Griechische Industrieproduktion mit -11,3% im Dezember

von am 9. Februar 2012 in Allgemein

Eigentlich unfassbar, welch miese Wirtschaftdaten geboten werden und wie oft man sie noch darstellen muss, um der simplen seit 2 Jahren hier dokumentierten Erkenntnis zum Durchbruch zu verhelfen, dass die Maßnahmen der Troika (EU, EZB und IWF) völlig kontraproduktiv sind und zu einer beispiellosen Depression in Griechenland führen. Das griechische Statistikamt ELSTAT berichtete heute für Dezember 2011 einen Einbruch des unbereinigten Outputs der breit gefassten Industrieproduktion von -11,3% zum Vorjahresmonat. Besonders brisant, gerade das vergleichsweise stark unterentwickelte Verarbeitende Gewerbe in Griechenland, brach selbst zum schwachen Niveau des Vorjahresmonats um weitere -15,5% ein. Die organisierte Desasterzone “feiert” zum Schaden Aller in der Eurozone Urstände, insbesondere zum Schaden der griechischen Bevölkerung.

Gerade wenn man als Hauptursache der griechischen Misere, die mangelnde wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Wirtschaft diagnostiziert, ist noch weniger Leistungskraft, insbesondere bei der industriellen Wertschöpfung keine Antwort und ein nicht akzeptables Ergebnis. Beim Subindex Bergbau ging es zwar im Dezember 2011 um +2,2% aufwärts, beim Verarbeitenden Gewerbe aber um desaströse -15,5% abwärts, der Output der Energieversorger sank um -3,9% und der Output der Wasserversorger stieg um +1,5%, jeweils zum Vorjahresmonat. Insgesamt sank der unbereinigte Index der Industrieproduktion um -11,3% zum Vorjahresmonat.

Der saisonbereinigte Output der breit gefassten griechischen Industrie von Januar 1995 bis Dezember 2011 im Chart, laut den Daten von Eurostat. ELSTAT berichtet nur die Daten als arbeitstäglich bereinigte Indizes, im Dezember 2011 mit -4,3% zum Vormonat! Der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex sank im Dezember 2011 um -2,41% zum Vormonat, auf 71,61 Indexpunkte. Damit lag der Output der breit gefassten griechischen Industrie weit unter dem durchschnittlichen Niveau von 1995 (um -13,03% unter dem Durchschnitt Jan.-Dez. 1995), dem Beginn der Datenreihe. Seit dem letzten Hoch im Januar 2007 brach der Industrieproduktionsindex um -32,01% ein.

Leider liefert ELSTAT nur eine Datenreihe ab dem Jahr 2000 und Eurostat ab 1995, so das man spekulieren muss, ob der Output von Dezember 2011 auf dem Niveau von 1992/93 oder sogar schon auf dem Niveau von vor 1990 liegt. Für letzteres spricht, dass der Dezember 2011 bereits um -13,03% unter dem durchschnittlichen Niveau von 1995 lag!

Diese Daten sind eine Bankrotterklärung der Wirtschafts- und Finanzpolitik der Eurozone, seit dem ersten Rettungspaket für Griechenland sank bis Dezember 2011 die Industrieproduktion um weitere -16%!

Quelle Daten: Statistics.gr/PDF Pressmitteiliung Industrieproduktion Dezember 2011

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19 KommentareKommentieren

  • Historiker - 10. Februar 2012

    Die Ossis brauchen sich doch nur anschauen was mit der Industrie der DDR nach der “Wende” passiert ist. Degardierung zur Kolonie war ds Resultat. Soll mir keiner erzählen das Berlin das in Griechenland nicht ebenso will.

    • Lazarus09 - 10. Februar 2012

      Yep .. per Gesetz zum Niedriglohnsektor gemacht …!

      Blühende Landschaften des Helmut ” Bimbes” Kohl ..!

    • Russe - 10. Februar 2012

      Soll mir keiner erzählen das Berlin das in Griechenland nicht ebenso will.
      __

      Das wird auch so sein, aber davor stribt die Hälfte der Bevölkerung aus.

  • Historiker - 10. Februar 2012

    “….. Die kaufen Wohnungen, bauen Häuser, fliegen auf die Malediven, nach Thailand. Haben alle zwei Autos vor der Tür etc…”

    Ja mei, wir sind doch nicht mehr 2007. Da hat solche Propaganda noch gefruchtet….

