Zitterpartie griechischer Schuldenschnitt …, nur für wen?

von am 8. März 2012 in Allgemein

Der Termin, bis zu dem sich die Gläubiger Griechenlands entscheiden müssen, ob sie sich freiwillig am Schuldenschnitt beteiligen oder nicht, steht fest:

Heute um 21:00 Uhr (MEZ).

Die entscheidende Frage ist, ob der Schuldenschnitt gelingt oder – möglicherweise trotz der jüngst in Gesetzesform gebrachten Möglichkeit zur Zwangsbeteiligung (Collective Action Clauses (CAC)) von Gläubigern – scheitert.

Das Gesetz kommt zur Anwendung, wenn sich zu wenig Gläubiger freiwillig beteiligen, das heißt, wenn weniger als 75 Prozent der betroffenen griechischen Schulden durch die Gläubiger abgedeckt sind, die sich bis 21 Uhr auf die entsprechende Liste eingetragen haben. Das Gesetz kann andererseits jedoch nicht zur Anwendung kommen, wenn die sich freiwillig beteiligenden Gläubiger für weniger als 50 Prozent der relevanten Schulden stehen. Kommen mehr als 50 Prozent für den freiwilligen Schuldenschnitt zusammen, bedarf es der Zustimmung von Zweidrittel dieser, sich freiwillig beteiligenden Gläubiger, damit das Gesetz zur Zwangsbeteiligung angewendet werden kann. (1)

Nun ist bekannt, dass bisher vor allem Banken und Versicherungen ihre Bereitschaft zum freiwilligen Schuldenschnitt bekundet haben. Werden sie im Zweifelsfall die Anwendung des Gesetzes zur Zwangsverpflichtung befürworten?

Wovor alle Angst haben und was die ganze Welt gegenwärtig beschäftigt, ist die Frage, ob es in diesem Zusammenhang offiziell zu einem Kreditereignis kommt und damit die auf griechische Anleihen abgeschlossenen Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps (CDS)) fällig werden. Denn wer wo und inwieweit mit CDS im Risiko steht und ob tatsächlich alle Anbieter von entsprechenden CDS im Falle eines griechischen Kreditereignisses wirklich zahlen können und ob es, wenn das nicht der Fall ist, nicht infolge gegenseitiger Absicherung von CDS-Anbietern durch CDS eine neue Kettenreaktion auf den Finanzmärkten erfolgt, weiß niemand. Nach der Lehman-Pleite ist genau das geschehen – man denke nur an den Fall der einst weltgrößten Versicherung AIG.

Die Entscheidung, dass ein Kreditereignis vorliegt, trifft der Derivateverband, die International Swaps and Derivatives Association (ISDA), genauer gesagt das innerhalb der ISDA für Europa zuständige Komitee. In diesem Komitee sitzen unter anderem die im CDS-Geschäft größten acht Banken, namentlich: die Bank of America Merrill Lynch, Barclays, BNP Paribas, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Societe Generale und die UBS. Auch in CDS engagierte „Nicht-Banken“ und Investoren gehören dazu: Pimco, Blue Mountain Capital, D.E. Shaw Group und die Elliot Management Corporation. (2)

Da liegt das Problem. Nehmen wir zum Beispiel einmal die US-Banken in den Blick.

Nach den letzten verfügbaren Zahlen des Office of the Comptroller oft the Currency (OCC) für das dritte Quartal 2011 vereinen lediglich fünf große US-Banken 96 Prozent des von US-Banken und -Handelsgeselllschaften getätigten Derivategeschäfts. Auf Holdingebene sind das die in der Tabelle aufgeführten. (3)

Das sind bombastische Zahlen – nur damit kein Zweifel aufkommt: Es geht hier um Billionen bzw. amerikanisch: um Trillions – die jedoch durch das sogenannte Netting, bei dem entsprechende Positionen auf der Aktiv- und Passivseite der Bilanz einfach gegeneinander aufgerechnet werden, auf „kleinere“ Milliardenbeträge zusammenschmelzen. Genau genommen verschwinden die Risiken dadurch natürlich nicht.

Das bedeutet im gegebenen Zusammenhang, dass Banken als Kreditversicherer im Geschäft sind und sich andererseits in ähnlicher Größenordnung über Kreditversicherungen bei anderen CDS-Anbietern abgesichert haben. Genau daraus, das heißt aus der – völlig undurchschaubaren – gegenseitigen Absicherung bei gleichzeitiger Konzentration des CDS-Geschäfts auf eine weltweit überschaubare Zahl von großen Akteuren, resultiert die Gefahr einer Kettenreaktion im Falle eines Kreditausfalls.

