Making yields great again

von am 7. Februar 2017 in Allgemein

Gastbeitrag von Mack & Weise

Die versprochene US-Zinsnormalisierung

Nachdem der US-Notenbankchef Ben Bernanke die Leitzinsen während der Finanzkrise im Dezember 2008 als „temporäre Maßnahme“ auf de facto Null Prozent festgesetzt hatte, dauerte es am Ende ganze vier Jahre bis er überhaupt erstmals die Möglichkeit einer geldpolitischen Wende andeutete. Doch es mussten noch knapp zwei weitere „Zinswendejahre“ vergehen, ehe seine Amtsnachfolgerin Janet Yellen im Dezember 2015 als Beweis ihres Vertrauens in die US-Wirtschaft“ endlich auch eine erste Anhebung des Leitzinses um marginale 0,25%-Punkte wagte.

s1655Obwohl aber die Fed-Chefin mit der gleichzeitigen Ankündigung vier weiterer Zinsschritte im Jahr 2016 schon das „Ende einer außergewöhnlichen Periode“ ausrief, und ihr die US-Statistikbehörden über das Jahr hinweg auch eine solide laufende US-Wirtschaft bescheinigten, riskierte sie nur eine weitere Zinsanhebung um minimale 0,25%-Punkte im Dezember 2016. Gemäß ihrer Prognose will sie im Jahr 2017 nun aber deutlich mehr Engagement zeigen, sollen doch drei weitere Zinsschritte erfolgen, um die US-Leitzinsen bis Ende 2019 auf das von der Fed avisierte Ziel von 3% hochzuführen.

Grundsätzlich hat die Fed jetzt auch alle Argumente auf ihrer Seite, die dauerangekündigte Zinswende zügig voranzutreiben. Schließlich herrscht am US-Arbeitsmarkt laut offizieller Statistik Vollbeschäftigung, und auch die von der US-Notenbank so sehr herbeigesehnte Teuerung scheint sich gemäß staatlicher Berechnungen auch offiziell einzustellen (November 2016-CPI: +1,7% zum Vorjahr). Diese sollte sich im laufenden Jahr sogar weiter verfestigen, lassen doch allein schon die in den letzten die Hoffnungen auf ein verschuldungsintensives Trump´sches „Konjunkturwunder“, dann dürften auch die bereits schon stark gestiegenen Inflationserwartungen in den USA weiter anziehen.

s1656Spätestens dann wäre die US-Notenbank einem enormen Handlungsdruck aussetzt, zeigen doch die 1970er-Inflationsjahre, dass ein erst einmal frei gelassener „Inflationsgeist“ selbst mit extremen Zinsschritten nur schwer wieder einzufangen ist.

Zwar scheint eine ihren Namen gerecht werdende Zinswende in den USA von dieser Seite betrachtet nur noch eine Frage der Zeit zu sein, doch haben die Finanzmathematiker der Notenbank bis heute nicht verraten, wie sowohl die US-Regierung als auch die rekordhoch verschuldeten Unternehmen und die bis zur Halskrause verschuldeten US-Konsumenten überhaupt mit der seit dem Jahr 2013 gebetsmühlenartig verbreiteten „Vision“ einer Zinsnormalisierung umgehen sollen.

Fakten verschwinden nicht, auch wenn man sie ignoriert!

s1657Denn nachdem Präsident Obama in den acht Jahren seiner Regentschaft mit 9.335 Mrd. USD an neuen „yes we could“-Schulden beinahe genauso viele Verbindlichkeiten anhäufen konnte, wie alle 43 Präsidenten in 220 Jahren vor ihm zusammen, ist das aktuelle Verschuldungsproblem der US-Regierung unglaubliche 19.964 Milliarden USD schwer! Trotz dieser beispiellosen Schulden-Orgie stiegen die staatlichen Zinszahlungen jedoch nicht etwa an, sondern die per Notenbankplanwirtschaft künstlich reduzierten Zinsen sorgten dafür, dass die Zinszahlungen auf den staatlichen Schulden-Mount-Everest mit zuletzt 432 Mrd. USD sogar noch deutlich unter den Zinszahlungen des Jahres 2008 (451 Mrd. USD) lagen!

s1658s1659Sollten die US-Zinsen in Zukunft aber – ob nun von der Fed festgelegt oder vom Markt gefordert – lediglich um nur einen Prozentpunkt ansteigen, so würde die Zinslast mittelfristig allein schon durch Refinanzierung alter Schulden um bis zu 200 Mrd. USD anwachsen, dieser „Zuschlag“ würde auch noch knapp 10% der tatsächlich verfügbaren Steuereinnahmen (Fiskaljahr 2016: 2.152 Mrd. USD) verschlingen! Noch viel dramatischer wären hingegen die Folgen einer „Normalisierung“ der Zinsen auf den 200-jährigen US-Zinsdurchschnitt von knapp über 5%, gingen doch dann etwa 67% der staatlichen Steuereinnahmen allein nur für den – unbezahlbaren – Schuldendienst drauf!

