Landtagswahl: Die Bayern wollten ein starkes Bayern im Bund

von am 16. September 2013 in Allgemein

Es gibt in Deutschland keine einzige auch nur annährend vergleichbar starke Regionalpartei: Die CSU ist das Alleinstellungsmerkmal Bayerns im Bund – allen Affären und Skandalen der letzten Monate zum Trotz.

Nicht der Skandal um die BayernLB und den mit milliardenschweren Verlusten verbundenen und von der CSU forcierten Kauf der Hype Alpe Adria, nicht der Versuch der Einflussnahme auf die Berichterstattung in ARD und ZDF aus der Staatskanzlei heraus, nicht die Verwandtenaffäre und auch nicht der Justizskandal um den sieben Jahre in der Psychiatrie weggesperrten Nürnberger Gustl Mollath haben bei der Landtagswahl in Bayern eine Rolle gespielt. 47,7 Prozent und damit die absolute Mehrheit der bayerischen Wähler wollte eine starke CSU.

Man kann eine differenzierte Bewertung nun einmal nicht mit einem bzw. zwei einfachen Kreuzen auf dem Wahlzettel zum Ausdruck bringen. Das ist einfach so. Vielleicht hätten sich viele Bayern mit Blick auf die vielen Affären und Skandale durchaus einen Regierungspartner für die CSU gewünscht. Eine Befragung durch Infratest dimap deutet darauf hin: 58 Prozent Bayern sprachen sich demnach für eine Koalitionsregierung aus, nur 36 Prozent für eine Alleinregierung der CSU und selbst unter den CSU-Wählern wünschte sich fast ein Drittel eine Koalitionsregierung für Bayern. (1) Im Wahlergebnis hat sich dies dennoch nicht niedergeschlagen. Abgesehen von der SPD hat im Vergleich zur letzten Wahl 2008 keine der bisher im Landtag etablierten Parteien Stimmengewinne realisieren können. Und wen auch immer sich die Bayern als Koalitionspartner der CSU hätten vorstellen können, die FDP war es eindeutig nicht.

Keine Partei hatte bei der Wahl in Bayern so hohe Verluste zu verzeichnen wie die Liberalen. Nur 3,3 Prozent der Stimmen erreichten sie bei einer mit 63,9 Prozent im Vergleich zur letzten Landtagswahl 2008 (57,9 Prozent) um sechs Prozentpunkte höheren Wahlbeteiligung. Um 4,7 Prozentpunkte stürzte die Partei ab.

Das ist ein eindeutiges und dennoch erstaunliches Votum, denn für die Bayern hat bei ihrer Wahlentscheidung offensichtlich eine zentrale Rolle gespielt, dass Bayern aktuell wirtschaftlich sehr gut dasteht. Das dürfte ganz sicher auch ein Verdienst des Wirtschaftsministers gewesen sein, sollte man annehmen, und der hieß bisher Martin Zeil und kommt von der FDP.

Freilich ticken die Uhren in Bayern immer schon etwas anders als im Rest von Deutschland. Parteien auf der linken Seite des politischen Spektrums haben von jeher in Bayern einen schweren Stand und auch die FDP ist dort traditionell schwach.

Insofern ist es wirklich nicht einfach zu deuten, was der Ausgang der Landtagswahl im bevölkerungsreichen Bayern mit seinen rund 9,3 Millionen Wahlberechtigten für die Bundestagswahl bedeutet. Vielleicht waren die Bayern letztlich genauso wenig sicher hinsichtlich des Ausgangs der Bundestagswahl und der künftigen Regierungskoalition wie alle anderen Deutschen. Schließlich ist laut Umfragen seit Monaten klar, dass es für Rot-Grün nicht reicht, aber für Schwarz-Gelb wahrscheinlich auch nicht, weil die FDP die meiste Zeit unter der Fünf-Prozent-Hürde lag.

Auch den Bayern selbst dürfte zudem bei der Landtagswahl klar gewesen sein, dass in Bayern die Uhren politisch anders ticken als im Bund und die Union deswegen eine Woche später bei der Bundestagswahl nicht so gut abschneiden kann wie daheim. Möglicherweise wollten viele Wähler in Bayern in erster Linie schlicht eine starke CSU, weil sie es für wahrscheinlich halten, dass die Union im Bund zwar in der Regierungsverantwortung bleiben wird, aber es für eine Neuauflage von Schwarz-Gelb nicht reichen wird.

