Gesucht: Ein Fieberthermometer für die Bubblenomics

von am 6. Juni 2013 in Allgemein

Den drohenden neuen Crash an den Finanzmärkten haben viele schon lange vorgemerkt und es wird auch immer wieder davor gewarnt. Passiert ist bisher nichts. Das wirft natürlich die Frage auf, ob das Warten auf den Crash nicht letztlich doch wie das Warten auf Godot ist oder ob es nicht eine Art Fieberthermometer gibt, an dem wir ablesen können, wann es kritisch wird. Gibt es das?

Es gibt aktuell viele, eigentlich viel zu viele Problemstellen auf den Welt- und Finanzmärkten. Das ist das erste große Problem für die Lagebeurteilung. Die ausufernde Staatsverschuldung, die sich vertiefende Rezession in einer Reihe von Staaten, das sich verlangsamende Wachstum in anderen, wackelige Kreditpyramiden, riskante Derivategeschäfte sowie nach wie vor stützungsbedürftige Banken sind nur einige prominente Beispiele. Auch der Immobiliensektor gibt wieder Anlass zur Sorge. Dieses Mal in einer ganzen Reihe von Staaten, nicht zuletzt in China, aber auch wieder in den USA.

Noch mehr Kopfzerbrechen bereiten all jene Entwicklungen, die niemand auf seinem Radar hat oder nicht so richtig, weil sie unterschätzt werden, die aber trotzdem das Potenzial haben, neuen Turbulenzen auf den Märkten auszulösen. Die gibt es immer.

Das zweite große Problem ist, dass sich das Geschehen auf den globalen Finanzmärkten sehr weitreichend von dem der Realwirtschaft abgekoppelt hat. Kursentwicklungen an den Aktienbörsen spiegeln insofern nur mehr bedingt den künftigen Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung der gehandelten Werte wider. Preisentwicklungen beispielsweise bei den Rohstoffen drücken nicht mehr zuverlässig die Entwicklung von Angebot und Nachfrage aus.

Beides hat insbesondere auch damit zu tun, dass die wichtigen Notenbanken die Märkte mit billigem Geld überfluten. Sie tun es in der Hoffnung, dass dieses Geld wirtschaftliche Aktivität fördert und so stagnierende oder schrumpfende Volkswirtschaften wieder auf Wachstumskurs bringen hilft. Das ist die Theorie. Funktioniert hat dies bisher kaum. Die Liquidität bleibt stattdessen überwiegend auf den Finanzmärkten und sucht Anlagemöglichkeiten. Das treibt die Aktienkurse ebenso wie die Preise für Vermögenswerte und Rohstoffe, auch wenn Notenbanker das nicht gerne zugeben wollen.

Ein weiterer Grund ist Manipulation. Die aufgeflogene Manipulation des Libor und des Euribor durch Großbanken, die bei der Festlegung dieser Referenzzinssätze mitwirken oder die jüngst in Europa aufgenommenen Ermittlungen wegen des Verdachts der Ölpreismanipulation sind ebenso wie die zahlreichen Skandale und Verfahren wegen krimineller Geschäftspraktiken auf den Finanzmärkten ein Zeichen dafür, dass die Bezeichnung „Marktpreis“ längst kein Gütesiegel mehr für die Märkte ist.

Die latent hohe Nervosität an den Märkten erklärt sich aber vor allem auch aus einer anderen Tatsache: Dem hohen Grad der Verbundenheit und wechselseitigen Abhängigkeiten in der globalen Wirtschaft und auf den Finanzmärkten in Kombination mit der hohen Abhängigkeit des gesamten Systems von sehr großen und damit „systemrelevanten“ Einheiten sprich Unternehmen und Banken. Das hat die Pleite einer der weltgrößten Investmentbanken, Lehman Brothers, im September 2008 unzweifelhaft verdeutlicht.

Wenn Sie so wollen, dann ist das das Rezept für die Mutter aller Krisen: dem Systemkollaps. Denn wer annimmt, dieses System sei unter den angesprochenen Bedingungen im Falle eines auslösenden Ereignisses – wie etwa der Pleite einer großen Bank, einer Katstrophe, politischen Turbulenzen oder was auch immer – noch beherrschbar, der hat ein Wahrnehmungsproblem.

Genau das ist der zentrale Grund für die gegenwärtig hohe Nervosität an der Börse in Tokio.

Die Anleger misstrauen inzwischen Premier Shinzo Abe und Notenbankchef Haruhiko Kuroda und ihrer Methode, mit ultralockerer Geldpolitik, einem milliardenschweren Konjunkturprogramm und, als „drittem Pfeil“, einem merkwürdigen Mix aus Deregulierungs- und industriepolitischen Maßnahmen Japans Wirtschaft in Schwung zu bringen. Dabei mag auch eine Rolle spielen, dass Shinzo Abes´ konservative Partei (LDP) in den letzten beiden Dekaden die meiste Zeit in der Regierungsverantwortung war, es aber dennoch nie geschafft hat, Japan aus der Stagnation zu führen. Warum also sollte sie jetzt auf einmal wissen, wie sie das bewerkstelligen kann?

Außerdem: Herr Kuroda kopiert lediglich die Federal Reserve und Ben Bernanke hat es mit seiner ultralockeren Geldpolitik bisher auch nicht geschafft, die US-Wirtschaft so richtig in Schwung zu bringen – und er versucht es schon recht lange. Abe hat jetzt halt noch ein dickes Konjunkturpakt oben drauf gelegt nach dem Motto: Geld heilt alle Wunden.

Der Internationale Währungsfonds schätzt deswegen, dass die Staatsverschuldung Japans in diesem Jahr auf 245 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen könnte. (1) Mit etwa 230 Prozent des BIP ist Japan aber schon jetzt das mit Abstand am höchsten verschuldete Industrieland. (2) Dagegen nehmen sich die US-Staatsschulden mit einer Quote von knapp über 100 Prozent noch vergleichsweise harmlos aus (3) … womit wir wieder bei der Frage der Beherrschbarkeit wären.

Seit zwei Wochen ist die Börse in Tokio sehr volatil. Hohe Volatilität gilt mithin auch als letzte Phase der Blasenbildung. Allerdings besagt das nicht viel, weil niemand sicher zu sagen vermag, wie viel „Luft“ in einer jeweiligen Blase ist oder anders ausgedrückt, ob es überhaupt eine gibt und wenn ja, wie weit die Kurse bzw. Preis nachgeben, wenn sie platzt. Natürlich spielt an den Märkten die Psychologie eine große Rolle. Deswegen kann und wird es bei entsprechenden Bewegungen zu mitunter starken Übertreibungen kommen.

Die Gefahr liegt zweifelsohne in der starken Vernetzung der Akteure und Märkte und darin, dass Kurs- und Preisübertreibungen bzw. Blasenbildung auf einer ganzen Reihe von Märkten nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Mit anderen Worten: Platzt eine Blase, könnten alle anderen platzen und niemand weiß, wie groß die Korrekturen letztlich ausfallen.

Der Horror resultiert vor allem daraus, dass ein solches Ereignis jederzeit eintreten und die Stabilität des Systems weltweit in kürzester Zeit tief erschüttern könnte und dass als auslösendes Ereignis heute potenziell vieles, genauer gesagt viel mehr als 2007 und 2008 in Frage kommt. Um ein Bild zu benutzen: Es ist ein wenig so wie „Blinde Kuh“ spielen in der Nähe eines Abgrunds, wobei die Notenbanken mit der unentwegt tätigen Geldpumpe – mit der die blinden Kühe vom Abgrund ferngehalten werden – zu verhindern versuchen, dass das Unglück passiert. Dadurch sorgen sie aber zugleich dafür, dass das Plateau (oder der Geldberg), auf dem „Blinde Kuh“ gespielt wird, immer höher bzw. der Abgrund immer tiefer wird.

Die Wahrheit ist wohl, dass es kein Fieberthermometer für diese Bubblenomics gibt. Fakt ist indes, dass sie, die Bubblenomics, keine Lösung für das Problem sind. Entscheidend ist, das Plateau abzusenken. Daran führt kein Weg vorbei und es sollte unverzüglich damit begonnen werden.

Die Schwierigkeit besteht darin, das Spiel ohne Absturz zu beenden. Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, wie das gelingen kann und schlimmer noch keine Garantie, dass es möglich ist. Aber es wird definitiv nicht möglich sein, wenn man weiterhin die Augen vor den tatsächlichen, ursächlichen Problemen verschließt und davon gibt es eine ganze Reihe.

Gerade deswegen muss davor gewarnt werden, das eine große Kardinalproblem zu suchen und ausmachen zu wollen, um ihm dann mit „schwerem Gerät“ zu Leibe zu rücken. Es gibt zweifellos große und größere Probleme und solche mit hoher und höchster Priorität. Zu lösen sind sie jedoch nur mit einem durchdachten Gesamtkonzept. (4) Ein solches hat es aber seit Krisenbeginn 2007 nie gegeben, ja, noch nicht einmal eine angemessene, wirklich gründliche Problemanalyse. Es wurde und wird bis heute immer nur experimentiert, gelöst wurde nichts. Die Abenomics des japanischen Premiers Shinzo Abe sind nur das jüngste Beispiel dafür. Auch er wird feststellen müssen, dass die Geldberge für und mit Japan nicht in den Himmel wachsen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

Print article

67 KommentareKommentieren

  • hko - 6. Juni 2013

    ich denke ein weiteres grosses Problem ist, dass die offiziellen Medien die Bevölkerung so einlullen als ob alles wieder bereits besser wird und ist … so nach dem Motto, Krise war doch lang genug jetzt geht es weiter wie bisher – wie beim Hochwasser, das geht auch von allein weg.
    Man ist es ja von der Bibel gewöhnt, sieben schlechte Jahre dann wieder von ganz allein sieben gute Jahre.

    • alex-ab - 6. Juni 2013

      offenbar resignieren die Medien inzwischen auch und denken sich, lieber ein Ende mit Schrecken….

      Bloomberg schreibt heute dass nicht mehr versteckt werden kann dass die chinesischen Exportdaten zu 50% gefaked sind. Und zwar nicht in “Verschwörungstheorie”-Blabla wie manche etwas zu reisserische Blogs, sondern ziemlich detailliert was da abläuft….

      es kann wohl nicht mehr versteckt werden, das (globale) Kartenhaus ist jetzt wohl doch am Krachen, obwohl ich es eigentlich noch für stabiler eingeschätzt habe…

      • Querschuss - 6. Juni 2013

        Hallo alex-ab,
        also ich lese bei Bloomberg, dass die Wachstumsrate beim Export im Mai um über -50% zum Vormonat gesunken sein könnte, auf +7,1% zum Vorjahresmonat, laut der medianen Schätzung der von Bloomberg befragten 34 Volkswirte. Was bei Bloomberg aber nicht steht ist, dass dies immer noch einem neuen Allzeithoch beim Exportvolumen von 194 Mrd. Dollar entsprechen würde! Ich denke es gibt schlimmere Wirtschaftskrisen 🙂

        In dem Artikel steht, dass das Exportvolumen von Januar bis April 2013 um 4% bis 13% überzeichnet sein soll. Das ist weder genau noch detailliert 🙂

        http://www.bloomberg.com/news/2013-06-06/yuan-falls-most-in-week-on-speculation-may-export-growth-slumped.html

        Die chinesischen Zollbehörden veröffentlichen erst am 08.06.2013 die Außenhandelsdaten für Mai.

