Krisenlabor Europa: Ist Alexis Tsipras der Ludwig Erhard Griechenlands?

von am 28. Januar 2015 in Allgemein

Alexis Tsipras ist neuer Ministerpräsident Griechenlands. Er startete in jungen Jahren politisch als Kommunist, ist seit Jahren Chef des Linksbündnisses Syriza, das uns seit dem Überraschungserfolg bei den Parlamentswahlen im Mai 2012 in den Medien als linksradikal vermittelt wird. Kann dieser Mann überhaupt irgendetwas mit der deutschen Ikone der Nachkriegszeit, dem Architekten des deutschen Wirtschaftswunders, gemein haben?
Die meisten Konservativen, die derzeit (noch) die Oberhand im europäischen Krisenlabor haben, werden das kategorisch verneinen. Die Hüter liberalen Gedankenguts in Deutschland werden allein schon die Formulierung einer solchen Frage für absurd halten.

Ist es eine absurde Frage?

Nein, es ist keine völlig absurde Frage, sofern man zu akzeptieren bereit ist, dass das wirtschaftsliberale Konzept, das Ludwig Erhard so erfolgreich machte, keineswegs zu jeder historischen Zeit und unter allen Umständen das bestmögliche und einzig Erfolg versprechende ist.

Erhard hätte mit seinem Konzept heute keinen Erfolg

Wer das behauptet, hat die Schwächen des wirtschaftstheoretischen Unterbaus dieses Konzepts verdrängt und die Fähigkeit verloren, wirtschaftliche Krisen unvoreingenommen und ergebnisoffen zu analysieren. Er (oder sie) wird deswegen immer wieder nur zu demselben Ergebnis, derselben Schlussfolgerung gelangen, was die wirtschaftspolitischen Lösungsmöglichkeiten anbelangt.

Doch „Lasst die Märkte und die Marktkräfte frei“, die auf ein Motto verkürzte Rezeptur dieses berühmt gewordenen Erhard´schen Konzepts, kann in einer von engen Oligopolen, gesättigten Märkten und massiven wirtschaftlichen Ungleichgewichten geprägten Welt nicht funktionieren. Und das ist die Welt, in der wir alle und auch Alexis Tsipras und die Griechen heute leben.

Die Märkte frei zu lassen bedeutet in dieser Welt de facto nichts anders als den sogenannten Raubtierkapitalismus von der Leine zu lassen. Wer nicht groß und stark und einflussreich genug ist – das gilt für Unternehmen und Banken ebenso wie für Volkswirtschaften –, der hat eben Pech gehabt – und wird „gefressen“. Das dürfte so ungefähr das Gefühl sein, das unter anderem die Mehrheit der Griechen seit einiger Zeit hat.

Wer glaubt, dass sich das schon wieder von selbst ausregulieren wird, wenn man das liberale Konzept nur lange und konsequent genug durchzieht, der ist ein Zyniker. Denn darauf zu setzen, das bedeutet angesichts der angesprochenen Marktgegebenheiten nichts anderes, als es auf einen kapitalen Crash anzulegen, auf einen Kollaps des (globalen) wirtschaftlichen „Ökosystems“, der in Europa vielleicht mit Griechenland beginnt. Doch das „Fressen“ wird weitergehen und später auch große Volkswirtschaften wie Italien und Frankreich treffen.

Nein, das ist kein Untergangsszenario und es ist auch keine abwegige Interpretation der Verhältnisse. Es ist die simple Logik des wirtschaftsliberalen Konzepts, konsequent und dauerhaft angewendet auf eine von engen Oligopolen, gesättigten Märkten und massiven wirtschaftlichen Ungleichgewichten geprägten Welt.

Mit anderen Worten würde Ludwig Erhard mit seinem wirtschaftspolitischen Konzept heute keinen Erfolg haben, schon gar nicht in Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien. Wohlmeinende sagen, es ist eine das System stabilisierende Politik. Aber das ist nur ein Euphemismus für Strukturerhaltungspolitik.