Doch während die „Mathematikgenies“ in der Fed steigende Zinsen – jedenfalls nach ihren Verlautbarungen – für einen problemlos gangbaren Weg halten, zeigt zumindest einer, der designierte US-Präsident Donald Trump, etwas mehr Realitätssinn. So schätzte der selbst ernannte „King of debt“ in einem CNN-Interview im Mai 2016 allein nur die resultierenden Konsequenzen eines 1%-Zinsanstiegs in den USA bereits als „verheerend“ ein, was mit Blick auf die 47.000 Milliarden USD an Gesamtverschuldung der USA und einer vom steten Verschuldungswachstum komplett abhängigen US-Wirtschaft kaum übertrieben scheint. Sollten die Zinsen hingegen sogar um 2, 3, oder 4% steigen, ist die Sachlage für Trump eindeutig: „Wir haben dann keinen Staat mehr!“

Angesichts der Tatsache, dass die Zinsen in den Industrieländern zur (vermeintlichen) Überwindung der 2008 ausgebrochenen Finanzkrise nicht nur auf 5.000-Jahre-Tiefstände abgesenkt wurden, sondern parallel die Verschuldung, die Ursache der Krise (!), weltweit inzwischen auf niemals mehr real rückzahlbare 217.000 Milliarden USD aufgebläht wurde, muss jedem klar sein, dass deutlich steigende Zinsen eine Krise heraufbeschwören würden, welche das auf Kredittreibsand gebaute Finanzsystem mehr als nur erschüttern würde!

Letztlich ist deshalb davon auszugehen, dass die Notenbanken schmerzhafte Zinsanstiege auf Dauer nicht zulassen werden wollen, und die „Helden der Krise“ weiterhin den Weg des geringsten Widerstandes, sprich Gelddrucken, beschreiten werden. Am Ende wird damit für unsere heutigen Kreditgeldsysteme das gelten, was für ausnahmslos alle zuvor gescheiterten ungedeckten Papiergeldsysteme auch galt:

„Geld lässt sich beliebig vermehren – so lange gar, bis ein jeder Millionär ist. Nur hört es dann auf, Geld zu sein!“

Gastbeitrag von Mack & Weise

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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16 KommentareKommentieren

  • M.E. - 7. Februar 2017

    Mal sehen, wie sich die staatliche Verschuldungsdynamik entwickelt, wenn die größte Steuersenkungsaktion der US-Geschichte in Gang gesetzt wurde und auf der Ausgabenseite riesige Investitionen in Infrastruktur (notwendig aber leider prozyklisch vom Zeitpunkt her) und in das Militär ins Kontor schlagen, und dann die Zinszahlungen des Staates zügig immer höher werden. Der perfekte Sturm deutet sich da an. Dann müssen die Zinsen auch für die Konsumenten und die Wirtschaft steigen. Und die steigenden Zinszahlungen für die Schulden der Wirtschaft (Banken und Firmen) drohen dann die Steuersenkungen zumindest telweise wieder zu konterkarieren. Der schuldenbasierte Auto-Boom der letzten Zeit in den USA z.B. würde durch höhere Verbraucherzinsen auch innerhalb der Legislatur von Trump in sich zusammenbrechen. Mal sehen wie das bei den hoffnungsfrohen Arbeitern in der Autoindustrie ankommt.
    Es ist ziemlich gefährlich, im Jahr 7 eines, wengleich nicht berauschenden Konjunkturaufschwungs dem Affen durch massive Steuersenkungen und Billionen-Ausgabeprogramme noch mal richtig Zucker zu geben.
    Ich rechne in der zweiten Hälfte der beginnenden Legislaturperiode, also ab 2019, nach einem Strohfeuer-Boom mit einer richtig heftigen Wirtschafts- und Finanzkrise in den USA.
    Und natürlich nicht nur dort. Das betrifft dann auch uns, denn auch wir befinden uns bereits im Jahr 7 des Konjunkturzyklus. Wie die gesamte Welt, auch wenn einzelne Länder, gerade in Europa, garnicht an dem Konjunkturaufschwung beteiligt waren.
    In den 20er Jahren werden wir weltwirtschaftlich wohl in völlig anderen Verhältnissen leben. Wir haben es 6 Jahrzehnte lang übertrieben mit der Auftürmung von Schulden- und Vermögensgebirgen und Akkumulation von Ungleichgewichten. Und Trump setzt noch einmal einen Impuls für einen kurzfristigen Boom und mittelfristigen Absturz oben drauf.
    Vergesst den Traum von eines sanften Landung.

