Griechenland: Arbeitslosigkeit zieht weiter an

von am 12. April 2012 in Allgemein

Wie das griechische Statistikamt (ELSTAT) heute berichtete, stieg die unbereinigte offizielle Arbeitslosenquote im Januar 2012 in Griechenland auf 21,9%, nach 21,0% im Vormonat und nach 15,1% im Vorjahresmonat. Zum Vorjahresmonat stiegen die Arbeitslosenzahlen im Januar 2012 um kräftige +333’700 bzw. um +44,1%. Insgesamt waren im Januar 2012 offiziell, laut den unbereinigten Daten, 1,0905 Millionen Griechen ohne Job, ein neuer Rekord!

Die Entwicklung der griechischen unbereinigten Arbeitslosenquote seit Januar 2000 im Chart. Im Januar 2012 (ELSTAT veröffentlicht monatliche Daten vergleichsweise spät) stieg die Arbeitslosenquote auf 21,9%.

ELSTAT liefert nun erstmals auch eine saisonbereinigte Arbeitslosenquote, die denen später bei Eurostat veröffentlichten Daten gleicht:

Die Entwicklung der griechischen saisonbereinigten Arbeitslosenquote seit Januar 1999 im Chart. Im Januar 2012 stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenquote auf 21,8%, nach 21,2% im Vormonat und nach 14,8% im Vorjahresmonat.

Die saisonbereinigte Jugendarbeitslosigkeit stieg im Januar 2012 auf 50,8%, nach 50,6% im Vormonat und nach 37,1% im Vorjahresmonat. Dies bleibt eine völlig inakzeptable und skandalöse Rate von Jugendlichen ohne Job und damit von Jugendlichen ohne Perspektive:

Die Entwicklung der saisonbereinigten Jungendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) seit Januar 1999 bis Januar 2012 im Chart. Im Januar 2012 wurde eine Quote von 50,8% erzielt.

Bei den Arbeitslosenquoten von ELSTAT handelt es sich um die offiziellen (geschönten) und Arbeitslosenraten, errechnet aus dem Verhältnis der Arbeitsfähigen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und der Zahl der Arbeitslosen.

Die Zahl der saisonbereinigten Beschäftigten sank im Januar 2012 auf 3,880120 Millionen, ein kräftiger Einbruch zum Vorjahresmonat von -363’400.

Ein kleines Wunder vollbrachte anscheinend die Saisonbereinigung bzw. sie war der Anlass die Zahl der Arbeitsfähigen in der Rubrik Inactive massiv zu drücken, zu mindestens ist in der aktuellen ELSTAT PDF nur noch die saisonbereinigte Zahl zu Inactive zu finden und die weicht massiv ab von den bisher unbereinigten Daten?

Im Dezember 2011 waren noch unbereinigte 4,424562 Arbeitsfähige ab 16 Jahre unter Inactive verbucht, dies sind Arbeitsfähige die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht zur Verfügung stehen und somit bei der Ermittlung der Arbeitslosenzahl und Quote auch keine Rolle spielen.

Im Januar 2012 waren nur noch saisonbereinigte 3,342853 Millionen Arbeitsfähige ab 16 Jahre unter Inactive verbucht? Dies ist zwar für die Arbeitslosenquote und -zahl irrelevant, denn die Inactiven spielen bei der Ermittlung der Arbeitslosenquote und -zahl keine Rolle, trotzdem ist der Status von über 1 Million Arbeitsfähigen ab 16 Jahre im Vergleich zum Vormonat unklar.

Einen Vorteil haben die niedrigeren Inactive-Daten, denn damit verbessert sich die Erwerbsquote erheblich, der Anteil der Erwerbsfähigen (Erwerbstätige plus Arbeitslose) an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter betrug im Dezember 2011 nur sehr niedrige unbereinigte 52,71%, nun im Januar 2012 saisonbereinigte 59,76%? Auch der Anteil der Beschäftigten an der gesamten Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter betrug im Dezember 2011 nur 41,67%, nun im Januar 2012 46,71%? Zugegebenermaßen ist die Erwerbsquote und der Anteil der Beschäftigten an der erwerbsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahren gar nicht von Elstat angegeben und wurde in den letzten Monaten nur von Querschuesse errechnet.