Keynesianismus ist auch keine Lösung

Man braucht heute kein Befürworter von Keynes sein, um zu diesem Schluss zu gelangen. Es ist vielmehr sogar besser, wenn man es nicht ist. Denn auch Anhänger von dessen Lehre werden unter den oben skizzierten Gegebenheiten mit keynesianischen Konzepten kein „Wirtschaftswunder“ zustande bringen können, weil sie damit an den markt- und wirtschaftsstrukturellen Gegebenheiten in unserem globalen Wirtschaftssystem gar nichts ändern.

Im Gegenteil werden mit Konjunkturprogammen ebenso wie mit einer Liquiditätsschwemme, ja, Herr Draghi, nur die bestehenden Marktverhältnisse und wirtschaftlichen Strukturen zementiert. Denn das Geld fließt genau dahin, wo es sowieso schon ist – zu den die Märkte dominierenden Oligopolisten und in die reichen Volkswirtschaften. (1)

De facto ist das unter den gegebenen Bedingungen ebenfalls nichts anderes als Strukturerhaltungspolitik.

Nicht nur Griechenland, sondern Europa hat ein Wachstumsproblem

Und nur damit das jetzt nicht wieder übersehen wird, im allgemeinen Trubel um Griechenland und Alexis Tsipras, den Linksradikalen:

Nicht nur Griechenland hat ein Wachstumsproblem, sondern die Europäische Union als Ganzes!

Europa dümpelt schon seit Jahren in Richtung Nullwachstum dahin. Das Problem des Alexis Tsipras ist – jenseits aller finanziellen Fragen – auch und vor allem das der Chefs der Euro-Gruppe. Davon wollen sie allerdings nichts wissen, weswegen es angebracht ist, sie einmal mit der Nase darauf zu stoßen. Und genau das hat Tsipras mit seinem Wahlsieg im Grunde gemacht, was ihm so mancher renommierte Politiker – wir nennen keine Namen – am meisten verübelt.

Seit der Finanzmarktkrise ist jedoch für jeden, der die wirtschaftliche Realität und die Fakten nicht verleugnet, klar, dass das bisherige Wachstumskonzept der Europäischen Union und mehr noch der Euro-Zone nicht mehr aufgeht. Präziser gesagt hat Europa gar kein Wachstumskonzept mehr. Aber in den letzten Jahren wurde auf europäischer Ebene absolut gar nichts unternommen, um dieses Problem zu lösen. Damit wissen Sie jetzt auch, warum Tsipras offensive Art, den wunden Punkt zu berühren, von manchen als unangenehm empfunden werden dürfte.

Doch Spaß beiseite: Das ist eine alarmierende und unsere politische Elite entblößende Wahrheit. Denn sie hat dieses Problem bisher einfach immer als exklusives Problem der europäischen Krisenstaaten verkauft nach dem Motto, wer Leistungsbilanzdefizite fährt, der lebt eben über seine Verhältnisse und muss folglich einfach den Gürtel enger schnallen. Doch beißt sich dabei am Ende die Katze in den eigenen Schwanz. Wenn nach und nach alle in Europa den Gürtel enger schnallen, das heißt, nach Spanien und Italien auch Frankreich, dann vergrößert sich in Europa das Problem der Nachfrage- und Investitionsschwäche, die die EZB doch so sehr zu überwinden bemüht ist.

So betrachtet sollten die Chefs der Euro-Gruppe froh darüber sein, dass Tsipras es wagen will, einen anderen Lösungsweg zu finden und einzuschlagen. Griechenland würde einmal mehr zum Labor Europas – sofern sich die Euro-Gruppe darauf einlässt, das Experiment vorzufinanzieren oder es der griechischen Regierung gelingt, die Finanzierung auf andere Weise sicherzustellen.

Könnte Alexis Tsipras ein griechisches Wirtschaftswunder schaffen?

Wir werden es nie erfahren, wenn wir es ihn nicht versuchen lassen.

Griechenland ist nicht Deutschland und war es auch nie. Die Möglichkeiten sind nicht vergleichbar, nicht einmal theoretisch. Tsipras wird sehr kluge Köpfe brauchen und, ja, insbesondere auch kluge Querdenker. Es wird trotzdem sehr schwer werden, eine Art Himmelfahrtskommando. Das steht fest.