Vor diesem Hintergrund ergibt das Votum der Bayern Sinn, die CSU trotz der Affären und Skandale zu stärken und die FDP trotz der guten Wirtschaftslage des Landes und der skandalfreien Arbeit in der Regierung Bayerns fallen zu lassen. Sie haben sichergestellt, dass Bayern in Berlin eine starke Stimme hat, egal mit wem die Union im Bund künftig regiert, falls sie regiert. Mit wem sie koalieren soll, das haben die Bayern bei der Landtagswahl offen gelassen. Allerdings ist keineswegs sicher, dass sie das am kommenden Sonntag auch tun.

So oder so dürfte das Wahlergebnis der CSU die Oppositionsparteien im Bundestag alarmiert haben – insbesondere die Grünen, deren Umfragen ja zuletzt auch abgesackt waren. Das stärkste Alarmsignal stellt die Wahl in Bayern jedoch für die FDP dar. Die Unionswähler in Bayern haben die FDP nicht über die Fünf-Prozent-Hürde gerettet und das ist für die Bundestagswahl doppelt fatal.

Einmal haben die bayerischen Unionswähler damit ein Zeichen für die Unionswähler im Bund gesetzt. Darüber hinaus gibt es auf Bundesebene aber zwei neue Parteien auf der rechten Seite des politischen Spektrums, die der FDP Konkurrenz machen, nämlich die Freien Wähler, die in Bayern mehr Stimmen erhalten haben (9,0 Prozent) als die Grünen (8,6 Prozent) und die Alternative für Deutschland (AfD), die bei der Landtagswahl in Bayern gar nicht angetreten ist.

Zwar haben die Meinungsforschungsinstitute die Freien Wähler und auch die AfD bisher auf Bundesebene unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde gesehen. Gleichwohl werden sie viele Stimmen erhalten, die dann unter anderem der FDP fehlen. Je mehr es sind, desto kritischer wird es für die FDP. Das gilt umso mehr, falls Unionswähler die Liberalen auch auf Bundesebene nicht mit ihrer Zweitstimme stützen, weil sie ebenso wie die Bayern in erster Linie eine starke Union in der Regierung wollen und zwar ganz gleich in welcher Regierungskoalition.

So wie Bayern steht auch Deutschland wirtschaftlich gut da – noch. Gefahr droht in dieser Hinsicht von der Krise in einer Reihe von europäischen Mitgliedstaaten. Das wissen die deutschen Wähler. Die Frage ist, ob sie diese Krise in erster Linie als eine Gefahr für die deutschen Staatsfinanzen oder für die deutsche Wirtschaft begreifen.

Sehen die Wähler den von der Bundesregierung und speziell von der Union in Europa forcierten krisenpolitischen Kurs als Gefahr für die deutsche Wirtschaft und die Arbeitsplätze hierzulande an, weil sie befürchten, dass die anhaltende Wirtschaftskrise in einer Reihe von finanziell angeschlagenen europäischen Mitgliedsstaaten bald auch auf Deutschland überschwappt, würden sie sich wahrscheinlich eher einen echten Kurswechsel wünschen. Der ist jedoch mit der Union nicht zu haben und im Falle einer Großen Koalition zumindest unwahrscheinlich.

Geht es den Wählern darum, die finanziellen Risiken, die die Bundesregierung für die „Euro-Rettung“ auf sich nimmt, zu begrenzen, werden sie eher eine Korrektur des von der Union eingeschlagen Kurses wollen und keinen Kurswechsel. Das würde sich für jene Parteien bei der Wahl günstig auswirken, denen man zutraut, dies als Koalitionspartner gegenüber der Union durchzusetzen und damit insbesondere für die Alternative für Deutschland, die als einzige Partei dieses Problem in den Mittelpunkt ihres Programms gestellt hat. Trauen jene, die das Problem so wahrnehmen, dies auch einer großen Koalition zu? Eher nicht. Schließlich hat die SPD diesen Kurs bisher mitgetragen.

