Archiv Februar 2012
Heute berichtete das griechische Statistikamt ELSTAT erneut desaströse Daten zu den realen Einzelhandelsumsätzen für Dezember 2011. Um weitere -12,7% zum Vorjahresmonat schmierten im Dezember die realen (preisbereinigten) Umsätze ab (November: -8,9%, Oktober: -10,8%). Selbst nominal ging es um kräftige -11,0% abwärts. Damit beschleunigt sich der Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität in Griechenland weiter, getragen von einem kräftigen Rückgang der Konsumausgaben der privaten Haushalte, darunter die im Einzelhandel, in Folge der rabiaten Einkommensrückgänge bei den breiten Masseneinkommen.
Wettbewerbsfähigkeit und Innovation
In Teil 1 ging es um die Gegenüberstellung von „Wachstum“ und „Entwicklung“. Dabei wurde erklärt, dass die Begriffe „Bruttoinlandsprodukt“ (BIP) und „Wettbewerbsfähigkeit“ im Sinne der neoklassischen Wachstumstheorie definiert und verwendet werden – auch und gerade in der Debatte um die Bewältigung der Krise von Griechenland & Co. –, nicht aber im Sinne einer Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, etwa der von Joseph A. Schumpeter. Dasselbe gilt für den Begriff der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Das heißt, der Begriff „Wettbewerbsfähigkeit“ ist auf der Vorstellung einer wirtschaftlichen Situation aufgebaut, in der Innovationen stetiges Wachstum bewirken, aber keine Umbrüche und Rücksetzer.
Schon vor der heutigen LTRO2 Injektion (Longer-Term Refinancing Operation) der EZB, welche es den Kreditinstituten erlaubt, sich Geldmittel in unlimitierter Höhe bei der EZB für drei Jahre zu einem Zinssatz von nur 1,0% zu besorgen, kriecht die kurzfristige Einlagefazilität (Übernachtanlage) bei der EZB durch die europäischen Geschäftsbanken in Richtung alte Hochs. Per 28.02.2012 bunkerten die Banken 481,144 Mrd. Euro in der Einlagefazilität. Das bisherige Allzeithoch in der Übernachtanlage wurde am 17.01.2012 mit 528,184 Mrd. Euro markiert.
Wie das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) heute Morgen berichtete, erholte sich die Industrieproduktion in Japan im Januar 2012 stärker als erwartet. Saisonbereinigt stieg der Output der breiter gefassten Industrieproduktion (Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe) im Januar um +2,0% zum Vormonat. Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten im Vorfeld der Daten mit einem Anstieg von +1,5% gerechnet. Zum Vorjahresmonat sank der Ausstoß der Industrieproduktion allerdings noch um -1,2%.
Der deutsche "Konsumboom" geht weiter und weil er so "grandios" ist, wird er hier weiter penetrant und ausführlich begleitet. Auch für den Monat März 2012 berichtete heute die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk) eine leicht steigende Stimmung der Konsumenten. Der Gfk-Konsumklimaindex stieg auf 6,0 Punkte, nach 5,9 Punkten im Vormonat. Eine richtige Dynamik nach oben verzeichnete die Einkommenserwartung, dieser Indikator stieg um signifikante 7,2 Punkte auf ein hohes Niveau von nun 41,3 Punkten. [mehr…]
Gestern berichtete das italienische Statistikamt ISTAT die Daten zum Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe für den Monat Februar 2012. Der Index (Confidence Climate) der die Stimmung der Unternehmen im Manufacturing widerspiegelt, sank auf dem tiefsten Stand seit November 2009. Die italienischen Unternehmen geraten selbst stimmungstechnisch in die Rezession. Indexstände über 100 stehen für überwiegend optimistische Antworten, Indexstände von unter 100 für pessimistische Antworten der befragten Unternehmen.
Heute veröffentlichte die niederländische Zentralbank ihre Bilanz für den Monat Januar 2012, darunter auch die Forderung (Aktiva) aus Target2. Im Januar stieg der positive Target2 Saldo um weitere +16,100 Mrd. Euro zum Vormonat an, auf 168,883 Mrd. Euro, nach 152,783 Mrd. Euro im Vormonat und nach 34,419 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.
