Target2 Saldo bei +465,515 Mrd. Euro

von am 10. November 2011 in Allgemein

Heute veröffentlichte die Deutsche Bundesbank die Daten zum Target2 Saldo. Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Buba) aus Target2 stiegen im Oktober 2011 ein wenig moderater an, um +15,904 Mrd. Euro auf 465,515 Mrd. Euro. Zum Vorjahresmonat allerdings zog der Target2 Saldo um +178,854 Mrd. Euro an, dies entsprach einem prozentualen Anstieg von +62,4%! Die Forderungen aus Target2 bilden den positiven Saldo der Bundesbank aus dem so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem gegenüber den nationalen Zentralbanken der Eurozone ab, formal besteht diese Forderung gegenüber der EZB. Auf der Aktiva-Seite der Bilanz der Buba nimmt Target2 eine immer dominierende Rolle ein, der Anteil der Target2 Forderungen an den Gesamtaktiva steigt, so wie auch die Bilanzsumme der Bundesbank durch Target2 immer weiter aufgeblasen wird.

Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto) auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,57 Mrd. Euro. Von kurzfristigen Verrechnungssalden kann seit spätestens Mitte 2007 keine Rede sein, sondern nur von einer dauerhaften Kreditfinanzierung mit exponentieller Funktion, welche im Oktober 2011 in einem Rekordniveau von 465,515 Mrd. Euro mündete.

Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB stiegen im Oktober 2011 auf 477,830 Mrd. Euro.

Die Gesamtforderungen der Buba an das Ausland schwollen im Oktober 2011 um +18,317 Mrd. Euro auf 704,976 Mrd. Euro an und der prozentuale Anteil der Target2 Forderungen steigt und steigt:

Die Entwicklung des prozentualen Anteils der Target2 Forderungen an den gesamten Auslandsaktiva im Chart seit Januar 1999. Im Oktober 2011 wuchs der prozentuale Anteil der Target2 Forderungen an den gesamten Forderungen der Buba ans Ausland auf ein neues Rekordhoch mit 66,03%! Im Gegenzug sinkt der Anteil der Gold- und Goldforderungen und der Währungsreserven in der Auslandsposition stetig.

Der positive Target2 Saldo der Buba stellt im Kern eine Kreditfinanzierung an die PIIGS-Staaten dar und das Volumen des positiven Saldos zeigt an, wieweit Zentralbankgeld der Buba die Finanzierung durch privates Kapital ersetzt. Die Forderungen aus Target2 der Bundesbank, fallen zwar formal bei der EZB an, sind aber zugleich eine Forderung der EZB gegenüber den nationalen Zentralbanken mit einem negativen Target2-Saldo. Der negative Target2 Saldo selber ist eine Verbindlichkeit der nationalen Notenbanken, welche ihrerseits den gezogenen Target2 Anteil, durch Kreditvergabe insbesondere an die heimischen Kreditinstitute als Forderungen (Aktiva) in ihrer Bilanz halten.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

“Schließlich ist nicht zu verkennen, dass die TARGET-Salden ein Haftungsrisiko für Deutschland mit sich bringen. Zwar haften zunächst die Mitgliedstaaten für negative TARGET-Salden ihrer Notenbank. Sollte es jedoch zur Zahlungsunfähigkeit eines Teilnehmerlandes kommen, müsste der Verlust von der EZB getragen werden und würde damit gemäß dem deutschen Anteil am Kapital der EZB von 27 vH einen entsprechenden Vermögensverlust für Deutschland bedeuten.” Aus dem Jahresgutachten 2011/2012 (PDF Seite 86) des Sachverständigenrates

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3 KommentareKommentieren

  • rijukan - 15. November 2011

    Ich habe gerade versucht, mir darüber klarzuwerden, was diese Target2-Salden letztlich bedeuten. Das Ergebnis habe ich zusammengeschrieben und wüßte gern, was Ihr davon haltet:

    ***
    Kern des Ganzen schein mir (JW) zu sein, daß griechisches (irisches etc) Zentralbankgeld in deutsches Zentralbankgeld umgewandelt wird.

    Der Punkt ist: die griechische Zentralbank akzeptiert bedenkenlos griechische “Sicherheiten”, insb. Staatsanleihen. Auf dem Target2-Umweg tut das nunmehr auch die Bundesbank. Faktisch ist deutsches Zentralbankgeld zunehmend nicht mehr nach deutschen Standards gedeckt. Die Traged2-Forderung gegen Griechenland ist nicht mehr wert als die dortigen Sicherheiten – also sehr wenig.

