Finanzmärkte und Weltwirtschaft: China – eine Blackbox und ein nicht zu vernachlässigender Krisenherd

von am 12. April 2012 in Allgemein

Während alle Welt vornehmlich die europäische und amerikanische Schuldenkrise als potenzielle Auslöser neuer Finanzmarkt- und weltwirtschaftlicher Turbulenzen im Visier hat, geschieht durchaus Beunruhigendes in China.

Einerseits hat China in den zurückliegenden Monaten wiederholt seine militärische Erstarkung demonstriert (1) (2) und zugleich tatkräftig sowohl die Abkopplung vom Dollar (Abkommen für Handel in Landeswährung mit Japan (3), den BRIC-Staaten (4), Thailand (5)) als auch den Aufbau des Renminbi zur Weltwährung vorangetrieben (Aufbau eines liquiden Marktes für Yuan-Anleihen u. a. (6)). Auch vergibt China heute mehr Kredite an Entwicklungsländer als die Weltbank. (7) Damit ist kaum mehr zu übersehen: China strebt eine globale Führungsrolle an.

Andererseits gibt es zahlreiche Probleme in China: vom Sorgenkind „Immobilienmarkt“ (8) über eine Kreditblase, die unkontrolliert im Verborgenen wächst (9), die anhaltend hohe Inflation und den damit verbundenen wachsenden sozialen Spannungen in den Regionen (10) bis hin zum Währungsstreit mit den USA. Gerade deswegen ist der chinesischen Führung in den letzten Monaten klar geworden, dass das bisherige, auf Export basierende Wachstumsmodell für das Land kein Zukunftsmodell mehr sein kann.

Gleichwohl scheint noch nicht ausgemacht, in welche Richtung China dabei gehen wird. Wird es sich künftig stärker auf die Marktkräfte verlassen, sprich nach dem mittlerweile aus gutem Grund sehr umstrittenen angelsächsischem Muster liberalisieren? (11) (12) (13) Wird es ein neues, eigenes und vielleicht sogar für den Westen richtungweisendes Wachstumsmodell verfolgen, das die Schwächen des zuvor angesprochenen vermeidet und einen differenzierten Mix aus Markt und Staat darstellt? Oder wird es eine stärkere Rückbesinnung auf traditionelle Ansätze des kommunistischen Landes mit starken planwirtschaftlichen Elementen geben? (14)

Zwischenzeitlich ist über diese Frage ein anderes Problem in den Vordergrund gerückt. Denn jetzt gibt es offensichtlich eine schwere Führungskrise in der Kommunistischen Partei (KP) des Landes. Sie wurde ausgelöst durch den bisher aufstrebenden, inzwischen aber in Ungnade gefallenen und als Parteichef der Metropole Chongqing abgesetzten chinesischen Politiker Bo Xilai (62).

Bo Xilai ist Sohn des legendären Revolutionärs Bo Yibo, der einst zu den “acht Unsterblichen” der kommunistischen Machtelite gehörte. Das macht ihn zu einem „Prinzling“ und damit in der Tradition der chinesischen KP unantastbar. Söhne und Töchter von Parteipatriarchen werden so genannt, weil sie dank ihrer Familienbande auf wichtige Posten gelangen. Bo ging auf eine der prestigeträchtigsten Schulen des Landes, auf die Beijing No. 4. (15) Er diente als Bürgermeister der nördlichen Hafenstadt Dalian, war Parteichef der Industrieprovinz Liaoning, dann Handelsminister in Peking. Zuletzt führte er die Metropole Chongqing am Yangtse mit 32 Millionen Einwohnern, die er aus ihrer Rückständigkeit befreien sollte. (16)

Bis vor kurzem wurden dem ambitionierten 62-Jährigen Bo große Chancen eingeräumt, in den engsten Führungszirkel der Partei einzuziehen: den ständigen Ausschuss des Politbüros, in dem die neun mächtigsten Männer des Landes sitzen, darunter Präsident Hu Jintao. (17) Denn im kommenden Herbst werden sieben Mitglieder des ständigen Ausschusses ausgetauscht. (18)

Doch dann wendete sich das Blatt für Bo Xilai infolge von Ereignissen in Chongqing.

Dort hatte sich Bo einen Namen als unerbittlicher Kämpfer gegen Korruption gemacht. Seine rechte Hand war dabei der örtliche Polizeichef und enge Vertraute Wang Lijun, der sich jedoch im Februar ebenso überraschend wie spektakulär in das US-Konsulat in Chengdu flüchtete, weil er angeblich um sein Leben fürchtete. Er war nach Presseberichten zuvor vom Provinzpolitiker Huang Qifan mit einem ganzen Aufgebot bewaffneter Polizei von Chongqing aus über dreihundert Kilometer quer durch die Provinz Sichuan gejagt worden. Beide, Jäger und Gejagter, gehörten bis dahin zum inneren Kreis um Bo Xilai. (19)

Nach einigen Stunden verließ Wang Lijun das Konsulat – nach US-Angaben freiwillig. In Chonqing heißt es seitdem offiziell, er sei wegen Burn-out krankgeschrieben. Im Internet kursieren viele Gerüchte, aber über die wahren Hintergründe des Vorfalls ist offenbar so gut wie nichts bekannt.

Tatsache ist, dass Bo Xilai nach dem Skandal um den Polizeichef Lijun und Gerüchten über Korruptionsvorwürfe vom Zentralkomitee der KP Mitte März – also nur einen Monat später – als KP-Chef von Chongqing abgesetzt wurde. (20) Vor wenigen Tagen und nachdem unerwartet seine Ehefrau, Gu Kailai, im Zusammenhang mit Mordermittlungen festgenommen worden war, wurde er auch von allen anderen Ämtern der KP „suspendiert“. (21) Bei den Ermittlungen gegen seine Frau geht es um den im November in Chonqing überraschend gestorbenen Briten Neil Heywood (41), der in China freiberuflich für ein Beratungsunternehmen tätig war und dem auch Kontakte zum britischen Geheimdienst nachgesagt wurden. (22) Als Todesursache hatte die Polizei allerdings ursprünglich „Alkoholvergiftung“ angegeben und Heywoods Leiche war, wie berichtet wird, ohne Autopsie eingeäschert worden. (23)

Auch wenn die Angelegenheit schier undurchschaubar ist, wird sie in den Medien überwiegend als Ausdruck eines Machtkampfes innerhalb der KP gewertet.

