Stillstand bei der Krisenbekämpfung: Panikmache mit dem Ziel des Status-Quo-Erhalts

von am 12. Juni 2012 in Allgemein

Kommt es Ihnen auch so vor? – Nahezu im Tagesrhythmus schwappen aus den unterschiedlichsten Richtungen eindringliche Warnungen an die Politik durch Presse und Medien, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen oder nicht zu ergreifen, würde sich massiv krisenverschärfend auswirken. Praktisch für alle Maßnahmen, über die seit Monaten im Zusammenhang mit der weltweiten Schuldenkrise diskutiert wird, gibt es jeweils ein Lager eindringlicher Befürworter und Gegner. Ob ESM-Aufstockung, Euro-Bonds, Schuldenschnitt, Strukturreformen, Liquiditätsschwemme, Niedrigzins oder Finanztransaktionssteuer usw. – so gut wie jede einzelne Anti-Krisenmaßnahme ist höchst umstritten. Was unter dem Strich bleibt, ist Konfusion über die möglichen und die wahrscheinlichen Konsequenzen, die das Ergreifen oder Unterlassen jeder dieser Maßnahmen haben würde.

Ein wirklich klarer Krisenkurs existiert nicht. Nicht in Europa, nicht in den Vereinigten Staaten, nicht in Japan oder – so scheint es – wo auch immer sonst. Und, wenige Wochen vor der Neubesetzung eines großen Teils des obersten Organs der kommunistischen Partei, nicht einmal in China. Gleichwohl existiert aufgrund der unbefriedigenden Resultate der bisherigen Krisenpolitik der immer stärker werdende Wunsch, Änderungen an derselben vorzunehmen.

Dass es nicht dazu kommt, ist vor dem zuvor beschriebenen Hintergrund kein Wunder.

Zwecks besserer Orientierung für die Beobachter mag es hilfreich sein, sich an ein paar einfache Erkenntnisse aus der im Prinzip seit 2007 anhaltenden Krise zu erinnern.

Zunächst einmal ist daran zu erinnern, was uns die Krise über den Wert der Theorien, Modelle, Erklärungen und letztlich vor allem auch des Rates führender Ökonomen liberal-neoklassischer sowie monetaristischer Prägung, aber auch keynesianischer Ausrichtung, gelehrt hat. Er ist weitaus geringer bis dahin angenommen. Theorien, Modelle und Erklärungen haben sich als mangelhaft erwiesen und zwar in einer Weise, die letztlich kaum eine andere Folgerung als die der Notwendigkeit einer grundlegenden Neuorientierung der Wirtschaftswissenschaften zulässt. Gleichwohl sind diese beiden, die Wirtschaftswissenschaften dominierenden ökonomischen Lehren nach wie vor der Kompass in der Debatte über Krisenmaßnahmen.

War es im Nachhinein betrachtet ein Fehler, vor Ausbruch der Krise auf die herrschenden ökonomischen Lehren zu vertrauen, nach deren Lehren es die Krise eigentlich gar nicht hätte geben dürfen, so gilt selbiges auch jetzt bei der Suche nach Wegen aus der Krise. Was Ökonomen dieser beiden Schulen uns über die Krise, die Krisenbewältigung, aber auch über die möglichen und wahrscheinlichen Konsequenzen des Ergreifens bzw. Unterlassens verschiedener Maßnahmen sagen, kann – sofern sie sich dabei auf ihre theoretischen Grundlagen abstützen – nicht mehr als geeignete Orientierungshilfe angesehen werden.

Es ist ein besonderes Problem und Hemmnis bei der Überwindung der Krise, dass sich die führenden linken und rechts-Konservativen Parteien in den Industrienationen traditionell und dogmatisch an jeweils eine dieser beiden führenden ökonomischen Schulen gebunden haben. So lange sich nicht zumindest daran etwas ändert oder diese Parteien von einer anderen, nicht einer dieser beiden Lehrmeinungen verhafteten Partei bei Wahlen überflügelt werden, steckt die Krisenbewältigung fest.

Was für die Krisenbewältigung nottut und zwar nicht nur in Europa, sondern in den Industriestaaten, ist ein Paradigmenwechsel in den Wirtschaftswissenschaften wie auch in der Wirtschaftspolitik. Genau das ist in der ersten Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren geschehen. Es gab einen Paradigmenwechsel hin zur Lehre von John M. Keynes. Keynes hilft uns in der aktuellen Krise jedoch nicht weiter. Was wir heute brauchen, ist ein neuer „Keynes“, eine neue, treffende Erklärung der Krise einer ökonomischen und Finanz-Welt, die mir der der 30er Jahre kaum mehr etwas gemein hat.

Was wir des Weiteren aus der Krise gelernt haben, ist, dass die Probleme, die die Krise hat zutage treten lassen, nach wie vor existieren und mehr noch, dass weitere hinzugekommen sind – insbesondere die hohe Staatsverschuldung.

Nun kann niemand behaupten, es habe keine Krisenpolitik gegeben. Viele werden indes darauf hinweisen, dass die drastisch gestiegene Staatsverschuldung und die erneute Verschärfung der Wirtschaftskrise – insbesondere in den Schuldenstaaten – Folgen dieser Krisenpolitik sind. Doch selbst wenn man dies nicht in dieser Schärfe sagen mag bleibt es bei einem zutiefst frustrierenden Fazit: Die bisherige Krisenpolitik hat nichts anderes getan, als den Status Quo zu stabilisieren. Das heißt, sie hat das – finanzielle aufwendig – gestützt und zu erhalten versucht, was offensichtlich systemische Instabilität und Dauerkrise produziert. Die Profiteure der Krisenpolitik sind in mehr oder minder großem Umfang auch die Krisenverursacher. Nur so lässt sich letztlich die katastrophale Bilanz der bisherigen Krisenpolitik erklären.

Und weil das so ist, beteiligen sie – die Krisenverursacher und Profiteure – sich natürlich an der Diskussion über Krisenmaßnahmen. Man nennt es auch Lobbyismus. Es ist auch klar, was sie nicht wollen: Eine Abkehr von der bisher auf den Status-Quo-Erhalt gerichteten Krisenpolitik, die gerade deswegen ihren Namen – „Krisen“-Politik – nicht verdient hat.

Niemand mag Veränderung, wenn sie den eigenen Status Quo gefährdet. Alle Veränderungen, bei denen dies für die Profiteure und zugleich Säulen des bestehenden, aber instabil gewordenen Systems nicht der Fall war, wurden im Zuge der Krise ergriffen. Jetzt geht es mehr und mehr ans Eingemachte, um mögliche Status-Quo-Verluste für all jene in Politik, Finanzwelt, Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften, die sich zu den Säulen des Systems zählen.

Dies muss man bei den kontrovers geführten Debatten um Krisenmaßnahmen berücksichtigen. Maßnahmen mit weitreichenden Konsequenzen sind nicht um jeden Preis zu verhindern, sondern im Sinne der Gesellschaft notwendig. Wir zahlen für die aktuelle Krisenpolitik einen hohen Preis und dennoch werden die Aussichten für uns alle nicht besser. Dieser Preis steigt mit jedem Tag, um den Maßnahmen mit weitreichenden Konsequenzen für das bestehende System herausgezögert werden.

Wir werden auch einen Preis für weitreichende Veränderungen bezahlen. Die entscheidende Frage ist, ob sich dadurch unsere Perspektiven verbessern. Wen würden Sie dazu befragen wollen, eingedenk des hier zuvor Geschriebenen?

Dass so große Unsicherheit bei der Beantwortung dieser Frage existiert, nutzen die Profiteure des Systems gerne und aktuell sehr gründlich aus, indem sie laut und in teils schrillen Tönen vor den schlimmen Konsequenzen des Ergreifens oder Unterlassens von bestimmten Maßnahmen warnen.

Niemand sollte sich davon beirren lassen.

Die Frage, auf die es unter den gegebenen Umständen und unter Berücksichtigung des Erklärungsstandes in den Wirtschaftswissenschaften mit Blick auf die Debatte über Krisenmaßnahmen im Kern ankommt, ist folgende:

Dient eine vorgeschlagene Maßnahme der Stabilisierung des bestehenden Systems und seiner – oben angesprochenen – Säulen oder folgt sie der Einsicht in die Notwendigkeit eines weitgehenden Umbaus desselben, im Sinne einer effektiv funktionierenden und prosperierenden Markt- und Finanzwirtschaft?

Denn wer im sechsten Jahr der Krise und der erfolglosen Stabilisierungsmaßnahmen sprich Krisenbewältigung noch immer ernsthaft reklamiert, das bestehende globale Finanzmarkt- und Wirtschaftssystem sei in seiner gegenwärtigen Form und Struktur prinzipiell funktionstüchtig und deswegen auch irgendwie wieder stabilisierbar, der ignoriert, dass es die Ungleichgewichte, die es an den Rande des Kollapses geführt haben, nicht auflöst, sondern selbst produziert hat. Das ist nicht das, was es nach Auffassung der führenden ökonomischen Lehren überhaupt hätte tun können oder gar sollen. Das war im historischen Rückblick auch nicht immer so. Aber heute ist es so und es ist das zentrale Problem, dem nur mit Veränderung der Form und Struktur der globalen Markt- und Finanzwirtschaft begegnet werden kann. Wie man das erreichen kann, dazu gibt es gewiss unterschiedliche Möglichkeiten und Wege. Darüber zu diskutieren, ist sinnvoll und zielführend. Über die Möglichkeiten des Erhalts der bestehenden Form und Struktur des Systems zu streiten, ist sinnlos.

Wenn wir nicht die Kraft aufbringen, selbst Veränderungen einzuleiten, wird die weitere Entwicklung aus sich heraus Veränderungen hervorbringen, an denen niemandem gelegen sein kann – auch nicht diejenigen, die bisher auf der Gewinnerseite standen.

Es ist, um es einmal bildlich auszudrücken, in jedem Fall weise das Schwimmen zu lernen, bevor man durch die Umstände dazu gezwungen ist.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

Print article

100 KommentareKommentieren

  • david - 12. Juni 2012

    “Was wir heute brauchen, ist ein neuer „Keynes“, eine neue, treffende Erklärung der Krise einer ökonomischen und Finanz-Welt, die mir der der 30er Jahre kaum mehr etwas gemein hat.”

    Es wäre nett, wenn du diesen Satz noch etwas erläuterst und den Unterschied hervor hebst. In meinen Augen sind diese beiden Krisen nämlich sehr ähnlich. Verfolge seit langem den Blog von Krugmann und er hat hier immer sehr schön die Analogien heraus gestellt. Danach scheinen sich diese Krisen doch sehr zu ähneln. (Er zieht hier immer den Vergleich Euro Goldstandard)

    • SLE - 12. Juni 2012

      Die Weltwirtschaft war in den 20er-30er Jahren beispielsweise bei weitem nicht so starke vernetzt, wie sie es heute ist. Das gilt in vielleicht noch stärkerem Maße für die globalen Finanzmärkte. Darüber hinaus gibt es heute auch im Unternehmens- und Finanzsektor eine erheblich höhere Unternehmenskonzentration, oft nur einige sehr große Globale Player, der Umsätze/Bilanzsummen das BIP einer ganzen Reihe von Staaten übersteigen. Hinzu kommt, dass wir auf gloabelen Märkte in hohem Maße multinationale Unternehmen haben (ca. 43.000), die sehr stark miteinader verflochten sind (etwa über Beteiligungen) und insofern ein hoher Abhängigkeitsgrad existiert. Das hat erhebliche Konsequenzen für die Krisenanfälligkeit. Bricht einer dieser großen Player diese Netzes zusammen, dann kommt es zu Kettenreaktionen. Lehman ist dafür ein Beispiel.

      Wenn das alles der Vergleichbarkeit der heutigen mit der damaligen Situation keinen Abbruch tut, dann liegt das wohl daran, dass Paul Krugman keine Theorie kennt, die wirtschaftliche Entwicklung erklärt. Das ist das Problem, das ich bei Krugman sehe.

      Krugman hängt genau wie alle anderen im Mainstream an Theorien, die sich als absolut unzulänglich für die Erklärung von Entwicklungsprozessen erwiesen haben. Mir ist bekannt, dass er für seine (neoklassische!) Theorie des strategischen Handels (von Angang der 80er) den Nobelpreis bekommen hat, die die Förderung der Entstehung der oben beschriebenen, von National Champions geprägten Strukturen erst so richtig in Schwung brachte. Diese Strukturen sind aber zumindest eine wesentliche Ursache für die systemische Instabilität, für die globalen Ungleichgewichte sowie für die auseinanderklaffende Einkommens- und Vermögensschere. Hat Paul Krugman deswegen seinen Nobelpreis zurückgegeben? Nein. Mir ist auch nicht bekannt, dass er eine neue Theorie entwickelt hätte, die der Realität besser gerecht wird und diese Probleme zu lösen hilft. Er scheint davon überzeugt, dass das nicht nötig ist. Man braucht nur die Diskussion zwischen ihm und Steve Keen über Keens Erklärungsansatz für die Finanzmarktrise nehmen, um das zu erkennen. Ich nenne das Ignoranz.

      Grüße
      SLE

      • Systemfrager - 13. Juni 2012

        Im gewissen Sinne wäre es richtig zu sagen, dass Krugman ein falscher Keynesianer ist
        Das Problem ist aber tiefer.
        Keynes wollte einen Paradimenwechsel, aber im Rahmen der Neoklassik, irgendwo an ihren Rändern. Das war falsch (sagt jetzt einer, der ihn Bewundert!)
        Deshalb war Keynes eine tragische Figur

        Damit sind wir zunächst am Ende unserer Darstellung der Keynesschen Analyse angelangt. Keynes vermochte zwar das Nachfragedefizit nicht aufzuhellen, aber sein Verdienst, diese Frage hartnäckig gestellt und in den Augen der Welt die Richtigkeit des Sayschen Theorems erschüttert, gleichzeitig aber eine gegen jede Wirtschaftskrise brauchbare Therapie entwickelt zu haben, bleibt auch für uns unbestritten.

        Gerhard Kroll, Von der Weltwirtschaftskrise zur Staatskonjunktur, Duncker & Humbolt, Berlin, 1958

        PS
        Gerhard Kroll, Von der Weltwirtschaftskrise zur Staatskonjunktur
        gehört zu den besten WiWi-Bücher in der deutschen Sprache im 20. Jh

        • SLE - 13. Juni 2012

          Hallo Systemfrager,

          das ist absolut richtig. Keynes wollte den Paradigmenwechsel und er war – obwohl mathematisch exzellent – keine mathematisierte ökonomische Theorie präsentieren. Er kannte schlicht die Grenzen der Mathematik. Dieses Bewusstsein ist fehlt dem – vor allem in den USA starken – mathematisch-empirischen Arm der Wirtschaftswissenschaften. Leider hat man später seine Theorie wieder auf die neoklassische Linie zurückgebogen.

          Ich denke, er hat sich in seinem Kampf gegen den liberalen Mainstream aufgerieben. Und es ist keine Frage, dass er ein brillianter Kopf, aber eben leider auch eine tragische Figur war. Man darf nicht den Fehler begehen, seinen Erkenntnisstand und seine Leistung mit heutigen Maßstäben messen zu wollen. Damit würde man ihm – wie auch jedem anderen Ökonom in der Vergangenheit – nicht gerecht. Wir, die Ökonomen, haben schließlich dazu gelernt (wenn auch vielleicht nicht alle) und heute auch ganz andere Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns.

          Viele Grüße
          SLE

          • Systemfrager - 13. Juni 2012

            Tja,
            warum sagst du es nur … natürlich ist dem so … wenn ich es aber auch von einem anderen höre, dann bin ich traurig
            🙁
            Das war jetzt natürlich nur ein trauriger Spaß.
            – – – – –
            So jetzt:
            Ich höre aber gern, dass wir heute “ganz andere Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns” haben und da stelle ich die Mathematik auf die erste Stelle. Du ahnst, was ich über die Neoliberalen meine, ich gebe William Stanley Sonnenflecker doch 100% Recht, wenn er sagt:

            „Aber wo – wird der Leser vielleicht fragen – sind Eure ziffernmäßigen … Daten?” Ich antworte, daß meine ziffernmäßigen Daten reichlicher und genauer sind als jene irgendeiner anderen Wissenschaft, aber daß wir noch nicht verstanden haben, sie zu gebrauchen. Der Überfluß unseres Zahlenmaterials ist erstaunlich. Es gibt keinen Schreiber oder Buchhalter im Lande, welcher nicht damit beschäftigt wäre, zahlenmäßige Daten für den Volkswirt aufzuzeichnen. Die Rechnungsbücher im Privathaushalte, die großen Hauptbücher der Kaufleute, Bankiers und öffentlichen Ämter, die Kurszettel über Aktien, die Preislisten, Bankausweise, die Nachrichten über den Geldmarkt, über Zoll und andere Regierungseinkünfte, alle diese sind voll von zahlenmäßigen Daten, um die YolksWirtschaftslehre zu einer exakten mathematischen Wissenschaft zu machen. Tausende von Foliobänden statistischer, parlamentarischer und anderer Berichte harren der Arbeit des Forschers. Es ist vielfach der große Umfang und die Schwierigkeit des Materials, welche uns von seiner eigentlichen Benutzung abschreckt. Aber es ist hauptsächlich ein Mangel der Methode und der Vollständigkeit dieser großen Masse des Materials, welcher uns hindert, es zur wissenschaftlichen Durchforschung der natürlichen Gesetze der Volkswirtschaftslehre zu gebrauchen.

            William Stanley Jevons, Die Theorie der Politischen Ökonomie, Gustav Fischer, Jena 1924, S. 10

  • Roland - 12. Juni 2012

    TINA kann auch heissen: Es gibt nur die Alternative Friedman vs. Keynes.
    Zustimmung, dass man auch hier seinen Kopf frei bekommen sollte und Tabus brechen sollte.

    Lest Marx, Kapital Bd 1-3
    Brecht das Tabu, man dürfe Lenins Analyse “Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus” nicht anfassen.
    Dies zu lesen, dazu gibt es nun tatsächlich doch eine TINA.

