Griechenlands politische Pleiteerklärung: „Neue“ Regierung steht, Krisenkompass überflüssig

von am 20. Juni 2012 in Allgemein

Hurra, Griechenland hat eine neue Regierung! Nea Dimokratia, PASOK und die Demokratische Linke (Dimar) werden sie bilden – was für eine Überraschung! (1)

Dem aufmerksamen Beobachter der Griechenlandkrise wird nicht entgangen sein, dass diese drei Parteien genau das auch schon nach der Wahl am 6. Mai hätten tun können: eine Regierung bilden. Das wäre vor gut anderthalb Monaten auch beinahe geschehen – wenn der Chef von Dimar, Fotis Kouvelis, nicht in letzter Minute kalte Füße bekommen und seine Regierungsbeteiligung von der von Alexis Tsipras´ Syriza abhängig gemacht hätte.

Alexis Tsipras aber wollte nicht – nicht damals und auch jetzt nicht. Denn er hält das Spar- und „Sanierungskonzept“ der Troika (EZB, EU-Kommission und IWF) für den falschen Weg und lehnt es deswegen ab. Er wollte neu verhandeln. Das hat man ihm geglaubt und das war und ist sein Problem.

Das wird nun nicht mehr seine Sache sein – vorerst jedenfalls nicht. Dass es nicht seine Sache sein wird, ist er selbst schuld. Zu provokativ und populistisch kam er in den Medien daher, in den Wochen nach der Wahl am 6. Mai. Und auf dieselbe Weise, aber mit tatkräftiger Unterstützung der „Vereinigten Presse von Europa“, haben die Euro-Partner und viele Experten ihn in der Öffentlichkeit zum personifizierten griechischen und europäischen Weltuntergang hochstilisiert. Das hat funktioniert. Das Resultat ist eine neue griechische Regierung, die von jener Partei angeführt wird, die Griechenland in die Misere gesteuert, den Beamtenapparat aufgebläht und Geschenke verteilt hat und in deren Regierungszeit Griechenland in puncto Korruption und Vetternwirtschaft nicht nur international wettbewerbsfähig, sondern führend war.

Herzlichen Glückwunsch!

Jetzt muss nur noch das Problem gelöst werden, Griechenlands wirtschaftliche Leistungsfähigkeit an das Niveau der europäischen Währung anzupassen.

Nach all den außergewöhnlichen Schwierigkeiten, die Griechenlands und – nicht zu vergessen – die Euro-Politiker in der nunmehr zweieinhalb Jahre gepflegten Dauerkrise des Landes unter enormem finanziellen Aufwand umschifft haben, dürfte das schon beinahe eine leichte Übung sein oder, wie es so schön im Englischen heißt: „A piece of cake!“

Nur zu Erinnerung: Alle sind sich einig, dass Griechenlands Leistungsbilanzdefizit strukturell bedingt ist und Griechenland „über seine Verhältnisse“ lebt. Es wird dauerhaft mehr importiert als exportiert. Das Problem kann nur über Anpassungen gelöst werden. Auch darin besteht Einigkeit. Uneinigkeit besteht in der Frage des „Wie?“.

Griechenland muss international wettbewerbsfähig werden, heißt es. Der einfachste und etwas weniger schmerzhafte Weg der Anpassung ist eine Währungsabwertung oder anders ausgedrückt: eine Abwertung nach außen. Das macht Griechenlands Exporte auf den Weltmärkten attraktiver, heißt es. Das würde bedeuten, dass Griechenland zur Drachme zurückkehrt, was die Griechen nicht wollen und aus einleuchtenden Gründen auch die Euro-Partner nicht. Der Hauptgrund letzterer ist: Das könnte in Anbetracht der in Richtung „Griechenlanddimension“ anwachsenden Probleme in anderen Schuldenstaaten, aktuell insbesondere Spanien, aber auch Italien und Portugal, der Anfang vom Ende der Währungsunion sein.

Gegangen wird deswegen ein anderer Weg, nämlich der der „Abwertung nach innen“. Das heißt, die Preise und Löhne – in Griechenland – müssen sinken und das wird über das Sparprogramm der Troika, das unter anderem Lohn- und Rentenkürzungen umfasst, zu erreichen versucht. Die griechische Volkswirtschaft soll so zu soliden Finanzen zurückfinden und seine Kostenwettbewerbsfähigkeit verbessern. Griechische Produkte und Leistungen würden so im Ausland preislich attraktiver.

Dieser Weg ist heftigst umstritten. Einerseits weil er der Bevölkerung sehr viel abverlangt, was politisch – wie in Griechenland zu sehen – schwer durchsetzbar ist und sich schlimmstenfalls als ein soziales Pulverfass entpuppt. Andererseits weil es überaus fraglich ist, ob dieser, aus der mit gravierenden Konstruktionsfehlern behafteten wirtschaftsliberalen/neoklassischen ökonomischen Theorie abgeleitete Weg zum Erfolg führt. Die Fakten sprechen dagegen. Griechenland setzt seinen Weg nach unten in der Abwärtsspirale ohne Unterbrechung fort – trotz oder, wie Kritiker sagen, gerade wegen der drastischen Maßnahmen zur „Anpassung nach innen“. Und auch in der Weimarer Republik ist dieses, von Heinrich Brüning 1930-33 verfolgte liberale Sanierungskonzept nicht aufgegangen.

Griechenland hat aber zudem ein besonderes Problem: es ist wirtschaftsstrukturschwach will sagen es verfügt praktisch über keine nennenswert ausgeprägte Industriestruktur. Und nur als Ergänzung: Ernste wirtschaftsstrukturelle Probleme haben auch Portugal und Spanien, auch wenn es dort jeweils andere und bei weitem nicht so gravierende sind.

Vor diesem Hintergrund gesehen gibt es – wenigstens prinzipiell – noch einen weiteren Weg der Anpassung, nämlich den der künstlichen Verteuerung von Importen, sprich Importzölle bzw. „Schutzzölle“. Bevor nun sogleich Protektionismus-und Investorenflucht-Alarm gegeben wird, möchte ich folgendes dazu anmerken:

1. Es ist lediglich eine Hypothese der – eindeutig mit gravierenden Fehlern behafteten – wirtschaftsliberalen/neoklassischen ökonomischen Lehre, dass „Freihandel“ prinzipiell, das heißt zu jeder Zeit und unter allen Umständen, für alle Volkswirtschaften vorteilhaft und deswegen jederzeit überall uneingeschränkt zu bewahren ist.

2. Diese Hypothese kann nur richtig sein, wenn die Märkte genau so funktionieren, wie es diese Lehre beschreibt. Verkürzt gesagt werden Märkte als selbstregulierend und als stets zum Gleichgewicht hin strebend respektive einem gleichgewichtigen Wachstumspfad folgend beschrieben. Mit anderen Worten könnte es gemäß dieser Lehre unter anderem die enormen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte, die in den Leistungsbilanzen der Volkswirtschaften zum Ausdruck kommen und die zum Teil erheblichen Wachstumsprobleme überhaupt nicht geben.

3. Die Dosierung macht das Gift.

Wenn der Ausstieg eines Problemlandes aus dem Euro negiert und die Austeritätspolitik aus empirischen, wirtschaftstheoretischen, politischen und sozialen Erwägungen ablehnt wird, was beides nachvollziehbar ist und seit langem geschieht, dann kann man sich irgendwann einer Öffnung des Lösungsraumes nicht mehr verschließen. Das gilt umso mehr als die Finanzmarktkrise die Schwächen der herrschenden ökonomischen Theorien und Modelle aufgedeckt hat und Einigkeit darin besteht, dass es angesichts der fortgesetzten Verschärfung und Ausweitung der Schuldenkrise definitiv eine fatale Entwicklung ist, fortlaufend mit viel Geld Zeit zu kaufen, ohne die gewonnene Zeit für eine effektive Lösung der Krise zu nutzen. Gelöst ist die Krise nicht. Einen Kurswechsel in der Krisenbekämpfung zu fordern ist deswegen zwar schön und gut. Keine Alternativen vorzuschlagen und sich zugleich einer Öffnung über den durch die herrschenden ökonomischen Theorien vorgegebenen Rahmen der Lösungssuche zu verschließen, ist in der gegenwärtigen Lage jedoch wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Wenn Importgüter teuer sind, wird sich die Binnennachfrage verstärkt auf heimische Erzeugnisse richten. Temporär und auf ausgewählte Sektoren begrenzte „Schutzzölle“ können strukturschwachen Volkswirtschaften die Möglichkeit bieten, sich wirtschaftlich zu entwickeln. (2) Um nichts anderes geht es in Griechenland und anderen Krisenstaaten der EU. Dass hier die Gefahr einer Verzerrung auf den globalen Märkten vorliegt, zieht als Argument insofern nicht, als die globalen Märkte überwiegend von nur einer Handvoll sehr großer Konzerne und Spieler dominiert werden. Wer die These vertritt, Griechenland könne mithilfe von Schutzzöllen Global Player aus dem Hut zaubern, die z. B. Volkswagen, General Electric, Procter & Gamble, Nestlé, Intel, Samsung oder JP Morgan auf den Weltmärkten das Leben schwer machen könnten, der müsste dann wohl in der Tat einmal darlegen, wie in seiner Vorstellungswelt globaler Wettbewerb funktioniert. Genau deswegen ist aber auch die Hypothese, das Sanierungskonzept der Troika würde Schuldenstaaten wie z. B. Griechenland wieder wettbewerbsfähig machen, grotesk. Wie sollte Griechenlands strukturschwache Wirtschaft, wie sollten griechische Unternehmen es mit Siemens, Volkswagen, General Electric, JP Morgan & Co. erfolgreich aufnehmen können – in den nächsten 5-10 Jahren? Davon abgesehen: Die hochkonzentrierten, von wenigen großen Konzernen dominierten globalen Märkte sind vielmehr selbst zu einem Problem geworden. Das „Too big to fail“-Problem ist es, was die Krisenbekämpfung via Geldspritze erzwingt, wie auch dem letzten spätestens seit der Lehman-Pleite klar geworden sein dürfte. Zur Erinnerung: Gerettet werden mussten indes keineswegs allein nur Banken (AIG, GM).

