Griechenland: Central Government Debt Q3 2017

von am 27. November 2017 in Allgemein

GriechenlandWährend Griechenland vom ESM-Chef gelobt wird und deutsche Medien unisono Griechenland Fortschritte bescheinigen, zeichnen die Daten des griechischen Finanzministeriums zum Bruttoschuldenstand der Zentralregierung in Athen eine anderes Bild. In Q3 2017 lag der Bruttoschuldenstand, nur der Zentralregierung (Central Government Debt), bei 326,114 Mrd. Euro. Zuletzt in Q2 2017 lag, laut offiziellen Daten von Eurostat, der gesamtstaatliche Bruttoschuldenstand bei 175,0% des nominalen BIPs. Der griechische Staat bleibt hoffnungslos verschuldet.


Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes der griechischen Zentralregierung seit Q1 2000 im Chart. Zuletzt in Q3 2017 stieg der Bruttoschuldenstand auf 326,114 Mrd. Euro. Das bisherige Allzeithoch lag im 4. Quartal 2011 bei 367,978 Mrd. Euro. Nach dem Schuldenschnitt ging es auf 280,292 Mrd. Euro in Q1 2012 abwärts.

Diese Daten zeichnen nur den Bruttostaatsschuldenstand der Zentralregierung in Athen (Central Government) nicht die des Gesamtstaates (General Government).

Der Schuldenstand der Zentralregierung zum 30.09.2017 laut dem griechischem Finanzministerium.

Auch die Freude darüber, das Griechenland den Rahmen des aktuellen Hilfsprogrammes (86 Mrd. Euro) nicht voll ausschöpft, ist nur bedingt nachvollziehbar, denn noch nie lagen so viel griechische Staatsschulden in den öffentlichen Händen der Eurozone, wie jetzt in Q3 2017:

In Q3 2017 liefen 232,358 Mrd. Euro an Schulden der Zentralregierung (Central Government) über die Vehikel des Rettungsfonds EFSF/ESM und das ausgelaufene SMP-Programm der EZB! Ein Anstieg von +7,178 Mrd. Euro zum Vorquartal, …Erfolg?

Zwar gab es im laufenden Haushalt der Athener Zentralregierung in den ersten 10 Monaten 2017 tatsächlich einen Primärüberschuss in Höhe von +5,331 Mrd. Euro und nach Zinszahlungen einen kleinen Überschuss von +145 Millionen Euro, auch Dank der drastisch gesunkenen Zinsen für die Staatsschulden, aber der Überschuss ist etwas geschönt, nach den Steuerrückzahlungen, die extra erfasst sind, den Zahlungen an andere Sektoren des General Governments und nach den Rückstellungen für schwebende Rentenanträge dokumentiert sich nach Zinszahlungen immer noch ein Defizit von -1,565 Mrd. Euro:

Die Tabelle des Finanzministeriums zu Einnahmen und Ausgaben, Überschuss/Defizit des Zentralstaates für die ersten 10 Monate 2017.

Für das dritte Quartal 2017 hat Griechenland noch keine BIP-Daten veröffentlicht, deshalb hier nur der Blick auf das reale BIP bis Q2 2017:

Die Entwicklung des realen BIPs auf Quartalsbasis von Q1 1995 bis Q3 2017 in Mrd. Euro im Chart. In Q2 2017 mit saisonbereinigten 46,410 Mrd. Euro lag das reale BIP immer noch um -26,7% unter dem Hoch aus Q2 2007 mit 63,333 Mrd. Euro! Fortschritte, Erfolge …?

Wie geht es den griechischen Bürgern, hier an Hand der Summe der real verfügbaren Einkommen:

Die Entwicklung der verfügbaren realen Einkommen der privaten Haushalte über vier Quartale gerollt (jeweils die letzten vier Quartale aufaddiert) von Q4 1999 bis Q2 2017 im Chart. Zuletzt in Q2 2017 betrug das verfügbare reale Einkommen über die letzten vier Quartale aufaddiert 108,027 Mrd. Euro. Beim aufaddierten Hoch in Q2 2009 waren es 174,252 Mrd. Euro. Ein Einbruch von real -38,0%! Nominal ging es um -34,4% abwärts!!!

Der Begriff verfügbares Einkommen kommt aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und beschreibt grob das Einkommen, was Haushalten zur Verfügung steht, also nach Steuern und Sozialabgaben plus den Transfereinkommen.

Es gibt keinen Aufschwung, zwar wurden Einnahmen und Ausgaben des Staates mit einer Radikalkur nahezu in Einklang gebracht, aber Griechenland bleibt hoffnungslos verschuldet und die Wirtschaftsaktivität dümpelt ungebrochen in rezessiven Gefilden, Stand Q2 2017.

Quelle Daten: Minfin.gr/Portal Public Debt Bulletins

Kontakt: info@querschuesse.de

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3 KommentareKommentieren

  • mitwisser - 27. November 2017 Antworten

    Danke für das Update der griechischen Misere bzw. Tragödie, die weitgehend unbemerkt ihre unaufhörliche Fortsetzung findet.

  • Marcito - 28. November 2017 Antworten

    Merci!

  • Gundermann - 28. November 2017 Antworten

    Danke, für das Update. Die Mainstream-Medien berichten offenbar aus einem Griechenland aus einem Paralleluniversum oder einer alternativen Zeitlinie. Anders läßt sich der Blödsinn, der dort verbreitet wird sonst kaum erklären. Okay, vielleicht ist es auch einfach nur Propaganda.

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