  • Heinz Göd - 12. Juni 2012

    Fakten und Daten deuten darauf hin,
    dass der Kapitalismus ein zykloides System ist
    (Zykloide=Kurve, die ein Punkt auf dem Umfang eines Rades beschreibt), also
    Aufstieg, Scheitel, Abstieg, unterm Rad, Aufstieg, …
    ein Bogen überspannt ca.70 bis 100 Jahre.
    Möglicherweise haben wir es daher nicht mehr mit einer Krise,
    sondern mit dem Auslaufen einer KapitalismusPeriode zu tun;
    Der ständige Abstieg der Wachstumsrate seit sehr vielen Jahren deutet darauf hin, siehe Infoportal Abb. 15723
    http://www.jjahnke.net/rundbr91.html#2660

    Die Arbeitslosenzahlen in den entwickelten Wirtschaften
    legen nahe, dass die Technik den Kapitalismus bereits überholt hat.
    Wenn die Rohstofflager ausgeschöpft sein werden,
    werden wir nahezu verlustfrei wiederverwerten und langlebige Erzeugnisse herstellen müssen, das wird weitere Arbeit sparen
    und den Handel abwürgen.
    Die industrielle Landwirtschaft(Monokultur, Pestizide, falsche Düngung) zerstört langsam die Böden, siehe

    und liefert nur minderwertige Nahrungsmittel, siehe
    http://www.chemievorlesung.uni-kiel.de/1992_umweltbelastung/dueng2.htm
    Dieser Teil des Kapitalismus wird fast immer ausgespart.
    Minderwertige Nahrung bestraft die Natur mit Krankheiten
    und die Evolution andet dies auf längere Sicht mit dem Niedergang der betreffenden Zivilisation,
    die USAner sind schon auf dem Weg dazu, siehe
    http://www.medknowledge.de/abstract/med/med2006/06-2006-4-diabetes-usa-da.htm
    http://diabetes.niddk.nih.gov/dm/pubs/statistics/index.htm
    Die Zukunftsaussichten für den Kapitalismus sind also eher schlecht.
    Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass bereits
    Denkansätze für neue WirtschaftsSysteme auftauchen, z.B:
    http://stattkapitalismus.blogsport.de/2008/12/05/inhaltsverzeichnis/
    http://home.pages.at/goedhe/GOD_Deutsch/Zukunft/GOD_ZukunftD.html#SUCHEnL
    Leider derzeit noch nur im Internet und auch da nur auf schmaler Basis.
    Klar, der Wechsel eines Wirtschaftssystems ist eine gefährliche Sache, da sich ja nicht mit Sicherheit sagen lässt,
    ob das neue auch funktioniert.
    Andererseits ist der Kapitalismus selbst so instabil wie ein senkrechter Stab auf dem Zeigefinger und somit eine sehr schlechte Ausgangsbasis für ein neues System.
    Ein Plan B schadet aber nie …

  • Das Häschen - 12. Juni 2012

    Ich erlaube mir sogar festzustellen mit Hinblick auf Paradigmenwechsel, eben das immer intensivere Streben nach Machterhalt ist ein Ausdruck des Wechsels selbst.

    • SLE - 12. Juni 2012

      Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

      Grüße
      SEL

    • Bernd Rickert - 13. Juni 2012

      Streben nach Machterhalt umschreibt sehr gut die Angst Risiken einzugehen. Die Angst geht um. Die hohe Politik treibt die Angst vor dem immer größer werdenden Summen im Kampf mit sich selbst und Spekulanten. Im mittleren und höheren Management hält die Karriereangst die Angestellten davon ab Entscheidungen zu treffen. Die Angst sein leistungsloses Einkommen zu verlieren verschreckt Investoren. Ich meine Investoren und keine Spekulanten. Der ungarische Präsident hat gerade wieder ein Lied von fehlenden Investoren gesungen.
      Der vernetzte Herdentrieb ist allgegenwärtig. Das Investitionskapital zieht lieber ins ferne, kommunistische China. In Griechenland sind ausländische Unternehmungen aus Angst abgezogen. Der einzige angstfreie Sektor ist noch das Investmentbanking mit Angestelltenprofilen die Triebtäter in den Schatten stellen. Das Bankgeschäft hat mit den PC einen Entwicklungsschub vollzogen, dem die Realwirtschaft im Tempo nicht mehr hinterher kommt.
      Hinzu kommt meines Erachtens noch die Ämterhäufung. Viele Spitzenkräfte sind mit Terminen gestopft ohne wirklich etwas zu leisten. Sie kommen sich vor allem wichtig vor. Dann sind die Netzwerke ein Riesenproblem geworden. Netzwerke sind entweder oberflächlich oder weitestgehend geschlossen. Dafür sind sie aber mittels moderner Kommunikationstechniken bestens organisiert.
      Ob das aber Ursache der Krise ist? Das Geld ist in falschen Händen. Die Krise legt deutlich eine der dysfunktionalen Entwicklungen am Entwicklungsende des Kapitalismus offen.

  • Brtz - 12. Juni 2012

    Nun wenn man in der liberalen Literatur nachschlüge, fände man diejenigen die es haben kommen sehen. Das sind aber eben keine “Neoklassiker”. Ich verweise nur auf die Bücher von von Mises, Hayek, Rothbard und noch aktueller Baader.

    Der schrieb in 2004 sein Buch. Geld, Gold und Gottspieler: Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise. Somit braucht es kein Um oder Neuschreiben, sondern es wäre wohl angeraten in der Ecke nachzuschauen, die offensichtlich richtig lag und liegt.

    Paul C. Martin hatte schon im Jahr 1984 in Pleite gewarnt. Er ist nur davon ausgegangen, daß die damals hohen Zinsen “beständig” wären und das kann man nun wirklich nicht behaupten.

    Aber den Verursacher hat er sehr genau benannt und ausgemacht. Er hätte wohl damals nicht damit gerechnet, daß man sich mit Geld und Zinsmanipulationen so lange “halten” wird können.

    • Frank Bell - 12. Juni 2012

      Eine Prognose von 1984, dass es bald eine Pleite gäbe, die dann 28 Jahre lang NICHT eintritt, ist KEINE Prognose.

      (Paul C. Martin, hat der nicht gelegentlich für Bild geschrieben? Würde schon viel sagen.)

      • Brtz - 13. Juni 2012

        Es wurde eine Formel aufgestellt wie lange es dauert, die habe ich leider gerade nicht zur Hand, daß aber immer wieder Staatspleiten auftreten ist “gesichert”:

        http://www.rechtsanwalt-griechenland.de/blog/wenn-der-staat-zahlungunsfaehig-wird/

        Da ich keine Bild lese weiß ich nicht ob es dort jemals etwas von Paul C. Martin geschrieben wurde.

        Das der Untergang exemplarisch beschrieben wurde ist ebenfalls leicht nachzulesen. Da man nie weiß wie weit die Manipulationen gehen, ist das natürlich immer eine “heikle” Geschichte.

        Aber in 2004 etwas zu schreiben was 3-4 Jahre später passiert, nenne ich eine Punktlandung…

  • G4st01 - 12. Juni 2012

    Ich kann mich noch gut an die Situation nach der LehmanBroPleite erinnern – da hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass die FED tatsächlich für die Bilanzkontraktion(en) der privaten Geschäftsbanken einsteht. Das war damals in meinem Bild von Marktwirtschaft/Kapitalismus einfach nicht enthalten. Heute ist das Normalität.
    Man hat sich entschlossen Verluste unter keinen Umständen zu realisieren, aber diese Art bilanz-technischer Realitätsverweigerung kann auf Dauer nicht gut gehen und wird sich bitter rächen. Darüber hinaus stellt sich die EZB noch extrem dämlich an indem sie nicht mal offene Bilanzverlängerung betreiben will.
    Ich hab da wenig Hoffnung, dass das noch geordnet abgewickelt werden kann – aber (wie gesagt) ich hatte das auch schon 2007/08 nicht so auf dem Schirm.

    ps – aufschlussreicher Artikel über die Rolle der Bundesbank bei der Sterling-Krise:

    As Soros later said: “I felt safe betting with the Bundesbank. The Bundesbank clearly wanted the pound and lira devalued, but it was prepared to defend the French franc. I did better than some others by sticking to the Bundesbank’s side.”

    Bundesbank: the eurozone’s secret dictatort

    evtl auch ein Indikator wo man jetzt die Grenze zieht?

    • Frank Bell - 12. Juni 2012

      Die Änderung vom HGB auf GAAP ist bis heute ohne negative Auswirkungen geblieben – trotz der Unkenrufe!

      Und die Gewinne der Aktiengesellschaften sind danach kräftig gestiegen.

  • Harald E - 12. Juni 2012

    Laßt sie nur hampeln und strampeln um ihren Status Quo zu halten. Mit rationalen Argumenten kommt man da nicht weit.

    Der Wechsel läuft bereits seit Jahren (zumindest in den Köpfen der Allgemeinheit) und nimmt Fahrt auf.
    Natürlich hat das die Oberschicht als Gefahr für ihren Status Quo erkannt und hampelt und strampelt.

    Imho ist das ne Treibsandgeschichte.

    Und je mehr sie hampeln und strampeln, desto tiefer sinken sie, desto irrwitziger wird das Gehabe. Rettungsmilliardenschirme, Krisengipfel am Fließband und es wird und wird nicht besser.

    So’n Mist aber auch.

    Stefan schreibt gut und zu Recht:
    +++
    Wenn wir nicht die Kraft aufbringen, selbst Veränderungen einzuleiten, wird die weitere Entwicklung aus sich heraus Veränderungen hervorbringen, an denen niemandem gelegen sein kann – auch nicht diejenigen, die bisher auf der Gewinnerseite standen.

    ..weise das Schwimmen zu lernen, bevor man durch die Umstände dazu gezwungen ist
    +++

    Ich denke Betreiber sowie die meisten Nutzer dieses Blogs können bereits schwimmen und schauen fassungslos auf das Gewimmel im Treibsand.

    Viel wird davon abhängen, ob und wie die “Gewinnerseite” mit dem Gehampel aufhört.
    Dann könnten wir sie in Ruhe rausziehen.

    Und wenn sie lieb sind, kriegen sie danach auch nen Schwimmkurs 😉

    “Wir” haben das Potential, eine nachhaltig lebenswerte Gesellschaftsform auf die Beine zu stellen.
    Wird ein Weilchen dauern….aber es liegt in unserer Natur….wir können nicht anders. 😀

  • Bernd Rickert - 12. Juni 2012

    Ich kann den Wirtschaftstheorien nicht viel abgewinnen.
    Wenn auf dem Tisch nur Schrott liegt, kann man dem Schrott solange einen Phantasiewert andichten, bis der Schrotthändler kommt. Alles andere ist eine Illusion.

  • JL - 12. Juni 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    die Ihrerseits sehr schön dargestellte Ratlosigkeit aller Akteure, sowie die Reaktion der “Betroffenen” dieser Kriese ist systemisch bedingt.
    Anzumerken ist hierzu, daß die Positionen zueinander ständig getauscht werden. Der Staat stützt die Banken und die Banken stützten den Staat, je nachdem wer momentan die größeren finanziellen Probleme hat. Funktioniert dieses nationale Spiel nicht mehr, weil Staat und Banken pleite sind, müssen eben Dritte dieses Spiel mitspielen. Um dieses Ponzi- System am laufen zu halten wird dann eben ein “Rettungsschirm aufgespannt” – und noch einer, und noch einer u.s.w.

    Sie bemängeln zu Recht die fehlenden Strategien der Ökonomen, welcher Richtung diese auch immer zugeneigt sind. Weder Keynes noch die Verfechter liberatärer Theorien haben das Zinses-Zins Problem in der modernen Geldwirtschaft aufgezeigt (Fiat- Geld), wonach es nach etwa 70 Jahren zu einem “Restart” kommen muß, da Staat, Gemeinden, Bürger oder aber auch Wirtschaft und Banken vollkommen überschuldet sind und im Endeffekt zusammenbrechen.

    Diese Ökonomen konnten dies auch nicht in den jeweiligen Überlegungen mit einfügen, da Geld zu deren Zeiten mit Werten hinterlegt war. Erst Nixon schaffte jedwede Wertbindung des Geldes 1971 ab, das Fiat- Geld war geboren.

    Und seit der FED- Gründung 1913 ist auch klar- daß Geld des einen ist die Schuld des anderen, mit Zinses- Zins natürlich.

    Mit freundlichen Grüßen
    JL

  • JL - 12. Juni 2012

    Sehr geehrter Heinz Göd,

    Sie schrieben unter anderem:

    “Fakten und Daten deuten darauf hin,
    dass der Kapitalismus ein zykloides System ist
    (Zykloide=Kurve, die ein Punkt auf dem Umfang eines Rades beschreibt), also
    Aufstieg, Scheitel, Abstieg, unterm Rad, Aufstieg, …
    ein Bogen überspannt ca.70 bis 100 Jahre.”

    Wenn Sie sich unter “Elliott- Wellen” kundig machen möchten werden Sie in Ihren Vermutungen in etwa bestätigt.

    Mit freundlichen Grüßen
    JL

    • Heinz Göd - 16. Juni 2012

      Sehr geehrter Herr JL
      vielen Dank für Ihren Hinweis.
      Mir persönlich wäre lieber,
      wenn meine Ahnung nicht bestätigt würde.
      Das Auslaufen von WirtschaftsPerioden mündete oft in Krieg.
      Die weltweiten MilitärAusgaben von ca. US$ 1.000.000.000.000 –
      davon alleine die USA mit US$ 500.000.000.000 dabei –
      stimmen mich nachdenklich:
      möglicherweise liegt da schon in mancher Schublade
      der Plan für Krieg als die einfachste Problemlösung,
      z.B.gegen Iran … .
      Mit freundlichen Grüßen
      Heinz Göd

  • Systemfrager - 12. Juni 2012

    >>> dass der Kapitalismus ein zykloides System ist
    Man kann es genauer beschreiben:
    Freie Marktwirtschaft kann wachsen, aber wenn das Wachstum aufhört – aus welchen Gründen auch immer – muss sie schrupfen oder gar kollabieren.

  • Ro - 12. Juni 2012

    Ernsthaft Frage ich mich wann der systematische Fehler von Stefan Eihner akzeptiert wird. Es gibt keine Lösung für ein zinsbasierendes, eigentumbehaftetes Geldsystem. Nicht durch Keynes, nicht durch Marx. Es ist und bleibt ein debitistischer Durchlauf bis zu redet mit Neustart.

    Merkel und Co., Obama und Co und all die Leuchter sind alles andere als naiv und nicht wissend. Selbstvertändlich sind sie bestens informiert… wissen exkt was und warum abläuft, dem ist sicher. War es immer.

    Was hier abläuft ist einzig und alleine die Kontrolle zu erhalten für Staat und Gesellschaft, selbstverständlich nach deren Auffassung.

    Man kann die bestehenden letzten 200 Jahre Ökonomie ff etc. zurückdrehen, studieren, rauf und runter… die ganze VWL ist systematisch untergeordnet einer kleinen Herrscherschicht zu dienen.

    Nie war Menschsein seit dem verlassen der Stämme anders.

    Warum nun die Medien, Lagarde und Obermenschenfreund Soros mit der billigsten aber zugleich effktivsten “Waffe”, Angst, agieren ist ebenfalls vollkommen durchsichtig. Der Plan der EUdssR und danach, dem eine Welt Staat läuft wie ein schweizer Uhrwerk. Angst und Kontrolle die Helferhelfer. Dies ist doch wirklich nicht mehr zu ignorieren. Und bitte nicht mehr mit Argumenten kommen wie die Welt sei dafür zu komplex, etc.etc.

    Nein, zwei Schritte vor, einer zurück, Zug um Zug. Der Mensch ist einfach gestrickt.Darum funktioniert es auch. Aufwachen… der nächste Schlag ist der ESM… Noch ein paar Wochen und der Drops ist gelutscht. Zurück zum Fußball, Faktor Mensch ist einfach;)

    • SLE - 12. Juni 2012

      Hallo Ro,

      betreffend die Frage, wann ich den systematischen Fehler akzeptiere – Zitat: “Es gibt keine Lösung für ein zinsbasierendes, eigentumbehaftetes Geldsystem.”

      Darauf würde ich gerne mit einem Zitat des Kommentars von “Jan” vom 7.06. zu meinem Aufsatz “Die Debatte über den Fiskal- und wachstumspakt droht …” antworten:

      “Hallo Dank,

      Ich melde mich hier zum ersten mal, da die Zinseszins Problematik immer wieder zu Fragen hier führt und ich mein Wissen dazu mal beisteuern möchte. In der Hoffnung es ist verständlich.

      Zins und Zinseszins sind prinzipiell kein Problem. Wichtig ist, wer die Zinsen erhällt und wie sie wieder in den Kreislauf gelangen. Nehmen wir mal an, du kaufst ein Haus für 100.000 Euro und leihst sie dir bei deiner Bank. Diese (eigentlich die EZB) erschafft diese 100.000 Euro und reicht sie gegen Hinterlegung deiner Schuldunterwerfung bei der EZB (das Haus als Sicherheit) an dich weiter. Hierfür erhält die EZB nun aktuell 1% Zins von der Hausbank, die dir 3% abknöpft. Nun gehen wir mal davon aus, dass die Hausbank 1% an ihre Angestellten weiterreicht in Form von Gehältern und 1% an ihre Aktionäre. Die EZB reicht ihre Gewinne an die Eurostaaten weiter. Du siehst, das Geld ist nicht verschwunden. Leider ist das nicht die ganze Geschichte. Wegen der multiplen Geldschöpfung können die privaten Banken (das System als ganzes) diese 100.000 Euro bei der aktuellen Mindestreserve etwa 50mal verleihen. Also werden aus 100k fünf Millionen und die Verteilung der Zinsgewinne ist etwas anders:
      Anstatt 1000€/a EZB 1000€/a Angestellte 1000€/a Aktionäre liefert unser Geldsystem:
      1000€/a EZB 1000€/a Angestellte 148000€/a Bank/Aktionäre an Zinsgewinnen

      Was ich damit sagen will:
      Das Problem ist nicht das Geldsystem als solches (auch wenn es einige Probleme durchaus verschärft). Die Notwendigkeit einer immer steigenden Geldmenge und wie Sie erzeugt wird, sowie die Verteilung der Gewinne daraus macht ein Problem. Mit anderen Worten die Vermögensverteilung und die daraus erzielten Gewinne.