        Ich gehe jede Wette ein, dass es für deine steilen Thesen keinen Beleg bei Bloomberg gibt, sie basieren auf Fehlinterpretation bzw. Fehlübersetzung von dir 🙂

        Gruß Steffen

        • alex-ab - 7. Juni 2013

          ich bezog mich auf diesen Artikel…

          http://www.bloomberg.com/news/2013-06-05/china-export-gains-seen-halved-with-fake-data-crackdown.html

          die steilen Thesen kommen von den chinesischen Behörden selbst. Ich interpretiere eben, wenn die Exportzuwächse aufgrund der scharfen Kontrollen sich jetzt halbiert haben, dann kann man durchaus davon ausgehen, dass die letzten Monate in ähnlicher Weise verzerrt waren…

          dass das in absoluten Zahlen nicht allzuviel ändert ist klar, aber diese Zahlen müßte man dann natürlich auch relativieren, wenn die Betrügerein seit Monaten, wenn nicht Jahren gelaufen sind….

  • Eurelios - 6. Juni 2013

    Die Schwierigkeit besteht darin, das Spiel ohne Absturz zu beenden.

    Lieber Stefan das ganze als “Spiel“ zu bewerten finde ich passend,

    Aber der Absturz wir kommen so oder so.

    Warum?

    Weil das Spiel was gerade auf der Welt gespielt wird Poker heißt.

    Da sitzen am Spieltisch viele Spielteilnehmer (nicht die einfachen Mitmenschen) mit verschieden Karten in den Händen gegenüber und nur Einer wird gewinnen und alle
    Anderen werden velieren.

    Punkt.

    Nach dem Spiel wird der Gewinner nach kurzer Zeit bemerken das auch er
    verloren hat.

    Warum?

    Weil er keine neue Spieler findet die mit Ihm einen neue Pokerrunde spielen
    können weil Sie pleite sind und seine Spielsucht wird dann unbefriedigt bleiben.

  • Freiberufler - 6. Juni 2013

    Nur sitzen am Pokertisch ein paar Spieler, die unbegrenzt Spielgeld erzeugen und alle liquide halten.

    “Es wurde und wird bis heute immer nur experimentiert, gelöst wurde nichts.”

    Politiker und Notenbanken tun seit 5 (Japan: 20) Jahren alles, damit sich nichts ändert. Darin sind sie sehr erfolgreich. Es gibt nur ein Problem: Man kann zwar Geld drucken, aber keine Arbeitsplätze. Der Zusammenbruch des Systems wird wahrscheinlich über die politische Schiene kommen, weil hier die Notenbanken machtlos sind.

  • Traumschau - 6. Juni 2013

    Hallo Stefan,
    wieder mal ein guter Beitrag von Dir – wie immer bei “Querschüsse”. Deshalb auch meinen ausdrücklichen Dank an Steffen!!!!
    Ich sehe das – als Laie – so: Für mich ist es logisch, dass der Gegenwert einer Geldschöpfung nur realwirtschaftliche Güter oder Dienstleistungen sein können. Um mit Prof. Richard Werner und Heiner Flassbeck zu antworten:
    Die Geldspritzen der Zentralbanken kann nur dann Erfolg haben, wenn
    1. die Kreditvergabe in produktive Investitionen erfolgt. Dazu bedarf es einer Kreditlenkung (s. Japan nach 1945) durch die ZB´s.
    2. die Kaufkraft der Bevölkerung erhöht wird – durch höhere Löhne z.B., damit die Nachfrage stimuliert und die Unternehmen veranlasst werden, zu investieren.
    Tja, deshalb haben solche Maßnahmen auch keinen oder kaum einen Effekt – es wird nicht so gemacht!
    Um die Zockerei an den Finanzmärkten zu beenden brauchen wir ein Trennbankensystem, damit wir die virtuellen “Kasinoerträge” bilanzieren und abschreiben und werthaltige Investitionen erhalten können. (möglichst nachhaltig, etc.).
    Das löst aber noch nicht die Leistungsbilanzdefizite der Eurozone. Flassbeck hat das ja ausführlich erklärt … (s. Vorträge auf YT).
    Tja, da all das nicht mal auf politischer Ebene diskutiert wird, (unserer Mainstrempresse sei “Dank”) werden wir wohl in das nächste Fiasko schlittern. Da kommt einiges zusammen.
    Das Schneeballsystem kommt zu einem Ende – keine Frage. Auch hier gibt es einen “Verteilungskampf”, nämlich die Frage, WER am Ende die Suppe auslöffelt. Seit Zypern wissen wir ja nun genaueres …
    LG Traumschau

    • Vandermonde - 10. Juni 2013

      Ich fand die Ansätze von Werner auch sehr überzeugend, glaube aber, dass er da nur einen Teilbereich beleuchtet. Liest man z.B. Steve Keen, bemerkt man sicher Ähnlichkeiten zu Werner, wobei sich Keen wesentlich stärker auf die Entwicklung der Schulden konzentriert. Im Gegensatz zu Werner sieht Keen eher eine sehr langfristige Fehlentwicklung in der Abkoppelung der Schuldentwicklung von der Produktivitätsentwicklung.

      Ein umfassender Ansatz kann sicher nur von einer wesentlich größeren Gruppe erforscht werden, die es aber in dieser Form anscheinend nicht gibt.

      Vielleicht liegt es auch in der “Natur” der Sache, das sich eher wenig konforme “Einzelkämpfer” damit beschäftigen und die Koordination dann möglicherweise nicht so gut funktioniert. Außerdem sind die Hintergründe und Ansätze oft enorm unterschiedlich. Von Creutz und Kennedy ist es ein ziemlich weiter Weg zu Werner und Keen.

      • SLE - 11. Juni 2013

        Hallo Vandermonde,

        mit dieser Einschätzung haben Sie sicher Recht. Es gibt offenbar keinen umfassenden alternativen Ansatz und wahrscheinlich ist dieser auch nur durch Kooperationen erreichbar, die durch “Einzelkämpfertum” oder schlicht durch Inkompatibilitäten der (Teil-)Ansätze sowie mithin auch der Ökonomen selbst erschwert werden. Keen hat, wie ich ergänzen möchte, übrigens auch die Bedeutung von Konzentrationsprozessen in seinem Ansatz vernachlässigt. Genau das geschieht auch hier im Blog in den Dikussionen immer wieder, speziell bei der Frage der Bedeutung des Zinses-Zins als Krisenursache.

        Viele Grüße
        SLE

  • Holly01 - 7. Juni 2013

    Das Ganze ist tatsächlich eher eine Masensuggestion.

    Der erste Blick läßt nur den Schluß von Dummheit zu. Es müssen am Ende alle verlieren.
    Aber würden die Spieler am Tisch ein Spiel betreiben, bei dem sie nicht gewinnen können?

    Die Regeln für das Spiel machen die gleichen Leute, die das Spiel betreiben.
    Würden die Regeln zulassen, bei denen Sie verlieren (müssen)?

    Wir denken zu eingeschränkt.

    Die´Frage ist zunächst einmal : worum geht es ? Wir wissen es nicht. Wir können nur vermuten.

    Also spekulier ich einmal in das Blaue :

    Die Eliten weltweit haben Angst.
    Man kann unterstellen, die Arbeiter der Welt hätten Gründe sauer zu sein und zu revoltieren.
    Ich unterstelle, die CIA hat über 60 Jahre so viel Mist auf der Welt verursacht, daß es eine pauschale Angst vor inneren Unruhen, die von Aussen geschürrt werden.
    Dazu kommt, daß der Hegemon (eine Mischung aus anglikanisch-zionistischen Kräften, die sich in den Macht- und Finanzzentren verdichten), bisher noch jeden Verbündeten fallen gelassen haben.

    So sehe ich natürlich ein Fieberthermometer : Die Finanzen der USA und der Dollarkurs in Relation zu den wichtigen Währungen.

    Da gährt es aber gewaltig. Der Papiergoldpreis wird unter massivem Kapitaleinsatz gedrückt. Dieses Kapital ist natürlich “gedruckt”, also elektronisch erzeugt.
    Das wäre auch kein Problem, aber die Bindung zum physikalischen Goldpreis geht verloren.
    Das ist dann spannend.
    Der Markt der Derivate auf Gold in London schwimmt und der Markt in Hong Kong musste geschlossen werden. Immerhin stand dort Rockefeller hinter diesem Markt, keine ganz kleine Größe.
    Auffallend ist das Schweigen an dieser Front.
    Politisch wurde das Ganze nicht abgefangen. Kein wahren des “Gesichts”, keine verzögern, um die Derivate abzuwickeln, keine Möglichkeit den Markt erst zu beruhigen und dann unauffällig abzuwickeln.
    Man hat das ganze eher zelebriert. Abziehen des physikalischen Goldes als Grundlage über Wochen und Monate, ein ausbluten und ausweiden, bis zum Zusammenbruch.
    Das Gleiche läuft gerade in London, auch dort bis zum Offenbarungseid.

    Der Krieg CoL/WS – EU/Euro hat den “Westen” ruiniert. Nun kommen die Aufkäufer.

    Die zweite Front ist natürlich die militärische : Syrien / Iran / Afghanistan / Mali

    Die Hegemonialmacht sieht garnicht so gut aus. Syrien? Ein Desater. Iran? Unangreifbar. Afghanistan? Da kommt keiner mehr raus und es kostet. Mali? Die Franzosen wollten sich zwar lieb Kind machen, aber Erfolg sieht anders aus.

    Wenn etwas als Thermometer nutzbar ist, dann die Finanzen der USA und das Verhältniss zu den anderen Währungen.
    Daran kann man ablesen, ob die USA dazu in der Lage sind, die Dollarposition zu halten oder ob ihnen die Entwertung ihrer Währung mit dem Substanzverlust der Realwerte über kurze oder mittlere Zeit den Hals brechen wird.

    Die Frage ist : wird der Dollar selbst zur Blase, weil die Rohstoffbasis entzogen wird?

    Es ist ein Machtspiel, natürlich ist es ein Machtspiel.
    Gewinnt der anglikanische Block, so hat der über Jahrzehnte Europa als Zinszahler ohne Chance auf Konkurrenz und gleichzeitig so viel Gewicht in der Weltwirtschaft, daß jeder Markt erpresst werden kann (wirtschaftlich wie militärisch).
    Wenn die USA sich aber isolieren und die Dollarposition als Weltwährung verlieren, weil die Dollarkosten höher sind, als der Gewinn aus dem Dollar, bricht der Hegemon auch militärisch zusammen.
    Wie weit sind die Linien der USA inzwischen eigendlich überdehnt und werden die Briten die EU im Schach halten können?
    Ich finde das spannend.

