Erosion des Rating-Oligopols: Auf dem Weg aus der Ratingkrise

von am 26. Januar 2012 in Allgemein

Seit Monaten stehen die großen Ratingagenturen Standard & Poor`s (S&P) (1), Moody`s (2) und Fitch (3) (4) wegen ihrer umstrittenen Ratings für Industriestaaten und insbesondere für europäische Schuldenstaaten in der Kritik. Die Macht dieser drei Ratingagenturen, die zusammen auf einen Weltmarktanteil von knapp 95 Prozent kommen (5), wird zunehmend kritisch gesehen. Das gilt insbesondere in Bezug auf S&P (6), eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Medienunternehmens McGraw-Hill Companies Inc. und die an der New Yorker Börse notierte Moody`s Corporation (7), die gemeinsam auf einen Marktanteil von 80 Prozent kommen (8).

Das ist vor allem deswegen so, weil erstens speziell bei Länderratings Bonitätsnoten und Begründungen für Herabstufungen auf einer vergleichenden Ebene kaum mehr in Einklang zu bringen sind mit den für solche Ratings relevanten Eckdaten zur wirtschaftlichen und Haushalts-Lage sowie den ergriffenen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung.

Verstärkt wird die Skepsis zweitens dadurch, dass die großen drei Ratingagenturen die Kriterien, nach denen sie die Bonität von Staaten bewerten, nicht offen legen. Für Außenstehende besteht somit keine Möglichkeit, deren Rating-Entscheidungen nachzuvollziehen.

Drittens gibt es auch Zweifel an der Unabhängigkeit und damit an der Objektivität.

Das hängt zum einen damit zusammen, dass sie für ihre Produktratings von jenen Institutionen aus der Finanzindustrie bezahlt werden, die diese auch verkaufen. In der Aufarbeitung der US-Immobilienkrise gerieten die Ratingagenturen unter Druck, weil massenhaft strukturierte Wertpapiere mit Top-Bonitätsnoten versehen worden waren, die sich kurze Zeit später als hochgradig toxisch herausstellten und massive Wertverluste realisierten. Der Untersuchungsausschuss des US-Senats zur Aufarbeitung der Hypothekenkrise stellte den großen Ratingagenturen ein miserables Zeugnis aus: Sie hätten im Vorfeld der Krise jahrelang fehlerhafte Rating-Modelle benutzt, bei der Prognose des Hypothekenmarktes versagt und ihre Ratings wären von Konkurrenzdruck gefärbt gewesen. Von allen Subprime-Hypothekenwerten, die 2006 mit AAA-Ratings versehen worden seien, wären heute 93 Prozent “Ramsch”, urteilte der Senats-Ausschuss. (9) Zum Teil ist selbst von wissenschaftlicher Seite von Gefälligkeitsgutachten die Rede. (10)

Darüber hinaus erhält der Verdacht mangelnder Objektivität auch aufgrund der Eigentümerstrukturen und bestehender Verflechtungen von S&P und Moody`s über die Eigentümer einen Rückhalt. So werden laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger Moody`s und MacGraw-Hill, der Mutterkonzern von S&P, von derselben Gruppe von Aktionären beherrscht. (11) Etwa ein Dutzend großer US-Fonds und –Banken, die teilweise ebenfalls miteinander verflochten sind, kontrollieren demnach gemeinsam 38 Prozent von MacGraw-Hill und knapp 49 Prozent der Aktien von Moody´s. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem The Capital Group, Blackrock, State Street, Fidelity, die Morgan Stanley Bank sowie die Bank of New York.