      Oder noch anders erklärt: Wenn das Geldsystem eines 1mio Einwohner land 100mio Geldeinheiten hat, dann ist das kein Problem, wenn jeder 100 Einheiten besitzt und die zu erwirtschaftenden Zinsen an die Zentralbank abgeführt werden und diese das Geld über den Staatshaushalt wieder in den Umlauf bringt. Probleme entstehen immer erst durch Konzentrationsprozesse bei Vermögen und Einkommen (die natürlich auch voneinander abhängen)

      Die multiple Geldschöpfung in Hand der privaten Banken dagegen ist ein riesiger Brandbeschleuniger (da sie zu einer starken Vermögenskonzentration bei den privaten Banken führt!) und wenn man denn schon seinen Kapitalismus haben und behalten will, dann wäre es sehr clever ihnen diese zu entreissen (siehe hierzu z.B. Vollgeldsystem – auch bei Wikipedia)

      Gruß,
      Jan”

      – Zitat Ende –

      Diese Sicht teile ich.

      Grüße
      SLE

      • Milominderbinder - 12. Juni 2012

        Hmmmm,
        ich würde noch etwas radikaler sein:
        Geld als solches ist eine Fiktion, die nur aufgrund der Übereinkunft aller derer, die Geld nutzen einen Wert hat.
        In dem Moment, wo man begonnen hat, Geld als “Rohstoff” zu behandeln, der einen in sich wohnenden Wert hat, wird, je mehr Geld hergestellt (gedruckt) wird, diese Übereinkunft immer fragwürdiger.
        Ein Brot, ein Kilo Kohle oder ein Kamel haben einen Wert – ein Geldschein ist ohne den ihm beigegebenen Vertrauen ein Stück hübsches buntes Papier, das schlechter als Wachs brennt, und sich auf dem Klo nicht gut benutzen lässt.

        Da setzt für mich die (Meta-) Krise an -es gibt unendlich viel Geld, das sich (beim Dollar seit den 80igern) scheinbar beliebig vermehren lässt, aber nur begrenzt reale Werte und Vertrauen, die dem Geld seinen Wert geben
        .
        Die Frage für mich ist, ob wenn z. B. der Euro kollabiert, das Grundproblem nicht schnell zu einem Flächenbrand wird – der Kaiser ist nackt, obwohl wir noch wunderschöne Kleider zu sehen meinen/wünschen.

        • Vandermonde - 13. Juni 2012

          Hier geht es um die Frage des persönlichen “Werts” oder um den “Wert” in einer vorausschauenden Transkation. Dabei baut man dann auf das Vertrauen, dass es eben in einer solchen Transaktion auch benutzbar ist, d.h. einen über die eigenen Person hinausgehenden “Wert” besitzt.

          Natürlich ist das bei einem Brot eher gegeben, hängt aber davon ab, ob die Person an die man das Brot transferieren möchte dieses auch gebrauchen kann. Und es ist möglich, dass, bevor ich eine entsprechende Person gefunden habe, das Brot verdirbt.

      • Roland - 13. Juni 2012

        @ SLE

        Marx brachte die Sache durch den Begriff “Überproduktion von Kapital” auf den Punkt.
        Und diese verursacht eben den periodischen Krach, den wir auch gegenwärtig erleben “dürfen”.

        • Bernd Rickert - 13. Juni 2012

          Marx war schön und gut. In Mexiko existieren noch Überbleibsel eines dem Marxismus ähnelndem Systems mit unzähligen Kleinbetrieben neben dem starken Einfluss der Kirche und einem traditionellen Patronatssystem.
          Marx scheitert an aufwendigen Produkten und langen Produktionslinien, die wegen ihrer Größe zentralstaatlicher Kontrolle unterliegen. Solche Kontrollsysteme bündeln Macht. Sie laden zu Machtmissbrauch ein. Marx ist outdated. In Europa wäre er schon wegen der high end Überwachungssysteme eine Katastrophe.

      • Bernd Rickert - 13. Juni 2012

        Wenn dann bei der 50fachen Kreditmultiplikation nur ein 1% des Geldes abwandert, erhöht sich die Multiplikation auf das 100fache. Bei aufgeblähten Bilanzen wird Liquidität für das Schaltergeschäft ein denkbar knappes Gut.

      • peterb - 13. Juni 2012

        “wenn jeder 100 Einheiten besitzt und die zu erwirtschaftenden Zinsen an die Zentralbank abgeführt werden und diese das Geld über den Staatshaushalt wieder in den Umlauf bringt. ”

        Hmmm … und wo sollen die Zinsen herkommen? Fällt das Geld der Zinsen vom Himmel? Es wurden doch nur 100 Mio. ausgegeben / verliehen. Auch die Zinsen können in diesem System wiederum nur durch neue Kredite, die wiederum zinsbelastet sind, geschöpft werden. Und was passiert, wenn Geld in Geldvermögen (was täglich passiert) transferiert wird? Geldvermögen ist kein Geld (ich kann mit Aktien keine Brötchen kaufen).

      • Hardy - 13. Juni 2012

        Hallo SLE,

        ein gangbarer (!!) Weg zur Reduktion der Geldschöpfung kann und muss die Erhöhung der EK-Quote sein. Und da rede ich nicht “von 4% auf 8%” sondern auf lange Sicht “von 4% auf 50%”, bspw. Was in der ganzen Diskussion um Geldschöpfung zudem immer wieder verdrängt wird: Billiges Geld verdrängt Humankapital. Je billiger das Geld, umso mehr Arbeitsplätze werden weg-rationalisiert; umso stärker ist der Druck auf Löhne und Gehälter. Dem wird sich irgendwann keine VW mehr entziehen können.

        Gruß,

        Hardy

  • RealTerm - 12. Juni 2012

    Dieser “Querschuss” hat Charme, weil er nicht klein/klein den einen oder anderen Lösungsweg krtisiert oder befürwortet, worüber dann wieder heftig gestritten werden könnte. Nein, dieser Querschuss stellt ganz grundsätzlich und allgemein fest:

    Das gegenwärtige System wiederherzustellem oder zu stabilisieren ist sinnlos, weil dieses System uns ja gerade in die jetzigen Ungleichgewichte geführt hat. Wer kann das bestreiten? Und dennoch klammern alle an das vorhandene System, aus Angst oder einfach weil man Profiteur ist.

    Welch ein Paradoxon!

    • Brtz - 13. Juni 2012

      Wäre es denkbar, das System wurde gerade durch die vielfältigen Eingriffe gestört? Wenn man das akzeptieren kann, gibt es eine Schule die Ihnen erklärt warum es so kommen MUSS. Vielleicht könnte man sich auch Argentinien als Beispiel vorknöpfen.

      • frank_meck - 13. Juni 2012

        Warum müssen denn Millionen von Menschen verarmen, damit ein instabiles System wiederhergestellt wird ? Hier ist ein weiteres Paradoxom – die materiellen Mittel, damit die Menschen nicht verarmen müssen, sind alle vorhanden (werden einfach stillgelegt bzw. dürfen durch irgendwelche Eigentumsrechte nicht benutzt werden).

  • M.E. - 12. Juni 2012

    Vergesst für die Zukunft alle Theorien der Wirtschaftswissenschaftler aus der Ära der ständigen Steigerung der Pro-Kopf-Verfügbarkeit an Energie und Rohstoffen.
    Die ausformulierte Theorie, die auf die Zukunfft der nächsten Jahrzehnte passen würde, gibt es noch nicht.
    Sie müsste sich auch prinzpiell von den Theorien der letzten 200 Jahre unterscheiden, um einen Bezug zur kommenden Realität zu haben.

    • alt-shift-x - 13. Juni 2012

      Ich bin immer skeptisch, wenn irgendwer behauptet er hätte eine passende Theorie, aber ich bin auch immer noch neugierig genug sie mir an zu sehen. Her damit.

      Im übrigen schliesse ich mich der Meinung von ME hier an “Die ausformulierte Theorie, die auf die Zukunfft der nächsten Jahrzehnte passen würde, gibt es noch nicht.
      Sie müsste sich auch prinzpiell von den Theorien der letzten 200 Jahre unterscheiden, um einen Bezug zur kommenden Realität zu haben.”

      Alle diese uralt Theorien passen nicht auf die derzeitigen ökonomischen, ökologischen sowie politischen Realitiäten.

    • kosh - 13. Juni 2012

      Wenn ich’s mir recht überlege: Die Masse will durchaus gerettet werden, aber nicht auf eigene Kosten – jeder ist sich selbst der Nächste

      Die Amis auf Kurs
      Grüsse
      kosh

    • Frank - 14. Juni 2012

      Hallo Petra,
      extrem gute Kommentare von Ihnen – Pflichtlektüre!
      Einige wollen die “Theorie” schon hören.
      Ein Stichwort würde mir reichen
      Danke und bitte weiterkommentieren

  • JL - 12. Juni 2012

    Sehr geehrter Ro,

    Sie schrieben unter anderem:

    “Merkel und Co., Obama und Co und all die Leuchter sind alles andere als naiv und nicht wissend. Selbstvertändlich sind sie bestens informiert… wissen exkt was und warum abläuft, dem ist sicher. War es immer.”

    Diese Leute sind wie Holzfäller, der Baum fällt garantiert- das wissen sie, man möchte nur die Fallrichtung bestimmen.

    Mit freundlichen Grüßen
    JL

  • Bernd Rickert - 12. Juni 2012

    Das Problem ist ganz einfach zu erklären:

    Staatsanleihen sind keine Zahlungsmittel.
    Staatsanleihen sind Schuldscheine.

    Placebos ersetzen nicht das Orginal, auch nicht wenn die Verpackung so aussieht.

  • Jörg - 12. Juni 2012

    Ich verstehe nicht, dass in diesem Beitrag die bekannten ökonomischen Mainstream-Schulen als mangelhaft erwähnt werden..aber nicht eine alte Schule als Ersatz in Betracht gezogen wird, die durch Ron Paul in den USA eine neue Renaissance erlebt:
    Die Österreichische Schule der Ökonomie. Sie ist Systemkritik vom Feinsten, analysiert sie doch unser “modernes” Geldsystem ausführlich und identifiziert es klar als die eigentliche Ursache der Krisen.

    1)Durch Geldschöpfung wird kein Kapital geschaffen. Geld ist nicht Kapital – es ‘steht’ für reales Kapital.Kaptial muss durch eine Kaptialtheorie beschrieben werden, um die Wirkung der Manipulationen von Geldmenge und Zins auf die Realwirtschaft verstehen zu können. Hierbei wird eine Krise als eine notwendige Folge des vorangegangenen Booms erklärt.

    2) Durch die Geldschöpfung aus Nichts des Teilreservesystems wird der Zinsatz KÜNSTLICH niedrig gehalten. Das vermehrte Geld landet ja als Sichteinlage auf Konten. Da es als solches keine Zinsen bringt, muss es in renditeträchtige Titel (Aktien, Anleihen etc.) investiert werden… Die Titel steigen im Preis, die Zinsen verringern sich entsprechend.

    3) Die Verringerung der Zinsen führt zu einer erhöhten Investionstätigkeit(künstlicher Boom). Es werden Projekte begonnen, die ohne künstliche Zinsverbilligung niemals ertragreich erscheinen würden. Die relativen Preise der Güter sind verzerrt. Eine Resourcen-Fehlallokation ist Folge: Die Schaffung der neuen Kapitalgüter entspricht nicht den eigentlichen Bedürfnissen der Konsumenten.

    4) Irgendwann wird deutlich, dass die Resourcen für die Projekte nicht ausreichend sind, von Konsumenten und Sparer nicht gestützt sind – die Krise ist die Folge, welche als Korrektur der Verzerrungen des vorangegangen Booms zu verstehen ist.

    5)Die Behauptung, die Zentralbank könne die Geldschöpfung und Zinshöhe richtig regulieren, ist die große Mär der Mainstream-Ökonomen. Sie kann es nicht! Eine zentrale Planungsbehörde ist niemals in der Lage die Einschätzungen aller Marktteilnehmer jemals zu wissen!

    Die Konjukturzyklustheorie der Österr. Schule führt zu dem zentralen Schluss:

    Wirtschaftskrisen gehören weder inherent zur Marktwirtschaft, noch entstehen sie unvermeidbar in einer Marktwirtschaft, die allgemeinen Rechtsprinzipien unterliegt, welche den wesentlichen Gesetzesrahmen konstituieren – eine Wirtschaft in der KEINE Privilegien zugelassen sind !!

    Wichtige Buchempfehlung:
    “Money, Bank Credit and Economic Cycles”,
    von Jesus Huerta de Soto.

    http://www.amazon.de/Geld-Bankkredit-Konjunkturzyklen-J%C3%A9sus-Huerta/dp/3828205321/

    (eine Übersetzung der englischen Ausgabe)

    Eine kurze Einführung von Roland Baader:

    • bolle - 13. Juni 2012

      Ich kann mich Jörg nur anschließen. Seit langem gibt es Erkenntnisse, warum Papiergeldsysteme crashen müssen – die Lehre der Austrians gehört dazu.

      Verinnerlicht man die Aussage von Ludwig von Mises (1881-1973), der da sagte:

      “Es besteht kein Mittel, den endgültigen Zusammenbruch eines Aufschwungs zu vermeiden, der verursacht wurde durch (Zirkulations-) Kreditausweitung. Die Alternative ist nur, ob die Krise früher kommt als Resultat eines freiwilligen Ablassens der weiteren (Zirkulations-) Kreditausweitung, oder später als eine endgültige Katastrophe des Währungssystems.”

      Es hat sich im Grunde genommen schon Anfang des neuen Jahrhunderts um 2001 & 2002 abgezeichnet, was kommt und sich jetzt langsam Bahn bricht. Man hätte eben nur schon damals – frühzeitig – über den Tellerrand der etablierten Theorien blicken müssen um festzustellen, daß sie nicht funktionieren.

      Aber was wollen wir verlangen: Solange nur Müll gelehrt wird, kann eben nur Müll herauskommen. Wenn an den Uni’s, etc. nur Keynes etc. gelehrt wird, dann wird das eben von den Studenten und späteren Eliten als allgemeingültiger Standard übernommen. Eigene Gedanken machen sich nur noch die wenigsten Studenten (und späteren Leader). Hinterfragen – was ist das denn?

      Und deshalb läuft es jetzt eben so wie es läuft.

      Es ist eben kein Platz für Alternativen – eben “alternativ-los”.

      Und deswegen ist klar was kommt. Laut obigem MIses-Zitat haben sich die Mächtigen für die zweite Möglichkeit entschieden.
      Es wird keine frühzeitige Kreditsummen-Kontraktion geben, das beweisen die Maßnahmen seit 2006. Also wird solange gerettet, bis der finale Crash da ist.

      Wahrscheinlich ist das auch genauso gewünscht von den Mächtigen – die Politiker sind nur ausführende Marionetten. Es wird alles getan, um die Menschen zu verarmen und die Sachwerte in den Händen weniger zu konzentrieren – alles aufgekauft entweder mit bedruckten, ungedeckten Zettelchen, die man auch noch selbst herausgibt oder über die Geldschaffung aus dem Nichts über Banklizenzen.

      Für die Interessierten an verschiedenen Geldsystem-Theorien sei die Smart Investor-Sonderausgabe “Gutes Geld” vom September 2011 empfohlen – hier gibt es einen ganzen Haufen an Denkanstößen.

    • Brtz - 13. Juni 2012

      In der Tat ist es nicht verblüffend? Wie oft ein “anderes” System gefordert wird, was offenbar nur “richtig” gesteuert werden muß. Es ist offenbar nicht akzeptabel die diversen Eingriffe als das Problem zu benennen. Ja in allen Büchern aus diesem Bereich wurde das was derzeit abläuft, genau beschrieben und auch warum es nicht funktionieren kann…..

      • SLE - 13. Juni 2012

        Hallo Brtz,

        die beiden ökonomischen Schulden, die gegenwärtig die Debatte prägen, sind die (liberale) Neoklassik und Keynesianismus. Egal ob klassische Theorie (etwa nach A. Smith), Monetarismus oder Neoklassik allgemein, es geht in diesen Theorien im Kern immer um sich selbst regulierende Märkte. Deswegen stehen diese Ansätze für “Nicht-Intervention”. Keynes ist derjenige, der mit seiner Theorie ein Interventionserfordernis begründete und vereinfacht ausgdrückt steht er für die Befürworter von “Intervention”.

        Das Problem ist, dass die neoklassisch-liberalen Ansätze Interventionen mit dem Hinweis auf die (Wachstum bewirkende) Selbstregulierung von Märkten negieren, es sich dabei aber nur um eine These handelt, die m. E. eine der empirisch meist widerlegten und damit unhaltbar ist.

        Hinweise darauf, wie sinnvoll interveniert werden könnte, lassen sich – nicht zuletzt aufgrund der realitätsfernen Annahmen der Neoklassik – aus der neoklassischen Theorie kaum ableiten. In jedem Fall aber ist die gefahr hoch, dass, so man ihnen folgt, nicht das dabei heraus kommt (insb. ewiges Wachstum), was gemäß Theorie dabei herauskommen müsste. Genau das ist es, was wir derzeit erleben müssen.

        Keynes Interventionsbegründung ist indes sehr begrenzt. Er hat ja auch keine grundlegend andere Erklärung für die Funktionsweise von Märkten entwickelt. Das war auch nicht das, worauf er überhaupt abzielte. Sofern man jedoch in der neoklassischen Erklärung von Märkten den zentralen Fehler sieht bzw. von die Selbstregulierungsthese verwirft, dann steht man auch bei Keynes vor dem Problem, dass man dann keine alternative Erklärung hat, die schlüssig erklärt, wie, wann und warum Interventionen welcher Art erforderlich sind, um Märkte so zu beeinflussen, dass sie nicht in Raubtierkapitalismus abgleiten oder verkrusten.

        Es geht hier also zunächst nicht um ein anderes System, sondern um die zutreffende Erklärung der Funktionsweise von marktwirtschaftlichen, von Wettbewerb gesteuerten Systemen. Deswegen habe ich im Aufsatz oben hervorgehoben, dass es mir um die gegenwärtige Form und Struktur des Marktsystems geht.

        Viele Grüße
        SLE

        • Brtz - 13. Juni 2012

          “Das Problem ist, dass die neoklassisch-liberalen Ansätze Interventionen mit dem Hinweis auf die (Wachstum bewirkende) Selbstregulierung von Märkten negieren, es sich dabei aber nur um eine These handelt, die m. E. eine der empirisch meist widerlegten und damit unhaltbar ist.”