Freilich beißt sich die Katze hier in den eigenen Schwanz. Wenn die Krisenpolitik in den Krisenstaaten nicht zu einer wirtschaftlichen „Gesundung“ führt, wäre das in wirtschaftlicher wie in finanzieller Hinsicht für Deutschland fatal. Es ist also mit Blick auf die Bundestagswahl eine Frage der Problemwahrnehmung seitens der Wähler, nicht der effektivsten Problembewältigung.

Die deutsche Wirtschaft steht gegenwärtig gut da und das gilt auch für den Arbeitsmarkt. Was also glauben Sie, welche Problemwahrnehmung jene Wähler mehrheitlich haben, die gegenwärtig überhaupt schon ein größeres Problem wahrnehmen?

Die Wahrnehmung wird die Wahl entscheiden. Nehmen Sie das als mein Basisszenario, wenn Sie möchten.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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34 KommentareKommentieren

  • SoundMoney - 16. September 2013

    Die Bayernpartei hat ihren Anteil an den gültigen Stimmen um fast 100% auf 2,1% gesteigert und liegt damit vor den Piraten und gleichauf mit den Linken!

    Wir Bayern haben genug von Transfers nach Berlin und Brüssel. Sobald die Schafe es im Geldbeutel merken wird dies eine Sezessionsbewegung in gang setzen!

    http://www.landtagswahl2013.bayern.de/taba2990.html

  • Roland - 16. September 2013

    Die Leute laufen in ihrer Mehrheit immer einem “starken Mann” hinterher, vor allem dann, wenn er sich (auch) sozial gibt – und das ist in Bayern eben gerade der Seehofer.
    Unschlagbar ist in Bayern immer noch die Verbindung von sozial und national (sn) – oder national und sozial (ns).

    • wasser - 16. September 2013

      Nein, das ist nicht der Grund. Ich denke ein Grund ist auf alle Fälle die gute wirtschaftliche Lage, aber auch das gute Umfeld mit einer sehr guten sozialen und sicheren Struktur. Der andere Grund ist aus meiner Sicht in der unglaublich schlechten Opposition zu suchen. Kaum einer kann sich ernsthaft vorstellen, dass es Bayern mit diesem Personal besser gehen kann.
      Also auch die unfassbare Schwäche der Opposition ist ein ganz wesentlicher Punkt für den Wahlsieg.
      Nicht zu vergessen die Situation in Baden Württemberg ist auch nicht wirklich verlockend für bayerische Wähler.

  • zykliker - 16. September 2013

    Sorry, diese Mutmaßungen über das Kollektive Unbewußte des Bayerischen Wählers klingen ein wenig wie der Versuch eines Ressortleiters Feuilleton, einen politischen Leitartikel zu schreiben.

    Dass in Bayern die Uhren anders gehen, hat seine Ursachen in:

    – überwiegend katholisch und somit der Obrigkeit gerne untertan, das latent anarchische am Bayern stellt die “Große Weltordnung” nicht wirklich in Frage, sondern er will nur selbst bestimmen können, wo er seinen Gartenzwerg hinstellen darf.
    – wirtschaftlich reicher und stabiler, da erst später (im Lauf des 20.Jahrhunderts) zu anderen Landstrichen aufgeschlossen, dementsprechend auch deutlich weniger kostspielige Soziale Brennpunkte als anderswo
    – in einer reifen Gesellschaft, in der fast schon mehr geerbt als erarbeitet wird, ist rektionäre Primitivität keine Behinderung, sondern eher die logische Folge des Reichtums
    – Seehofers big point war ohne Zweifel: “wir wollen eine Autobahn-Maut für Ausländer.” Dass dies nicht nur gegen EU-Recht verstiesse, kümmert den johlenden Stammtisch nicht. Im Gegenteil, selbst wenn dies durch die geistigen Bierschwaden hindurch käme, hätte es ein “ja dann erst Recht” zur Folge, “dann zeigen wirs denen in Brüssel/Berlin eben.”
    – Solange der Lederhosen-Träger die Folgen der korrupten Amigowirtschaft nicht am eigenen Leib/Geldbeutel spürt, sediert er sich selbst mit einer eigenartigen liberal-toleranten Haltung: “Hund sans scho” sagt er sinngemäß, und darin klingt anerkennende Bewunderung durch, denn er wäre ja selbst gern so ein “Großkopferter.” Da er dafür aber den Hintern nicht hoch genug kriegen kann, identifiziert er sich eben mit seiner Obrigkeit und ist somit in seiner Illusion auch einer von ihnen.