Dass die Abhängigkeit von den großen Ratingagenturen so groß ist, kann man allerdings nicht ihnen selbst anlasten. Vielmehr haben sich Regierungen, Notenbanken, Investoren und Banken viel zu sehr von ihnen abhängig gemacht. Darüber hinaus hat die Politik selbst diese Abhängigkeit zementiert, indem sie den Bezug zu den Bonitätsnoten der großen Ratingagenturen in vielen Gesetzen und Regelungen für den Finanz- und Versicherungssektor verankerte, etwa in den Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II), aber auch in den Solvabilitätsvorschriften für die Eigenmittelausstattung von Versicherungen (Solvency II). (12) Gesetze und aufsichtsrechtliche Vorgaben sind es auch, die Anlageentscheidungen bestimmter Investorengruppen von den Ratings der großen Ratingagenturen abhängig machen. In Deutschland dürfen beispielsweise die Kapitallebensversicherungen die Gelder der Versicherten nur in Anleihen anlegen, die mindestens „Investment Grade“ haben, also ein Mindestrating von „BBB“ bei S&P oder ein gleichwertiges Rating bei einer anderen „anerkannten“ Ratingagentur. (13) Im Internet kann man bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Liste der anerkannten Ratingagenturen einsehen. (14) Es sind sechs an der Zahl, aber nur vier haben die Anerkennung für alle Marktsegmente:

I. Für die bankaufsichtliche Risikogewichtung anerkannte Ratingagenturen nach §§ 52 und 53 SolvV

  • Creditreform Rating AG [CRAG] (für das Marktsegment “Andere Forderungen” nach § 52 Abs. 2 Satz 6 Nr. 3 SolvV)
  • DBRS (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
  • Euler Hermes Rating GmbH [EHRG] (für das Marktsegment “Andere Forderungen” nach § 52 Abs. 2 Satz 6 Nr. 3 SolvV)
  • Fitch Ratings (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
  • Japan Credit Rating Agency Ltd. [JRCA] (für das Marktsegment “Andere Forderungen” nach § 52 Abs. 2 Satz 6 Nr. 3 SolvV)
  • The McGraw-Hill Companies unter der Marke “Standard & Poor’s Ratings Services” [S&P](für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
  • Moody’s Investors Service (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)

Unabhängig davon haben sich Lebensversicherer, Pensionsfonds und viele konservativere Investmentfonds auch selbst verpflichtet, weitgehend auf Anlagen unterhalb des „Investment Grades“ zu verzichten – was für einige europäische Krisenstaaten als Folge der Kette von Herabstufungen mittlerweile zu einem Problem geworden ist. (15)

Bei der Frage, wie die Abhängigkeit von den großen drei Ratingagenturen reduziert werden kann, gibt es also allein auf der gesetzlichen und regulatorischen Ebene jede Menge Ansatzpunkte.
Für mehr Konkurrenz zu sorgen, ist ein weiterer Ansatzpunkt. Gerade mit Blick auf die komplexe Aufgabe des Ratings von Staaten – schließlich geht es hier um Prognosen bezüglich deren künftiger wirtschaftlicher Entwicklung und Zahlungsfähigkeit – wird es dabei auch um die Frage der geeigneten Bewertungsmodelle gehen müssen.

Seit Monaten bemüht sich die Unternehmensberatung Roland Berger gemeinsam mit der Europäischen Kommission um die Gründung einer europäischen Ratingagentur. (16) Doch von Beginn an wurden hier Zweifel an der Unabhängigkeit einer solchen europäischen Agentur geäußert. Zum einen geschah dies vor dem Hintergrund der massiven Kritik seitens der Politik an den Ratings der großen Drei für Euro-Staaten. Zum anderen hat es aber sicher ebenso mit dem Bestreben sowie der Beteiligung der Europäischen Kommission zu tun – hinsichtlich der Beschränkung der Macht von S&P, Moody`s und Fitch wie auch bezüglich des Aufbaus einer europäischen Konkurrenzeinrichtung. Mit denselben Zweifeln an der Unabhängigkeit von der Politik ist auch die privatwirtschaftliche chinesische Ratingagentur Dadgong Global Credit Rating (17) (18) konfrontiert – nicht zuletzt speziell wenn es um Bonitätsbewertungen der USA geht. (19)

Was werden also die Euro-Staaten-Ratings einer europäischen Ratingagentur in den Augen von Nicht-Europäern wirklich wert sein? Die Frage kann man vorab nicht beantworten. Ein Beitrag für mehr Wettbewerb und die Verbesserung sowie Verbreiterung der Basis für Anlageentscheidungen ist eine solche Agentur in jedem Fall.

