Gefahr für den Euro

von am 1. Juni 2007 in Allgemein

In Zeiten eines ständig steigenden Euro gegenüber den wichtigsten Währungen der Welt wie Dollar und Yen ist viel Euphorie für den Euro vorhanden. Die Ankündigungen vieler Zentralbanken in der Welt ihre Euroanteile zu erhöhen tragen das übrige dazu bei. Die derzeitigen Realitäten, wie die bereits laufenden Umschichtungen der Zentralbanken zugunsten des Euro, dürften tendenziell den Euro weiter stützen, denn dieser Prozess der Umschichtungen dauert bis zu 2 Jahren.

Dies alles verstellt ein wenig den Blick für die durchaus kritische Entwicklungen in der Eurozone. Denn es geht ein dramatischer Riss durch die Eurozone. Die Währungsreserven der spanische Zentralbank (Banco de España) in ausländischen Währungen und Gold sind auf einen Tiefstand von nur 17 Milliarden Dollar gefallen. Nicht nur Spaniens Währungsreserven haben sich seit der Euroeinführung gedrittelt, sondern auch die von Portugal und Griechenland.

In den letzten drei Monaten hat die spanische Zentralbank 108 Tonnen seiner Goldreserven verkauft um die fortlaufende katastrophale negative Leistungsbilanz Spaniens auszugleichen, die Goldreserven schrumpften damit auf nur noch 308 Tonnen. Wenn man bedenkt das die spanische Zentralbank zusammen mit den 13 anderen europäischen zur EZB gehörenden Notenbanken sowie der Schweiz und Schweden, das Abkommen über Goldverkäufe unterzeichnet hat, welches die jährlichen Veräußerungen von Gold auf insgesamt 500 Tonnen begrenzt, ist ein Anteil von über 100 Tonnen Gold bis Mitte des Jahres gewaltig und steht für diese Problematik eines kaum händelbaren Leistungsbilanzdefizits in Spanien.

Der Verkaufserlös von ca. 220 Millionen Dollar hilft zwar nur wenige Tage weiter, aber Spanien braucht niedrige Zinsen und Gold ist ein Konkurrent von niedrigen Zinsen. Denn Gold ist Inflationsindikator und indiziert bei einem hohen Preis die Notwendigkeit von steigenden Zinsen. Insofern wird das nötige, die Geldbeschaffung mit dem nützlichen verbunden und der Goldpreis etwas gedrückt. Das Leistungsbilanzdefizit (negative Gesamtrechnung aus Handels-, Dienstleistungs- und der Übertragungsbilanz) lag 2006 in Spanien bei 98,6 Milliarden Euro und machte 9,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Die negative Leistungsbilanz resultiert aus der immer schlechter werdenden Handelsbilanz. 222 Milliarden Dollar Exporterlöse standen gewaltige 324 Milliarden Importe entgegen. Ein Wirtschaftwachstum von 3,3% (1. Quartal 2007), getragen „noch“ vom Immobilienmarkt und einem boomenden Tourismus, stehen eine schwache Industrieproduktion von 0,6% Wachstum mit wenig auf dem Weltmarkt konkurrenzfähigen Produkten, 500 Milliarden Euro private Schulden und eine Auslandverschuldung von 1,6 Billionen Dollar, gegenüber.

Die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Industrie drückt sich auch in den Lohnstückkosten aus. Deutschland hat durch seine hohe Produktivität und seine verhaltene Lohnpolitik, Nichtteilhabe der Arbeitnehmer an den Produktivitätsfortschritt und der Gewinnentwicklung der Unternehmen, ja eine unterhalb der Inflation liegenden Lohnentwicklung seit Einführung des Euro einen 30%-igen Wettbewerbsvorteil gegenüber Spanien, 40% gegenüber Italien und 20% gegenüber Frankreich erzielt. Die Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz und der Wettbewerbsfähigkeit in der Eurozone werden immer größer und haben kein Ventil des Ausgleiches über Wechselkursschwankungen. Deutschland müsste aufwerten und Spanien abwerten. So manifestieren sich zwei inkompatible Lager. Auf der einen Seite Deutschland, als Exportweltmeister (exportierte Waren und Güter im Wert von 1,13 Billionen Dollar, 2006) mit einem Leistungsbilanzüberschuss von +135 Mrd. Dollar und die Niederlande mit + 50 Mrd. Dollar Überschuss. Auf der anderen Seite Spanien mit einem Leistungsbilanzdefizit von -98 Mrd. Dollar, Frankreich mit -38 Mrd., Italien mit -23 Mrd., Griechenland mit -21 Mrd., sowie Portugal mit -17 Mrd. Dollar. In Spanien, Griechenland und Portugal macht das Leistungsbilanzdefizit sogar fast bzw. 10% des Bruttoinlandsprodukts aus.