Vor diesem Hintergrund stellt sich ernstlich die Frage, ob die sich freiwillig am Schuldenschnitt beteiligenden Großbanken und Investoren bereit sein werden, der Anwendung des Gesetzes für die Zwangsbeteiligung am Schuldenschnitt zuzustimmen? Schließlich befinden sich unter diesen wenigstens einige derjenigen, die zur Crème de la Crème des CDS-Marktes gehören und im für den Fall Griechenland zuständigen ISDA-Komitee die Entscheidung über das Vorliegen eines Kreditereignisses zu fällen haben.

Diese Frage mag sich jeder selbst beantworten. Jim Sinclair hat in diesem Punkt kürzlich eine drastische Einschätzung kundgetan: Er rechnet im Falle eines Kreditereignisses in Griechenland mit der Insolvenz der fünf größten US-Spieler auf dem Derivatemarkt – allerdings rechnet er auch fest damit, dass sie von der US-Regierung gerettet werden. (4)

Warten wir es also ab.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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44 KommentareKommentieren

  • ö.ä. - 8. März 2012

    Vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag.

    In Großbritannien scheint man sich ernsthaft zu sorgen:

    “Das Komitee zur Nationalen Sicherheit Großbritanniens fordert einen Notfallplan für einen Zusammenbruch der Eurozone. Der ganze oder teilweise Kollaps der Eurozone sei ein “plausibles Szenario”, man müsse sich “schnellstmöglich” darauf vorbereiten, heißt es am Donnerstag in einem Bericht des Komitees.”
    vor 41 Min (12:51) – Echtzeitnachricht

    Quelle: http://www.boerse-go.de/jandaya/#!Ticker/Feed/?Ungefiltert

  • M.E. - 8. März 2012

    Klar werden die CDS-Giganten im Falle eines Falles gerettet. Fragt sich nur, wer dann den Retter rettet. Der ist nämlich schon auf´s Heftigste belastet.
    Sozusagen ein Rettungsschwimmer, der einem Ertrinkenden zu Hilfe eilt, aber selbst einen dicken Bleigürtel um den Bauch hat.

    Und eines ist ebenfalls klar: Griechenland ist mit diesem Schuldenschnitt keineswegs gerettet.
    In spätestens 2 bis 3 Jahren geht das ganze Drama wieder von vorne los.
    Realwirtschaftlich wird der Absturz erst einmal weitergehen. Vermutlich, bis sich die ohnehin nie riesige ehemalige Wirtschaftsleistung halbiert ist.
    Von der sozialen Tragweite ganz zu schweigen.

  • M.E. - 8. März 2012

    Hallo ö.ä. ,
    ja, die Euro-Länder sollten endlich mal von den Briten lernen, wie solide gewitschaftet wird.

    Die Schuldenweltmweister zeigen mit dem Finger auf die Schulden-Vizeweltmeister.

    • ö.ä. - 8. März 2012

      Hallo M.E.,

      es ist nicht an mir vorbeigegangen, dass Großbritannien massive Probleme hat.
      Und ob es sich um ein bloßes politisches Manöver handelt oder, ob tatsächlich Angst mit im Spiel ist, kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke, das kann keiner von uns, der kein Insider ist.

      Ich halte es aber für möglich, dass hier tatsächlich Sorgen mit im Spiel sind, da Großbritannien ja schon angezählt ist und versucht wird, sich vorzubereiten, um einen Vorsprung zu haben. Mir kommt da eine Metapher in den Sinn (ich weiß leider nicht mehr, wo ich sie kürzlich gehört oder gelesen habe): Wenn eine Gruppe von Menschen während eines Campingausfluges von einem Bären angegriffen werden, muss man nicht schneller als der Bär, sondern schneller als der langsamste Campingausflugteilnehmer sein.

      • SLE - 8. März 2012

        Hallo ö.a.,

        ja klar sind bei der britischen Regierung Sorgen im Spiel: Ihre Banken sind weltweit die mit großem Abstand am stärksten verschuldeten (250 Prozent)!

        siehe zur Lage im Vereinigten Köngreich auch:
        http://rwer.wordpress.com/2012/01/01/debt-britannia-with-16-graphs/

        Gruß
        SLE

        • ö.ä. - 8. März 2012

          Dankeschön für den Link.