Fest steht aber auch, dass die Gläubigerländer ihr Geld nicht wiedersehen, wenn Griechenland wirtschaftlich nicht wieder auf die Beine kommt. Europas bisheriges Wachstumsmodell funktioniert nicht mehr und die austeritätspolitische Sanierung, ein wirtschaftsliberales Konzept, hat bisher mehr wirtschaftlichen Schaden angerichtet als genützt – nicht nur in Griechenland. Das ist der Stand der Dinge. Griechenland fallen zu lassen, käme hingegen einer Kapitulation vor Europas zentraler Herausforderung gleich. Welches Euro-Krisenland als nächstes dran ist, wenn die bisherige Sanierungspolitik weiterhin nicht aufgeht, ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

Es ist deswegen höchste Zeit für Europa, etwas anderes zu versuchen – und das vernünftigerweise zunächst im Kleinen.

Tsipras ist nicht Erhard. Das ist völlig klar. Das heißt aber nicht, dass seine Krisenpolitik sowieso scheitern muss, wenn er dabei nicht auf das wirtschaftsliberale Konzept setzt. Im Gegenteil, er wird es anders machen müssen, weil die wirtschaftlichen Verhältnisse und Herausforderungen heute mit denen im Nachkriegs-Deutschland überhaupt nicht zu vergleichen sind. Europa kann es sich nicht leisten, das noch länger zu ignorieren, wenn es nicht zwischen den USA und China zu einer wirtschaftlichen Restgröße zusammenschrumpfen will.

Und noch etwas sollte man vielleicht bedenken, bevor man ein neues griechisches Experiment verteufelt:

Wer hat damals, als Erhard sagte was er tun will, um die deutsche Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen, geglaubt, dass es ihm auch nur ansatzweise so gut gelingen würde?

Das Vertrauen in die Troika ist weg

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Gruppe sollten sich auf ein neues Griechenland-Experiment einlassen. Tun sie es nicht, dann sind die bisherigen Kosten der Griechenland-Rettung nur die erste Ratenzahlung für eine missglückte europäische Krisenpolitik und der Preis, den wir für die Gesichtswahrung derjenigen zahlen, die sie zu verantworten haben.

Der europäische Karren steckt schon längst im Graben fest. Der klare Wahlsieg von Syriza in Griechenland zeigt nur erstmals mit aller Deutlichkeit, das es so ist. Das Vertrauen in die von der Euro-Gruppe beauftragte Troika, ihn da rauszuholen, ist weg. Die Griechenlandwahl wird ganz sicher kein Einzelfall bleiben. In anderen Krisenstaaten wird sich Ähnliches ereignen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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29 KommentareKommentieren

  • Rainer - 28. Januar 2015

    Danke für diese prägnante Analyse, die den Kern des Problems bloßlegt.
    Ich bin ein wenig beeindruckt und hoffe, daß sie Zugang zu den entscheidenden Köpfen findet.
    Allerdings hält sich mein Optimismus diesbezüglich in Grenzen.

    Mfg Rainer

  • Erino - 28. Januar 2015

    Dass Griechenland niemals seine Schulden zurückzahlen kann ist offensichtlich. aber das Modell Tsipras basiert ja nciht darauf, dass man mit den Mitteln des Landes die Probleme löst. Natürlich, wenn man iimer wieder Dumme findet, die einem genug zusätzliche Mittel von Aussen geben (letztlich schenken), dann ist jede Art von Erholung möglich. Nur verallgemeinern kann man so etwas nicht, die Erde ist begrenzt, und die Mittel vom Mars sind noch nicht in sicht.

  • Frankenfurter - 28. Januar 2015

    Ich bin mir nicht sicher, ob SLE wirklich jenen Keynes meint, der seine Vision von 1930, wie die Welt in hundert Jahren (also 2030) aussehen wird so beschreibt.
    “Wir werden in der Lage sein uns von pseudomoralischen Prinzipien zu befreien, die uns über zweihundert Jahre gequält haben und mit denen wir eine der widerlichsten menschlichen Qualitäten überschwenglich in den Rang der höchsten Tugenden erhoben haben. Wir werden in der Lage sein uns zu erlauben, den Wert des Geldes richtig einzuschätzen. Die Liebe zum Geld als Besitz, im Gegensatz zum Geld als Mittel zur Erlangung der Freuden und Realitäten des Lebens wird als das erkannt werden als was es ist: eine einigermaßen abscheuliche Mobilität, eine dieser halb krimminellen, halb krankhaften Neigungen, die man mit einem Schaudern Spezialisten auf dem Gebiet der Geisteskrankheit übergibt. ”
    .