  • JL - 7. Februar 2017

    Die Verschuldungsdynamik ist in den meisten Ländern ungebrochen. Nichts und niemand hat es bisher geschafft dieser Dynamik den Stecker zu ziehen- schlicht es geht nicht. Da es also unmöglich ist Schulden zu begleichen und es schon zu einer Rezession führt, wenn Ausgaben nicht weiter gesteigert werden, ist der weitere Trend wohl klar.

    Klar ist aber auch, daß man damit früher oder später Schiffbruch erleiden wird, einfach da Schulden ein Hemmschuh jeder Wirtschaft sind, wenn sie nicht der langfristigen und dauerhaften Entwicklung derselben dienen, sondern in irgendwelchen Konsumtempeln angehäuft werden oder totes Kapital damit geschaffen wird (Fehlinvestitionen oder Rüstungsgüter zum Beispiel).

    Wenn man also keine Schulden vermeiden kann, kann man bestenfalls auch nur Schulden verschieben- und das wiederum versucht man mittels Protektionismus. Dabei werden Probleme zwar verlagert, behoben werden sie nicht nur nicht, sondern verschärfen Krisensituationen in anderen Regionen bis diese in Rückkopplung wieder auf die eigenen Füße fallen.

    Man ändert wohl den politischen Umgangston zueinander, an der finanziellen Misere wird es in Summe allerdings nichts ändern.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Beate - 8. Februar 2017

    An dem Beitrag stimmt so gut wie gar nichts.

    Da die FED Träger der meisten Schulden ist, würden auch höhere Zinsen direkt an den Staat weitergereicht werden.

  • Holly01 - 8. Februar 2017

    Hallo und Danke für den Beitrag.
    In der Krise ist der nationale US-Dollar. Das Land “USA” als Kunde und Lieferant ist in der Krise.
    Der hegemoniale Dollar, also das weltweite Machtmittel ist nicht in der Krise.
    Die FED kann die Zinsen nicht anheben und wird die Zinsen nicht anheben.
    Das ist weniger eine Frage der nationalen Probleme, die diese Entscheidung fällt.
    Weltweit würden Zinserhöhungen nur die Schuldenländer treffen und da steht die USA ganz oben auf der Liste und alle direkten Konkurrenten ganz unten. Es wäre hegemonial unsinnig die Zinsen zu erhöhen.
    Da die hegemonialen Aspekte immer über den nationalen standen und sich das auch tatsächlich nicht ändern wird, ist diese nationale Krise nachrangiger Schaden.

    Trump hat ein Interesse an höheren Zinsen. Das wird richtig interessant.
    Für Trump wäre eine Ausweitung der FED Bilanzen bei gleichzeitiger Zinssteigerung eine optimale Ergänzung zu einer protektionistischen Politik.
    Die Inflation wird importiert.
    Die Löhne steigen mit den Zinsen.
    Die relative Verschuldung pro US-Bürger sinkt.
    Die staalichen Einnahmen werden von außen finanziert, während die Steuersätze innerhalb der USA sinken.
    So richtig schick wäre eine Geldblase aufzustechen und ausserhalb der USA abregnen zu lassen.
    Ob das der Yuan in China ist (schwierig) oder der Euro (erreichbar) wäre dabei egal.
    Mit der Euroauflösung wäre auf Jahre genug Unruhe und Vernichtung von Zinserwartungen im Markt, um den Dollar stabil zu halten.
    Die Asiaten können mit Sanktionen und Zöllen in Schach gehalten werden.
    Ganz nebenbei könnten die USA bei den Altschuldnern in Afrika und Lateinamerika eine aus ihrer Sicht dringend notwendige Disziplinierung durchführen.
    Die EU zu zerbrechen macht aus US Sicht gerade sehr viel Sinn.
    Die einzelnen Länder als “Partner” zu haben und mit den jeweiligen Landeswährungen machen zu können was immer man will, wäre schon schick.
    Ich verweise da auf die Schweiz.
    Die liegt immer noch mit gespreizten Beinen auf dem Rücken. Komplett auseinander genommen.
    Das Eurasien längst wieder zentraler Mittelpunkt jeder US-Entscheidung ist, sollte jedem klar sein.

    Ein Problem bekommt die deutsche Elite. Egal wie seit sich die deutsche Politik in den Enddarm der CIA/USA/Administration vorgearbeitet hat, die USA werden auf diese Großmachtsträume keine Rücksicht nehmen.