    • Traumschau - 7. Juni 2013

      Spannend? Du vergisst, dass hinter diesen Machenschaften Menschenschicksale stehen, die das ganze Desaster letztlich ausbaden müssen. “Spannend” ist wohl nicht die angemessene Wortwahl.
      Ein bißchen mehr Emphatie könnte nicht schaden, oder?
      Noch LG Traumschau

      • Holly01 - 8. Juni 2013

        Werter Traumschau,
        wir leben seit 12 Jahren in einem Kino-Krieg gegen das was man Terror nennt.
        Emphatie ? Moral ? Anteilnahme und Verantwortung ?
        Wir lassen Griechenland untergehen und wissen, wie die Menschen dort leiden.
        Wir lassen die Jugend untergehen und wissen, um deren Perspektivlosigkeit.
        Wie Lassen 80% der kommenden Rentner untergehen, wissend, wie die nachher Hilfe zum Lebensunterhalt brauchen werden.
        Wie akzeptieren Armut bei Menschen die jeden Tag Vollzeit arbeiten.
        Wir akzeptieren die bescheidene Schulbildung unserer Kinder und die bescheidenen Studiengänge unserer zukünftigen Leistunsgträger.
        Wir akzeptieren das unser Grundgesetz mit Füssen getreten wird.
        Wir schauen weg, wenn es um Bestechlichkeit geht.
        Wir bezahlen Banker, damit die uns betrügen, aus Steuergeldern, die nicht einmal reichen, um den Staatshaushalt zu decken und kürzen Sozialleistungen für Promille von diesen Geldern.
        Wir schauen zu wie unsere Patente missbraucht werden.
        Wir haben eine Medienlandschaft die man nicht mit der Kneifzange anfassen möchten und eine Informationsbasis ( Nachrichtenargenturen), die für ein 3.Weltland beschämend wären.
        Wir planen Fracking und versauen damit unser Land, damit man nachher das Geld ausgeben (das wir dann auch nicht haben werden), um die Schäden halbwegs in den Griff zu bekommen.
        Wir lagern Nuklide und schauen zu, wie die Politk ihren Schabanak treibt.

        Entschuldigen Sie die unzureichende und unvollständige Aufzählung aus einem 20 sec brainstorm, aber ich stumpfe so langsam gegenüber diesem ganzen Unrecht ab und hoffe oft nur noch, das es “bumm” macht und dann kommen 12 wirklich bescheidene Monate. Vielleicht fliesst in dieser Zeit genug Blut vermischt mit Tränen, daß man danach aus den Trümmen etwas neues anfangen kann.

        Empathie? Es fliessen schon heute genug Tränen, um jedes Gefühl für Recht und Unrecht wegzuwaschen. Machen Sie einfach die Augen auf ……….

        • Traumschau - 11. Juni 2013

          Werter Holly01,
          Du kannst Dir sehr sicher sein, dass meine Augen weit geöffnet sind! Trotzdem – auch wenn Du recht hast – dürfen wir alle gemeinsam nicht vergessen, dass es immer noch um Menschen geht und nicht nur um richtige oder weniger richtige Wirtschaftsmodelle oder Geldsysteme.
          Das, was die Griechen, Spanier, etc. gerade durchmachen, kann man mit “interessant” nicht adäquat beschreiben, sorry! Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut zahlloser Spanier stecken, die z.B, zwangsgeräumt werden. Ich meine, kannst Du Dir vorstelllen, wie das ist? Was das bedeutet, plötzlich auf der Strasse zu stehen? Mehr habe ich nicht aussagen wollen!
          LG Traumschau

          • Holly01 - 12. Juni 2013

            Du hast uneingeschränkt Recht, Traumschau, es ist nur sehr schwer zu ertragen, das alles zu erleben, wenn man nicht einen (mental) sicheren Abstand herstellt. Eigendlich ist es garnicht zu ertragen.

    • SLE - 7. Juni 2013

      Hallo Holly,

      Nordkorea darf man nicht zu nennen vergessen. Und gerade i.d.Z., aber auch grundsätzlich verdient auch das Treffen von Xi Jinping und Obama heute und morgen in Kalifornien größere Aufmerksamkeit. Beide haben die Bedeutung des Treffens so weit wie möglich heruntergespielt und darauf geachtet, dass es zuvor nicht viel Medienaufmerksamkeit erhält. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass Xi und Obama grundlegende Positionen abklären werden, die das Verhältnis der beiden Staaten betreffen und deren Einflusssphären weltweit, speziell in Süd-Ost-Asien und dem Chinesischen Meer. Xi will die globale Kräftebalance, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zugunsten der USA verschoben hat wiederherstellen. Jedenfalls hat er das bei seinem ersten Besuch in Russland so gesagt.

      Grüße
      SLE

  • JL - 7. Juni 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    ich glaube nicht, dass es ein „durchdachtes Gesamtkonzept“ geben wird und- dies scheint wohl wichtiger- je geben kann.
    Warum?
    In der gegenwärtig globalisierten Welt stehen sich einerseits konkurrierende Großunternehmen, Finanzinstitute aber auch Staaten- je nach Interessenlage- gegenüber, andererseits gibt es nur eine Weltreservewährung. Dies ist ein klarer Vorteil die amerikanische Sicht der Dinge gegenüber dem Rest der Welt aufzuzeigen und durchzusetzen.

    Japan ist hierfür ein gutes Beispiel. Nachdem Bernanke den US$ pro Monat um 85 Mrd. (Trillionen) US$ auch gegenüber den Jen „weichklopfte“ musste Japan abwerten um seine Produkte zu verbilligen. Das Problem für Japan besteht aber nun in deren Globalisierung. Da viele Zulieferbetriebe in das Ausland ausgelagert wurden (z.B. Automobilindustrie) und diese in US$ abgerechnet werden, bleibt der Abenomics- Effekt wohl aus- dies sieht der japanische Aktienmarkt vermutlich ähnlich.

    Gegenwärtig gibt es für Big Money wohl ein Problem. Es gibt für keine Anlagen mehr nennenswerte Renditen. Ähnliches gab es schon mal 1929.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 7. Juni 2013

      Hallo JL,

      es ist richtig, an 1929 zu erinnern. In der Tat dürfte für Anleger das Problem sein, dass sich bei einer ernueten krisenhaften Zuspitzung herausstellt, dass es keine “Rettungsboote” gibt (mal abgesehen von Sachanlagen, zu denen ich Aktien nicht zähle).

      Sie haben auch Recht mit dem Hinweis auf die Vorteile der Leitwährung und ihre Bedeutung gerade in der gegenwärtigen Situation. Gerade auch deswegen hat – wie oben bei einer Antwort an Holly01 schon bemerkt – das Treffen von Obama und Xi Jinping heute und morgen eine m.E. große Bedeutung. China unternimmt viel, um den Leitwährungsstatus des Dollars zu unterminieren.

      Die allgemeine Entwicklung gibt China dabei Rückenwind. Denn in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern beeinflusst ein ausgeprägter Antiamerikanismus inzwischen sogar Wahlen. Denken Sie nur an die jüngsten Wahlen in Malaysia und Pakistan oder Thailand. Dass die etablierten Parteien und Eliten, die für die USA die Brücke in diese Länder sind, so unter Druck geraten, das hat es zuvor so noch nicht gegeben und es wird sich letztlich auf den Handel auszuwirken beginnen.

      In einer Reihe von süd- und mittelamerikanischen Staaten ziehen die Regierungen bereits seit längerem den Handel mit und die Unterstützung durch China vor – nur um sich von den USA unabhängiger zu machen. Und es ist kein Zufall, dass Joe Biden zur selben Zeit durch lateinamerikanische Staaten tourte, um die Handelbeziehungen zu fördern, als auch Xi Jinping dies tat (bevor er nun, als letzter Station, in Kalifornien zu Gesprächen mit Obama eintraf).

      Es würde mich nicht überraschen, wenn sich die Gewichte nach dem Treffen verschieben, ohne das darüber offen geredet wird. Denn die heile Welt sind die USA nicht mehr und alle Machtpositionen werden nicht zu halten sein, schon deswegen nicht, weil dafür das Geld fehlt.
      Es ist m.E. möglich, dass sich der Ausgang der Gespräche mit Xi an den Finanzmärkten bemerkbar machen wird – nicht zuletzt in Japan. Und wer weiß, ob die Fed nicht lediglich diese Verhandlungen abwarten wollte, bevor sie damit beginnt, ihr Anleihenaufkaufprogramm zurückzufahren. Denn das wird in jedem Fall die Märkte reagieren lassen.

      Viele Grüße
      SLE

  • micdinger - 7. Juni 2013

    Auch wenn ein Absturz erfolgen sollte, die Investitionen sind jedenfalls geschützt.

    “Es geht um die Forderung von nicht weniger als 3,7 Milliarden Euro Schadensersatz, die am Ende die Steuerzahler zahlen müssten. Denn Vattenfall beruft sich auf ein internationales Investitionsschutzabkommen. Weltweit gibt es mehr als 3.000 solcher Verträge zwischen Staaten. Eigentlich sollen sie Investoren vor Enteignungen schützen – doch wann immer einem Unternehmen ein Gesetz nicht passt, kann es diese Abkommen nutzen, um Schadensersatz geltend zu machen. ”

    http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2013/0606/recht.php5

  • Frankenfurter - 7. Juni 2013

    Lieber SLE
    ich muss gestehen, nachdem ich auch bei Ihnen den Ausdruck “Die ausufernde Staatsverschuldung” als Fehlerdiagnose gelesen habe, konnte ich nicht mehr weiterlesen.

    Ist es denn nicht gerade diese Schuldenphobie, die fast alle westlichen Volkswirtschaften erfasst hat einer der Hauptgründe für die aktuell stotternde Weltkonjunktur? Ginge es nach den herrschenden Sparaposteln soll heute jeder SPAREN. Der Staat, die Unternehmen, die Konsumenten und selbst die Handelspartner untereinander. Das kann doch nicht gutgehen. Wenn Sie schon den Ausdruck gebrauchen, dann sollten sie dessen Komplementär “ausufernde Geldvermögen” direkt dazu erwähnen, finde ich.

    • SLE - 7. Juni 2013

      Hallo Frankenfurter,

      Sie haben Recht, die ausufernden Geldvermögen müssen selbstverständlich genannt werden. Die Aufzählung war jedoch auch nur eine exemplarische. Ich erhebe damit alos keine Anspruch auf Vollständigkeit.

      Die hohen und weiter wachsenden Schulden sind natürlich ein Problem. Sparen, sparen, sparen ist aber – von den austeritätspolitischen Spar-Aposteln – als Lösung gedacht. Freilich sind wir uns einig, dass einseitiges Sparen auch ein Problem ist und ganz besonders dann, wenn es alle tun.

      Letzteres ist wieder ein eigenes Problem: Seit Beginn der Finanzmarktkrise kopieren die Regierungen nur die Maßnahmenbündel voneinander. Sie haben über den größten Teil der zeitlichen Strecke immer alle nur dasselbe gemacht, was nicht gerade von Kompetenz zeugt, vor allem wenn man die Folgen vor Augen hat. Erst jetzt, mit Shinzo Abe, hat sich das geändert. Von Kompetenz zeugen die Abenomics nach meiner Einschätzung allerdings leider auch nicht und wie gesagt, Kuroda kopiert auch wieder nur – nämlich die Fed.