  • Lars - 8. März 2012

    Laut einiger Marktgerüchte liegt die Beteiligungsbereitschaft momentan nur bei ca 60 Prozent was eigentlich in den kommenden Stunden noch einmal für deutliche Unruhe sorgen könnte. Sicherlich pokern die Hedge Fonds hier aber bis zum Schluss, und ich gehe davon aus dass diese Zahl noch nach oben revidiert wird.

    Dennoch würde es mich wundern wenn bereits heute schon eine echte Entscheidung gefällt werden würde. Eine weitere Krisensitzung am Wochenende ist zumindest denkbar…

    • SLE - 8. März 2012

      Das sehe ich auch so. Die werden die Entscheidung ggf. einfach verschieben. Ich schätze zudem, dass am Ende aufgrund der Sorge um die Banken/Finanzmärkte die EU die fehelnde Schippe obendrauf werfen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass das, was geschieht, zum Kreditereignis erklärt wird, ist m. E. sehr gering. Die Banken wissen das, die Hedgefonds auch. Die Frage ist nur, wie sich das auf die CDS als Produkt auswirken wird und ob es nicht Probleme von anderer Seite geben wird, nämlich von denen, die sich damit verzockt haben.

      Gruß
      SLE

  • M.E. - 8. März 2012

    Wir haben keine Meinungsunterschiede, ö.ä.,
    im Mittelpunkt steht nun mal die Euro-Misere mit der besonderen griechischen Misere. Egal, ob andere eine noch höhere gesellschaftliche Gesamtverschuldung haben oder nicht.
    Das haben die Angelsachsen gut geschafft, von ihren eigenen Problemen abzulenken. Und die Japaner in ihrem Windschatten ebenfalls.

    • ö.ä. - 8. März 2012

      Draghi liest hier wohl mit 🙂 : “EZB-Präsident Mario Draghi: Risiken in der EZB-Bilanz nicht größer als in den USA oder Großbritannien.
      vor 28 Min (15:03) – Echtzeitnachricht”
      Quelle: s.o.

      • MMT-Fan - 8. März 2012

        Und da hat Draghi wohl recht. Der Euro ist wie alle Währungen dieser Welt und auch die alte DM Fiat-Money. Die EZB kann finanztechnisch niemals insolvent werden, sowenig wie die USA oder England. Die Verluste der EZB müssen nicht durch die Euroländer ausgeglichen werden, wenn das verlangt wird, dann ist das eine politische Entscheidung.
        Seit dem Ende des Währungssytems von Bretton Woods sind alle Währungen dieser Welt Fiat-Money. Das ist offensichtlich noch nicht in den Köpfen der Leute, obwohl es inzwischen 41 Jahre her ist. Der Wechsel vom Goldstandard mit festen Wechselkursen zu Fiat-Money mit am Markt ermittelten Wechselkursen war ein fundamentaler Umbruch.

        Im übrigen vielen Dank an Steffen und die Diskutanten für diese informative und wichtige Website.

        MMT-Fan

  • Ivan - 8. März 2012

    Ich glaube nicht, daß das System ein Kreditereignis zulassen wird. Inter den Kulissen wird/wurde alles schon dementsprechend geregelt. Ich rechne mit einer Zustimmung um die 80 %.

  • Tweel - 8. März 2012

    Sehe ich das Richtig? Kommt das Kreditereignis, so haben wir ein paar schlimme Pleiten NY. Kommt das Kreditereignis nicht, haben wir ein paar weniger schlimme Pleiten NY?

    Wirklich herzlichen Dank für diesen Blog.

  • Alsterpirat - 8. März 2012

    Zwar soll u.a. auf Geheiß von Merkozy & Co. die “Troika”- überwachte Finanz-Geiselhaft Griechenlands noch für mindestens drei Jahre in die Verlängerung gehen, die Frage aber, wie die “Zahlungsfähigkeit” (besser: Kapitaldurchleitungsfähigkeit) dieses definitiv insolventen Landes nach ‘nem “erfolgreichen Schuldenschnitt” gewährleistet werden soll, wenn die Quartalsberichte der “Troika” keine weitere Tranchenauszahlung rechtfertigen, bleibt offenkundig im Dunkeln…
    Schließlich werden auch nach dem kritischen 20. März 2012 in schöner Regelmäßigkeit weitere dicke Summen fällig: allein am 18. Mai und am 20. August d.J. jeweils rd. 8. Mrd. € !Eine detaillierte Aufstellung der fälligen GR-Anleihen befindet sich hier:

    http://www.finanzen.net/anleihen/griechenland-anleihen

    Sollte die “Troika” also – absehbar – weiterhin “mit Griechenlands Performance nicht zufrieden sein” und weitere Tranchenauszahlungen verweigern (müssen), erleben wir dann in jedem weiteren Quartal ein Pleite-deja-vu…?