Zum einen dürfte das darauf zurückzuführen sein, dass Premier Wen Jiabao und Bo Xilai als Repräsentanten unterschiedlicher politischer Kurse gelten und mithin als Rivalen bezeichnet werden. Bo steht für die harte, maoistische Linie und stellte den Kurs der “Öffnung und Reform” in Frage, den der vorige Präsident Deng Xiaoping angestoßen hatte und der den beispiellosen Wirtschaftsboom Chinas auslöste. Wen hingegen trieb die “Öffnung und Reform” nicht nur voran, sondern setzt sich sogar dafür ein, die Macht der Regierung zu begrenzen. (24)

Vor allem aber liegt es auch daran, dass es jüngst Putschgerüchte gab und in diesem Zusammenhang die Internet-Zensur in China verschärft worden ist:

Ab dem 30. März wurden zahlreiche Websites gesperrt; im Kurznachrichtendienst „Weibo“ wurde die Kommentarfunktion vom Anbieter „Sina“ für die ca. 300 Millionen Nutzer gesperrt, so dass keine gebündelten Diskussionen mehr geführt werden können und zwar mit der Begründung, “illegale Kommentare” und wuchernde “Gerüchte” von den Seiten des Unternehmens zu entfernen. (25)

Am 10. April begann dann eine breit angelegte Kampagne zur Bündelung der öffentlichen Meinung hinter Präsident Hu Jintao. „Wir sollten uns nun um einen hohen Grad an ideologischer Einheit mit dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei mit Hu als Generalsekretär bemühen“, schrieb das Parteiblatt „Volkszeitung“ in einem Leitartikel. „Wir müssen das Banner des chinesisch geprägten Sozialismus hochhalten!“ (26) Zugleich bezeugte eine ganze Reihe hoher Politiker öffentlich ihre Loyalität zu Hu Jintao und den höchsten Parteiorganen und ihre Ablehnung der Figur Bo Xilais. (27)

Die Parteikrise wie auch deren nur bruchstückhaftes Bekanntwerden, das viele Widersprüchlichkeiten und offene Fragen hinterlässt, zeigen gleichermaßen die Brisanz des weit über wirtschaftliche Aspekte hinausgehenden Richtungsstreits und die Intransparenz der tatsächlichen Situation in China. China war immer schon eine Blackbox und daran hat sich – allen Maßnahmen der „Öffnung und Reform“ zum Trotz – offensichtlich nichts geändert. China ist zu einem „Global Player“ mit Führungsanspruch herangewachsen, aber es spielt nach seinen eigenen, alten Regeln und keinesfalls mit offenen Karten.

Diese Erkenntnis darf nicht unberücksichtigt bleiben beim Versuch der Klärung der Frage, inwieweit China als ein Krisenherd für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft zu betrachten ist. Alle Antworten, die wir aufgrund der Informations- und Datenlage darauf geben können, sind und bleiben letztendlich sehr vage.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

Print article

41 KommentareKommentieren

  • Roland - 12. April 2012

    Danke Stefan für den hochinteressanten Beitrag.

    China hat vielfältige potentielle Bruchstellen wie nationale Minderheiten, über 100 Mio Muslime, die Schere zwischen Arm und Reich, mangelnde Demokratie…..usw., die hervorragende Ansatzpunkte für westliche Geheimdienste und ihre Subversion ist.
    Nachdem die USA gerade China als DIE zukünftige Bedrohung ausgemacht haben, kann man davon ausgehen, dass schon “Heerscharen” damit beschäftigt sind, diese Bruchlinien aufzuspüren und anzugehen.

    China, das eine gute Wirtschaftspolitik betreibt, scheint leider zu vorsichtig zu sein bei demokratischen Entwicklungen. Es könnte mitelfristig brenzlig werden.

  • M.E. - 12. April 2012

    Hallo Roland,
    ich glaube viel mehr, dass die westlichen Wirtschafts- und Politeliten zum Himmel beten, dass China seine Dynamik nicht verliert.
    Denn sonst würde das Kapital ja seine letzte große Spielwiese verlieren.

    Und kein Zweifel: China hätte bei einem Kollaps heute auf jeden Fall die Potenz, auch andere Regionen mit in den Abwärtsstrudel zu ziehen.

    Trotzdem glaube ich, der kommende Crash wird von einem anderen Land bzw einer anderen Ländergruppe ausgehen. Und dann sehr wahrscheinlich auch dem jahrzehntelangen Boom in China ein Ende setzen.

  • Bernd Rickert - 12. April 2012

    Ein Freund hat mit von seiner Chinareise berichtet, dass die KP im China keineswegs allgegenwärtig ist. Sozialversicherungen sind in städtischen Regionen oftmals und auf dem Land gar nicht vorhanden. Die meisten Chinesen – auch Kleinunternehmer – schlagen sich chaotisch und kaum vom Staat administriert durchs Leben. Die Medien scheinen hier das idealisierte Bild eines berechenbaren, autokraten Staates vorzugaukeln.

    Auch der Immobilienmarkt sei ganz anders aufgebaut. In Europa würde man wohl von Fehlplanungen sprechen, in China werden auch Immobilien, die sich in bautechnisch gutem Zustand befinden, bei Bedarf wieder abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

  • M.E. - 12. April 2012

    Hallo Bernd,
    das hat in China Tradition. Schon unter den Kaisern tickten manche Regionen anders, als es den Kaisern lieb war. Sehr gut beschrieben im Buch “Der China-Code” von Frank Sieren.
    Es gibt tausende (eher zehntausende) Kinder, die verschleppt wurden und irgendwo in dem Riesenland unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen.
    Keine Frage – China ist mit westlichen Staaten nicht zu vergleichen.

    Obwohl – in deutschen Bordellen soll es ja auch tausende versklavte Frauen aus Osteuropa geben, die illegal und gegen ihren Willen unterjocht werden. Manchmal ist Sklaverei auch verdammt nah.

    • Bernd Rickert - 12. April 2012

      Ökonomisch wird das Chaos in China zum Beispiel deutlich durch den gescheiterten Versuch der Zentralregierung die Exportquoten für seltene Erden festzulegen. Nun wird fusioniert und kleinere Exporteure werden ebenfalls versuchsweise diskreminiert. Gegen die skandalös umweltschädigen, wilden Raubbaumethoden wäre das auch gar nicht schlecht, nur bei der Umsetzung habe ich Zweifel.