    • Basisdemokrat - 29. Januar 2015

      Welch wunderbare Poesie!
      Diese Einsicht wird mich heute erhaben über die Niederungen des Alltags hinwegtragen.
      /

  • Stepe - 28. Januar 2015

    Eine Polemik
    Wie kann mensch anders als politisch Kommunist sein, stellt sich auch die Frage ist er nicht mehr Kommunist? weil „Er startete“.
    Aber ja kann er was von Ludwig Erhard lernen, genau wie geschrieben, wie Ökonomie funktionieren sollte, ob die Lehre genau es nicht so zu tun , eventuell anders ist eine andere Sache.
    Erhard ist immer ein Vertreter des Kapitalismus gewesen, das ist gut nachlesbar in seinen Schriften für die herrschenden vor 1945.
    Was ist das Erfolgreiche was auf Erhard Gedanken zurückzuführen ist? Es ist dabei zu bedenken das die Enorme Kapitalvernichtung des 2 Weltkriegs und die Demontage durch die Engländer schon sehr hilfreich war. Für die Herrschenden hat „seine“ Ökonomie Erfolg gehabt.
    Es müßig zu schreiben wenn die Vorgaben nicht akzeptiert werden, es nicht als „unvoreingenommen und ergebnisoffen“ zu bezeichnen. Schreibt jeder so kann sich jeder Buchstabe gespart werden.
    „Lasst die Märkte und die Marktkräfte frei“ ist genau das, was zu der Situation geführt hat die wir heute haben. TTIP ist genau in der Tradition. In dem Zusammenhang ist es eine Verkürzung es nur auf Deutschland, Griechenland oder die EU zu beziehen. Wenn es ökonomische Konzept was hergibt, muss es überall funktionieren.
    Da meine ich das es ein nettes Wortspiel ist „Raubtierkapitalismus“ an zuführen. Es gibt „nur“ Kapitalismus und sein Zweck ist es soviel Profit zu generieren wie möglich. Das ist auch jenseits menschlichen wollen, es ist systemimmanent. Bei Strafe des Untergangs ist dem nachzukommen.
    Das „gesättigten Märkten und massiven wirtschaftlichen Ungleichgewichten“ eine Schwierigkeit darstellt ist nicht zu bezweifeln, aber es ist ebenso dem Kapitalismus immanent. Leider wird es nur beim Blick auf die Kapitalistischen Zentren für viele Augenscheinlich, bezieht man die ganze Welt ein war es schon immer so. Wie sahen die Kolonien den aus?
    Hinzu kommt auch die enorme Entwicklung der Wissenschaft.
    Vollständig richtig ist es des halb wenn gesagt wird „Wer glaubt, dass sich das schon wieder von selbst ausregulieren wird, wenn man das liberale Konzept nur lange und konsequent genug durchzieht, der ist ein Zyniker.“
    Ich würde sagen der Crash ist schon da. Da wäre auch eine Betrachtung, für wen die Politik handelt, angebracht.
    Der Keynesianismus hat noch nie ein Wirtschaftswunder zustande gebracht, ganz abgesehen davon das er im Sinne Keynes noch nie ausgeführt wurde. Da ist dem zuzustimmen.

    Das es nicht übersehen wird, der Kapitalismus hat ein Wachstumsproblem, das „Problem“ hat er selbst erzeugt; eine enorme Menge an Reichtum in Form von Waren, die durch enorme Armut nicht verkauft werden kann.
    Beim Spaß: Ich meine nicht das Wachstum das „Problem“ ist. Griechenland kann machen was sie wollen sie werden nicht gegen den Rest Europas an konkurrieren können, sie werden wie Schlecker vom Markt verschwinden, wenn sie das Wirtschaften Qualitativ nicht verändern.
    Es ist wichtig das zu Produzieren was das Volk benötigt, schlichtweg Lebensmittel zum Essen. Die Versorgung des Volkes muss gesichert sein.
    Wie die Gläubiger an ihr Geld kommen sollen die ihren Kopf darüber zerbrechen.

