Grundsatzrede in Frankreich, Regierungserklärung in Berlin: Große Reden an das Volk und nichts in der Hand

von am 2. Dezember 2011 in Allgemein

Die gestrige Rede des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy an die Nation sollte die Franzosen aufrütteln. Doch unter dem Strich hatte der französische Präsident nichts Überzeugendes zu bieten. (1) Natürlich sprach er die angestrebten Vertragsänderungen an – auch Angela Merkel tat das heute. (2)

Dass Frankreich und Deutschland mehr Haushaltsdisziplin und Sanktionen bei Verstößen wollen, ist nicht neu. Über das „Wie“ herrscht jedoch keine Einigkeit. Ob das für die Euro-Rettung genug ist, daran gibt es zudem berechtigte Zweifel. Kein Mitgliedstaat kann sich gesund- oder gar in den Wohlstand sparen. Es ist angesichts der wirtschaftlichen Talfahrt in den Krisenstaaten, die drastische Sparkonzepte fahren, irritierend, dass diese wirtschaftsliberale Idee dennoch so beharrlich ins Zentrum der politischen Bemühungen gestellt wird.

Auch das, was der französische Präsident darüber hinaus zu sagen hatte, wirkte nicht so, als wäre mit dem von Frankreich und Deutschland für Montag angekündigten Euro-Rettungsplan ein großer Wurf zu erwarten: „Wir“ – also das französische Volk – müssen den Gürtel enger schnallen, aber nicht zu eng, damit die Konjunktur nicht abgewürgt wird. Es müsse in Europa mehr Solidarität geben und die EZB solle dabei eine tragende Rolle spielen, aber selbstverständlich unabhängig bleiben. (3) Das war die eher verwirrende Botschaft des Präsidenten, bei der ohnehin viele misstrauisch fragen werden, welcher Teil der Botschaft hinterher wohl tatsächlich umgesetzt wird und inwieweit.

Angela Merkel sagte in ihrer Regierungserklärung im Bundestag heute, es gebe den einen Befreiungsschlag für die Euro-Krise nicht und verglich stattdessen die Euro-Rettung mit einem zu bewältigenden Marathonlauf. (4) Da mag sie Recht haben. Doch mit Verlaub, die Negation der Möglichkeit von Befreiungsschlägen ist kein Lösungskonzept und Zeit haben sich die Europäer schon mehr als genug gekauft, ohne dass diese dazu genutzt worden wäre, die Krise wirksam zu entschärfen. Im Gegenteil, sie hat sich verschärft und Zeit ist infolgedessen mittlerweile genau das, was wir am allerwenigsten haben.

Keine Frage, Sarkozy befindet sich im Präsidentschaftswahlkampf und seine Zustimmungswerte sind alles andere als gut. Zudem sind die Regierungen der Euro-Staaten nach wie vor in der Frage der Krisenbewältigung zerstritten, was auch daran liegen mag, dass in den Gesprächen einerseits immer wieder nationale Interessen eine Rolle spielen, andererseits aber ein überzeugendes Konzept zur Krisenbewältigung schlicht fehlt.

Das sind keine guten Voraussetzungen für Grundsatzreden an das Volk – weder in Frankreich noch in Deutschland oder sonst wo in Europa.

Es mag einen nicht stören, was amerikanische oder britische Politiker den Europäern kritisch vorhalten, weil sie ihre eigenen Interessen verfolgen und selbst noch viel weniger in der Lage zu sein scheinen, die Krise in ihrem jeweiligen Lande in den Griff zu bekommen. Aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich die Krise nach zwei Jahren des Reagierens und der Flickschusterei durch Europa frisst und die europäischen Staats- und Regierungschefs aus Sicht der europäischen Bürger endlich das tun müssen, was man von ihnen erwarten können muss: Sie müssen „liefern“!

Um nichts anderes geht es und es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die führenden Staats- und Regierungschefs dazu offenbar nicht in der Lage sind. Daran ändern Grundsatzreden nichts. Mehr noch hat ihre fatale defensive Strategie bisher darin bestanden, mit immer höherem Einsatz gegen die Märkte zu spielen oder anders ausgedrückt zu tun, was die Märkte wollten – daran hat sich nichts geändert. Fatal ist das nicht so sehr deswegen, weil sie ein miserables Blatt in der Hand halten, sondern weil sie ihr Blatt ausgesprochen schlecht spielen – zur Freude der Märkte. Die Folge davon ist, dass für Europa nicht nur immer mehr auf dem Spiel steht, sondern auch verloren geht mit der Aussicht, auch am Ende als großer Verlierer dazustehen. Die Märkte werden – wenn das so weiter geht – Europa in diesem Poker die sprichwörtlichen Hosen ausziehen.

Vor diesem Hintergrund kommen Grundsatzreden und Appelle an das Volk ganz schlecht an. Und so fragt man sich, was Nicolas Sarkozy und Angela Merkel zum gegenwärtigen Zeitpunkt dazu bewogen hat, Grundsatzreden zu halten, ohne wirklich etwas zu sagen zu haben. Man bedenke: In den letzten 20 Jahren hat es in Europa nie weniger feste gemeinsame Grundsätze gegeben als heute. Und geredet wurde von Politikern im Verlaufe der Schuldenkrise immer wieder – mitunter in schädlicher Weise – eindeutig zu viel.

Haben wir über unsere Verhältnisse gelebt?

Nein, so pauschal kann man das nicht sagen. Ganz sicher aber waren es Politiker, die nicht verantwortungsbewusst gehaushaltet haben und die die Probleme auch jetzt wieder nur mit dem Geldbeutel bzw. auf Kosten anderer lösen wollen – aber auf diese Weise nicht werden lösen können. Nicht nur Rechnungshöfe beklagen das jedes Jahr aufs Neue. Immer noch sehen Politiker ihre Aufgabe im Verteilen von Geld respektive von Belastungen – eine angesichts der tiefgreifenden Krise völlig überholte Vorstellung davon, wie Politik betrieben werden kann und Probleme zu lösen sind.

Die Staatsverschuldung ist ferner vor allem auch infolge der Finanzmarktkrise und des Einbruchs der Weltwirtschaft rasant gestiegen, von der sich die Volkswirtschaften nur teilweise oder gar nicht erholt haben. Es ist eine Tatsache, dass wirtschaftlich schwache Regionen in Krisenzeiten viel stärker verlieren als wirtschaftlich starke Regionen bzw. Staaten. Austeritätspolitik hat die Lage zusätzlich verschlechtert.

Und die Staatsverschuldung ist vor allem auch infolge der teuren Bankenrettungen und Konjunkturpakte in die Höhe geschossen, die nicht nachhaltig waren, weil die verantwortlichen Politiker nach der US-Hypothekenkrise und der Lehman-Pleite darin versagt haben, sicherzustellen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholen kann. Auch hier wurde in der Verteilung von Geld die Lösung gesehen.

Erfolge gibt es also nicht zu vermelden, entschieden ist nichts, tragfähige Lösungen fehlen nach wie vor, die Ideenlosigkeit ist erschütternd, die Kosten des Krisenmanagements sowie die eingegangenen Risiken sind vor diesem Hintergrund furchteinflößend.

