45,345 Millionen Food Stamps Bezieher

von am 1. Oktober 2011 in Allgemein

Das US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture) berichtete gestern die Daten zu den Lebensmittelmarken-Beziehern für den Monat Juli 2011. Im Juli stieg die Zahl der Bedürftigen wieder an, auf 45,344946 Millionen, nach 45,183927 Millionen im Vormonat und nach 41,836496 Millionen im Vorjahresmonat. Insgesamt bezogen 21,458552 Millionen US-Haushalte im Juli 2011 SNAP. Diese Daten reflektieren weiter die schwache Entwicklung am US-Arbeitsmarkt, der nur einen Stellenaufbau unterhalb des Zuwachses der arbeitsfähigen Bevölkerung generiert und somit auch keine positive Auswirkungen auf die Zahl derjenigen hat, die in Armut leben und auf staatliche Lebensmittelhilfen angewiesen sind. Weiterhin belegt diese hohe Anzahl von Bedürftigen die miese Qualität des ausgewiesenen BIP-Wachstums in den USA!

Der Anstieg der Lebensmittelmarken-Bezieher auf Monatsbasis seit Januar 2006 im Chart. 45,344946 Millionen US-Bürger bezogen im Juli 2011 die moderne Version der Food Stamps, Lebensmittel per Kreditkarte für durchschnittliche 134,25 Dollar pro Person im Monat, auf Basis des staatlichen Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP).

Seit Januar 2006 ist die Zahl der Food Stamps Bezieher um +18,828 Millionen gestiegen! Aktuell beziehen 14,5% der Gesamtbevölkerung der USA staatliche Lebensmittelhilfen!

Im Juli 2011 betrugen die Kosten für das SNAP-Programm, ohne den Verwaltungsaufwand, 6,087 Mrd. Dollar, ein leichter Anstieg zum Vormonat. Das bisherige Allzeithoch wurde im Mai 2011 mit 6,122 Mrd. Dollar markiert. In den ersten 7 Monaten 2011 kumulieren sich die direkten Kosten bereits auf 41,940 Mrd. Dollar! Im Gesamtjahr 2011 könnten die Kosten für die Food Stamps 72 Mrd. Dollar erreichen, 2010 betrugen die Ausgaben der staatlichen Armutsversorgung für Lebensmittel 64,705 Mrd. Dollar! 2009 waren es 50,359 Mrd. Dollar und 2008 “nur” 34,608 Mrd. Dollar.

Die Dunkelziffer der Bedürftigen könnte noch weitaus höher liegen. Denn um in den “Genuss” der Kreditkarten für Lebensmittelausgaben zu kommen, müssen arbeitsfähige Erwachsene zwischen 16 und 60 Jahren den Nachweis erbringen, dass sie Arbeit suchen und bereit sind bestimmte Arbeiten zu akzeptieren. Die Millionen entmutigten Arbeitnehmer, die aufgegeben haben einen Job zu suchen, fallen wie in der Arbeitslosenstatistik (U-3 komplett und bei der breiter gefassten Arbeitslosenrate U-6 nach einem Monat) auch bei SNAP durchs Netz. Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren ohne Kinder können generell nur maximal 3 Monate SNAP, innerhalb eines 36 Monatszeitraumes beziehen. Als Voraussetzung für SNAP wird die Armutsgrenze herangezogen.

Für 2010 veröffentlichte das  US-Landwirtschaftsministerium detailliertere Daten, so waren 47% aller SNAP-Bedürftigen Kinder unter 18 Jahren, 8% waren 60 Jahre und älter, 28% Frauen im erwerbsfähigen Alter und 17% Männer im erwerbsfähigen Alter. 41% aller SNAP-Programm Teilnehmer lebten in einem Haushalt der über einen Arbeitsplatz Einkommen generierte. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen eines SNAP-Haushaltes (durchschnittlich 2,2 Personen) war beschämend niedrig und betrug nur 731 Dollar Brutto. Immerhin 20% aller Haushalte erzielte 2010 gar kein Einkommen, im Jahr 1990 waren nur 7% aller Haushalte ohne Einkommen. Über die staatliche SNAP-Hilfe wurden bei einem durchschnittlichen Haushalt bis zu 28% der Einnahmen generiert.

Die beziehbaren Lebensmittel der Armen sind stark reglementiert. Bier, Wein, Alkohol, Zigaretten, Tabak, Tiernahrung, Kosmetikprodukte, Medikamente, Vitamine, Restaurants, selbst Fast Food-Lokale sind vom Bezug ausgeschlossen.
 
Die Daten der Lebensmittelmarkenbezieher korrespondieren sehr gut mit den 46,180 Millionen US-Bürgern die 2010 unter der Armutsgrenze lebten, die höchste Zahl seit Beginn der Datenerhebung vor 52 Jahren durch das Statistische Bundesamt der USA, das U.S. Census Bureau. Die offizielle Armutsquote stieg im Jahr 2010 auf 15,1%. Erweitert man den Begriff Armut auf 125% der offiziellen Armutsgrenze, dann waren sogar 60,443 Millionen US-Bürger bzw. 19,8% der Bevölkerung als arm zu klassifizieren!
Reloaded: Daten der Schande vom U.S. Census Bureau
 
Die Daten zu den Lebensmittelmarken-Bezieher werfen ein Licht auf die extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung im Land, die schon lange zum Hemmschuh für eine wirklich positive Wirtschaftsentwicklung mutiert und darauf das die Chancen einer fairen Partizipation am gesellschaftlichen Reichtum für Millionen US-Bürger, vor allem auf Grund fehlender Jobs eine Illusion sind. Die USA sind eine degenerierte Markwirtschaft, wo die Interessen des Finanzkapitals, der Banken und der Wall Street diametral den Interessen des Gemeinwohls zuwider laufen und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung torpedieren.

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