    Nein die FED wird die Zinsen nicht heraufsetzen. Das heisst die USA ersaufen weiter in Geldausweitung und Zinserwartungen.
    Zins verdrängt weiter Lohn.
    Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung.
    Zunahme immer unduchsichtigerer Nominalvermögen.
    Oligopole zerstören die Märkte.
    M&A saniert die Banken und zerstört die Firmen.

    … business as urinal …
    lg Holly

  • Jeha - 8. Februar 2017

    Moin,

    ich wußte gar nicht, dass in den USA auch die Unternehmen so stark verschuldet sind. Gibt es dazu eine Quelle?

    Ich glaube, das Problem der USA sind niedrigen Steuern für Reiche und Superreiche. Dort sitzt, dass Geld. Es fließt von dort offenbar nur sehr wenig in die Realwirtschaft zurück, ansonsten hätten die USA ja mehr Wachstum. Folglich kann es nur sinnlos auf dem Konto rumliegen oder an der Börse zirkulieren, dort schafft es aber keine Nachfrage nach Gütern odern Dienstleistungen.

    Geld, dass aus dem Realgüterkreislauf an die Börsen umgeleitet wird muss eigentlich das BIP schwächen. Gibt es dazu eine Theorie? Oder mache ich einen Denkfehler? Das sind ernst gemeinte Fragen. Würde mich ber ernst gemeinte Antworten freuen.

    Gruß Jens

    • Holly01 - 9. Februar 2017

      Hallo Jeha,
      mit dem Thema Geld beschäftige ich mich nun etwa 10 Jahre und ich weiß eigentlich “nix”.
      Offizielle Quellen sind rar und die Texte dort sind selten eindeutig.
      Das Gros der Leute, die sich mit Geld beschäftigen stützt sich auf eine “Hand voll” Quellen, die sich überhaupt dazu “herablässt” in allgemein verständlicher Form Inhalte zu präsentieren.
      Da müssen Sie schon selbst schauen, wem Sie den Vorzug geben.
      Ich kann Ihnen aber jetzt schon sagen, dass es kein Makel ist, wenn Sie eine Quelle finden, die Sie gut finden und dann feststellen, das da schon der eine oder andere shit storm drüber gelaufen ist.

      Menschen die sich mit “Geld” ansich auseinandersetzen (möchten) sind fast alle angefeindet und je nach Tageszeit und Wetter Antisemiten, Dumm, Neurechts oder einfach Nazis, Pädophil, menschlich und/oder wirtschaftlich im Leben gescheitert, höchst sonderbar, Machos/Sexisten usw usf.
      So werden Sie, wenn Sie Quellen suchen, schnell den Eindruck bekommen, Sie beschäftigten sich mit der Schmuddelecke der Gesellschaft.
      Das ganze Thema ist aber nur ein “Beispiel für die gute Propaganda” der verschiedenen Interessensvertreter.

      Die Trennung Börse vs Realgüterkreislauf erschliesst sich mir jetzt nicht, denn Firmenfinanzierung ist Vorfinanzierung ist Güterproduktion.
      Wenn Sie den Handel von Geld mit Geld meinen, dann ist die Frage berechtigt, aber die Antwort nicht so einfach.
      Das wäre dann als Beispiel die Frage, wie sinnvoll Derivate sind und da kommen Sie bei der genauen Erfassung was denn nun Derivate genau sind direkt in diese Nebelzone der Desinformation und können nur “glauben” was Ihnen Quellen vermitteln, die Sie für realistisch halten.
      Geld ist ein richtig doofes Thema ……. und das Halbwissen das man sammelt macht einen nicht glücklich.

      Das ist die ehrlichste Antwort die ich für Sie habe.
      lg Holly

  • Jeha - 8. Februar 2017

    @JL

    Zitat: “da Schulden ein Hemmschuh jeder Wirtschaft sind”

    So ganz stimmt das nicht. Unser Geld ist zu ca. 80% Giralgeld (Der Rest ist Bargeld). Das heißt über Kredit der Geschäftsbanken geschöpftes Geld. Bei Giralgeld gibt es auch immer die gleiche Menge Schulden!

    Da nach theoretischer Rückzahlung aller Schulden, die Zinsen nicht bezahlt werden können, muss die Geldmenge kontinuierlich steigen. Damit steigt auch wieder die Schuldmenge.

    Das klingt wie ein Schneeballsystem, ist es aber nicht zwingend, zumindest solange das BIP wächst. Problematisch wird, das ganze wenn das BIP nicht steigt.

