Update 2 zur Neuwahl in Griechenland: Linksbündnis Syriza steht vor sicherem Wahlsieg

von am 23. Januar 2015 in Allgemein

Fünf von sieben am 22. und 23. Januar veröffentlichte Umfragen prognostizieren, dass das Linksbündnis Syriza von Alexis Tsipras die Parlamentswahlen am kommenden Sonntag mit einem Vorsprung von mindestens fünf Prozentpunkten vor der konservativen Nea Dimokratia von Noch-Premier Antonis Samaras gewinnen wird. Die übrigen beiden sehen einen Vorsprung von 4,8 beziehungsweise 2,2 Prozentpunkten.
Tabelle 1 zeigt die Umfrageergebnisse für die Parteien im Detail.

SLE_T01_Letzte Umfragen zur Parlamentswahl Jan 2015 in GriechenlandTabelle 1

Damit konnte die Syriza ihren Vorsprung vor der Nea Dimokratia in den Umfragen weiter ausbauen. Die Frage ist demnach nicht mehr ob das Linksbündnis gewinnt, sondern nur noch wie hoch und ob es einen Partner braucht, um regieren zu können.

„To Potami“ in allen Umfragen drittstärkste Partei

Die Mitte-Links-Partei „To Potami“ („Der Fluss“) ist inzwischen in allen Umfragen die drittstärkste Partei.

Im Rennen um den dritten Platz zurückgefallen ist dagegen die bisherige Regierungspartei PaSoK von Evangelos Venizelos. Eine deutliche Mehrheit der Umfragen prognostiziert der Partei ein Wahlergebnis von unter fünf Prozent.

Die von Ex-Ministerpräsident Papandreou aus der PaSoK ausgegründete „Bewegung Demokratischer Sozialisten“ kann sich laut den Umfragen kaum mehr Hoffnungen auf den Einzug ins Parlament machen. Nur gemäß einer einzigen Umfrage könnte die neue Partei die für den Einzug ins Parlament gesetzte 3-Prozent-Hürde knapp schaffen (GPO: 3,0%).

Sicher erscheint mittlerweile der Einzug der Partei „Unabhängige Griechen“ ins Parlament. In den meisten der in der Tabelle 1 aufgeführten Umfragen kommen sie auf deutlich über drei Prozent der Stimmen.

Auch die neo-faschistische „Goldene Morgenröte“ kann wieder mit dem sicheren Einzug ins Parlament rechnen. Vier der sieben Umfragen vom 22.-23. Januar prognostizieren der Partei inzwischen sogar ein Wahlresultat von 6 Prozent und mehr. Demnach könnte sie möglicherweise ihr Wahlergebnis von Juni 2012 (6,9 Prozent) halten.

Absolute Mehrheit für Syriza nach wie vor wenig wahrscheinlich

Ob die Syriza alleine regieren kann, hängt davon ab wie viele Stimmen bei der Wahl auf Parteien entfallen, die an der 3-Prozenthürde scheitern. Je größer dieser ist, desto niedriger liegt der Stimmenanteil für die absolute Mehrheit.
Wie groß der Stimmenanteil für eine absolute Mehrheit bei unterschiedlich großem Anteil der nicht ins Parlament einziehenden Parteien wäre, verdeutlicht die folgende Tabelle 2: (1)

SLE_T02_Parlamentswahl GR Jan 2015_Variable Schwelle für absolute MehrheitTabelle 2

Laut Meinungsforschern entfallen auf Parteien, die den Einzug ins griechische Parlament verfehlen, bei den meisten Wahlen zwischen 5 und 6 Prozent der Stimmen. (2) Die letzten Umfragen deuten darauf hin, dass sich auch bei dieser Wahl kein höherer Wert ergeben wird.

Insofern ist es weiterhin höchst wahrscheinlich, dass die Syriza im Falle eines Wahlsieges einen Koalitionspartner benötigt, um regieren zu können.