Frau Merkel hat heute gesagt, wir hätten eine Vertrauenskrise. (5) Sie hat Recht, auch wenn sie es anders meint.

In den USA ist es üblich Politiker danach zu fragen, was man für sein Geld bekommt – „Value for Money“, heißt es dann. Wer in Europa Grundsatzreden hält, weil er den Bürgern im Endeffekt Einschnitte und höhere Steuern zumuten will, um so die Krise bekämpfen zu können, sollte wie in den USA nach dem „Value for Money“ gefragt werden. Leider wird viel zu viel bei den USA abgeschaut. In diesem Punkt wäre es indes wirklich einmal eine gute Idee, es zu tun.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

Print article

59 KommentareKommentieren

  • dank - 2. Dezember 2011

    Danke für die Zusammenfassung und die Sicht der Dinge.

    Die Grundsatzreden zeugen für mich von Vorsicht und “Vorahnung”, dass sie Ihren Völkern ein wenig mehr abverlangen werden. Steuersenkungen und Geschwafel darüber, wie vor ein paar Wochen – ha ha ha – vollens veräppelt wurden Michl und Liesl wieder mal. War aber klar…
    Sie woll(t)en damit beruhigen (Steuererhöhungen, Inflation oder das Gegenteil wie: Die Schweiz führt negative Zinsen ein http://www.tagesschau.de/wirtschaft/negativzinsen100.html) damit wir nicht alle unsere Kröten bei den Banken abholen. Sie wollen das wir wieder auf sie vertrauen – sie sehen uns mit großen Augen an und bitten uns in diesen “inhaltslosen” Reden darum: “Wir tun doch alles und reden über alles und glaubt uns das alles – BITTE”.

    Gibt es denn in F keinen Goldjungen der Sarkozy beerben kann? Also so hintenrum…vorbei an Wahlen…ohne Legitimation…mal so schnell…

    OT: Bekomme in letzter Zeit den Eindruck, dass der Blog (danke Steffen, danke SLE) samt Einträge und Kommentare immer schneller wird – finde ich positiv. Die Themen und Statistiken sind und bleiben top.

  • Lazarus09 - 2. Dezember 2011

    Durchhalteparolen …irgendwie muss ja das darbende Volk beruhigt werden.
    Eigentlich müßig das zu kommentieren …Aufhebung der Souveränität, Installation einer Euro-Regierung die ohne demokratische Legitimation die Interessen des Kapitals gegen jeden Widerstand vertreten kann….

    Wehret den Anfängen ist durch,das Kind im Brunnenschacht unterwegs …guter Rat teuer;-)

  • Catweazle - 2. Dezember 2011

    Die erwarten “Value for Money” und bekommen doch nur “Debit for Money”. Da die Realwirtschaft schon lange nicht mehr in der Lage ist die ausstehenden Kredite nebst Zinsen zurück zu bezahlen, zählt nur noch ein Schuldenmanagement im besonders raffinierten Gelddrucken.

    @Lazarus09
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Ackermann-will-Europa-umbauen-article4915446.html
    Der Kerl gehört einfach an den Galgen, je eher umso besser für alle(meine persönliche Meinung).

  • Euro-R.I.P - 2. Dezember 2011

    Der einzige Hintergedanke der beiden ist es die Völker Europas auf die Schuldenunion vorzubereiten…kommende Woche wird aller Voraussicht nach einmal mehr der Gute Wille, bei Haushaltssündern in die heimische Politik einzugreifen, bekräftigt und beschlossen und anschließend wird Frau Merkel den Eurobonds oder irgendeiner sinnlosen Maßnahme zustimmen. Die CSU bereitet schon einmal einen Sonderparteitag vor und Herr Rössler spricht auch schon seit Gestern von den Kriterien der Ausgestaltung solcher Bonds…

    Was dabei alle vergessen…es war die Konvergenz der Anleiherenditen von PIGS – Staaten zu den top-gerateten Ländern, welche dem Schlendrian die Tür geöffnet hat. Da ändern Eurobonds nichts, denn wer sich mal die Zinsstrukturkurve der PIGS von 1990-2005 ansieht erkennt sofort, dass es Eurobonds bis zur Finanzkrise eigentlich schon gab nur in einer antizipierten Form.

    Ich habe neulich mit Professor Dr. Burghof bezüglich der auf uns zueilenden Ereignisse gesprochen… er senkte nur den Blick und meinte: “Was da kommt vermag nun niemand mehr aufzuhalten”.

    In diesem Sinne… wehe dem, dessen Schafe bald im Regen stehen.

    • M.M. - 3. Dezember 2011

      Der Euro als Währung war doch schon die EuroBonds. Wer geringere Zinsen brauchte profitierte beim Schuldenmachen von den fleissigeren Nationen. Warum sollten das irgendwelche anderen Papiere jetzt besser können ? Ich kann mir ehrlichgesagt nicht vorstellen, dass es reale Eurobonds geben wird.

      • aquadraht - 3. Dezember 2011

        Das ist die übliche nationalistische Propaganda. Das Problem der gemeinsamen Währung wirtschaftlich völlig unterschiedlicher Länder war eigentlich offenkundig: Die Wirtschaftsstrukturen mussten schnell konvergieren, wenn man nicht ein Auseinanderbrechen der Eurozone riskieren wollte.

        Stattdessen führten vor allem Deutschland, in zweiter Linie auch Österreich und die Niederlande, ihren Wirtschaftskrieg gegen die strukturell schwächeren Länder, die schon vor dem Euro häufig Zahlungsbilanzdefizite aufgewiesen hatten. Nicht nur verhinderte der mischkalkulierte Euro aus Defizit- und Überschussländern eine Richtigbewertung der deutschen Exportwirtschaft, die eine DM an die Aufwertungsdecke getrieben hätte und erlaubte damit Deutschland Sondereffekte einer manipulierten, unterbewerteten Währung. Zusätzlich wurde die Exportwirtschaft der Defizitländer, für die der Euro überbewertet war, verkrüppel und aus dem Markt gedrängt. Letzendlich, to add insult to injury, wurden die Industrien der “fauleren Nationen” auch auf den Binnenmarkt totkonkurriert und die deutschen Überschüsse im Euroraum maximiert. Trostpflaster war die billigverzinste Verschuldungsmöglichkeit.

        Dass die BRD mit ihrer Lohndrückerei das System zusätzlich destabilisiert hat und destabilisiert, ist das Sahnehäubchen auf der Irrsinnstorte. Und da finden sich immer noch total Beschränkte, die von “fleissigeren Nationen” faseln. Geht’s noch?

        a^2

        • M.M. - 4. Dezember 2011

          Sie sagens selber: die guten gegen die schlechten und alle einzeln am Weltmarkt, wenns ums schulden machen ging. Das war für Spanien sehr profitabel. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen: oben stehts schwarz auf weiss: Politik bedeutet für die meissten Geld verschenken. Da jetzt der Eruro alle is, kommt man eben mit dem nächsten Konstrukt, welches genau Ihre genannten Irrsin beinhaltet : Ein Bond für 27 Länder Haha Da lachen ja die Hühner !