  • Lazarus09 - 10. Februar 2012

    Tourist

    Den britischen Mittelschichtskonsumrausch pflegt man auch hier Vorort nicht mehr 😉 .. Ich darf Umsatzrückgang beklagen und in meinem Umfeld sieht das nicht besser aus .. Metzger,Zimmermann,Maler ..
    Ok wie flo sagt haben wir (Ich) haben unsere Kinder groß und nicht wenige in meinem Fall aber das war alles zu besseren Zeiten ..und davon leben wir heute,von altem Geld. Keiner meiner Söhne könnte mein Leben “nachleben” ..

    …..vielleicht werkelt flo im Alternativlosen Finanzsektor 😉

    666

  • Russe - 10. Februar 2012

    Wir leben im Zeitalter der Erben
    __

    Wir leben am Ende des Zivilisation-Zyklus und die Ziet ist fast abgelaufen.

  • Historiker - 10. Februar 2012

    “Das wird auch so sein, aber davor stribt die Hälfte der Bevölkerung aus.”

    Kennt man ja. Zudem sind das noch billigere Arbeitskräfte als die Ossis. Gibt ja nun in der BRD wieder Tagelöhner aus Bulgarien, Rumänien, Ungarn. Können sich die Griechen einreihen……

  • Roland - 10. Februar 2012

    Für den Anfang fände ich ganz gut, was die griechische Polizeigewerkschaft (POESY) heute angedroht hat:
    Sie will Mitglieder der Troika, die nach Griechenland einreisen, verhaften.
    Grund: Diese zerstören die Demokratie.

    Hoffentlich war das ernst gemeint und nicht nur POESY.

  • Frankenfurter - 10. Februar 2012

    Kann mir mal jemand erklären, wie Gr. vor der Krise (2009) ein
    höheres Prokopfeinkommen (29.8 Tausend Dollar /Jahr ) hatte wie Südkorea ( 17. Tausend Dollar/ Jahr ) und etwas weniger als Deutschland mit 34 Tausend Dollar im Jahr 2009, laut Wikipädia?
    Und das bei einem Anteil des verarbeitenden Gewerbes von etwa 10% an der Wertschöpfung. Das passt(e) etwas so gar nicht zusammen.

    • lazarus09 - 10. Februar 2012

      Kann mir mal jemand erklären

      Goldman-Sucks sollte da der richtige Ansprechpartner sein 😉

    • Tourist - 10. Februar 2012

      Möglicherweise hat die Oberschicht doppelt, dreifach und x fach verdient! ist ja nen Durchschnittswert. Und Wikipedia, ich würde die Angaben nochmal selber kontrollieren^^. Also ich mag Wiki, keine frage! 🙂

  • Christian - 10. Februar 2012

    “Deutschland macht alles richtig, und die Griechen sind nur neidisch”

    http://www.youtube.com/watch?v=1St6Ap4jX-U

    Ich glaub ich geh mal kotzen…

    • Lazarus09 - 10. Februar 2012

      Da kommt einem ja der Kaffee hoch ….

    • dank - 11. Februar 2012

      Fantstisch “…wenn die Politik mitspielt.. …dann bekommen wir gut Zahlen, die die Wirtschaft nach oben treiben wird…” usw etc pp

      Hört sich irgendwie trotzdem (also trotz der Zahlenlage) verzweifelt an dieser Optimismus des Vermögensberaters und -verwalters.

      Die Phrasenkasse auf dem Tresen sollte nach diesem Beitrag mindestens die Schulden von GR glatt stellen können.

  • onepiece - 11. Februar 2012

    “Nur so als Bsp., was noch alles ablaufen wird.

    Greek Doctors Battle Superbug Amid Crisis.
    http://www.bloomberg.com/news/2012-02-09/greek-doctors-battle-hospital-superbug.html

    Diese Entwicklung hat nicht wirklich mit der Kriese zutun. Dies ist eher einer relativ lockeren Politik der medizinischen Versorgung in Gr. (und den meisten anderen südlichen Ländern) geschuldte. Grundlage des Problems ist die dort FREIE VERFÜGBARKEIT von Antibiotika für die Bevölkerung OHNE VERSCHREIBUNGSPFLICHT! Die sehr restriktive Handhabe hier in den “Nordländern” hat dies bisher einigesmaßen in Schach gehalten, jedoch wird es – nicht zuletzt durch Tourismus – immer mehr zum Problem. Griechenland dürfte da in den nächsten Jahre RIESIGES Ungemacht drohen, egal, ob Krise oder nicht…

