Eurosystem: Bilanzausweis Kalenderwoche 37 2015

von am 16. September 2015 in Allgemein

Wieder einmal ein Update zum Bilanz-Wochenausweis des Eurosystems und damit der Blick auf die Kalenderwoche 37 2015. Die Bilanz wird weiter kräftig ausgeweitet, via dem Wertpapier-Aufkaufprogramm!

In der KW37 2015 wurden Staatsanleihen für 13,0 Mrd. Euro aufgekauft, insgesamt nun 314,4 Mrd. Euro.

Die Tabelle der Käufe von Wertpapieren für geldpolitische Zwecke durch das Eurosystem in der Woche zum 11.09.2015.

Damit zur Position 7.1, auf der Aktiva-Seite der Bilanz des Eurosystems, den Wertpapieren für geldpolitische Zwecke:

Die Position 7.1 in der Bilanz des Eurosystems, aufgekaufte Wertpapiere, im Rahmen für geldpolitische Zwecke. Die aufgekauften Wertpapiere für geldpolitische Zwecke stiegen in der KW37 um +17,234 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 602,827 Mrd. Euro. Die Summe aller aus dem Programm 3 der gedeckten Schuldverschreibungen aufgekauften Wertpapiere betrug bisher 116,1 Mrd. Euro, die Summe aller Wertpapiere aus dem Asset-Backed Securities Programm nur 11,9 Mrd. Euro und die aufgekauften Staatsanleihen liegen bei 314,4 Mrd. Euro.

Bei der regulären Kreditvergabe an die Banken tut sich wenig, allerdings geht sie auch nicht wirklich weiter zurück:

Die Entwicklung der Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet seit der Kalenderwoche 53 1998 im Chart. In der KW37 2015 sanken die Forderungen um -158 Millionen Euro zur Vorwoche, auf 527’197 Mrd. Euro. Zum Hoch in der KW26 2012 waren es 1260,858 Mrd. Euro. 

Unter der Position 5.0 im Wochenausweis des Eurosystems befinden sich vor allem die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Haupttender) und längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (Basistender), die Reste der noch ausstehenden LTROs und die neuen TLTROs.

Zu den ELAs in der KW37 2015:

Die Entwicklung der Sonstigen Forderungen in Euro an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet (6.0) seit der Kalenderwoche 53 1998 im Chart. In der KW37 2015 stiegen die Forderungen (ELAs) um +3,548 Mrd. Euro, auf 134,090 Mrd. Euro. 86 Mrd. Euro der Notfallkredite gehen allein auf das Konto nur von Griechenland.

Zur Bilanzsumme des Eurosystems:

Die Entwicklung der Total Assets des Eurosystems seit der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW37 2015. In der KW37 2015 stiegen die Total Assets und damit die Bilanzsumme um +18,969 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 2,587280 Billionen Euro.

Eine stetige und “ordentliche” Bilanzausweitung, unterm Strich geht die Ausweitung der Bilanzsumme zügig voran, was Querschuesse für unwahrscheinlich hielt, da eigentlich gar kein Zentralbankgeldbedarf in diesem Ausmaß da sein dürfte. Es gibt rational betrachtet auch keinen Anreiz, dieses Zentralbankgeld zu halten (Einlagezinz -0,2% beim Eurosystem)! Aber die Banken tun es, die Kreditvergabe an den Privatsektor steigt nur ganz leicht in der Eurozone, aber die Einlagen der Banken beim Eurosystem in Form von Zentralbankgeld steigen deutlich!

Die Liquidität quillt über, die Banken zahlen sogar dafür mit einem negativen Einlagezins:

Die Entwicklung der Verbindlichkeiten in Euro aus geldpolitischen Operationen des Eurosystems an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet, Passiva Position 2.0 im Wochenausweis, von der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW37 2015 im Chart. In der KW37 2015 stiegen die Verbindlichkeiten um +9,711 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 626’523 Mrd. Euro. Zur Vorjahreswoche zogen die Bankeinlagen beim Eurosystem um +426’227 Mrd. Euro an!

Die Verbindlichkeiten sind Einlagen der Banken beim Eurosystem, bei Girokonten (inkl. Mindestreserve), der Einlagefazilität und den Termineinlagen, sowie aus den Feinsteuerungsoperationen in Form von befristeten Transaktionen und den Verbindlichkeiten aus dem Margenausgleich. Dies ist der höchste Stand seit 122 Wochen!!