    Wenn hier die USA angeführt wird sollte nicht vergessen werden das dort doppelt so viele Menschen von Lebenmittelgutscheinen leben müssen als Griechenland Einwohner hat. Bei Erhard sollte mensch noch mal Klarheit schaffen, wer soll den Marshallplan für Griechenland denn aufbringen?
    Eine Möglichkeit an ein bisschen Geld zu kommen wurde schon diskutiert, Vermietung von Häfen und Flugplätzen.
    Ich hoffe niemand zu nahe getreten zu sein, es war nicht meine Absicht. Falls es so war bitte ich um Entschuldigung.

  • Beate - 28. Januar 2015

    Irgendwann muß man ja anfangen der Währungsunion bessere Regeln zu geben.

    Kein Land darf unter seinen Verhältnissen leben.

    Die Zielinflationsrate ist durch Arbeitsmarktgesetze die auf die Tarifpartner hinwirken den Produktivitätszuwachs gesamtwirtschaftlich auszuschöpfen.

    Wer die Agenda 2010 verteidigen will, muss die Währungsunion verlassen.

    Es würde den anderen helfen wenn Deutschland endlich die Währungsunion verlassen würde.

    • Sound-Money - 28. Januar 2015

      >>>Wer die Agenda 2010 verteidigen will, muss die Währungsunion verlassen.
      Ja bitte!

    • Sound-Money - 28. Januar 2015

      >>>Wer die Agenda 2010 verteidigen will, muss die Währungsunion verlassen.
      Ja bitte!

      >>>Es würde den anderen helfen wenn Deutschland endlich die Währungsunion verlassen würde.
      Es würde auch Deutschland helfen!

      • Beate - 29. Januar 2015

        Die deutsche Regierung kann jederzeit mit Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst vorangehen und die Eurokrise beenden.

        Was will die deutsche Regierung?

        So ist ein Erhalt des Euros nicht möglich.

        Mit Lohndumping steigt die Produktivität einer Volkswirtschaft nicht mehr.

        Die Absatzerwartungen sinken und es wird immer weniger investiert.

        Das ist ein Verbrechen an den zukünftigen Generationen.

        • Sound-Money - 29. Januar 2015

          Warum soll man bis bitte der 90er Jahre gut funktionierende Strukturen aufgeben nur um den Euro am Leben zu erhalten? Es wird Zeit zu quantifizieren was der Euro Deutschland bringt und was er kostet.

  • Roland - 28. Januar 2015

    Bei Alexis Tsipras fällt mir viel ein, nur eines nicht: Ludwig Erhard.

  • Eurelios - 28. Januar 2015

    Danke für diesen Artikel SLE.

    Krisenlabor Europa.

    Nach meiner Denke ist Europa zur Hexenküche geworden in dem viele Köche mit
    Ihrem Oberkoch Merkeline eine Suppe zubereiteten die dann vom operativo Capo
    Namens Draghi den Bürgern in der Kantine serviert werden soll. Übelkeit und Bauchschmerzen sind, gelinde gesagt, nach dem “Genuss“ die leichteren Beschwerden.
    Das Rezept für diese Suppe kam von den ganz wenigen Gästen des gourmet restaurantes
    im Oberstock der EZB damit diese weiter schlemmen können.

    Die Griechen wurden vorab als Geschmackstester ausgewählt um zu testen wieviel
    Bitterstoffe man beimengen kann ohne das es Revolten gibt.

    Dieser Test ist gescheitert. Dank den Griechen dafür die diese Suppe jetzt nicht
    mehr essen / können/ wollen.

    Ob jetzt ihr neu gewählter Koch Tsipras eine bessere kocht ist keine Frage sie kann
    nur besser sein.