Für Investoren wiederum sind vor allem die Rendite und rechtlich-politischen Bedingungen entscheidend. Warum sollte es für Investoren nicht interessant sein, in Unternehmen mit guten und vergleichsweise gut kalkulierbaren Entwicklungsperspektiven zu investieren, wenn die rechtlichen und politischen Voraussetzungen stimmen?

Was hier ausgeführt wurde, ist kein Plan und noch nicht einmal ansatzweise eine Diskussion der Vor- und Nachteile der hier angesprochenen Ansätze. Das soll es aber auch nicht sein. Es dient lediglich der Erinnerung daran, dass es prinzipiell möglich ist, die Diskussion über den europäischen Krisenkurs wieder aus der Sackgasse zu holen, in der sie sich festgefahren hat. Dass das notwendig ist, zeigt der Fall Griechenlands – und der Spaniens mehr und mehr auch.

Griechenland ist pointiert ausgedrückt mit dem heutigen Tag für ganz Europa zu einem Mahnmal geworden.

Zwar haben die Spitzenleute der drei Koalitionsparteien heute verkündet, das Sparpaket neu verhandeln zu wollen. (3) Tatsächlich aber war das Wahlresultat vom 17. Juni bereits der Sieg der Euro-Partner in der Schlacht um die Beibehaltung des Sanierungskurses. Denn es haben in Griechenland letztlich jene gewonnen, die im Grundsatz zu diesem Kurs stehen und sie regieren nun, weil sie das tun. Was jetzt an „Änderungen“ verhandelt und konzediert werden wird, dürften letztlich allenfalls Feigenblätter sein, die dazu dienen, das Konzept ein wenig aufhübschen. Das ist Kurskosmetik.

Nüchtern betrachtet ist das Land jedoch in finanzieller, wirtschaftlicher und spätestens seit heute auch in politischer Hinsicht am Ende.

Das ist ein sehr hartes Statement, ich weiß. Aber es ist notwendig, weil es verdeutlicht, wohin der von Europa eingeschlagene Weg zur Krisenbekämpfung letztlich führt. Dass Griechenland wegen Korruption, Vetternwirtschaft und gefälschter Statistiken in der Misere steckt und deswegen ein nicht mit den anderen Krisenstaaten zu vergleichender Sonderfall ist, dieses von den Euro-Rettern bisher oft bemühte Argument ist außer Kraft gesetzt durch die massive Wahlpropaganda für ebene jene griechischen Parteien, die für all das stehen.

Wie auch immer, die Märkte haben das Interesse an Griechenland schon wieder verloren. Die Luft ist raus. Der Fall ist erledigt. Spanien ist es noch nicht. Der Begriff „Zombie-Banken“ ist zwar ein wenig aus der Mode gekommen. Doch wie wäre es mit „Zombie-Staaten“?

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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54 KommentareKommentieren

  • Roland - 20. Juni 2012

    Sehr geschätzter Dr S. Eichner,
    heute liegen Sie leider voll daneben.
    Nichts, rein gar nichts ist “erledigt”. Im Gegenteil, erst jetzt wird es richtig spannend.

    Tsipras hat heute zurecht kurz und knapp erklärt:
    “Diese Regierung wird scheitern. Dann kommt unsere Zeit. Das wütende Volk braucht mutige Führer, die danach die Regierung übernehmen”.

    Und man darf nicht vergessen, dass neben Syriza eine sehr konsequente revolutionäre Kraft die Straße mobilisieren kann. Sie heisst PAME mit ihrer KKE.

    Der Druck im Kessel wird weiter steigen. Griechenland ist eindeutig in einer vor-revolutionären Phase. Schon in wenigen Monaten (6-12) könnte es richtig zur Sache gehen.

    • SLE - 20. Juni 2012

      Hallo Roland,

      ja, das war natürlich eine provokative Formulierung, die ja auch dazu gedacht ist, Widerspruch zu erzeugen. Aus Sicht der Märkte ist es jedoch – vorerst! – durchaus richtig. “Die Griechen” haben die Party vorerst nicht beendet. Ich denke, so kann man es doch sehen, oder?

      Grüße
      SLE

      • Roland - 21. Juni 2012

        Hallo Stefan,

        ja, d`accord.

        Griechenland hatte “trotz” brutalsten Kürzungsmaßnahmen in den ersten 5 Monaten dieses Jahres ein Primär-Defizit des Staatshaushaltes von 2,4 Milliarden EURO. Und die Steuer-Einnahmen gehen weiter zurück.
        Was sagt uns das ?
        Es steht ein großes Pulverfass in Griechenland – und die Lunte brennt.

        Lösung wäre theoretisch der Wiederaufbau einer Konsumgüter-Industrie und die Einführung der Drachme zur Abschottung der ausländischen Konkurrenz. Aber ein solcher Industrie-Aufbau dauert und würde in der Zwischenzeit -ohne ausländische Hilfe- ebenfalls enormes Leiden unvermeidbar machen.
        Wird diese Hilfe zum Aufbau einer eigenen Industrie kommen ?
        Vermutlich nein.

        Was macht dann das Pulverfass ?
        Bumm.

  • lottchen - 20. Juni 2012

    Ich bezweifle, dass eine Lösung über Protektionsmaßnahmen bei der neoklassischen Sekte und den von ihr bekehrten Politikern mehrheitsfähiger oder auch nur diskussionswürdiger wäre als ein Austritt aus der Eurozone. “Wohlstand durch Freihandel” ist ein mindestens ebenso tief verankertes Dogma wie die Neutralität des Geldes und die Selbstheilungskräfte des Marktes.

    Noch hinzu kommt, dass dieser Vorschlag nicht nur an den Grundsätzen der Eurozone, sondern auch an denen des Binnenmarktes rüttelt. Es müsste somit die Zustimmung aller EU-Partner her.

    Der Vorteil von Importzöllen gegenüber einer generellen Abwertung wäre natürlich, dass man gezielt Importsubstitution fördern könnte, ohne für den Aufbau notwendige Importe zu verteuern. Die Frage, wie Exporte gefördert werden können oder überhaupt erst eine Exportindustrie aufgebaut werden kann ist aber durch Importzölle auch nicht beantwortet.

    • SLE - 20. Juni 2012

      Hallo lottchen,

      alles richtig und ich bezweifle auch, dass das irgendwie diskusions- oder gar mehrheitsfähig wäre – gegenwärtig ist es das zumindest definitv nicht. Aber es wird ja auch schlimmer werden und in der Not ….

      Mehr als ein ernst gemeinter Weckruf ist leider vergebene Liebesmüh. Wer – von denen – hat und nimmt sich die Zeit, einen schön ausgearbeiteten Plan zu lesen, von dem er gar nichts wissen will und muss und der auch nicht das Potenzial hat, ihn in irgendeiner Weise zu ärgern? Und wie das mit Weckrufen immer so ist, sie müssen kurz, laut und irgendwie auch “schrill” sein, wenn sie funktioieren sollen. Leider.