Realwirtschaftlich bewirkt der ganze Hokuspokus der Liquiditätsflutung des Bankensystems wenig, die Masse wird nicht realwirtschaftlich nachfragewirksam.

Etwas beruhigt hat sich am äußeren Rand, auf der Passiva-Seite der Bilanz des Eurosystems, der Banknotenumlauf:

Die Entwicklung des Banknotenumlaufes des Eurosystems, Passiva Position 1.0 im Wochenausweis, von der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW37 2015 im Chart. In der KW37 2015 sank der Banknotenumlauf um -1,162 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 1053,902 Mrd. Euro. Zur Vorjahreswoche ging es allerdings noch um +81,978 Mrd. Euro aufwärts bzw. um +8,4%.

Es geht weiter richtig zur Sache, es wird Liquidität, Zentralbankgeld ins System geblasen ohne Unterlass. Allerdings werden trotz allen Einsatzes, wesentliche geldpolitisches Ziele verfehlt! Die Inflationsrate stieg in der Eurozone im August 2015 nur um +0,1% zum Vorjahresmonat und zuletzt im Juli 2015 stieg die Kreditvergabe der Banken an den Privatsektor nur um +0,9% zum Vorjahresmonat. Im Wesentlichen bleibt die Liquiditätsflutung ein latent hilfloses Element.

Quelle Daten: Ecb.europa.eu/Wochenausweise Eurosystem

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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15 KommentareKommentieren

  • popper - 16. September 2015

    Damit zeigt sich auf eklatante Weise, dass Liquidität nicht gleich Rentabilität ist.

  • Gundermann - 16. September 2015

    Dass die Banken die Liquidität zu -0,2% bei der EZB parken macht dann Sinn, wenn sie der Meinung sind, dass jede andere Form der Verwendung noch teuerer wird.

    • Sbend - 17. September 2015

      Zumal sie das Geld ja nicht einfach zu 0% auf eine andere Bank bringen können.

  • JL - 16. September 2015

    Die Liquiditätsflutung der Banken macht genau dann einen Sinn, wenn man sich (wie in den USA/ QE- Programme) gegen Bank- Runs absichern will. Die mageren 2% Reserven gegenüber den Einlagen europäischer Banken würden vielleicht (stark übertrieben ausgedrückt) für die ersten zwanzig Kunden reichen. Anschließend müßte man wohl die Schalter schließen und die Bank(en) ihr(e) Insolvenz verkünden.

    Und dies zeigt dreierlei auf:

    Zum einen haben die Banken ihre Mindestreservesätze gnadenlos nach unten geprügelt und sind andererseits nicht mehr in der Lage diese selbstständig anzuheben (z. B. Vorgabe aus Basel IV), schlußendlich bewertet man offenbar das europäische Finanzsystem seitens der EZB als äußerst fragil und instabil. Ergo gibt es frisches Geld um die Finanzindustrie zu stabilisieren.

    Für einen Apfel und ein Ei wird man dies aber nicht realisieren können, es sei denn man bekommt dafür 4.760.000.000.000,- Euro.

    http://www.rottmeyer.de/die-4-760-000-000-000-euro-luecke/

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Georg Trappe - 17. September 2015

      Hallo JL,

      um einer evtl. Konfusion von Mindestreservesaetzen, die von der Zentralbank festgelegt werden (EZB hat diese von 2% auf 1% gesenkt), und Eigenkapitalforderungen (Basel IV) vorzubeugen, moechte ich klarstellen, dass Liquiditaetsreserven immer Passiva der Bank sind, da Liquiditaet immer gleich Zentralbankgeld ist und somit aus Sicht der Geschaeftsbank eine Forderung gegen die ZB darstellt und das Eigenkapital (das Geld der Eigentuemer) zu den Aktiva zaehlt.
      Eine Bank ist grundsaetzlich zwei Risiken ausgesetzt.
      1. Bank Run, dagegen hilft ein Liquiditaetspolster=Bestand an ZBG
      2. Kreditausfall und Abschreibungen auf andere Passiva, die, um die Bilanz im Gleichgewicht zu halten, nur durch eine Reduzierung des Eigenkapitals ausgeglichen werden koennen (wenn man kein Bail In z.B. der Sparer oder Anleihenhalter vollziehen moechte;-).