      Viele Grüße
      SLE

      • Frankenfurter - 7. Juni 2013

        Hat denn je gestimmt, dass monetaristische Maßnahmen wie Zinssenkungen durch die Zentralbank und das staatliche “Quantitive Easing” einen spürbaren Einfluss auf die Konsumgüterpreise und die allgm. Beschäftigungssituation haben?
        Man stelle sich einmal vor, der jap. Premier würde die ganzen frischen Billionen Yen nehmen und direkt in Unternehmen stecken, um etwa eine Wasserstoff- oder Kreislaufwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Und Abe all seinen Einfluss geltend macht, damit die Lohnquote in Japan deutlich steigt und sich wieder die richtigen verschulden – nämlich die jap. Unternehmen – was glauben Sie, wie schnell die Zinsen in Japan steigen, das Inflationsziel von 2% erreicht wird und auch wieder ein jap. “Konsummotor” anspringt. Das wären doch die Stellschrauben, die wirklich und langfristig funktionieren……

    • Vandermonde - 10. Juni 2013

      Laut Steve Keen ist das Problem in der Abkoppelung des Schuldenwachstums von der Produktivität zu suchen. Schulden sind also nicht primär schlecht, sondern es kommt auf das Verhältnis an. Und sowohl bei Keen als auch bei Werner finden wir den Hinweis, dass die Art und Weise der Investition dafür eine entscheidende Rolle spielt.

  • Harald E - 7. Juni 2013

    Wie sähe die Problematik aus, würde man sie von der anderen Seite betrachten ?

    Bisher schauen die Meisten von unten und rätseln, was “die da oben” treiben.

    Einfach mal den Spieß umdrehen.
    Was, wenn ich einer von denen da oben wäre ?

    Dann habe ich
    – Geld
    – Macht
    – kein Problem damit, dass mein Reichtum auf dem Leid anderer Menschen basiert
    – den manischen Wunsch meine gottgleiche Existenz auf ewig zu sichern
    – Zugriff auf weitreichende, qualitativ hochwertige Informationen

    Ich erkenne somit, dass die marodierenden Ressourcen auf dem Planeten zu einem Problem für mich und meinesgleichen wird.

    Was würde ich also -als egomane, raffgierige, weitgehend emotionslose und narzistische Lichtgestalt- nun tun, um meinen Status Quo zu halten ?
    Und das -ungeachtet der Opferzahlen- auf eine für mich ungefährliche Art und Weise

    3-2-1…Kopfkino ab:

    Also ich seh da solche Dinge wie
    – Installation von wachsweichen Politmarionetten (gerne mit symphatischer Aussenwirkung bei gleichzeitiger Abschaffung demokratischer Grundwerte)
    – heranzüchten skrupelloser “Gesetzeshüter”
    – Konditionierung der Normalbevölkerung durch Kontrolle der Medien und Bildung
    – Resignation verbreiten ( Informations-Overkill, streuen widersprüchlicher Meldungen, zeigen von Bildern brutaler Polizeigewalt gegen vglweise harmlose Demonstranten )
    – Massenüberwachung
    – Polit-Blogger und Kabarettisten mit Informationen versorgen, die sie in die Lage versetzen ordentlich über mich zu ätzen und somit als Überdruckventil den Dampf im Gesellschaftskessel reduzieren ;-))
    – schleichende Reduzierung der Lebenserwartung in der Gesellschaft durch Kontrolle / Manipulation der Existenzbedürfnisse wie Wasser, Nahrung und ärtzliche Versorgung

    Zum Glück nur Kopfkino

    😉

  • Frankenfurter - 7. Juni 2013

    “egomane, raffgierige, weitgehend emotionslose und narzistische Lichtgestalten” sollen die Superreichen sein? Mit Sicherheit sehen die sich nicht so. Sie sehen sich vielmehr als “Arbeitgeber”, die viele in ihrer unmittelbaren Umgebung ganz schön reich machen. Im übrigen schätze ich sie als ausgesprochen risikoaverse und sicherheitsbewußte Persönlichkeiten ein, die sich in keiner Weise als raffgierig verstehen. Bill Gates ist wohl eine Ausnahmeerscheinung in dieser kleinen Vermögenselite. Aber ich habe den Eindruck, dass er innerhalb seiner Peergroup ein echtes Vorbild geworden ist. Ein Problemfall stellen somit in erster Linie die Mit-und Zuarbeiter der Superreichen dar, die danach streben den Status ihrer Herren und Meistern zu erreichen. Ein Streben, das Stufe für Stufe nach unten weitergegeben wird. Das ist kein Kopfkino, das ist die Realität!

    • Harald E - 7. Juni 2013

      Natürlich sind das “.. ausgesprochen risikoaverse und sicherheitsbewußte Persönlichkeiten ”

      Realität ist aber auch, dass ein sozial kompetenter Mensch (gesegnet mit Empathie, Mitgefühl und menschl. Verantwortungsbewußtsein) niemals Milliardär werden kann. Unmöglich.
      Milliardär werden andere

      Ihre Sicht zu den Mit- und Zuarbeitern der Superreichen teile ich nicht.
      Die sind nur Mittel zum Zweck….ein (hier als Synonym benutzter) “Rothschild” begibt sich nicht in die Niederungen der Arbeit….allein kriegt er’s aber auch nicht hin.
      Die benötigten Mit- und Zuarbeiter dürfen sich ein gewisses Maß an Status und Teilhabe erarbeiten, haben ansonsten aber einfach nur zu funktionieren und wie der übrige Rest im Staub zu liegen. Ein “Rothschild” läßt sich nicht am Stuhl sägen. Unmöglich.

    • SLE - 7. Juni 2013

      Hallo Frankenfurter,

      ich wäre sehr vorsichtig damit, Bill Gates ob seiner Spendenwilligkeit in den Himmel zu heben. Das Geld fließt in Projekte von denen Firmen profitieren und am Ende landet das Geld wieder bei ihm. So ist das auf in einer hochkonzentrierten, von Global Playern dominierten Weltwirtschaft. Und die Amerikaner waren schon immer sehr auf ihren Vorteil bedacht. Sie wissen, wie man das sicherstellt.

      Grüße
      SLE

  • Frankenfurter - 7. Juni 2013

    Die Donald Ducks dieser Welt haben unterschiedliche Temperamente. Da sind bestimmt jede Menge autoritäre Überzeugungstäter ala Rothschild darunter. Aber die Reichen sind das Leitbild, das viele, wenn nicht die allermeisten anstreben.
    Das Sein bestimmt das Bewusstsein. An der Wahrheit dieses Satzes hat sich wenig geändert seit Marx. Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass die mentale Zugehörigkeit zu den Reichen und Superreichen dieser Welt erst bei einer Mio Jahreseinkommen oder darüber beginnt. Das “Reichenfeeling” ist schon massenhaft verbreitet bei allen, die vom Einkommen her knapp über dem Median liegen. Und der Einkommensmedian liegt in Deutschland bekanntlich bei etwa 1250 netto im Monat…

    • Harald E - 7. Juni 2013

      Na aber…
      Ich red doch von den ober-obersten Superreichen, dem Gipfel des Macht- und Goldolymps und nicht von denen, die ein mentales Zugehörigkeitsgefühl oder Reichenfeeling 🙂 entwickeln/anstreben weil sie -in den Berghängen des Olymp strampelnd- ein paar Tausender oder Milliönchen angesammelt haben.
      Nene…
      Die Strampler mein ich nicht….das ist ja ne ganz andere Ebene.

      • Frankenfurter - 7. Juni 2013

        Selbst wenn nur die Gilde der Superreichen die Weichen auf dem Globus stellt. Ohne die Milliarden ihrer großen und kleinen Helferlein, könnten Sie das keine Minute lang tun.

  • Frankenfurter - 7. Juni 2013

    Die Dagoberts dieser Welt. Sorry für den Freudschen Verschreiber 😉

  • Bubblegum - 7. Juni 2013

    @ Traumschau

    “Die Geldspritzen der Zentralbanken kann nur dann Erfolg haben, wenn
    1. die Kreditvergabe in produktive Investitionen erfolgt. Dazu bedarf es einer Kreditlenkung (s. Japan nach 1945) durch die ZB´s.
    2. die Kaufkraft der Bevölkerung erhöht wird – durch höhere Löhne z.B., damit die Nachfrage stimuliert und die Unternehmen veranlasst werden, zu investieren.

    Ich formuliere meine Kritik mal wieder drastisch und überspitzt, weil ich dieses Dummgeschwätz
    der Volkswirte einfach nicht mehr abkann. (richtet sich nicht gegen Sie Traumschau).

    Was bitte schön ist das Merkmal einer einer produktiven Investition?
    Nehmen wir die Solarindustrie: Kein Mensch wird bestreiten, dass die Vertrräge für Reinstsilizium,
    Wafer etc. die Flassbeck und andere mit zum Teil Laufzeiten von > 10 J abschlossen, produktive Investitionen waren und immer noch sind. Bis kurz vor dem Insolvenzantrag meldete Q-Cells als weiteren Erfolg,den Wirkungsgrad von Solarzellen auf 20% gesteigert zu haben, das Blatt einer
    Pflanze hat ca. 8%. Trotzdem waren die produktiven Investitionen in Forschung und Entwicklung mit einem Euro Erinnerungswert auszubuchen!
    Ein Kreditlenkungsmechanismus hätte daran nichts geändert, weil der implizit voraussetzt, das Menschen die Zukunft vorausssehen können!
    In einer nachfragegesättigten Gesellschaft helfen höhere Löhne auch nicht mehr, weil der Überschuss nicht mehr in Konsum umgesetzt wird. Bleibt nur die Zockerei an den Finanzmärkten,
    die sind und bleiben nur Buchgewinne. In meinem Alter kann ich das sehr deutlich beschreiben:
    Ich brauche weniger zu Essen als früher, meine Ausgaben für Lebensmittel sind totz Umstiegs
    auf bessere Qualitäten geringer als früher, Wohnungseinrichtung und Haus habe ich. Ich kann nur
    maximal 2 Handys gleichzeitig bedienen, da ich nur zwei Hände und zwei Ohren habe!
    Was ich beschreibe ist das Grundproblem aller alternden Gesellschaften! Vor 160 Jahren hat Marx
    schon von einer Überproduktionskrise gesprochen!
    Deswegen muss Abe scheitern!
    Viele Grüße Bubblegum

    • Frankenfurter - 9. Juni 2013

      @ Bubblegum

      “In einer nachfragegesättigten Gesellschaft helfen höhere Löhne auch nicht mehr, weil der Überschuss nicht mehr in Konsum umgesetzt wird. Bleibt nur die Zockerei an den Finanzmärkten…”

      Diesen Satz müssen Sie mir anhand der realen Lebensverhältnisse erklären. 😉

    • Vandermonde - 10. Juni 2013

      Die Kreditlenkung, wie bei Werner beschrieben, ist eher ein Branchen bezogenes Instrument. Sie hätte z.B. dazu geführt, dass die Immobilienkredite nicht so sehr ausgeweitet werden hätten können (sofern nicht mißbraucht, wie ebenfalls von Werner beschrieben).

      Man muss nicht die Zukunft vorhersehen können, um eine solche Ausweitung der Immobilienkredite als nicht sinnvoll zu erkennen. Dasselbe gilt z.B. auch für völlig überzogene Infrastrukturinvesitionen in Spanien.

      Wenn jeder Private selbst entscheidet, kommt ein unkoordiniertes Chaos heraus – nix mit unsichtbarer Hand. Hier würde eine übergeordnete Lenkungs- und Kontrollinstanz sicher helfen, so wie Planung eigentlich i.a. meist hilft.

      Man würde ja auch kein Gebäude bauen, wo jede beteiligte Firma einfach das tut, was für ihn den optimalen “Nutzen” bringt. Dieses Gebäude würde ich dann gerne sehen.