      Grüße
      SLE

      • lottchen - 21. Juni 2012

        > Aber es wird ja auch schlimmer werden und in der Not ….
        Ich habe meine Zweifel, ob sich selbst in der Not was ändern wird. Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, lieber in die Katastrophe zu rennen, als das eigene Verhalten oder gar Weltbild in Frage zu stellen. Das ist im Großen dasselbe wie im Kleinen. Bei Merkel habe ich eine vage Hoffnung, es wäre nicht die erste 180 Grad-Wende. Allerdings steht dem der Wählerwillen entgegen, der, wie jeder Deutschlandtrend und jedes Politbarometer zeigt, voll hinter dem Austeritätskurs steht. Unwissenheit über die Auswirkungen, oder die reine Verrohung? Ich weiß es nicht. Ich will nicht glauben, dass die hetzende Meute in den Foren von Welt, Focus und SPON ein repräsentatives Meinungsbild ist.

        > Wer – von denen – hat und nimmt sich die Zeit, einen schön ausgearbeiteten Plan zu lesen, von dem er gar nichts wissen will und muss und der auch nicht das Potenzial hat, ihn in irgendeiner Weise zu ärgern?
        Wer ist mit “denen” gemeint? In den Ministerien sind durchaus viele kompetente und auch interessierte Leute beschäftigt. Meine eigene Erfahrung ist, es werden für teures Geld Gutachten mit schön ausgearbeiteten Plänen eingefordert und von Wissenschaftlern in bester Absicht und mit viel Mühe erstellt, und die Ministerialbeamten und -angestellten sind auch durchaus vernünftigen Argumenten zugänglich. Aber dann kommt Lobby X und Lobby Y und redet auf den Minister und den Staatsekretär ein, wie furchtbar es wäre, wenn dies oder jenes tatsächlich geschähe. Und was am Ende von dem schön ausgearbeiteten und vom Ministerium vielgelobten Plan übrig bleibt, erinnert an das ursprüngliche Gutachten nur noch entfernt.

        • SLE - 21. Juni 2012

          “Wer ist mit “denen” gemeint?”

          Selbstverständlich die, die letztlch entscheiden. Nur auf die passt die Beschreibung. Und so ist es ja nicht nur in der Politik, nicht wahr.

          Viele Grüße
          SLE.

  • Systemfrager - 20. Juni 2012

    War der gemeinsame Markt den weniger produktiven Ländern vom Vorteil?
    NEIN!

    Die Theorie der komparativen Vorteile: Mathematisch richtig, aber ökonomisch falsch!
    weiter >>>

    • Mark - 21. Juni 2012

      Das ist ein alter Hut! Krugman erhielt für die Neue Aussenhandelstheorie (späte 70er), die der Theorie der komparativen Vorteile entgegensteht, seinen Nobel-Preis.

  • titoslavija - 20. Juni 2012

    ich hab das gewusst mit der demokratischen linken. man muss sich das mal vorstellen, kouvelis tritt aus der pasok aus, weil ihm der sparmaßnahmen gegen griechenland nicht gefallen, gründet eine neue partei die demokratische linke, um dann mit der pasok die sparbeschlüsse, die ja keine sind (sondern direktgeld an die bank), dann doch mitzutragen. was für eine logik, und was für menschen das sind, da wird einem schlecht.

  • Frank Bell - 20. Juni 2012

    Angela Merkel, Juni 2005:

    “Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.”

  • lebowski - 20. Juni 2012

    Was wird hier von einer griechischen Parallelwährung gehalten? Ein Versuch wäre es wert!
    Bermhard Lietäer schwebt folgendes vor:

    “Nun, nennen wir die neue Währung CIVIC, das klingt besser als Geuro und deutet an, worum es mir geht. Die griechischen Städte und Gemeinden könnten das Recht erhalten, eine nur in CIVIC bezahlbare Abgabe einzuziehen. Um diese neue Währung zu erhalten, müssten die Bürger sich überlegen, was sie an sinnvollen Arbeiten für die Gemeinde tun können. Neue Bäume pflanzen, arbeitslosen Jugendlichen helfen, Fahrräder reparieren – alles ist möglich. Vereine und andere Nichtregierungsorganisationen könnten nützliche Jobs vorschlagen und die Leute dafür in CIVIC bezahlen. So würde eine soziale Parallelwirtschaft in Gang kommen, die nachfrageorientiert und demokratisch strukturiert wäre. “

    • Bernd Rickert - 21. Juni 2012

      Eine Komplementärwährung war der erste Gedanke, den ich zu Beginn der Griechenlandkrise hatte. Auch die Schweiz hält noch immer den WIR in Reserve. Thomas Mayer von der deutschen Bank hat das Thema Zweitwährung wieder aufgewärmt.
      In Griechenland haben sich inzwischen einige Tauschringe etabliert. Griechenland scheint fast so tief gespalten wie die damalige DDR. Gleich und gleich gesellt sich gern. Folglich unterstützt die Eurotruppe das korrupte Regime, welches an einer Zweitwährung oder gar der Krisenbewältigung kein Interesse hat.

  • klaus - 20. Juni 2012

    G20 Gipfel mit der Meinung spanische und italienische Anleihen zu kaufen.
    Merkel nachträglich.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9345571/Debt-crisis-bond-buying-plan-to-ease-euro-debts-only-theoretical-says-Angela-Merkel.html

    Da können wir ja doch mal wieder aufatmen.

    😉

    • dank - 20. Juni 2012

      Welch ein Glück – dachte schon es gibt gar keine Ergebnisse, wenn sich die “FLOP20” treffen. Jeder Dachshundzuchtverein hat nach der wöchentlichen Sitzung mehr Inhaltliches zu liefern.
      Klar – jetzt kaufen “wir gemeinschaftlich” (na, so ist das nun doch, aber bitte nicht für das BVerfG – das ist auf diesem Auge blind) einfach die Schulden von Spanien und Italien weg. Und dann haben “wir gemeinschaftlich” Schulden – bzw. “wir gemeinschaftlich” machen Schulden um diese hervorragenden Anlagemöglichkeiten zu erwerben, weil “wir gemeinschaftlich” so viel auf der hohen Kante haben.
      *arg* Es ärgert einfach… 🙁
      Danke, Euro.
      Tschüß, Euro – Konten werden geräumt und immer schön kurz gehalten. Ende der Geduld.

  • dank - 20. Juni 2012

    Danke für die provokative (wohl aber richtig verstandene) Zusammenfassung, SLE!

    Alexis Tsipras hat schlauer gehandelt, als alle vorhergegangenen Parteiführer in GR.
    Auch teile ich die Einschätzung, dass es in dem Fall in der Opposition einfach ist zu reagieren und daraus einen Vorteil zu ziehen, bzw. das Ruder zusammen mit der geschassten Bevölkerung in eine andere Richtung zu drehen.
    GR schaut ab dann auf sich – und ganz ehrlich: Das ist auch korrekt so. Vom Kleinen zum Großen und nicht umgekehrt.

    Vor 4 Jahren war jemand (Name nicht mehr präsent im Fernsehen zu sehen der erzählte sinngemäß (auf n-tv)):
    Es mag jetzt noch komisch klingen, aber innerhalb der nächsten wenigen Jahre werden Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, sodann Teile der ehem. Ostblockstaaten – Italien, Frankreich und dann Deutschland, sodann England – zuletzt USA im Strudel des Euro – letzteren beiden indirekt; direkt, durch die eigenen vorangegangenen Fehler – Schiffbruch erleiden. Die Reihenfolge ergibt sich aus den Beteiligungen der einzelnen Länder untereinander und deren Wirtschaftskraft und auch das aufschieben auf die anderen.
    Mein Vater und ich debattierten später darüber und sahen uns an; meinten: Oha, das ja hart – was dran? Was machen wir? Verschwenden wir Energie, wenn wir daran glauben?!…
    Jetzt ist es Jahre später und langsam aber sicher bekommt der nette Herr im TV Recht. Leider. Ganz untätig waren wir dann selbst auch nicht um wenigstens für die nächsten Jahre die Weichen richtig zu stellen.
    So, also nun ist GR durch, Spanien ist am Verzweifeln und wir stehen beim “Anfang” von Italien – next to go: France.
    Hollande ahoy, was in dem Zusammenhang durchaus als zweideutig gültig ist, da die Netherlands schneller auf der Schwelle stehen, als viele glauben.