  • JL - 28. Januar 2015

    Ein Zitat:
    „Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht Bankrott gehen will.“
    Klingt aktuell, oder?

    Das hat Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.) aber 55 v. C. im Römischen Senat vorgetragen.

    Bevor die europäischen Staaten in diese vielbeschriebenen Euroketten gelegt wurden, hatten die einzelnen Länder vollkommen unterschiedliche nationale wirtschaftliche Strukturen. Man konnte damals einen Winzer von der Mosel nicht mit einem Berufskollegen aus Spanien, Frankreich, Italien oder Griechenland vergleichen, schlicht weil es unterschiedliche Voraussetzungen, Gegebenheiten, Auflagen aber auch Steuerbelastungen gab.

    Nun, was haben wir heute?
    Heute haben wir genau dasselbe zuzüglich Strukturanpassungsreformen- also nichts anderes als Verordnungen seitens Brüssel- das war alles. Hier sollen also die nationale Bürokratien mit bürokratischen Mitteln gleichgeschaltet werden- tolle Reformen.
    Und was ändern damit diese Strukturanpassungsreformen- also Verordnungen- an den vorhandenen Strukturen? Nichts, können sie auch gar nicht.

    Man kann schließlich nur etwas ändern, wenn die Strukturen selbst verändert werden. Und genau das ist die EU bisher schuldig geblieben. Es gab weder Hilfen hierzu noch Vergünstigungen des jeweiligen eigenen Staates bisher. Es gab nur teure Auflagen und Vorgaben- immer in der Hoffnung, alles andere wird dann schon irgendjemand anderes richten, zum Beispiel ein manipulierter Markt. Wenn Alexis Tsipras genau hier ansetzt- sicher auch mit ausländischer Unterstützung- wird es auch langsam erste Erfolge geben.

    Dabei zeigt das politische Gebaren der EU- Oberen schon so etwas wie eine Offenbarung auf.
    Man hat kein eigenes Ziel und damit auch keine eigene Richtung. Im inneren reagiert man auf krisenhafte Erscheinungen ausschließlich und reflexartig mit Geld und nach außen agiert man nach den Vorgaben der USA. Sachlich betrachtet ist die EU zu einer Gemeinde ohnmächtiger, weil überschuldeter Staaten, mutiert, deren einzelne Länder zunehmend- und für sich jeweils selbst- ums Überleben kämpfen.

    Einen breiten Konsens gibt es nur noch in Richtung Schuldenunion.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Eurelios - 28. Januar 2015

      und nach außen agiert man nach den Vorgaben der USA. Sachlich betrachtet ist die EU zu einer Gemeinde ohnmächtiger, weil überschuldeter Staaten, mutiert, deren einzelne Länder zunehmend- und für sich jeweils selbst- ums Überleben kämpfen.

      Da bin ich voll bei Ihnen.

      Das Traurige ist ja, das die überschuldeten Staaten der EU der oberverschulderten USA
      blindlings folgen bis zum Ende des derzeitigem Geld/Wertesystems und wenn es
      ganz schlimm kommt dadurch zum Kampf/Krieg Alle gegen Alle.

      • JL - 28. Januar 2015

        Ja Eurelios,

        unter den Blinden ist der Einäugige König.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Frankenfurter - 28. Januar 2015

    Hallo in die Runde,
    was sagt ihr dazu, dass der Gemeinschaftskundelehrer und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel heute einen Jahreswirtschaftsbericht vorgelegt hat, in der ein deutscher Leistungsbilanzüberschuss von 206 Mrd. Euro für 2015 projektiert wird.

    Flassbeck hat angeregt an das BMWI zu schreiben und Gabriel danach zu fragen, wie dieses Ziel mit der Verpflichtung aller Länder zu vereinbaren ist, makroökonomische Ungleichgewichte abzubauen?

    Wie in dieser Runde wohlbekannt ist, gibt es noch einige andere Gründe, warum eine Verschuldung des Auslands keineswegs ein gutes Ziel für Deutschland sein kann. (Siehe zb. mein Keynes-Zitat oben) Hier geht;s zum Kontaktformular von Gabriels Ministerium.
    https://www.bmwi.de/DE/Service/kontakt.html

    • veblen - 28. Januar 2015

      Ich hätte da noch eine weitere Frage: Warum pant das BMWi mit einem BIP-Deflator von +2,3 %?