Die ohnehin nur verhaltene Freude der Märkte über die gestrige Ankündigung der EZB, mit monatlichen Anleihenkäufen (Quantitative Easing (QE)) zu beginnen, dürfte angesichts des zu erwartenden Wahlausgangs spätestens am Montagmorgen verflogen sein.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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22 KommentareKommentieren

  • RedMoe - 23. Januar 2015

    Oh ja, das sind wieder mal harte Zeiten für den “deutschen Michel”. Erst gestern Schnappatmung, weil Draghi das geldpolitische Spritzpistölchen auspackt und am Sonntag dann auch noch Syriza-Sieg beim “faulen Griechen”. Ich freue mich schon auf die Kommentare und Leserbriefe in den deutschen Zeitungen am Montag. 😀

  • JL - 23. Januar 2015

    Mittelfristig bleibt die Frage, wohin die Reise der Griechen geht. Offensichtlich ist man aber der modernen Art der Odyssee überdrüssig. Wenn die Griechen es schaffen intensive wirtschaftliche Kontakte zu China (und damit indirekt zu Russland) aufzubauen, käme dies einem Affront gegenüber Brüssel gleich. Dies währe verheerender als der Austritt der Schweiz aus der Eurobindung.

    Schließlich würde es Alternativen ohne Brüssel aufzeigen- auch für andere Länder.

    Und das wiederum währe letztlich das Ende nach dem gescheiterten Anfang der EU.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 23. Januar 2015

      Hallo JL,

      so sehe ich das auch. Wenn die von Tsipras geforderten Neuverhandlungen festgefahren werden, könnte er sich in Richtung Russland und insbesondere China orientieren und das wäre für die EU/Euro-Zone in der Tat das von ihnen beschriebene verheerende Signal. In diesem Zusammenhang sei nebenbei auch daran erinnert – wie im ersten Griechenlandwahl-Update ausgeführt -, dass Tsipras kürzlich gesagt hat, er würde, wenn es nötig werden sollte, eine Koalition mit der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) präferieren.

      Es bleibt abzuwarten, wie die Wahl ausgeht und welche Optionen dann wirklich gezogen werden. Ohne Frage wird all das in den anderen europäischen Krisenstaaten, ganz besonders auch in Italien (wo in wenigen Tagen ein Nachfolger für den zurückgetretenen Staatspräsidenten Napolitano gefunden werden muss!), sehr aufmerksam verfolgt werden.

      Viele Grüße
      SLE

  • Holly01 - 24. Januar 2015

    Warum wäre das verheerend?
    Wieso würde eine Schaukelpolitik der EU zwischen den Machtzentren China und USA einen tatsächlichen Nachteil darstellen?
    Keiner der Machtblöcke USA/China kann auf die EU komplett verzichten. Die EU könnte durch eine Entscheidung durchaus den Ausschlag geben.
    Bei TTIP, Währungskrieg und NATO-Agression stellt China eine ast reine Drohkulisse dar, mit der die EU ihre Interessen unterfüttern könnte.
    Die USA kann sich den bruch mit der EU nicht leisten. Weder finanziell noch wirtschaftlich sind die USA auch nur eine Woche überlebensfähig, wenn die EU und China unisono den Geldhahn zudrehen.
    Mit welchem Recht erwarten dei USA einen Verzicht auf diese Option und mit welcher Logik schliessen die Europäer diese Option als “verheerend” aus?
    Ich würde mir da eine völlig andere Haltung wünschen.
    Viel weniger “wir hätten gerne weniger NSA” und viel mehr “wir erwarten Vollzug bis zum Sommer”.

  • SLE - 24. Januar 2015

    Hallo Holly01,

    das wäre verheerend, weil sich die EU so selbst zerlegt und das nur deswegen, weil die den Ton angebenden Politiker in der EU meinen,

    1. die EU-Krisenstaaten in den Wohlstand sparen zu können, während die Fakten klar zeigen, dass sie genau das Gegenteil erreichen,
    2. sich in der Außen- und Wirtschaftspolitik einseitig an den Interessen der USA ausrichten zu müssen, vor allem auch was den Ukraine-Konflikt und die Russland-Politik anbelangt.

    Zum ersten Punkt:

    Das führt, wenn weiterhin die Brechstange eingesetzt werden sollte, unweigerlich zum politischen Bruch innerhalb der Gruppe der EU-Mitgliedstaaten und insbesondere innerhalb der Euro-Gruppe. Die nächsten Wahlen in Großbritannien, Portugal und Spanien – alle in 2015 – werden genau das zeigen, wage ich zu prognostizieren. Zudem ist das mit Blick auf das vertraglich festgelegte Ziel der Förderung der “Kohäsion” (= wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt), aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht kontraproduktiv.