          Wo bitte ist das empirisch widerlegt worden? Wo wurde irgendwann nicht eingegriffen? Die Selbstregulierung erfolgt genau dann wenn man sie lässt und je länger man Sie nicht lässt desto schlimmer wird die nachfolgende Anpassung. Das Regulativ was wir ohne Mühe hätten, nämlich kein Fiat-Geld wird uns überall verwehrt damit ist eine Selbstregulierung ausgeschlossen, weil eben ein Fiat-Geld system nur mit “Regulatoren” klappen kann. Es ist nicht selbstregulierende, die Geldmenge wird “extern” gesteuert und wenn es der Zentralbank gefällt ist von jetzt auf gleich 1 Billion mehr Geld “da”. Dieses wurde und wird von allen liberalen in der Form festgestellt. Die Neoklassiker und Monetaristen haben diese Sache NICHT übernommen.

          Das Fiat-Geld System mit dem Geldmonopol der Zentralbanken flankiert vom Gewaltmonopol des Staates sind “Eingriffe” und damit hat man hier alles außer einer Selbsregulierung.

          Das Problem wird uns so lange nicht verlassen solange diese Monopole nicht aufgehoben werden. Und so werden wir weit von einer Intervention zu nächsten “gezwungen”. Dazu auch:
          http://www.ortneronline.at/?p=17550

          • SLE - 13. Juni 2012

            Jeder Markt entwickelt sich. Er reift bzw. altert. Es treten Lerneffekte ein und es vollzieht sich ein Konzentrationsprozess, in dessen Zuge sich der Wettbewerb verändert. Letzteres negiert die neoklassische, wie auch die liberale klassische Theorie – also etwa auch Hayek. Das weiß ich, weil ich mich intesiv damit auseinandergesetzt habe.

            Wenn sich der Wettbewerb verändert und der Unternehmenskonzentrationsprozess auf Märkten fortschreitet, verliert er die Fähigkeit der Ausbalancierung der Kräfte. Einmal erreichte Markt- und Machtpositionen bestehen fort und in diesem Moment ist Selbstregulierung nicht mehr gegeben.

            Das ist es, was wir auf vielen hochkonzentrierten und von wenigen sehr großen Anbietern dominierten Märkten sehen und immer wieder sehen werden, wenn wir die Märkte sich selbst überlassen. Es diesbezüglich nicht ausschlaggebend, ob der Staat interveniert oder nicht. Selbst wenn er es – einmal hypothetisch unterstellt – nicht täte, so würde sich die beschriebene Entwicklung auf Märkten vollziehen. Das heißt, das Problem ist ein endogenes, es ist ein Markt- oder systemimmanentes.

            Viele Grüße
            SLE

          • Brtz - 13. Juni 2012

            “Wenn sich der Wettbewerb verändert und der Unternehmenskonzentrationsprozess auf Märkten fortschreitet, verliert er die Fähigkeit der Ausbalancierung der Kräfte. Einmal erreichte Markt- und Machtpositionen bestehen fort und in diesem Moment ist Selbstregulierung nicht mehr gegeben.”

            Und das klappt am Besten mit staatlicher Flankierung. Bisher hat es keine große Firma über Jahrhunderte gegeben, also tritt irgendwann etwas ein was eine Firma egal wie groß nicht mehr schultern kann. Dem kann man zusehen oder versuchen es aufzuhalten.

            Betrachten wir uns beispielsweise GM, so kann man ungeschminkt feststellen. GM in dieser Form gäbe es heute nicht mehr, wenn nicht der Staat die Protektion übernommen hätte. Wird GM deswegen “ewig” leben? Nein es wird irgendwann mit einem noch größeren Krach untergehen.

            Ja Sie haben recht “etablierte” haben Ihre Vorteile nur können Sie sie niemals auf Dauer halten. Banales Beispiel IBM. IBM hätte den PC Markt sicherlich dominieren können. Hat es aber trotz aller Größe nicht geschafft und Microsoft entstand. SAP hat klein angefangen vor gerade mal 40 Jahren und wurde ebenfalls von IBM Leuten gegründet. All das hätte IBM doch haben können, haben Sie aber nicht. Also gibt es immer irgendetwas über das man stolpert und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Andere Geschichte Apple war schon so gut wie Pleite und heute ist es mehr als eine Halbe Billion wert….

            Ich bevorzuge jederzeit die Geschichte von schwarzen Schwänen…. Und je mehr wir versuchen alles zu Planen umso sicher wird uns ein solcher “schwarzer” Schwan erwischen.

            Ich halte es für verkehrt einzugreifen Weder bei der Auflösung von Konzentrationen noch bei dem Aufbau derselben. Einfach nur KEINE Protektion durch staatliche Gesetze.

    • frank_meck - 13. Juni 2012

      @Jörg
      “Wirtschaftskrisen gehören weder inherent zur Marktwirtschaft, noch entstehen sie unvermeidbar in einer Marktwirtschaft, die allgemeinen Rechtsprinzipien unterliegt, welche den wesentlichen Gesetzesrahmen konstituieren – eine Wirtschaft in der KEINE Privilegien zugelassen sind !!”

      Es gibt doch laufend Krisen in der Marktwirtschaft. Argentinien, Russland, Asienkrise. Bitte nennen Sie eine Marktwirtschaft, in der es noch keine Krise gab.

      • Jörg - 13. Juni 2012

        Mit “Marktwirtschaft” ist hier nicht unser bestehendes Wirtschaftssystem gemeint!
        Wir haben nur eine Pseudo-Marktwitschaft – denn die grundlegenden Regeln, die erst eine
        Marktwirtschaft ermöglche, werden in unserem System in vielen Breichen verletzt: Geldschöpfung aus Nichts; Zwangsgeld; zentrale Planungsbehörden wie eine Staatsbank gehören nicht in eine Martkwirtschaft. Diese Institutionen verletzen die grundlegenden Rechtsprinzipien:

        Das Teilreservesystem verletzt die Eigentumsrechte der Einleger – die Kreditvergabe der Banken geht mit Geldschöpfung einher – dem Einleger wird suggeriert sein Geld sei da, obwowl x-mal verliehen.
        Gesetzliche Zahlungsmittel, also Zwangsgeld, verletzen die Vertragsfreiheit – es darf niemand ein alternatives, solideres Zahlungsmittel verwenden..
        Intervention einer Notenbank verletzen auch die Vertragsfreiheit. ..
        Auch das Haftungsrecht wird ausser Kraft gesetzt, wenn politisch opportun, wie in der aktuellen Euro-Krise deutlich ist. Staatliche Gesetze bedeuten eben nicht immer Recht – sie stehen dem Recht oft entgegen.

        In der Konjunkturzyklustheorie zeigen Hayek und Mises stringent wie aus der Verletzung von Rechtsprinzipien Wirtschaftskrisen notwendig entstehen. (siehe meine Buchempfehlung oben; sehr lesenswerte Rezensionen auf amazon)

  • klaus - 12. Juni 2012

    OffTopic:
    Roubini fordert 1000 Euro Urlaubsgeld für jeden deutschen Haushalt.
    Endlich mal ein Mann der Recht hat !

    http://wirtschaft.t-online.de/euro-krise-roubini-fordert-1000-euro-fuer-jeden-deutschen-haushalt/id_57134470/index

    Warum mich das freut?
    Exakt nur, weil es welche gibt, die sich über solche Sprüche ärgern.
    Und wenn wir jetzt Meck-Pom an den Russen verkaufen könnten,
    wäre die Sache perfekt !
    😉

  • Friedrich Rißmann - 12. Juni 2012

    Lest doch mal Prof. Antal E. Fekete (http://www.professorfekete.com/articles.asp). Für ihn ist das Schließen des Goldfensters 1971 der Urknall für die jetztige Entwicklung. Mit der Entfernung von Gold aus unserem monetären System fehlt der ultimative Schuldenlöscher. Unser Kreditgeld (ohne Gold) ist im Fiat Money unfähig zur Schuldenlöschung. Mit Schulden kann man schließlich keine Schulden löschen. Folge: Die Schulden wachsen (aber nicht nur) mit dem Zinseszinseffekt und können nicht mehr abgebaut werden. Das Schuldenwachstum ist also immer positiv. An der marginalen Produktivität der Schulden P lässt sich unsere jetztige Entwicklung dann sehr gut erklären. Je größer dieser Wert P, desto erfolgreicher ist eine Wirtschaft und das Wachstum der Produktivität. Für die Abnahme gilt das Gegenteil. Die Formel dafür lautet:

    P = (∆GDP/∆D) – 1

    ∆GDP: Änderung des GDP, ∆D: Änderung der Schulden (debt)
    Es gibt in dieser Gleichung 3 interessante Punkte: P > 0, P = 0 und P 0, d.h. ∆D < ∆GDP funktioniert das Wirtschaftssystem, die Produktivität steigt, was eine Rechtfertigung für die Schuldenaufnahme ist. Bei P = 0 folglich ∆D = ∆GDP ist die Funktionsgrenze erreicht, die Produktivität bzw. das Wirtschaftssystem stagniert. Wird jedoch
    P ∆GDP beginnt der Zerfall und die Auflösung des produktiven Kapitals. Eine weitere Schuldenaufnahme wirkt kontraproduktiv. In unserem monetären System ist das der endgültige Absturz. Wir befinden uns in diesem Bereich. Damit sind alle Maßnahmen im System
    (QE, LTRO, ESM usw.) nur Spielverlängerungen mit fatalem Ausgang, aber keine Lösung der Krise. Die Lösung der Krise ist die Rückkehr zu gesundem Geld mit der Fähigkeit zur Schuldenlöschung. Ich möchte betonen, dass diese Erläuterung auf Gedanken von A. Fekete beruhen.

  • A.Leuthner - 12. Juni 2012

    @Heinz Göd
    @JL

    betreffend der Langwelligkeit der Konjunktur/Finanzzyklen würde ich statt den Elliott Waves doch eher Kondratieff bemühen. Auch wenn seine Kurven mangels konkreter Definition der y-Achse (seine Kurve spricht nur von Zyklik, definiert jedoch die Amplitude nicht in einer überprüfbaren bzw. einzuordnenden Masseinheit) wissenschaftlich eigentlich nicht sonderlich gut zu gebrauchen sind, spiegeln sie die fühlbare Realität erstaunlich gut wieder.

    Wieder einmal ein überragender Artikel auf Querschuesse.de. Vielleicht verirrt sich doch einmal ein beratungsresistenter Politiker hierher, dem bei der Lektüre mal ein Lichtlein aufgeht. (Ich weiss, die Hoffnung stirbt zuletzt)

    Gruss
    A.Leuthner

  • bauagent - 12. Juni 2012

    Wer nicht schon ” verseucht ” ist durch Gliobalisierung und Gleichmachung der Geschlechter, die uns als Gleichberechtigung verkauft wird, wer aus soziologischer Sicht sich mit dem Geldsystem beschäftigen möchte, dass das 3500 Jahre alte Zinseszins – Kreuz auflöst, der sollte sich einmal mit Silvio Gesell beschäftigen.

    Er verknüpfte Oekonomie mit Soziologie und kommt zu verblüffend logischen Schlüssen.

    Volkswirtschaft kann realtiv einfach sein, man muss nur diejenigen, die seit 3500 Jahren mit Waffen und erschlichenen Zinseszinsen ganze Staaten kaufen und kontrollieren davon überzeugen, dass auch sie ohne Änderungen keine Zukunft haben.

    Bereits in der damals üblichen Bildersprache finden sich Überlieferungen aus dem Neuen Testament ( einschl. Jesus ) über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Die heutigen Fehlinterpretationen der Denker früherer Zeiten durch die aktuellen Führer der Sekten, die sich Katholiken oder Christen ,.Muslime und Juden nennen sind auch nur auf dieses aktuelle Geldsystem zurück zu führen.

    Eine Leseprobe:

    http://www.silvio-gesell.de/html/lp05_geld_zins_kapitalismus.html

  • msd - 12. Juni 2012

    Jetzt wird querschuesse.de also auch von den Geldpfuschern als Plattform benutzt – Glückwunsch.
    An alle, die allen Ernstes immer noch glauben, das Geld- bzw. Zinseszins-System sei der Kern der Problematik:
    Geld ist Verdinglichung produktiver Arbeit, der Zins ist eine Abgabe auf geliehenes Geld, der Zinseszins wird nur fällig, wenn geliehenes Geld nicht zurückgezahlt werden kann.
    Es MUSS daher ein Problem in der Produktionssphäre vorliegen, die aus irgendeinem Grund selbst tragende Akkumulation unmöglich macht, ansonsten müsste sich doch niemand über Gebühr verschulden und der ganze Schlamassel begänne erst gar nicht.

    Das Zinseszins-System genau wie Probleme der Geldschöpfung sind nun wirklich für jeden ersichtlich nachgeordnete Auswüchse, problematisch, aber eben nicht die systemische Grundlage der Krisenhaftigkeit der Marktwirtschaft, besser des Kapitalismus.
    Zins ist eine Gebühr auf geliehenes Geld, Zinseszins quasi eine Strafgebühr. Eine gesunde Volkswirtschaft hat damit kein Problem.

    M.E. gibt es drei krisenhafte Entwicklungen. Die eine, große, besteht seit Jahrzehnten: Obwohl es mit den weltweiten Produktionskapazitäten (inkl. Logistik etc.) leicht möglich wäre, allen Menschen auf der Welt eine sichere materielle Existenz zu gewährleisten, müssen massenhaft Menschen in Slums vegetieren oder gar verhungern.

    Die zweite sind die derzeitigen Defizitkonjunkturen, die seit 3 bis 4 Jahrzehnten sich zunehmend in die kapitalistischen Zentren fressen.

    Die dritte besteht in der Zerstörung der natürlichen Existenzgrundlagen durch die kapitalistische Produktionsweise.

    Um alle drei Krisen zu lösen, müssen im Grunde zwei grundsätzliche Fragen beantwortet werden:

    1. Wie lässt es sich bewerkstelligen, dass ALLE Menschen am Produktionsprozess beteiligt werden?

    und

    2. Wie lässt sich der notwendige Produktionsaufwand etc. so organisieren, dass dabei die natürlichen Existenzgrundlagen des Menschen (und aller anderen Geschöpfe) erhalten bleiben?

    Aus meiner Sicht sind Antworten darauf nur außerhalb der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsorganisation (die ja auch – sehr verkürzt- Folge des Kapitalverhältnisses ist) zu finden, würde mich aber gern eines besseren belehren lassen.
    Wenn denn die Marktwirtschaft wirklich gerettet werden soll (warum eigentlich?), dann müsste im Grunde geklärt werden, wie man es hinbekommen will, dass sie ihre eigenen Mechanismen überwindet ohne selbst überwunden zu werden.
    Die Absurdität dieser intellektuellen Akrobatik weist darauf hin, dass es – wer weiß – einfacher wäre, die Marktborniertheit mal kurz abzulegen und zu überlegen, ob es nicht vielleicht andere Wege gibt, Wirtschaft dem Wohl der Menschen unterzuordnen, was mit Geld-, Lohn-. und Konkurrenzwirtschaft (und v.a. Kapitalverhältnis) eben kaum zu vereinbaren ist.

    • bolle - 13. Juni 2012

      MSD:
      “… An alle, die allen Ernstes immer noch glauben, das Geld- bzw. Zinseszins-System sei der Kern der Problematik:
      Geld ist Verdinglichung produktiver Arbeit, der Zins ist eine Abgabe auf geliehenes Geld, der Zinseszins wird nur fällig, wenn geliehenes Geld nicht zurückgezahlt werden kann. …”

      Klar ist Geld Verdinglichung produktiver Arbeit. Nur der Zins und Zinseszins ist eben vielleicht doch ein wesentlicher Teil des Problems:
      Durch die fallenden Zinsen über die letzten 20 Jahre war es möglich, immer mehr Geld zu gleichen Kreditkosten aufnehmen zu können. Jetzt, wo die Zinsen in Teilbereichen nach oben drehen (z.B. PIGS-Staatsanleihen), wird die Misere offensichtlich. Die Kreditkosten steigen und lassen damit weniger Spielraum für eine Tilgung. Es braucht nicht allzu viel an Steigerung, bis die Zinsen große Teile der freien Geldmittel auffressen – viele private Subprime-Schuldner sehen das jetzt.
      Insofern kommt den Zinsen, wenn sie denn irgendwann wieder steigen (und wir befinden uns mitten in der Trendwende), eine doch ansteigende Rolle zu. Die Höhe der Zinsen wird darüber befinden, wie teuer ein Kredit wird.

      Und das Geld hat noch eine wesentliche Funktion verloren: Die als Wertaufbewahrungsmittel.
      Es ist nicht mehr zielführend, seine Lebensarbeitsleistung in Geld zu konservieren, weil man laufend Kaufkraft verliert. Hier greift der Staat über die verdeckte “Inflations-Steuer” nochmals und ganz unbemerkt in die Geldbörsen der Bürger.

      Es muß in diesem Zusammenhang erlaubt sein, das staatliche Geldmonopol in Frage zu stellen. Wäre es nicht sinniger, Free-Banking zuzulassen, bei dem es viele verschiedene Währungen gibt und sich der Bürger entscheiden kann, welches Geld er bevorzugt?

      Wahrscheinlich würde relativ schnell “schlechtes Geld” verschwinden und sich gutes, wertstabiles Geld durchsetzen …

    • Ert - 13. Juni 2012

      Danke für diesen Beitrag.

      Auf den Trichter das das Zinseszinsproblem vorgeschoben ist bin ich auch erst später gekommen – rein Saldenmechanisch fehlt auch gar kein Geld, da die Banken die Zinseinnahmen bilanziell verbuchen und dann wieder als Löhne und Gewinne ausschütten. Dann gibts ja auch noch Ab

    • Ert - 13. Juni 2012

      Danke für diesen Beitrag.

      Auf den Trichter das das Zinseszinsproblem vorgeschoben ist bin ich auch erst später gekommen – rein Saldenmechanisch fehlt auch gar kein Geld, da die Banken die Zinseinnahmen bilanziell verbuchen und dann wieder als Löhne und Gewinne ausschütten. Dann gibts ja auch noch Abschreibungen etc. Das große Problem ist hier eher, das normale und notwendige “korrigierende” Abschreibungen nicht vorgenommen, sondern versteckt werden!