Ein weiterer Beitrag in diesem Sinne ist sicher auch das „Wikirating“ (20), das ein gutes Beispiel dafür ist, wie breit die Palette von Bewertungsmodellen sein kann. Die Ratingplattform ist seit Anfang Oktober 2011 im Internet erreichbar und sie funktioniert ähnlich wie wikipedia. (21) Das heißt, die Internetuser bewerten selbst und treiben die Entwicklung der Plattform mit voran; es werden dort für Ratings relevante und verifizierbare Informationen gesammelt, diskutiert, aufbereitet und bereitgestellt, die dann von registrierten Nutzern für Bonitätsbeurteilungen von Staaten, Unternehmen und strukturierten Finanzprodukten genutzt werden können. Dafür gibt es dort unterschiedliche Bewertungsansätze. Der einfachste ist die Polling-Methode (22), bei dem per Mausklick eine Beurteilung abgegeben wird. Darüber hinaus haben die Plattform-Gründer unter anderem einen sogenannten „Sovereign Wikirating Index“ (SWI) entwickelt, bei dem nach einem nachvollziehbaren Verfahren auf der Basis ausgewählter, gewichteter Indikatoren Länderratings erstellt werden. (23) Datengrundlage sind hierbei offizielle Daten, etwa der OECD, der Weltbank oder von Eurostat.

Interessant ist, dass die Bonitätsnoten für die Industriestaaten im SWI insgesamt zwar schlechter ausfallen als bei den großen drei Ratingagenturen. Gleichwohl ist das Bild wesentlich differenzierter.

Stand 3. Januar – also noch vor der Abstufung von acht Euro-Staaten, einschließlich Frankreich und Österreich, durch S&P – bekam Frankreich im Sovereign Wikirating Index (SWI) bereits ein BB-, Griechenland wurde aber mit B- besser bewertet als von S&P (CC), Moody`s (CCC) und Fitch (Ca). Deutschland wiederum wird im SWI nur mit der Bonitätsnote BB+ versehen, während es bei den großen Drei nach wie vor die Top-Bonitätsnote (AAA) bekommt. Andererseits kommen im SWI aber auch Großbritannien (BB) und die USA (BBB-) deutlich schlechter weg als bei S&P und Co., bei denen beide Staaten – mit einer Ausnahme: S&P gibt den USA nur noch ein AA+ – immer noch mit der besten Bonitätsnote (AAA) bewertet werden.

Der gesamte SWI einschließlich der entsprechenden Ratings von S&P, Moody´s, Fitch und Dagong findet sich hier.

Es tut sich also etwas. Welche Ratings glaubwürdig sind, wird letztlich jedoch trotzdem jedem selbst überlassen bleiben. Vielleicht tragen die neuen Rating-Initiativen auch dazu bei, sich nicht mehr so sehr auf externe Ratings zu verlassen. Wie auch immer, die Zeit fehlender Alternativen für die Orientierung ist jetzt wohl vorbei.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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11 KommentareKommentieren

  • El Bufon - 26. Januar 2012

    Ich habe im Sommer irgendwo gelesen, dass das BAfin “vorruebergehend” die Anforderung “ausgesetzt” hat, sub investmentgrade Bonds aus dem gebundenen Vermoegen (besonders geschuetze Anlagen LV) zu entfernen. Wenn das “andere” Vermoegen zu klein ist, wuerde das normalerweise Verkauf mit Verlust bedeuten.

    Gilt die Ausnahmeregelung (Verbleib von z.B portugiesischen Anleihen im geb. V) noch?

    Weiss das jemand?

  • dank - 27. Januar 2012

    Vielen Dank für die schöne Zusammenfassung und das Ausrichten des Spots.

    SWI ist eine sehr positive Entwicklung – wobei in D hats bereits Guttenplag,
    bewiesen, was alles drin steckt in der Power of the Internet (POTI).
    Der Arabische Frühling, OCC, AVAAZ, …
    Nachdem POTI die Welt, die letzten 15 Jahre änderte, wirds POTI wieder tun,
    wenn die Chance kommt …
    Nur so können noch starke, nachhaltige, tragfähige und von vielen getragene
    Alternativen geschaffen werden.