  • bauagent - 2. Dezember 2011

    Aus Basler Zeitung:

    Das bedeutet, dass die EU viel stärker als bisher in die nationale Souveränität eingreifen kann und das wiederum bedeutet, dass es eine Änderung der Verfassung braucht. Die letzte Verfassungsänderung hat zehn Jahre gedauert, die neue Lösung muss jedoch in zehn Tagen stehen. Wie weiter?

    Die Lösung könnte eine Art Mini-Schengen sein. Auch bei diesem Abkommen haben sich einzelne Staaten um den Kern Deutschland/Frankreich entschlossen, es einfach einzuführen, und die anderen mit sanftem Druck dazu gebracht, es ihnen gleichzutun. Angesichts der dramatischen Situation ist es denkbar geworden, dass nun auch bei der neuen Rolle der EZB dieses Verfahren angewandt wird. Eine andere Option gibt es nicht mehr, und Diskussionen über die Unabhängigkeit der EZB oder Inflationsgefahr sind zwecklos geworden. Oder wie es Barry Eichengreen trocken ausdrückt: «Was ist der Zweck der Unabhängigkeit einer Notenbank, deren Währung verschwindet?»

    ABGESEHEN VOM DEUTSCHEN BVERFG BLEIBT ABZUWARTEN, WAS DIE VERFASSUNGSGERICHTE DER ANDEREN MITGLIEDSSTAATEN DAZU SAGEN,

  • Russe - 2. Dezember 2011

    Die sprechenden Puppen haben einfach keine Befugnisse irgendetwas am System zu ändern. Es kommt wie es kommen muss.

    • dank - 2. Dezember 2011

      Dank komplizierten Gesetzessystem trau ich dem Bundesverfassungsgericht mehr zu als unseren FirstRank Staatsverdrehern.
      Die Hoffnung beruht in dem Fall auf die zweite Reihe; in dieser gibt es durchaus noch Politiker und Vertreter der Menschen in D – wenn sich hier eine kleine Gruppe mit einer Eilantrag/-einspruch ans BVerfG wendet, gibts eine reale Chance.

      Diese Politik, dieses Vorgehen, dieser ständige Druck auf die Basis radikalisiert nicht nur die Völker gegeneinander, sondern auch die Bevölkerung selbst gegen Ihre (vermeintlichen) Vertreter.
      Warum nicht Europa werden – aber nicht auf DIESEM Weg?!

      • aquadraht - 3. Dezember 2011

        Ich hätte gern Deinen Optimismus. Lies mal http://www.nachdenkseiten.de/?p=11499#h03
        Kirchhof war schon ein Alptraum, di Fabio hat das Potenzial, das noch zu toppen. Wirklich verhindert hat das Verfassungsgericht nicht mal mit seinen besseren Entscheidungen irgendetwas, Beispiel Staatstrojaner.

        a^2

  • Kranich05 - 2. Dezember 2011

    Was Eurokrise genannt wird, erweist sich immer mehr als Aufbruchskrise der deutschen Europamacht. Wenn es gelingt, Frankreich auf diesem Weg als hochgeschätzten 😉 Juniorpartner einzubinden, sehe ich Erfolgsaussichten. Merkel betreibt seit Jahr und Tag eine logische, elastische und im Ganzen erfolgreiche Politik der kontrollierten Krisenverschärfung, die Deutschland enormen Bodengewinn bringt. Gut möglich, dass man all das einst als die Geburtswehen und den Durchbruch zur umfassenden deutschen Europahegemonie bezeichnen wird.

    • Kistrof - 2. Dezember 2011

      Deutsche Europamacht? Am besten gleich die Bundeswehr nach Griechenland schicken! Geht’s noch??
      Die deutschen Patentrezepte wirken massiv krisenverstärkend. Lies doch mal die Beiträge hier im Blog! Lohndumping, Sparen, Exportieren das hilft vielleicht im kleinen Deutschland – und das auch nur so lange die anderen Schulden machen. Für einen großen relativ geschlossenen Binnenmark ist das keine Lösung.

      • Kranich05 - 4. Dezember 2011

        Hallo Kistrof,
        daß die deutschen Rezepte krisenverschärfend wirken, kannst du bereits in meinem Kommentar lesen. Mensch sollte die Denkmöglichkeit zulassen, daß die Verschärfung der Krise EINEN stärker macht. Wen wohl? Was im kleinen Deutschland geholfen hat, hat andere europäische Länder kaputt gemacht. Richtig. Vielleicht kann man das Spiel ja eine Nummer größer wiederholen? Vielleicht gibt es in der Welt noch Länder zum Kaputt machen?
        Meine Wunschliste ist das nicht. Vielleicht geht’s aber nicht nach mir.

  • der-oekonomiker - 2. Dezember 2011

    1843 war es, als Heinrich Heine “Deutschland – Ein Wintermärchen” geschrieben hat. Einen Vers daraus finde für Merkozys Reden gestern und heute äußerst treffen: “Sie sang das alte Entsagungslied, das Eiapopeia vom Himmel, womit man einlullt, wenn es greint, das Volk, den großen Lümmel.” Geschreiben zu einer Zeit, als Preußens Gloria noch nicht einmal in den Kinderschuhen steckte. Aktuell mündet das ganze gerade in Angie I. – Kaiserin von Europa, wie ich meinen jüngsten Beitrag auf meinem Blog überschrieben habe. Gibt es Parallelen, was ich befürchte, dann werden es tatsächlich die angekündigten langen Jahre des Darbens. Wo am Ende der Beweis erbracht sein wird: Deutschland ist bekannt für gute Ingenieure, aber nicht für gute Politiker.

  • Eric B. - 2. Dezember 2011

    „Wir werden leiden“, hatte Sarkozy unerblümt erklärt, und nichts anderes bedeutet auch die per Vertragsänderung verordnete Rosskur der Kanzlerin: ein knallhartes Austeritätsregime, in dem so genannte Stabilitätswächter (die EU-Kommission? unabhängige Experten? das bleibt noch zu entscheiden) unter dem unerbitterlichen Auge der Märkte immer neue Sparprogramme und Sozialkürzungen verordnen. Wohin das führt, kann man bereits in Griechenland besichtigen…

    Gewiß, noch hofft Sarkozy, Merkel zu einer Gegenleistung bewegen zu können. Eurobonds dürften dies angesichts der knallharten Ablehnung in Berlin wohl nicht sein, vielleicht aber ein Europäischer Währungsfonds mit etwas mehr Solidarität. Doch das Grundproblem bleibt bestehen: Europa schlittert unter deutscher Führung immer tiefer in die Rezession, was zu neuen Banken- und Staatspleiten führen dürfte – und die Flucht aus dem Euro weiter anheizt, wie ich auf meninem blog http://lostineurope.posterous.com/there-will-be-blood ausführe

  • philipp johannes - 2. Dezember 2011

    danke stefan für diese treffliche analyse.

    ich bleibe dabei.
    der arbeitnehmer hat nicht über seine verhältnisse gelebt und dieses verschuldungsdesaster zu verantworten.
    er wird es allerdings zahlen müssen.

    das absolut schlimmste ist das nach meiner sicht keine partei in der lage ist solide politik zu machen. das ist das wirkliche drama.

    es werden viele viele jahre ins land gehen und die zeiten werden nicht rosig sein.