      Eines der Hauptprobleme ist meiner Ansicht nach die Kapitalakkumulation bei einigen Wirtschaftssubjekten. Das der “Staat” dieses in diesem Maße zulässt und nicht steuert, z.B. über Steuern, halte ich für eines der Problemkomponenten. Zudem bilden sich immer mehr Marktbeherschende Mono- und Oligopole und es werden Markteintrittsbarrieren für Neueinsteiger, Einzel- und Kleinunternehmen errichtet (wie zuletzt auch bei Schlachtern).

    • SLE - 13. Juni 2012

      Hallo msd,

      es ist natürlich richtig prinzipiell andere Systemformen in solche Überlegungen mit einzubeziehen. Es ist auch in jedem Falle richtig, dass man nicht alles dem Markt – so wie ihn sich die herrschende ökonomische Theorie vorstellt – zu unterwerfen. Es gibt viel zu viele Leistungen, die nicht auf Märkten handelbar sind und wo dies auch nicht sinnvoll wäre.

      Andererseits hat die wettbewerbliche Marktwirtschaft – so sie wirklich richtig funktioniert – auch Vorzüge. Sie fördert Leistung und Entwicklung unserer Gesellschaft. Gegenwärtig trifft das nicht zu. Insofern ist die naheliegende Frage: Warum ist das so? Woran liegt es?

      Die Form und Struktur der Marktwirtschaft, die wir heute haben, ist nicht vom Himmel gefallen. Wir haben sie uns selbst geschaffen und zwar – was der entscheidende Punkt ist – nach den Blaupausen der herrschenden liberal-neoklassischen ökonomischen Theorie.

      Das Problem ist doch zunächst einmal darin zu sehen, dass sich jetzt herausgestellt hat, dass diese Theorie bzw. Blaupause bzw. dieser “Konstruktionsplan für eine prosperierende, faire Marktwirtschaft” mit gravierenden Fehlern behaftet ist und deswegen so nicht aufgeht, sondern über die Jahre in massive wirtschaftliche Probleme und systemische Instabilität führt.

      Die ersten Fragen, die wir uns deswegen stellen müssen, sind: Was ist falsch gelaufen? Warum ist falsch gelaufen? Können wir das ändern? Wie können wir das ändern?

      Für die Beantwortung dieser Fragen bedarf es besserer bzw. genauer gesagt zutreffender Erklärungen für die Funktionsweise von wettbewerblichen Märkten.

      Das ist m.E. keine unlösbare Aufgabe. Ich habe mich ja auch selbst schon intensiv damit beschäftigt und einen alternativen Erklärungsansatz erarbeitet. Ob man das jedoch will oder lieber gleich ein anderes System vorzieht, ist definitiv eine politische und gesellschaftliche Entscheidung.

      Der alte Satz, “Entweder man will die Wettbewerbswirtschaft oder man will sie nicht”, hat mit dem Scheitern der Theorie, auf der er gründet, seine Gültigkeit verloren. Wenn Märkte nicht selbstregulierend, keine sich immerfort selbststeuernden Prozesse sind, die deswegen ein Intervenieren gar nicht erforderlich machen und mehr noch es verbieten, wenn man nicht “Wohlfahrtsverluste” inkauf nehmen will, dann gibt es kein “entweder … oder”. Wenn man die wettbewerbliche Marktwirtschaft will, dann stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen sie das tut, was wir uns von ihr erhoffen. Und das bedeutet mithin, dass sich diejenigen, die für eine Volkswirtschaft und damit für die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft die Verantwortung tragen, diese Frage jeden Tag neu stellen und dafür sorge tragen müssen, dass diese sich im Zuge der Entwicklung fortlaufend verändernden Voraussetzungen erfüllt werden.

      Freilich, dass setzt ein ganz anderes Marktverständnis voraus als das, welches wir gewohnt sind. Aber Umdenken ist nun einmal in jedem Fall eine Voraussetzung für Veränderung.

      Viele Grüße
      SLE

    • Bernd Rickert - 13. Juni 2012

      Turbokapitalismus

      Ihre Vorstellung vom Kreditsystem ist zu kurz gedacht.
      Wenn sie nur eine geliehene Ursumme+Urzins zurückzahlen, zahlt der nächste Kreditnehmer für die Kreditsumme ihre Ursumme+Urzins+Zinseszins zurück. Das Zinseszinssystem funktioniert nicht auf Basis von Individualkrediten.
      Dieses Beispiel beruht auf einer 1:1 Auszahlung von Bankeinlagen. Tatsächlich übersteigen Kreditvolumen Bankeinlagen um ein Vielfaches, da die Liquidität nur ungenutzt auf der Bank ruhen würde. Die Dunkelziffer lag meines Wissens beim 20fachen – 25fachen. In einem vorigen Kommentar, ich denke M.E. war’s, wurde das 50fache als Multiplikator beziffert. Dies ist wegen des elektronischen Zahlungsverkehrs eine durchaus schlüssige Behauptung.
      Einerseits kommt dieser Multiplikator zustande, weil viel weniger Liquidität im Schaltergeschäft benötigt wird als an Einlagekapital vorhanden ist. Andererseits fließt der an sie ausgezahlte Kredit über die Bezahlung der einer gekauften Ware wieder auf die Bank zurück und kann sofort wieder verliehen werden.

      • dank - 13. Juni 2012

        “Wenn sie nur eine geliehene Ursumme+Urzins zurückzahlen, zahlt der nächste Kreditnehmer für die Kreditsumme ihre Ursumme+Urzins+Zinseszins zurück.”
        … and so on… and so on.
        Durch Zinsen und deren Kinder entsteht ebenfalls Druck ständig mehr zu erwirtschaften, um die Renditewünsche der Kapitalgeber zu befriedigen.

        Gesetzt den Fall es gib keinen Zins und dafür eine ständige Deflation von 0,5 % – wer würde denn noch sparen und nicht das Geld ausgeben oder investieren (aber hier nicht gegen Zinsen, sondern in Form von realen Beteiligungen, die nicht relative Rendite zum eingesetzten kapital bring)
        Dazu wird den Banken untersagt aus dem Nichts (ok, 1:50) Geld zu schöpfen, Geld darf nur von Staat ausgegeben werden.

        Bei der Suche danach was ich meine, bin ich jetzt bei Pierre-Joseph Proudhon, Silvio Gesell und
        Margrit_Kennedy samt “Umlaufgesichertes Geld” usw. gestoßen.

        Die Wahrheit und Lösung ist mit Sicherheit kein bereits vorhandenes, System sondern eine Mischung aus unterschiedlichen Theorien.
        Interessant wäre hier natürlich auch, was passiert, wenn ein anderes System als das vorherschende eingesetzt wird, in der Außenwirkung?

  • JL - 12. Juni 2012

    Sehr geehrter Hr A.Leuthner,

    betreffs Ihrer Argumentation zu dem russischen Wissenschaftler Kondratieff möchte ich Ihnen natürlich zustimmen, daß dieses gegenwärtige Tief auf Grund dessen Berechnungen vorhersehbar war, das Minnimum wird wohl 2014 erreicht sein. Die langwelligen Perioden von Aufschwung und Stagnation sind aber auch- geschichtlich betrachtet- in den Elliott- Wellen erkennbar. Diese Elliott- Wellen bilden- eben auf Grund geschichtlicher Betrachtetung- drei Zeiträume dar.
    – ca 7 bis 11 Jahre
    – ca 70 bis 75 Jahre
    – ca 350 Jahre

    Die römische Geschichte ist hierzu sehr gut geeignet.
    Sehr gut geeignet ist auch die deutsche Geschichte ab Kaiser Otto I.
    Sehr beachtenswert ist auch Englands Aufstieg und Fall.

    Ich wünsche Ihnen viel Freude beim “Herumstöbern” hierzu.

    Mit freundlichen Grüßen
    JL

  • Freiberufler - 13. Juni 2012

    Die Wirtschaftswissenschaften produzieren Mietmäuler, die sich für Politik und Banken prostituieren. Von diesen “Experten” kommen nur politisch korrekte Vorschläge zur Insolvenzverschleppung. Die Theoreme werden so geschneidert, dass sie Bankensozialismus, Casinokapitalismus und Schuldenexzesse legitimieren. Da geht es nicht um Meinungen, sondern um Interessen. Gerade im Zuge der Eurokrise haben selbst prominenteste Namen ihre Reputation verkauft. Das DIW publiziert in seiner Hauspostille nur noch Durchhalteparolen und Propaganda. Für ein vermeintlich führendes Wirtschaftsforschungsinstitut ist das nur noch peinlich.

    Vor diesem Hintergrund genießt Hans-Werner Sinn meinen höchsten Respekt, dass er sich dermaßen aus dem Fenster lehnt und die Probleme klar und brillant analysiert. Aber die Politik übt sich weiterhin in Realitätsverweigerung und bietet ihre Mietmäuler auf.

    • Roland - 13. Juni 2012

      @ Freiberufler

      Alle sind sie bankrott – auch Prof. Sinn.
      Er hatte durch jahrelange Propaganda der neoliberalen Theoreme (Gürtel enger schnallen, Wettbewerbsfähigkeit steigern….) die Ungleichgewichte in Europa mit herbei geredet und geschrieben.

      • Freiberufler - 13. Juni 2012

        Ja, Sinn hat schon Mist erzählt. Aber sich zu irren ist etwas anderes als Gefälligkeitstheoreme abzuliefern. Mietmäuler plärren für die Eliten, die vom Status Quo profitieren.

        Ein Streitgespräch zwischen Enderlein und Starbatty im Jahr 2010:

        Fachmann vs. Mietmaul. Doch wer wurde vom Bundestag als Experte angehört? Enderlein.

  • T.o.J. - 13. Juni 2012

    Wir haben viel zu grosse Banken , Versicherungen , mono(oligo)polistische Industrien !!

    Unsere sogennanten FinanzEXPERTEN beten das DOGMA ihrer Wissenschaften tagein tagaus doch alles ändert sich zum schlimmeren für die Bevölkerungen der Staaten. Nicht die Ursachenfindung- und bekämpfung ist das Ziel sondern der Erhalt des Status Quo. Dies zeigt wie starr und manipulativ unser System ist.
    Um etwas zu verändern braucht es Überzeugung ,Geduld, einen starken Willen , ein klar definiertes Ziel(e) und viele Mitstreiter!
    Leider verlaufen grosse Veränderungen (wie auch die Geschichte zeigt) selten friedlich und auch heute besteht die grosse Gefahr das sich die Krise ín etwas völlig unkontrolliertem verwandelt. Einsicht dürfen wir wohl von den Herrschenden nicht erwarten!!!

    • frank_meck - 13. Juni 2012

      Je länger am Erhalt des Status Quo gearbeitet wird, desto schlimmer werden die Auswirkungen der Krise auf die Menschen. Aber zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gibt es die Möglichkeit, bewusst eine Veränderung der Gesellschaft herbeizuführen, wie auch hier einige Beiträge zeigen. Leider befinden wir uns immer noch in der Phase der Aufklärung.

  • G.mont - 13. Juni 2012

    Die Unausschöpfbarkeit der sich ständig selbst erneuernden Weltresourcen ist sicher mit weitem Abstand die gigantischste Wertschöpfung. Ganz ohne Menschen. Alleine der jährliche Zyklus des Wachsens und Vergehens auf der Erdoberfläche ist ein unausmessbarer Reichtum. Vielleicht ist es der einzige Ort im Kosmos wo dies so stattfindet. Für uns sicher.
    Die heutige Wirtschaft und Wissenschaft tut so als könnte sie beliebig in diese Weltvorgänge eingreifen und sie beliebig für ihre Zwecke manipulieren. Meiner Ansicht nach steht ein globaler Paradigmenwechsel bevor: Anpassung unserer Existenz an die Wirklichkeit der sich selbst ständig erneuernden Weltresourcen und die Einmaligkeit unserer Welt. Damit wird unser Wirtschaften auf ein neues festes und auch schönes Fundament gesetzt. Auch die Begabung des Menschen am Produzieren und Wirtschaften muß hier sinnvoll Platz finden. Die Wirtschaftswissenschaften sollten auch solche Gedanken in ihre Arbeit einfliessen lassen.

    PS: die Charts sind der Hammer

  • Bernd Rickert - 13. Juni 2012

    Persönlich sehe ich nur, dass das System nicht hält, was es verspricht. Ein System, dass nicht funktioniert oder noch schlimmer auf Betrug aufbaut, brauche ich nicht. Von Händschütteln ist noch keiner satt geworden. Die Menschenrechte sind ein gutes Werk, in gutem Glauben erarbeitet. Hielte das System sich daran, gäbe es diese Krise vielleicht nicht. Der Betrug am Menschen durch die sich selbst rekrutierenden Pseudo-Eliten ist unerträglich.

    • Heinz Göd - 16. Juni 2012

      @Bernd Rickert
      Von den Menschenrechten wird mensch auch nicht satt.
      Das ‘Recht auf Arbeit’
      spiegelt die kapitalistische Sicht auf die Welt wieder
      ist in der kapitalistischen Marktwirtschaft nicht einklagbar und somit das Papier nicht wert, auf dem es steht, siehe
      http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_Arbeit
      Wir werden da wohl etwas Besseres erfinden müssen.

  • frank_meck - 13. Juni 2012

    @Bernd Rickert
    ” Hielte das System sich daran, gäbe es diese Krise vielleicht nicht.”

    Ein Satz genügt ja schon – Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wird jeden Tag milliardenfach gebrochen.

  • Oeconomicus - 13. Juni 2012

    Wer den Euro-Katechismus nicht täglich herunterbetet, sondern hinterfragt, wird dämonisiert oder mit den bekannte “Keulen” bedroht.
    Für mich ist dies Ansporn, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen. Mein Aufsatz “Semantische Abenteuer – WELTen” befasst sich mit einem einseitigen Traktat der Welt am Sonntag, mit dem man pseudowissenschaftlich versuchte, die schwelende Debatte um einen Euroausstieg seitens D’s zu vergiften:
    http://www.fortunanetz.de

  • sadoma - 13. Juni 2012

    Dank Herr Eichner,

    >Es ist ein besonderes Problem und Hemmnis bei der Überwindung der Krise, dass sich die >führenden linken und rechts-Konservativen Parteien in den Industrienationen traditionell und >dogmatisch an jeweils eine dieser beiden führenden ökonomischen Schulen gebunden >haben. So lange sich nicht zumindest daran etwas ändert oder diese Parteien von einer >anderen, nicht einer dieser beiden Lehrmeinungen verhafteten Partei bei Wahlen überflügelt >werden, steckt die Krisenbewältigung fest.

    Mit dieser Analyse haben Sie den Nagel auf dem Kopf getroffen.

    Die politischen Lager diskutieren mit Denkmustern der Vergangenheit und können daher keine Zukunft schaffen. Dabei wäre die Suche nach den neuen Denkmodellen so einfach. 1.) Auf die Suche gehen nach renomierten, alimentierten, Denkern die die Krise aufgrund Ihres neuen ökonomischen Denkmodells vorhergesagt haben. Nach meinem wissen gibt es da nur ZWEI. 2:) Sich anschauen ob Sie aufgrund Ihrer Analyse auch Vorschläge zur Lösung der Krise unterbreiten die kohärent mit Ihrer Analyse sind.

    Hier sehe ich nur noch EINEN.

    > Was wir heute brauchen, ist ein neuer „Keynes“, eine neue, treffende Erklärung der Krise .

    Steven KEEN sollte man sich diesbezüglich unbedingt sehr intensiv anschauen/anhöhren. Er ist im deutschsprachigen Raum leider aufgrund der mangenden Übersetzung seines Werkes noch weitgehend unbekannt. In anglophilem Raum beginnt man die Bedeutung seiner Forschung schneller zu begreifen.

    Für alle Interessierten: http://www.debtdeflation.com/blogs/

  • unglaublich - 13. Juni 2012

    http://www.humane-wirtschaft.de/wp-content/uploads/2009/01/kremer_volkswirtschaftslehre.pdf

    Hier ein Link über eine .pdf mit einem weiteren Erklärungsversuch wo der Fehler im System ist.

    Passt an sich gut zum Thema und schlüssig erklärt.

    • Heinz Göd - 16. Juni 2012

      @unglaublich
      Ja, ein guter Link:
      Prof. Kremer tippt auf eine Schwachstelle des Geldsystems.
      (meines Erachtens ist das Modell nicht ganz sauber modelliert,
      hebt sich aber in der Gesamtrechnungwieder heraus )
      Dr.H.C.Binswanger hat in den 1990-er anhand eines
      einfachen RechenModells für die kapitalistische Marktwirtschaft befunden:
      “Ein Wirtschaftssystem mit Geld und Zins muss wachsen(=zunehmen),
      ein Lauf auf gleichbleibender Höhe ist nicht möglich.”,
      dargelegt im Buch ‘Geld und Wachstum’ (1994).
      2008 kommt auch Dr. Jürgen Kremer zum gleichen Ergebnis,
      siehe
      Ihr Link
      oder auch
      http://www.deweles.de/files/mathematik.pdf
      Kremer zeigt in seiner Berechnung auch, dass die
      ‘Umverteilung von unten nach oben’ zwangsläufig ist;
      das zugehörige RechenProgramm:
      http://rheinahrcampus.de/fileadmin/prof_seiten/kremer/applets/DynamicAnalysis/AppletDynamicAnalysis.html
      Er kommt zu dem Schluss:
      “Alternativen zu unserem zinsbasierten Finanzsystem
      sollten ernsthaft diskutiert, entwickelt, experimentell erprobt
      und schließlich umgesetzt werden.”
      Überlegungen zu alternativen Wirtschaftssystemen
      gibt es bereits, eine Zusammenstellung ist auf
      http://home.pages.at/goedhe/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
      Vielleicht ist das richtige noch nicht dabei,
      dann müssen wir eben noch weitersuchen.