    Also “rettendes Ufer ESM” ? Nach diesem mehr als eindeutigen Fingerzeig des Bundesverfassungsgerichts-Präsidenten Andreas Vosskuhle gegen den ESM, mit dem er am vergangenen Wochenende sogar alle potenziellen Kläger indirekt aufgefordert hat, schnellstmöglich in Karlsruhe vorstellig zu werden, würde ich mich wirklich nicht mehr auf dessen tatsächliches Inkrafttreten zum 1. Juli d.J. verlassen wollen:

    http://www.radio-utopie.de/2012/03/05/verfassungsgerichtsprasident-grundgesetz-ist-eu-recht-ubergeordnet/

    Man darf also durchaus gespannt sein, ob Finanzoligarchie im Verbund mit semiprofessionellen EU-Politikern ihren Coup auf Kosten der Steuerzahler und unter Entmündigung gewählter Parlamente tatsächlich wie geplant durchbringen werden…- die Verfassungsgerichte jedenfalls standen erfahrungsgemäß schon einige Male zuvor einem kopflosen Schalten und Walten interessengesteuerter Entscheidungsträger im Wege und damit auf der Seite der Bürger…;-)

  • Gast01 - 8. März 2012

    Hi!
    Ich hab mir diese Woche mal angeschaut wie das (mit den CDS) denn von statten gehen würde/soll.
    How all CDS are at risk of not paying out
    How Greece’s default could kill the sovereign CDS market
    … konnte es aber beim besten willen nicht nachvollziehen. Wahrscheinlich ist das aber volle Absicht, waren die Dinger ja ursprünglich nicht dazu gedacht je fällig zu werden (sonder eher zur Bilanzkosmetik)

  • alt-shift-x - 8. März 2012

    kommt schon, hier glaubt doch keiner ernsthaft, dass die ISDA die CDS triggern lässt, oder? Eher noch vertagt man die Entscheidung, die EZB druckt noch ein bisschen Fiatpapier nach und irgendwer nimmt das und kauft damit den “Unwilligen” ihren Anteil zu einem besseren Kurs ab. Nur wenn jetzt klar wird, dass CDS nicht zum absichern von Bonds taugen weil sie in so einem Ausfall doch nicht triggern, was bedeutet das für die Bonds?

  • Michael - 8. März 2012

    Die Beteiligungen der Banken und Versicherungen an den Griechen-Junkies war nur noch relativ gering. Die hatten den Trödel an die EZB “verkauft” und bei allerlei “Staatsbanken” untergebracht. Die Fonds hätten das Zeugs mit dem Verlust des Investment-grade rauskegeln müssen. Sie werden es “versichert” haben, um nicht zu zeigen, dass sie in der Tinte baden. Die EZB hatte sich durch ein Hütchenspiel aus Schußweite geschlichen. Dann wird wohl ein erheblicher Teil, bei Banken mittels CDS versichert, in allerlei hedgefunds liegen. Natürlich ist eine 30-jährige CCC geratete Griechen – Neuanleihe mit 2 % Verzinsung für JEDEN Investor indiskutabel. Wer mit Milliarden hantiert, ist gewiß kein Dummer, der sich von allerlei Propagandamärchen beeindrucken läßt.

    Die Frage besteht eher darin, ob die Griechen es schaffen, die Portugiesen mitzunehmen, wenn sie absaufen. Bisher hat es den Anschein. Morgen früh werden wir es besser wissen. Ich würde vermuten, dass keine 30% der privaten Gläubiger gezwungen freiwillig mitmachen. Die Banken dürften vor allem Angst um das Auslösen “ihrer” CDS haben. Sollten die nicht fällig werden, würden sie für die nächsten 20 Jahre mit Schadenersatzklagen beschäftigt sein. Außerdem würden nicht betroffene “Versicherungsverträge”, die im Schadensfall ähnlich wertlos sind, selbstverständlich gekündigt. Ein Zocker – Spielzeug weniger, das macht die Welt nicht unsicherer. Die Wahrscheinlichkeit, dass die CDS ausgezahlt werden müßten wäre entsprechend sehr hoch. Somit auch die, dass aus diversen Banken weitere badbanks werden.