  • Bubblegum - 7. Juni 2013

    @Frankenfurter,

    “Mit Sicherheit sehen die sich nicht so. Sie sehen sich vielmehr als “Arbeitgeber”,

    An ihrem Satz sieht man mal wieder wie perfekt die Gehirnwäsche funktioniert. Arbeitgeber sind, die
    die am Band Autos zusammenschrauben, Müll beseitigen etc.. Und Arbeitnehmer sind die Bosse,
    die ihre seelenlosen Bänder ohne diese Menschen gar nicht zum Laufen brächten. Da würde ihnen
    ihr ganzes Geldkapital nichts aber auch gar nichts nutzen! Denn auch Roboter müssen erst einmal programmiert werden. Und ins Risiko gehen die Menschen, die wie der Blitzschutzmensch, den ich
    gestern sprach, ihre Montagearbeiten an der Kirchtumspitze in 55 m Höhe ausführen!
    Viele Grüße Bubblegum

    • Frankenfurter - 7. Juni 2013

      Sehe ich natürlich ganz genauso. Der Ausdruck Arbeitgeber hat was ideologisches. Genau wie das Wort vom Arbeitsmarkt. Ich meine selbst unter idealen Bedingungen von Vollbeschäftigung ist das kein freier Markt, bei dem sich der Lohn über Angebot und Nachfrage bildet.

    • Frank Bell - 7. Juni 2013

      @ Suzann

      Soll das ein Witz sein?

      Friedrich behauptet einerseits, dass die staatliche Rentenversicherung ein Schneeballsystem sei (Was natürlich Werbung für die sog. kapitalgedeckte Rentenversicherung ist, wem jetzt schlecht wird, ist auf der richtigen Fährte!), um auf der anderen Seite zu sagen, dass das Geld auf den Banken nicht mehr sicher ist.

      Der Typ ist ein Neo-Liberaler!

      Übrigens: Die Spanier gehen nicht auf die Strasse, sondern kommen nach Deutschland. Laut FAZ haben wir Vollbeschäftigung.

      Und seine Sachwerte wie Gold und Silber: Roosevelt lässt grüssen. DAS ist zuerst weg.

    • Frankenfurter - 7. Juni 2013

      @ suzann
      hat Ihr Finanzmarkt-Spezialist wirklich Recht, wenn er meint, dass Regionen mit unterschiedlichen Produktivitäten nicht eine gemeinsame Währungen haben können? Das sagen die meisten Wirtschaftsweisen und Mainstreamökonomen am laufenden Band. Deswegen wird es nicht wahrer. Und wenn die AfD endlich die unterschiedlichen Lohnstückkosten in der EU auf den Radarschirm holt, macht sie den kapitalen Fehler, die zu niedrigen Löhne in Deutschland einfach nicht in das Gesamtbild mit einzubeziehen. Im übrigen bedenken Sie, dass die Schulden der einen immer die Einkommen der anderen sind. Deswegen ist nicht die Frage der Schuldenhöhe interessant, sondern wofür man sich verschuldet. Denken sie an den bayrischen “Kini Ludwig”. Seine Zuckerbäckerbauten wie Neuschwanstein betrachteten die Zeitgenossen als eine unglaubliche Verschwendung, Heute sind diese Burgen ein schier unerschöpflicher Quell von Einnahmen des Freistaates Bayern. Denn die ganze Welt will diese Geschmacksverwirrung des Schuldenmachers Ludwig sehen…….

      • JL - 9. Juni 2013

        Hallo Frankenfurter,

        bei Ihrem Beispiel zu den Bauten König Ludwig II übersehen Sie offenbar die bis heute durchgeführten Währungsreformen in Deutschland (Gesamt 6 mit Euroumstellung) seit 144 Jahren- der Bau Neuschwansteins wurde 1869 begonnen.

        Im Übrigen gibt es einen Länderfinanzausgleich, welcher auf Grund unterschiedlicher Produktivität einzelner Bundesländer in Deutschland seit 1950 bis dato existiert.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

        • Frankenfurter - 9. Juni 2013

          Ich verstehe ihre Antwort als Bestätigung dafür, dass Schulden/Kredite immer Einnahmen generieren. Im Falle der Schulden des bayr. Königs sogar sehr viele Einnahmen. Nur wenn dereinst es kein Neuschwanstein mehr existiert, wird es niemanden mehr anlocken können, der mit Yen, Dollar, Euro oder D-Mark eine Eintrittskarte lösen will.
          Da sie den Steuerausgleich zwischen den deutschen Bundesländern ansprechen. Ich nehme an, dass Sie damit sagen wollen, dass “Geberländer” wie BW oder Bayern ein Verlustgeschäft machen. Stimmt das eigentlich? Setzt BMW wegen des Länderfinanzausgleich einen Wagen weniger in Deutschland ab? Würden die Bayern ihren Leberkäse lieber selber essen, anstatt ihn massenhaft auch in Kiel zu verkaufen? Fließt das Steuergeld, das von München nach Kiel transferiert wurde über viele Kanäle nicht doch wieder nach München zurück und füllt dort die Steuerkasse des Freistaates wieder auf?
          Ps. Abgesehen davon, dass zb. viele Facharbeiter, die in S-H ausgebildet wurden auch in Bayern arbeiten.

          • JL - 10. Juni 2013

            Hallo Frankenfurter,

            Sie haben genau dann Recht, wenn der Schuldner seine Kredite bei dem Kreditgeber abbezahlt. Es kommt ja nicht von ungefähr, daß gerade Banken die schönsten und tollsten Bürotürme bezogen haben. Diese monetären Luftschlösser erhielten zusätzlichen Auftrieb durch erwartete 25% Rendite in deutschen Landen bei deutschen Banken- und dies auch noch Anfang 2008, in schweizerischem Deutsch zwar vorgetragen, aber ernsthaft erwartet. Nur leider konnten die Schuldner diese Erwartungen auf Dauer nicht erfüllen. Das Ergebnis ist der Zustand per Anno, entsprechend dem Aufbau des Geldsystems und dessen zeitlicher Verschuldungsabfolge.

            Ich habe bewußt das Jahr 1950 genannt um den langen Zeitraum des Länderfinanzausgleichs darzustellen, es sind nunmehr erst 63 Jahre.
            Hat sich außer den Zahlungen etwas objektiv wesentlich geändert? Wohl eher nicht!
            Nichts gegen Hilfen, aber Hilfen müssen zeitlich begrenzt werden sonst werden diese nicht nur Normalität, letztendlich bildet sich geradezu eine Erwartungshaltung aus diesen vorangegangenen Hilfen heraus. Dies betrifft nicht nur Bundesländer oder Industrien, es betrifft alles was dauerhaft subventioniert wird.

            Im Übrigen gilt dies auch für Steuern. Mit dem Kauf einer Sektflasche zu einem besonderem Anlaß steuern Sie auch heute noch Ihren Obolus zum „Kriegsglück“ Wilhelm II im ersten Weltkrieg bei.

            Respekt Frankenfurter, das nennt sich dann wohl Kaisertreue. 🙂

            Mit freundlichen Grüßen

            JL

  • Huthmann - 7. Juni 2013

    Hallo SLE,

    ich sehe das genauso wie Sie und viele Mitkommentatoren, daß wir auf einer riesigen ungedeckten Geldblase sitzen, die in keiner Beziehung zu den Realwerten dieser Welt ist.

    Andererseits was ist mit dem Goldpreis? Der müßte doch eigentlich nach oben “rauschen”?

    MfG

    • Frank Bell - 7. Juni 2013

      Der Silberpreis ist da, wo er vor 5,5 Jahren war.

      Und der Goldpreis ist auf gutem Wege dahin.

      Niemand wählt den angeblich sicheren Hafen, denn er ist keiner.

      Keine Zinsen, keine Kurssteigerungen. Nichts. Glänzender Schrott.

  • Frank Bell - 7. Juni 2013

    Sämtliche Crashpropheten haben sich geirrt. Immer wieder. Und tun es auch jetzt noch!

    Immobiliencrasch, Bankencrash, was auch immer.

    Der DAX steht höher als 2000. Wer hätte das gedacht?

    Der DAX steht höher als 2008. Wer hätte das gedacht?

    Der Dow Jones steht höher als 2000 und 2008. Wer hätte das gedacht?

    Kein Crash, kein 3. Weltkrieg, keine Erdölknappheit, keine Massenverelendung dank sozialer Hilfen in Europa! (Und bevor jemand schreit: Warum kommen denn so viele Flüchtlinge? Doch wohl, weil wir immer noch genug haben und geben können!)

    Nicht einmal die DAX- und Dow-Stände der 90er Jahre wurden erreicht.

    WAS SOLL DAS für eine Krise sein? Die Welt prosperiert! Selbst Asylanten haben zwei oder drei Handys. Welche Familie kommt mit einem Auto aus? Etc. pp.

    • Vandermonde - 10. Juni 2013

      Das relativiert sich aber, wenn man Roubinis Buch mit der Analyse zum Crash liest. Darin wird ziemlich deutlich wie knapp das Ganze war (und das läßt sich vom Potential ohne Weiteres mit 1929 vergleichen). Wäre nicht Bernanke Chef der FED gewesen, wäre die Stabilisierung möglicherweise grob schief gegangen und sie hätten diese Feststellung hier nicht getroffen.

  • Frank Bell - 7. Juni 2013

    Ach so, bevor ich niedergemacht werde:

    Schaut euch doch einmal den Dow Jones Transportation Index an!

    Bei einer Krise geht der Transport doch nicht ständig in die Höhe. Die US-Eisenbahngesellschaften – die im Gegensatz zur Bahn von der Last des Passagierverkehrs befreit sind – machen Gewinne bis zum abwinken.

    Weil eben viel Material umgeschlagen und transportiert wird. Soviel zur Krise.

    • Holly01 - 7. Juni 2013

      @ Frank Bell :
      Ein kleines Bildniss : Sie kommen in das Cockpit eines Flugzeugs, in dem alle dasitzen und spekulieren ob der Pilot die 4 ausgefallenen triebwerke wieder zum laufen bekommt und wie lange der Pilot die nase vom Flieger noch oben halten kann.
      Ihr Kommentar : legen Sie die Checkliste weg, nichts spricht für eine Krise. Wir werden schneller. Wir haben mehr Kerosinreserve asl je zuvor und die Gefahr eines Druckabfalls in der kabine ist nahe Null, also eher besser als Normal.
      Wir spekulieren lieber weiter (ich zumindest), ich würde die Checkliste auch nicht beruhigt zur Seite legen.

  • Basisdemokrat - 7. Juni 2013

    Interessant, was hier so der eine oder andere als Kriese interpretiert.