  • Heiner Hannappel - 13. Juni 2012

    Griechenland-Portugal-Irland-Spanien,wer folgt?Alle?Na dann her mit den Eurobonds!
    Das europäische Haus ist zu einer Bruchbude verkommen,die das Eurodach nicht mehr (er)tragen kann!Aus den herunterfallenden Schindeln werden Herzchen geschnitten, um die Anleger von der Qualität des Hauses zu überzeugen.Drinnen sitzen vor Angst bibbernd die Bewohner ,an die man seitens der ohne Lizenz arbeitenden Erbauer Regen/Rettungsschirme verteilt hat nebst Ouzo,der früher umsonst,nun teurer zum Warmhalten bezahlt werden muss!
    So, nun ist es passiert,dass Undenkbare,die viertgrößte Euronation Spanien schafft es nicht mehr alleine und kriecht unter den Rettungsschirm!!!Wer folgt?
    Nur zu,Deutschland steht zu weiteren Risikoübernehmen schon voller Freude,zur Freude aller in den Startlöchern !
    Wer spannt denn für uns Deutsche den Rettungsschirm,wenn uns die Solvens ausgespannt wurde?So macht man das: sämtliche Kriterien werden erst einmal aufgeweicht,relativiert,bestehende Verträge ignoriert,gar in den Papierkorb geworfen! So gerüstet schiebt man den schwarzen Peter an solider wirtschaftende Staaten wie Deutschland um sich an dessen Gesparten zu laben,es auszusaugen, bis es genauso pleite ist ,wie man selbst.Dann lohnen sich für das ausgeplünderte Land letzten Endes auch Eurobonds.Zu diesem fiesen Ziel übt man gehörigen Druck aus.Schafft man’s nicht , ist Deutschland an allem schuld,na prima,egal wie ,Hauptsache,man gewinnt Wahlen wie in Frankreich.Sogar die USA,über der ständig die Pleitegeier kreisen und ihr Vasall Großbritannien,ebenfalls bis zum Hals auch bei Deutschland verschuldet mischen sich ungebeten dreist ein! Das ewige demokratische Spiel, nur in Legislaturperioden zu denken ist erkennbar der unangenehmste Schwachpunkt jeder Demokratie!
    Heiner Hannappel
    Raiffeisenstrasse 63
    56072 Koblenz
    Tel:026122287
    E-Mail : heiner.hannappel@gmx.de

  • A.Leuthner - 13. Juni 2012

    Hallo JL,

    wenn man sich die Elliott-Wellen wie Sie beschrieben haben über mehrere Geschichtsepochen und mit den angegebenen Frequenzen anschaut, haben Sie sicherlich recht, dass man damit, analog zu Kondratieff, zyklische Begebenheiten der jüngeren und auch älteren Zeitgeschichte sehr gut nachvollziehen kann. Ich persönlich verbinde mit dem Begriff der Elliott Wellen allerdings eher den Typus Trader, der Trendwellen der Verrgangenheit einfach nur mathematisch in die Zukunft fortschreibt – sprich Kaffeesatzleserei ohne Berücksichtigung kurzfristiger Trends, Geschäftsmodellen, allgemeiner Due-Dilligence etc.etc..
    Deren Fehler ist meiner Ansicht nach, dass häufig nur kuzfristige Bewegungen der Charts erfasst werden, die historische Dimension mit langen Wellen nur unzureichend zum Tragen kommt. (Oftmals auch nicht zum Tragen kommen kann, da es die meisten Aktienunternehmen auf kaum mehr als zwei / drei Sinuswellen bringen können!)

    Ich denke, wir sind beide der Ansicht, unabhängig des theoretischen Ansatzes, dass die vorhandenen finanzwirtschaftlichen Unpässlichkeiten absoulut kein Neuland der Menschheitsgeschichte darstellen, sondern sich in unterschiedlichen Zyklen wiederholen; von daher aber auch ansatzweise vorhersehbar und begreifbar sein sollten. Dies soll nicht bedeuten, dass Krisen generell abzusehen und verhinderbar seien, gleichwohl sollte sich niemand erdreisten, alternativlos auf die Unvorhersehbarkeit mancher Geschehnisse zu verweisen.

    Ich wünsche einen schönen Tag!

    Gruss
    A.Leuthner

  • bauagent - 13. Juni 2012

    Zitat msd

    “Jetzt wird querschuesse.de also auch von den Geldpfuschern als Plattform benutzt – Glückwunsch.
    An alle, die allen Ernstes immer noch glauben, das Geld- bzw. Zinseszins-System sei der Kern der Problematik:
    Geld ist Verdinglichung produktiver Arbeit, der Zins ist eine Abgabe auf geliehenes Geld, der Zinseszins wird nur fällig, wenn geliehenes Geld nicht zurückgezahlt werden kann.”

    Eine Diskussion, lieber msd, besteht aus Meinungsvielfalt. Dass Querschuesse Ihrer Meinung nach von Geldpfuschern missbraucht wird, zeugt nicht gerade von hoher Akzeptanz einer Meinungskultur und dieskreditiert Sie als Gesprächspartner.

    Genau diese Ablehnung hat uns dahin geführt, wo wir heute sind. In einem Geldsystem, dass im Eismeer Krabben fischt, sie in Hamburg gekühlt auf Frachter verbringt, in Marokko pult um sie dann in Deutschland zu essen.

    Herzlichen Glückwunsch, die volkswirtschaftliche Mechanik geht ja auf. Geht auch die soziologische Betrachtung dieses Zusamenhangs auf?

    Ich würde Ihnen empfehlen den soziologischen Aspekt leistungsloser Arbeit ( Verzinsung von Kapital durch Urzins und Zinseszins ) in Verbindung mit dem Umverteilungseffekt einmal genauer anzusehen.

  • Heiner Hannappel - 13. Juni 2012

    Man kann sie nicht aussen vor lassen ,die falsche Weichenstellungen von Anfang an!

    11.06.2012
    Ich sorge mich!
    Teil 3
    Das nun sichtbare Scheitern der Euro Währung zeigt auch das Scheitern der Vision eines einigen Europas an.Um das Klima der Zeit zu schildern, in dem der Wille zu einem einigen Europa entstand, gehört auch ein Blick über den Teich.So fange ich mit meinen Begründungen im Jahr 1973 an. Denn durch die USA begann die größte Schulden Mentalität aller Zeiten, mit weltweiter Nachahmung!
    Die Unfähigkeit ein vereintes Europa zustande zu bringen gehören zu dem Umfeld des Euro Geschehens. Warum und in welchem Umfeld die entscheidenden Fehler gemacht wurden möchte ich mit der aus meiner Sicht erlebten Geschichte als Zaungast mit diesem Artikel schildern.