      Was die Sklaverei in Deutschland betrifft, steht in Geesthacht ein Gedenkstein zum Verbot der Leibeigenschaft um ca. 1890 (das genaue Jahr habe ich nicht mehr in Errinerung). Die Gratisarbeit offiziell arbeitslos gemeldeter, wissenschaftlicher Kräfte an Hochschulen rückt ebenfalls in sklavenähnliche Verhältnisse. (Ich hoffe, Steffen wird einigermassen gut bezahlt.)

      Hier in der Schweiz wurden Waisenkinder bis 1960 als Sklaven gehandelt. http://www.reformiert.info/artikel_7371.html
      Heute nehmen illegale,abgetauchte Ausländer unter Duldung der lokalen Polizei den Platz der Verdingkinder ein. Darüber spricht niemand.

  • Frank Bell - 12. April 2012

    Danke für den interessanten Beitrag.

    Ein bisschen Off-topic wegen der ungemein fiesen Hetzkampagne der Medien gegen die Hartz IV-Empfänger:

    Im Bundeshaushalt für das Haushaltsjahr 2010 sind für „Leistungen der Grundsicherung
    für Arbeitsuchende“ 38,3 Milliarden Euro veranschlagt. Die Ist-Ausgaben werden mit
    etwa 36,0 Milliarden Euro deutlich darunter liegen.

    38 Mrd. Euro.

    SO WENIG?

    Genau, so wenig, verglichen mit der Hilfe für korrupte Banker, die sonst ihre Bank vor die Wand gefahren hätten. Verglichen mit den 700 Mrd. Euro für den ESM. Verglichen mit 190 Mrd. Euro für die Griechen. Verglichen mit geschätzten 100 Mrd. Euro wegen Steuerhinterziehung.

    SO WENIG!

    • Thatwasthepension - 12. April 2012

      Die 38 Milliarden landen übrigens umgehend in der Realwirtschaft. Wo die Hilfen für die Bankster bleiben …………….

    • Lothar - 12. April 2012

      Ich denke 2010 war bei dir ein Tippfehler, das soll wohl 2013 heissen:

      Seite 16

      http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_105826/sid_FF6BDC2E46BF348522606263D79B8C22/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Finanz__und__Wirtschaftspolitik/Bundeshaushalt/Bundeshaushalt__2011/Finanzplan-des-Bundes-2010-2014,templateId=raw,property=publicationFile.pdf

      “Für die Grundsicherung für Arbeitsuchende sind im
      Haushalt 2011 insgesamt 33,8 Mrd. € vorgesehen,
      davon 20,9 Mrd. € für das Arbeitslosengeld II. Dies sind
      rd. 3 Mrd. € weniger als im Soll 2010. Der Rückgang
      beruht im Wesentlichen auf Vereinbarungen im Rahmen
      des Zukunftspaketes der Bundesregierung: auf dem
      Wegfall der Rentenversicherungsbeitragszahlung für
      Leistungsempfänger in Höhe von 1,8 Mrd. €, der
      Anrechnung des Elterngeldes für SGB II-Bezieher mit
      rd. 440 Mio. € sowie der Streichung des befristeten
      Zuschusses. Die übrigen Einsparungen basieren auf der
      verbesserten konjunkturellen Ausgangslage. Aktuell
      wird eine Unterschreitung des Soll-Ansatzes für das
      Jahr 2010 erwartet. Eine Anpassung der monatlichen
      Regelleistung erfolgt im Jahr 2010 nicht, da der aktuelle
      Rentenwert in der gesetzlichen Rentenversicherung
      unverändert bleibt. ”

      Die Verwaltungskosten von 10 Millarden, also 1/3 der Kosten werden da Propagandamaessig zugezaehlt, obwohl man die auf einen Bruchteil druecken koennte wenn man wirklich nur die Eingangspruefung machen wuerde und nicht kontinuierliche Schikane.

      Der Rest ist dann Wohngeld damit die Wohnungsmieten ja schoen oben bleiben koennen, darf ja nicht sein das Miete irgendwann so preiswert wird wie in den Niederlanden und wir die Besenkammer nicht mehr an Studis und Hartzer fuer 400 Euro vermieten koennen.

      Ob die Vermieter und die Beamten ihr Geld auch sofort in die Realwirtschaft anlegen mag ich bezweifeln, daher reden wir lieber mal von 20 Mrd die in der Realwirtschaft landen.

      Uebrigens Zigarettensteuer brachte 12 Mrd und Spielkasinos nochmal 5 Mrd und Alkohol 4. Alleine die Steuer auf den Lastern bringt genug Geld fuer die Armen. Aber wetten die FDP findet noch ein Argument um zu hetzen.

      • Frank Bell - 13. April 2012

        Ich verstehe gar nicht, warum die ARGE-Mitarbeiter die Hartz IV-Empfänger so schikanieren. Die bekommen doch nicht mehr Gehalt, wenn sie dies tun.

        Das klingt jetzt sehr böse, aber die kommen mir vor wie die Hilfskräfte in den KZs – rein psychologisch gesehen. Die treten nach unten, weil sie das Elend tagtäglich sehen, und nicht ebenfalls so enden wollen.

        Dass wir ohne jeglichen Widerstand da angekommen sind… Staun.

        • Aber - 13. April 2012

          Mein Fallmanager im Jobcenter ( 🙂 ) hat mir geraten ich solle nach Kuba auswandern, endlich erwachsen werden, hat gegen Ausländer gehetzt und das Beste von allem, mir vorgeschlagen ich sollte mich umbringen.

          Noch Fragen?

        • Bernd Rickert - 13. April 2012

          Wenn die armen Bevölkerungsteile sich gegenseitig schikanieren, ist das gut für den nicht-armen Bevölkerungsteil. Ausserdem wäre es ein identitätszerstörendes Selbsteingeständnis eines Mittelklasseverdieners, dass er quasi genauso arm ist wie ein Hartz IV- Empfänger.
          Daher ist die Isolation sozialer Randgruppen politisch gewollt.

