Portugal: PKW-Neuzulassungen mit -41,7%

von am 2. Mai 2012 in Allgemein

Für Portugal berichte heute der portugiesische Automobilverband (Associação Automovel de Portugal (ACAP)) für den Monat April 2012 die schwächsten PKW-Neuzulassungen in einem April seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1990. Im April 2012 sanken die PKW-Neuzulassungen um -41,7% zum Vorjahresmonat auf nur noch 8’400 PKWs. Auch diese Daten aus Portugal zeugen von einer brutale Kontraktion des Konsums, die sich auch in einer schrumpfenden wirtschaftlichen Aktivität manifestiert.

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen, jeweils aus April, seit 1990 bis 2012 im Chart. Im April 2012 brachen die PKW-Neuzulassungen um -41,7% zum Vorjahresmonat ein, auf 8’400 neu zugelassene PKWs. Zum April-Hoch, bezeichnender Weise bereits im April 1992 mit 32’914 PKWs markiert, betrug der Einbruch unglaubliche -74,5%! Der April 1992 war auch das monatliche Allzeithoch in der gesamten Datenreihe seit Januar 1990.

Die Entwicklung der neu zugelassenen PKWs seit Januar 1991 bis April 2012 im Chart. Im April 2012 sank die Zahl der neu zugelassenen PKWs um -41,7% zum Vorjahresmonat auf 8’400 PKWs (Vormonat März 9’622) und damit auf den vierttiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe im Januar 1990. Zum langfristigen monatlichen Durchschnitt von Januar 1990 bis Dezember 2007, vor der Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrise, mit 18’870 neu zugelassenen PKWs betrug der Einbruch im April 2012 kräftige -55,5%!

Diese Daten sind u.a. Beleg für eine unglaubliche Kontraktion des privaten Konsums in Portugal. Interessant an Portugal ist, dass dieses Land bereits von Anfang an, unter dem Korsett des Euro verlor, ob bei Investitionen oder Wertschöpfung. Selbst bei Konsum und Immobilien gab es keinen ausgeprägten Boom, ausgelöst durch die sinkenden Zinsen beim Euro-Beitritt, wie z.B. in Spanien. Trotzdem akkumulierte Portugal in Folge der chronischen Leistungsbilanz- und Staatshaushaltsdefizite eine enorme Auslandsverschuldung.

Dazu detailliert: Desaströse detaillierte BIP Daten aus Portugal, Desasterzone 2: Portugal

Quelle Daten: Acap.pt/Acap.pt/Pressemitteilung PKW-Neuzulassungen April 2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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18 KommentareKommentieren

  • henne - 2. Mai 2012

    Ein absolutes Desaster. Steffen, gibt es schon Zahlen für Frankreich, Spanien und Co.?

    Grüsse

    • Querschuss - 3. Mai 2012

      Hallo henne,
      die Daten für Spanien sind noch nicht raus, Frankreich war eher unerwartet gut, nur -1,6% zum Vorjahresmonat mit 166632 Neuzulassungen.

      Gruß Steffen

  • bauagent - 2. Mai 2012

    Bedenkt man, dass die Automobilindustrie zur Aufbesserung der eigenen Marktanteile bereits zu Monatsmitte entscheidet, ob sie im Rahmen einer Sonderaktion Tageszulassungen zum Monatsende prämiert, ist dies die absolute Bankrotterklärung.

    Wenn man weiß, dass die Autohändler ( Vertragshändler ) mittlerweile 2 oder gar mehr Fabrikate benötigen, um im Durchschnitt 1 % Rendite vor Steuer zu erwirtschaften wird einem klar, dass solche Zahlen vielleicht noch 2 oder 3 Monate möglich sind, dann sind die mittelständischen Betriebe in den südeuropäischen Ländern durchgehend insolvent.

    Die Konzerne bzw. Konzernbanken werden dann nach einem strengen Selektionsprinzip diejenigen Händler retten, die strategisch, z.B. vom Standort her, wichtig sind.