    Wir werden sehen, ob “Bankenkrise 2.0” gespielt wird und welche Macht die Banen wirklich haben. Letztens standen sie als Kaiser ohne Kleider da. Mal abwarten, ob sich was gebessert hat.

  • dicke Bertha - 8. März 2012

    Kann in einer Währungsunion davon gesprochen werden, dass die Kapitalbilanz der Handelsbilanz befiehlt?

    Mit 17 Währungspartnern.

    Mit 16 Einkaufsmöglichkeiten von Gütern und Dienstleistungen intern und über 200 extern?

    Kann ich davon sprechen dass Transferleistungen Bayerns an Bremen , den Bremern befehlen für die Transferleistung bayerische Produkte zu kaufen?

  • Andres Müller - 8. März 2012

    In diesem Zusammenhang spannend, die CDS der Greichen stiegen heute um unfassbare rund 57%. Pro 100000 Euro Griechenanleihe muss man somit 38000 Euro aufwerfen.
    http://www.cnbc.com/id/38451750/

    Wenn der Schuldenschnitt klappt -wieviel kosten diese CDS danach? Die Versicherung hat dann ja versagt und der Anleihewert für den die CDS stehen haben sich mehr als halbiert.

    Irgendwie geht das nicht auf —ich bin ja gespannt.

    • Lothar - 8. März 2012

      Frage ist ob noch jeamnd die CDS will. Wenn ich als Selbststaendiger einen Auftrag nicht wirklich uebernehmen will, mache ich auch eher ein unsittliches Angebot anstatt eine generelle Absage zu geben.

  • Lesefuchs - 8. März 2012

    Hier tut sich ein Dilemma auf. CDS sollen Ausfälle versichern und wenn das jetzt nicht geschieht, wozu dann CDS? Ich denke aber, dass das schon intern geregelt wird. Im Normalen kennt das aber wohl jeder. Will man eine Versicherung, stehen die Typen zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der Matte. Aber wehe man hat einen Schaden ( ausser Peanuts Schäden). Kassiert wird schnell, aber in dem Wissen das man sowieso nur unter “Androhung von Mord” zahlen wird. Es wird für die Meisten, ausser dem Volk, gutgehen.

  • Th0 - 8. März 2012

    Bei ~4Milliarden ( siehe unten den link) auf GR CDS, wobei das nur scheinbar die gesamt nominale ist , es wird ja wenn überhaupt nur ein Teil davon je nach auszahlungsquote fällig, riskiert die ISDA sicher nicht das ihr Kartenhaus zusammenbricht.

    Vorausgesetzt diese Zahl stimmt.

    1a


    Br

    • Querschuss - 8. März 2012

      Hallo Th0,
      das CDS-Nettingvolumen auf griechische Staatsschulden beträgt tatsächlich aktuell nur 3,163 Mrd. Dollar, das Bruttovolumen immerhin 68,901 Mrd. Dollar. Bei einem Zahlungsausfall dürfte das Netting meiner Meinung nach nicht relevant sein, sondern eher das Bruttovolumen, aber auch 68,9 Mrd. Dollar dürften das System nicht zum kippen bringen, da wurden schon ganz andere Summen weggesteckt. Die Daten sind von The Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC)

      http://www.dtcc.com/products/derivserv/data_table_i.php?tbid=6

      ISDA greift auch auf DTCC-Daten zurück, insofern dürften diese Daten ein relativ reales Bild der Lage der CDS auf Griechenland liefern.

      Gruß Steffen

  • Imperator - 8. März 2012

    Den Gedanken an Hartz 4 bei den 359 Euro werde ich einfach nicht los. dEUtschland geht voran….mich packt da richtig die Wut.

  • Holly01 - 9. März 2012

    CDS waren nie dazu da, die Kredite gegen Ausfall abzusichern. Die CDS Geber wollten im Ringtauschverfahren, nur eine Möglichkeit die Besicherung der Kredite mit Eigenkapital zu senken.
    Der Markt ist vom Handel mit CDS geprägt. Jeder kauft und verkauft den Mist, um das Eigenkapital zu schonen.
    Zweite Variante ist das Hinterlegen eines Kreites mit CDS, um ihn “Aufnahmefähig” für die eigenen Bücher zu machen. Motto : Ja der Kredit ist BB- aber durch die CDS Absicherung, haben wir ihn wegen der Rendite trotzdem als sichere Rendite im Portfolio.
    Wären CDS eine Sicherheit, dann hätten die Kreitgeber die in ihren Büchern.
    So gesehen, sind CDS überflüssig. Sie dienen nur dem Aushebeln der Regulierung. Das ganze Gejaule geht ausschliesslich um die Versicherung der Staatsanleihen. Ein BB ist kein Problem, wenn man das mit einer Versicherung umgehen kann.
    Würden CDS fällig, dann ist die Summe überschaubar. Die Einnahmen mit CDS waren bisher immer Brutto wie Netto, also Reingewinn, das wird den Banken fehlen.
    Werden CDS nicht fällig, ist ihr Sinn widerlegt. Der Mythos der Versicherung, bei den Privatanlegern ist hin.
    Einer Fabel muss niemand nachweinen.
    Weg mit den CDS, her mit Regulierungen, die sinnvoller und weniger leicht zu hintertreiben sind.