    Finde die Querschuesse sehr gut – finde die ganzen vielen vielen Kommentare wunderbar. Es ist interessant und ja – es bildet. Wobei darauf einbilden, kann sich niemand was, denn meist bleiben die meisten vom Umfeld unverstanden (andere Tendenzen sind nach den letzten beiden Jahren aber erkennbar).
    Mit großem Interesse hab ich den Streit über VTs verfolgt und auch das Hin und Her.
    Nicht nur alleine die Geld- Fiskal- oder Terrorpolitik führt zu den Problemen, die wir haben… vielen ists bewusst… sondern auch der Umgang des Staates (die eigentliche Gesamtvertretung aller Bürger) mit der Bevölkerung. Nicht zuletzt im Bezug auf den ESM und den anderen zwielichtigen Machenschaften, die mal schnell einfach so abgesegnet werden – zum Allgemeinwohl, oder auch wie der Handlungsdruck dazu “erzeugt” wird.
    Deswegen anbei auch mal einige kleine Links, die weder zur Bekehrung – mehr als Bereicherung gedacht sind. Jedes Thema für sich ist ein nette Geschichte zu:
    Was wir glauben und was wirklich von “oben” damit bezweckt wird. Dennoch kann daraus so einiges geschlossen werden, wie ich meine, wenn es darum geht, ob die Politiker die Getriebenen sind oder vielleicht doch einfach nur die kleinen Beamten – die nur ihre Arbeit machen oder das Schicksal auch ganz gewollt herausfordern, da vermeintlich TINA.

    Mir ist auch durchaus bewusst, dass es sich bei querschuesse.de um einen Wirtschaftsblog handelt – aber falls jetzt einer kommt und behauptet, dass Kriegs- und Terrorangsttreiberei, Bondvandalen und Länderwetten nicht immer zuallererst auch der “virtuellen (virulenten Monetär-) Wirtschaft” dient, gehörts doch irgendwo alles zu einem Thema.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Falsche_Flagge

    Besonders hervorzuheben oder interessant:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung_(Italien)#Die_Aufdeckung_von_Terror_als_politisches_Instrument
    https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_von_Bologna_1980
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Herrhausen#Ungereimtheiten (Sein Eintreten für einen Schuldenerlass erregte internationales Aufsehen und sorgte für erbitterten Widerstand… https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Herrhausen#Pers.C3.B6nlichkeit)

    Nur ein Teilausschnitt und selbst davon wurden viele als VTs abgetan, bis die Akten nicht mehr zurückgehalten werden konnten – Dunkelziffer, wie immer, unbekannt.

    Grüße&dank

    Ein Kunstwerk verliert den Wert, wenn nur ein Teilausschnitt als Aussage des Ganzen gewertet wird.
    Ein kleinen Schild darunter: Das Bild ist größer – bitte zurücktreten.

  • klaus - 21. Juni 2012

    Ach ja, hier noch ein interessanter Artikel dazu.
    Man soll da weitermachen, wo die EZB letztes Jahr
    mit etwa 200 Mrd aufgehört hat.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9343049/Debt-crisis-Spain-and-Italy-to-be-bailed-out-in-600bn-deal.html

    Und hier war man auch noch entschlossen

    http://www.guardian.co.uk/business/2012/jun/19/germany-eurozone-bailout-countries-debt

    Und dann war alles theorethisch.

    Tja, mal sehen, ob oder ob doch nicht doch?
    Ei verbibscht.

    😉

  • Gast44 - 21. Juni 2012

    Importzölle werden nicht funktionieren. Sagen wir mal auf Textilien würden 80% Importzoll erhoben. Nun wäre es ja theoretisch wieder lukrativ in GR selbst Textilien herzustellen.

    Wenn nur nicht die verdammte Korruption wäre.
    Es ist nämlich viel lukrativer einige Zollbeamte zu schmieren und die Ware zollfrei einzuführen.
    Da nun aber Textilien in GR teuerer als bisher werden und verbrecherische Importeure sich das Geld von den “kleinen Leuten” in die Tasche schieben, wird alles nur noch schlimmer als zuvor.

    Jede Maßnahme in GR, die sich nur ansatzweise mit Korruption umgehen lässt wird scheitern!!!

    So kann auch die Parallelwährung nicht funktionieren, weil sich die Regeln mit Korruption aushebeln lassen.

    • SLE - 21. Juni 2012

      Das ist mir eine zu defätistische Sicht. Vieles lässt sich und kann man vdeswegen auch verändern. Ob und wie das gelingen kann, ist natürlich immer die ausschlaggebende Frage.

      Zum Beispiel Textilindustrie/Importzölle: Griechenland muss seine wirtschaftliche Selbstständigkeit erhöhen und dazu gehört, dass es die dazu notwendigen – bis dato kümmerlichen – Industriesstrukturen erst einmal schaffen und aufbauen muss. Es geht also in erster Linie nicht um die Stärkung der Exportkraft. Denken Sie an Deutschland in der Nachkriegszeit. Das war im Prinzip von der wirtschaftspolitischen Aufgabe her eine sehr ähnliche Situation. Deutsche Produkte wurde erst später Exportschlager.

      Grüße
      SLE

  • SLE - 21. Juni 2012

    Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder:

    http://www.rp-online.de/politik/eu/ezb-mitglied-irritiert-mit-ns-vergleich-1.2879564

    • dank - 21. Juni 2012

      “Bereits Anfang Juni hatten der britische Historiker Niall Ferguson und der US-Ökonom Nouriel Roubini in der britischen Tageszeitung “Financial Times” …”

      Da gebührt die Ehre des “bereits” aber ganz anderen: 😉

      Euro-Krise: Zur Selbstauflösung des politischen Systems in Griechenland


      und nicht zuletzt noch x anderen Bloggern.

      Immer deutlicher ist zu erkennen: Die Printmedien haben fertig – auch wenn diese Onlineportale unterhalten; selbst diese sind einfach zu oft der Zeit hinterher…

      • SLE - 21. Juni 2012

        Nicht dass die Presse so etwas meldet ist wesentlich. Wir hier und viele andere Blogs schreiben das ja schon lange. Wichtig ist vielmehr, dass ein prominenter EZB-Notenbanker das so direkt und laut sagt! Immerhin ist es bisher doch gerade auch die EZB gewesen, die strikte Austerität fordert – nicht nur im Rahmen der Troika!

        Grüße
        SLE

  • calculate - 21. Juni 2012

    Aus: http://wiki.nuevalandia.net/Aneignung_von_Lebensgrundlagen


    Krisen durch Umverteilung

    Das System der selbstverstärkenden und immer weiter konzentrierten Umverteilung ist auf Dauer nicht überlebensfähig:

    Da das Wirtschaftswachstum langfristig niemals Schritt halten kann, kommt es zu einer immer stärker werdenden Verarmung der Bevölkerungsmehrheit.
    Die Kollabierung bzw. das “Luftholen” durch notwendige Krisen ist somit in der Struktur angelegt:
    Entweder den Bürgern werden über staatliche Rückverteilung ihre notwendigen Bedürfnisse gesichert, dann kommt es zu Wirtschafts- oder Finanzkrisen
    Oder die Wirtschaft wird auf Kosten der Menschen gerettet, dann kommt es langfristig zum gesellschaftlichen Umsturz
    Oder die Wirtschaft wird auf Kosten der Umwelt gerettet (Wachstumssteigerung über erhöhte Ausbeutung des Planeten), dann kommt es langfristig zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch, da die lebensnotwendigen Ressourcen zerstört werden.

    !!
    Der Staat tritt dabei meist als “Erfüllungsgehilfe” der leistungslosen Einkommen auf.
    Grund ist hierbei oft der Lobbyismus sowie die Wachstumsgläubigkeit (s.Wirtschaftswachstum und Bruttoinlandsprodukt).
    Er sichert den Anspruch der Vermögenden auf die Lebensgrundlagen der Anderen und setzt diesen Notfalls mit Gewalt durch (s.Hausräumung Erfurt).
    !!

    Auf der anderen Seite kann ein Staat seine Bevölkerung auch nicht verhungern lassen oder ehemals errungene Sozialleistungen immer weiter zurückfahren. Dies ließe sich die Bevölkerung nicht ewig gefallen (nicht einmal in einer Diktatur). Demokratische Regierungen wollen außerdem wieder gewählt werden!

    Der einfachste (und fast immer gewählte) Ausweg aus diesem Dilemma ist:
    Absicherung der leistungslosen Einkommen (einen großen Anteil zahlt der Staat sogar selbst, z.B. über seine Zinszahlungen).

    Damit wird allerdings auch die Umverteilung von unten nach oben zementiert.
    Gleichzeitig verschuldet sich der Staat immer mehr um den Sozialstaat aufrecht zu halten und die Wirtschaft zu stimulieren in der (irrsinnigen) Hoffnung auf eine “Selbstfinanzierung”.

    Die neuen Schulden führen dann allerdings zu einer zusätzlichen Umverteilung. Anstatt Wirtschaftswachstum an dem alle profitieren, konzentriert sich das Kapital nur noch weiter. -> Wieder muss der Staat einspringen usw.
    Das Problem verstärkt sich also immer weiter.
    Irgendwann sinkt dann die Bonität des Staates. Damit steigt die Verschuldung immer mehr. -> Die Bonität sinkt weiter usw.