    Kurz: In unserem System MUSS immer jemand Schulden machen und es müssen jedes Jahr mehr Schulden gemacht werden. Die Frage ist nur wer am besten geeignet ist Schulden zu machen. Bei Privatpersonen sollte eher gespaart werden, z.B. für Altersvorsorge etc. Der Staat sollte IMHO eigentlich nur in Ausnahmefällen Schulden machen z.B. bei besondere Ereignise, (Krieg, Wirtschaftskrise etc.). Bleiben die Unternehmen, diese sollten Schulden machen um zu investieren. Ihnen ist es auch möglich, da sie ja in der Regel eine Renditeerwartung haben die höher als die Zinsen ist.

    Das funktioniert natürlich nicht, wenn die Unternehmen keine Renditeerwartung haben die höher als die Zinsen ist oder sie soviel Kapital haben, dass sie dafür keine Kredite aufnehmen müssen. Je nach Wirtschaftslage sind da niedrige Unternehmenssteuer also eher kontraproduktiv. Da wir zur Zeit diverse Aktienrückkaufprogramme hatten/haben und einige Unternehmen so viel Geld haben, dass sie kurzer Hand eine eigene Bank gründen

    http://m.trumpf.com/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite.html?tx_news_pi1%5Bnews%5D=193&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=0ae2224f5989d701b811aa95b44efa3e

    liegt für mich die Vermutung nahe, dass die Steuern für Unternehmen zu niedrig sind. Da zur Zeit ein Grund für mangelnde Investitionen, offenbar mangelnde Nachfrage ist, zumindest nach einer Umfrage der ECB aus 2015

    https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/eb201508_focus02.en.pdf
    (siehe Chart D Seite 3)

    böte es ich wohl an die Steuern für die Bürger zu senken, dies schüfe Nachfrage und die Steuern für Unternehmen zu erhöhen, dies würde im Gegenzug die Staatshaushalte stabilisieren und die Kreditnachfrage ankurbeln.

    Da sich aber die Lander in der EU in einem selbstverschuldeten Steuerunterbietungswettbewerb befinden und gleichzeitig überall die Löhne stagnieren (vom letzten Jahr mal abgesehen) wird wohl genau NICHTS passieren.

    Wenn uns jetzt noch Trump die Tür für die Exporte zu haut, steht unsere auf bedingunslosen Export gebürtstete Volkswirtschaft ziemlich dumm da.

    Zurück zu unserem Geldsystem. Wer unser Geldsystem für etwas ungeschickt hält, da wir die Geldschöpfung an private Banken ausgelagert haben, die wir dafür alle sieben Jahre retten müssen, indem wir bei Ihnen Schulden aufnehmen* und ihnen das aufgenomme Dahlrehn sofort zur Rettung übergeben..

    sollte sich mal diese Seiten anschauen.

    https://www.vollgeld.de/
    http://www.monetative.de/

    * Die EZB und die anderen Notenbanken dürfen in der EU kein Geld schöpfen, dass haben unsere Politiker im Vertrag von Lissabon so festgelegt! Ob sich Draghi da im Moment gerade dran hält kann man disktuieren. Formal vegibt er ja keine Kredite sondern kauft Staatsanleihen zurück, ist jetzt vielleicht etwas haarspalterisch.

    Gruß Jens

    • JL - 8. Februar 2017

      Hallo Jeha

      Die Welt hat gegenwärtig einen geschätzten Schuldenberg von irgendwo um die 200 Billionen (Trillionen im Dollarraum) US$. Das entspricht etwa dem dreifachen der Weltwirtschaftsleistung. Schuld daran sind Regierungen die glauben marktwirtschaftliche Regeln per Gesetz ignorieren, aushebeln oder abschaffen zu können, Fehlinvestitionen von Unternehmen in Hochphasen von Renditeerwartungen in einem gleichzeitig momentan sehr günstigen Kreditrahmen und natürlich die animierte Kauflaune der Konsumenten, die bei den Amerikanern zum Beispiel mit Krediten verwöhnt wurden obwohl sie diese erkennbar nicht zurückzahlen konnten und per CDS die Risiken mit AAA- Rating in die weite Welt wanderten.

      Hier hat man selbst bei Nichtbetrachtung des Zinseszinssystems für eine deutliche Überschuldung aller wesentlichen Parteien (Regierung einschließlich Rettungen und „Regenschirme“, Unternehmen, Privatpersonen) gesorgt, die nur noch mit Nullzinsen halbwegs händelbar ist- Turbokapitalismus eben.

      Das Problem bei der ganzen Sache ist auch, daß die Spielregeln im Markt und im Kreditwesen sich relativ zügig ändern können. Einerseits durch Markteinschnitte (zum Beispiel Einfuhrzölle oder Sanktionen), andererseits durch Zinsanhebungen der Notenbank(en). Und wer sich dann auch noch in Fremdwährungen wie den US Dollar verschuldet hatte hat ein echtes Thema im eigenen Haus. So erging es den vormaligen Tigerstaaten 1998 in Asien und nun Lateinamerika.