    • wasser - 16. September 2013

      kenne Sie Bayern aus eigener Anschauung oder lesen Sie regelmäßig SPON. Das Bayern das ich kenne, ist nicht eine solche Karikatur.
      Und johlende Stammtische, korrupte Amigowirtschaften usw, usw sind keine bayerische Besonderheit. Schön zu erkennen an der neuen Regierung in Niedersachsen, noch nicht ein Jahr im Amt.
      Aber Bayern räumt diese Sauställe wenigstens immer wieder aus.

      • Vogel - 17. September 2013

        Ich habe 4 Jahr in Bayern auf dem Land gelebt, zwischen Landsberg und Straußcity Schongau. Vieles was zykliker zuvor aufgezählt, kann ich bestätigen. Ein wesentlicher Punkt geht aber verloren: Keine Landespartei hat ein Sonderstellung wie die CSU. Aus dieser heraus kann sie immer gegen die Zentrale (Berlin) poltern, für alles Gute iss München zuständig, alles Schlecht kommt nich nur aus Brüssel sondern auch noch aus Berlin!

        Schätze, allein dieser Faktor: 5-8%

  • Freiberufler - 16. September 2013

    Neulich sagte mir jemand, dass er die PARTEI wählt.
    Deutschland steht vor Fiskalunion, Bankenunion, Schuldenschnitten, Überwachungsstaat, Prekarisierung, neuen Kriegen und explodierenden Energiekosten.
    Und er sagt, er wählt die PARTEI.

    Aber er hat recht. Die einzige Blockpartei, die politische Inhalte plakatiert, ist ist FDP: “Runter von den Schulden.”
    Ha, ha.

    • Conney - 16. September 2013

      Die FDP hat seit gestern nur noch einen Inhalt: LIebe CDU-Wähler, gebt uns die Zweitstimme.
      Könnte für die Union unangenehm werden.

      Zur PARTEI: ein sehr überzeugendes Programm: mir gefällt inbesondere das “Inhalte überwinden!”
      Der PARTEI ist eine strahlende Zukunft gewiss.

      • Thorsten Eckau - 18. September 2013

        Und das Ziel 100 plus X, mindestens genauso gut. 😉

  • Holly01 - 16. September 2013

    Hallo SLE und danke,

    in meinem Umfeld kann ich deutliche Nervosität feststellen und ebenso deutlichen Unwillen etwas zu ändern.
    Das ist in etwa so, als wenn man im Wohnzimmer sitzt, den schwarzen Himmel nicht sieht, aber es ist drückende Schwüle und es riecht nach Gewitter.
    Die Diskussion geht eher um die Frage, ob es schon windet oder ob es noch diese Windstille unmittelbar davor ist.

    Es gibt nun einmal Tatsachen, die sind in DE überall klar zu sehen:
    Die heutige Elterngeneration (Jahrgang 1960-1970) ist krachend gescheitert.
    Man hat nicht nur die Medien und die Kultur preisgegeben, sondern auch die Kindern per Rechtemanagement kriminalisieren lassen.
    Es wurden die Terrorosmusgesetze akzeptiert, die Nachrüstung, die Wende, die Argenda und wir haben den Staat der uns entspricht.
    Man wollte es allen Recht machen und ist keinem gerecht geworden.
    Die Jugend hat keine Perspektive.
    Die Wirtschaft läuft, aber in die falsche Richtung.
    Ernährung ist ein desater.
    Die “Eliten” sind keine und zeigen sich Geldabhängig und -hörig.
    Die Parteien, na das habe ich schon ein paar mal geschrieben, korrupt, abhängig und ferngelenkt.
    Die Wahl ist in etwa so, als wenn wir die Socken aussuchen, bevor wir aus dem 4. Stock springen.