    Die letzte Konsequenz des Spiels ist dann der Staatsbankrott (s.auch Staatsverschuldung).

    Damit ist eigentlich alles gesagt.

    Durch die Ausweitung der begrenzten nationalen Wirtschaftszonen auf die ganze Welt (Stichworte Freihandel, Globalisierung), wurden die Zinszahlungen an die (Groß-)Kapitalbesitzer zunächst weiter gesichert.
    Wenn im nationalen Bereich dann nur ein großer Teil der Bevölkerung dafür aufkommen musste, sind es mit der Globalisierung ganze Länder, insbesondere zunächst an der Peripherie, die ausgesaugt wurden.
    Danach fällt die Aufgabe der Zinszahlungen wieder an die Ausgangsländer
    (siehe z.B. Target 2) zurück, bis auch dort nichts mehr geht.
    Danach kann nichts mehr kommen.

    Maßnahmen wie z.B. eine (globale) Bodenreform, zinsloses Geld etc. werden bei 7 Milliarden Individuen schwierig durchzusetzen sein. Vielleicht sind wir erst zu ernsthaften Änderungen bereit, wenn auch das einmalige Geschenk der Sonne, die Energie des Erdöls, endgültig versiegt ist.

    ciao. calculate

  • SLGramann - 21. Juni 2012

    Hallo Herr Dr. Eichner,

    danke für diesen Beitrag, der den Horizont erweitert!

    Ganz generell könnte diese Welt etwas(!) mehr Protektionismus sehr gut vetragen! Wie Sie schreiben: Die Dosis macht dabei das Gift. Die Dinge sind nicht nur schwarz und weiß, wie die neoliberalen Ideologen uns einprügeln wollen.

    Aber mal unabhängig von der Frage, ob man Schutzzölle oder eine Abwertung oder beides favorisiert, ist dieser Satz von Ihnen extrem wichtig:

    “Wenn Importgüter teuer sind, wird sich die Binnennachfrage verstärkt auf heimische Erzeugnisse richten. Temporär und auf ausgewählte Sektoren begrenzte „Schutzzölle“ können strukturschwachen Volkswirtschaften die Möglichkeit bieten, sich wirtschaftlich zu entwickeln.”

    In der Diskussion in Deutschland wird oft das idiotische Argument gebracht, dass ein Euro-Austritt und eine Abwertung Griechenland wenig nützen würde, weil man ohnehin kaum etwas zu exportieren hätte, was sich auch mit einer schwachen Währung nicht ändern würde.
    Das Argument ist zwar richtig, aber bedeutungslos.

    Viel wichtiger ist nämlich, dass mit einer abgewerteten Währung (oder mit Schutzzöllen) die Griechen gezwungen(!) wären, viel mehr griechische Produkte zu kaufen. Genau dadurch gäbe es wieder einen Impuls für eine originär griechische Produktion für die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung. Es wäre ein Prozess, der Zeit braucht, aber es wäre ein produktiver Weg und keine Auslöschung einer ganzen Wirtschaft, wie sie heute stattfindet und ein ganzes Volk als Hartz 4 Empfänger zurücklassen wird.

    • Roland - 21. Juni 2012

      @ SL Gramman

      Der Fall des griechischen Volkes kann nicht einmal auf dem Stand eines Hartz 4 – Empfängers gestoppt werden. Das gibt es dort nämlich nicht. Nach 12 Monaten Unterstützung heisst es schlicht : Nothing.

      Es ist ein Fall ins Bergfreie.

    • SLE - 21. Juni 2012

      Hallo SLGramann,

      sehr schön auf den Punkt gebracht. Ganz genau darum geht es und ich denke, es ist sehr wichtig, dass dies endlich auch breiter zur Kenntnis genommen und diskutiert wird.

      Viele Grüße
      SLE

    • lottchen - 21. Juni 2012

      > In der Diskussion in Deutschland wird oft das idiotische Argument gebracht, dass ein Euro-Austritt und eine Abwertung Griechenland wenig nützen würde, weil man ohnehin kaum etwas zu exportieren hätte, was sich auch mit einer schwachen Währung nicht ändern würde.
      Das Argument ist zwar richtig, aber bedeutungslos.

      Das Argument ist nicht einmal richtig. Die Leistungsbilanz wurde erst nach der Euroeinführung so schlecht. Vorher sah sie deutlich besser aus. Und so lange ist das nun auch nicht her, als dass sich die gesamte Wirtschaft seither vollständig umstrukturiert hätte.

  • codo - 21. Juni 2012

    wieso sollte ein land, das in seiner hauptstadt athen die höchste dichte an luxusfahrzeugen europaweit hat u. zugleich die geringste steuerzahl-bereitschaft in europa aufweist, mit den geldern der restlichen europäischen steuerzahler finanziert werden??

    egal wie schlecht es den griechen jetzt geht, egal wie sehr sie unter der momentanen situation leiden, es ist ihre eigene schuld u. sie haben die folgen ihrer eigenen fehler aus der vergangenheit selbst auszubaden u. zu ertragen, anstatt die steuerzahler der anderen europ. länder auch noch in die misere mit rein zu ziehen, um auch noch deren lebensstandard u. deren finanzielle situation zu verschlechtern!!

    erst wenn die griechen ganz am boden sind u. leiden ohne ende, werden sie bereit sein, sich an jenen parteien u. deren führungspersonal zu “rächen”, die sie in diese lage gebracht haben u. erst dann werden sie so weit sein, gnadenlos all jene zu bestrafen, die veränderung verweigern, weiter korruption, bestechung, lug u. betrug auf ihrer agenda haben u. den weg griechenlands vom afrikanischen auf europäischen standard verhindern..

    nicht weiter andauernde jahrelange alimentierung eines failed states kann der richtige weg sein, sondern bein harte abrechnung mit allen verhinderern u. jahrelange haftstrafen für all jene beamte u. politiker, die diesen weg richtung europa nicht mitgehen, sondern weiter nur ihre hände offenhalten u. jeglichen versuch richtung veränderung massivst untergraben !!

    • SLE - 21. Juni 2012

      Es ist hier im Blog – beosnder von Steffen – immer wieder herausgestellt worden und müsste deswegen auch hinlänglich bekannt sein, dass die Euro-Hilfen in Griechenland im Wesentlichen nur ein durchlaufender Posten sind und direkt den Gläubigern zufließen. Es ist nichts anderes als eine Bankenrettung durch die Hintertür. Das Problem exorbitant gestiegender Zinsen und Risikoprämien hat nicht nur Griechenland. Auch die anderen Euro-Schuldenstaaten haben es – im Moment insbesonder Spanien und zunehmend auch Italien. Die damit verbundene finanzielle Last könnte aber auch ein gesunder Staat nicht lange schultern. Insofern ist es nicht richtig, dass Griechen selbst an ihrer Misere schuld sind.

      Dass sie die alten korrupten Parteien wiedergewählt haben, daran hat ja ausgerechnet die Euro-Gruppe ein großes Interesse gehabt und deswegen wurden vor den Griechen in der gesamten europäischen Presse Horrorszenarien ausgebreitet, sollten sie nicht wieder die alten korrupten Parteien wählen, sondern Syriza. man kan von einem Durchschnittsbürger kaum erwarten, dass er eine so massive gerichtete Informationsflut richtig beurteilen und bewerten kann. Viele Griechen hatten schlicht Angst. Das ist auch der Grund, warum gerade die einfachen Leute – nicht die vermögenden Griechen – kurz vor der Wahl ihre Ersparnisse von den Banken abgehoben haben.

      Grüße
      SLE

    • Querschuss - 21. Juni 2012

      Hallo Codo,
      “die Griechen” sind an dem abgewirtschafteten System in Griechenland genauso wenig Schuld, wie du an den immer neuen Rettungspaketen zur Rettung des Euro, maßgeblich von der Bundesregierung mit inszeniert und getragen. Dasselbe gilt für die sich immer weiter anhäufenden Risiken bei der BUBA, siehe Target2.

    • lottchen - 21. Juni 2012

      Monokausale Schuldzuweisungen, Moralpredigten und Forderungen martialischer Maßnahmen auf Kosten Unschuldiger, die, weil den Zusammenbruch der griechischen Gesellschaft und des Weltfinanzsystems nach sich ziehend, ohnehin nicht praktikabel wären, führen zu nichts. In einem Wirtschaftsblog ist differenzierte Diagnose gefragt.
      Für alles Weitere findet sich genügend Raum und Publikum in den Foren von Welt, Focus und SPON.

