Land zu lösen, angesichts der gescheiterten Jamaika-Sondierungsgespräche, muss man resümieren, die Politik hinkt hinter der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft weit hinterher. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist auch nicht ihr Verdienst, sondern Ergebnis Millionen fleißiger Arbeitnehmer, Ingenieure, Entwickler und Unternehmer und natürlich eines permanent unterbewerteten Euro und einer manipulativ agierenden EZB, die künstlich Stimulus schafft, mit all seinen Nebenwirkungen und Verzerrungen.

Quelle Daten: Destatis.de/Portal: Sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanzen

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