Irland würde man noch am ehesten zutrauen, durch den hohen Exportanteil der Wirtschaft, sein Schuldenproblem mittel- bis langfristig in den Griff zu bekommen. Allerdings auch die irische Wirtschaft kühlte sich gegen Jahresende 2011 ab, auch wenn noch keine BIP-Daten für Q4 2011 vorliegen. So sanken z.B. im Dezember 2011 die unbereinigten Exporte von Waren und Güter um -3,7% zum Vorjahresmonat auf 6,955 Mrd. Euro, nach 8,762 Mrd. Euro im Vormonat und nach 7,222 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.
Das italienische Statistikamt ISTAT berichtete heute die italienischen Einzelhandelsumsätze für den Monat Dezember 2011. Leider liefert ISTAT immer nur nominale Daten, aber auch nominal ging es abwärts, um -3,7% zum Vorjahresmonat bei den unbereinigten Daten und um -1,1% zum Vormonat bei den saisonbereinigten Daten. Selbst der nominale saisonbereinigte Chart liefert einen ersten Hauch vom bekannten Griechenland- bzw. Spanienstyle.
Vorwort
Griechenland befindet sich auf einer massiven wirtschaftlichen Talfahrt. Die Austeritätspolitik, zu der nicht nur Griechenland, sondern auch alle anderen europäischen Schuldenstaaten verpflichtet worden sind, wird mehr und mehr als krisenverschärfend erkannt. Die Erkenntnis, dass es ohne wirtschaftlichen Aufschwung für diese Schuldenstaaten keinen Ausweg aus der Krise geben wird, andererseits aber ein erfolgversprechendes „Wachstumskonzept“ fehlt, tritt immer mehr in den Vordergrund der Debatte um die Krisenbewältigung.
Heute berichtete das Statistische Bundesamt (Destatis) detaillierte Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Q4 2011 und damit auch zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR). Zunächst wurde die leichte Schrumpfung des realen (preis-, saison- und kalenderbereinigten) Bruttoinlandsprodukts (BIP) von -0,2% zum Vorquartal aus der ersten Schnellschätzung bestätigt, zum Vorjahresquartal ging es unbereinigt noch um real +1,5% aufwärts. Die detaillierten Daten lassen auch wieder einen bezeichnenden Blick auf den "Aufschwung getragen vom privaten Konsum" zu. Denn die privaten Konsumausgaben sanken trotz "Boom" ebenfalls bereinigt um -0,2% zum Vorquartal. Wenn man zusätzlich die lange Reihe betrachtet und die Tatsache, dass angesichts der Eurozonen-Krise durchaus Anschaffungen und Konsum vorgezogen bzw. ungeplant getätigt wurden, sind die Daten sehr ernüchternd und entlarven zum wiederholten Male die Lügen zum deutschen Konsumboom! [mehr…]
Heute teilte das spanische Ministerio de Industria, Energía y Turismo die Außenhandelsdaten für den Monat Dezember 2011 mit. Im Dezember 2011 stiegen die spanischen Exporte von Waren und Güter um +6,6% zum Vorjahresmonat auf 17,004 Mrd. Euro. Die Importe stiegen nur um +1,1% zum Vorjahresmonat auf 21,553 Mrd. Euro. Das Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern betrug damit im Dezember -4,549 Mrd. Euro.
Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Februar 2012, den vierten Monat in Folge leicht angestiegen. Er notierte im Februar, laut den heute veröffentlichten Daten bei 109,6 Indexpunkten, nach 108,3 Indexpunkten im Januar und nach 114,0 Punkten im Vorjahresmonat. Damit läuft die gemessene Stimmung und die realwirtschaftliche Lage weiter auseinander. In Q4 2011 sank das saisonbereinigte reale BIP um -0,2% zum Vorquartal, der Output der Industrieproduktion war zuletzt im Dezember den zweiten Monat in Folge rückläufig, die Exporte schwächelten und die deutschen saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken bereits den dritten Monat in Folge.
Während sich die Wirtschaften der Südperipherie der Eurozone in einer Rezession befinden, selbst Deutschland in Q4 2011 bereits deutliche Ermüdungserscheinungen beim Wachstum zeigte, zerrt der Brent Oil Future in Euro am Allzeithoch herum. Damit fällt den Euro-Rettern nicht nur die zur Schwäche neigende Währung auf die Füße, sondern auch die Nebenwirkungen der Liquiditätsflutung der Banken und der Finanzmarktakteure, die den Ölpreis im Windschatten einer potentiellen Irankrise nach oben treiben. Aktuell notiert der Brent Oil Future in Euro mit 93,01 Euro unmittelbar am Allzeithoch vom 03.07.2008 mit damals 93,05 Euro je Barrel Rohöl.