  • Frankenfurter - 21. Juni 2012

    langsam gehen uns die Ideen zu Griechenland aus. Ist wohl allerhöchste Zeit, dass auf Notbetrieb umgeschaltet wird und die Menschen nicht wg. Krise auch noch verhungern! Zumindest die gr. Landwirtschaft muss durch staatl. Zuschüsse auf Konjunktur umschalten und die Lebensmittel kostenlos verteilen an alle die es nötig haben…..

  • hunsrückbauer - 21. Juni 2012

    Parasiten bleiben Parasiten. Der Kapitalismus braucht Parasiten, denn nur an Dahinsiechenden läßt sich Geld verdienen, nur auf Siechtum läßt sich erfolgreich wetten. Tote oder Genesende bilden die schlechteste Grundlage für gute Geschäfte.

    • Querschuss - 21. Juni 2012

      Hallo hunsrückbauer,
      “Der Kapitalismus braucht Parasiten, denn nur an Dahinsiechenden läßt sich Geld verdienen, nur auf Siechtum läßt sich erfolgreich wetten.” …Die These würde ich bezweifeln, denn zweifelsohne könnten die Kapitalisten der Realwirtschaft an einer prosperienden Wirtschaft viel besser verdienen. Selbst Finanzmarktakteure können bei Aktienkurse im Cent-Bereich kaum noch an fallenden Kursen gewinnen und auch die Wettpartner auf einen Zahlungsausfall kommen abhanden, weil diese Wette dagegen kaum noch jemand eingeht. In einem Szenario wie in Griechenland verlieren früher oder später auch signifikante Teile der von dir bezeichneten “Parasiten”.

  • Andreas Z - 21. Juni 2012

    Hallo Stefan L. Eichner,
    wieder prima Analyse. Danke!
    Es geht weiter wie bisher, bis auch die Wähler von ND verstanden haben, dass diese Politik nich in ihrem Interesse ist. Sicherlich hatte die große Anzahl der Staatsbedienstenen Angst vor dem einschneidenden Kurswechsel, anders kann ich mir dieses merkwürdige Wahlergebnis auch nicht erklären.

    Der Ansatz mit “Schutzöllen” wäre natürlich theoretish ein möglicher Weg. Sehr kritisch sehe ich diesen Ansatz jedoch aus politökonomischer Sicht: mit einem solchem Werkzeug bekommen die Politiker ein weiteres “Steuerungsspielzeug” in die Hand mit dem sie Klientel-Politik betreiben können. Von daher ist die eigene Währung klar zu bevorzugen: mit den Wechselkursen wird eine verfehlte Politik abgestraft oder belohnt, das ist der bessere Mechanismus.

    Gruß
    Andreas Z

  • mitwisser - 21. Juni 2012

    Meine Rede seit längerem: Griechenland ist wirtschaftlich, moralisch und vor allem politisch bankrott. Vor nicht allzu langer Zeit wäre so ein “Land” zügig von der Landkarte verschwunden, wie so viele andere schon davor. Wie mit einem “failed state” im “modernen” Europa umgegangen wird, bleibt eine spannende als auch traurige Geschichte.

  • ergo sum - 21. Juni 2012

    @ SLE:

    Die ungewöhnlich starke Leserbeteiligung bestätigt die Wichtigkeit Ihrer Denkanstöße. Das Problem ist nur, dass wir alle aus der Perspektive “normaler” Staaten urteilen. Leider war Griechenland nie ein normaler Staat, und Ihre Charakterisierung “soziales Pulverfass” ist nachvollziehbar. Auf jeden blutigen Umsturz der Linken folgte bisher ein Ruck nach rechts, ja sogar eine Militärdiktatur. Aus dieser Sicht ist die Koalition relativ moderater Parteien wohl das kleinere Übel, selbst wenn sie nur Aufschub und immer noch keine Lösung bringt.

    Gruß, Ergo

    • SLE - 21. Juni 2012

      Hallo ergo sum,

      ich glaube, auch Syriza ist nicht im eigentlichen Sinne eine “radikale” Partei. Ein Berater von Syriza hat einmal erläutert, dass das in der ausländischen Presse falsch gedeutet wird und auch seine Ausführungen zu Syrizas Vorstellungen sind nicht radikal, sondern klingen ausgesprochen vernünftig. (siehe dazu: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/interviewsyriza100.html)

      Insofern würde ich Ihrer Einschätzung, die Griechen hätten das kleinere Übel gewählt, mit Blick auf die Krisenkonzeption nicht folgen wollen. Aus der Perspektive der Euro-Partner und der der Finanzmärkte ist es aber in der Tat das kleiner Übel gewesen.

      Es bleibt sicher abzuwarten, was der EU-Gipfel ab dem 27. Juni bringen wird. Hollande hat konkrete Vorstellungen im Gepäck, und im Süden Europas viel Rückhalt. Was mich etwas optimistischer bezüglich des Ausgangs dieser Veranstaltung stimmt, als ich es bisher mit Blick auf die Krisenmaßnahmen für gewöhnlich war, ist, dass in den letzten Tagen einige Berichte darauf hindeuten, dass sich die Euro-Retter auch des Problems der Regulierung der Finanzmärkte und der Ratingagenturen annehmen wollen. Das wäre neu.

      Aber natürlich ist die Frage, was am Ende tatsächlich konkret beschlossen wird und mit welchem Zeithorizont für die Umsetzung. Eigentlich gibt es – nicht zuletzt wegen der erneut in die Höhe schießenden Risikoprämien und Zinsen für Staatsanleihen von Spanien und Italien – einen hohe Bedarf für Sofortmaßnahmen. Ob diese auf europäischer Ebene möglich sind, ist allerdings fraglich. Holland will in Frankreich jedenfalls – gerade auch mit Blick auf die Finanzmärkte – rasch handeln, wie sein 60-Punkte-Plan zeigt (siehe dazu: http://www.wiesaussieht.de/2012/05/09/der-60-punkteplan-von-francois-hollande/)

      Der EU-Gipfel ist aus meiner Sicht in jedem Fall ein potenziell bedeutsameres Ereignis als der G20-Gipel es war.

      Viele Grüße
      SLE

  • Freiberufler - 21. Juni 2012

    Protektionismus (der im Übrigen den Sinn einer Währungsunion konterkariert) kann kein Realingment ersetzen. Man schafft da eher eine Oase der Planwirtschaft, in der die Akteure ungestört von lästigem Konkurrenzdruck die Preise nach oben schrauben können.

    M.E. kann eine Gesundung nur über den Tourismus erfolgen. Aber dazu muss Griechenland konkurrenzfähige Preise bieten. Wie soll das mit Zöllen funktionieren?

    Dass die Griechen den Euro behalten wollen, ist nicht weiter verwunderlich. Wer wertet schon gerne um 50 oder 70 % ab? Normalerweise entscheiden solche Dinge die Finanzmärkte: Wenn einem die Devisen ausgehen, ist Game Over. Beim Euro aber glauben die Leute, dass sie eine Wahl hätten. Haben sie die wirklich, wenn Deutschland den Geldhahn zudreht?

    • SLE - 21. Juni 2012

      Hallo Freiberufler,

      Griechenland hat so gut wie keine ausgeprägte Industriestruktur und das ist das zentrale zu lösende Problem in der Frage, wie sich das Land wirtschaftlich erholen kann, um überhaupt in die Lage gelangen zu können, wieder finanziell unabhängig zu werden. Ich denke auch, angesichts der globalen Marktstrukturen, es wäre für Griechenland klüger, nicht auf eine Billigheimer-Strategie zu setzen – das woanders am Ende auch nie funktioniert (siehe Ungarn, Rumänien) -, sondern auf Differenzierung, Nischen, Qualität und generell Innovation. Der Tourismus bietet in dieser Hinsicht kein allzu großes Entwicklungspotenzial, fürchte ich.

      Andererseits darf man nicht übersehen, dass Griechenland genau wie jetzt auch Spanien gerade deswegen in immer größere finanzielle Schwierigkeiten gekommen ist, weil Risikoaufschläge und Zinsen massiv in die Höhe getrieben wurden. Sieht man das in Relation zur Schuldensituation etwa in den USA und Großbritannien, so scheinen die Ratingagenturen mit zweierlei Maß zu messen. Genau deswegen plant die EZB ja jetzt offenbar auch diesebzüglich entsprechende Regeländerungen (siehe http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/neue-regeln-ezb-wirft-spaniens-banken-rettungsring-zu/6782774.html). Ferner wurde ja auch mit CDS auf die Pleite Griechenlands gewettet, was ebenfalls die Probleme verschärfte.

      Ich denke deswegen, dass wir es auch im Falle Griechenlands in der Tat mit einer künstlich erzeugten, aber durchaus signifikanten Überhöhung der finanziellen Probleme zu tun haben.