    Kommt es zum Austritt Griechenlands, so ist diese Forderung weitgehend verloren (und vor dem Austritt Griechenlands wird sie immer weiter wachsen). Da sie aber durch die EZB vermittelt wird, würde aus dem Zahlungsausfall zu etwa einem Drittel eine Forderung gegen die Bundesbank – faktisch also ein Zahlungsausfall für sie. Was den Rest anbelangt, so wäre fraglich, ob diese Kredite (Forderungen gegen die anderen EU-Notenbanken) werthaltig, sprich: einbringlich sind. Mit was sollen die Notenbanken der anderen Länder auch eine solche Forderung begleichen? Doch nur nur mit eigenem Zentralbankgeld. Um das zu schöpfen, brauchen sie Sicherheiten. Als Sicherheitsgeber kommen nur die jeweiligen Regierungen in Betracht, die als Sicherheiten ihrerseits eigene Staatsanliehen anbieten könnten. Sprich: z.B. Spanien gibt seiner Notenbank einen Schuldtitel, in welchem es sich verpflichtet, die Summe X irgendwann zu bezahlen. Für diesen Schuldtitel gibt die Zentralbank Geld heraus, das dann an die Bundesbank flösse. Im Ergebnis würde also deutsches Zentralbankgeld nun mit den Staatsschulden anderer Euro-Länder hinterlegt.

    Das dürfte aber alles graue Thaorie sein- in der Praxis dürften die Target-Salden gegenüber der EBZ einfach bestehen bleiben. Der Euro ist dann halt in einem gewissen Maße nicht mehr gedeckt, genau wie der Dollar in dem Maße nicht mehr gedeckt ist, in dem die Notenbank Ramschanlagen als “Sicherheit” akzeptiert (uneinbringliche Hypotheken).

    Ein griechischer Rentner, der z.B: sein Geld nach Deutschland transferiert, tauscht auf diese Weise einen höchst zweifelhaften Anspruch gegen die lokale Hausbank ein für einen gegen deutsche Banken. Die wiederum erhalten im gleichen Umfang Zentralbankgeld, ohne Sicherheiten hinterlegen zu müssen. Überlebt das Euro-System, dann konkurriert das so “gewaschene” griechische Fiat-Money zukünftig mit Euros von anderswoher: es hat dieselbe Kaufkraft. In dem Maße, wie in der Folge der Euro zur Weichwährung mutiert, bezahlen so die Inhaber deutscher Vermögen griechischen Konsum mit Wertverlusten ihres Geldes.

    Im Umfang der Target2-Salden können die Griechen also ihr an sich wertloses “Vermögen” auch bei Austritt aus dem Euro in das Euro-System hinüberretten. Je mehr Austritte aus dem System folgen, desto mehr heißt das: in das DM-System.

    Denken wir uns nämlich den Fall, daß der Euro komplett auseinanderbricht. Deutschland will die DM wieder einführen. Dazu könnte man einfach die von der Bundesbank herausgegebene Euro-Noten (die mit einem “X”) umstempeln. Was aber wäre mit dem übrigen Zentralbankgeld? Wird es ebenfalls in die neue DM überführt, dann hat in der Rückschau die griechische Zentralbank DM herausgegeben! Nach einer Umstellung, wie auch immer sie aussähe, würden diese “griechischen” DM weiterhin mit “einheimischen” DM konkurieren – sie hätten dieselbe Kaufkraft.

    Deutschland müßte das ermöglichen, in dem es a) die nicht gedeckten Target-Summen mit deutschen Staatsanleihen hinterlegt – dann bezahlt der deutsche Steuerzahler z.B. die Rente des Griechen. Oder indem es b) – falls das geht – solches Zentralbankgeld, das durch Target2-Transfers entstanden ist, zu einem anderen Kurs umtauscht als sonstiges Zentralbankgeld. Das gibt aber enorme Rechtsprobleme, denn: spätestens die deutsche Bank, die wiederum ihren Kunden Geld schuldet, hat nirgendwo ausgewiesen, welcher Art dieses Geld ist. Ob griechischer Kapitalflüchtling oder deutscher Exporteur: sie allen können von der Bank “ihr Geld” verlangen, nach der Umstellung eben in DM. Also: bei dieser Lösung müßten die deutschen Banken entweder rekapitalisiert werden (=wieder vom Steuerzahler) oder pleitegehen (deutsche Vermögen werden mitentwertet). Natürlich geht auch c) – das deutsche Zentralbankgeld bleibt halt einfach ungedeckt. In allen Fällen behält das griechische Fiat-Money die kaufkraft deutschen Geldes. Der Grieche kann damit deutsche Konsumgüter, Aktien oder was auch immer kaufen.