      Das der von Ihnen verlinkte Honorar Prof. Dr. Polleit, der auch Chefoekonom der Degussa Goldhandel ist, seine Arbeit macht, in dem er derartige Artikel schreibt, ist schon klar:

      http://www.welt.de/finanzen/article123538808/Gericht-stoppt-Gold-Schwindel-unter-falschem-Namen.html

      https://de.wikipedia.org/wiki/Degussa_Sonne/Mond_Goldhandel

      de.wikipedia.org/wiki/Thorsten_Polleit

      Denn derartig dumpfe Verunsicherungspropaganda hat offensichtlich nur ein Ziel, naemlich am Spread im Goldhandel zu verdienen. Der Artikel ist daher ein ausgezeichnetes Beispiel dafuer, wie die Zusammenarbeit von sog. Wirtschaftswissenschaftlern und der Finanzindustrie (inkl. Edelmetallhandel) bei der Darstellung von grundlegenden Zusammenhaengen fuer das Publikum aussieht.

      • Georg Trappe - 17. September 2015

        Da ging etwas mit dem Wiki Link zu Polleit schief. Hier die Korrektur:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Thorsten_Polleit

        “Er identifiziert die Kernursache der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise im staatlich beherrschten Papier- beziehungsweise Fiat-Geldsystem. Dieses ist aus Polleits Sicht unmittelbare Folge einer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, in der der Staat und die von ihm begünstigten Gruppen danach streben, die Einkommens- und Vermögensumverteilung nicht dem freien Markt, sondern politischen Entscheidungen zu überlassen. Polleit hält Mindestlöhne für kontraproduktiv.”

        • JL - 17. September 2015

          Hallo Georg

          Den Eintrag in Wikipedia kann man natürlich vortragen und selbst interpretieren, dieses Recht hat jeder und das ist natürlich auch gut so.

          Vielleicht sollte man den von Ihnen eingestellten Absatz einmal bewerten. Der Absatz also lautet:

          “Er identifiziert die Kernursache der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise im staatlich beherrschten Papier- beziehungsweise Fiat-Geldsystem. Dieses ist aus Polleits Sicht unmittelbare Folge einer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, in der der Staat und die von ihm begünstigten Gruppen danach streben, die Einkommens- und Vermögensumverteilung nicht dem freien Markt, sondern politischen Entscheidungen zu überlassen. Polleit hält Mindestlöhne für kontraproduktiv.”

          Also

          „Er identifiziert die Kernursache der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise im staatlich beherrschten Papier- beziehungsweise Fiat-Geldsystem…“

          Ist das falsch?
          Fakt ist doch, daß die Finanzkrise 2008 mit Unmengen an Geld „zugeschüttet“ wurde, also wertfreies Geld in den Finanzapparat floß um die Banken- und Kreditwirtschaft am Laufen zu halten. Und das geht mit Fiat- Geld nur, wenn es ein staatliches Monopol dafür gibt. Gäbe es kein staatliches Monopol, gäbe es auch kein Fiat- Geld und somit gäbe es auch keine „unendlichen“ Stützungen.

          Nächster Satz aus dem Absatz:
          „…Dieses ist aus Polleits Sicht unmittelbare Folge einer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, in der der Staat und die von ihm begünstigten Gruppen danach streben, die Einkommens- und Vermögensumverteilung nicht dem freien Markt, sondern politischen Entscheidungen zu überlassen…“

          Ist das falsch?

          Das EEG- Gesetz trieft nur vor Ausnahmen und Sonderregelungen. Und wer wird begünstigt?

          Warum gab es eine Abwrackprämie auf Autos und nicht z. B. auf Fahrräder?

          Ja und warum profitiert die Lufthansa von Agrarsubventionen wenn sie Milchprodukte in ihren Jets verkauft?

          Und die FDP ist sicher nicht wegen Steuervergünstigungen gegenüber der Allgemeinheit untergegangen, sondern wegen Steuererleichterungen gegenüber Hotellies.

          Dies alles sind staatlich- politische Entscheidungen, welche allesamt die Lobby- Vertreter nicht treffen, sondern begünstigen.

          So, und dann hätten wir zum Abschluß noch den letzten Satz aus diesem Absatz:
          „… Polleit hält Mindestlöhne für kontraproduktiv.”