    [audio src="http://www.boeckler.de/pdf/v_2011_03_15_podiumsdiskussion.mp3" /]

    Zwischen Wirtschafts- Darwinismus (Schmalspur HO-Henkel) und Reformismus zur Wiederherstellung des Status Quo (Horn-Flassbeck-Schulmeister) bewegt sich die Europäsche Geisteshaltung in die große Krise hinein. Eine Realsatire am Rande des Abgrundes.
    Im Moment lese ich gerade aus Heiner Flassbecks neuem Buch “Handelt jetzt! Das Globale Manifest Zur Rettung Der Wirtschaft” den Abschnitt von Paul Davidson” Unsicherheit und das ergodische Axiom”, hört sich komplizierter an, als es ist. Wenn man diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, wir klar, dass man dem Wagenlenker befiehlt wohin er seine Rösser lenken soll.
    Gruß BD

  • Michael - 7. Juni 2013

    Diese Fieberthermometer sind doch im Artikel genannt. Alle im Roten Bereich. Wenn JunkBonds mit Renditen vo 5%, Aktien und Wertpapierkredite auf Allzeithochs nicht reichen, blieben als Kontrastprogramm noch sowas wie Harper-, BalticDry und BalticTanker. Alle am Boden festgenagelt. Deshalb oder warum, relativ hohe Ölpreise ? Wie lange glauben die uns noch veralbern zu dürfen ? Wenn das so weiter geht, wähle ich die NPD. Das ist sicherer als das Amen in der Kirche. Die USA schleppen sich mühselig aus einem Niveau der Rezession von 1992 hoch, Europa ist fest in der Rezession gefangen und an den Zahlen der Chinesen kann nichts stimmen. Zusammengenommen eine solide Weltwirtschaftskrise, zu der an den Börsen der Abgesang geliefert wird. Hier meine ganzen Unterstellungen auf einen einzigen Blick:
    http://www.tradingeconomics.com
    Damit es nicht langweilig wird:
    http://usdebtclock.org/
    das noch als Ergänzung.
    Heute wird an den Börsen die höhere US-Arbeitslosigkeit gefeiert, nächste Woche die sinkende und übernächste Woche die Tatsache, die alle seit Jahren kennen, nämlich dass die FED ihre Geldpolitik nicht strafft und Obamacare den Dollar weiter zuverlässig ruiniert. Na prima (:?:).

  • Frank Bell - 7. Juni 2013

    NPD? Der Verfassungsschutz bekommt meine Stimme ganz sicher nicht!

    Die Daimler-Aktie notiert NICHT auf Allzeithoch! Und das trotz eines Absatzrekordes!

    Trotz einer Schwäche auf dem Heimatmarkt hat der Autohersteller Daimler einen neuen Absatzrekord für den Monat Mai aufgestellt.

    Weltweit setzten die Schwaben 130 040 Fahrzeuge der Marken Mercedes, AMG, Smart und Maybach ab, wie Daimler am Mittwoch mitteilte.

    Das waren 6,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

    Was meinst du, was erst los ist mit den Aktien, wenn die wirtschaftliche Erholung so richtig einsetzt?

  • Valentin - 7. Juni 2013

    Mal ein paar einfache Überlegungen eines Nichtökonomen zu dem Thema „Fieberthermometer für die Bubblenomics“.

    Wenn ich meine persönliche wirtschaftliche Situation betrachte, so ist für mich entscheidend das Verhältnis von Einkommen zu Ausgaben bzw. Schulden. Genauer gesagt: Das Verhältnis der Einkommensänderung ∆E zur Ausgabenänderung ∆A
    (∆E/∆A). Wenn das Einkommen schneller wächst als meine Schulden (∆E > ∆A) bin ich auf einem gesunden Weg. Umgekehrt, wachsen meine Ausgaben bzw. Schulden schneller als mein Einkommen (∆A > ∆E), bin ich auf dem Weg in den Bankrott. Jeder zusätzliche Kredit ist ein weiterer Schritt in Richtung Abgrund und kein Heilmittel. Entscheidend ist also nicht das statische Verhältnis E/A sondern das dynamische Verhältnis ∆E/∆A. Das ist das Fieberthermometer und wird, so glaube ich, von vielen Ökonomen schlicht übersehen.

    Jetzt kommen die schlauen Ökonomen und sagen: „Du musst deine Ausgaben bzw. Schulden senken“! Also sparen a la Frau Merkel, bis zumindest das Schulden- bzw. Ausgabenwachstum ∆A nicht größer ist als dein Einkommenswachstum ∆E (∆A ≤ ∆E).
    Das leuchtet dem Normalbürger ein, entspricht aber nicht der volkswirtschaftlichen Realität. Warum?

    Das Moment (Entschuldigung, bin Ingenieur), welches den Bruch ∆E/∆A beherrscht, ist (es klingt seltsam) die Art unseres Geldsystems. Der Bruch ∆E/∆A (nicht E/A) ist ein Signum für die Produktivität der Schulden (Bei ∆E = ∆A wäre sie Null).

    Unser Geld ist jedoch umlaufende Schuld. Jedes Geld ist eine Schuld, geboren aus einem Kredit (Im Goldstandard ist Geld umlaufendes Vermögen. Das ist eine ganz andere Qualität). Bedauerlicherweise ist aber in unserem schuldenbasierten Geldsystem immer zu wenig Geld vorhanden, weil bei der Auszahlung des Kredits zwar die Kreditsumme ausgezahlt wird, aber nicht die Zinsen. Das Geld für die Zinszahlung fehlt ständig. Also bitte den nächsten Kredit und wieder den nächsten usw. Das ist ein wunderbares Schneeballsystem. Also Frau Merkel kann sich auf den Kopf stellen und Jodeln, wirklich sparen im Sinne von Schuldenverringerung wird ihr nicht gelingen und sollte sie trotzdem Erfolg haben, wird sie mit Verwunderung feststellen, dass ihr der ganze Laden über dem Kopf zusammenbricht. Es gäbe eine Kettenreaktion der Schuldenzusammenbrüche. Das wäre der Systemkollaps.

    Dann doch lieber weiter Schulden machen, notfalls Geld drucken und nicht zu knapp. Ein Schneeballsystem wächst nämlich exponentiell. Die Produktivität der Schulden also unserer Zahlungsmittel wird dabei immer miserabler. Sehr unangenehm. Obama hat z.B. in seiner ersten Amtsperiode soviel Schulden gemacht wie 42 Präsidenten vor ihm zusammen. Am Ende ist die Leitung verstopft und nichts geht mehr. Unser Schneeballsystem egal ob Schuldenwachstum oder Schuldenverringerung endet immer im Kollaps. Wann der Kollaps kommt wissen wir nicht, nur dass er kommt, ist sicher. Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass die Lawine verdammt an Fahrt zunimmt.

    • timon - 8. Juni 2013

      Hallo Valentin. Angenommen du bist mein Banker und ich bin Fabian – von Beruf sagen wir, bin ich Metzger – und wir beide sind die einzigen Marktteilnehmer in unserer erdachten Welt. Du leihst mir 100 Geldeinheiten und ich muss sie am Ende einer vereinbarten Zeit, wieder bei dir abliefern, gleichzeitig willst du laufend Zinsen von mir haben jeden Monat und zwar so, dass 5% Verzinsung im Jahr zusammenkommen. Wenn du nun von den Zinsen, die ich dir jeden Monat zahle, bei mir Schnitzel kaufst, damit du was zu Essen hast das Jahr über, habe ich am Ende des Jahres die 100 Geldeinheiten nach wie vor komplett beisammen und kann sie dir zurückgeben. Wo fehlt da der Zins?

      Gut, der Sinn dieses Kredits ist in so einem MInimalsystem nicht wirklich gegeben, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Zinsen von der Bank nicht ebenso vernichtet werden, wie das geschöpfte Geld bei Tilgung des Kredits. Auffällig ist höchstens, dass du das ganze Jahr über Schnitzel essen kannst, obwohl die Leisung des Geldschöpfens und des Geldeingänge Überwachens vielleicht nicht ganz der Gegenleistung der aufwendigen Schitzelerzeugung entspricht. Und du könntest böse und verschwörerisch handeln und eine Weile Hungern und mich damit tatsächlich in ernste Bedrängnis bringen. Aber wer glaubt schon an Verschwörungen.

      An sonsten stimme ich deinen Ausführungen zum Quotienten ∆E/∆A absolut zu. Nur kann man auch eine Weile mehr Schulden anhäufen als Einkommen zu generieren um dann in einer anschließenden Phase “frisch gestärkt” umso mehr Einkommen zu erzeugen – oder hast du schon während deinem Studium ständig ein positives Signum deiner persönlichen Schuldenproduktivität verzeichnen können?

      • Valentin - 8. Juni 2013

        Hallo Timo, das Geschäft mit dem Metzger Fabian ist eine interessante Variante. Ich schlage dir vor, ich gebe dir meinen Hut für eine gewisse Zeit. Dafür, dass du ihn tragen darfst, zahlst du mir 5% Zinsen. Für die 5% erhalte ich dann deine Schnitzel. Am Vertragsende gibst du mir meinen Hut zurück. Für unser Geschäft bräuchten wir überhaupt kein Geld, d.h. die genannten 100 Geldeinheiten erfüllen gar nicht die Funktion von Geld.

        Geld ist also etwas, was man offensichtlich benötigt, wenn der Hut als Deckung der Schuld von anderen Geschäftspartnern nicht akzeptiert wird. Du musst ja das Schwein kaufen, um deine Schnitzel zu produzieren. Geld muss wohl für den Umlauf auf einem Markt geeignet sein und diese Funktion auch wahrnehmen.

        Und nun sind wir doch wieder bei dem Problem. In unserem Schnitzelmarkt kreisen
        100 Geldeinheiten, die für alle möglichen Dinge genutzt werden. Der Markt muss aber nach, sagen wir einem Jahr, 105 Geldeinheiten ausspucken. Davon sind 5 nicht vorhanden. Die vorhandenen 100 Geldeinheiten kann man dem Markt aber nicht nehmen. Er wäre dann nicht mehr funktionsfähig. Also muss man den Kredit erneuern, wegen der Zinsen mit einem Betrag von 105 Geldeinheiten, wobei 5 Geldeinheiten sofort an die Bank gehen. Der Kredit wird somit nie gelöscht, sondern nur mit dem addierten Zins fortgeschrieben. Das ist der Schneeball. Die Verschuldung wächst exponentiell.

        Bei der wachsenden Verschuldung muss der Schnitzelmarkt aber trotzdem einen Gewinn abwerfen, der zumindest zur Deckung der wachsenden Verschuldung nötig ist. (Natürlich muss er etwas größer sein, du willst ja auch mal ins Konzert gehen.) Das wird ihm aber von Jahr zu Jahr schwerer fallen. So wie er nun mal ist, schafft er es schließlich nicht mehr, wenn die Verschuldung zu groß ist. Jeder weiterer Kredit ist dann nur noch ein weiterer Schritt in den Abgrund. Er bringt keine Rettung mehr, sondern nur den totalen Ruin. Dann geraten aber beide Seiten ins Trudeln, der Markt, weil er den Kredit nicht mehr zahlen kann und die Bank, weil sie den Kredit abschreiben muss. Überschreitet die Abschreibung das Eigenkapital der Bank, so ist sie bankrott (das Eigenkapital unserer Banken ist nicht sehr hoch).

        Vielen Dank für deine Anregung. Sie hat mich zum Nachdenken bewegt. Schließlich ist ein Ingenieur kein Finanzexperte, doch auch diese Dinge sollten einer allgemeinen Logik folgen, wenn es auch wie Zauberei aussieht.