    Im Endeffekt knebeln die Target2-Salden Deutschland noch über ein Zerbrechen des Euro hinaus. Einziger Ausweg: wenn Deutschland GLEICHZEITIG bereit ist, ALLE Vermögen zu entwerten, sprich: es gibt für einen Alt-Bundesbank-Euro, sagen wir, nur noch 1/5 DM. Oder andersherum: die Umstellung erfolgt 1:1, aber alle Löhne, Preise und Mieten werden verfünffacht. Dadurch würden Vermögen UND Schulden gleichzeitig reduziert.

    Genau so wird es im Ergebnis kommen müssen. Wenn der Euro zerbricht, dann wird die deutsche Gesellschaft (bzw. die des Nord-Euro) diese Gelegenheit zu einer echten Währungsreform nutzen MÜSSEN. Die reduziert dann auf einen Schlag die deutschen Staatsschulden – und auf der anderen Seite die Vermögen der Deutschen. Die können dann über den Wert einer “kapitalgedeckten” Altersvorsorge neu nachdenken.

  • Mike - 4. Dezember 2011

    Lassen Sie mal bitte die „faulen“ Griechen zur Seite. Sie arbeiten weit mehr wie die „Europäer“ wenn sie arbeiten dürfen. Und das griechische Fiasko können wir sehr gut wo anders analysieren, in Bezug auf die gesamte E-Zone.

    Das zweite Halbjahr 2011 ist nun beinahe vorbei und 15.000 Milliarden Scheinvermögen haben sich seit Juli in Luft aufgelöst.. Und nach meiner Auffassung wird sich dieser Prozess das folgende Jahr im gleichen Rhythmus fortsetzen. Ich gehe davon aus, dass mit dem griechischen Schuldenschnitt von 50% die umfassende weltweite Krise in eine neue Phase eintritt; nämlich in die Phase, in der alle Anleihen der westlichen Staaten wertberichtigt werden. Als Folge davon wird der bisher globale Finanzmarkt regional zerfallen. In 2012 werden im Durchschnitt alle Staatsanleihen der westlichen Staaten um 30% wertberichtigt werden müssen. Entsprechend werden die Aktiva der Bilanzen der globalen Finanzinstitute geringer zu bewerten sein.

    Bis Anfang 2013 werden 30.000 Milliarden USD Scheinvermögen abgeschrieben sein werden. Weiterhin wird sich im Lauf des Jahres 2012 die Fragmentierung des globalen Finanzmarkts beschleunigen. Er wird in drei Zonen zerfallen, nämlich einer Dollar-, Euro- und Yuan- Zone. Die drei Zonen werden sich immer stärker voneinander abgrenzen und unabhängiger werden. Diese beiden Phänomene (Wertberichtigung/Fragmentierung) stehen zueinander in einer sich verstärkenden Wechselwirkung. Gemeinsam werden sie die Ursachen dafür sein, dass die US-Währung 2012 30% ihres Wertes verlieren wird, wegen einer nachlassenden Nachfrage nach Dollar und einer Verschärfung der US- Staatschuldenkrise. Ende 2011 wird der Zündsatz der europäischen Schulden die US-Schuldenbombe zur Explosion bringen.

    Sie dürfen 2 Mal raten wo das ganze begann, wer der Haupt- „Financial Engeneer“ war und welche Banken hauptsachlich darin beteiligt waren (Ihre kurzlebigen Schattenbanken können Sie dabei vergessen}.

    Ein Schweizer-Grieche.

  • Hallo - 7. Dezember 2011

    @Mike – 4. Dezember 2011 Antworten

    ….Lassen Sie mal bitte die „faulen“ Griechen zur Seite. Sie arbeiten weit mehr wie die „Europäer“ wenn sie arbeiten dürfen. Und das griechische Fiasko können wir sehr gut wo anders analysieren, in Bezug auf die gesamte E-Zone. …

    haha etwas merkwürdig , Ihre Rhetorik ;D . Griechen sind ja auch Europäer 🙂

    Ach, davon abgesehen, wo bitte arbeitet Ihr durchschnitlicher Grieche denn mehr? (einige Beweise für die Behauptung. Ich hoffe doch nicht, bei den Generalstreiks xDD)

    Naja was mich interessieren würde: Welches sind konkret die Folgen, wenn der Euro zur Weichwährung wird (was bald mit 100 % iger Sicherheit bald passiert)

    Bitte um Meinungen dazu.