Auch bei der Kreditausweitung ergibt sich ein ähnliches Bild, Deutschland +2,5 %, Spanien +26,3 %, Irland +24.81 %, Frankreich +12,18 %, Italien +9,93 %. Die Länder mit der großen Kreditausdehnung sind diejenigen Länder mit den boomenden Immobilienmärkten -und Krediten.

Die Geldmenge M3, diese umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen von bis zu zwei Jahren Laufzeit, wächst in der Eurozone auf annähernd 11%, die größte Geldmengenausweitung seit 24 Jahren. Referenzwert und Ziel beim Geldmengenwachstum M3 ist laut Europäische Zentralbank (EZB) 4,5%, von diesem Ziel ist die EZB mittlerweile weit entfernt. Das Kreditwachstum beschleunigt sich durchschnittlich in der Eurozone um 10,5 Prozent. Die überreichliche Geldversorgung der europäischen Wirtschaft könnte zu steigender Inflation in der Zukunft führen. Hier ist Gefahr im Verzug. Normalerweise müssten die Leitzinsen von der EZB, gestern gerade auf 4% weiter zügig angehoben werden, dies würde den Immobilienmärkten in den gefährdeten Ländern und der Konjunktur in Europa aber einen starken Schlag versetzen. All diese Entwicklungen gefährden mittelfristig den Euro, dieser muss aber nicht zwangsläufig gegenüber dem Gegenspieler Dollar abwerten, sondern der Euro könnte wie der Dollar und andere Papiergeldwährungen auch, diesmal zu Edelmetallen, Rohstoffen und Waren und Gütern abwerten, sprich die Preisspirale dreht sich in den realen Warenmärkten (Inflation). Zur Zeit dreht sich die Preisspirale noch an den Anlagemärkten wie Immobilien und Aktien.

Dadurch das es keine nationale Zinspolitik mehr gab, profitierte gerade Spanien durch die niedrigen Zinsen der EZB bei Einführung des Euro. Der Immobilienmarkt boomte. Das Immobilienfieber hat zwei von drei Spaniern dazu gebracht, Immobilien zu kaufen. Das ist beinahe doppelt soviel wie im EU Durchschnitt. Nun hat die EZB aber immerhin 8-mal die Zinsen erhöht. Die größtenteils mit variablen Zinsen versehenen Hypotheken der Spanier steigen mit und erhöhen die Last der Verbraucher. Die beginnende Krise am spanischen Immobilienmarkt gefährdet nicht nur die Hypothekenschuldner, sondern auch die Banken. Trotz zurück gehender Nachfrage auf dem Immobilienmarkt wird weiter gebaut und damit steigen auch die Kredite der Bauträger weiter an. Morgan Stanley rechnet damit, dass die Wohnungsbauaktivitäten schon im kommenden Jahr wegen der ausbleibenden Nachfrage jährlich um 20 Prozent zurückgehen wird: “Im schlimmsten Fall führt das zu einem Rückgang des derzeitigen Wirtschaftswachstum auf 0,5 Prozent”, sagt Analyst Pablo Beldarrain.

Die spanische Häuserpreise sind seit 1995 um 270% gestiegen. Die Schulden der privaten Haushalte sind von 75% des Nettoeinkommens auf 133% gestiegen. Nach Berechnungen von Morgan Stanley war der Immobilienboom für 17% des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts in der Vergangenheit verantwortlich. Nach Zahlen der Banco de España gab es Ende 2005 in Spanien 23,7 Mio. Wohnungen bei nur 15,39 Mio. Haushalte. Damit kommen auf einen spanischen Haushalt 1,54 Wohnungen, die höchste Rate der Welt. Jetzt stehen viele Wohnungen leer, bzw. zum Verkauf.

Von einem Hightech Land ist Spanien weit entfernt, das Produktivitätswachstum liegt nur knapp über 0%. Spanien ist komplett von Ölimporten in Höhe von 1,6 Millionen Barrel pro Tag abhängig. Spanien hat alles andere als eine starke Industrie, nur fünf Prozent der 2006 geschaffenen Jobs entstanden nach Angaben der Europäischen Kommission in der Industrie. Besserung ist auf Grund von geringen Investitionen in Forschung und Entwicklung nicht in Sicht. „Spanien steht vor einen Zyklus der Rezession, der Deflation und des Rückgangs des privaten Konsums“, sagt Bernard Connolly, globaler Stratege für Banque AIG. Griechenland und Portugal sind mehr oder weniger eine Kopie dieser Entwicklung und sind damit eine Gefahr für unsere Währungsgemeinschaft.

“Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.” George Orwell

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