        • timon - 8. Juni 2013

          Deine Variante mit dem Hut trifft insofern nicht den Kern der Problematik, da sie voraussetzt, dass das Zahlungsmittel für die Miete des Huts bereits existiert. Die “fehlenden Zinsen” hingegen bezeichnen ja eher das genaue Gegenteil: Obwohl die Mietsache ebenfalls Zahlungsmittel ist, soll in einem entsprechend gewählten Bezugssystem immer der aufzubringende Zins eben nicht vorhanden sein und damit die Fortschreibung und exponentielle Entwicklung der Schulden begründen. Das ist meiner Meinung nach aber nur bei einer gleichzeitigen Fälligstellung aller ausgegebenen Kredite der Fall oder wenn die Zinsen, die unterjährig an die Kreditgeber fließen dort in einem schwarzen Loch verschwinden und dem Kreislauf entzogen würden – das letztere ist – zugegeben – teilweise der Fall.

          Sicher ist mein Schitzelbeispiel kein besonders lebensnahes. Wenn man nicht von einem Metzger mit angeschlossener Schweinezucht samt Landwirtschaft ausgeht, muss da noch ein umfangreicherer Markt mit Zulieferern und anderen Quellen und Senken für Geld sein, der allerdings alles entsprechend kompliziert. Um dann trotzdem noch etwas aussagen zu können, bleibt nur entsprechend zu abstrahieren und nur noch Saldenmechanik betreiben.

          Ich bin nicht grundsätzlich der Meinung, dass unser Geldsystem keinem Schneeballprinzip folgt, allerdings glaube ich, dass der Zins eher einen kleineren Anteil am Aufblähungseffekt hat, als zum Beispiel die wachsenden Bezugsgröße “Sicherheiten”. Wenn durch Kredit immer mehr Kaufkraft im Markt zur Verfügung steht inflationieren besonders die nicht kurzfristig beliebig vermehrbaren Werte wie Gebäude und Boden und blöderweise werden diese nun höher bewerteten Assets auch noch für neu auszugebende Kredite als Sicherheiten genommen und ermöglichen damit eine exponentiell steigende Verschuldung des Gesamtsystems.

          Außerdem gibt es den durchschnittlichen Kreditnehmer ja eher selten, bei dem im Mittel alles gut geht und der seinen Kredit am Ende zurückzahlen kann. Es sind eben einige, die wirtschaften äußerst erfolgreich und eignen sich so einen ordentlichen Teil der Kredite der anderen an, während einige andere weniger erfolgreich sind und außer der laufenden Zinszahlung nicht in der Lage sind, den Kredit substantiell zu tilgen. Deren Kredit muss entsprechend verlängert werden und kostet weiter Zinsen. Allerdings keine Zinseszinsen, das dürfte die absolute Ausnahme sein, denn sie trifft höchstens Marktteilnehmer, die schlicht bankrott sind. Und in solchen Fällen wird im allgemeinen zeitnah gepfändet, wodurch der Kredit verschwindet und die Zinsen auch nicht mehr länger zu zahlen sind.

          Viel problematischer ist, dass die erfolgreichen Marktteilnehmer nun das Geld offenbar horten oder es in spezialisierten Casinos einsetzen, die am Umlauf des realen Marktes gar nicht mehr teilnehmen. Damit wird es den bisher weniger erfolgreichen Kreditnehmern sehr erschwert, die nötigen Gewinne einzufahren, um den Kredit wie geplant tilgen zu können. Eine Möglichkeit dafür wäre eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit, aber wo sich dies nicht von selbst einstellt, bleiben die Kredite wohl schlicht bestehen und müssen durch entsprechende Anschlusskredite fortgeführt werden.

          Exponentiell oder schneeballartig ist aber auch dieser Teil nicht wirklich. Die hier immer weiter (eher linear) ansteigende Kreditmenge ist einfach eine Folge der Möglichkeit der Geldhortung und der Tatsache, dass sich ganz wesentliche Teile der vorhandenen Zahlungsmittel in “Paralleluniversen” herumtreiben anstatt im realen Markt zu zirkulieren.

          Abschließend muss ich noch sagen, dass auch ich kein Finanzexperte bin sondern ebenfalls Ingenieur. In unserem momentanen Geldsystem liegt eine Menge im Argen, soviel kann man auch als Laie sehen, aber ich glaube nicht, dass es der Zins ist. Dieser ist ja nun eh fast bei Null und damit sollten unsere Probleme ja eigentlich verschwunden sein… nur sind sie das?

          Die Diskussionen hier im Querschüsse-Forum verfolge ich aber nun schon seit Jahren mit großem Interesse und freue mich ebenfalls, dass man hier Anregungen für neue Sichtweisen en masse finden kann und sich mit Leuten austauschen, die ebenfalls nach mehr Durchblick streben.

        • timon - 8. Juni 2013

          Sorry Nachtrag: Jetzt erst habe ich deine ersten beiden Absätze richtig verstanden. Du meintest, die 5% Mietzahlung für den Hut leiste ich direkt in Schnitzeln, also ohne jegliches Geld.

          Da gebe ich dir natürlich Recht, Geld hat in erster Linie den Zweck Tauschmittel zu sein um Handel auch zwischen Marktteilnehmern zu ermöglichen, die sonst kein Interesse an einem Direkttausch von Gütern hätten.

          Aber ob der Zins nun in Geld oder Schnitzeln zu zahlen ist, wäre insofern egal – solange nur über den Wert der zu erbringenden Leistungen Einigkeit besteht.

          Richtig ist auch noch, dass in unserem kleinen 2-Personen-Markt eine Zinszahlung zusammen mit der Tilgung am Jahresende nicht funktionieren würde – da würde der Zins tatsächlich fehlen. Das ist aber genau der Fall der gleichzeitigen Fälligstellung aller Kredite in einem komplexeren Beispiel mit mehreren Kreditnehmern. Nur tritt das in der Realität ja nie auf.

          Gruß,
          timon

          • Valentin - 9. Juni 2013

            Hallo Timon, das große Spiel läuft doch zwischen den Regierungen und den Zentralbanken mit dem Bankenapparat als Mittler. Die Regierung erzeugt aus dem Nichts eine sog. Anleihe, nichts anderes als ein beschriebenes Papier mit einer verpflichtenden Zinszahlung. Die Zentralbank akzeptiert diese Anleihe, nachdem sie den Bankenapparat durchlaufen hat und liefert mit ihren Banken die geforderten Geldeinheiten. Mit demselben Geld zahlt die Regierung nun ihre Zinsen. Den Kreditbetrag selbst zahlt sie nie zurück. Diese Geldeinheiten sind Schuldscheine, die vom Bürger als werthaltig angesehen werden und nun als Tauschmittel genutzt werden.

            Stell dir vor, wir zwei leisten uns diesen Schabernack. Ich spiele Regierung und du Zentralbank. Du erhältst mein Papier, ich dein sog. Geld und wir gehen damit auf Einkaufstour. Die Sicherheit, die wir zu bieten haben, ist mein Einkommen (Steuern u.ä.) aus diesem im Grunde wertlosen Geld. Damit zahle ich dir die Zinsen. Wenn jemand im Falle der Insolvenz unseres Geldapparates das Geld bzw. den Schuldschein bei uns (bei den anderen soll es uns recht sein) präsentiert und einen Ersatz haben möchte, sagen wir: Tut uns leid, das ist nicht vorgesehen“. D.h., wir bewegen uns in einem luftleeren Raum, der solange funktioniert wie uns die Leute abnehmen, dass dieses Papiergeld einen Wert besitzt. Es ist also einzig und allein vom Vertrauen der (leichtgläubigen) Leute in unserem Geldwert abhängig.

            Das Problem liegt somit in der inhaltlichen Wertlosigkeit des sog Geldes. Wenn Geld aus umlaufenden Schulden besteht, kann man es fast ad infinitum vermehren. Man wird dafür immer einen Weg finden. Der Mensch ist in solchen Dingen außerordentlich gewitzt. Man braucht sich ja nur die Geldschöpfung der Zentralbanken und Banken anzuschauen.

            Für uns beide ist diese Einrichtung sehr bequem. Mit unserem selbstgeschaffenen Geld bewerkstelligen wir eine kollektive Enteignung zu unseren Gunsten. Mag die Welt zu Grunde gehen, wir haben unseren (scheinbaren) Vorteil. Die angehäuften Schulden können wir leider nicht löschen. Womit sollen wir sie löschen? Wir haben doch selbst nur Schulden (Papiergeld) in der Hand und mit Schulden kann man keine Schulden löschen.

            Ganz anders sieht die Welt aus, wenn wie bei unseren soliden Vorfahren
            Geld = umlaufendes Vermögen ist, wie dies im Goldstandard der Fall war. Eine Goldmünze ist ein schuldenfreier Wertgegenstand. Unser o.a. Geld ist ein schuldbeladenes Papier. Es leuchtet ein, dass man mit einer Goldmünze sehr sorgfältig umgeht. Leider können wir damit aber keine kollektive Enteignung bewerkstelligen (auf die unsere so sozial eingestellten Politiker angewiesen sind und letztlich weiß ich nicht, wer wirklich die Fäden zieht), aber wir können damit Schulden löschen. Gold ist keine Schuld sondern ein Wert. Wenn sich also Schulden anhäufen, was nicht zu vermeiden ist, kann man sie mit Gold löschen. Bubblenomics dürften dann nicht auftreten.

            Ich bin etwas abgeschweift, aber die Tücken unseres Geldsystems liegen in der Inhaltsleere bzw. Wertlosigkeit unseres Papiergeldes. Der Zins ist meiner Meinung nach nicht ausschlaggebend, doch Zins und Wertlosigkeit sind eine sehr gefährliche und kriminelle Mischung. Meiner Meinung nach liegt darin das aufkommende Leiden unserer Zivilisation.

            Wenn wir so weitermachen, schmeißt man uns aus der Leitung. Grüsse Dich also, es war ein Vergnügen.
            Gruß Valentin

    • Vandermonde - 10. Juni 2013

      Der Denkfehler liegt darin, dass das neu erzeugte Geld, dass für Zinszahlungen gebraucht wird i.a. mit sinnvollen realen “Werten” gedeckt wird. Die Zinsen bilden also auch die “Verbesserung”, die die ursprüngliche Investition erbracht hat, ab. Das ist als Steuerung auch prinzipiell sinnvoll, da ein Aufwand ja eine Verbesserung bringen soll.

      Das Problem vor dem wir stehen ist, dass die Investitionen zum Teil nicht in Bereiche fließen, die einen Zins nachhaltig erwirtschaften und damit ein Ponzi Schema bilden. Das läßt sich an der Schere zwischen Schuldenwachstum und Wirtschaftswachstum beobachten.