  • Holly01 - 27. Januar 2012

    Ratings sind eine gute Sache. Jedenfalls dem Sinn nach. Als Missbrauchsmittel ist es sehr mächtig, was Misstrauen sät.
    Die Lösung besteht nicht in Alternativen, die Lösung ist die Akzeptanz für das Misstrauen und den Misbrauch. Anders herum, man muss die Ratings auf Informationsniveau herabstufen und aus allen relevanten Vorschriften löschen.
    Der Gedanke war gut, die Umsetzbarkeit ist angesichts der Summen nicht gegeben.
    So lange die Löschung nicht erfolgt ist, sollte es an jeder Strassenecke zugelassene Ratingargenturen geben. Jeder erhalte der Rating, welches er für seine Zwecke benötigt.
    Das System der Ratings ist gescheitert.
    Beurteilungen sind wie Schulnoten. Am Ende subjektiv, nicht vergleichbar und ungerecht. Sie werden von Menschen vergeben, so ist das nun einmal mit den Menschen.
    Maschinen werden auch von Menschen programmiert …. und sollten nicht zu viel Macht bekommen.

  • Holly01 - 27. Januar 2012

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36290/1.html
    Der letzte Abschnitt passt in dieses Bild. Wer traut schon einer Meinung die er nicht selbst bestellt und gekauft hat.
    Fühlen können es Alle, wissen will das keiner.

  • Voltaire - 27. Januar 2012

    Was die drei großen Ratingagenturen an Einstufungen für Staaten herausgeben, ist für mich eh nur “Kokolores”.

    In meinem Rating erreicht Deutschland mit 356 Punkten von 830 möglichen Punkten eine Erfolgsquote von 42,9 Prozent und damit die Einstufung “B” –> Dringender Handlungsbedarf, einschneidende Maßnahmen sind zu ergreifen.

    Zur Ermittlung meiner Einschätzung habe ich sowohl die Verbindlichkeiten als auch das Vermögen der öffentlichen Hand – soweit mir die Quellen zugänglich sind – berücksichtigt.

    Insgesamt umfasst meine Tabelle derzeit 29 Positionen, nachfolgend daraus die ersten 6 Positionen:

    1 Staatsschulden (%) in Relation zum BIP

    2 Neuverschuldung bzw. Tilgung (%) in Relation zum BIP

    3 Staatsquote

    4 Bundesschuld (Zins) in Relation zum gesamten Staatshaushalt

    5 Deckelung der M1 Geldmenge durch Gold (Edelmetalle)

    6 Importe in Relation zu den Exporten

    Die Tabelle ist so aufgebaut, dass hinter jeder Position die Spalten “Gewichtung_Vorgabe”, “Bewertung_Vorgabe” und daran anschließend die Spalte “Bewertung_IST” folgt. Die Gewichtung hängt von der “Wertigkeit” der 29 Kriterien ab und kann zwischen 1 und 10 Punkte und die Bewertung über alle Positionen zwischen 0 und 10 Punkte betragen.

    Konkret am Bsp. 1 “Staatsschulden (%) in Relation zum BIP” sieht das wie folgt aus:

    Da es sich um ein Maastricht-Kriterium handelt, wird die Gewichtung mit der Maximalpunktzahl von 10 Punkten festgesetzt. In der Bewertung erreicht Deutschland 2 Punkte, da die Staatsverschuldung in Relation zum BIP zwischen 80 und 90 % liegt (0 %: 10 Pkt., zwischen 10 % – 20 %: 9 Pkt., zwischen 20 % – 30 %: 8 Pkt, …, zwischen 80 % – 90 %: 2 Pkt., zwischen 90 % – 100 %: 1 Pkt., 100 % und mehr: 0 Pkt.).

    In Punkt 1 errechnet sich eine erreichbare Punktzahl G_V * B_V von 100 Punkten (= Produkt aus 10 * 10). Deutschland erzielt dabei G_V * B_IST = 20 Punkte (= Produkt aus 10 * 2)!