          Hast du schon mal eine einzige Alibi-American-Dream-Erfolgsstory eines Hartz IV-Empfängers gelesen? Sicher nicht, denn solche Geschichten wären gefählrich für den gesellschaftlichen Unfrieden.

  • Ert - 12. April 2012

    Neuigkeiten aus dem Warheitsministerium: Die Arbeitslosenanträge in den USA steigen “unerwartet” auf 380.000: http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE83B06X20120412 – und die Börse feiert das!

    Sich haben dann für den nächsten BLS Report 500.000 keine Lust mehr zu arbeiten, so das die Arbeitslosenquote weiter sinkt.

  • Backtime8 - 12. April 2012

    In einem Interview im Jahre 2009.
    Dr. Prof. Wilhelm Hankel zur Zukunft nach der BANKENKRIESE. ab Teil 4/5
    http://www.youtube.com/user/Mr5eXLove

  • Andres Müller - 12. April 2012

    Die Chinesen sind das ökologische Zünglein an der Waage zur Überproduktion. Allerdings würde diese Sachlage letztendlich auch kommen wenn es kein Asien geben würde.Spielt eigentlich keine Rolle was die Chinesen tun, wir haben unsere Zukunft selber (verspielt) in der Hand.

    Also wir haben es selber verbockt, die Chinesen können UNS nicht heilen, aber wohl auch nicht schaden wenn wir das nicht zugelassen hätten.
    Hier ein interessanter Kommentar warum China uns schadet -obwohl ja die Chinesen wirklich nichts dafür können:
    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=15951

    Die Chinesen werden uns retten ..ist reiner Blödsinn, denn wenn die Chinesen ihre Grenzen schliessen würden wäre uns mehr geholfen als wenn ihre Wirtschaft offen für uns boomt. Aber wie gesagt, dafür können die Chinesen nix.

  • der-oekonomiker - 12. April 2012

    Danke, für diese Vorbehalte gegenüber den Hurra-Nachrichten der vergangenen Wochen/Monate. Endlich. China steckt schon längst in allergrößten Schwierigkeiten. Die Optimisten hoffen noch auf eine “soft landing”, die Realisten wünschen sich eine Schadensbegrenzung nach der erwarteten “hard landing”. Die dt. Konzernen lassen natürlich in der Öffentlichkeit nichts unversucht, ihren Lieblingsmarkt stark zu reden, bzw. reden zu lassen. Die Rezessionen in Europa und den USA werden ihre Spuren hinterlassen, dazu kommen noch die eigenen Probleme, schon brennt die Hütte lichterloh. Das gibt schlechte Nachrichten für Audi, BMW, Mercedes, VW und die anderen China-Abhängigen. Die Finanzkrise entwickelt sich zum Finanzkollaps, was ich schon lange kommuniziere. Es spielt letztlich keine Rolle, wo der nächste Schub herkommt.

    • Andres Müller - 12. April 2012

      Hallo oekonomiker, (ich bin schon etwas älter…) also wenn ich in den 60er Jahren zu meinen Freunden gesagt hätte das wir mal in der Wirtschaft vom Fügelschlag des Schmetterlings in China beeinflusst werden, so hätten die gesagt “der tickt wohl nicht ganz richtig”.

      Die Sache ist meiner Meinung die, in der Exportwirschaft/Importwirtschaft hat sich die ganze verfügbare Wirtschaftsmafia des Westens vor dem Zugriff der Demokratie versteckt, also die übelsten Kräfte und der Abschaum der Ökonomie arbeitete sich in der Globalisierung hoch. Die Waffen haben diese Kräfte noch im Kollonialismus wetzen gelernt, so waren sie vertraut zum Beispiel im nahen Osten mit faschistoiden Islamisten wie den Saudis zusammen zu arbeiten, um den Handel mit Erdöl zu kontrollieren, sie schufen Kinderarbeit von der Elfenbeinküste bis Argentinien, und das alles konnten sie tun indem sie uns zwischen die Ralität und Fiktion die Fernsehkästen gesetzt haben…und die Werbungsserien für Meister Proper und derggleichen mehr. Dann wurden wir blogen über die wahren Ursachen des Zusammenbruch der UDSSR, sozusagen der Startschuss zur Fiat Money Währung Euro ohne fiskalischen Ausgleich der Handelsungleichgewichte. Sie sagten uns, man müsse nur den Turbo -Kapitalismus in den Osten bringen, dann käme der Profit zu uns gleich in den Mund geflogen. Ja, es spielt keine Rolle mehr woher der nächste Schub kommt, aber er wird aus dem Export/Import -bereich komme und nicht vom Binnenmarkt. Denn zwischen den Nationen und nicht in den Nationen sitzen die Oligarchen die inzwischen alles kontrollieren, der Todesstoss kommt ohne demokratische Zugriffsmöglichkeit aus dem toten Winkel zwischen den Grenzen auf uns zu -genauso wie ein Tsunami.

    • aquadraht - 13. April 2012

      Du wünschst Dir verzweifelt den Crash in China. Danach sieht es aber derzeit überhaupt nicht aus. Kein Mitleid für Dich.