    Die Parteien wollen und können nach meiner Meinung nichts für die 99% tun. Der Trittin ist in seinem Wahlkreis für tätliche Übergriffe der örtlichen grünen Jugend zumindest inhaltlich mitverantwortlich und wird wegen irgendwelchen Parteiprogrammen von 1980 interviewt. Gehts noch?

    Mutti Merkel wird nach dem 22. ganz groß raus kommen, da sind sich alle sicher. Da wird der Rolli vom Schäuble frisch geölt und dann geht das ab.

  • Russe - 16. September 2013

    Der Nazikeule und Braune Sauce Reflex der Deutschen ist wirklich erschreckend.

  • SLE - 16. September 2013

    Hallo Roland,

    Ihren Kommentar auf Holly01 habe ich gelöscht, weil es hier nicht darum geht, wer die besten Schimpfworte für Parteien kennt.

    Hallo Holly01,

    ich finde es unpassend, wenn sie derart provozieren. Sie sehen was dabei herauskommt. Damit tun Sie uns und auch sonst niemandem einen Gefallen.

    Grüße
    SLE

  • hko - 16. September 2013

    aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet war die größte Gruppierung welche die CSU gewählt hatte katholisch, Hauptschulabschluss und über 60
    die geringste Gruppierung war nicht religiös, Universitätsausbildung und bis 30

    jetzt soll sich jeder selber seine Gedanken machen von wem er “regiert” werden möchte!

    • R1B - 21. September 2013

      Laß mich mal überlegen, ein Ü60er, der das Land in den noch recht kargen 50er und 60er-Jahren aufgebaut hat, der schon früh begonnen hat produktiv tätig zu werden, im Regelfall mehr als ein Kind großgezogen hat und nun auf ein erfülltes Leben zurückblicken kann oder ein 25-jähriger, der bis knapp 20 zur Schule gegangen ist, anschließend ein Bätschelerstudium gemacht hat, nun Praktikant in einer Werbeagentur ist, noch bei Mami wohnt, weil seine Praktikantenvergütung in der hippen Werbebranche nicht mal für ein WG-Zimmer reicht und der die Grünen oder die Piraten wählt, weil er dann endlich in Ruhe kiffen kann, also mir (Ü30 aber U40, katholisch, 2 Berufsausbildungen) fällt die Wahl da nicht schwer! 🙂

      • dumpfbacke - 22. September 2013

        welcher Ü60er sollte es denn sein? Seehofer, Ude oder Zeil? auch Bause & Aiwanger sind keine 25 mehr.
        Wer Wähler und Wunsch-Kandidat nicht trennen kann in seiner Argumentation, dürfte auch sonst in seiner politischen Bewußtseinsbildung intellektuell überfordert sein und outet sich dadurch als williges CSU-Stimmvieh.

  • JL - 16. September 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    im Gegensatz zur jetzigen Landtagswahl war die Landtagswahl in 2008 eine Art bayrische „Palastrevolution“ innerhalb der CSU und deren Wählern gegen die „Königsmörder“ Beckstein und Huber. Sicher hatte im Vorfeld der damalige Ministerpräsident Stoiber mit seinen Äußerungen für politische Verwirrungen gesorgt- schließlich wolle er mal nach Berlin um in die Bundespolitik einzusteigen, andererseits wollte er später dann doch lieber in Bayern als Ministerpräsident weiterregieren- ausschlaggebend war aber wohl die brachiale Demontage durch das Duo Beckstein/ Huber. Nicht umsonst wurde auf diese Herren im bayrischen Wahlkampf als „Wahlkampfhelfer“ grundsätzlich verzichtet- dort gelten die beiden als „Persona non grata“.

    Sachlich betrachtet ist aber ein doch erkennbarer Wandel sichtbar- auch in Bayern. Die Zeiten, wo man selbstherrlich Wahlergebnisse von 60%+X für sich dort vorab verkünden konnte, sind vorbei. Augenscheinlich ist wohl neuerdings ein Trend: Einige neue, kleine Parteien werden spontan gewählt um bei der nächsten Wahl abgestraft zu werden, wenn diese Parteien nicht das liefern was im Wahlkampf- manchmal auch zu Vollmundig- versprochen wurde.
    Dies gilt auch für die FDP und die Grünen. Und das ist meiner Meinung nach auch gut so- egal welche Partei es nun konkret trifft.