  • Georg Trappe: - 9. März 2012

    @MMT-Fan
    Ja, die “Modern Money Theory” eroeffnet eine interessante Perspektive auf die Vorgaenge.
    Insbesondere auf die Bedeutung von staatlicher Souveraenitaet im Umgang mit Krisen, deren bewaeltigung Geld kostet.
    http://hir.harvard.edu/debt-deficits-and-modern-monetary-theory
    Denn wenn es fuer die USA noch zutreffend sein mag, dass der Staat ueber den Congress letztendlich Durchgriff auf die halbstaatliche FED hat und so der Staat Herr der Geldschoepfung ist, so ist das in den Euro Laendern nicht mehr der Fall.
    Im Falle Deutschlands sagt der Art. 88 GG:
    „Der Bund errichtet eine Währungs- und Notenbank als Bundesbank. Ihre Aufgaben und
    Befugnisse können im Rahmen der Europäischen Union der Europäischen Zentralbank
    übertragen werden, die unabhängig ist und dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität
    verpflichtet“
    Die Betonung liegt auf “unabhaengig”.
    Ich nehme an, das die Verfassungen der anderen Euro Staaten aehnliche Artikel enthalten, in denen die Herrschaft ueber die Geldschoepfung an die EZB abgetreten wird.
    Damit treffen die Aussagen der MMT nach meinem Verstaendnis nur mit Einschraenkungen/Modifikationen auf Euroland zu. Das Draghi eine Politik verfolgt, die der der FED aehnlich ist, beweisen die juengsten Operationen der EZB. Das Schulterklopfen vom grossen Vorbild liess ja auch nicht lange auf sich warten.
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/tv-interview-us-finanzminister-europa-verdiene-lob-im-umgang-mit-der-schuldenkrise-/6306728.html
    Ob die so mal wieder geldpolitisch verschaffte Luft/Zeit aber auch genutzt wird, um die Probleme auch an ihren Wurzeln zu kurieren, ist in meinen Augen mehr als fraglich. Denn ich werde den Eindruck nicht los, dass die “Experten” glauben mit Sparen und Verbesserung der Wettbewerbsfaehigkeit hier und dort liesse sich eine systemimmanentes Problem loesen.

  • ö.ä. - 9. März 2012

    Hallo,

    ein kleines Hintertürchen ist vielleicht noch offen: http://www.boerse-go.de/nachricht/Kreise-Hedgefonds-finden-Hintertuerchen-aus-Umschuldung,a2778237.html

    Soweit ich weiß hat die ISDA noch nicht entschieden, oder? Dass ein “Kreditereignis” eintreten wird, halte ich zwar für äußerst unwahrscheinlich, aber hätte vor 10 Jahren jemand gedacht, dass Banken verstaatlicht werden? Und als es dann gemacht wurde, dass man Leman Brothers über die Klippe springen lassen würde? Oder dass eine der 3 großen Ratingagenturen den USA das Tripple A entzieht?

    • Andres Müller - 9. März 2012

      Die Griechen haben den Zwangsumtausch aktiviert, so wurde das heute Morgen vermeldet. Damit folgert nach den Regeln dieses ISDA der Auszahlungsfall. Sollten die Mitglieder dagegen stimmen, so würden die Credit Default Swaps wohl für Investoren in den abgestuften Zockerstatus übertreten.