      a^2

  • Doc_x - 12. April 2012

    Ohne Zweifel ist China in vielerlei Hinsicht intransparent und ein Mysterium.
    Auch erfährt man von Asiaten in aller Regel nie die ganze Wahrheit – niemand möchte sein Gesicht verlieren. Nicht zuletzt erklären sich so auch die ganzen Schattenbanken und Schattenhaushalte. Wer blickt bei der Finanzierung der ganzen Firmen, aber auch der Kommunen durch?
    Nur ein kleines Beispiel: Seit Mitte letzten Jahres wird der größte, chinesische Waldplantagenbetreiber Sino Forest regelrecht zerlegt. Los ging es mit den Anschuldigungen der amerikan. Anwaltskanzlei Muddy Waters – was schließlich zur Börsenaussetzung führte. Bis heute ist es selbst namhaften Wirtschaftsprüfern nicht gelungen, vollständige Transparenz herzustellen und die ganzen verschachtelten Geschäftsbeziehungen aufzuklären … und daraus entspinnt sich einer der spannendsten Wirtschaftskrimis der letzten Jahre, es geht immerhin um einige Milliarden (ehemaligen) Börsenwert!
    Nichtsdestotrotz hat China einen enormen Vorteil: Die Bevölkerung ist noch hungrig, sie wollen weiterkommen, legen sich ins Zeug. Ein nicht zu unterschätzender Punkt!
    Anders dagegen bei uns und noch mehr in Japan: Gesättigte Märkte, im Wesentlichen nur noch Umverteilung, einer versucht nur noch dem anderen in die Tasche zu greifen …
    Japan ist für mich die kommende, ökonomische Zeitbombe: Demografisch weit fortgeschritten, satte, verwöhnte Bevölkerung, das Fukushima-Problem obenauf. Und eine Industrie, die ihre besten Tage hinter sich hat. Elektronik: Horrormeldungen allenthalben (Sony, Sharp usw.). Die Autoindustrie? Auf dem absteigenden Ast! Korea macht mächtig Dampf (Hyundai!) … Pharmaindustrie? Hat in den letzten 20 Jahren fast die Hälfte ihres Weltmarktanteils eingebüßt. Staatsverschuldung? Abenteuerlich (über 200% des BIP). Und die Japaner sparen nicht mehr so fleissig, die alten Leute entsparen zunehmend ihre Vermögen, der berühmte “Asset meltdown”. Damit steht die bisher gut funktionierende, inländische Refinanzierung der Staatsschulden auf zunehmend tönernen Füßen.
    Das alles ist ein Cocktail, aus dem Krisen gemixt werden. Und im Falle Japan geht es dann nicht mehr wie in Griechenland oder Irland um vergleichsweise lächerliche Beträge, da knallt es richtig!

    • Lothar - 13. April 2012

      Trotz allem mache ich mir um Japan aufgrund der Gesellschaftsstruktur keine Sorgen. Klar die werden wirtschaftlich massiv einbuessen aber aufgrund der sozialen Strukturen und Mentalitaet wird es sie nicht zerfetzen wie andere Laender (vor allem US/UK) bei denen ein ungeordnetes abstuerzen in blutigste Buergerkriegsaehnliche Situationen ausarten wird.

  • aquadraht - 12. April 2012

    China ist vor allem für die intransparent und ein Rätsel, die sich nie die Mühe gemacht haben, die Sprache zu lernen und die extrem lebendige und brodelnde öffentliche Meinung und Kultur in China wahrzunehmen, mit allen ihren Licht- und Schattenseiten, gerade im Internet. China ist auch ein Rätsel für die, die nicht wahrnehmen wollen, was es heisst, ein Entwicklungsland, und gerade ein so gewaltiges, in die Moderne zu bringen.

    Ich finde den Artikel von SLE im besten Falle gutgemeint-oberflächlich. Frei von eurozentrischen, antikommunistischen und anderen kulturalistischen Vorurteilen und Entgleisungen ist er auch nicht. Von Kenntnis der chinesischen Geschichte und Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung der letzten Jahrzehnte ist auch nicht viel zu bemerken.

    Ich habe derzeit keine feste Meinung zur Affäre um Bo Xilai, gerade weil ich mehr Informationen darüber habe als SLE. Ich halte es aber für möglich, dass es sich um einen reinen Kriminalfall handelt, in dem der Parteigewaltige seine Macht für ein Coverup missbraucht hat, und als sein Werkzeug, der Polizeichef, ihn zu erpressen versucht hat, die Flucht nach vorn durch Beseitigung des Mitwissers probiert hat, der ihm aber in die US-Botschaft in Chengdu entwischt ist. So etwas wäre zu Zeiten Jiang Jieshis (Tschiang Kai Chek) oder Mao Zedongs vielleicht noch durchgegangen für einen mächtigen Provinzchef. Bo Xilai könnte sich schlicht im Jahrhundert vertan haben.

    Peter Lee sieht in der Asia Times in der Affäre einen Sieg von Zhongnanhai über Versuche, die Macht der Zentrale durch Populismus auszuhebeln. Er vergleicht Bo mit Zhao Xiyang und seinem Versuch, 1989 über die Strassenproteste seine gesellschaftlichen Vorstellungen – in dem Fall im Sinne eines “Gorbatschowismus” – durchzusetzen. So kann man das auch sehen.

    Das chinesische Regierungssystem ist nicht demokratisch (Überraschung!). Es ist aber nicht instabiler als andere Systeme in sich schnell wandelnden Gesellschaften, im Gegenteil. China hat in den letzten 30 Jahren tiefgreifendere Veränderungen mitgemacht als die europäischen Gesellschaften binnen 200 Jahren. Wer (ich weiss nicht ob SLE) die europäische Geschichte der letzten 200 Jahre kennt, weiss, was in dieser Zeit an “Regimewechseln” und gesellschaftlichen Katastrophen über Europa hereingebrochen ist. Dagegen ist das gewiss instabile China ein Hort der Ruhe und Kontinuität.

    Bislang gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass die turnusmässige Machtübergabe von Hu Jintao und Wen Jiabao an ihre Nachfolger nicht reibungslos vor sich gehen wird. Das System dieses Machtwechsels wurde von Deng Xiaoping eingeführt und hat seither funktioniert. Nach dem August wissen wir mehr.

    Die chinesische Wirtschaft scheint robust zu bleiben. Während die Regierung bereits auf ein Wachstumsziel von “nur” 7,5% orientiert hatte und damit vom psychologisch-abergläubisch wichtigen baoba (die 8 beschützen) abgerückt war, sehen jetzt internationale Beobachter eher 8,5% p.a. als realistisch an. Der Immobiliencrash hat nicht stattgefunden, die Binnennachfrage bleibt stabil, und die Exporte (nicht: das zweistellige Exportwachstum) ebenso. Manche Problemkreise wie die “Immobilienblase” haben sich entspannt. Die Inflation geht zurück.

    Was China nicht ist und nie zu sein vorgab: Die Lösung der vom westlichen Kapitalismus geschaffenen weltwirtschaftlichen Probleme. So what.

    a^2

    • Till - 13. April 2012

      Kleine Frage an die Chinakenner:

      Da die Blase wohl nicht zu platzen scheint, was bauen die weiterhin oder sind die (angeblich) leerstehenden Appartments jetzt alle verkauft?

      Bei 8% Wachstum müssen die ja jedes Jahr größere Neubaugebiete aus dem Boden stampfen, oder mehr Neubauten wieder abreißen und neu errichten (erzeut Wachstum aber kein Vermögen).