  • Eurelios - 2. Dezember 2011

    Also wenn noch einer glaubt nach der Blut und Schweißrede(man kann bei dem Wort Schweiß auch das w weglassen) von unser Super-Mutti
    heute im Bundestag nach einer langen ;;Durststrecke,, wird alles wieder gut der glaubt auch noch an den Nikolaus der mit
    seinem Knecht Ruprecht der am 6 Dezember zu den kleinen Kinder (Staaten) kommt und sie dann auffordert im nächsten Jahr wieder
    lieb zu sein das sie wieder Geschenke bekommen und das würde auch tatsächlich so passieren.

    Amen.

    Wenn dagegen solche Artikel in der FTD, im Gegensatz zu Bild, eine doch noch halbwegs gute Infoquelle erscheint:

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:zeitstrahl-so-koennte-der-euro-kollabieren/60137283.html

    ist das Zeitfenster sehr klein geworden.

    Zum Thema Szenario mache ich zur Zeit folgende Beobachtungen:

    Bei meinem engerem Bekanntenkreis wo ich seit ca. 3 Jahren versuche auf die kommende Zeit
    hinzuweisen wurde ich immer Schwarzseher und Spinner belächelt.

    Komischerweise seit ca einem halben Jahr (alle haben Eigentum) wird alles mögliche renoviert
    oder ein neues Auto gekauft usw, also Geld im größerem Rahmen ausgegeben.

  • Michael - 2. Dezember 2011

    Es geht einfach darum, die mit dem “Lissabon-Vertrag”, der gescheiterten “EU-Verfassung”, angedrohte Eurokratur verstärkt durchzusetzen. Angst als Antrieb. Das ist schon lange am “Krieg gegen den Terror”, Überwachungsstrukturen zu erkennen. Die Blindpesen schreien ja schon wieder nach Gestapo und Stasi, lange nicht gehabt, aber bestimmt auch nicht vermisst ….

    Es ist interessant, schaffen es die Völker sich vom Joch des “T€uro” zu befreien oder implodiert diese Mißgeburt ? In dem Fall zerlegte es allerdings das gesamte Weltfinanzsystem. Egal, auf welcher Seite des Tauziehens man steht, es macht keinen Spaß. Diese “Schuldendiskussion” ist bei einem Geldsystem, das auf immer währender Schuldenausdehnung beruht, absolut albern. Vielleicht etwas viel “Hebel” ? Die portugiesischen Staatsanleihen eifern den Griechen langsam bemerkenswert nach. Mit Italien hat sich ein großer Pleiteanwärter in die Startlöcher begeben. Das SchuldenWACHSTUM der Amis und Engländer ist schlicht beeindruckend.

    Wer nichts hat, das ist die absolute Mehrheit, kann nichts verlieren. Die, die nichts haben, sollen die, die etwas haben “retten”, das kann nicht aufgehen. Die Fehler müssen schon mal angegengen werden, das sollten in erster Linie die “Hebel” sein. Die “Finanzinstitute” werden wohl im Mittelpunkt des Interesses bleiben.

    Krisenpause bis zum Jahreswechsel.

  • klaus - 2. Dezember 2011

    Hallo an Alle.

    Acki fordert mehr Integration in Europa
    und will wohl mit Hartz4 seine geschätzten 400 Mrd minus kompensieren.

    http://www.n24.de/news/newsitem_7467840.html

    Und natürlich dann auch noch ans Grundgesetz p***

    Komisch, jeder will die Totalversklavung über das Grundgesetz
    einführen.

    Demnächst kommt ein VOLLGESOFFENER
    und erklärt uns, das das Grundgesetz nur ein Übergangsgesetz ist.
    In der Bild werden wir wohl bald wieder sowas lesen.
    Und guter Katholik sollte man dann bleiben.
    Alles ist nur eine Strafe von Gott .
    Oder wie?

    Ja ne, schon klar.

    Wie sagen die Chinesen immer?

    Deutschland, Deutschland übel alles.

    Und dann erklärt uns TINA was sie Ende Juli unterschrieben hat.

    Sämtliche englische Presse schrieb:

    > Merkel faces revolt

    Einfach mal in Google eingeben.
    Das ist der Stand von HEUTE.

    Exakt heute hat sie uns verklärt,
    was Sie damals unter einem grinsenden
    Acki unterschrieben hat.

    Den Bonds-Exchange !

    Euro/Yen


    http://www.infosperber.ch/Wirtschaft/Merkel-las-ab-was-die-Bankenlobby-vorschrieb

    Und hier war es auch zu lesen, etwas höflicher.

    Organismus Weltwirtschaft

    Tja, das EndGame ist eingeläutet.

    Bald werden die Witze im englischen Raum kursieren.
    Deutsche Teenager für 1 Liter Erdöl.

    Dieser Zeitpunkt ist heute wohl eingeläutet worden.
    Es fehlt nur noch eine GROSSE KOALITION um das
    GRUNDGESETZ zu ändern.

    Die SPD macht das nicht mit?

    Wenn sich da mal keiner täuscht !

    Wir werden sehen.

    Wenn es zu einer grossen Koalition kommt,
    wird es wohl Zeit auszuwandern, dann kommen
    alte Zeiten auf uns zu.
    Dann ist das Grundgesetz makulatur.

    Einen Reisepass sollte man nicht verlegen !

    Tja, jedes Land hat seine Zeit der Blüte.

    Grüße klaus

  • Andreas Demuth - 2. Dezember 2011

    Ganz einfach: Das Geldsystem ist am Arsch. Die Frage ist doch nur,wie sieht der “Reset” aus.

  • dank - 3. Dezember 2011

    1/3 OT:
    Kann es sein, dass die großen drei nur noch abwarten, wer davon zuerst platt geht:
    VSA – Europa – China (sorry a^2)
    Habe die letzten Wochen und Tage versucht in jeder mir verständlichen Sprache (samt Online-Translation) zu verstehen, wohin die (gelenkte) Reise geht – und:
    Ein Gedisse und Geschiebe in alle Richtungen. Federführend hier die VSA (USA) dank Ratingagenturen und MonsterBlogs. Jeder der drei in der “Hoffnung”, dass der andere (beim Scheitern) als Begründing ausreicht, selbst seine Probleme offen zu gestehen, obwohl er weiß, das es sehr wohl auch für ihn “abwärts” heißt, wenn es soweit ist.

    Wirtschaftskrieg @ it’s best?

    Sind die bekloppt?! – Anstatt sich ernsthaft über die Notenbanken hinaus zu unterstützen.
    Heißt für mich: Die Lobbys sind in den Herzzentren angekommen – wie soll da von innen heraus die Abwehr kommen können?
    Wahrscheinlich, wie es schon hundertfach geschrieben steht: Jetzt ist das Pulver verschossen und es war vieles zu langsam.
    ( Auch wenn ich jetzt Kritik ernte – ich hoff auf den Jocker im Ärmel. Und wie war das? Die letzte Tote ist die Hoffnung… )
    Und ja – viele Zahlen beweisen, dass es an der Zeit ist, das System zu überdenken; aber warum nicht zusammen, sondern gegeneinander?! Um weiter Zeit und Schuldige zu schinden?
    In der Hoffnung, dass viele (Leser) die darauf folgende Berichterstattung durch den Televisor richtig auszulegen wissen –
    viele Grüße
    dank

  • Grauber - 3. Dezember 2011

    Das Unwort des Jahres wird wohl das bekannte ” alternativlos ” werden.
    Entscheidungen unter Zeitdruck – Parlamente als Absegnungshalle.