      Viele Grüße
      SLE

  • Huthmann - 21. Juni 2012

    Meiner Ansicht nach ist das Thema Euro durch. Es gibt als Alternative nur noch die vereinigten Staaten Europa`s mit definierten Souveränitätsverzichten. Nur, welches Land ist bereit dazu im Anblick des Abgrundes? Frankreich? Da habe ich größte Zweifel, wenn ich mir die französische Elite so vor Augen halte. Deutschland? Ggf.

  • pf - 21. Juni 2012

    Lieber SLE,

    bin Grieche und lese mit großem Interesse seit einiger Zeit Ihre Beiträge. Lebe seit vielen Jahren in D, aber meine gesamte Familie und Freunde leben noch vor Ort. Habe selber beruflich vor Ort oft zu tun, habe also einen sehr guten Einblick in die realen Probleme des Landes auch der Wirtschaft.
    Ihre politische Anlalysen und wirtschaftliche Statistiken sind m.E. wissenschaftlich sehr gut und ich lese sie mit sehr großer Aufmerksamkeit.

    Befürchte aber, dass auch Sie, getrieben vom falschen Wunsch, dass Griechenland der mittlerweile viel zittierte und berüchtigte erste Dominostein seien sollte, welcher das Schreckbild des zugegebenerweise falschen neoliberalen Monsters der modernen Wirtschaftsordnung stürzen sollte. Syriza hätte mit seinen populistischen Ideen, so die Hoffnung im Rahmen des Dominoeffektes selber dieses Opfer gebracht, im Sinne des großen Ziels.
    Warum sollte aber Griechenland sich hier selber als erster Dominostein opfern? Das man am Ende des Tages, dann doch dieser Dominostein sein wird (vielleicht, wahrscheinlich???), heisst noch lange nicht, dass man dies freiwillig tun sollte. Die Opfer die man gebracht hätte für diesen Schritt, wären im Verhältniss zu den jetzigen schon relativ großen Opfern viel extremer.

    Zur Wirtschaftsproblematik GR. Es existiert in GR eine große Diskussion, die hier leider kaum ankommt. Was hier natürlich sehr stark ankommt, was natürlich sehr sehr wichtig ist, ist die Diskussion und der Protest über das fehlende soziale Netz und das Abrutschen der gesellschaftlichen Mittelschicht.

    Aber es gibt auch eine andere Diskussion die statfindet. Es ist eine Diskussion über die Modernisierung des Landes und dies unabhängig von der Währung (auch wenn die Währung ein sehr wichtiger Faktor ist).

    Modernisierung bedeutet:
    – Effizienter Staatsapparat, den Bedürfnissen angepasst und nicht nur der internen Nachfragepolitik/Klientenpolitik.
    – Qualitätsbewustsein schaffen in den angebotenen Produkten und Dienstleistungen. Sie haben recht es gibt keine wettbewerbsfähige Industrie, aber stimmt das Preis/Leistungsverhältniss in den Produkten und Dienstleistungen die man versucht an den Weltmärkten zu verkaufen?? Ganz ehrlich in den meisten Fällen nicht, weil man wieder lernen muss, Qualitätsbewusst zu denken und herzustellen.
    – Einnahmensituation des Staates realistisch betrachten und darauf seine Ausgabenpolitik aufzustellen. Alle versprechen und träumen von der optimalen Steuereintreibung in GR.
    In einer Wirtschaftsstruktur aber wo 70% der Unternehmer, Freiberufler und Familienunternehmen bis 3 MA sind, ist eine optimale Steuerausbeutung unrealistisch (übrigens auch in D nicht in diesem Steuersegment).
    – Gesellschaftlicher Neustart der Rechtsempfindens. Ohne Rechtsempfinden, keine gesellschaftlicher Frieden, kein Wollstand. Die griechische Gesellschaft hat überall und in allen Schichten leider sein Rechtsempfinden in den letzten Jahren verloren. Eine Gesellschaft die so funktioniert, kann und wird auch nicht den schwecheren in der Gesellschaft helfen können.

    Diese Schritte der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Modernisierung sind unabdingbar, -egal mit welcher Währung. Es werden da bin ich mir sicher neue Kräfte -auch politische- entstehen, aber wie die Geschichte halt immer wieder gezeigt hat, nicht während und mitten drin in der Krise, sondern wenn es anfängt wieder aufwärts geht.
    Wir wollen nicht der erste Dominostein sein. Wir wollen wenn es Veränderungen geben wird, die es europaweit bzw. weltweit wohl geben muss, unseren Beitrag dazu leisten aber nicht in dem wir uns selber “anzünden”.
    Uns ist es übrigens bewusst, viel mehr als es in Deutschland diskutiert wird, dass unsere Schulden das hiesige Vermögen ist. Im schlimmsten Fall verlieren also beide.

    • SLE - 21. Juni 2012

      Hallo PF,

      vielen Dank für die offenen Worte und Einblicke in das, was Sie und viele Griechen vor Ort tatsächlich beschäftigt. Es freut mich sehr, dass Sie sich hier einbringen. Denn genau das, das heißt die Beteiligung griechischer Bürger, fehlt hier leider in den Diskussionen über die Frage, wie man die Griechenlandkrise bewältigen kann. Ein solcher Austausch ist wichtig.

      Sie haben natürlich unbedingt Recht, dass es in Griechenland Probleme gibt, die das Land und seine Bürger und Politiker selbst lösen müssen. Ganz sicher ist nicht alles falsch, was die Troika fordert – z.B. mit Blick auf die aufgeblähten Verwaltungsstrukturen und die Korruption.

      Davon abgesehen gibt es in Griechenland ebenso wie in anderen europäischen Schuldenstaaten durchaus auch eine Reihe von sehr ähnlichen, aber grundlegenden Problemen, die auf dieselben Ursachen zurückgehen. Insbesondere sind das u.a. wirtschaftsstrukturelle Schwächen und daraus resultierende wirtschaftliche Disparitäten innerhalb Europas, die prinzipiell neu zu stellende Frage, wie Wirtschaftswachstum und Beschäftigung generiert werden können und Probleme, die direkt oder indirekt mit dem Treiben auf den Finanzmärkten zusammenhängen.

      Was ich hier in meinen Aufsätzen in der Regel anspreche und thematisiere, ist die zuletzt genannte Gruppe von Problemen. Ich bin mir aber bewusst, dass es eben auch andere gibt, die in und von Griechenland alleine gelöst werden müssen. Leidensdruck, der dies oft erst möglich macht, dürfte es mittlerweile in Greichenland geben. Perspektiven gibt es bisher indes offensichtlich noch nicht .

      Ich kann verstehen, dass die Griechen nicht “der erste Dominostein” sein wollen, der Europa oder die Finanz- und Weltmärkte in die Krise stürzt. Die Frage ist nur, wie man das am besten verhindern kann und ich fürchte, dass die neue griechische Regierung die Chancen dafür nicht wirklich verbessert. Aber Sie können das als Griech mit engem Kontakt zu ihrer Heimat sicher besser beurteilen.

      Viele Grüße
      SLE

  • M.M. - 21. Juni 2012

    Habe gehört, die Chinesen wollen in Piräus einen riesen Conteinerhafen hinstellen. Da haben die Hafenarbeiter protestiert, weil sie wollen nicht unter den Bedingungen des freien Marktes arbeiten.
    Aber worauf ich hinaus will, ist dass man auch manchmal hören kann, Griechenland soll Freihandelszonen einrichten. Jetzt würde mich volkswirtschaftlich interessieren, wie sich das gegenüber der Importzölle auswirkt. Ist das ein Widerspruch ?

  • Bernd Rickert - 21. Juni 2012

    @pf

    Ihren guten Willen in Ehren würde mich interessieren von welchen zusätzlichen Opfern sie sprechen.

    Eine medizinische Notversorgung Griechenlands ist bereits geplant. Die ausländischen Unternehmen ziehen sich aus Griechenland zurück. Die sogenannten Rettungsmaßnahmen haben das griechische Kapital ins Ausland befördert und refinanzieren Privatbanken. Die Schulden sind bereits wieder so hoch, dass sie niemals abgetragen werden können. Es wurden die gleichen Politiker wiedergewählt, die das Land in die Krise regiert haben. Den i-Punkt ist der als Finanzminister Vassilis Rapanos, welcher offensichtlich persönlich bei der Haushaltsbilanzfälschung zum Eurobeitritt Hand angelegt hat.

    Was haben sie also noch zu verlieren, wenn sie nicht dem Stamm der bevorzugten Clientel angehören? Ich lese etwas Angst aus ihrem Beitrag, doch verstehe ich nicht, woher diese Angst rührt.