      Ich habe mir eine geplatzte Immoblase in Spanien auf Lanzarote mal im kleinen angesehen, da war Wachstum nicht mehr zu halten – der ganze Tourismusort war mit Schalen aus halb fertiggestellten Bauruinen umgeben. Hier wäre Wachstum unmöglich aufrecht erhalten zu wesen (man muß ja auch jedes Jahr mehr bauen, um zu wachsen).

      Geschichten von der Umstellung von Bau/Exportwirtschaft auf Binnenkonsum glaube ich nicht – auch in China können nicht 100 Millionen in kurzer Zeit vom Bauarbeiter / Fabrikarbeiter / Ingenieur auf Aruveda-Spezialist umsatteln. Das ging in Spanien und den USA auch nicht. Das braucht ein paar Jahre länger.

      Oder haben die einfach ein paar neue Kreditquellen gefunden, den Boom einfach weitertreiben zu lassen?

    • SLE - 13. April 2012

      Hallo aquadrat,

      danke für die Erläuterungen wie auch für die Kritik, denn die trifft nach meine Einschätzung den größten Teil der westlichen Bevölkerung, den überwiegenden Teil der westlichen Presse und der westlichen Politiker! Das Bild, dass sich die meisten von China machen können, IST allenfalls ein oberflächliches und das liegt einerseits an den von Ihnen genannten Gründen, zum anderen aber auch an den von China verfügbar gemachten Informationen und Daten. Wie sicher können wir, aber auch Kenner Chinas hinsichtlich der im Land schlummernden Risiken für die Finanzmärkte und die globale Wirtschaft folglich wirklich sein?

      Ich bin kein China-Experte und wollte mir mit diesem Post auch gar nicht anmaßen, einer zu sein. Es gibt aus unterschiedlichen Gründen (Informationsbasis, Sprachbarriere, Datenlage, unzureichendes Verständnis der Kultur und des politischen Systems u.ä.) eine Menge Unwägbarkeiten, auch wenn beispielsweise Sie selbst unter dem Strich aufgrund Ihrer sehr guten Kenntnisse zu einer eher optimistischen Einschätzung gelangen. Daran wollte ich einmal gezielt erinnern.

      Gleichwohl denke ich schon, dass die Neuorientierung des wirtschaftspolitischen Kurses noch nicht abgeschlossen ist und sich die Überlegungen im Korridor der von mir im Aufsatz angesprochenen Alternativen bewegen. Es wäre gewiss falsch davon auszugehen, dass es in diesem Zusammenhang in China keine divergierenden Interessen gibt und eine Einflussnahme von außen nicht stattfindet oder zumindest versucht wird.

      Selbstverständlich hat China immer betont, die Probleme, die der westliche Kapitalismus geschaffen hat, nicht lösen zu können und auch nicht anstrebt, dies zu versuchen. Das heißt aber nicht, dass China nicht in der Lage sein könnte ein richtungweisendes neues Wachstumsmodell zu finden und – für sich – umzusetzen. Im gegenteil, wahrscheinlich ist es dazu eher in der Lage als der Westen, der sich ökonomisch wie wirtschaftspolitisch dogmatisch UND interessenpolitisch festgefahren hat und Änderungen demokratisch herbeiführen muss. Diese Hürden – ohne sie werten zu wollen – hat China nicht.

      Viele Grüße
      SLE

    • Bernd Rickert - 13. April 2012

      Trotzdem die chinesische Geldelite sich wirklich beeilt aufzuholen, sind die negativen Folgen der Kapitalakkumulation in China noch nicht soweit vorangeschritten wie in westlichen kapitalistischen Ländern.Gleiches gilt für Russland. Im Augenblick wäre ein guter Zeitpunkt radikal gegenzusteuern.

      So what?

  • Systemfrager - 13. April 2012

    Ich finde den Artikel von SLE im besten Falle gutgemeint-oberflächlich. Frei von eurozentrischen, antikommunistischen und anderen kulturalistischen Vorurteilen und Entgleisungen ist er auch nicht. | aquadraht

    Mich hat überrascht, dass SLE diesmal dermaßen unbesorgt bis leichtsinnig gan oben auf der Welle des Mainstreams reitet. Der Artikel ist eine extrem Vogel-Perpektive, aus dieser Perspektive füge ich hinzu:
    1:
    Wie es die Empirie immer und überall bestätigt, die sog. freiheitliche (laissez-faire) Ordning funktioniert sozio-politisch nicht. Es ist eine Ordnug wo der Stärkere den Schwächeren ruiniert und dadurch ruiniert man sich selbst (Wirtschaft und Gesellschaft)
    2:
    Wie es die Empirie immer und überall bestätigt, die sog. freiheitliche (laissez-faire) Ordning funktioniert ökonomisch nicht. Eine walras-ideale Konkurrenz-Marktwirtschaft, wie es die Kreislaufanalyse zeigt, funktioniert nicht. Wegen des Nachfragemangels muss sie, nachdem die Wachstumphase abgeschlossen ist, zusammenbrechen.

    Das heißt, eine Wirtschaft mit einem starken Staat, der das Volk von den Kapitalisten schützt, ist die einzige Lösung für die Marktwirtschaft. Die Frage ist nur, wie realisiert man einen solchen Staat? Das ist die Frage, die über die Zukunft der Menscheit entscheidet. Kann einen solchen Staat die chinesische Kompartei konzipieren? Oder die Piraten mit ihrer Basisdemokratie? Oder … Dir Geschichte ist offen. Aber auf jeden Fall:

    Hobbes und Marx lassen grüßen.

    • SLE - 13. April 2012

      Hallo Systemfrager,

      auf der Welle des ökonomischen Mainstreams bin ich auch dieses Mal gewiss nicht geritten – nur eben auf der Welle der Mainstream-Medien. Das habe ich aus den oben, in der Antwort an aquadraht dargelegten Gründen getan.

      Was den Fall Bo Xilai anbelangt, gibt es jetzt auch andere Einschätzungen, wie etwa die Folgende:

      http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-aufruhr-in-china/6500074.html

      Sie ist aber wie allen anderen auch nur eine Einschätzung – wenn auch die eines China-Korrespondenten. Denn Belege fehlen hier ebenso.