      In der gegenwärtig immer noch stark globalisierten Welt sind nicht nur die großen Player marktführend, sondern werden auch zunehmend von internationalem Kapital geführt. Deren Gewinne fließen in alle Welt, die Unternehmen selbst sind auch in der Lage, wie bei Fiat gesehen, jederzeit ihren Standort oder Produktionslinien auszulagern. Damit können diese nicht zwingend ortsfest gebundenen Unternehmen zur Zeit jeder staatlichen angeschobenen steuerlichen Intervention ausweichen.

      Genau deshalb gibt es zunehmende protektionistische Bestrebungen um wieder Herr im eigenen Laden zu werden- ändert aber nichts am eigentlichen Problem.

      „…* Die EZB und die anderen Notenbanken dürfen in der EU kein Geld schöpfen…“
      Das ist leider falsch, in Krisenzeiten darf Geld bei nationalen Notenbanken geschöpft werden und bedarf nur einer Genehmigung der EZB. So hat wohl Griechenland von 2008 bis 2009 vermutete 60 Milliarden Euro „gedruckt“.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

    • markus - 8. Februar 2017

      Eigentlich ist doch alles ganz einfach:

      Durch Spezialisierung ist es Menschen möglich viel effizienter zu arbeiten. Da die Menschen dann verschiedene Sachen herstellen oder Dienstleistungen anbieten, müssen sie untereinander handeln. Eine gesunde Wirtschaft bedeutet, dass möglichst viele Menschen in möglichst starken Maße miteinander handeln. So kommen möglichst viele Menschen in den Genuss der höherer Effizienz (weniger Arbeit – mehr vom Leben).

      Möglichst viele Menschen nehmen schon teil (Globalisierung). Wenn man von der Umweltzerstörung durch den Transport absieht, eine prinzipiell gute Entwicklung. Der zweite Teil obiger Aussage “in möglichst starkem Maße” wird jedoch überhaupt nicht beachtet und mit Füßen getreten. An der Wirtschaft teilnehmen in starkem Maße kann nur, wer über das entsprechende Vermögen und Einkommen dazu verfügt. Die Entwicklung hier ist – wie bekannt – leider diametral zu der Entwicklung, die von Nöten wäre, um die Wirtschaft zu stärken.

      Siehe auch hier: https://www.youtube.com/watch?v=myeTFquSNMA (7 Minuten-Film)

      Wenn wir also die Wirtschaft stärken wollen (und damit die Zufriedenheit der Menschen, wenn wir dabei auch noch Umweltschutz beachten), dann kommen wir nicht umhin Vermögen zu kappen und hohe Einkommen (insbesondere Kapitaleinkommen) massiv zu besteuern.

  • Jeha - 9. Februar 2017

    @JL

    Ich wollte eigentlich herausstellen, dass genug Geld da ist, um die Schulden zu bedienen.

    Es ist aber nie genug Geld da um alle Schulden zu tilgen, dass ist bei unserem Geldsystem immanent, da das Geld für die Zinsen nicht mitgeschöpft (=erzeugt) wird.

    Durch neue Schulden (Kredite) wird neues Geld geschöpft, deswegen ist von den Bargeldbeständen abgesehen ist IMMER Geldmenge=Schuldmenge!!

    Wer sich über zu hohe Schuldenberge auf dieser Welt aufregt kann sich genau so gut über zu hohe Geldmengen aufregen. Das ist eine IDENDITÄT.

    Man sollte sich aber Fragen, warum die Schulden zunehmend bei der Allgemeinheit landen (Staatsverschuldung) und das Geld bei den Superreichen und Konzernen!

  • Jeha - 9. Februar 2017

    @JL

    Nochmal zur Geldschöpfung der EZB und der Notenbanken.

    Sie dürfen nicht direkt Kredite an Staaten vergeben. Dies machen ausschließlich die Geschäftsbanken.

    https://dejure.org/gesetze/AEUV/123.html

    Die Notenbanken kaufen diese dann aber teilweise wieder auf. Was IMHO eine Umgehung des Verbots ist.

    So hat auch die griechische Notenbank kein Geld gedruckt oder Kredite an Staaten vergeben.

    http://www.griechenland-blog.gr/2015/01/kann-griechenland-euro-drucken/2134241/

  • JL - 9. Februar 2017

    Hallo Jeha

    Siehe Links:

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/euro-krise-und-ela-kredite-griechenlands-letztes-rettungsseil/11355926.html

    https://www.welt.de/wirtschaft/article137149251/EZB-genehmigt-Griechenland-Notfallkredite.html

    Hier werden (wurden) Notfallkredite an Geschäftsbanken vergeben die anschließend wiederum auch in der Lage sind oder waren Staatsanleihen zu erwerben.