          Die entscheidende Frage hierzu sollte lauten: Wer ist unfähig tariflich vereinbarte Mindestentgelte durchzusetzen und wer legt- oder besser setzt- diese fest. Es ist der Staat und eben nicht etwa freie unabhängige Gewerkschaften. Die großen Gewerkschaften sind bereits heute irritiert, wenn kleine Gewerkschaften denen vormachen was ihr eigentlicher Job wäre. Also will man kleine Gewerkschaften per Gesetz an die großen anbinden und egalisieren.

          Es ist doch nun wirklich nicht neu, daß der dar Staat vorerst seine Interessen pflegt und nicht die irgendwelcher Arbeitnehmer.

          Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

          • Georg Trappe - 18. September 2015

            Hallo JL,

            mir ging es zwar in erster Linie um das Motiv und die Rolle bei der Degussa Goldhandel von T. Polleit aber da Sie den zitierten Wiki Abschnitt schon so schoen auseinander genommen haben, faende ich es unhoeflich nicht darauf einzugehen.

            1. Es ist richtig, dass 2007/08 ausgehend von den USA und ausgeloest durch die rapiden Zinserhoehungen der FED unter Bernanke eine Liquiditaetskrise entstanden ist, die zunaechst US Institute betraf und sich dann sehr schnell auch auf Europa ausdehnte.

            2. Als Ursache kann man eine irrsinnige prozyklische Geldschoepfung der Geschaeftsbanken in den USA und auch in Teilen Europas im Vorlauf ausmachen, die nicht nur Immobilienblasen entstehen liess, sondern bestehende Ungleichgewichte, vor allem der USA, mit ihren Handelspartnern eskalierte.
            Es besteht also kein staatliches Geldschoepfungsmonopol, sondern Geschaeftsbanken koennen im grossen Umfang im Zuge der Kreditvergabe Geld schoepfen und haben mit dieser Faehigkeit (immer wieder) unter den Augen von Zentralbanken und staatlichen Aufsichtsbehoerden schwerste Krisen verursacht.

            3. Das Geldsystem als staatlich beherrscht zu bezeichnen, halte ich daher fuer verwegen. Die FED ist keine staatliche Institution, ihre Aktionaere sind Geschaeftsbanken und in Europa ist die EZB eine supranationale Institution, die Staaten auch schonmal damit droht den Geldhahn zuzudrehen (siehe Griechenland).

            4. Das zweistufige, kaskadierte System, in dem eine Zentralbank den Geschaeftsbanken Zentralbankgeld zur Verfuegung stellt (im wesentlichen zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs zwischen den GB) und Geschaeftsbanken im Zuge der Kreditvergabe diese Liquiditaet hebeln und ihr eigenes Buchgeld schoepfen, ist in den USA (seit 1910) und auch in Deutschland (1876) relativ neu.
            https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsbank
            https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Themen/2014_07_29_daten_der_geldgeschichte.pdf?__blob=publicationFile

            Zuvor gab es nur Banken, die ihr eigenes Geld emittierten, was in Deutschland vor 1871 zu einer vollkommen chaotischen “Zettelwirtschaft” fuehrte und in den USA 1907 in eine schwere Krise muendete.

            Womit sich die Frage stellt, was der Satz von Polleit aus dem von Ihnen verlinkten Artikel bedeuten soll:

            “Banken mieden daher in der Regel die fragwürdige Teilreserve-Geschäftspraktik.
            Im „modernen“ Bankgeschäft liegen die Dinge anders. Die staatliche Zentralbank kann die Banken jederzeit mit Bargeld versorgen.”

            Denn wenn es keine Zentralbank gibt, dann gibt es auch keine “Reserven”. Und wenn es eine Zentralbank gibt, dann kann man Vollgeld fordern (100% Reserven) oder Mindestreserven von x%.
            Fuer mich bleibt unklar, was Polleit da vorschwebt. Will er Zentralbanken abschaffen und zu den Verhaeltnissen von vor 1871 bzw.1910 zurueck oder plaediert er fuer ein Vollgeldsystem, indem nur die Zentralbank Geld schoepfen kann?