    Es werden folgende Rating-Bewertungen zugrunde gelegt:

    AA: Zielerreichung zwischen 100 % – 85 %
    A: Zielerreichung zwischen 70 % – 85 %
    BB: Zielerreichung zwischen 55 % – 70 %
    B: Zielerreichung zwischen 40 % – 55 %
    CC: Zielerreichung zwischen 25 % – 40 %
    C: Zielerreichung zwischen10 % – 25 %
    D: Zielerreichung bis 10 %

    Egal, wie ein Rating aufgebaut ist, es muss für den Interessierten

    a) transparent und
    b) nachvollziehbar

    aufgebaut sein – und genau deshalb wird das Bundesfinanzministerium, Bundesfinanzagentur oder auch auf europäischer Ebene sich hüten für Deutschland / Europa ein Rating nach meinen Vorstellungen einzuführen.

    • alt-shift-x - 27. Januar 2012

      “und genau deshalb wird das Bundesfinanzministerium, Bundesfinanzagentur oder auch auf europäischer Ebene sich hüten für Deutschland / Europa ein Rating nach meinen Vorstellungen einzuführen”

      aber das ist trotzdem genau das, was wir brauchen, Transparenz und und Nachvollziehbarkeit und ein gutes Stück weniger Propaganda und Schönrederei.

      Kann man deine “Ratings” irgendwo einsehen?

  • der-oekonomiker - 27. Januar 2012

    Nette Interpretation, aber bis zum “Weg aus der Ratingkrise” ist es noch weit, sehr weit. Wer seine Papiere weltweit verkaufen will, besonders aber in den USA, kommt nicht um die “großen 3” herum. Dazu eine Textprobe aus meinem letzten Beitrag zum Thema: “Sinnigerweise macht sich die EU seit 2007 bei der Bewertung ihrer Mitgliedsstaaten von den US-lizensierten Agenturen abhängig. Auch der 700-Milliarden-Euro-Rettungsfonds EFSF, den die EU 2010 in Luxemburg einrichtete, unterwirft seine Anleihen der Bewertung durch die drei großen Agenturen.” Ich habe hier http://der-oekonomiker.blogspot.com/2012/01/standpunkt-149-korrupte-ratingagenturen.html einige Informationen zusammengetragen, die schon einmal anderswo erschienen sind, als Zusammenfassung allen helfen können, die sich erst jetzt mit den Ratingagenturen beschäftigen.

  • Roland - 27. Januar 2012

    Wie die Geschäftsbanken ihre Kunden “raten”, sieht man an den gerade einlaufenden Zahlen über die Kreditvergabe im Euro-Raum.
    Im Dezember 2011 sank diese gegenüber November 2011 um 0,7 %
    Im Vergleich zum Vorjahr schrumpft der Zuwachs damit auf nur noch 1 %.

    Ein weiterer Beleg dafür, dass die Geldschwemme NICHT in der Realwirtschaft ankommt.

    Ein Blick nach Fernost: In Japan ist die Deflation auch im Dezember 2011 weiter gegangen.

    (Anm.: Japan liegt natürlich nur in Fernost, wenn man von Europa aus Richtung Sonnen-Aufgang schaut. Schaut man Richtung Sonnen-Untergang liegt es in Fernwest)

  • klaus - 27. Januar 2012

    Die Ratingagenturen arbeiten korrekt !

    Es gibt keine schlechten Ratingagenturen.
    Es gibt eine schlechte Wirtschaftslage, die
    ausgelöst von Gewinnsucht einen Geldexport von
    Lebensversicherungs- und Rentenkapital von
    irgendwelchen “Profis” verursacht wurde
    und nach den Schwinden des Marktvertrauens
    nicht mehr hergestellt werden kann.

    Der Bürger merkt es einfach. Pech.

    Da hilft auch nicht die Meßinstrumente abzustumpfen
    und eigene Ratingagenturen zu gründen.
    Womöglich von der Politik gesteuert und bei
    den Investoren unglaubwürdig und schlicht
    beabsichtigt den Klein-Investor zu täuschen.

    Es ist vorbei.
    Der Klein-Investor hat es geschnallt.
    Und auch Cameron hat geschnallt, das Er
    ( also GB) geopfert werden sollte.