    Heiner Hannappel

    Eine neue, unbekannte Situation, die Supermacht USA übernimmt sich!
    Die siegesgewohnten Vereinigten Staaten wirtschaftlich ,militärisch die Supermacht auf diesem Globus verwickelten sich in Indochina, genau wie vorher erfolglos Frankreich in einen Krieg ,der, nicht zu gewinnend, ihre fiskalischen Ressourcen durch den gewaltigen Materialeinsatz überforderte.
    Nur die amerikanische Industrie wurde beflügelt,während die dort ohne Hoffnung auf Erfolg eingesetzten US Soldaten physisch wie psychisch für den Rest ihres Lebens gezeichnet abgezogen wurden unter Verlust des Gewinner-Images der USA.
    Doch hier zerbrach nicht nur der Nimbus des Siegers der Vereinigten Staaten, sondern auch ihre Fähigkeit, ihren Greenback mit Gold zu decken, welche durch die schon für damalige Zeiten ungeheurere Ausweitung des Dollarbestandes zwecks Finanzierung dieses Vietnamkrieges unhaltbar wurde.Nur, die Goldbestände reichten nicht mehr, also druckte man Dollars ohne Golddeckung jenseits dementsprechender wirtschaftlicher Wachstumsdaten.
    Ein Sündenfall,der erste! Der Zweite folgte dann sogleich.
    Die arabische öl Scheichtümer, damals wie heute politisch gefärhrdet , brauchten eine Schutzmacht um auch im ureigensten Interesse der USA wie der restlichen Welt ungestört Öl fördern zu können, insbesondere Saudi Arabien deren Königshaus durch die religiös streng ausgerichteten Wahhabiten in ständiger Gefahr war.
    Den Schutz dieses Könighauses wie auch der anderen Scheichtümern ließen sich die USA mit dem neu geschaffenen Petro-Dollar bezahlen!
    Eine traumhaft schöne immer sprudelnde Geldquelle,der Petrodollar!!!
    Nun musste jeder Staat weltweit, wenn er Öl, bald auch andere Rohstoffe brauchte und es wurde immer mehr Öl gebraucht bis heute, dieses mit Dollar bezahlen, den er aber erst einmal mit eigener Währung kaufen musste.Dieser paradiesische Zustand wurde zur US Doktrin erhoben, wehe ,ein Ölförderer nahm eine andere Währung zur Bezahlung an!! Beim Irak, war da was,bei dem Iran, welcher sich heute atomar unangreifbar machen will, warum wohl, droht da was?
    Die sofort eintretende weltweite Nachfrage in den Greenback löste den Einsatz der Druckerpresse in den USA aus bis heute. So entstanden ungeheurere Dollarmengen
    ohne Entsprechung in der wirtschaftlichen Leistungskraft der Vereinigten Staaten, welche diese zum fröhlichen Einkaufsbummel in der ganzen Weld einluden.
    Die Europäer lösten sich dann bald auch von der Golddeckung ihrer Währungen.
    Seitdem haben wir alle nur noch Papier zu Bezahlung unseres Bedarfs in der Hand. Nur der Glaube an dessen Wert, gibt diesem seinen Wert.
    Bretton -Woods 2, die von den USA betriebene Selbstverstümmelung.
    Da aber die USA, geschäftstüchtig wie sie sind, immer nur die preiswerteste Produktion mit Geldschöpfung verbanden, ließen sie bald zu Lasten der eigenen Bevölkerung zunehmend ihre Waren im Ausland produzieren, wie in Japan , besonders China. Und die Amerikaner kauften und kauften, der Petrodollar machte es möglich, fröhlich weiter ein, bis,ja, bis sie merkten, dass sie zu viel Produktionspotenzial abgegeben hatten. Die Anderen wuchsen, die USA schrumpfte und überdeckte diese Misere mit,….ja mit dem Petrodollar.
    Doch konnten die USA immer weniger verhindern, dass ihr Handelsbilanz-Defizit zu den vormals, man kann das Rad nicht mehr zurückdrehen, so auch heute produktionsbegünstigten Ländern anschwoll.
    Die von dem unfähigsten Präsidenten der Vereinigten Staaten eingeleitete, durch Stimulierung des Immobiliensektors angekurbelte Bauwirtschaft sollte die Nachfrage in amerikanische Güter auslösen, doch es entstand eine ungeheurere nicht mehr zu steuernde Immobilienblase die in den Auswirkungen unvorstellbar war.
    Die Lehman Pleite, obendrein durch Stützungsverweigerung des Staates, ein Sündenfall der US Regierung, offenbarte eine grenzenlose Gier,welche um den ganzen Globus raste und besonders in Europa gewaltige Verwerfungen auslöste, die bis heute als Kreditleichen in Banken, deren Bad Banks nachwirken, weiterhin ungelöst Europas fragilen Finanzsektor lähmt!!!
    Heute sind die USA mit 15 Billionen Dollar verschuldet,der Traum vom “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” geplatzt, einhergehend mit einer nie dagewesenen Verarmung der Bevölkerung, den Nachkommen Thomas Jeffersons, von denen viele morgens in Zeltstädten aufwachen, nicht einmal wissend, wie Recht ihr Gründervater hatte, wie sie von den Spielern in der Wall Street um ihre Lebenschancen betrogen wurden!
    Jefferson ahnte schon 1776, zu was die Monopoly spielenden Banken fähig waren
    und leider ohne jegliche Einsicht heute noch sind!Nur, der Staat im Verbund mit der FEED ist auch kein Vorbild, Billionen auf den Markt gebrachte Dollars schwemmte
    auch das Vertrauen in ihn weg,besonders, als der unsägliche Bush Junior ab 2006 die Veröffentlichung der aus dem Nichts geschaffenen Geldmenge,M3 genannt verbot.
    Hier drückte sich die ganze Arroganz der Weltleitwährung aus, welche nicht nur in den USA, sondern weltweit ein Fiskalischer Machtfaktor ohnegleichen ist !
    Seither können wir alle den wirklichen Wert des Dollars nur noch erahnen,schätzen.
    China,als unangreifbare Atommacht wehrt sich schon mit bilateralen Verträgen gegen diesen Zustand, hat es doch Billionen Dollar Handelsbilanz Überschüsse in den USA
    angelegt mit Schwindsuchteffekt, der große Sorgen bereitet, nicht nur in China!!!
    Diese gigantische US Verschuldungsorgie fand leider zu schnell Nachahmer.
    Keiner hat daraus so richtig gelernt und konsequent die Bankenwelt an die Kandare genommen, so ihr ihre ursprüngliche Bestimmung aufgezeigt, nur der Realwirtschaft zu dienen.Der Banken unseriöses Spiel geht so munter zu Lasten der Weltbevölkerung weiter!
    Nun zu unserem Kontinent,Europa!
    Zur Erklärung,wie es zu dem Desaster in Europa heute kommen konnte,musste dieser kleine Ausflug über den Teich sein, denn so gewinnt man einen Einblick in das Klima in welchem der Gedanke eines einigen Europas Wirklichkeit werden sollte.
    Doch dafür muss die neuere Geschichte, hervorgegangen aus dem Leid zweier entsetzlicher Kriege etwas beleuchtet werden, ohne sich in epischer Breite in Einzelheiten zu verlieren.
    Zuerst einmal ging es immer,so auch heute, nur um Macht!
    Das sollte man sich auch bei den heutigen Fehlentscheidungen,welche, wie auch immer aufgehübscht daherkommen als Beurteilungs-Grundlage vor Augen halten!
    Protagonisten in diesem Spiel gibt es so viele, wie Staaten in Europa vorhanden sind,
    was noch nie für leichte Einigungen eine Voraussetzung war, heute erst recht.
    Schon direkt nach dem Krieg 1945 begann die Aufstellung zu einer neuen Runde im Europaspiel, wobei die vom Krieg gebeutelte Generation mit den Gefühl “Nie mehr”,
    die ehrlichsten, glaubhaftesten Gedanken für die europäische Zukunft äußerten und einbrachten!
    Dieses, durch eigene Schuld in Zonen zerrissene Deutschland musste nun ganz von vorne anfangen.
    Ohne den Marschallplan der USA, der langsam dämmerte, dass sie ein starkes,wirtschaftlich gesundes Westdeutschland als strategisches Bollwerk gegen die militärisch weltweit konkurrierende Sowjetunion brauchte, wäre dieses “Wirtschaftswunder” so schnell nicht erzielbar gewesen.
    Trotz der Demontage seiner Wirtschaftszentren hatte Westdeutschland durch den riesigen Bedarf der ehemaligen Wehrmacht an Fachkräften,welche nun in großer Zahl für den Wiederaufbau zur Verfügung standen, wie auch durch den unglaublichen Fleiß der Frauen wie auch der so genannten Trümmerfrauen wie dem Ehrgeiz aller, wieder auf der sprichwörtlichen Sonnenseite des Lebens stehen zu wollen, einen nicht für möglich gehaltenen wirtschaftlichen Aufschwung zustande gebracht, welcher in aller Welt Achtung vor diesem gebeutelten Volk auslöste. Im Vertrauen zu den Deutschen, zu wissen, zu welcher Wertegemeinschaft sie nun gehören, gestatte man ihnen eine eigene, in die westliche Verteidigungsgemeinschaft NATO eingebundene Bundeswehr, auch um Deutschland an den immensen Verteidigungskosten zu beteiligen.Deutschland zersplittert, ein souveräner Staat zweiter Klasse, bedacht Frieden,Verständigung um jeden Preis mit allen früheren Gegnern zu fördern, auf das Wohlwollen aller westlichen Staaten angewiesen, verfolgte nur wirtschaftliche Interessen, wurde so zu einem Wirtschaftsriesen ohne diese Stärke politisch umzusetzen.
    Über die am 23. Juli 1952 In kraft getretene Montanunion hinaus entstand bald mit den europäische Visionen von Monnet und Robert Schuman, dauerhaften Frieden in Europa zu sichern und einen Gegenpool zu den USA , die Vereinigten Staaten von Europa als ebenbürtigen Partner zu schaffen, die EWG in den Verträgen von Rom. Der einsetzende Wirtschaftsaufschwung in allen beteiligten Staaten besonders in Westdeutschland mit Gesamteinfluss auf Europa als Ganzes erweckte in Frankreich den machtgeleiteten Gedanken Führung auszuüben,welches aber zum Ärger der Grande Nation nunmehr nur mit weiterer Zurückhaltung des auch politisch erstarkten Deutschlands möglich war.
    Man muss sich einmal darüber im klaren sein,welch ein Unmut in Europa wegen der Abhängigkeit von der D-Mark herrschte, da sich alle Währungen an dieser Leitwährung Europas immer wieder ausrichten mussten! Aber nun, am 19.03.1979 der Start des Europäischen Währungssystems EWS mit festen Wechselkursen innerhalb vertraglich festgelegter Bandbreiten.
    Gemeinsames Floating mit Belgien/Luxemburg, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen und Schweden.
    Wären wir bei dieser Währungskonstellation doch nur geblieben, es wäre Europa vieles noch Kommende erspart geblieben!
    Die Europäische Kunstwährung ECU wurde zugleich beschlossen.
    Mitterand, der seine Unbehaglichkeiten gegenüber der Deutschen D-Mark nie verhehlen konnte,sagte einmal im Ministerrat am 17. August 1988 ” Die Deutsche Mark ist gewissermaßen ihre Atomstreitmacht”.Sein Berater Attali verglich die D-Mark sogar als deutsche Atombombe! Welch ein Vergleich!
    Mit den gravierenden Veränderungen in der Sowjetunion durch Gorbatschow,bot sich bald die Wiedervereinigung Deutschlands an mit seiner dann vollen Souveränität im Kreise der Europäer.Und hier sahen die Franzosen unter Führung von Mitterand ihre Chance zusammen mit Thatcher,der britischen Premierministerin, als Bedingung für die von beiden ungern gesehene Wiedervereinigung, den Deutschen ihr wertvollstes Werkzeug die D-Mark aus der Hand zu schlagen.
    Schlägt man diese Währung Deutschland aus der Hand,verliert dieses seinen mit ihr gewachsenen Einfluss,trotz der Wiedervereinigung, so Mitterands Intention.Ein reines Machtspiel,welches den Vätergedanken von Monnet und Schuman zuwiderlief!
    Hier wurde schon in Gedanken eine Saat gestreut,welche heute mit dem Anspruch Hollandes, geschlossene Verträge zu relativieren aufgeht, Gegensätze aufwirft, die positive Entwicklung Europas unterminierten.
    Die Wiedervereinigung, eine über Jahrzehnte verfolgte Politik, Primat jeder Bundesregierung hatte für uns Deutsche nun die Aufgabe der geliebten D-Mark zum Preis.
    Mit D-Mark keine Wiedervereinigung, Punkt!
    Diese Erpressung hallt nach, ob die Politik das zugibt oder nicht, denn wir hatten keine Wahl, wurden sozusagen erpresst.Tragisch für Europa war, dass Deutschlands richtige Position, zuerst eine politische Union zu gründen nur als seine Taktik angesehen wurde, die D-Mark noch länger zu halten, oder gar, sie nie aufzugeben Welch ein Fehler!
    Hier lag sie frei auf deutscher Hand, die Chance, Europa richtig zu gestalten, keiner ergriff diese Hand, weil zu einer Union noch keiner bereit war und man Deutschland zu Unrecht Falsches unterstellte!
    Der erste Sündenfall war getan!!!
    Die damalige Bundesregierung Kohl gab dann aufgrund des kleinen Zeitfensters zur Wiedervereinigung unter Bauchschmerzen nach und stellte zu Aufgabe der D-Mark harte Stabilitäts Bedingungen, welche in die Vertragsstruktur einflossen!
    So entstand der Vertrag von Maastricht 1992, der die Europäische Union begründete,
    mit der deutschen Bedingung,wonach kein Staat für die Schulden anderer Staaten aufkommen darf, jeder für eigene Schulden alleine zu haften hat. Die No-Bailout-Klausel war bindender Vertragsinhalt, an den sich jeder zwingend zu halten hatte!
    Spätesten zu diesem Zeitpunkt hätten Verhandlungen hin zu einem geeinten Europa in welche Staatsform auch immer eingeleitet werden müssen.
    Doch,wie schon erwähnt,der Wille dazu fehlte.
    Alle aber auch alle Staaten Europas hätten in einem ständigen jahrelangen Verhandlungsprozess mit Ruhe und Bedacht alle Wiederstände aus dem Weg räumen können.Es muss doch jedem zwingend klar gewesen sein,dass alleine die Präsenz einer gemeinsamen Währung keine die Völker verbindende Maßnahme sein konnte.
    Wie konnte dieser unentschuldbare Unterlassungsfehler der europäischen Politikerkaste mit dem Ergebnis eines “Nichts” zustande kommen?
    Doch,wie schon erwähnt,der Wille dazu fehlte.
    Der zweite Sündenfall, dieser aber wog viel schwerer!!!
    So verwässerte stattdessen Frankreich schon mal im Voraus die Beitrittsgrundlagen für zukünftige Mitglieder,eines illusionären Machtgefühls willen.
    Nach verbindlichen Vereinbarungen dürfen Staaten nur dann der Euro-Zone beitreten, wenn ihre Staatsschuld weniger als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt.Die französische Regierung unter Mitterand setze durch, dass nun auch Länder in die Eurozone eintreten konnten, die sich dem Anschein nach in Richtung dieses Ziels „entwickelten“. Diese Veränderung ermöglichte letztlich die Aufnahme Griechenlands, Spaniens und Italiens,allesamt schon damals nicht mit Solidität behaftet!
    Niemals hätte die deutsche Bundesregierung sich auf diese, ihre eigene, zum Vertragsinhalt gewordene No-Bailout Klausel konterkarierende französische Vertragserweiterung einlassen dürfen!! Niemals! Mir dieser französischen Vertragseinlassung wurden dem Trixen,Verschleiern,Lügen zu einem gewollten Beitritt neuer Staaten, deren Ökonomien nicht reif genug waren,Tür und Tor geöffnet. Jetzt begann der Abstieg des Euros,bevor er aufgestiegen war!
    Hier legte Frankreich selbst schon die Stolpersteine gegen ein einiges Europa und einem funktionierenden Euroraum in dem Glauben, durch eine Erweiterung des Euroraums mehr Einfluss zu gewinnen.Heute bezahlt es diesen Irrweg über Bürgschaften teuer mit.
    Die europäischen Politiker kümmerten sich nicht um die Warnung von anerkannten Ökonomen, dass die Einführung einer gemeinsamen Währung ohne wirtschaftliche Notwendigkeit in einem Dutzend Länder mit unterschiedlich wirtschaftlicher Schrittgeschwindigkeit Verwerfungen mit absehbar ernsten ökonomischen Schwierigkeiten hervorrufen würde.Diese schon im Ansatz erkennbaren Risiken verwarfen die Politiker mit dem Blick auf eine Einigung Europas, für welche sie jedoch nicht einmal bereit waren Verhandlungen aufzunehmen um dieses doch gewollte gesamteuropäische Gemeinschaftshaus zu gestalten. Ausgestattet mit gleichen Fundamenten, statisch gleichen Wänden wie Harmonisierung in Rechtswesen,Sozialen,Fiskalischen,Verteidigung,Außen Darstellung wie eine würdige Repräsentanz an der Spitze dieses dann einigen Europas!
    So schuf man zuerst wider jeglicher statischer Logik das Dach,Euro genannt!
    Wie man dies alles unterlassen konnte ist nicht nur mir,sondern vielen verantwortungsvoll handelnden Menschen unbegreiflich.In diesen Versäumnissen liegen die Ursachen des jetzt erkennbaren Scheiterns dieser, unserer mit vielen so ungerechtfertigten Vorschusslorbeeren bedachten Einheits- Währung Euro.
    Zu allem hätte man reichlich Zeit gehabt,wenn der entscheidenden Willen vorhanden gewesen wäre.War dieser jemals zu erkennen, für mich jedenfalls nie!
    Doch etwas gab es schon im Hinblick auf ein gemeinsames Haus.
    Um das Grundstück schuf man vorsorglich schon einmal einen Gemeinschaftszaun
    “Schengener Abkommen” genannt,doch,wen wundert´s,dieser Zaun relativiert man schon bald wieder.
    Spätestens nach der Euroeinführung 2001 musste man das Versäumte,jetzt im Eiltempo nachholen,doch…Fehlanzeige, nichts Wichtiges wurde angegangen.
    So richtete sich jeder auf seine Weise in dieser Fehlkonstruktion ein, so auch Deutschland, noch mit den Wiedervereinigungs- Belastungen kämpfend.
    Ja,ganz Europa schwelgte auf der weithin sichtbaren Sonnenseite des Euros im Glück, von flüchtiger Leichtigkeit getragen genoss man erst einmal die durch nun billiger gewordenen Kredite möglichen sozialen Wohltaten.Keiner traute sich,auf die aufziehenden Wolken aufmerksam zu machen.
    Deutschland selbst, nein, ganz Europa hätte schon bei der Wiedervereinigung im Herzen Europas beobachten können wie fatal die Einführung einer zu starken Währung sein kann, denn mit einem Schlag brachen dem Gebiet der ehemaligen DDR der komplette Außenhandel weg!!
    Deutschland, auch durch Wiedervereinigungskosten lange die rote Laterne im EU Zug haltend, übte Lohn-Zurückhaltung, kürzte Renten wie Sozial Ansprüche, führte keine Mindestlöhne ein wie andere Staaten, welche sich im Gegensatz zu Deutschland höhere Renten, Löhne Pensionen genehmigten.Es pendelte sich so in eine Konkurenzfähigkeit ein, welches so schnell wieder an die Zugspitze als Lokomotive führte.So konnte Deutschland die von den USA ausgehende Finanzkrise unbeschadeter überstehen als alle anderen EU Staaten.Seiner Solvenz entsprechende Investitionsprogramme mit vielen anderen die Wirtschaft ankurbelnden Maßnahmen zu Lasten des Schuldenstandes taten ihr übriges.Hier gebührt Frau Merkel mit ihrem Handeln in der großen Koalition größter Respekt.
    Welch ein Ärgernis,besonders für die in ihren Macht und Führungsansprüchen verhafteten Franzosen.In vielen Verhandlungen musste die französische Führung der deutschen Logik nachgeben, wollen aber heute mit Hollande das Rad wieder zurückdrehen und wieder mit Machtansprüchen das um seine Vorleistungen in Form von Bürgschaften, Target2 Forderungen kämpfende Deutschland in die zweite Reihe drängen,bis hin zur Aufgabe seiner international anerkannten Solvenz, die sich in einem Tripple AAA Rating ausdrückt, noch! In trauter Einigkeit verbünden sich die insolventen Staaten mit Frankreich-USA-England-letzteres bei uns in dreistelliger Milliardenhöhe verschuldet um Deutschland zur eigenen Bequemlichkeit unter Druck zu setzten!Es soll sich einfach so für einen noch nicht einmal im Ansatz auf irgendeinem Papier paraphierten europäischen Einigungsvertrag finanziell entblößen, ruinieren. Eine schöne Wertegemeinschaft, der wir da angehören, für wahr!
    Kanzlerin Merkels Handeln jedoch in der schwarz-gelben Koalition geriet mit den auch von ihr maßgeblich zu verantwortenden Brüchen der Maastricht-Verträge zu Lasten Deutschlands wie anderer halbwegs solide wirtschaftenden Staaten zu einem nicht mehr umkehrbaren Desaster.
    Mit dem ersten Griechenrettungsschirm wurden nicht mehr zu schließende Schleusen zur Schuldenverallgemeinerung geöffnet!!
    Als unmittelbare Folgen verlor die Kanzlerin wie auch ihre europäischen Verhandlungspartner ihre Gestaltungsfähigkeit zu einem einigen Europa.
    Nur noch als Getriebene agieren alle Regierungschefs hilflos vor der sich immer bedrohlicher aufbauenden Schuldenkrise,welche in immer kürzeren Zeitabständen
    Gipfeltreffen erzwingt, immer größere Rettungsschirme fordert, ohne bleibende Erfolgsergebnisse!Es ist einfach erbärmlich , diese zur hilflosen Eingreif-Truppe degradierte Politikerkaste agieren zu sehen und so was wurde einmal gewählt!
    Was ist nun aus der europäischen Idee geworden? Nur noch ein Fingerhakeln um die finanziellen Ressourcen Deutschlands!!
    Wer spannt denn für uns Deutsche den Rettungsschirm,wenn uns die Solvens ausgespannt wurde?Psst…Stille!
    Besonders die Grande Nation Frankreich, die aufgrund nicht gemachter Hausaufgaben
    wie Kürzungen auf den Feldern,welche Deutschland ,wie schon erwähnt mit Erfolg bestellt hat wird nach den nächsten Wahlen entgegen Hollandes Wahl-Versprechungen dies alles nachholen müssen um nicht in Kürze zu den Staaten zu gehören,die an die Türe Deutschlands Hilfe fordernd, ja fordernd mit einem Rammbock anrennt., der aus den anderen Austeritäts Unwilligen besteht.
    Dieser grenzenlose unanständige Egoismus scheint heute Bestandteil der europäischen Politik zu sein.Übersehen wird aber, dass Egoismus noch nie in der Geschichte zur Harmonie unter den Völkern beigetragen hat, sondern nur zu deren Spaltung.
    Heute, nach der Flucht Spaniens unter einen weiteren Rettungsschirm, erleben wir, dass Versäumtes in Hektik wieder auf die Verhandlungstische gebracht wird, um ja noch in Wochen,nein in Tagen all das nachzuholen, wofür man fast 20 Jahre Zeit gehabt hatte.Da die besten Optionen Eropas vertan wurden, verspielt man jetzt mit Sicherheit auch noch die letzten guten Optionen , indem man an der einheitlichen Eurozone verbissen bis zur allgemeinen Zahlungsunfähigkeit festhält.
    Wenn die für Spanien bereitgestellten 100 Milliarden unter anderen Konditionen vergeben werden als bei den anderen Schuldenstaaten,öffnet sich auch hier eine nicht mehr zu schließende Schleuse,da nun alle die besseren Bedingungen reklamieren!!!
    Die Wahl in Griechenland mit ihren absehbaren Folgen versetzen alle Akteure in blanke Panik, zumal sie sich alle eingestehen müssen, untätig bei den ersten Warnzeichen zugesehen zu haben. Die weitere Entwicklung in Europa, ich sage bewusst Europa,weil sich auch die nicht zum Euroraum gehörenden Staaten sich nicht den Erdbeben entziehen können, die wir alle bald zu spüren bekommen,wird nicht mit Meilensteinen ökonomischer Weisheiten gepflaster werden. Die übergroßen früh mit Beteiligung Frankreichs auf der europäischen Wegstrecke gelegten Stolpersteine werden aus Geldmangel mit nicht genügend Bitumen geflickt,zur Ermüdung aller Stoßdämpfer führen, bis der Europawagen stehen bleiben muss,die Insassen aussteigen und alle ihrer Wege gehen.
    Vorher jedoch.
    Mit Sicherheit wird die EZB nach Muster der amerikanischen FEED versuchen,auftretende Probleme mit weiteren Billionen künstlicher wertloser aus dem Nichts geschaffener Euros zu ertränken zumal der zur Verfügung stehende Zeitraum europäischer Problemlösungen extrem klein geworden ist aufgrund 20 jähriger Untätigkeit in den wesentlichen Punkten.Schon kurios, je kleiner die Entscheidungs- Spielräume, je größer die Summen ,die versenkt werden und zwar nicht(!) zum Wohle aller, sondern nur zum Schutz der zu gierig gewordenen Banken, die unerschütterlich
    das Schild der Systemrelevanz vor sich hertragen dürfen!!! Mit Dauererfolg,wie man sieht!
    Dieser ungezügelten Bankenproblematik wurde nie der Primat der Politik entgegengesetzt! Heute stehen die Staaten in Europa, nicht nur dort, wegen der unverantwortlich hohen Bankenstützungen zusätzlich selbst fiskalisch mit dem Rücken zur Wand, unfähig, irgendwelche Investitionen schultern zu können um die eigene Ökonomie auch nur etwas zu beleben.Eine Tatsache welche im Ergebnis europaweit erschreckend zu beobachten ist. Wann packen unsere Demokratien dieses heiße Eisen der Bankenkontrolle endlich einmal beherzt an und stellen die Banken vor die Wahl,solide zu arbeiten oder…pleite,Punkt.
    Es würde für uns alle bei einer Bankenpleite einmal unangenehm werden, aber immer noch besser,als diesen undemokratischen, nur die Bevölkerung belastenden Zustand weiter zu erhalten.Das unsere Politiker hier einmal durchgreifen bezweifele ich jedoch, sie können es einfach nicht, zu sehr sind ihre Interessen verwoben, zu sehr diktieren Bankeninteressen auf allen Ebenen der Gesellschaften das Geschehen, zu sehr werden die Bürger zum Wahlvolk degradiert, alle Jahre wieder benötigen sie den Bürger nur an einem einzigen Tag, dem Wahltag!
    Nein, klug geworden ist die Politik mit ihren Akteuren nicht, kann sie auch gar nicht werden,weil ein demokratisches Grundmuster Entscheidungen immer wieder vertagt oder verwässert. Das ewige demokratische Spiel, nur in Legislaturperioden zu denken ist erkennbar der unangenehmste Schwachpunkt jeder, auch unsere deutschen Demokratie!
    von
    Heiner Hannappel

    Bemerkenswert, was einer der Gründer-Väter der Vereinigten Staaten schon wusste!!
    “Falls das amerikanische Volk die Kontrolle und die Herausgabe
    seiner Währung jemals Banken übertragen sollte, werden diese-
    und die Firmen, die sich um sie herum bilden-dem Volk zuerst
    mittels Inflation und dann Deflation so lange dessen Eigentum wegnehmen,
    bis die Kinder auf dem Kontinent, den ihre Väter einst in Besitz genommen haben,
    obdachlos aufwachen.
    Die Berechtigung zur Herausgabe von Geld soll den Banken weggenommen
    und auf den Kongress und das Volk zurück übertragen werden.
    Ich glaube ernsthaft, dass Banken mit dem Recht, Geld herauszugeben,
    gefährlicher für die Freiheit sind als stehende Armeen”
    Thomas Jefferson(1743-1826).Dritter Präsident der Vereinigten Staaten und Hauptverantwortlicher für die Ausarbeitung der Unabhängigkeitserlärung vom 4.Juli 1776.

    Heiner Hannappel
    Raiffeisenstrasse 63
    56072 Koblenz
    Tel: 0261 22287
    E-Mail heiner.hannappel@gmx.de

  • Yoshikawa - 13. Juni 2012

    „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll“

    Ludwig von Mises

  • Karin Jürgens - 13. Juni 2012

    Man sollte nicht vergessen, daß Roosevelt und seine Ehefrau in der großen Depression ganz praktisch vorgingen und nicht nach einer Theorie; auch Keynes wußte es erst hinterher besser. Wenn man Ägypten im Altertum betrachtet, da war es ähnlich – es wurden sichtbare Fehler in Teilbereichen auf geniale Art und Weise korrigiert (Bewässerung, Vorratshaltung unter “Katzenaufsicht” z.B.) – und dieses Wirtschaftssystem hat mehrere tausend Jahre durchgehalten, ganz ohne Theorie. Ein grundsätzliches Problem der VWL ist wohl, daß laufende oder abgelaufene Systeme erfaßt werden, nicht aber zukünftige. Das ist auch gar nicht möglich, denn gerade die Wirtschaft wird von vielen anderen Bereichen beeinflußt, einschließlich der Befindlichkeit der Teilnehmer. Unser heutiges System (vielleicht sogar unsere westliche Kultur im Ganzen) leidet nicht an fehlenden theoretischen Ansätzen, sondern an der Maximierung einzelner Faktoren (Gewinn, sportliche Leistung); damit ist der Untergang beschlossene Sache, weil sich so kein Gleichgewicht in einem Kreislauf einstellen kann. In dem erfolgreichsten System aller Zeiten, in der Natur, wird stets nur optimiert, maximierte Bereiche werden ausgelöscht.