            Zu der traurigen Rolle die unser Staat in diesem “Spiel” spielt, moechte ich nicht mehr sagen, als das ich Ihre Punkte sehe und sie bei mir ebenfalls Kopfschuetteln ausloesen. Allerdings halte ich im Gegensatz zu Polleit “freie Maerkte” fuer mindestens ebenso unfaehig zu besseren Ergebnissen zu kommen. Vernunft kann man weder gesetzlich verordnen noch blueht sie auf “freien Maerkten”.

            Viele Gruesse

            Georg

            • JL - 19. September 2015

              Hallo Georg

              Zuerst ein Zitat

              “Ich sehe in der nahen Zukunft eine Krise auf uns zukommen, die mir die Nerven raubt und mich um die Zukunft meines Lebens zittern läßt; man hat Unternehmen auf den Königsthron gesetzt, eine Ära der Korruption in hohen Stellen wird sich anschließen und die Geldmacht des Landes wird versuchen, ihre Herrschaft zu verlängern, indem sie die Vorurteile der Leute ausbeuten wird, bis der Reichtum in wenigen Händen angehäuft und die Republik zerstört ist.”

              Abraham Lincoln

              http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/Der_Betrug_mit_dem_Geld.html

              Die Entwicklung des modernen Geldwesens unterscheidet sich von seinen antiken Vorgängern in keinster Weise. Geld wird immer durch staatliche Bedürfnisse seinem Wert beraubt. Früher hatte man dafür ständig mehr Kupfer den Silbersetzerzen beigefügt, heute nimmt man Geld seinen hinterlegten Wert, welcher seit der Aufkündigung des Bretton Woods Abkommens durch Nixon faktisch gleich Null ist.

              Vor dem Hintergrund das Papiergeld einstmals mit Edelmetallen (Gold und Silber, später nur noch Gold) zu einem festgelegten anteiligen Prozentsatz (40%, später 20%) werthaltig „unterfüttern“ zu müssen erübrigte sich eine irgendwie geartete Geldreserve von selbst. Die einzig mögliche Reserve währen die Goldbestände des Staates gewesen. Die aber brauchte der Staat im Ereignisfall selbst- wie zum Beispiel Krieg- als Sicherheit für Kredite.

              Ergo wurden Kreditgeschäfte im Bankenbereich nicht bis zum Anschlag des Einlagekapitals getätigt, vor allem nicht in unwägbaren Risikobereichen. Diejenigen die dies taten sprangen damals alle irgendwann über die Klinge.

              Die Probleme von Gestern entlocken heutigen Finanzinstituten höchstens noch ein müdes Lächeln. Gibt es Probleme gibt es frisches Geld. Das einzige was man heutzutage noch beachten muß ist das Vertrauen in die Währung (Geldmengenausweitung)- und das ist wiederum der Job der Zentralbanken.

              Soweit zu Polleit.

              Tatsächlich hat der Staat sein staatliches Geldschöpfungsmonopol abgetreten, Sie haben also vollkommen Recht. Darüber schrieb ich aber nicht. Ich schrieb von einem Staatlichen Monopol auf Geld.

              Bei den Amerikanern ist ausschließlich der Dollar anerkanntes und alleiniges Zahlungsmittel, bei den Japanern der Yen, in Europa der Euro u. s. w. Es besteht also ein staatliches Geldmonopol, unabhängig von der Geldmengenausweitung. Dies wiederum eröffnet dem Staat oder seinen Verwaltern- den Zentralbanken- die Möglichkeit, Geldwerte unbeschwert zu manipulieren. Gäbe es dieses Monopol nicht, gäbe es auch kein wertfreies Geld, da verschiedenen Währungen gegeneinander konkurrieren müßten und würden.

              Dieser Trend ist im Übrigen im internationalen Warenverkehr bereits erkennbar, vorerst nicht durch eine Anhebung des Geldwertes an sich sondern durch eine zunehmende Neuorientierung weltweiter Märkte. Vor dem Hintergrund „ Der Dollar ist unsere Währung aber euer Problem“ scheint man das Vertrauen in die amerikanische Währung zunehmend zu verlieren.

              Und das ist nunmal das einzige was der Dollar noch hat- oder eben auch nicht.

              Mit freundlichen Grüßen

              JL

              • Georg Trappe - 20. September 2015

                Hallo JL,

                das Lincoln Zitat bringt es auf den Punkt und umfasst gleichzeitig die ganze Tragik. Sehr gut gewaehlt. Und vielen Dank fuer den Link auf die Seite von M. Prox. Da ist einiges lesenswertes zu finden.