Auch in Griechenland sind die Definitionen was als Beschäftigung gilt grundsätzlich sehr weich und schwammig. Als beschäftigt gilt bereits Jeder, der mehr als 1 Stunde die Woche gegen Entgelt gearbeitet hat, auch im elterlichen Haushalt/Betrieb oder einen Arbeitsplatz hat, von dem er vorübergehend abwesend war.

Mit den letzten Sparbeschlüssen in Griechenland beziehen alle Arbeitslosen nur 12 Monate Arbeitslosengeld in Höhe von armseligen 359 Euro je Monat und danach fallen die Betroffenen ins soziale Nichts. Noch unfassbarer, die beschlossene Außerkraftsetzung aller Branchentarifverträge und kollektiven Tarifvereinbarungen für Arbeitnehmer unter 25 Jahren. Damit können Arbeitgeber sofort die Löhne für Jugendliche auf den Mindestlohn für Jugendliche von nur noch 511 Euro Brutto im Monat absenken.

Quelle Daten: Statistics.gr/Pressrelease: LABOUR FORCE SURVEY Januar 2012, Statistics.gr/XLS-Datei mit Daten zum griechischen Arbeitsmarkt

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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18 KommentareKommentieren

  • titoslavija - 12. April 2012

    für mich die story der letzten jahrzente in europa.mario draghis werdegang zum chef der ezb:

    was kann der arme grieche dafür,, nur ein spielzeug in den händen der “big boys”.
    ach übrigens merkel ist immer noch die mächtigste frau der welt^^.

  • NavigatorC - 13. April 2012

    In Portugal, Spanien, Balkan, Italien siehts nicht viel besser aus.
    Der Zusammenbruch der EU ist schon in vollem Gange.
    Kann nicht gerettet werden. Zu groß und zu sehr “leveraged”.
    die Zentralbanken können nichts machen. Wer noch nicht angefangen hat,
    sich auf den Zusammenbruch vorzubereiten, soltte damit beginnen. Viel Zeit is nicht mehr.
    http://www.munknee.com/2012/04/graham-summers-collapse-of-europe-is-guaranteed-heres-why/
    NavigatorC

    • ö.ä. - 13. April 2012

      Hallo an alle,

      ich habe den Artikel mit Interesse gelesen. Kann aber nicht einschätzen, ob der Artikel seriös ist. Deshalb meine ernstgemeinte Frage: Ist dieser Artikel seriös?

      • Ert - 13. April 2012

        Ich denke der Artikel greift etwas zu kurz – und zweitens muss man klarer definieren was Zusammenbruch bedeutet. Auch ist die Zauberkiste der Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft, wenn auch arg strapaziert – und mit der “Schuldenbremse” selbstbeschränkt. Eine Verstaatlichung der ggf. fallenden Banken ist auch immer noch möglich.

        Wie es M.E. hier immer wieder anbringt: Der wirkliche Zusammenbruch kommt erst, wenn die Energie physisch knapp wird oder wir hier in Kerneuropa ein zweites Fukushima erleben.

  • titoslavija - 13. April 2012

    theoretisch gesehen wäre es möglich von daher besteht die möglichkeit einer seriösität.

    • ö.ä. - 13. April 2012

      Danke für eure Einschätzungen.