    Zum zweiten Punkt:

    In allen östlichen und südöstlichen EU-Mitgliedstaaten gibt es eine mehr oder weniger große pro-russische Bevölkerunggruppe. Die einseitige und von vielen als falsch bewertete Ukraine- und Russlandpolitik spaltet somit die Bevölkerung und auch die Politik in einer ganzen Reihe von Mitgliedstaaten in pro-europäisch und pro-russisch. Das sieht man z.B. auch im EU-Kandidat Serbien.

    Beides belastet den Zusammenhalt der EU und lädt Russland und China ein, sich zu engagieren. Wenn China und Russland diese Chance nutzen, läst sich das nicht mehr ohne weiteres revidieren. Das könnte – pointiert ausgedrückt – der Anfang vom Ende der EU sein.

    Niemand sollte glauben, dass das keine negativen Konsequenzen für uns haben würde. Das zu glauben, wäre naiv. Für die USA und China/Russland wäre das geopolitisch jedoch vorteilhaft.

    Grüße
    SLE

    • Eurelios - 24. Januar 2015

      Das führt, wenn weiterhin die Brechstange eingesetzt werden sollte, unweigerlich zum politischen Bruch innerhalb der Gruppe der EU-Mitgliedstaaten und insbesondere innerhalb der Euro-Gruppe.

      Naja der Bruch ist doch schon längst da. Die Risse des Bruches wird doch nur den Kleister
      (Geldmenge) der EZB zugeschmiert und nach dem verzweifelten Versuch am Donnerstag
      soviel Kleister wie möglich anzurühren ist der letzte Akt der Eurozone ohnehin eingeläutet.

    • Holly01 - 25. Januar 2015

      Hallo SLE und danke für die Antwort,
      so weit liegen wir da inhaltlich nicht auseinander, ich sehe da nur andere Schwerpunkte bei den Wünschen/Erwartungen an die Zukunft.

      • JL - 25. Januar 2015

        Hallo Holly01

        Von Wünschen und Erwartungen kann man nun aber schlecht leben. Es sind Ideale die in der Realität nur sehr selten auch eintreffen. Üblicherweise bestimmen harte Fakten die Realität. Und genau diese muß man analysieren und bewerten.

        Alles andere bleibt „Wunschdenken“ und verzerrt quasi reale Gegebenheiten, immer in der der Hoffnung, daß wenn man etwas als richtig erachtet, die anderen dies auch tun werden wollen.

        Ihre Ideale sind sicher nicht falsch, nur die Realität kümmert sich nicht um Ihre Ideale.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Erino - 24. Januar 2015

    Weder Russland noch China werden Griechenland eine nennenswerte Hilfe anbieten. So wichtig ist Griechenland nicht, als dass sie diesem Staat die 40 oder 50 Mrd Euro jährlich geben, die dieser Staat braucht, um wieder das vorige Wohlstandsniveau zu erreichen. Und wenn, warum sollte dies für uns verheerend sein? Ich würde mich darüber freuen.

    Ich kann weder Russland noch China als Feinde sehen, mehr Kooperation mit diesen Staaten dürfte uns allen nutzen. Wenn sich etwa Serbien mehr in Richtung Russland ausrichten will, warum denn nicht? Verheerend ist da gar nichts. Wie schon oft in diesem Forum im Zusammenhang mit der Ukraine diskutiert, ist eher unser Verhalten gegen Russland verheerend.

    • JL - 24. Januar 2015

      Hallo Erino

      Auf das was Sie schreiben würde ich nicht wetten wollen. China hat bereits mehrere griechische Häfen aufgekauft.

      Und die neueste Meldung von Heute ist:

      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/24/trotz-sanktionen-russland-erhaelt-weiter-delikatessen-aus-eu-staaten/

      Damit können die Russen verschiedenen Staaten bevorzugt Zugang zu ihrem Markt gewähren und anderen verweigern.

      Die glücklichen werden wohl Griechenland, Zypern, Italien und Frankreich sein. Der Rest darf zuschauen. Da wird es wohl erneut im europäischen Gebälk knirschen.

      Dies zeigt zwei Dinge auf:
      Einerseits sind die russischen Sanktionen für einige EU- Staaten ein sehr harter Schlag.
      Zum anderen gibt Brüssel seine Sanktionspolitik zu den Bedingungen Russlands langsam- aber sicher- auf.

      Fazit: Die Russen können sich zukünftig ihre EU- Geschäftspartner selbst raussuchen- was vorher nicht ging.