    Alle anderen stehen vor dem Nichts, weil sie mit der Insolvenz den Anspruch auf Abfindung nach HGB bzw. dem Pendant im europäischen Recht verwirkt haben.

    So bewirkt auch hier unser überkommenes Geldsystem, dass sich die Konkurrenz auf wenige Konzerne verdichtet und Tendenzen über Oligopol zum Monopol nach sich zieht, denn die großen Händler werden zu Niederlassungen gemacht. Schmelzende Renditen verlangen Zusammenschlüsse, die wiederum führen zu Situationen, wie wir sie zur zeit in der Energiewirtschaft sehen.

    Das wird nix mehr!!

  • NavigatorC - 2. Mai 2012

    Portugal, neben Griechenland, das Prunk- und Glanzstück der Entwicklungsländer Union.
    Die jüngere Bevölkerung wandert, soweit möglich, aus.
    http://www.presseurop.eu/de/content/article/1832081-die-indignados-fliegen-aus
    Zurück bleiben Rentner und die Bürokraten des Staatsapparates. Einzige “Einnahmequelle”
    Anleihenverkauf an die EZB.

    NavigatorC

  • dank - 3. Mai 2012

    Portugal geht den griechischen Weg und schon bald kann jedem Käufer fast persönlich gratuliert werden zu seiner tollen Entscheidung Geld verbrannt zu haben. Heavy Stuff – danke Steffen.
    Und da soll die Halsschlagader normal pulsieren?
    Ja, ja – wir hier habens ja gut.
    Die Insel der Glückseligen – bis allen das Wasser auch zum Hals steht. Nicht nur einem Teil.

    Werde tanzen, wenn das gesamte Lügengebäude zusammenkracht – egal, was es für mich persönlich bedeutet. Tanzen!
    Der Rest danach erledigt sich von selbst.
    Erster Tanzabend; Probestunde – sehr voraussichtlich Sonntag abends nach den ganzen tollen Wahlen. Eine billige Flasche Sekt/Prosecco sollte jeder mal kalt stellen und sich auch leisten können. Da nichts anderes bleibt außer Strasse (was im Moment noch wenig bringt – leider!) oder Häme, wähle ich immer gerne Möglichkeit eins und schöpfe zwei ebenfalls voll aus. Das bedeutet keinen Pfandbrief auf Besserung – aber eine Abstrafung empfinde ich als Genugtuung. Das Schlimmste wartet jeweils noch auf die Völker und das Drückerkapital.

    Umgelegt auf die Bevölkerung – ist es fatal – schlimm und traurig. Das stolze Volk der Portugiesen, der ehemals großen Seefahrer, kann sich Mobilität nicht mehr leisten. Gebeutelt und geschlagen vom Kapital. Kapital an sich, ist und war nie etwas schlechtes – doch – in der Hand dummer (wie immer gieriger) Menschen verschlingt es alles, was menschlich erscheint.

    “…Südperipherie braucht ein Geschäftsmodell…”
    Die Frage lautet nicht, ob die Einwohner dieses Modell wollen. denn hier steht ein großes JA.
    Sondern will das die gewählte und gemachte “Elite” – und da kommt ein klares NEIN. Denn Aufstieg und Wohlstand der Massen heißt nur eins: Abstieg und Zurückstecken der “Elite”. (Schon älter, aber an den Gedanken ist etwas dran: http://www.heise.de/tp/blogs/6/147855)

    Deswegen und nur deswegen wird kein tragfähiges zukunftsorientiertes Modell kommen.
    Nur neue Steuern und Abgaben, neue behördliche Hürden, neue Vorschriften und Einschränkungen; nur neue Hamsterräder.