                Und zu Polleit gibt es ein aktuelles Interview mit ihm, wo zumindest klar wird, dass er Zentralbanken am liebsten abgeschafft sehen will.
                http://www.handelsblatt.com/video/unternehmen/furcht-vor-der-inflation-wir-sollten-zentralbanken-abschaffen/12338772.html

                Wenn man den Wert des Geldes aus seiner Funktion als ein Fuehrungs- und Lenkungsinstrument ableitet, dann stellt sich sogleich die Frage, wer das Recht erhaelt, dieses Instrument zu emittieren. Insbesondere dann, wenn einem klar ist, wie machtvoll dieses Instrument ist.
                Die naechste Frage ist dann auch sofort, wofuer wird es eingesetzt.
                Werden Kriegsvorbereitungen (H. Schacht) finanziert oder der Aufbau einer Konsumgesellschaft?
                Werden Aktivitaeten finanziert, die zum BIP beitragen oder wird die Teilnahme an Nullsummenspielen, in denen “nur” die Verteilung des BIPs beeinflusst wird, finanziert (siehe R. Werner zu QE weiter unten) ?
                Und es stellt sich die Frage, wie entwickeln sich Gesellschaften/Wirtschaften, in denen die machtvolle Faehigkeit zur (unbegrenzten?) Geldschoepfung in den Haenden von (privaten) Banken liegt?

                Ist Lincolns schreckliche Vision in einer Welt in der Geld erfunden ist und Menschen so sind, wie sie nun einmal sind, damit unausweichlich?

                Viele Gruesse

                Georg

      • Querschuss - 17. September 2015

        Hallo Georg,
        “….dass Liquiditaetsreserven immer Passiva der Bank sind, da Liquiditaet immer gleich Zentralbankgeld ist und somit aus Sicht der Geschaeftsbank eine Forderung gegen die ZB darstellt und das Eigenkapital (das Geld der Eigentuemer) zu den Aktiva zaehlt.”

        Kleine Korrektur, weil, wie du richtig schreibst Zentralbankgeld aus Sicht der Geschäftsbank eine Forderung gegen die ZB darstellt, ist natürlich ZBG immer Aktiva in der Bankbilanz und zwar im Bilanzposten 1. die sogenannte Barreserve.

        Eigenkapital wird auf der Passivaseite der Bilanz verbucht unter dem Bilanzposten 4. Kapital und Rücklagen, dort fließt der Gewinn/Verlust rein und das Eigenkapital muss Verluste/Abschreibungen puffern.

        Gruß Steffen

        • Georg Trappe - 17. September 2015

          Hallo Steffen,

          Danke fuer die Richtigstellung. Peinlich wenn man Konfusion vorbeugen will und sie selber erzeugt.

          Ein sicheres Zeichen dafuer, dass ich mich mal mit etwas anderem beschaeftigen sollte.
          Es war offensichtlich etwas zuviel in letzter Zeit.
          Es muss also richtig heissen:

          “::::::moechte ich klarstellen, dass Liquiditaetsreserven immer Aktiva der Bank sind, da Liquiditaet immer gleich Zentralbankgeld ist und somit aus Sicht der Geschaeftsbank eine Forderung gegen die ZB darstellt und das Eigenkapital (das Geld der Eigentuemer) zu den Passiva zaehlt.”

          Viele Gruesse

          Georg

          • Querschuss - 17. September 2015

            kein Problem, passiert.

            Gruß Steffen

  • Georg Trappe - 17. September 2015

    http://www.res.org.uk/view/art5jul13features.html

    “Quantitative Easing and the Quantity Theory of Credit

    While the effects of QE continue to be debated, Richard Werner1 explains the origin of the term (and some misconceptions surrounding it).

    ‘Quantitative easing’ (QE), has received much publicity in the past five years. However, its effectiveness remains disputed. Moreover, there are different views about what constitutes QE. It is the purpose of this contribution to review the origins and varying applications of QE, using and thereby explaining the macroeconomic model that gave rise to the concept. Called the ‘Quantity Theory of Credit’, this is arguably the simplest empirically-grounded model that incorporates the key macroeconomic role of the banking sector — a task belatedly recognised as crucial by researchers in the aftermath of the 2008 crisis.”