      Und schon sind wir wieder beim Anfang vom Ende.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

  • CharlyB - 25. Januar 2015

    die gemeinsame Währung in den südl. Ländern der EU ist das eigentliche Problem. Unsere Politiker sind unfähig, bzw. zu Kapital- und USA-hörig, als dass sie zugeben würden, dass das Experiment “Euro” gescheitert ist. Ich hoffe, dass Griechenland mit dem Austritt aus der gemeinsamen Währung den einzig sinnvollen Weg geht. Zurück zur Drachme, die sicher stark gegenüber allen anderen Währungen abwerten würde, dadurch aber dem Tourismus einen extremen Wachstumsschub verleihen würde. Man muß hier doch die Dinge stärken, die wirtschaftlich machbar sind, nämlich Tourismus und Landwirtschaft, ein Hightechland wird Griechland sicher nicht werden können. Wenn es noch gelänge, die abgewanderten Milliarden, zumindest teilweise zurückzuholen, könnte das Land in 2 oder in 3 Jahren wieder zu steigenden Lebensverhältnissen für seine Bevölkerung finden. Dann noch die möglicherweise großen Erdöl- und Gas-Vorkommen vor der griechischen Küste zum Wohle der eigenen Bevölkerung fördern und so nach und nach wieder einen bescheidenen Wohlstand schaffen.
    Dass die Schulden nicht zu tilgen sind und jede weitere Verschuldung doch nur wieder an die
    Banken geht, ist doch kein Geheimnis, also Schulden kpl. streichen, beziehungsweise Zurückzahlung verweigern. Wenn das funktioniert und Griechenland zügig gesundet, wäre das ein Signal an die anderen Südländer, auch diesen Weg einzuschlagen und EU und Euro wären endlich Geschichte.
    Ja, ich weiß, ein schöner Traum.
    Gruß
    CB

  • klaus - 25. Januar 2015

    Griechen heben 8 Mrd Euro ab in Dez14/jJan2015.

    http://www.zerohedge.com/news/2015-01-25/greek-deposit-outflows-soar-run-syriza-victory

    Ob die ELA-Versorgung da wohl reicht?

    Gruß klaus

    P.S. Mal gespannt was uns die Lebensversicherungen zur gelungenen
    Griechenland – Wahl.
    Bald geht die Verzinsung negativ.
    Und der Euro fällt, weil TINA es zulässt.
    Und Dr. Weidmann muß sich Frechheiten
    von ignoranten Journalisten wie heute Fr. Herrmann/TAZ
    im Presseclub gefallen lassen.
    Sie wird die Erste sein, die sich über den billigen Euro entzürnt.

    Hoffentlich besteuert Tschipras die Immobilien, die seit 2007
    zu günstig erstanden wurden.
    Oder macht die Immobilien platt mit dem Bulldozer.
    😉

    • Querschuss - 25. Januar 2015

      Hallo Klaus,
      “Ob die ELA-Versorgung da wohl reicht?”
      ….Zerohedge leidet leider unter einem gewissen Alarmismus, ist sicher der Sucht nach Klickzahlen geschuldet 🙂

      ELAs sind nicht mal ansatzweise ausgereizt, laut Bilanzausweis 31.12.2014 hatten griechische Banken nur 1,095137 Mrd. Euro via ELAs gezogen. Das ist nichts!
      Zum Hoch der Griechenlandkrise 2012 waren es mal über 100 Mrd. Euro. Da ist also noch “etwas” Luft 🙂

      http://www.bankofgreece.gr/BogEkdoseis/Isol2014.pdf
      unter Assets Pos. 6.0 (Other claims on euro area credit institutions denominated in euro) sind die ELAs bei der griechischen Zentralbank ausgewiesen.

      Gruß Steffen

  • Duke van Hudde - 26. Januar 2015

    Jetzt wird es richtig spannend. Das die Wahl so ausgegangen ist war zu erwarten und jetzt haben sehr viele Leute sehr grosse Probleme.

    Kommt es zum Schulenschnitt dann werden weitere Länder dies verlangen und daher wird man den nicht so einfach zulassen können. Zumal dann klar ist das die ganze Euro “Rettung” jetzt wirklich Geld kostet. Das was sie bisher an Geld gekostet hat kann man ja ziemlich schwer beziffern.

    Nur kommt es nicht zum Schuldenschnitt dann könnte er sich gezwungen sehen den Staatsbankrot zu wählen und dann ist zum einen das Geld auch weg und zum anderen ist man wohl aus dem Euro. Das ganze ist sogar noch gefährlicher den mit der Abwertung könnte es gelingen die Probleme in Griechenland in 2-3 Jahren zu lösen. Der Wohlstand könnte wieder zur Leistugnsfähigkeit(heisst natürlich deutlich geringer wie bisher) passen und die Massenarbeitslosigkeit könnte sich reduzieren.