    Und eines zeigt die Wahl in Bayern auch: Steigt die Vielfalt an wählbaren Partein- wird die „Parteienlandschaft“ also breiter aufgestellt- steigt die Wahlbeteiligung, fast aus dem Stand, sprunghaft an. Die Leute sind also nicht „Wahlfaul“ oder „Wahlmüde“ oder „Desinteressiert“. Ich glaube eher, die etablierten Parteien haben keinen „Radar“ mehr zu denen die sie doch bitteschön wählen sollten..

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Russe - 17. September 2013

      >>Dies gilt auch für die FDP und die Grünen.

      Wer wählt bitteschön noch Grünen???

  • Uwe - 16. September 2013

    Ja, ja die Uhren sind mal wieder die Bösen, weil sie hier oder da anders ticken. War auch Röslers Analyse. Ich denke mal, dass immer der Wähler der Böse ist, der nicht versteht, weshalb Politik so gemacht wird, wie es ihm nicht passt. Da muss es doch ganz einfach für eine populistische Partei, die mehr Bürgerbetiligung, Volksbegehren und direkte Demokratie verspricht, sein die ganze Veranstaltung aufzumischen. Da fehlt natürlich noch ein Argument, das Alle betrifft: Angst vor künftiger Verarmung wegen Kaufkrafttransfers ins Nirwana.
    Samma´s: Die CSU hat sich immer wieder als hartleibig verkauft. Nicht zuletzt hat Gauweiler in der jetzigen ablsoluten Mehrheit gegenüber der CDU auch gewichtigere Argumente.
    Wehe, wenn bei der nächsten Landtagswahl die AfD in Bayern antritt.
    Aber, vielleicht merkelts die CDU am 22. in Berlin.

  • Bayernfan - 16. September 2013

    Bayern tut gut, das Ergebnis der Bayern-LT-Wahl tut gut, auch wenn es vielleicht falsch, unliebsam, absurd oder wie auch immer interpretiert werden mag. Bayern, das ist Tradition, Gefüge, jeder hat seinen Platz und wer nicht will, dem wird a weng (nach-) geholfen.
    Warum fahren nur soviele BRDler nach Bayern in Urlaub? Sicher nicht nur wegen die Berge, der Seen, sicher auch wegen der krachledernen Traditionen, die von uns Störchen so gerne verlacht und doch bewundert wird – Bayern eben, ein interessanter und offensichtlicher Spannungsbogen zwischen Tradition und Moderne und damit genau das, was in anderen Regionen in den letzten Jahrzehnten verloren ging und als heile Welt gesucht wird. Dass die Welt in Bayern genauso schlecht/gut wie anderswo ist, wird dabei gerne übersehen. Allerdings sind alle Bayern Patrioten, bayrische Patrioten und das findet man sonst wohl kaum noch in der BRD – dort gibt es max. Deutsche, vielleicht noch Hessen oder Pälzer.

  • Friedensblick - 17. September 2013

    Der laut Erwin Pelzig “bekannteste Sozialdemokrat Deutschlands” Horst Seehofer gibt sich recht Kapitalismus-kritisch und populistisch. So wäre er für “Finanzmarktsteuern” für die “großen Finanzbranchen”. Im Jahr 2010 gab er bekannt: “Diese Branche muss kräftig besteuert werden.” Passiert ist nichts, im Gegenteil:
    Arte: “Zeitbombe Steuerhinterziehung” – Horst Seehofer kapituliert
    http://friedensblick.de/7579/arte-zeitbombe-steuerhinterziehung-horst-seehofer-kapituliert/
    Es ist absehbar, dass der “Sozialdemokrat” Seehofer seine Wähler enttäuschen wird. Diese politische Konzeptlosigkeit sah bereits der Vordenker der “Freiwirtschaft” Silvio Gesell im Jahr 1930:
    „Wenn wir unfähig bleiben,
    die Aufgabe, die uns gestellt wurde, zu lösen,
    wird die Regierung von links nach rechts
    und von rechts nach links pendeln.
    Und jeder Pendelschlag wird die Verwirrung,
    die Hilf- und Ratlosigkeit vermehren.”