    Unsere wirtschaftliche Selbstbestimmung und unsere sozialen Errungenschaften, werden den zittrig-blassen Harvard-Yale-Absolventen des Goldman-Sachs-Gesangvereins zur weiteren Verwendung übergeben.

    Frankreichs Hänsel und Deutschlands Gretel werden von der Hexe versklavt – die ESM-Verträge sind längst beschlossene Sache.

  • Joe - 3. Dezember 2011

    Oh, gähn… Grundsatzrede… wer hört sich das Zeug bloss an? Man braucht doch nur warten bis die Merkozys von der Geschichte die Toilette runtergespült werden.

  • Joe - 3. Dezember 2011

    SLE: “Haben wir über unsere Verhältnisse gelebt? Nein, so pauschal kann man das nicht sagen.”

    Wieso eigentlich nicht? Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Ja, so pauschal kann man das sagen. Die Staatsverschuldung ist vor und nach den Krisen gestiegen und auch sonst sind alles Schuldenformen ausgiebig ausgeschöpft worden (z.B. Internetspekulation, Immobilinespekulation). Mindestens die letzten 20 Jahre haben wir über unsere Verhältnisse gelebt. Und wer ist schuld dran? Klar, die Politiker, aber freilich auch wir alle, denn wir haben sie ja gewählt!

    • Lazarus09 - 3. Dezember 2011

      Wer ist WIR ? …

      Den Müll kann ich ehrlich nicht hören … die Schulden des kleinen Mannes waren die Gewinne der Reichen,und die Schulden musste er machen weil seine Verdienst dank Lohndrückerei nicht mehr zum Konsum ausreichte … Ältere werden sich noch erinnern das deren Vater das Auto “BAR “bezahlte und auch konnte sicher nach langem sparen aber es ging währenddessen heute ein Golf den Gegenwert eines Eigenheims in den 60′ kostet .. ich will den Scheiß nicht ausweiten aber über die Verhältnisse hat hier keiner gelebt nur unter seiner Arbeits-Leistung wurde er bezahlt ein Zustand der sich seit den 70′ von Jahr zu Jahr verschärfte ..daher Privat Leasing etc… wo währen die Verkaufszahlen wenn jeder nur noch von dem was er “verdient” kaufen würde …na .. das ist das was wir heute erleben ..Zusammenbruch. Die Lohndrückerrei wurde jahrelang mit Kreditvergaben übertüncht …

      666

      • SLE - 4. Dezember 2011

        @ Lazarus09

        Ja, dafür gibt es ja auch empirische Evidenz, etwa betreffend die Einkommensentwicklung der Top-1-Prozent und der unteren 90 Prozent in den USA:

        Die CBPP-Darstellung habe ich auch im Aufsatz “Im Spiegel der Armut” verwendet.

        Grüße und schönen Sonntag
        SLE

    • SLE - 3. Dezember 2011

      Hallo Joe,

      apropos “Entwicklung der Staatsverschuldung in Europa” kam mir gerade heute eine passende Grafik unter, die zeigt, dass die Staatsverschuldung nicht durchgängig gstiegen ist. Der Wendepunkt war die Lehman-Pleite:

      http://rwer.wordpress.com/2011/12/03/there-is-no-eurozone-charts/

      Grüße
      SLE

  • bauagent - 3. Dezember 2011

    Wann hat man eigentlich über seine Verhältnisse gelebt? Ein erster Indikator wäre sicher die Feststellung, dass man mehr ausgibt als man einnimmt.

    Das gesamtwirtschaftliche Vermögen wurde in den letzten Jahrzehnten aber -trotz Geldschöpfung mit Zinseszins- erhöht. Es gibt also in erster Linie ein Verteilungsproblem, dass man in Ermangelung von einsetzbaren Instrumenten nicht mehr lösen will.

    Noch korrekter wäre sicher die Feststellung, dass mit kopflastiger Verteilung der Vermögen auch die Macht auf Wenige verteilt wurde. Dadurch ist eine Korrektur dieser Verteilung nur über einen Haircut bzw. eine Währungsreform möglich.

    Die jetzigen aufschiebenden Maßnahmen sind m.E. der Ratlosigkeit geschuldet, wie es das
    Gezerre um die mittelfristige Finanzierung angeschlagener Staaten wie Italien und Spanien durch den IMF zeigt.

    Möglicherweise ist die Finanzierung Italiens und Spaniens über den IMF auch nur eine Nebelkerze, wobei Draghi offenbar tatsächlich Kontakte zum IMF diesbezüglich aufgenommen haben muss.

    Die wenigsten wissen aber wahrscheinlich, dass in den USA die Zustimmung zu einer Ausweitung des IMF im Kongress noch lange keine abgemachte Sache ist.

    Überdies ist der IMF hoffnungslos unterkapitalisiert und müsste aufgefüllt werden.

    Sollte sich Coburn in den USA mit der Forderung durchsetzen, dass der Kongress gefragt werden muss, dürfte dieser Taschenspielertrick schnell auffliegen.

    Gestern scheinen auch die Bond-Affen davon Wind bekommen zu haben; Die 5 und 10jährigen Italiener sind intraday mal eben um 10 % hin- und her gehopst, um am Tageshoch bei ungefähr 6.85 % Rendite zu schließen.

    Am Montag kommt der nächste Hut mit toten Kaninchen von Merkozy. Wir werden sehen, ob es eine “Verschwörungstheorie” ist, wenn Merkel etwas erpressen will, was zumindest in mehreren Ländern nur parlamentarisch und / oder mit Volksbefragung möglich ist.

    Wer genau hingehört hat, der weiß, dass sie Eurobonds nicht grundsätzlich, sondern situativ ausschließt.

    In der Konsequenz könnte es bedeuten: Gebt ihr Euer Haushaltsrecht ab, dann gibts auch Bonds.
    Das würde die Rede von Schäuble vor dem Banking Congress in Frankfurt am 18.11. auch schlüssig machen.

    http://www.zerohedge.com/news/market-stumbles-conservatives-push-end-imf-bailout

    • SLE - 3. Dezember 2011

      @ bauagent

      “Noch korrekter wäre sicher die Feststellung, dass mit kopflastiger Verteilung der Vermögen auch die Macht auf Wenige verteilt wurde. Dadurch ist eine Korrektur dieser Verteilung nur über einen Haircut bzw. eine Währungsreform möglich.”

      … oder eben ein Crash – wie die Entwicklung des Anteils der Top-1-Prozent-Einkommensgruppe am Gesamteinkommen in den USA ja eigentlich schön zeigt.