    Das Modell ist einfach:
    Ein Schnitt des Kapitals&Schulden&Tagelöhnertums – Freiheit für die Bürger, Freiheit für die Menschen. NeoLib for People. Und damit ist kein Leben, wie in der Stein/Eisenzeit gemeint. Der Staat hat den Menschen, seinen Menschen – NICHT dem Kapital zu dienen. Gemeinsam schaffen und leben.
    Kapital = Geld = Macht = Wirtschaft = Banken = Börse (Formel 2000 – NeoLib) = Fehlentscheidungen & Wahnsinn
    So war das nie gedacht.
    Gebt den Menschen die Freiheit zurück und sie werden auch den Staat fördern. Allein aus Eigennutz. Egal, ob Staat D oder Staat EU. Ob USA.
    Gebt den Menschen die Rechte und die Freiheit und das Gefühl diese auf Ihrer Seite zu haben zurück, und Ihr erhaltet Fortschritt und Zustimmung.
    Gebt den Menschen das Gefühl zurück, dass es sich wieder lohnt in die Zukunft zu blicken und Ihr erhaltet diese.
    Gebt den Menschen ihren Selbstwert zurück und sie werden das Rückrat der Gesellschaft sein.
    Gebt den Kindern die Hoffnung, dass ihnen die Zukunft nicht übel mitspielen wird und Ihr erhaltet deren Zustimmung.
    Gebt den Menschen die Gemeinsamkeit und Zusammenhalt und Ihr erhaltet Zusammengehörigkeit und sinnvolles Handeln.

    Aber lehnt Euch nicht gegen die Völker auf, sonst erhaltet ihr die Quittung – die Ihr nicht begleichen werden könnt. Wenn nicht heute, dann morgen.
    Nehmt Ihr den Menschen die Freiheit, nehmt Ihr sie Euch selbst – egal wie sehr Ihr Euch einbunkert und schützen lasst.
    Heute steht es nur digital – morgen auf Papier und später wird es geschehen sein.

    Den Völkern muss wieder Recht geschehen und gehören. Allen.
    Lasst Ihr die “alte Welt” so sterben, werdet Ihr keine neue lebenswerte auf diesem Kontinent erhalten.

    Ceterum censeo Babylonium esse delendam.

    Im Sinne von M.U.:
    Amen!

    Ende der Durchsage – Idealismus und Sarkasmus aus.

    • Roland - 3. Mai 2012

      @ dank

      Zitat: “Portugal, das stolze Volk der Seefahrer”

      Von wegen.
      Die “stolze Seefahrerei” war übelste Landnahme, Kolonialismus und Ausbeutung.

      Letztlich hat der schmutzige Krieg in Angola dem portugiesischen Imperialismus das Kreuz gebrochen.

      • dank - 3. Mai 2012

        Das Zitat ist aus der Eigensicht und dem Eigenverständnis der Portugiesen zu sehen.
        Die Art der Landnahme samt Imperialismus, Unterdrückung und Ausbeutung der Kolonien war/ist zweifellos falsch & das Hinterletzte. Im Moment läuft nichts anderes ab, nur das die Nehmer keine Staaten mehr sind, sondern Investoren. Weltweit.

  • landbewohner - 3. Mai 2012

    da können bild und spiegel ihrer leserschaft vermelden: immer mehr portugiesen verzichten auf 2. oder 3. wagen um ihrem land aus der krise zu helfen. darum muss auch in deutschland gespart werden.

  • Kalle - 3. Mai 2012

    Was habt ihr denn. BMW, Audi, VW haben im ersten Quartal Rekordergebnisse eingefahren. Frage mich mal, in welcher Propagandashow die leben.

    • MagnaBavaria - 3. Mai 2012

      *regierungssprech* Ja, es boomt an allen Ecken und Enden…

      Nur irgendwann wird es mal so ka-boomen, dass nichts mehr beschönigt werden kann.

  • Knut34 - 3. Mai 2012

    Sehr gut, je weniger die GIFPIS in Deutschland kaufen, desto weniger schnell steigen die Target2 Forderungen. Bezhalen könnten die GIFPIS ohnehin nicht.

  • M.E. - 3. Mai 2012

    Das ist ja gerade das Verhängnisvolle:
    wenn es innerhalb einer Einheit (hier: Währunggseinheit ohne staatliche Einheit) an manchen Stellen relativ boomt (wenngleich auch schon mit stark abnehmender Dynamik) und an anderen Stellen abstürzt (hier mit zunehmender Dynamik), dann funktioniert diese Einheit eben nicht mehr. Es bilden sich zunehmende Spannungen, die diese Einheit sprengen werden.