    Ein Austritt aus der Eurozone bedingt nicht den Austritt aus der EU. Strukturhilfen an denen derzeit kein Interesse besteht, die Griechenland jedoch dringender bräuchte als Geschenke an Milliardäre, würden also möglicherweise auch mal in Anspruch genommen.

    Durch die Abwertung nach außen würde griechisches Olivenöl auch im Billiglohnland Deutschland wieder verkauft und die griechische Tourismusindustrie wäre international wesentlich wettbewerbsfähiger. Die globalen Märkte für hochwertige Industrieprodukte sind besetzt. Dort findet kein Diversivizierungs- sondern im Gegenteil ein Konzentrationsprozess statt. Mit dem Ausstieg aus dem Euro oder zumindest der Einführung einer Komplementärwährung haben sie die Chance den Binnenmarkt zu beleben und könnten die Kapitalflucht bremsen. Der status quo nützt nur der politischen Elite und ihrer Clientel, insbesondere den griechischen Reedern etwas.

    Warum also sollte Griechenland nicht der erste Sprengsatz sein, welcher das Schreckbild des  falschen neoliberalen Monsters der modernen Wirtschaftsordnung stürzt statt dieses nimmersatte Monster immer weiter zu füttern. 
    Was halten sie übrigens von Kapitalverkehrskontrollen durch unabhängige EU-Beamte?

  • JL - 21. Juni 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    nun, nur Sieger singen Hymnen, Verlierer nie. Möchte man die Gewinner dieses Freihandels erkennen, braucht man nur genau zuhören. Man erkennt dann wohl global aufgestellte Finanz- Wirtschafts- und Handelsunternemen.

    Schon seit der Antike ist bekannt, daß Zölle auch einen Schutz der heimischen Produzenten und Händler vor externen Anbietern darstellten, wenn diese- warum auch immer- gleichwertige Waren erheblich kostengünstiger anboten. Diese Zölle sind aber nicht nur ein Schutz für Händler und Produzenten, sondern sicherten den sozialen Frieden in der Gemeinde. Frei nach dem Motto: geht es allen gut- lebt der König sicher und länger.

    Und welcher Gemeinde gehören die großen Player an?

    Dort wird analytisch- neutral, also völlig emotionslos, jede globale Gemeinde bewertet. Sind Gewinne zu erwarten “steigt man”- wie auch immer- in die Gemeinde ein und wird aktiv. Werden die Risiken- warum auch immer- zu groß, “steigt man aus” und zieht sich zurück bis der Rauch verflogen ist. Um die Bilanzen nicht zu belasten wettet man dann eben zwischenzeitlich gegen eine andere Gemeinde oder lagert die Produktion in eine andere Niedriglohngemeinde aus.

    Schlimm wird es erst, wenn in allen Gemeinden das Dach brennt.

    Ja und Griechenland:
    Sinnvolle Steuersenkung auf breiter Front bei gleichzeitigem Bürokratiabbau währe wohl die beste Arznei gewesen. Aber nun ja- da währen wir wohl wieder bei der “vergeblichen Liebesmüh” und das ist ein anderes Thema.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • SLE - 21. Juni 2012

    Hallo JL,

    es ist ja kein Zufall, dass ausgerechnet Adam Smith die Vorzüge des Freihandels so sehr betonte. Das Inselreich jenseits des Kanals war ja zu der Zeit führende Wirtschaftsmacht und es war Friedrich List, der (Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts) darauf hinwies, dass vom Freihandel jeweils die wirtschaftlich überlegene Nation profitiert, andere Nationen aber keine Chance haben, aufzuholen, sondern im Gegenteil weiter verlieren. Und es ist zudem bemerkenswert, dass List erst durch die Ideen und Bestrebungen des Amerikaners Alexander Hamilton zur Befürwortung von Schutzzöllen kam, zu einer Zeit, als die USA im Handel gegenüber England keine Chance hatten, aufzuholen (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_List#Exil_in_den_USA_und_Hinwendung_zum_Schutzzoll).

    Heute die Verbindungslinie zwischen Freihandel und den globalen Playern zu ziehen, ist konsequent und richtig. Es zeigt vor allem, dass sich das Bild – verglichen mit dem 19. Jahrhundert, aber auch mit der ersten Weltwirtschaftskrise in diesem Punkt gravierend verändert hat. das heißt nicht notwendigerweise, dass es den nationalstaatlichen Bezug – wie im Falle Englands (bis zum 2. Weltkrieg) und den USA (nach dem 2. Weltkrieg) – heute nicht mehr gibt. Er ist nur nicht mehr erkennbar und insofern auch nicht mehr klar der einen oder anderen Nation zuzuordenen. In letzter Konsequenz weiß man nicht einmal mehr sicher, ob er noch existiert.

    Es gibt weltweit etwa 43.000 dieser multinationalen Konzerne oder eben Global Player. Eine vetiefende Analyse der Beteiligungsstrukturen hat gezeigt, dass es ein zusammenhängendes großes Netz gibt, das 75 Prozent dieser 43.000 Konzerne umfasst und für 94 Prozent der operativen Erträge aller Konzerne steht. In diesem Netz gibt es einen besonders stark vernetzten und einflussreichen Kern. 737 Konzerne in diesem Kern können – über Beteiligungen – 80 Prozent des Netzes kontrollieren. 147 Konzerne des Kerns kontrollieren sich selbst und 40 Prozent des Netzes, das 75 Prozent aller globalen Konzerne einschließt. 75 Prozent der Konzerne des 1.314 Global Player umfassenden Kerns mit weitreichenden Kontrollmöglichkeiten sind dem Finanzsektor zuzuordnen. (Quelle: http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1107/1107.5728v2.pdf)

    Es wäre eine interessante Aufgabe herauszufinden, wer genau die Eigentümer dieser Global Player sind, die augenscheinlich keiner “Gemeinde” angehören.

    Vor diesem Hintergrund ist die von Ihnen formulierte Frage – “Und welcher Gemeinde gehören die großen Player an?” – hoch interessant.

    Denn es könnte sich dabei im Rahmen der Klärung der Eigentümerfrage durchaus auch herausstellen, dass die Verbindungslinie zwischen Freihandel und spezifischen Nationen gar nicht, wie man eigentlich glauben sollte, verschwunden ist, sondern doch noch existiert, nicht wahr?

    Viele Grüße
    SLE

  • ergo sum - 22. Juni 2012

    Die “Welt” schreibt heute: “Griechenland droht Degradierung zum Schwellenland.” – Falsch! Griechenland war schon immer ein Schwellenland, es hatte nur seine Bilanzen gefälscht.

  • ergo sum - 23. Juni 2012

    Hallo Stefan,

    Toll, das mit dem Netz der Global Players — war mir unbekannt. Wer sind die Global Players? Forbes veröffentlicht alljährlich eine Liste der 500 größten. Sie ist stets im Internet zugänglich unter Forbes.com.

    Viele Grüße,
    Ergo

  • jl - 23. Juni 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    ich habe bei meiner Fragestellung bewußt auf jedwede Erklärungsversuche verzichtet um eine frei gebildete Meinung hierzu erhalten zu können. Herzlichen Dank für Ihre Antwort.

    Meine Gedanken hierzu:
    Nun, wenn es keinen freien globalen Markt gibt braucht man einen “Schutzpatron” um seine wirschaftlichen Interessen durchzusetzen und/ oder zu schützen- und dieser “Schutzpatron” nennt sich Staat. Werden die Interessen und der Markt größer muß folglich auch der “Schutzpatron” größer werden. Um die Zuordnung dieses “Schutzpatrons” klarzustellen wird aus “Gott schütze die Königin” halt “Gott schütze Amerika”.

    Und was nun brauche ich,wenn es einen globalen Markt gibt und all meine Interessen scheinbar erfüllt wurden? Möglichst gleiche Regeln und möglichst gleiche Marktbedingungen brauche ich, nicht mehr und nicht weniger. Was aber brauch ich nun nicht mehr? Einen Staat als “Schutzpatron”.

    Sind Staaten aber für diese Player unwichtig kann man diese Akteure- meiner Meinung nach- auch nicht mehr einer “Gemeinde” zuordnen.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Th0maz - 25. Juni 2012

    eigentlich Bedarf es keiner Zölle , die Griechen müssten lediglich ein Zero Handelsbilanz Defizit allen Importeuren und Exporteuren vorschreiben wobei reale Güter nur gegen reale Güter inkl dienstleistungen ausgeglichen werden dürfen und Finanzwerte nur gegen andere Finanzwerte
    dann braucht es auch keiner Zölle auf definierte Waren und es “wiederspricht” noch nicht einmal dem freien Warenverkehr der Eu denn jeder kann ja importieren wenn er einen Ausgleich findet und Unternehmen in oder ausländisch gesehen aus griechischer Sicht wird ausgenommen.