  • ö.ä. - 9. März 2012

    Hier wird wohl die Entscheidung verkündet: http://www.isda.org/dc/view.asp?issuenum=2012030901

  • ö.ä. - 9. März 2012

    Unbestätigten Quellen zufolge hat die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) die Aktivierung der Umschuldungsklauseln als “Kreditereignis” gewertet
    vor 2 Min (20:08) – Echtzeitnachricht
    Quelle: http://www.boerse-go.de/jandaya/#Ticker/Video/Archiv/interaktiv/Jandaya/JandayaKompakt/Jandaya-09-03-2012.mp4

    • Andres Müller - 9. März 2012

      Diese Entscheidung war wohl im Sinne des Finanzsystems. Eine abschlägige Entscheidung hätte das Misstrauen in die CDS zu sehr verstärkt. Abzuwarten bleiben die Folgen dieser Auszahlungsanordnung -aber ich denke dieses Geld wird wohl irgendwie indirekt irgendwo aus dem Bottich der Notenbanken gesogen. Griechenland ist zu klein um da Verwerfungen zu generieren welche den EZB-Drachen aus der Ruhe bringen könnte.

      • Andres Müller - 9. März 2012

        habe noch einen Aspekt vergessen zu erwähnen -die ISDA Entscheidung stärkt auf der anderen Seite das angeschlagene Vertrauen in die Cedit default Swap bei Staatsanleihen. Eigentlich ohne Grund, denn bereits ein Staatsbankrott in der Grösse Spaniens könnte das CDS System kaum verkraften. Trotzdem – die Preise für CDS werden vermutlich steigen, was indirekt inflationäre Tendenzen auslösen dürfte weil sich die Bonds so ingesamt verteuren.
        Aus meiner Sicht müsste man CDS völlig verbieten, der IWF sollte das richtige Instrument sein um strauchelnde Staaten zu stützen. (es ist mir natürlich klar dass der IWF gegenwärtig eine Organisation ist die auch ich immer wieder kritisieren muss, aber rein Funktional wäre das der richtige Ort für Finanzhilfen)

        • ö.ä. - 10. März 2012

          Wahrscheinlich entsteht der viel größere Schaden, wenn erstmal jedem klar wird, dass nicht mal ein “Leichtgewicht” wie Griechenland “gerettet” werden konnte.
          Seit 2008 waren CDS bekannt und wurden verteufelt, unternommen wurde nichts. Ein System in dem so etwas legal ist, soll meiner Meinung nach ruhig den Bach runter gehen. Denn es wird unter immer schwierigeren Umständen auch nicht vor der bestmöglichen ökonomischen Verwertung des einzelnen Menschen zurückschrecken.

      • ö.ä. - 10. März 2012

        “Diese Entscheidung war wohl im Sinne des Finanzsystems.” Das vermute ich auch. Wenn man bedenkt wie gering die Reaktion z.B. beim Dow Jones war, im Gegensatz zu der Reaktion auf andere Ereignisse mit ähnlicher Tragweite gerade in dieser angespannten Zeit.

  • Georg Trappe: - 10. März 2012

    Hm?
    Weniger als 75% dann CAC.
    Wenn CAC dann CDS Ausloesung.
    Dann Hurra 85%!
    Und dann doch CAC und CDS Ausloesung?
    Ich verstehe es nicht!

    • ö.ä. - 10. März 2012

      Das angestrebte Ziel war, soweit ich weiß, eine 90%ige Zustimmung zum Schuldenschnitt. 75 % waren der gefeierte “Etappensieg” kurz vor Schluss. Außerdem mussten, wenn ich richtig informiert bin, zwei Quoten erfüllt werden, weil einige Anleihen nach griechischem Recht und andere nach anderem Recht behandelt werden.

  • johnplayer - 10. März 2012

    Jetzt wo die CDS ausgelöst sind habe ich dazu dann noch ein paar Fragen, die mir vielleicht jemand hier beantworten kann.

    Kann ich davon rein logisch betrachtet ausgehen, dass dies einfach eine finanzpolitische Entscheidung war. in diesem Fall einfach das Bruttovolumen von 68,901 Mrd. Dollar auszuzahlen, um damit festzuhalten, dass die CDS Blase nicht platzen wird.

    Meine Überlegung ist dahin gehend, dass wenn dieses Kreditereignis nicht auch als solches gewertet würde, sich die Global Player im Derivatemarkt ja nach der Sinnhaltigkeit von CDS selbst hinterfragen müssten. Ergo würden mit Sicherheit viele großen Player sich aus dem Spekulationsspiel mit CDS verabschieden ?!

    Andererseits, geht es in diesem Fall ja “nur” um Griechenland. Wie sieht es jedoch beispielsweise mit Spanien aus, welche in den nächsten 1-2 Jahren ähnlich große Schwierigkeiten bekommen könnten, wenn man sich die wirtschaftliche Entwicklung ansieht.