      Die CBPP-Grafik hatte ich für meinem Aufsatz “Im Spiegel der Armut” verwendet. Ich denke es gibt einen Zusammenhang von Fusionswellen/Unternehmenskonzentration, Crashs und Korrekturen in der Einkommensverteilung. Marktstruktureingriffe sind deswegen aus meiner Sicht ein möglicher Ansatzpunkt, um die Situation zu entschärfen.

      Die Überlegungen zum IWF und den Eurobonds klingen plausibel.

      Gruß
      SLE

    • Thorsten Eckau - 3. Dezember 2011

      Und schon ist es auch auf FTD nachlesbar:

      http://www.handelsblatt.com/politik/international/gemeinsame-euro-bonds-werden-wahrscheinlicher/5918164.html

      “Noch stemmt sich Finanzminister Schäuble gegen die Einführung von Euro-Bonds. Doch wenn EU-Verträge geändert werden und strengere Haushaltsvorschriften gelten, sei das eine „neue und andere Situation“.”

      • Thorsten Eckau - 3. Dezember 2011

        Oups. Wie im Link zu sehen natürlich Handelsblatt… 😉
        Schnelligkeit ist halt doch nicht alles … 😉

  • Bubblegum - 3. Dezember 2011

    @ Joe

    “Wieso eigentlich nicht? Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Ja, so pauschal kann man das sagen. Die Staatsverschuldung ist vor und nach den Krisen gestiegen und auch sonst sind alles Schuldenformen ausgiebig ausgeschöpft worden (z.B. Internetspekulation, Immobilinespekulation). Mindestens die letzten 20 Jahre haben wir über unsere Verhältnisse gelebt. Und wer ist schuld dran? Klar, die Politiker, aber freilich auch wir alle, denn wir haben sie ja gewählt!”

    An diesen ihren Sätzen wird eigentlich sehr schön deutlich wie prima die Gehirnwäsche der
    Mietschreiberlinge des internationalen Finanzkapitals wirkt!

    Angeschaut wird immer nur die Ausgabenseite, nie die Einnahmenseite! Insbesondere wieder nicht das unsägliche Steuerdumping in Verbindung mit den Einschnitten in das Sozialversicherungssystem.

    Ich greife mir nur, weil so exemplarisch, das Beipiel Irlands heraus! Da wird von Deutschalnd
    lauthals die finanzielle Solidarität eingefordert aber der Körperschaftssteuersatz bleibt weiterhin auf einem Dumpingniveau von 13,5%! So niedrig wie er auch schon war, als die urdeutsche Depfa, eine Tochter der HRE, aus diesem Grund nach Irland ging und eine Gesellschaft nach irischem Recht wurde! Geringere Steuerzahlungen, ein freizügigeres Bankenrecht sowie laschere Kontrollen der irischen Bankenaufsicht, heißa das hat man alles
    gerne mitgenommen. Nur als es dann an das Bezahlen des angerichteten Schadens ging, da
    mußte der Deutsche Steuerzahler herhalten. Im Rahmen der Durchgriffshaftung mußte die deutsche Mutter HRE dafür geradestehen und, weil angeblich systemrelevant, haben Merkel, Asmussen und Steinbrück den Steuermichl dafür bluten lassen. Dasselbe bei den Krankenkassenbeiträgen, Deckelung für die Unternehmen, unbegrenzte Zahlungspflicht für die normalen Arbeitnehmer. Rentenversicherung: obwohl es sich um bereits einbehaltene Lohnanteile der Arbeitnehmer und damit garantiertes Eigentum handelt, wird einfach zwangsweise in die Rentenkassen gegriffen, um damit das Staatdefizit Irlands abzudecken.
    Das sind Nazimethoden, die griffen auch in die Rücklagen der Renten-und Lebens-versicherungen und finanzierten damit die Aufrüstung!
    Und Lücken in der Sozialversicherung werden dem Staatsdefizit zugerechnet ,was wiederum negativ das Länderrating beeinflußt
    Und wer kommt für den Schaden bei der kapitalgedeckten niederländischen Rentenversicherung auf, die allein 2008 Vermögensverluste von 43,8% verzeichnen mußte!
    Die Verursacher garantiert nicht!
    Vielleicht noch ein letztes Beispiel zu dieser Problematik:
    als Mitte der 80ger der inzwischen verstorbnene Karl Friedrich Flick seinen Daimler-Anteil verhökerte, da büßte allein das Land NRW 750 Mio. DM Steuereinnahmen ein, weil doch noch wieder ein Steuerschlupfloch gefunden wurde. Aber wehe dem einfachen Kunden des Finanzamtes, der versehentlich seine KFZ-Versicherung einen Monat zu spät überweist.

    Viele Grüße

    Bubblegum

  • Bubblegum - 3. Dezember 2011

    In Ergänzung dazu:

    US-Finanzindustrie klagt gegen Derivateregulierung
    Die amerikanische Aufsichtsbehörde CFTC will den Handel mit Derivaten auf dem Rohstoffmarkt einschränken. Die US-Finanzindustrie will das verhindern und reicht Klage ein. Die neue Regeln würden der Wirtschaft schaden, heißt es in den Gerichtsunterlagen

    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:rohstoffmarkt-us-finanzindustrie-klagt-gegen-derivateregulierung/60137553.html

  • micdinger - 3. Dezember 2011

    Nicht nur die “Regierenden” sondern auch die “Oberen” wissen oft nicht was sie tun.

    Richard Sennett: Sie wissen nicht was sie tun

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=11503#h08

  • Joe - 3. Dezember 2011

    An diesen ihren Sätzen wird eigentlich sehr schön deutlich wie prima die Gehirnwäsche der
    Mietschreiberlinge des internationalen Finanzkapitals wirkt!

    Hahaha… der ist gut! 🙂

  • Joe - 3. Dezember 2011

    Also gut… mir reichts jetzt auch! Tschüss ich bin weg!

  • dicke Bertha - 3. Dezember 2011

    Deutschland muß mehr importieren.

    Wie soll das ohne mehr ‘Geld ausgeben’ gehen?

    Welches Konzept führt zu mehr ‘Geld ausgeben’?

    DIe politik hätte hier durchaus Spielräume gehabt, Mindestlohn, Reglementierung der Leiharbeit, …

    Was macht Merkel , sie verlangt die 35 Stundenwoche in Frankreich abzuschaffen, usw.
    also immer schlechtere Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer in der Eurozone.

    Und der NEID auf den Nachbarn ist so hoch, dass sich die Schafe schlachten (entsolidarisieren) lassen.

    Und nimmt sich dadurch Handlungsspielraum für Reformen in Deutschland.

    Das Spiel ist verloren.

    Mit dieser Frau nicht.

    Und die SPD?

    Nee, der Euro ist verloren.

  • dicke Bertha - 3. Dezember 2011

    Besonders absurd, die europäischen Banken investieren in US-Staatsanleihen, US-Hypotheken(Finanzierung von Autokäufen) usw.

    http://acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.com/2011/12/warum-brauchen-europaische-banken-us.html

  • Bubblegum - 3. Dezember 2011

    ” Es gibt nicht genug laufende Einnahmen in FOrm von Energie, Nahrung, Material usw. um den Betrieb am Laufen zu halten, deshalb werden Schulden gemacht (öl gefördert/ Raubbau betrieben), um das Problem zu verschleiern, aber irgendwann geht das nicht mehr.”