      Und zum Vergleich hier die Einschätzung eines anderen Korrespondenten im asiatischen Raum, der für dieselbe Zeitung schreibt wie der zuvor zitierte:

      http://www.handelsblatt.com/politik/international/saeuberungskampagne-politkrimi-erschuettert-china/6495582.html

      Jetzt kann sich also jeder die “Wahrheit” aussuchen, nicht wahr?

      Ich sage es noch einmal: Bei der Einschätzung der Situation in China ist große Vorsicht geboten!.

      Viele Grüße
      SLE

      • Systemfrager - 13. April 2012

        Wie üblich, ich bin immer schnell mit einer Zuspitzung …
        Natürlich, auch “Lockerungsübungen” sind gar nicht immer unangemessen …
        ist eifach nur menschlich …
        PS
        Ich bin mir sicher, schon in dem nächsten Artikel bist du der Alte (den ich sehr möge)
        lG

  • dicke Bertha - 13. April 2012

    China verbrauch 1500 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr.

    Diese Menge ist unglaublich.

    Manchen mögen die Auslandsguthaben 3000 Milliarden Dollar gewaltig erscheinen, angesichts der schon in der näheren Zukunft zu erwarteden Preiserhöhungen bei vielen Rohstoffen werden diese schmelzen wie Schnee in der Sonne.

    Der Wachstumsbegriff ist vollkommen pervertiert.

    Daran trägt die ökonomische Wissenschaft eine grosse Mitschuld.

    Habt ihr schon mal in der Zeitung gelesen:
    Die Gebrauchsdauer aller Produkte konnte in diesem Jahr um 20% verlängert werden. Dadurch wurde der zukünftige Rohstoffbedarf um x% gesenkt.

    • Frank Bell - 13. April 2012

      Da fällt mir nur “geplante Obsoleszenz” ein.

      (Sonst gibt es kein Wachstum! Muhahahahhaaaaha.)

  • M.E. - 13. April 2012

    Alarm – die chinesische Wirtschaft stürzt ab. 8,1% Veränderung zum Vorjahr.
    Man stelle sich das vor – fast die gleiche Veränderung wie in Griechenland.
    O.k., statt Vorzeichen minus ein Vorzeichen plus.
    Aber nominal doch schon knallhart nahe an griechischen Verhältnissen…

    Kein Wuner also, dass die westlichen Wirtschaftsmedien die Stirn in Sorgenfalten legen. Soweit Wirtschaftsmedien eine Stirn haben, geschweige enn irgendwas dahinter.
    Bei 8,1% Wachstum sollte man sich schon ernsthafte Sorgen machen. Nahe am Zusammenbruch!

  • M.E. - 13. April 2012

    Man sieht: auch das Handelsblatt ist besorgt um den 8,1%-Zusammenbruch in China:

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/devisen/wenig-risikofreude-euro-nach-schwachen-china-daten-im-minus/6505384.html

  • Andres Müller - 13. April 2012

    Der Westen ist nur deshalb von der Entwicklung in China abhängig weil er sich auf nicht mehr realistische Wachstumsziele festgebissen hat und sich einer nachhaltigen Entwicklung aus Profitgier verweigert. Der Westen muss lernen aus sich selbst zu wachsen und in sich selbst die Vermögensungleichverteilung auszugleichen. Die im Westen vorhanden demokratischen Systeme müssen reformiert werden, denn bisher lebte die Demokratie von Undemokratischen Verhältnissen im Rest der Welt. Während in Deutschland die Nettolöhne sinken, haben sich seit Anfang 2012 die Vermögen der Reichsten 1% um ca. 15% gemehrt. Dieses ungleiche Verhältnis basiert auf einer Globalisierungsstruktur die weitgehend demoratischer Kontrolle entzogen ist. Unter der Annahme dass bis im Jahr 2050 die G7 China, Indien,Russland,Brasilien,Indonesien heissen könnten wäre es nun angebracht die Demokratien auf eine Welt vorzubereiten in welcher das Wohl der eigenen Bevölkerung nur noch durch eine nachhaltige Entwicklung erhalten werden kann. Denkt man an den Ressourcenverbrauch der G7 im Jahr 2050, dann wäre es an der Zeit die Grundlagenforschung im Bereich der Selbstversorgung mit Energie zu beschleunigen. Ich sehe im Ausbau eines autarken vom Ausland unabhängigen Energieversorgungssystem und Ressourcenversorgungssystem die höchste Priorät. Nur der Erhalt bzw die Wiederherstellung eines sich selbst versorgenden Binnenmarktes erlaubt die politisch unabhängige Fortführung demokratischer Staatssysteme. Eine Gefahr geht von China aus, weil es natürlich denselben Wohlstand anstrebt wie der Westen, aber diese Gefahr ist nur dann vorhanden wenn wir uns nicht selbst reformieren, also unseren Binnenmarkt stärken ohne aber das internationale Beziehungsnetz aufzugeben. Hier ist aber der sozialen Globlalisierung nun ein höherer Stellenwert einzuräumen als der wirtschaftlichen Globalisierung.

    • Andres Müller - 13. April 2012

      Hier noch einige interessante Daten über China, zusammengestellt vom langjährigen Korrespondenten Peter Achten der seit vielen Jahren in China lebt und der die Entwicklung seit nun Jahrzehnten verfolgt.
      http://www.seepark.ch/media/archive1/medien/Achten_pres.pdf

      Daraus geht zum Beispiel hervor, dass die Automobilindustrie in China noch immer ein sehr hohes Aufbaupotential hat, wenn man bedenkt dass erst 150 Millionen Chinesen einen Führerschein besitzen. Allerdings könnte es auch sein dass die Chinesen in Zukunft mehr Gewicht auf andere Fortbewegungsmittel setzen. Quintessenz der Beobachtungen von Achten ist aber, dass die Entwicklung gegen eine allmächtige Parteiführung spricht, eine moderne Gesellschaft gerät ohne demokratischen Erfahrungsaustausch in Konflikte, die Fakten sprechen dafür (nicht meine Kenntnis Chinas) dass auch dieses Land schrittweise der Bevölkerung mehr Freiheiten einräumen muss.

  • Hanky Panky - 13. April 2012

    Sie haben eine diplomatische Entwicklung, die gar nicht relevant genug eingeschätzt werden kann, vergessen: Die Bindung Birmas an die US während der letzten vier Monaten.