    Da bleibt wohl nur noch die Soffin um
    die Target-Kredite abzulösen.
    Oder doch nur um Banken zu retten
    und die Target-Bilanz weiter stehen
    zu lassen ?

    Tja, harte Zeiten in der ntv-telebörse.

    Da wird das Drumrum-Gerede Trumpf werden.

    Und keiner investiert.

    Das bedeutet schlechte Stimmung vor der Wahl !

    Tja, da werden die Seelenhändler vor der Wahl
    wohl lästigst an jeder Ecke stehen müssen.

    ;)))

  • klaus - 27. Januar 2012

    Hallo an Alle.

    Etwas Off-Topic.
    Wie öfter.

    Stephen Hester RBS kriegt 1 Mio Pfund Bonus,
    dann sollte Joe wohl 3/4 davon bekommen.
    Hester hat glaub ich sowas wie 500 Mrd
    “bewegt”. Dürfte in der Dimension
    stimmen.
    Man sagt in Sky der Bonus wäre
    “blackmail”, da niemend anderes den
    Job machen könne.
    Ist wohl bei den meisten so.

    Tja, wie gesagt, investieren ist gut,
    retten darf der Steuerzahler.
    Hüben wie drüben.

    Grüße klaus

  • Georg Trappe - 29. Januar 2012

    Ich sehe keine serioese Moeglichkeit, die langfristige wirtschaftliche Entwicklung von Volkswirtschaften zu “berechnen” oder per Internetabstimmung zu ermitteln. Eine auf anerkannten statistischen Methoden beruhende Prognose gibt neben dem prognostizierten Wert auch immer ein Vertrauensintervall an, also einen Bereich um den Schaetzwert, indem der tatsaechliche Wert mit einer Wahrscheinlichkeit von x% der Hypothese nach liegen wird. Dieser Bereich weitet sich ueblicherweise mit der zeitlichen Prognosereichweite immer weiter aus (trompetenfoermig). Die Angabe eines solchen Vertrauensintervalls, die zwingend zu jeder serioesen Prognose gehoert, wird in den sog. Wirtschaftswissenschaften ohne Angabe von Gruenden unterlassen. Insbesondere dann, wenn es um Prognosen geht, die einer breiteren Oeffentlichkeit zugaenglich gemacht werden, wie z.B. Konjunkturprognosen diverser Wirtschaftsinstitute. Der zu vermutende Grund fuer dieses Verhalten liegt in der Tatsache, dass dann offensichlich wuerde, wie wertlos diese Prognosen sind. Denn sie muessten dann in etwa so lauten. Im kommenden Jahr erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 1,3%. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% wird das tatsaechliche Wirtschaftswachstum in einem Bereich von +/-5% um diesen Wert, also zwischen -4,7% und +6,3% liegen. Und damit waere jedem auf Anhieb der Wert dieser Prognose klar. Die Ratingagenturen gehen bei ihrer Stimmungsmache per Kaffessatzleserei noch perfider vor. Sie geben keine Erwartungswerte an sondern eine Buchstabenkodierung, die eine beachtlich feine Granularitaet aufweisst. Bis in den vergangenen Herbst veroeffentlichte S&P auf seiner Webpage eine Tabelle mit historischen Daten zu Prozentzahlen von Ausfaellen fuer Wertpapiere mit diesen Buchstaben Ratings. Allerdings endete diese Tabelle interessanterweise mit 2007. Inzwischen ist sie verschwunden. Es wurde den Kunden also nahegelegt die Buchstabenkodierung in eine Ausfallwahrscheinlichkeit von x,yz% zu uebersetzen. Natuerlich auf eigenes Risiko und wiederun ohne Angabe von Vertrauensintervallen. Gleichzeitig verbietet S&P aber seinen Kunden die Nennung von Ratings in Wertpapierprospekten, um so einer Produkthaftung vorzubeugen.
    Diese fragwuerdigen Methoden und Vorgehensweisen bei Dingen, die weitreichenden politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen als Grundlage dienen, werfen ein bezeichnendes Licht auf die Zustaende im inneren Kreis der “Wirtschaftsexperten” und verantwortlichen Eliten.