    Ich bin im übrigen der Meinung des Autors, daß nur ein Paradigmenwechsel Lösungen bringen kann. Es muß ja nicht gleich das ganze System auf den Kopf gestellt werden, wie einige verlangen, so etwas wäre wahrscheinlich erst möglich, wenn die halbe Menschheit unterzugehen drohte. Eines meiner Lieblingsthemen ist z.B. die Hypermobilität. Mit dem Schrumpfen der Energiereserven und der Umweltvernichtung kommen da demnächst ebenfalls große Probleme auf uns zu. Wie wäre es also, wenn alle Subventionen, die Wege betreffen, ersatzlos gestrichen würden: keine Pendlerpauschale, keine steuerliche Absetzbarkeit von Fahrten irgendwelcher Art, stattdessen eine “Wege-Steuer”. Das würde eine Neujustierung des gesamten Systems erfordern, ohne es zu zertrampeln. Ein anderer Ansatzpunkt wäre die menschliche Arbeit. Man erinnere sich an die “Gardinensteuer” in Holland, die dazu führte, daß die Holländer bis heute kaum Gardinen vor den Fenstern hängen haben. Ähnlich ist es doch auch mit der Arbeit, sie ist schlicht zu teuer und deshalb wird versucht, sie abzuschaffen. Wenn Brutto = Netto + steigende Energiekosten, dann würden wohl nur noch einige Technik-Freaks an Pflege-Robotern basteln, nur so zum Spaßhaben. Weitere Bereiche, die auf den Prüfstand gehören, sind: Globalisierung, Effizienzsteigerung um jeden Preis, Zentralisierung, unendliches Wirtschaftswachstum u.s.w.

    Ganz allgemein: Unsere Hirne müßten umprogrammiert werden von maximaler Größe/Macht + maximalem Gewinn auf reibungslos funktionierende regionale u nationale Wirtschaftskreisläufe mit maximalem Nutzen für ALLE Teilnehmer. Das hieße aber auch: weg von der lange gepredigten “Individualisierung” mit persönlicher Bereicherung, die menschliche Monster hervorgebracht hat und paradoxerweise zu mehr Vermassung geführt hat, hin zu mehr Allgemeinwohl.

    Ich finde die Artikel des Autors immer wieder anregend. Vielen Dank.

    • SLE - 13. Juni 2012

      Vielen Dank für die vielen guten Ideen und konkreten Anregungen zum Umdenken und Verändern. Es ist doch irgendwie erstaunlich, dass darüber noch immer praktisch niemand diskutiert, nicht wahr!?

      Viele Grüße
      SLE

    • peterb - 13. Juni 2012

      Sehr schön betrachtet: Pragmatismus statt Theorien.
      Diese ewige Sucht, alles in der Welt in Modelle und Theorien zu packen, um sie zu verstehen und beherrschen zu können. Aber leider sind alle Theorien nur Stückwerk. Hier ist schon mehrmals der soziologische Faktor angesprochen worden – er kommt in keiner Theorie vor. Nirgends kommt auch der Faktor Macht vor: Das System kann schon deswegen nicht auf Dauer funktionieren, weil der, der Geld und Besitz in übergroßem Maße hat, auch über das Machtäquivalent verfügt, was jede schöne Theorie wieder hinfällig macht….

      Es gäbe noch mehr dazu zu sagen, aber lassen wir das. Die Titanic hat den Eisberg schon gerammt-

  • Frankenfurter - 13. Juni 2012

    Und wer befreit uns vom Überfluss? Hat vielleicht jemand das neue Buch des Umweltökonomen Niko Paech gelesen und kann etwas dazu sagen, wie man sich eine Postwachstumsökonomie vorzustellen hat?
    Bei Amazon ab 14,60 Euro.

  • sadoma - 13. Juni 2012

    Ich denke die Frage warum in Deutchland niemand darüber diskutiert ist einfach zu beantworten. Eine grundlegenden ökonomische Systemkritik findet erst statt wenn eine kritische Masse bereits sehr viel verloren hat und bei den noch Besitzenden die Angst umgeht. Da haben wir in Deutschland noch ein paar Wochen/Monate Zeit. Mal schauen ob wir Deutschen die Angst diesmal konstruktiv nutzen oder ob das ganze mal wieder nach hinten losgeht.

    Dank solcher Blogs wie diesem ist meine Hoffnung noch nicht gestorben.

    • SLE - 13. Juni 2012

      Sehr gut auf den Punkt gebracht. Danke.

      Grüße
      SLE

  • Bernd Rickert - 13. Juni 2012

    Freier Wettbewerb ist doch erfrischend, nur in geschlossenen Netzwerken existiert kein freier Wettbewerb. Die geplanten Projektanleihen bedienen doch auch wieder nur befreundete Clientel.

    Eine absolute Vermögensobergrenze zur Vermeidung der wahnsinnigen Kapitalallokation,
    Freiland damit das Volkseigentum nicht international weggekauft wird,
    belebende vertikale, soziale Fluktuation als Motivation
    qualitative Elitenbildung,
    Abschied von Schulden- und Zinswirtschaft,
    unterschiedliche innerstaatliche Währungen mit Inflationsraten nach Funktion und
    Ehrlichkeit. Anerkennung, Wohlwollen

    Gut darf kein knappes Gut sein.

    Schon ist die Krise gelöst.

    • Bernd Rickert - 13. Juni 2012

      “Gut darf kein knappes Gut sein.”
      Korrektur:
      Gut darf kein künstlich verknapptes Gut sein.

  • chaka - 13. Juni 2012

    Wir denken zu kompliziert.
    Alle “Rettungsmaßnahmen” werden durch die Hochfinanz vorgegeben.
    Die Politiker sind nur ausführende Marionetten.
    Wechseln wir doch den Standpunkt

    Was würden Wir unternehmen, um als Hochfinanz an das Vermögen der breiten Masse sowie die Industrieunternehmen zu gelangen?

    1) Zuerst lassen wir uns die marode gewordenen Vermögenswerte abkaufen oder in solidere tauschen.

    2) Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist schwenken wir auf deflatorisch wirkende Massnahmen um. Kreditvergabe wird extrem eingeschränkt. Die vorher aufgebauten Überkapazitäten in der Industrie tun Ihr übriges.

    3) Am Ende werden Industriekonzerne durch “Umwandlung” des Fremdkapitals (Schulden) in Eigenkapital übernommen. Der breiten Masse wird wird nach starken Preisrückgängen auf dem Häusermarkt das Eigenheim versteigert.

    Am Schluß kommt ein Rattenfänger und wir bekriegen uns gegenseitig.

  • ergo sum - 13. Juni 2012

    @ Steffen: “…mit dem Ziel des Status quo-Erhalts”

    Genau! Leider ist der Status quo seit gestern schon wieder abgesunken, weil heute die weltgrößte Bondfirma Pimco, eine Allianz-Tochter, heute ihre deutschen Staatsanleihen verkaufte. Sie behaupten zwar, es sei eine vorbeugende Reaktion auf die fortwährenden Rettungsaktionen, die den Wert deutscher Anleihen natürlich vermindern. Ich vermute jedoch, sie haben Wind von einer möglichwerweise bevorstehenden Abwertung bekommen.

  • JL - 13. Juni 2012

    Sehr geehrter A.Leuthner,

    natürlich muß ich Ihnen zustimmen.
    Die Theorien von Elliott sind nichts anderes als Auswertungsergebnisse, ergo müssen diese in der Vergangenheit liegen. Diese Art der “Vorausschau” durch Auswertung des gestrigen hat auch Kondratieff ( Nikolai Kondratjew ) versucht. Erstaunlich ist, daß diese beiden Kerle- trotz unterschiedlicher Denkansätze- momentan in ihren Theorien wohl bestätigt werden. Hierzu möchte ich gern anmerken, daß Kondratjew 1926 vor einer großen Depression warnte als alle noch auf dem Vulkan tanzten. Geschichte wiederholt sich nicht immer gleich, aber immer wieder gleich brutal- das ist wohl deren Erkenntnis.
    Nun bezüglich kurzfristiger Trends, denen man folgt- oder folgen muß.
    Was soll denn ein berufener Aufsichtsratvorsitzender einer börsennotierten Aktiengesellschaft tun- außer kurzfristig Denken zu müssen. Diese(n) Mann/ Frau gibt es im Unternehmen maximal 4 Jahre bis 12 Jahre. In dieser Zeit hat diese Person die Anlegerinteressen zu vertreten. Sprich Rendite und Dividente. Welcher Anleger will schon eine weitsichtige Strategie, welche erst in 25 Jahren schlagend wird. Die “Renditejäger” brauchen schnelle- und vor allem kurzfristige- Gewinne, die meisten Anlagen dieser “Anleger” sind doch auch mit Krediten finanziert.

    Nun, leider muß ich auch Ihren zweiten Absatz bestätigen.
    Bereits im alten Babylon hatte man es mit den “…vorhandenen finanzwirtschaftlichen Unpässlichkeiten…”- wie Sie es nennen- zu tun. Die Lösung damals war: Stirbt der König, stirbt alle Schud jedwedem gegenüber. Babylon wurde übrigens nicht durch ein ausuferndes Finanzsystem vernichtet, sondern primär durch ein falsches Bewässerungssystem auf den Feldern.
    Übrigens: Wenn Politiker etwas als alternativlos ansehen ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Warum?
    Ein “totaler Krieg” ist auch alternativlos. Das Ergebnis ist bekannt.

    Mit freundlichen Grüßen
    JL

  • msd - 14. Juni 2012

    Wenn ich hier die meisten Kommentare richtig verstehe, herrscht doch weitgehend Einigkeit darüber, dass grundlegende Veränderungen in Produktionsweise, Distribution und Verallgemeinerung der Macht- und Beitzverhältnisse erforderlich sind, um den krisenhaften Zuspitzungen in der Schuldenkrise zu begegnen.

    Die Frage, ob man die Marktwirtschaft so zurichten kann, dass sie den menschlichen Bedürfnissen entspricht, ist ja nicht neu.
    Marx würde wohl sagen, das sei unmöglich, da der Markt letztlich auch Folge des Kapitalverhältnisses ist und dieser Klassengegensatz kapitalismusimmanent tendenziell immer nur die gleichen Ungleichgewichte und Instabilitäten auslöst und selbst sozialistische Elemente in der Wirtschaftspolitik diese Tendenz niemals aufheben können. (Siehe innere und äußere Schranke der kapitalistischen Produktionsweise)
    Daher muss nach Marx das Kapitalverhältnis selbst auf- und abgelöst werden.

    Um zu zeigen, dass Marktwirtschaft doch dazu führen kann, dass die Ergebnisse der Produktion ALLEN Menschen ein würdevolles Leben ohne nackte Existenznot oder prekäre Lebensverhältnisse zeitigt, müsste Marx theoretisch widerlegt werden, was bisher nicht gelungen ist, im Gegenteil scheint sich die Problematik des tendenziellen Falls der Profitrate als unlösbare Dysfunktion letztlich zu bewahrheiten.

    M.E. ist es dennoch richtig, auch über radikale Marktreformen als ersten Schritt Richtung gesellschaftlicher Transformation nachzudenken, aber auch diese sollten theoretisch so reflektiert sein, dass sie die Situation nicht verschlimmbessern (Stichwort Gsell, Monetative, Vollgeld, etc.). Interessant könnten unter Umständen Überlegungen hinsichtlich eines bedingungslosen Grundeinkommens sein, obwohl man selbst da vorsichtig sein sollte.

    Vermutlich wird man wohl nicht um Überlegungen bezüglich postkapitalistischer Gesellschaftsformen herumkommen, weswegen auch reformistische Überlegungen am besten aus dieser Perspektive gedacht werden.

    Jedenfalls sind die Diskussionen hier spannend und die Beiträge der Blogger interessante Inputs – vielen Dank dafür!

  • msd - 14. Juni 2012

    Offenbar herrscht ja – zumindest hier – Einigkeit darüber, dass Veränderungen schon ziemlich tiefrgreifend sein müssten um etwas zu bewirken.

    Ob man die Marktwirtschaft irgendwie funktionstüchtig zurichten kann, damit sie den menschlichen Bedürfnissen dient, diese Frage ist nicht neu.

    Marx würde das wohl verneinen, weil er die Marktwirtschaft in ihrer empirischen Ausprägung letztlich als (notwendige) Form kapitalistischer Produktionsweise analysiert, also nur denkbar unter der Voraussetzung des Kapitalverhältnisses. Dieses muss aber immer wieder zu den gleichen Dysfunktionen, Ungleichgewichten und Instabilitäten führen, weil sich die Klasseninteressen unvereinbar gegenüberstehen und der tendenzielle Fall der Profitrate das Kapital unentwegt zwingt, die Profitmasse (bzw. die Mehrwertrate) zu erhöhen.
    (Siehe innere und äußere Schranke des Kapitalismus). Um zu zeigen, dass die Marktwirtschaft hinsichtlich der Bedürfnisse ALLER Menschen reguliert werden kann, müsste also Marx widerlegt werden, was bisher belastbar nicht gelungen ist, im Gegensatz scheinen sich ja seine Analysen insbesodnere hinsichtlich der Profitrate letztlich zu bestätigen.

    M.E. ist es dennoch wichtig, auch über radikale Martreformen nachzudenken, allerdings wird man wohl um Überlegungen bezüglich einer nachkapitalistischen Gesellschaft kaum herumkommen, daher scheint es sinnvoll, auch reformistische Ansätze aus dieser Perspektive zu denken.
    Auch sollten Reformen theoretisch so reflektiert sein, dass sie die Situation nicht verschlimmbessern (siehe etwa Gsell, Monetative etc.)
    Interessant könnte unter Umständen so etwas wie das bedingungslose Grundeinkommen sein, obwohl man auch hier m.E. sehr vorsichtig sein muss, da sowas das Kapitalverhältnis nicht aufhebt und abhängig von der Akkumulation bleibt.

    Jedenfalls sind die Diskussionen hier sehr spannend und die Blogbeiträge tägliche Pflichtlektüre – vielen Dank dafür!

  • sadoma - 14. Juni 2012

    Hallo peterb,

    Das System kann schon deswegen nicht auf Dauer funktionieren, weil der, der Geld und Besitz in übergroßem Maße hat, auch über das Machtäquivalent verfügt, was jede schöne Theorie wieder hinfällig macht….

    Sehr gut erkannt, jedoch ist auch diese Aussage Bestandteil einer Systemanalyse. Eine Neuordnung wird ohne die Beantwortung der Frage nach einer “Selbstbegrenzung” der Eigentumsverhältnisse nach oben (sprich: irgendwann reicht es auch mal) keine nachhaltige Lösung anbieten. Warum ist es in Deutchland so ketzerich diese Frage/Forderung aufzustellen jedoch völlig unproblematisch die Mindestlohneinfhührung seit Jahren zu verhindern?

    Wir haben für den Übergang in ein neues System große Aufgaben zu erledigen:

    1.) Die weltweite Überschuldung sozialkonform abzubauen (siehe Steven Keen)
    2.) Die Geldorndung neu aufzubauen (z.B Vollgeldreform)
    3.) Die Selbstsbegrenzung der Eigentumsansprüche zu instutitionalisieren

    Jede Aufgabe für sich überfordert schon eine Menschengeneration, mal schaun wieviele Reinkarnationen ich noch erleben muss um diese Ziele in der Gesellschaft zivilisiert umgesetzt zu sehen 😉

  • msd - 14. Juni 2012

    @Sadoma: das klingt, als ob ihr Reformisten mittlerweile selbst nicht mehr recht dran glaubt…;-)

  • sadoma - 14. Juni 2012

    msd,

    wieseo nicht daran glauben, ich verschiebe die Zeitachse doch nur um ein paar Generationen nach hinten. Dennoch muss jemand die Vorarbeit leisten, auch jedes Grab fängt mit dem ersten Spatenstisch an 😉

  • A.Leuthner - 14. Juni 2012

    Guten Morgen JL,

    stimme Ihnen in allen Punkten zu, insbesondere bezüglich Ihrer Anmerkung zu den Führungsriegen der Wirtschaft und Industrie. Hier liegt m.A. der nächste grosse Fehler im wirtschaftlichen Handeln. Lange Zeit wurde nachhaltig und vor allem vorrausschauend ge- und erwirtschaftet. Mit der Übernahme der Quartalsberichte von Aktiengesellschaften aus anderen Teilen der Welt wurde die Möglichkeit der langfristigen Planung ad absurdum geführt. Immer mehr Quartalsrendite, gepaart mit utopischen Wachstumsraten und Marktanteilen, noch zusätzlich flankiert von überbordender Bürokratie führt zu Entscheidungen und Handlungen, die in keinster Weise mit Erfahrungen der Vergangenheit korrelieren. Daher ist es, wie bereits geschrieben, unsinnig, die ‘Wirtschaftskurven’ der Vergangenheit linear fortzuschreiben. Allerdings sollten gebildete Menschen entsprechend ihrer Position in der Lage sein, diesen systemischen Fehler zu erkennen und entsprechend, auch im langfristigen Interesse der Anleger, zu agieren.

    Ihrem geschichtlichen Rückblick der Krisen sämtlicher Menschheitsepochen muss ich (leider) ebenfalls unwidersprochen zustimmen – erschreckenderweise scheint das Lern- und Erfahrungsverhalten unserer Zivilisation von Verdrängung und Negierung geprägt zu sein, ansonsten sollten andere Floskeln und vor allem Handlungen bemüht werden.

    Viele Grüsse

    A.Leuthner

    P.S. … und natürlich Kondratjew 😉

  • msd - 14. Juni 2012

    @sadoma: angesichts der nahenden äußeren schranke der kapitalistischen produktionsweise (stichwort zerstörung der natürlichen existenzgrundlagen erscheint mir eine verschiebung der zeitachse gewagt…;-)

  • Ulrich Fielitz - 15. Juni 2012

    „Die Profiteure der Krisenpolitik sind in mehr oder minder großem Umfang auch die Krisenverursacher.“
    Vollkommen richtig von Dir gesehen, inklusive Banken + Politiker (Aufsichtsräte aus der Politik in den Landesbanken) etc.
    Wieso sollte die Entscheidungsträger, die zur Fiskalunion & Bankenunion drängen und zu den o.g. Profiteuren gehören (eigener Jobs!, eventuell mit upgrade durch die Krise) ein Interesse daran haben die Ursachen zu bekämpfen und nicht an den Symptomen herumzudoktern.