  • RedMoe - 17. September 2013

    Ich rechne fest mit einer schwarz-gelben Mehrheit am 22. September.

    • Eurelios - 17. September 2013

      Ich rechne fest mit einer schwarz-gelben Mehrheit am 22. September.

      Da wette ich fest dagegen. Warum?

      Weil die AfD in den Bundestag einziehen wird.

      Seit fünf Wochen bin ich jeden Samstag an einem Wahlkampfstand der AfD in einer
      mittleren Kleinstadt (45000) tätig. Den Zuspruch den wir von den Menschen erfahren
      ist sehr gut. Meiner Schätzung nach kommen wir auf ca 8%. Bin Logistiker und denke
      ich kann das einschätzen.

      Wenn nicht könnt ihr ja, nach dem 22.09, auf mich “einprügeln“ 🙂

      Aber egal wie es kommt die Lage in der Eurozone sieht genauso aus wie es Frank Doll
      beschreibt:
      http://www.wiwo.de/politik/europa/zinswende-euro-rettung-hat-keine-chance/8789738.html

      Nämlich bescxxxxxen nein nicht was Ihr jetzt denkt ich meine bescheiden.

      • wasser - 17. September 2013

        Ich habe sie dieses Mal nicht gewählt, aber, gefühlt, teile ich Ihre Ansicht auf den Punkt.

  • Holly01 - 17. September 2013

    Die Bayern haben das einzige getan, was aus ihrer Sicht Sinn macht.
    Sie haben die Politiker gewählt, von denen Sie sich die maximale Vertretung ihrer Interessen gegenüber dem Bund , den anderen Bundesländern und auch gegenüber der EU zutrauen.
    So gesehen ist das schon ein ziemlich großes “Wir” und leider ein ebenso großes Misstrauensvotum gegen den Rest.
    Wagenburg Mentalität würde ich das stark überspitzt nennen.
    Insgesamt aber nachvollziehbar und durchaus logisch. So hat Bayern über die politische und die Konzernschiene einen maximalen Einfluß gesichert.

    • wasser - 17. September 2013

      Dann passt es doch. Erfolgreich ist es auch. Was würde sonst für die Bayern Sinn machen?

      • Holly01 - 18. September 2013

        @ Wasser zu “Was würde sonst für die Bayern Sinn machen?” :

        Eine Politik der Stärke, so lange die noch stark sind.
        Die CSU ist eine Haltekraft, keine Reformkraft und das ist das Problem in Bayern.
        DE wird seine Industriepolitik und seine Finanzpolitik (ein Spiegelbild der Wirtschaftspolitik) nicht mehr lange fortführen können.
        Die Geschäftspartner werden das nicht mehr mitmachen, bzw. die machen es jetzt schon nicht mehr mit.
        Die CSU ist nach meiner Sicht, aber nicht dazu in der Lage einen Wandel nicht nur mitzutragen, sondern im Sinne der Global Player und der Hochfinanz anzuregen und zu gestalten.
        Eine reine Verweigerungshaltung, wird die Probleme nur noch weiter aufstauen und am Ende zu einem Dammbruch führen, der nicht mehr von DE steuerbar sein wird.
        Da unterstelle ich CDU und CSU Totalversagen.

  • Andres Müller - 18. September 2013

    Die Deutschen haben eine merkwürdige Gabe, sie können die Welt aus den Augen eines lokalen Multimillionärs betrachten der mit Warenexporten reich geworden ist, und kollektiv so wählen als hätten sie selbst Millionen auf ihrem Bankkonto, als wäre über der Landesgrenze nur noch Ferienland -oder dann das Chaos. Kein Deutscher wählt als Europäer, so als wären die hin fantasierten virtuellen Millionen auf ihrem Bankkonto noch in Deutscher Markt notiert.