    Ach Paulchen, schon mal davon gehört, dass nicht der Vorrat, sondern die Verteilung das Problem
    ist?

  • Tourist - 3. Dezember 2011

    “Es mag einen nicht stören, was amerikanische oder britische Politiker den Europäern kritisch vorhalten, weil sie ihre eigenen Interessen verfolgen und selbst noch viel weniger in der Lage zu sein scheinen, die Krise in ihrem jeweiligen Lande in den Griff zu bekommen.”

    So is es! Es kann einen nur stören, wenn man sich ein falsches Bild vom Staat macht und glaubt er würde einem Gemeinwohl dienen! Was ist das überhaupt? War ne rethorische Frage! Macht dient Zwecken, Staatsgewalten sind Mächte! Welchen Zwecken dienen sie? Das ist die Frage!

    Wer sch moralisch empört darüber, das Staatsmänner und -frauen “ihr Ding” machen, hat einfach ne flasche Vorstellung davon, was Staat ist!!!!

    Der Begriff Gemeinwohl ist zwar löblich und sicherlich auf eine menschliche Weise erstrebenswert, aber er ist im Bezug zum Staat eine falsche Funktions- bzw. Etikettenbeschreibung!!!! Ähnlich wie den Heilsversprechen des Marktes! Man muesse ihn irgendwie mal machen lassen, dann kommt da was gutes für alle raus!

    Wie unzutreffend diese Annahmen sind, kann man an Griechenland erkennen! Wo Gemeinwohl und Staatstätigkeit nicht so recht zusammenpassen, das Marktgeschehen, bezogen auf die Menschen, passt ebenso wenig zusammen!

    Ich sage bewusst MENSCHEN und nicht Bürger, um meinen basisdemokratischen und kooperativen Duktus raushängen zu lassen!

    • Tourist - 6. Dezember 2011

      Nix, Ich bin für die Entdeckung der Vaterschaft!!!!!^^

  • bauagent - 3. Dezember 2011

    @Bubblegum

    “Ach Paulchen, schon mal davon gehört, dass nicht der Vorrat, sondern die Verteilung das Problem ist?”
    …………………………………………………………………………………………………………………………………

    …genau hier muss man m.E. ansetzen unter Bezug auf den schönen Artikel von Stefan.

    Da die Verteilungsproblematik nie unter monetären Gesichtspunkten bzw. unter dem Aspekt des Erhalts des Geldsystems angegangen wurde, haben Merkozy und die anderen Statisten plötzlich keine Alternativen mehr. Man hat mit dem ” neoliberalen ” Gedankengut einfach unterschätzt, dass diese Spirale außer Kontrolle geraten könnte.

    Wenn jetzt diese Sparorgien angedacht und verwirklicht werden, dann bin ich nach wie vor der Meinung, dass diese nicht aus oekonomischer Sicht vorgesehen wurden, sondern politisches Kalkül dahinter steckt. Die Entscheidungsträger wissen selbst, dass Austerizität in den Abgrund
    führt.

    Wer sich mit den Verfassungen der Mitgliedsländer beschäftigt hat, der weiß, dass eine Vergemeinschaftung der Schulden über einen geordneten Weg – in akzeptablen Zeiträumen -praktisch unmöglich ist.

    Also wählt man die Überrumpelungstaktik im Chaos, um die ” europäische Idee ” voran zu bringen und konditioniert die Bevölkerung mit ” getürkten ” Umfragen so weit, dass sie sich in ihr Schicksal fügt.

    (K)ein .Europa der Völker.

    Wie man konditioniert:

    http://www.infratest-dimap.de/uploads/media/dt1111_bericht.pdf

    Dank an SLE für den Chart der Vermögenskonzentration und der damit verbundenen Verwerfungen:

  • Eurelios - 3. Dezember 2011

    Tourist

    Wie unzutreffend diese Annahmen sind, kann man an Griechenland erkennen! Wo Gemeinwohl und Staatstätigkeit nicht so recht zusammenpassen, das Marktgeschehen, bezogen auf die Menschen, passt ebenso wenig zusammen!

    Griechenland, Italien und und und, siehe:

    http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2011/11/25/die-kaste-in-italien-politik-als-selbstbedienungsladen.html

    und weil der Mensch so ist wie er ist (nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht) kommt es
    unweigerlich zum Ausgleich der ungleichen Posten. Das ist naturgegeben.
    Mit welchen Folgen? Ich weis es nicht und hoffe nur das es glimpflich abläuft.

    • Tourist - 3. Dezember 2011

      “Das ist naturgegeben”

      nö ist es nicht^^ sondern rechtlich gewollt! Und “Recht” gibts nich in der Natur oder hast du schon mal Paragraphen auf Bäumen wachsen sehen?

  • unaufgeregt - 3. Dezember 2011

    Es ist im Grunde alles ganz einfach – die Finanzoligarchie will auf jeden Fall Verluste vermeiden, daher werden die Schuldner unbegrenzt mit Liquidität (in welcher Form auch immer) versorgt werden um die Kapital- und Zinsforderungen der Gläubiger befriedigen zu können, Sonstige mögliche soziale und realwirtschaftliche Probleme werden ausgeblendet, Dies geht solange bis der Zorn der Enteigneten durchbricht.

  • peterb - 3. Dezember 2011

    Mit welchen Folgen? Ich weis es nicht und hoffe nur das es glimpflich abläuft.

    Vielleicht so?

    Man tafelt, lacht, tanzt, pokert, schäkert, verkleidet und enthüllt sich und weiß, daß das Schiff sinkt. Niemand macht sich Illusionen. Die nächste Woge spült ihn selber über Bord. Und keiner hat Mitleid. Ertrinkende schreien um Hilfe? “Kann dir die Hand nicht reichen, derweil ich eben tanz!” Die Lust ist zäher als das Gewissen. Wenn das Schiff sinkt, fällt der Katechismus ins Wasser. Polarforscher, heißt es, seien notfalls imstande, wissenschaftliche Mitarbeiter zu verzehren. Schlechte Zeiten, schlechte Manieren.

    Das schreib Erich Kästner am 7. 2. 1945 in sein Tagebuch, als er unweit von Postdam zu einer Feier eingeladen war. Ja, selbst in den letzten Tagen wurde gefeiert. Gerade dann. Und auch, als rundum Bomben fielen. Wir können uns das heute nicht mehr vorstellen. Aber es war so. “Laßt uns den Kreig feiern, der Friede wird schrecklich sein!” war ein geflügeltes Wort in den letzten Tagen des “tausendjährigen Reiches”.

  • peterb - 3. Dezember 2011

    Oder so?

    Man hat kein Geld mehr – warum dann eigentlich keine flashrobs?
    http://www.n-tv.de/mediathek/sendungen/auslandsreport/Pluenderer-verabreden-sich-im-Netz-article4914041.html

  • klaus - 3. Dezember 2011

    Hallo an Alle.

    Und bei all dieser Thematik hört IHR euch
    den Wulff mit seiner Weihnachtsrede an.
    Wie damals den Köhler.