  • schnauzevoll - 13. April 2012

    Hawaii wurde auch annektiert. Um nichts anderes geht es doch. Macht den Süden platt und bringt sie in Abhängigkeit. Dann kann man auch perfekt Reformen durchdrücken. Siehe Hartz4. Teile und herrsche! Amerika rüstet seine Polizei zum Paramilitär auf und Vorratsdatenspeicherung, das Verstecken von Schwarzkonten, Spanien will Aufrufe zu Protesten unter Strafe stellen. Zuerst stirbt der freie Markt und dann die Demokratie. Alles scheint sich auf ein Endzeitdrama vorzubereiten. Nur der doofe Deutsche geht pünktlich zur Arbeit und hofft, dass nach den Arschtritten auch mal eine Anerkennung folgt. Selten so gelacht!

    • Hallowach - 13. April 2012

      ich lese “wer zu gewalttätigen Protesten aufruft”…. ist ein Unterschied zu “wer zu Protesten aufruft”. Sollte man aber sicher ein Auge drauf haben. Kann ja ein “Übersetzungsfehler” sein.

      • schnauzevoll - 13. April 2012

        Die Definition ist übergangslos. Da die Gefahr besteht, Proteste könnten gewalttätig enden, wird der Aufruf zu solchen kriminalisiert. Erkennen der Zeichen der Zeit ist wichtig. Die Botschaft die hinter dem Geschriebenen steht ist zuweilen weitaus aussagekräftiger als die reine Wortübersetzung.

    • Alsterpirat - 13. April 2012

      @ schnauzevoll

      “Zuerst stirbt der freie Markt und dann die Demokratie.” Obwohl sich Geschichte niemals 1:1 wiederholt, bleibt diese Feststellung auch heute im Grundsatz unumstößlich – und die kommenden Wahlen in Südeuropa dürften einmal mehr deutlich machen, welcher politischen Kraft – wie schon hierzulande gegen Ende der Weimarer Republik – wieder die Rolle als Frühindikator für einen bereits in Gang gekommenen Niedergang der Demokratie zukommen wird: dem Liberalismus, der inzwischen überall in Europa Stück für Stück zerrieben und pulverisiert wird, so wie damals…

      http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Demokratische_Partei#Reichstagswahlen_1919_bis_1933

      http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Volkspartei#Wahlergebnisse_und_strukturelle_Verteilung

      Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor…- oder Preisfrage: wie heißt nochmal die Nachfolgepartei von DDP und DVP, deren Wählerschaft sich in letzter Zeit ebenfalls verdächtig rar gemacht hat…;-) ?

  • Aber - 13. April 2012

    OT

    Von technicalindicatorindex.com (hat manchmal ganz gute Einschätzungen zu DOW und anderen Sachen, auch wenn die Einstellungen und Aussagen manchmal schon etwas peinlich sind. Man kann 30 Tage kostenlos ein Konto eröffnen, oder länger, falls man mehrere e-mail Konten hat )

    Our short-term key trend-finder indicator moved to a sideways signal Thursday, April 12th, the Purchasing Power Indicator moving back to a buy while the 30 and 14 day stochastics remaining on sell. Our take on the recent move is that it is a large degree wave 4-down move, either a sideways triangle or a 3-3-5 Flat. The rally the past two days was a three wave correction (wave b-up) of the decline from last week (wave a-down). Next should be a continuation of the decline, the third small degree wave, c-down of the first three wave decline sequence for 4-down.

    Prices need to stay above 12,250 in the Industrials and above 1,293 in the S&P 500 or else it means wave 5-up, which we believe is in the future, is over and a large decline is in its infancy. 1,340 is the first support level for the S&P 500, with 1,293 being the second support level. Reaching that 1,293 level would mean the S&P 500 falls another 6.7 percent from here (currently at 1,387).

  • M.E. - 13. April 2012

    “Wie es M.E. hier immer wieder anbringt: Der wirkliche Zusammenbruch kommt erst, wenn die Energie physisch knapp wird oder wir hier in Kerneuropa ein zweites Fukushima erleben.”