  • Frankenfurter - 18. September 2013

    Deutschland geht’s gut. Bayern geht’s noch ein bisserl besser. Bin ich der Einzige, dem dieses “Mir san mir” Getröte aus Bayern unheimlich auf den Senkel geht? Wir Bayern san die Weltmeister der Exportmeister und das ist gut so. Länderfinanzausgleich weg damit. Schulden- und Steuerbremse, na klar, was denn sonst? Soviel versteht die bayrische Hausfrau und der bayrische Bergbauer gerade noch. Und dann noch irgendwas mit “den Ausländern” und fertig ist der schwarz-braune Wohlfühl-Obatzter* aus Bayern. Bravo.

    Gegen soviel Ignoranz und Selbstüberschätzung sind Sätze, wie sie Ulrike Herrmann vorbringt kaum mehr hörbar. Sie stellt dem “Merkelantistischen” Euromangement von Seehofer und Co. die denkbar schlechteste Note aus. Einigen Querschuesse-Lesern sind Herrmanns Argumente wohl bekannt. Aber die TAZ-Korrespondentin schafft es die Zusammenhänge ohne viel Zahlen-Brimborium auf den verständlichen Punkt zu bringen. Die viertelstündige Leküre des von “Le Monde diplomatic” abgedruckten Aufsatzes war für mich keine verlorene Zeit. Ich empfehle sie ausdrücklich unseren AfD-Fans hier.

    Der Text stammt aus Herrmanns gestern erschienen Buch:
    “Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen”, Frankfurt am Main (Westend) 2013.

    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2013/09/13.mondeText1.artikel,a0004.idx,0

    *”der Begriff kommt aus dem Altbayrischen und bedeutet wörtlich Angebatzter (vergleiche Batz), abgeleitet von der Herstellungsform der Speise, bei der Käse (überwiegend Camenbert) und Zutaten üblicherweise mit einer Gabel zerdrückt und zu einer breiigen Masse angemischt („angebatzt“ „angemantscht“) werden

  • Argonaut - 18. September 2013

    Ich bin am letzten Sonntag doch noch zur Wahl gegangen obwohl mir das Ergebnis eigentlich klar war:

    Die FDP verliert die Stimmen an die CSU und ist erstmal raus, die Freien Wähler mit Aiwanger haben einen “merkwürdigen” Wahlkampf abgehalten und die SPD mit Herrn Ude war eine Katastrophe – bitte mal das TV-Duell im BR zwischen Seehofer und Ude anschauen – absoluter Oberwitz, so nach dem Motto: “Ude, bleib du weiter OB von München und ich der Horst bleib der Ministerpräsident und gut ist’s”.

    Die Maut könnte auch eine wichtige Rolle gespielt haben.
    Ich bin letzte Woche vom Urlaub u.a. auch quer durch Polen zurückgefahren und habe dort
    für schlappe 460km Autobahn fast 20 Euro bezahlt !
    Mein Schwager war in Kroatien im Urlaub und hat durch die Länder samt Tunnels fast 60 Euro
    geblecht !
    Ich selbst bin von Lettland über Litauen und Polen nach Deutschland gefahren und man glaubt es kaum aber selbst im 2 Mio. Einwohnerstaat Lettland überlegt man eine Autobahn zu bauen und eine Maut einzuführen.

    Was die wenigsten wissen:
    Sämtliche größere Straßenbauprojekte werden z.B. in Lettland von der EU mitgefördert.
    Da werden im absoluten Niemandsland protzige Straßenabschnitte mit zig riesengroßen Laternen errichtet.
    Die totale Geldverschwendung …………

    Als deutscher Steuerzahler komme ich mir ziemlich verarscht vor wenn ein Teil meiner Abgaben ins Ausland fließt ,ich dann nochmal durch die ausländische Maut abkassiert werde und sobald ich auf die deutsche Autobahn komme mich durch Buckelpisten und Spurrinnen kämpfen muss nur weil hierzulande das Geld dafür fehlt !

    Um es ganz klar auf den Punkt zu bringen:
    Wer gegen die Maut ist, ist nicht ausländerfeindlich sondern deutschlandfeindlich.

    Sollten unsere Autobahnen in der Zukunft auch von den anderen EU-Mitgliedsstaaten mitfinanziert werden dann könnte man evtl. die Maut “ermäßigen” 🙂

  • Frankenfurter - 18. September 2013

    Vielen Dank für das Statement zu dem wichtigsten Problem unserer Zeit.