    • Knut34 - 3. Mai 2012

      Warum ist es “verhängnisvoll” wenn diese Einheit, die im Wesentlichen von Politikern gewollt ist, gesprengt wird? Die meisten Bürger würden es eher als Befreiung sehen!

  • M.E. - 3. Mai 2012

    Ich fürchte, Du wirst es bemerken, was verhängnisvoll daran ist, Knut,
    wenn die wiedereingeführte D-Mark um 30…40% aufgewertet hat und die deutsche Exportindustrie die Grätsche macht. Das beftrifft dann immerhin 40% unseres BIP, der vom Export generiert wird und dann auf Normalmaß zurückschrumpft.
    Unser relativer “Insel-der-Glückseeligen-Status”, den wir vorübergehend genießen (ich weiß, nicht alle 82 Millionen Deutschen) ist gerade das Ergebnis der für uns zu weichen Währung und der zu niedrigen Leitzinsen. Eine temporäre glückliche Fügung infolge des vor dem Scheitern stehenden Euro-Experiments.

  • M.E. - 3. Mai 2012

    Und noch eines ist verhängnissvoll, wenn der Euro scheitert: die in einer Starkwährung verschuldeten Südstaaten sind nach Wiedereinführung ihrer nationalen Schwachwährungen sofort und umfassend bankrott. Inklusive des gesamten Bankensystems dort.
    Der Kollaps des Euro wird unmittelbar das Startsignal zum Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems geben, weil Forderungen von Billionen Euro ausfällig werden.

    Deswegen klammern sich die Politiker ja so an den Euro und seine Rettung. Die große Liebe zum Euro ist das bei denen schon längst nicht mehr. Auch die haben wohl die prinzipielle Fehlkonstruktion des Euro mittlerweile erkannt. So blöde sind die ja auch nicht.
    Aber denen graut vor den Konsequenzen. Nicht zu unrecht.

  • Andres Müller - 3. Mai 2012

    Die Personenwagenverkäufe sind seit Januar um 46,8 % gefallen gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2011, leichte Nutzfahrzeuge und schwere 55,1 % und 51,1 %.

    Der totale Einbruch des Marktes seit Anfang des Jahres liegt jetzt bei 48,2 %.
    Das ist ein Kollaps der Portugal Richtung Entwicklungsland katapultiert.

    Bevor man allerdings in Panik ausbricht soltte bedacht werden dass Portugal im Jahr 2010 immerhin 4.550.000 PK im Verkehr hatte, während dem zur selben Zeit in China mit 1 Milliarde Einwohner nur 5.642.969 PKW in Betrieb gesetzt hatte. Bei den Nutzfahrzeugen übertrafen die Portugiesen China gar um ca. 300000 Fahrzeuge.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftszahlen_zum_Automobil#Nach_L.C3.A4ndern_2

    • NavigatorC - 3. Mai 2012

      “Bevor man allerdings in Panik ausbricht soltte bedacht werden dass Portugal im Jahr 2010 immerhin 4.550.000 PK im Verkehr hatte, während dem zur selben Zeit in China mit 1 Milliarde Einwohner nur 5.642.969 PKW in Betrieb gesetzt hatte. ”

      Schau Dir die Statistik noch mal an. Die Republik China hat nicht 1 Milliarde Einwohner 🙂

      NavigatorC

  • ergo sum - 4. Mai 2012

    Der Absturz der Neuzulassungen in Portugal und Griechenland ist besonders signifikant, weil es sich hier um zwei Staaten ohne eigene Autoproduktion handelt, die also 100% importieren müssen. Wenn Deutschland seinen Exportkunden einen Sparkurs aufzwingt, ist es immer selbst der Hauptgeschädigte, wenn die Leute uns keine Autos mehr abkaufen.