    Und es begab sich zu der Zeit,…..
    Und man ist viel zu eigensüchtig, und
    Und die Werte sind soo wichtig

    😉

    **duckundlauf***

    • Tourist - 3. Dezember 2011

      Wulff? … Ist das nützlich? 😉

  • Eurelios - 3. Dezember 2011

    Tourist

    nö ist es nicht^^ sondern rechtlich gewollt! Und “Recht” gibts nich in der Natur oder hast du schon mal Paragraphen auf Bäumen wachsen sehen?

    Rechtlich gewollt?

    nö rechtlich kommt in der Natur nicht vor, so einfach ist das. Es sind die Instinkte und
    vor allem die Urängste des Homo Sapiens sind die Antriebskkäfte die das
    Ganze bestimmen.

    Die Urangst ist mE diese, wer nicht Oben Ist Unten und wird gefressen.

    Geld ist Macht und deswegen wird der Kampf (Grampf) immer weiter gehen.

    Leider

    • Tourist - 6. Dezember 2011

      alles ist rechtens^^

    • Tourist - 6. Dezember 2011

      Ja aber sicher ist das alles die Konsquenz von etwas, es ist rechtstaatlich gewollt, ja der Zirkus ist rechtlich gewollt! Der Vertrag übrigens ist ein Rechtsinstrument! Das hat mit Natur nix zu tun, sondern mit Ideologie und Vereinbarung!!!

  • Klaus F. - 4. Dezember 2011

    Verständnisfrage.
    Meiner Meinung beschäftigen sich 80-90% nicht intensiv mit Wirtschaftspolitik. Die Eurogegner ebenso wie die Befürworter. Es gibt nur die Standartantworten, der Euro ist gut und bringtVorteile, oder der Euro ist schlecht und stürtzt uns alle ins Verderben. Das ist das, was ich aus der deutschen Presse und Gesprächen entnehmen kann.

    Gibt es Berechnungen,, was passieren würde, wenn der Euro scheitern würde?

    Die Skeptiker gehen alle davon aus, es wird die DM-neu- gedruckt und der Bürger hätte nur Vorteile.

    Frage auf Stammtischniveau. :-).

  • Bubblegum - 4. Dezember 2011

    @ Klaus.F

    ” Gibt es Berechnungen,, was passieren würde, wenn der Euro scheitern würde?”

    Das wissen selbst die sog. Experten nicht so genau, die haben nur die Aufgabe, Angst
    vor einem Zerfall der Währungsunion zu verbreiten und geben dann so unsägliche Statements
    wie diese hier ab:

    “Was die Euro-Apokalypse für Deutschland bedeuten würde
    Pleitewellen bei Staaten, Banken, Firmen und Haushalten: Ein Zerfall der Euro-Zone könnte hierzulande eine Depression historischen Ausmaßes auslösen. von Martin Kaelble und Mathias Ohanian, Berlin
    Eine Rückkehr zur D-Mark gilt vielen in Deutschland als die letzte Rettung. Fragt man Volkswirte nach den Folgen eines solchen Schrittes, warnen sie jedoch vor einer Katastrophe: Ein Komplettzerfall der Euro-Zone mit Rückkehr zu nationalen Währungen wäre für Deutschland “kurzfristig schlecht und langfristig schrecklich”, warnt Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft. “Die Vorstellung, zur Mark zurückzukehren, ist absurd”, sagt Ulrich Kater, Chefökonom der Dekabank.
    Die Schockkanäle für die deutsche Wirtschaft wären vielfältig. Zum Beispiel durch die starke Exportausrichtung: “Für einige europäische Volkswirtschaften wäre das Ende des Euro gleichbedeutend mit Pleitewellen – bei Staaten, Banken, Firmen und Haushalten”, sagt David Milleker, Chefvolkswirt von Union Investment. Damit würden wichtige Absatzmärkte auf einen Schlag wegbrechen.
    http://www.ftd.de/politik/europa/:szenario-zur-euro-krise-was-die-euro-apokalypse-fuer-deutschland-bedeuten-wuerde/60137375.html

    Historische Erfahrungen bietet allenfalls die Zerschlagung des Währungsraums der Donaumonarchie nach dem Versailler – Diktatfrieden 1919, der ja Keynes dazu veranlaßte
    seine Mitgliedschaft in der britischen Verhandlungsdelegation zu beenden.

    Aber auch hier ist das ganze nur bedingt als Erfahrungswert tauglich, weil die Restbstände,
    die entstanden, wie Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Jugoslawien mit erheblichen Kriegsfolgelasten zu kämpfen hatten! Insbesondere das Auseinderreißen gewachsener Wirtschaftsräume war das eigentliche Problem, nicht so sehr der Währungszerfall!

    Viele Grüße

    Bubblegum

    • Klaus G. - 4. Dezember 2011

      Danke Bubblegum,

      ich hatte zuvor den FTD-Artikel vom 02.12.2011 gelesen.

      http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-wenn-die-euro-zone-auseinanderbricht/60136960.html

      Hat ein Privatanleger ein Finanzprodukt gekauft, für das an einer deutschen Börse ein Preis gestellt wird oder für das es entsprechende Laufzeiten- und Zinsvereinbarungen mit einer Bank gibt, dann würde dieses Produkt nach dem Wegfall des Euro in der Ersatzwährung notiert. Einen Wertverlust der neuen Währung hätten gerade die Deutschen kaum zu befürchten, da eher mit einer drastischen Aufwertung zu rechnen ist.

      Zwei Artikel der selben Zeitung zum selben Thema. Unterschiedlicher können die Aussagen nicht sein.

      Wie oben aus dem Artikel vom 02.12.2011 zitiert, ist die Aussage für die breite Schicht, raus aus dem Euro, und ihr seid alle Sorgen los.

      Ich glaube, wenn ich Dich richtig verstanden habe, hast Du Recht mit der Meinung, dass gerade die Zerschlagung zwar nur ein technischer Vorgang ohne direkte Gefahren ist, der Vertrauensverlust unter den einzelnen Nationen und Bürgern auf Generationen jedoch wahrscheinlich depressiv und nachhaltig negativ wäre.

      Meine Befürchtung ist, dass es zu einer Deindustriealisierung kommen würde. Die Industrie war und ist die Quelle von der wir alle leben.

  • M.U. - 5. Dezember 2011

    Meine Befürchtung ist, dass es zu einer Deindustriealisierung kommen würde. Die Industrie war und ist die Quelle von der wir alle leben.
    Nein! Sie war Quelle für einen kurzen Zeitraum der Extravagance. Erst sie ermöglichte uns dieses exorbitante Wachsum, jedoch wird zusehens klarer das sie ihre Versprechen und die in sie projizierten Hoffnungen wohl nicht erfüllen kann.

  • M.U. - 5. Dezember 2011

    Kluge Tiere im All – Was ist Wahrheit?
    »In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der ›Weltgeschichte‹: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mussten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht enügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt; es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. Denn es gibt für jenen Intellekt keine weitere Mission, die über das Menschenleben hinausführte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sich in ihm drehten. Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, dass auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Zentrum dieser Welt fühlt.«
    Friedrich Nietzsche
    Quelle: Richard David Precht – “Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?”