    Und noch ein Zitat aus Ihrem Griechenlandlink:

    „…Das Problem mit dem griechischen Staat ist, dass er bankrott ist. Ein Bankrott kann niemals mit Darlehen überwunden werden. Das ELA-System gestattet einfach nur den bankrotten Banken, die ein bankrotter Fiskus nicht zu retten vermag, sich von der TtE Geld gegen Pfänder zu leihen, die nicht viel wert sind. Tatsächlich kann sich auch der Fiskus der ELA bedienen, indem er Schatzbriefe ausgibt, die er an die Banken verkauft, die sie wiederum (im Rahmen der ELA) der TtE geben – was zum Ergebnis hat, dass der Staat sich indirekt mittels der ELA Geld leiht, um einige seiner Rechnungen zu bezahlen.
    Es handelt sich jedoch um geliehenes Geld, um Kredit. Nicht um das Drucken von Geld, das Schulden tilgt. Zu den älteren Schulden kommen neue hinzu. Der Staat gewinnt einfach nur etwas Zeit, mit dem Preis seines noch tieferen Bankrotts. Das ist es also, warum die ELA dem Staat nicht ermöglicht, Geld zu drucken als ob er währungstechnisch unabhängig wäre…“

    Es ist für einen bankrotten Staat unerheblich ob man Geld druckt oder über ELA- Kredite indirekt seine dringendsten Ausgaben begleicht.
    Gleich ist, daß Währungen oder Währungsräume damit zunehmend unglaubwürdig werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Bubblegum - 11. Februar 2017

    @Jeha, @JL

    Was bitte schön sind marktwirtschaftliche Regeln?
    Wer stellt sie auf?
    Wer überwacht sie?
    Es gibt allenfalls mathematische Regeln. Wie die Wirkung des Zinseszinses.
    Dieser geistige Unfug aus der Folterkammer des marktradikalen Unsinns, über die Welt gekommen mit dem Liberalismus stimmt seit 150 Jahren nicht und wird auch nie stimmen!
    Darüber habe ich mich schon als junger BWL Student echauffiert, dass die Katheder-VW Ler einfach so mal eben Billionen einzelvertraglicher Regelungen, die jeden Tag auf dieser Erde geschlossen werden, unter Markt subsumieren. Damit Äpfel, Birnen und wer weiß was noch in einen Topf werfen.
    Von Win-Win Situationen faseln, dabei aber völlig ausblenden , dass nachfolgende Generationen oder die Natur die Zeche zu zahlen haben, die jeder einzelne der Verträge bewirkt. Denn in der gründlichen Gesamtbetrachtung ist jeder Vertrag ein Nullsummenspiel.
    Insofern kann auch ein Staat nicht wirklich Bankrott gehen. Denn der Staat ist die Summe aller seiner Bürger. Würde beispielsweise Griechenland den politischen Willen aufbringen, eine Pfändung bei denen durchzuführen, die seit Jahren Griechenland Steuern schuldig bleiben, Griechenland wäre schuldenfrei. Es ist auch nicht überschuldet, denn im betriebswirtschaftlichem Sinn ist die Summe der Vermögenswerte aller Griechen größer als die Summe ihrer Schulden.
    Auch so ein geistiger Unfug ist, dass sich Staaten bei Privatleuten Geld ” leihen” (Schatzanweisungen-Briefe etc.), um Investitionen zu finanzieren. Einige Kanalinseln praktizieren seit mehr als 300 Jahren das so, dass bei staatlichen Investitionen einfach neues Geld gedrückt wird, um die entsprechenden Ausgaben zu finanzieren.
    Hyper- Inflation auf den Kanalinseln? Staatsbankrott? Nie davon gehört. Aber der Umweg über die Bankenfinanzierung, der bewirkt , dass ein Grossteil staatlicher Einnahmen in die Taschen von Schmarotzern wandert, die sich mit Hilfe von Banklizenzen seit Generationen davon ernährt.
    Das entscheidende ist, dass sich die Staaten dieser Welt die Herrschaft über die Geldschöpfung aus der Hand nehmen ließen.
    Theoretisch und auch praktisch könnte sich Griechenland mit ELA vollkommen entschulden. Der Umweg über Schatzbriefe etc.- wie von Ihnen JL vorgetragen, ist wieder nur Ausdruck dessen , dass es den Professoren der VWL gelungen ist, den marktradikalen Unsinn des Wirtschaftsliberalismus in die Hirne der Studiosi zu pflanzen. Lasst zu, dass wie in den Naturwissenschaften endlich das Undenkbare gedacht wird. Ihr Staaten Europas:
    Nehmt ELA und kauft damit alle Banken auf! Verstaatlicht sie! Und fusioniert sie zu einem einzigen staatlichen KREDITINSTITUT. EINER Bank von Europa.
    Bismarck hat es bereits vorgemacht: Er kaufte in der Gründerkrise alle Eisenbahnaktien derer er habhaft werden konnte. Schuf daraus das, was später die Deutsche Reichsbahn und die Preußischen Staatsbahnen waren, beide hoch profitabel und Haupträger der Reparationen ,
    die Deutschland nach dem WK I zu blechen hatte. Kein Wunder, dass sich die Wallstreet diesen fetten
    Happen nicht entgehen ließ. Der jüdische Bankier Dawes gründete wesentliche Teile des nach ihm benannten Planes auf die Reichsbahneinnahmen.
    Kein Wunder, dass Hitler so viel Erfolg hatte als er mit seiner Agitation gegen den Folge Plan, den Young-Plan 1930 in ganz Deutschland schlagartig bekannt wurde und aus einer Splitterpartei eine politische Kraft schuf.
    Viele Grüsse Bubblegum