    • Freiberufler - 29. Januar 2015

      Was kann Deutschland dafür, wenn Super Mario den Euro bis zur Parität abwertet?

  • Franz - 29. Januar 2015

    Hallo Herr Eichner,
    der Mensch ist das fürchterlichste Raubtier das es bislang auf der Erde gab. Vor die Frage gestellt, ob ich im Raubtier- Kapitalismus oder –Sozialismus (Stalin u.a.) leben möchte, ziehe ich das aktuelle System vor. Das Ideal, das Paradies, strebe ich in den nächsten Jahrzehnten auch nicht an. Ich lebe gerne und richte mich nach den Realitäten.
    Ihr Vergleich mit D nach dem 2. Weltkrieg ist unzulässig. D hatte damals trotz der Verluste durch den Krieg und durch den Holocaust eine gebildete und gut ausgebildete Bevölkerung. Diese Bevölkerung wollte (wieder) zu Wohlstand kommen. Das war die Basis des „Wirtschaftswunders“. Ähnliches können Sie heute in Asien beobachten. Schauen Sie nach China, die Kultur und die Ausbildung. Auch Vietnam ist ein gutes Beispiel. Dort, in Asien, sind unsere Wettbewerber, wenn es um Arbeitsplätze, d.h. um Wohlstand geht.
    Das Geld, das die EU, d.h. auch der deutsche Steuerzahler, in Griechenland investiert hat, ist weg. Niemand, der mit eigenem Geld umgeht, wirft schlechtem Geld gutes hinterher. Der folgende Satz stammt leider nicht von mir, ersetzt aber 3 laufende Meter Literatur:
    Fix it, sell it or leave it.
    Grüße

    • SLE - 29. Januar 2015

      Hallo Franz,

      Sie haben recht, in Griechenland sind die Voraussetzungen ganz andere. Das habe ich aber oben im Aufsatz auch ausdrücklich betont.

      Was das in Griechenland “investierte” Geld anbelangt, so möchte ich darauf hinweisen, dass diese Mittel fast ausschließlich direkt an die Gläubiger weitergeflossen sind. Wir haben also in Großbanken und Hedgefonds “investiert” oder genauer gesagt haben wir sie freigekauft – zu Lasten der Steuerzahler UND zu Lasten der griechischen Bevölkerung. Wenn ich Sie also richtig verstehe, finden sie das richtig!?

      Sehen Sie, das ist doch genau das Problem mit den Hilfsmilliarden: Sie wurden im Rahmen des Troika-Sanierungskonzepts überhaupt nicht für den Aufbau der Wirtschaft verwendet. Das ist, nur damit Sie mich nicht missverstehen, keineswegs allein die “Schuld” der Troika, sondern vor allem der korrupten alten Regierung, die ihre Klientel vor allen Kosten bewahrte und sie stattdessen denen aufbürdete, die die geringste und in vielen Fällen gar keine Schuld trifft. Und das Ausmaß von Elend und Armut dort ist inzwischen erschreckend.

      Ich möchte in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dass es die bis Ende 2009 regierende konservative Nea Dimokratia war, die Griechenlands Staatsschuldenberg angehäuft hatte.

      Viele Grüße
      SLE

  • Basisdemokrat - 29. Januar 2015

    Nachdem ich mich in unserer Presselandschaft so einigermaßen durchgewurstelt hatte, blieb bei mir der Eindruck zurück, dass, neben den üblichen Schreihälsen, eine Art Aufbruchstimmung zu spüren ist. Sei es von denjenigen, die selbst nicht mehr so richtig an ihre eigene Ideologie glaubten oder von denen, die endlich wieder einen Lichtstreifen am Horizont erblicken. Ich führe dies darauf zurück, dass latent eine riesige Erwartungshaltung für eine Veränderung da ist. Ab jetzt ist einfach so weiter machen vorbei. Was auch immer bei diesen Veränderungen herauskommen mag, die Bedingungen für eine Veränderung sind so gut wie schon lange nicht mehr.
    Gruß BD