    Sagen wir mal so, Ert,
    wenn die wichtigsten physischen Wertschöpfungstreiber – allen voran Öl – zunächst für die importabhängigen Länder immer knapper und für viele Anwendungen unbezahlbar werden, erfolgt ein kräftiger Schritt hin zu historischer Normalität.
    Wir haben lediglich den Fehler gemacht, die heutigen völlig unnormalen Zeiten für Normalität zu halten. So wie der Mensch immer den Fehler macht, das, was innerhalb der Raum-Zeit-Koorinaten seines Lebens zufällig Realität ist, für normal zu halten und normbildend auch für die Zukunft.
    Wahrscheinlich hielten die Menschen, die während des 30-jährigen Krieges lebten, Krieg für Normalität. Wenngleich sie sich natürlich etwas Anderes wünschten.
    Die lagen genau so daneben, wie wir.

  • MagnaBavaria - 13. April 2012

    Off-Topic:

    Der schwed. Wirtschaft geht ordenlich die Puste aus:
    http://blog.markusgaertner.com/2012/04/13/skandinavisches-erwachen/

  • dank - 13. April 2012

    Hallo Steffen,
    was irritiert, ist, dass die Zahlen der Inaktive für die Jahre vor 2011 sich noch nachträglich zwischen Grafik (Tabelle) 4 und 5 verändern.

    Da muss praktisch an der Formel für Saisonbeschäftigung geschraubt worden sein?!
    [Oder sitzt bei ELSTAT (aus Einsparungsgründen) ein dressiertes Schaf am Nummernblock der Tastatur, das dieses PDF nach Zufall bearbeitet?! Ja, das war jetzt pöse – aber wie sollen diese unterschiedlichen Zahlen denn zustandekommen? Das Wort Beschönigung ist hier schon mehr als untertrieben… Schlichtweg: Offensichtliche Statistikfälschung seites der ELSTAT]

    Grafik zwei erinnert dazu noch an eine mathematische Kurven der Extraklasse.

    Viele Grüße
    dank

    • Querschuss - 13. April 2012

      Hallo dank,
      kann ich leider nicht beantworten, auf jeden Fall liefert ELSTAT keine Begründung zu dieser gravierenden Abweichung, was die Glaubwürdigkeit nicht nur dieser Arbeitslosenstatistik beeinträchtigt.

      Gruß Steffen

  • mitwisser - 13. April 2012

    Die grosse Welle der zu entlassenden Beamten steht ja erst noch bevor in Griechenland. Und das dürfte locker noch mindestens 5 % drauf satteln.
    Dann kann Spanien die rote Laterne abgeben.

  • Hajo - 13. April 2012

    Folgendes US-Post empfehle ich euerer Aufmerksamkeit:

    http://www.testosteronepit.com/home/2012/4/12/a-greek-impossibility-2-millions-missing-jobs.html

    Hinter folgender Aussage steckt ein echter Hammer:

    “… the real fiasco for the Greek economy … was the number of people who actually have jobs. That number is less subject to murky statistical manipulation and beautification, if that word can even be used in this context, and hasn’t been seasonally-adjusted out of existence: the number of employed dropped by 20,600 in January to 3,880,120 people—35.9% of a population of 10.8 million!”

    Saisonal unbereinigt standen im Januar lediglich 35,9 % der griechischen Bevölkerung in einem abhängigen Arbeitsverhältnis. Dies ist typisch für Griechenland: Es gibt sehr viele Kleinunternehmer ohne Angestellte bzw. lediglich mit mithelfenden Familienmitgliedern, die vielfach keine Arbeitslosen- und Rentenversicherung haben. Diese sind jedoch diejenigen, für die Kredite aktuell kaum zu bekommen sind. Folge: ein zwangläufiges fortschreitendes “Unternehmenssterben”.

    MfG
    Hajo

  • titoslavija - 14. April 2012

    sicher ist, noch ein jahr dieser zustand wird kaum zu bewältigen sein.
    voraussichtlich dann anfang 2013: zwischen 27%-28% arbeitslosigkeit und 60% von diesen werden dann über kein einkommen verfügen.