    Das könnte dann das Ende vom Euro bedeuten den weitere Länder könnten diesen Weg einschlagen.

    Meine Vermutung ist ja das Deutschland bei dem Zusammenbruch seine ganzen Leistungsbilanzüberschüsse seit der Euroeinführung verlieren wird und das sind ca 1,6 Billionen das wird ein richtiger “Spass” wenn man sich vorstellt was dann hier los sein wird.Vor allen bei der Summe muss dann auch mal die Elite selber verluste einstecken den das kann der Steuerzahler sicher nicht mehr. Wobei ein Teil der 1,6 Billionen ist schon abgeschrieben worden aber der grösste Teil sicher nicht.

    Die Hoffnung bleibt das dann der Zentralisierungswahn endlich ein Ende hat.

    • Querschuss - 26. Januar 2015

      Hallo Duke van Hudde,
      wahrscheinlich bewerten die meisten die Entwicklung über, in der Realität geht es einfach weiter, Deutschland akkumuliert weiter Leistungsbilanzüberschüsse, wenn es geht, sogar noch mehr. Die Lernkurve bleibt flach, ist ja auch klar, denn dieselben Leute wie bisher dominieren die Wirtschafts- und Finanzpolitik in Deutschland.

      Griechenland wird etwas entlastet, die Zinslast weiter gesenkt, Laufzeiten weiter gestreckt und “gut ist es”. Auch Syrzia wird nicht aus den Euro wollen und die Eurozone sie nicht rausdrängen wollen. Meist werden die Beharrungskräfte des Systems unterschätzt, beliebtestes Mittel Zeit schinden und im Kern die alte Politik fortsetzen.

      Via Lohn- und Importschrumpfungen und einem guten Tourismus ist das Leistungsbilanzdefizit Griechenlands ja erstmal geschlossen, weiter Überschuesse generieren “wir” einfach mit den USA, UK, Frankreich und Asien in der Hoffnung, dass es bessere Schuldner sind, was im letzteren Fall, ja auch noch so ist. An den Kern, Abbau der wirtschaftlichen Ungleichgewichte und eine geringere Spreizung bei der Einkommens- und Vermögensverteilung geht niemand ran.

      Das System sitzt fest im Sattel, einzelne Länder und deren vielleicht progressiveren Parteien sind gar nicht in der Lage, isoliert daran zu rütteln bzw. in der Endkonsequenz auch nicht radikal genug. Radikal wäre, Staatsbankrott vollziehen, aus dem Euro austreten, kräftig abwerten, mittels eigener Geldpolitik das Land nach einem holprigen Übergang in Richtung Wachstum und Investitionen treiben, dass traue ich aber auch Tsipras nicht zu.

      Gruß Steffen

    • SLE - 26. Januar 2015

      @ Duke van Hudde & Steffen

      Also ich wage keine Einschätzung, wozu Tsipras in der Lage ist oder nicht. Niemand hat den Mann bisher in politisch verantwortlicher Position erlebt.

      Außerdem weiß er natürlich sehr gut, dass er in Europa mit seiner Kritik am Euro-Krisenmanagement nicht mehr allein dasteht. Die spanische Linkspartei Podemos, die aus den Protesten gegen die Austeritätspolitik Mariano Rajoys entstanden ist, steht in den Umfragen inzwischen etwa auf dem Niveau der allein regierenden Partido Popular. Die Podemos-Anhänger sind gestern – wie im griechischen TV zu sehen war – in wahre Begeisterungsstürme ausgbrochen, als die ersten Wahlprognosen in Griechenland kamen.

      In vielen EU-Staaten knirscht es spätestens seit der Europawahl im letzten Frühjahr gewaltig. Griechenland ist m.E. nur das erste Land, in dem die politischen Verhältnisse gekippt sind. Das spornt – ich sage mal – “Anti-Establishment”-Parteien, aber auch viele Bürger enorm an.

      Generell, so denke aber auch ich, ist es realistischer davon auszugehen, dass Tsipras irgendwann mit einem Großteil seiner Vorhaben auf der Strecke bleiben wird. Aber warten wir erst mal ab, bis er eine Regierung gebildet hat und die Verhandlungen mit der Euro-Gruppe wirklich beginnen.