    Gruß
    HP

    • Lothar - 13. April 2012

      Als jemand dessen bessere Haelfte einen burmesischen Pass hat kann ich dir nur sagen, bisher alles Charade. Es wurden erst im Maerz 60000 Soldaten zusammengezogen um die Kachin Armee im Shan State zu bekaempfen, der Buergerkrieg ist also immer noch im vollem Gang.

      Natuerlich stuerzen sich die USA mit Vollgas auf Burma um den Chinesen etwas zuvorkommen zu koennen. Die wirtschaft ist aber immer noch fast ausschliesslich China orientiert.

      Und ich hoffe Suu Kyi ist belesen genug um nicht gleich dem ganzen neoliberalen Terror der Okonomie nachzugeben, Sklavenarbeit hatten die Burmesen schon genug.

  • M.E. - 13. April 2012

    Naja, HP,
    gerade mal der Beginn eines poltischen Tauwetters, würde ich sagen.

  • dank - 13. April 2012

    Danke Hanky Panky – nichts anderes denke auch ich bei diesen Nachrichten, die so ganz nebenbei in dritter Reihe neben Dschungelverblödung und Deutschland sucht den Superpräsidenten durchdringen.

    Dazu noch die Basis in Australien
    http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/709272/Australien_Neue-USBasis-veraergert-China – die oh Zufall zu einer ähnlichen Zeit aus dem Hut gezaubert wurde. Die US ziehen den Ring einfach um die aufstrebende Macht – dann bleibt der nur noch ein Bund mit Russia und die Regierung von D (ihrer Wahlmöglichkeiten eigentlich beraubt) verschläft die West-Ost-Achse Paris-Berlin-Moskau-Peking und durch schönes Buckprinting zerschreddert die FED auch gleich “ein wenig” vom Auslandsguthaben von China und versuchen damit die eigene Wirtschaft/Schulden zu sanieren.

    Würde es eher als angehendes Gefrieren des Pazifikraumes anstatt Tauwetter betrachten.

    Obwohl hier rednerische Wattebäuschchen über die Weltmeere geworfen werden, lässt sich ja doch einiges zwischen den Zeilen lesen. “Verärgert” ist das neue “reizt…heftig”. Doppelplusschlecht.

    Passend dazu:
    http://www.dw.de/dw/article/0,,15881643,00.html
    Gegen Einstellen der Sanktionen (wenn berechtigt) ist gar nichts einzuwenden – aber wann hat die letzte Regierung (mit Wasser bis zum Hals) selbstlos gehandelt? Vielleicht hatte Birma einen Economic Hitman zu Besuch oder es drückt der Schuh an anderer Stelle? Es geht nur darum mit China fertig zu werden. Pragmatisch. Zufällig kommt UK und USA vorbei und bringen Freiheit, Frieden und Reichtum (?! ohoh) nach Birma, während der Nachbar China seinen Weg zur größten Weltmacht geht?

    China mag ein Krisenherd sein, aber wem eine chaotische Entwicklung nutzt, sollte nicht vergessen werden.

  • oekonomicus - 13. April 2012

    Eine bescheidene Frage zu den immer wieder und überall zitierten Wachstumszahlen von 8, 9, 10 oder noch mehr Prozent in China : Sind das eigentliche reale, um die Inflation bereinigte Werte ?
    Ueberdies dürften so oder so beide Werte je nach den gerade herrschenden Umständen staatlich frisiert sein.

    • Ergo Sum - 16. April 2012

      Hallo oeconomicus,
      Gerade heute bringt Forbes.com einen interessanten Beitrag, der die chinesischen Statistiken ernstlich anzweifelt. Offenbar war die Landung in Wirklichkeit wesentlich unsanfter als die Chinesen zugeben.
      Gruß, Ergo

  • tarzun - 13. April 2012

    Danke für die interessanten Beiträge.

    8% Wachstum könnten auch in Deutschland/Österreich erreichbar sein, wenn es da nicht die enorme Steuern auf Arbeit geben würde. Oder tiefgreifende Umweltgesetze, die zumindest bei 90% der hier tätigen Unternehmen auch exekutiert werden.

    Wann geht denn der durchschnittliche Asiate in Pension? Gibt es dort auf Staatskosten geführte Pflegeheime? Bekommen Eltern dort Zuschüße für Kindergartenplätze? Wie sieht es denn mit Urlaubsansprüchen und der Pflegefreistellung aus? Mutterschutz für Arbeitnehmerinnen? Gibts dafür überhaupt ein chinesisches Wort?

    In Österreich zumindest gibt es sogut wie keinen Strassenverkauf (ausgenommen Tageszeitungen). Könnte das etwa wachstumhemmend sein?

    Wer von den werten Bewunderen der asiatischen Volkswirtschaften, hat den schon mal versucht eine Bau- oder Betriebsgenehmigung hier in old-europe zu erlangen?

    Das sind wachstumsrelevante Faktoren, neben eben dem unglaublichen Konsumbedarf
    einer recht armen aber riesigen jungen Bevölkerungsschicht.

    Die Globalisierung wurde immer als Chance verkauft (Top -Down Prozess), dass sich die Schere von unten her schließt. Tatsache ist aber, dass sie von oben zugeht.

    500 millionen Menschen werden viel abgeben müssen, damit die restlichen 6 Milliarden ein wenig dazu bekommen.

    Und die Energiepreise in den Himmel steigen…

    • Till - 14. April 2012

      Du meinst, wenn wir keine Rente mehr zahlen, Sozialhilfe streichen und die Krankenkassen privatisieren bekommen wir 8% Wachstum?

      Großbrittannien hat das nicht, und dort macht man eine Firma leichter auf als hier.

      Davon abgesehen, was wollen wir mit Wachstum, außer bei der technologiebedingten Qualität? Kaputtarbeiten, um sich zwischen 20 und 50 mehr Ipods zu kaufen, um dann abzutreten (Rentner sind sowas von Wachstumshemmend)?

      Wir brauchen hier nur noch Wachstum, um die weiter anquellenden Kreditpyramiden zu bezahlen. Und die gehören einigen wenigen.

      Apropo: Die 6 Milliarden Menschen sollen nichts bekommen (wenn sie mehr haben ist dies Inflation und unglücklicher Begleitumstand), die Oberschicht dieser Länder soll mehr bekommen. Deswegen exportieren sich deutsche Luxuskarossen so gut in alle Welt, während den Polo keiner haben will.