  • Traumschau - 9. Juni 2013

    @bubblegum
    Hallo, habe Deine Replik auf meinen Beitrag erst jetzt gelesen!
    Ich weiß schon was Du meinst – Postwachstumsökonomie und so …
    Sicherlich hast Du damit auch – im Augenblick – recht. Die Frage muss doch aber lauten: Wie ist es dazu gekommen? SLE hat ja schon in mehrern Beiträgen darauf hingewiesen – ich hoffe ich gebe das jetzt richtig wieder, dass insbesondere die Größe der internationalen Konzerne und ihre dadurch bedingte sehr große – auch politische – Macht erst zu dieser Situation geführt hat. Ich war und bin der Meinung, dass wir nichts wirklich verändern können, bevor das Finanz- und Wirtschaftskartell nicht zerschlagen wird. Die tatsächlich produktiven Kräfte werden gegenüber den Konzernen schwer benachteiligt. Da kommt eins zum anderen. Trotzdem ist es m.E. schon so, dass die Unternehmen nur schwer an günstige Kredite kommen. Nich alle bauen Handys sondern haben auch ökologisch sinnvolle und nachhaltige Projekte in der Pipeline. Die technologische Entwicklung der letzten hundert Jahre ist atemraubend – und sie beschleunigt immerzu. Konsum ist ja zunächst einmal neutral. Man kann sinnvolle und nachhaltige Produkte oder sich das 10. Handy kaufen. Da muss der Staat eben Anreize setzen – hoffnungsweise die richtigen …
    Kreditlenkung meint ja, dass eben NICHT mehr in Finanzprodukte investiert wird (oder sehr viel weniger). Es soll eben m.E. nach auch dazu führen, dass man wieder einen funktionierenden Markt mit realistischen Preisen etabliert. Wenn also die Kreditschöpfung für unproduktive Investitionen herunter gefahren wird, wird die Zockerei zum Ende kommen – endlich!
    Dann sehen wir, wer alles keine Kleider anhat … Dann kommt der große Knall und wir führen u.a. wieder ein Trennbankensystem ein (Glass-Steagall).
    Die Masseeinkommen in Deutschland stagnieren seit vielen Jahren. Die Folge ist natürlich eine stagnierende Nachfrage und eine geringere Auslastung der Kapazitäten. Wir kompensieren das derzeit mit unseren Exporten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Deutschland UND im Ausland noch lange hingenommen wird. Aber, warten wir es ab.
    LG Traumschau

    • Basisdemokrat - 9. Juni 2013

      “Wenn also die Kreditschöpfung für unproduktive Investitionen herunter gefahren wird, wird die Zockerei zum Ende kommen – endlich!
      Dann sehen wir, wer alles keine Kleider anhat … Dann kommt der große Knall und wir führen u.a. wieder ein Trennbankensystem ein (Glass-Steagall).”

      Dazu macht James K. Galbraith einen konkreten Vorschlag, der einen Anflug von Genialität hat:

      ” … Für dieses Problem muss dringend eine Lösung gefunden werden. Vielleicht besteht der richtige Ansatz einfach darin, bei der Durchführung von Wetten mit Finanzderivaten keinerlei staatlichen Rechtsschutz zu gewähren. Sobald die Gerichte sich weigern, bei der Durchsetzung von Forderungen aus solchen Geschäften zu helfen, könnte der Markt sich auflösen.”

      Gruß BD

  • Frankenfurter - 9. Juni 2013

    Zitat Bubblegum

    “In einer nachfragegesättigten Gesellschaft helfen höhere Löhne auch nicht mehr, weil der Überschuss nicht mehr in Konsum umgesetzt wird. Bleibt nur die Zockerei an den Finanzmärkten…”

    Diesen Satz müssen Sie mir anhand der realen Lebensverhältnisse erklären.

  • Bubblegum - 9. Juni 2013

    “In einer nachfragegesättigten Gesellschaft helfen höhere Löhne auch nicht mehr, weil der Überschuss nicht mehr in Konsum umgesetzt wird. Bleibt nur die Zockerei an den Finanzmärkten…”

    Diesen Satz müssen Sie mir anhand der realen Lebensverhältnisse erklären.”

    Verehrter Frankenfurter!

    Mal abgesehen davon, dass ich in meinem Leben nur noch eines muss, nämlich sterben, was eine ungeheure Freiheit bedeutet, scheint mir, Sie sind eines dieser menschlichen Exemplare, die in ihrem Theoriekokon, weit, weit weg von eben diesen realen Lebensverhältnissen sind.
    Um zu illustrieren, was ich meine, hier die sinngemäße Wiedergabe eines dieser Belästigungsgespräche, denen ich in regelmäßig, seuchenartig sich wiederholden Situationen ausgesetzt bin.
    Tatort: eine Filiale der LBBW.
    Beteiligte: Ein Schnöselchen schleimig freundlich, so Ende 20 und ich. Mein Sparguthaben sei doch nun schon wieder auf ein erkleckliches Sümmchen angewachsen und werfe doch nun praktisch gar keine Rendite ab und er hätte mir ein paar wunderbare Vorschläge für die ach so wunderbare Geldvermehrung zu machen!” So der Beginn seines Verkaufgespräches.
    Inzwischen mache ich mir einen regelrechten Sport daraus, solche Schnöselchen, die sich als die Experten gerieren böse auflaufen zu lassen!
    “Na dann zeigen sie doch mal was Sie so im Angebot haben!”
    Mann/Frau ist ja nicht unhöflich!
    Zuerst empfahl er mir ein im Mai 2012 aufgelegtes Zertifikat der LBBW mit einem Garantiezins von mindestens 2%, innerhalb der Laufzeit ansteigend bis auf 5%. Sei absolut sicher, mehrfach von Experten geprüft, da gäbe er mir Brief und Siegel drauf und genau das richtige für mich, ich sei ja sehr sparsam, verfüge über ein gute Rente, die regelmäßig erhöht werde wie er sehe, also dies sei genau das Instrument, um mein Vermögen für die Kinder zu sichern. Und um mir zu schmeicheln:
    “Ich weiß gar nicht wie Sie das machen so viel zu sparen, heute wo alles immer teurer wird.”
    “Na ja, immer hart gearbeitet, gut verdient und nie obskure Bankprodukte gekauft!” Meine erste Nicklichkeit, die ihn aber nicht stoppte! “Na, ja, also folgen Sie strikt der schwabischen Tugend!
    “Ne sag ich geht ja gar nicht anders. Nehmen Sie mal an, Sie würden so viel verdienen, dass Sie sich jeden Tag 3 Hemden kaufen könnten, die passenden Anzüge und Krawatten dazu. Nach spätestens einem Monat müßten sie mit ihrer Frau einen neuen Kleiderschrank kaufen gehen. Stress pur! Oder haben Sie einen begehbaren Kleiderschrank?” Er guckte, es klickerte, er dachte!
    “Na, ja, ich habe einen, sagte ich in die Stille hinein, ” aber für einen zweiten begehbaren brauche ich eine Baugenehmigung!” Meine zweite Nicklichkeit!
    “Und das dauert, Sie wissen ja die Behörden heutzutage!” Er guckte wieder, wußte nicht so recht, ob ich das alles so meinte!
    ” Haben Sie denn wenigstens den Emissionsprospekt dazu?” Er schluckte wieder und stotterte dann:
    “,No, No, Noch nicht wird noch geddddruckt. Abbbber hier diesen Flyer für die Erstzeichner!” Ich blätterte, darin, tat interessiert. ”
    “Da steht Option. Was ist das denn?” Ich stellte mich doof.
    ” kommt vom lat. optare” wünschen sagte er. ” Ist ja fast wie früher mein Wunschzettel zu Weihnachten”, sagte ich. Er legte sich ins Zeug, spulte sein Wissen ab. Merkte nichts! Es stellte sich heraus dass der wesentliche Bestandteil des Zertifikats eine Option auf den BOBL Future war. Das Zertifikat mit einer Knock – Out Schwelle bei, ich glaube 142, 7 versehen war, der Future stand damals glaube ich bei 148 Punkten. Zwei, drei gezielte Zwischenfragen meinerseits. Nix mehr von seiner Selbstsicherheit da. Dann sein Schulungs- Totschlagargument: “Meiner Urgroßmutter, die ist 94 Jahre, der habe ich das Zertifikat empfohlen und die hat gestern gezeichnet!” Vom Emissionsvolumen ist kaum noch was da.”
    “Und was hat sich ihre Omma von der Bank gewünscht?”
    Er kapierte endlich! Ich wurde bösartig:
    “Da kann ich nur hoffen , dass die Lebenserwartung ihrer Uromma genauso so extrem hoch ist wie das Risiko dieses Papiers!” So schnell bin noch nie in meinem Leben hinauskomplimentiert worden.
    Seitdem guckt er immer ganz schnell weg, wenn ich die Bank betrete. Was ich auch irgendwie verstehen kann, denn seine Existenz bei der LBBW hängt vom Erfolg seiner Verkaufsmasche ab und davon wie viel Gimpel er damit fängt!
    Ich hoffe, Frankenfurter, dieses Beipiel aus dem realen Leben macht Ihnen begreiflich
    was ich mit meiner Aussage gemeint habe!
    Wenn nicht, für Rückfragen einfach nochmals melden!
    Viele Grüße Bubblegum

    • Basisdemokrat - 9. Juni 2013

      Bubblenomics on pure!

    • Frankenfurter - 10. Juni 2013

      Bubblegum ich verstehe ihre Anlage-Not gut. Es gibt für einen wackeren Rentner aus dem Schwabenland, der bereits alles hat und der seine Unterhemden und Margerine bei Aldi kauft, einfach keine Sicherheiten mehr fürs liebe ersparte.Geld. Heute mehr denn je.

  • klaus - 10. Juni 2013

    Die EZB hat den Deckel für den ESM bekanntgegeben und
    dem Verfassungsgericht mitgeteilt.
    Weiteres will die EZB aber nicht zu OMT bekanntgeben.

    http://www.zerohedge.com/news/2013-06-09/ecbs-unlimited-open-ended-bond-purchase-program-gets-%E2%82%AC524-billion-limit

    Und Griechenland ist 4.6 Milliarden knapp.
    Ein Rettungspaket wird benötigt.
    http://www.zerohedge.com/news/2013-06-09/imf-says-another-greek-bailout-necessary

    Weiteres Zockergeld?

    Hmmm.

    Gruß klaus

  • Schade - 12. Juni 2013

    Leider muß ich erkennen, daß sich die Gedanken bei den Kommentatoren nicht weiter entwickelt haben.
    Immer noch keine wirkliche Analyse über die Hintergründe, die Ursprünge des Systems und unseres Denkens und Verhaltens.
    Kein wirkliches Bewußtsein darüber woher wir unsere Gedanken bekommen, unsere Argumentation und unsere Rechtfertigungen.
    Kein Heraustreten aus der Programmierung und Konditionierung. Nur immer dieselbe Leier und dasselbe Umkreisen des Kerns, immerwährendes Widerkäuen vorgegebener Denkmuster. Kein wahres Geschichtsbewußtsein, keine Kritik am bürgerlichen Bewußtsein, kein Interesse die Ursprünge zu erkennen und sich freizumachen von allem was uns eingeimpft wurde.
    Immer noch in den Kategorien und Denksschablonen gefangen, eingesperrt in eine Illusion und ein Gefängnis des Geistes und des falschen Ego.

    • JL - 12. Juni 2013

      Hallo Schade,

      philosophische Hintergründe und Ursachenbestimmungen finden Sie zum Beispiel bei Schoppenhauers Werk “Die Welt als Wille und Vorstellung” mit dessen nachgereichten Anhang seinerseits.

      Subjektive Pauschaleinschätzungen ohne Inhalt waren schon immer wenig hilfreich und zeigen letztlich nur Unwissen auf.

      Dies können Sie natürlich umgehend ändern- wenn Sie möchten. Schreiben Sie doch einfach einen sachbezogenen Beitrag zum angezeigtem Thema. Sicher freuen sich schon alle Kommentatoren auf Ihre klaren, neutralen Analysen und Ihrem sachlichen Hintergrundwissen hierzu.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

1 Trackback