      Viele Grüße
      SLE

  • dank - 26. Januar 2015

    Zum BRICS-Engagement in Griechenland gibt es Stimmen und Bewegungen, die mit Hilfe locken:

    “Denn China wird in Athen als der große „strategischen Partner“ Griechenlands gesehen, der maßgeblich dazu beitragen soll, das Land aus der Krise heraus zu ziehen. Xi Jinping ließ sich nicht lumpen und versprach auf dem Flugplatz von Rhodos, die „umfassende strategische Partnerschaft“ noch weiter auszubauen.
    “Diese Partnerschaft ist keine Fiktion. Spätestens seit 2010 ist offensichtlich, dass Griechenland den Wirtschaftsplanern in Peking tatsächlich als idealer Umschlagplatz für den chinesischen Handel in Richtung Mittel- und Osteuropa ins Auge sticht. Das belegen die Investitionen der staatlichen Reederei Cosco in den Container-Hafen von Piräus und das erklärte Interesse der Chinesen an der Übernahme des gesamten Hafens sowie am Einstieg in das (zu privatisierende) griechische Eisenbahnsystem. Angesichts dieses Interesses kann man durchaus verstehen, wenn Samaras die chinesischen Investitionen „in griechische Häfen, Eisenbahnlinien und Flughäfen“ würdigt und sein Land dem strategischen Partner als „Eingangstor zum EU-Markt“ andient.”
    http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=22431

    ” Im Fall Griechenland zum Beispiel warnte der brasilianische Exekutivdirektor Paulo Nogueira Batista im Mai 2010, das Programm könne „nicht als Rettung von Griechenland gesehen werden, sondern als Rettungspaket für die privaten Gläubiger von griechischen Schulden, vor allem europäische Finanzinstitute“. ”
    http://www.tagesspiegel.de/politik/schwellenlaender-mit-eigenen-waehrungsfonds-der-westen-hat-kredit-verspielt/10303548.html

    “Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wollen die meisten BRICS-Staaten den Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Kreditvergabe an Griechenland unterstützten und zu einer bessere Kapitalausstattung des Fonds beitragen.”
    http://www.zertifikatereport.de/bnews_2665471.html
    So indirekt wird es nicht mehr vorkommen, wie damals.

    “China mischt den “Hinterhof” der USA auf”
    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43935/1.html

    “Putin lobbyiert im «Hinterhof der USA»”
    http://www.srf.ch/news/international/putin-lobbyiert-im-hinterhof-der-usa

    Der Ablauf und die Gleichzeitigkeit kann kein Zufall sein, gerade jetzt. Und das Kuba von beiden Seiten bezirzt wird, nach der jahrzehntelangen Sanktionspolitik durch “Wir sind die Guten”, lässt auch auf leicht aufkommende Panik schließen.
    Der Greenback verliert an Farbe…

    Drei Blöcke, die zu vielen Themen politisch unterschiedlicher nicht stehen könnten, auch wenn der Souverän das in so manchen Fällen gerne anders hätte, stellen ihre Teams zusammen und da ist die EU eines der Filetstücke – nicht der Euro-Raum, der sich fortwährend selbst sabotiert…

    Ein Miteinander der Blöcke wäre natürlich zu begrüßen, was aber auch ein Zurückstecken der Machtansprüche bedingen würde nicht “der Herrscher der Welt zu sein”. Aber wer will ernsthaft davon ausgehen, dass es hierfür Anzeichen gibt? Eher wird seit Jahren an den Rändern ein monetäres, politischen und militärisches Reiben der Opponenten sichtbar.

    “Fällt der Euro, dann fällt Europa” – der Spruch bezieht sind wohl eher auf die erhoffte gesamteuropäische Souveränität, die beim wirtschaftlichen und (finanz-)politischen Verschmelzen der Länder erschaffen werden sollte, allerdings wäre dies nach TTIP und CETA und diversen anderen Kniffen kaum mehr möglich (gewesen?), diese Power aufzubauen. Während das die Länderchefs vielleicht erträumten, besonders ein Herr Schäuble und eine Frau Merkel mit Hilfe von Frankreich hier ein unabhängiges Europa auf die Beine zu stellen, stellt Brüssel bereits diesen Beinen selbst ein Bein mit der Hörigkeit über den Atlantik. Die Absetzbewegung der Briten (der City) erscheint dadurch auch in einem anderen Licht.

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