Die genauen Target2 Salden in den Bilanzen der nationalen Zentralbanken der Eurozone ausfindig zu machen, ist ein schwieriges Unterfangen, denn Transparenz in diesem Punkt sieht anders aus. Unterschiedlichste Bezeichnungen, zusammengefasste Positionen gegenüber dem Eurosystem, unvollständige Datensätze erschweren die Recherche. Angeregt durch einen Kommentar im Blog Querschuesse und mit Hilfe erneuter Suche auf der Zentralbank-Webseite Spaniens, können nun die Average of Daily Data als Target2 Position der spanischen Zentralbank gegenüber dem Eurosystem, als lange Reihe präsentiert werden. Sie weichen etwas von den bisher hier präsentierten Daten, mit dem Stand zum jeweiligen Monatsende ab (bisherige Position 7.2 - Liabilities. Summary), zu denen es keine lange Datenreihe gibt.
Die HSBC-Bank berichtete heute Morgen für China zwar einen verbesserten Stimmungsindikator für das Verarbeitende Gewerbe, der sogar auf ein 4-Monatshoch stieg, allerdings notiert der Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI) weiter knapp unter 50 Punkte. Ein PMI-Index von über 50 Punkten deutet auf einen Expansionskurs im Verarbeitenden Gewerbe hin. Indexstände von unter 50 Punkten signalisieren dagegen eher eine Schrumpfung im Verarbeitenden Gewerbe.
Bereits den fünften Handelstag in Folge sinkt der Baltic Dry Index (BDI) wieder, auch ein gutes Stück nach dem Ende des chinesischen Neujahrsfestes gibt es keine manifeste Erholung beim BDI. Heute fiel der BDI, der Preisindex für Frachtraten von Massenfrachtgütern, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide um -9 Punkte auf 706 Indexpunkte und spiegelt damit weiter Überkapazitäten bei Massenfrachtgütern und eine weltweit nachlassende wirtschaftliche Aktivität wider.
Wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) heute berichtete legten die Exporte von Waren und Gütern aus der Schweiz im Januar 2012 um +5,4% zum Vorjahresmonat zu, vor allem die Exporte der Pharma- und Chemieindustrie und die der Uhrenindustrie trugen zum Wachstum bei. Allerdings 7 der 10 Schweizer Exportbranchen verzeichneten rückläufige Umsätze. Vor allem die Exporte in die USA und nach Kanada zogen an, um +22% bzw. um +24% zum Vorjahresmonat und nach Lateinamerika um +31,3%, darunter nach Brasilien um +58%. Die Exporte nach Indien sanken hingegen um -17%, die nach China um -13% und nach Spanien ging es ebenfalls um -13% bergab. Der gesamte Export in die EU nahm nur moderat um +1% zu.
Gastbeitrag von Hajo
Bekanntlich sehen "Querschuss" und ich in den USA schon seit langen Monaten/Jahren ein großes "Potemkinsches Dorf". "Als Potemkinsches Dorf – teilweise auch in der Schreibweise Potjomkinsches Dorf – wird etwas bezeichnet, das fein herausgeputzt wird, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand zu verbergen. Oberflächlich wirkt es ausgearbeitet und beeindruckend, es fehlt ihm aber an Substanz." (Quelle: Wikipedia.org/Potemkinsches_Dorf)
Die permanente Rettungszone feiert einen weiteren Sieg, das nächste Rettungspaket von 130 Mrd. Euro für Griechenland ist durch, wie zu erwarten war, die falsche Strategie der Troika in Bezug auf Griechenland bleibt am Leben und das griechische Drama innerhalb der Eurozone geht in die Verlängerung. Die Beteiligung der privaten Gläubiger erfolgt etwas höher als erwartet, sie verzichten auf 53,5% der Forderungen, alles in allem kommen -107 Mrd. Euro von der Schuldenuhr runter. Allerdings müssen die einzelnen Gläubiger dem Schuldenschnitt noch zustimmen, die Umsetzung des Forderungsverzichts und die Umwandlung des "Restes" der Forderungen von 93 Mrd. Euro in neue langlaufende Anleihen ist ein zeitraubende Angelegenheit.