    Zum Artikel: Die einzige Hoffnung ist, dass die EU auseinanderfliegt. Schon traurig, dacht ich doch damals bei der Schaffung, dass es gar einen guten Gang nehmen könnte… Wer hätte gedacht, dass Menschen so hirnlos oder korrupt sein können…

  • Frankenfurter - 11. Februar 2012

    “Noch ist die Welt nicht bereit, von der Droge »Wachstum« zu lassen. Aber die Diskussion über das Ende der Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf. Der Umweltökonom Niko Paech liefert dazu die passende Streitschrift, die ein »grünes« Wachstum als Mythos entlarvt. Nach einer vollen Arbeitswoche möchte man sich auch mal etwas gönnen: ein neues Auto, ein iPad, einen Flachbildfernseher. Ruckzuck steckt man im Teufelskreis aus Konsumwunsch und Zeitmangel. Und nicht nur das: der stete Ruf nach »mehr« lässt Rohstoffe schwinden und treibt die Umweltzerstörung voran. Dabei gelten »grünes« Wirtschaftswachstum und »nachhaltiger« Konsum als neuer Königsweg. Doch den feinen Unterschied – hier »gutes«, dort »schlechtes« Wachstum – hält Niko Paech für Augenwischerei. In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Das von Paech skizzierte Wirtschaften wäre genu¨gsamer, aber auch stabiler und ökologisch verträglicher. Und es würde viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird.”
    Die Streitschrift des Umweltökonomen erscheint demnächst. Man beachte die Literaturhinweise von Amazon zu diesem Buch. Irgendwie clever das Programm, oder?.
    http://www.amazon.de/Befreiung-vom-%C3%9Cberfluss-Auf-Postwachstums%C3%B6konomie/dp/3865811817

    • Querschuss - 11. Februar 2012

      Hallo Frankenfurter,
      ich bin auch für regionalere Wirtschaftskreisläufe, weniger Transport und ein Zurückdrehen der Globalisierung auf ein gesundes Maß, nur gerade im Kontext zu Griechenland, mit -32,01% bei der Industrieproduktion, in einer schweren Depression befindlich, mit “von der Droge »Wachstum« zu lassen” zu kommen, finde ich etwas daneben. Das Problem Griechenlands ist bestimmt nicht die Droge Wachstum der Realwirtschaft. Wenn was wuchs, waren es Schuldtitel und Finanztitel, nicht gedeckt durch Leistungskraft und die ab einem gewissen Niveau sogar repressiv auf die Realwirtschaft wirkten. Das typische Kennzeichen für einen degenerierten Finanzkapitalismus, siehe diese Grafik, die es treffend auf den Punkt bringt:

      1a

      Gruß Steffen

  • Frankenfurter - 11. Februar 2012

    Hi Steffen, ich habe mich natürlich auch gefragt, ob ich meinen Literaturtipp ausgerechnet an dieser Stelle unterbringen soll. Griechenland steht vor einem Neuanfang. Für die Griechen stellt sich aber mMn die selbe Frage wie für alle anderen Nationen auch: Welches Wachstum wollen wir eigentlich haben? Und: Brauchen wir diesen neoliberalen Wachstumszwang?

    Das was Niko Paech fordert “lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken” probieren manche Hellenen in der Not gerade aus. Arbeitszeit-Tauschbörsen sind entstanden, es gibt 40.000 neue Biobauern seit Krisenanfang. Zivilgesellschaftliche Arbeitsorganisationen sollten mMn viel stärker verbreitet werden nicht nur in Griechenland. Wir beklagen uns, dass ein deutscher Schreiner sich keinen deutschen Klempner leisten kann und umgekehrt. Dafür reichen ihre Einkünfte nicht. Ist das zum großen Teil nicht auch ein Ausdruck für mangelnde Kommunikation/Organisation? Natürlich braucht es auch sinnvolle neue Arbeitsplätze für die Griechen von denen sie Miete und Brötchen bezahlen können. Größere und effektivere Produktionseinheiten als die heutigen (Das.Gewerbe der Hellelen ist sehr kleinteilig, Betriebsgrößen sind klein) mag ein Weg aus der Krise weisen. Aber auch die Lohnhöhe muss wohl noch ein Stückchen runter. Dann investieren womöglich die Griechen wieder im eigenen Land statt in Bulgarien und Rumänien……