    • JL - 11. Februar 2017

      Hallo Bubblegum

      Wo habe ich angeführt, daß man mit neuen Krediten Schulden loswerden könnte?

      ELA-Gelder, über die „elektronische Druckerpresse“, sind nunmal Kredite, auch wenn die „Kohle“ mal eben aus dem Hut gezaubert wurde.

      Aber Recht haben Sie dennoch. Staaten können nicht bankrottgehen, Systeme jedoch schon.

      Die Lösung alle Probleme den Staat zu überlassen ist meiner Meinung nach falsch, einfach deshalb, da hier die Ursachen der Probleme ausgeblendet werden. Und diese haben- neben dem Fiatgeld mit seinem Zinseszinssystem- eben auch die Regierungen zu verantworten, indem sie die Risiken von Unternehmen übernahmen. Und was wohl werden Unternehmen tun, wenn sie seit spätestens 2008 ohne Risiko agieren können?

      Und bekannt ist nunmal auch, daß Staaten eher am schlechtesten mit Geld umgehen und staatsgeführte Firmen immer „Zuschußunternehmen“ waren. Hier genügt schon der Blick auf die Deutsche Post, Lufthansa oder Deutsche Bahn vor deren Privatisierungen. Dabei ist der Staat kein Unternehmen der irgendetwas erwirtschaftet, sondern lebt letztendlich von den wirtschaftlichen Ergebnissen innerhalb seines staatlichen Hoheitsgebietes.

      Selbst ein Geldmonopol des Staates ist aus meiner Sicht unangebracht, da man damit- das Wort sagt es schon- eben auch manipulieren kann. Geld sollte einen schuldfreien Wert besitzen und in Konkurrenz zueinander stehen. Das würde zum Beispiel verhindern, daß man Risikolos mal eben in acht Jahren 10 Billionen Dollar verheizt und der Rest der Welt letztlich die Kosten trägt.

      Meiner Meinung nach ist dies ein interessantes Thema für sich, daß man hier vielleicht gesondert betrachten könnte.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      Übrigens: Die letzte Reparationszahlung für den ersten Weltkrieg wurde 2014 von der Telekom gezahlt- 500 Millionen Euro- und wie der „Endsieg“ von Hitler aussah ist auch bekannt.

  • Basisdemokrat - 12. Februar 2017

    “Der nächste Testfall ist gewiss. …
    Seit dem Bond-Massaker von 1994 haben die Anleihenmärkte völlig neue Dimensionen erreicht. Allein in den USA beläuft sich das Volumen der ausstehenden Anleihen (inkl. Staatspapiere und Kommunalobligationen) auf knapp 40 Billionen (Ende 2014 – Sifma). … Anders als noch vor 10 Jahren hat sich ein Ozean von Investorengeldern in die passive Fonds (Black Rock) ergossen, Erschütterungen können dort einen Tsunami auslösen. … Bei Anleihen und ETFs lassen sich zumindest noch die möglichen Gefahren in ihren Umrissen ausmachen. Aber was ist mit den vielen neuen Spielarten der der Schattenbanken, die sich im neuen digitalen Finanzsystem vervielfältigen?”

    Wirkliche Macht verschiebt sich gerade immer weiter weg von Regierungen auf Zocker im Dunklen.
    “Making new yields great again”
    Aus : Heike Buchter, Black Rock – Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld (ISBN 978-3-593-50458-2 campus) Seite 262f.

    Gruß BD