    Oder noch einmal anders gefragt: Wenn Spanien ein Kreditausfall verzeichnet – wäre das Bruttovolumen der CDS nicht viel zu groß, sodaß Banken reihenweise Pleite gehen würden ?

    • ö.ä. - 10. März 2012

      Vielleicht ist eine andere Perspektive viel interessanter.
      Wenn CDS verwendet um sich gegen Pleiten größerer Volkswirtschaften als Griechenland als zu gefährlich für das globale Finanzsystem erweisen, warum sollte ich sie dann nehmen? Damit gefährdet man ja den eigenen “Arbeitsplatz” und wenn ich Pech habe, werden sie nicht ausgezahlt.

      Holly01 schrieb: “Zweite Variante ist das Hinterlegen eines Kreites mit CDS, um ihn “Aufnahmefähig” für die eigenen Bücher zu machen. Motto : Ja der Kredit ist BB- aber durch die CDS Absicherung, haben wir ihn wegen der Rendite trotzdem als sichere Rendite im Portfolio.”
      Wenn das zutrifft, heißt das ja für Banken -sofern alles gut geht- ein höherer Gewinn. Und auch für die Banken, die die CDS ausgeben.
      Vielleicht sollte hier mit Kalkül (kleines Risiko) mehr Vertrauen in CDS geschaffen werden, um diese Einnahmequelle zu legitimieren.

      • johnplayer - 10. März 2012

        Würde bei dieser Vertrauenssteigerung zu den CDS nicht logischerweise ein weiterer Ankauf von CDS für alle anderen gefährdete Euro Staaten bei herausspringen. Und hätte dies nicht auch zur Folge, dass somit der Zinssatz für die Staatsanleihen steigt ? Also eine Art zusätzlicher Brandbeschleuniger ?

        Somit ist es wirklich interessant zu sehen wie sich die Zinssätze der Staatsanleihen in den nächsten Tagen entwickeln.

        • ö.ä. - 10. März 2012

          Nach der Fastpleite von AIG haben die Brandbeschleuniger ja auch niemanden interessiert.

        • Andres Müller - 10. März 2012

          Die CDS verteuren Staatsanleihen ohne wirklich einen Nutzen zu erbringen. Alleine die Idee mit CDS einen Bankrott Chinas versichern zu können ist schon mehr als Realitätsverlust. Ich vermute man kann die CDS den vielen Rentenversicherungen gut verkaufen -weil die den Anlegern zwangsweise hohe Sicherheiten anbieten müssen. Es ist nicht anderes als eine Art Zusatzgebühr mit der man auch noch zocken kann. Zugleich dienen die CDS seit dem Nixon Schock als Verbürgung das hinter Fiat Money auch tatsächlich ein Wert enthalten ist -CDS ersetzen so quasi die Golddeckung. Bei den etremen Staatsschulden müssten CDS schon längst aufgegeben worden sein -werden aber nicht. Ein Untergang der CDS = Systemischer Kollaps -deshalb.

  • Andres Müller - 10. März 2012

    In Griechenland wird es in den nächsten Monaten zu weit Schlimmerem kommen als das wovor sich die Welt der Ökonomen im Glashaus fürchtet. In dem verarmten Land kriegen Arbeitslose kein Geld mehr mit dem zu überleben ist. Die 360 Euro, die zudem nicht einmal die Hälfte der frisch Arbeitslosen erhält, reichen kaum. Auch die noch beschäftigten Arbeitnehmer müssen Lohneinbussen hinnehmen, Journalisten z.B. erhalten nach zehn Dienstjahren gerade noch 1600 Euro. Die Gewerkschaften wurden von der Trojka zerschlagen, tausende Medienmitarbeiter sind in dauernder psychiatrischer Behandlung. Wenn sich die Lage so weiter entwickelt, würde Hellas in 4 Jahren Somalia ähneln. Der sogenannte ESM-Vertrag wird es so richten, das künftig in Europa humane Lösungen kaum mehr eine Chance haben, die Komissare der Institution werden selbst vor dem Menschenrechtsgericht immunisiert. Es ist zu befürchten das der Traum eines vereinten Europa zum Albtraum für Millionen Menschen wird -eine entsetzliche Realität mit der täglichen Suche nach einem Stück Brot. Ja, Europa ist das Land des Christentums, zu dessen Traditionen man zurückkehrt, ein Versailler Vertrag unter einem kaltem Krieg ohne kommunistische Gefahr -oder gerade deswegen, weil es die da drüben nicht mehr gibt.

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