  • Basisdemokrat - 29. Januar 2015

    Das Märchen vom Wirtschaftswunder

  • JL - 29. Januar 2015

    Hier mal zur Info über die neue griechische Politik. Für die EU ist da unten jetzt eine total verkehrte Welt entstanden. Damit sind die Jungs in Brüssel offenbar vollkommen überfordert.

    http://www.contra-magazin.com/2015/01/griechenland-tsipras-zeigt-der-eu-die-rote-karte/

    Dort erzählt jetzt jeder was anderes und alle haben Recht- so wie immer.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Basisdemokrat - 29. Januar 2015

    Rettung ist nahe:
    http://www.flassbeck-economics.de/liebe-versicherungen/
    Gruß BD

  • Tommy Rasmussen - 29. Januar 2015

    “Vor dem Dritten Weltkrieg wird die Macht in Europa in Händen der radikalen Linken liegen. Bolschewismus und Kommunismus werden eine Wiederkehr feiern”
    http://cordisanima.blogspot.de/2009/02/gottfried-von-werdenberg-1994.html

    • JL - 29. Januar 2015

      Hallo Basisdemokrat

      Da zieht man wohl den „Effe- Finger“ gegenüber der EU.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

  • Duke van Hudde - 30. Januar 2015

    Die wichtigste Frage die man sich stellen sollte wenn man über das Wirtschaftssystem nach denkt was haben wir zur Zeit.

    Wir haben eine offizielle Staatsquote von 45 %.
    Von meinen Arbeitgeberbrutto bleiben mir nur etwas über 40 %.
    Davon muss ich aber noch weitere Steuern zahlen wie Mehrwertsteuer Mineralölsteuer usw.
    Von meiner letzten Lohnerhöhung in Arbeitgeberbrutto habe ich ausgerechnet blieben mir nach allen Abgaben und Steuern ca. 30 %. Nur über diese 30 % kann ich entscheiden was für mich am besten ist.
    Wir haben ein Monopolistischen Geldsystem was niemand freiwillig wählen würde. Oder würde jemand Geld nutzen wo eine bestimmte Partei natürlich nicht er selbst neues Geld aus den Nichts erstellen kann.
    Wir haben ein extrem stark reguliertes Banksystem was wir nur brauchen weil wir ein Monopolistischen Geldsystem haben. Versuchen sie mal eine neue Bank zu gründen.
    In vielen Wirtschaftbereichern fördert die EU mit ihren ganzen Vorgaben, Verordnungen und Bürokratie das große Unternehmen es viel einfacher haben wie kleine. Es gibt Staaten die aktiv nationale Champions fördern.

    Wir hebeln den natürlichen Zinssatz aus der eigentlich beschreibt das mit heute 100 Äpfel lieber sind wie in 10 Jahren und wie viele Äpfel ich in 10 Jahren haben will das ich heute auf 100 verzichte. Damit erzeuge ich ein riesigen Boom (das ist die Krankheit) der dann in eine Rezesion(Das ist die Genesung) führen muss. Man kann sich ja mal den Boom in Griechenland bis 2007 anschauen der mit dem Start des Euros passiert ist.

    Wir leben für mich in einen 60-80 % Sozialismus und genau dieser ist gescheitert.
    Das der 80 % Soziallismus aller Keynes (Griechenland) vielleicht noch etwas schlechter ist wie der 60 % Soziallismus genannt Ordoliberalismus der alten BRD ist dann nur noch unwichtig.

    Alle westlichen Demokratien werden ihre aufgehäuften Zahlungsversprechen die häufig 500 % und mehr des BIP betragen niemals zahlen können.

    Ich bin daher für den ganz großen Knall und sehe das auch als einzigen Ausweg der halbwegs gerecht ist. Den dann stehen wenigstens halbwegs die Generation für ihren Mist ein die ihn geschaffen haben. Lasten auf zukünftige Generationen zu verteilen halte ich für ziemlich ungerecht. Vor allen da man ihnen Zwangsweise Verträge zuweist die sie nicht freiwillig unterschrieben hätten.

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