Allzeithoch beim Exportvolumen Deutschlands

von am 9. Mai 2011 in Allgemein

Ungleichgewichte im Welthandel, was war das nochmal? Alles verdrängt bzw. nichts begriffen kann man angesichts der heutigen Daten zu den Außenhandelsvolumen für März 2011 des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zum Geschäftsmodell Deutschlands nur ausrufen. Das Exportvolumen Deutschlands stieg im März 2011 um +15,8% im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Im Vergleich zum Vormonat ging es bei den unbereinigten Daten um satte +16,88% aufwärts, auf ein Rekordexportvolumen von 98,3 Mrd. Euro.

Die prozentuale Entwicklung des deutschen Exportvolumens bei Waren und Gütern im Vergleich zum Vorjahresmonat (original unbereinigte Werte) seit Januar 2001.

Im März 2011 wurden Waren und Güter in einem unbereinigten Volumen von 98,3 Mrd. Euro ausgeführt, nach 84,1 Mrd. Euro im Februar, nach 78,6 Mrd. Euro im Januar und nach 84,9 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Damit markierte Deutschlands Exportvolumen im März 2011 den höchsten Stand seit Beginn der monatlichen Außenhandels-Datenreihe im Januar 1950.

Nur die Steigerung des Exportvolumens Deutschlands, bei Waren und Güter im März 2011 zum Vormonat von +14,2 Mrd. Euro, entspricht fast dem gesamten Exportvolumen von Waren und Gütern Griechenlands des Jahres 2010 mit 16,1 Mrd. Euro. Reloaded: Fakten zur Griechenland-Debatte

Selbst das bisherige Monatshoch aus April 2008, mit 88,75 Mrd. Euro Exportvolumen wurde im März 2011 mit gleich heftigen +10,8% übersprungen!

Kalender- und saisonbereinigt (gemäß X-12 ARIMA Verfahren) stiegen die Exporte im März 2011 um kräftige +7,3% zum Vormonat.

Der Schwerpunkt beim deutschen Exportvolumen (unbereinigt) lag auch im März 2011 weiter in Europa, denn 58,8 Mrd. Euro bzw. 59,82% aller Exporte von Waren und Gütern gingen in die Länder der EU27. In die Eurozone (EU16, mit dem Euro als gemeinsamer Währung) wurde ein Volumen von 39,7 Mrd. Euro bzw. von 40,4% aller deutschen Exporte geliefert. In Drittländer (alle Länder außerhalb der EU 27) wurden Waren und Güter in Höhe von 39,5 Mrd. Euro geliefert, der Anteil lag bei 40,2%.

Die deutschen Importe stiegen ebenfalls im März 2011 auf ein neues Allzeithoch, um unbereinigte +10,1% zum Vormonat, auf 79,4 Mrd. Euro, nach 72,1 Mrd. Euro im Februar, nach 68,4 Mrd. Euro im Januar. Im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einem Volumen von 67,9 Mrd. Euro stiegen die Importe um +16,9%. Kalender- und saisonbereinigt (X-12 ARIMA Verfahren) stiegen die Importe im März 2011 um +3,1% zum Vormonat.

Die Entwicklung der unbereinigten Originaldaten bei den Exporten (blau) und Importen (rot) von Waren und Gütern in Mrd. Euro seit Januar 2000. Der Chart dokumentiert die ungebrochene Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft mit einer Beschleunigung im März 2011. Etwas relativieren sich aber die enormen Volumen bei Export und Import, denn sie sind auch den Preissteigerungen geschuldet. So stiegen die Ausfuhrpreise im März 2011 um +4,9% und vor allem die Einfuhrpreise stiegen mit +11,3% zum Vorjahresmonat, was real (preisbereinigt) für eine noch größere Diskrepanz zwischen Export- und Importvolumen spricht.

Die Entwicklung der unbereinigten monatlichen deutschen Handelsbilanzüberschüsse bei Waren und Gütern seit Januar 1999. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss stieg im März 2011 unbereinigt um kräftige +58,8% zum Vormonat auf 18,9 Mrd. Euro, nach 11,9 Mrd. Euro im Februar, nach 10,2 Mrd. Euro im Januar und nach 17,0 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Diese Daten sind weiter Beleg für die fundamentalen Ungleichgewichte im Handel.

Im Gesamtjahr 2010 wurde ein Handelsüberschuss von 154,5 Mrd. Euro erzielt, ein Anstieg von +11,2% zu 2009 mit 138,7 Mrd. Euro. 2011 könnte es weiter aufwärts gehen, denn im 1. Quartal 2011 betrug der Handelsbilanzüberschuss bereits 41,1 Mrd. Euro, nach 37,7 Mrd. Euro in Q1 2010, ein Anstieg von +9%.

Die Leistungsbilanz, die Summe aus Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Übertragungsbilanz und Ergänzungsbilanz schoss im März 2011 auf +19,5 Mrd. Euro, nach +8,7 Mrd. Euro im Februar und nach +7,2 Mrd. Euro im Januar:

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Leistungsbilanz seit Januar 2000 bis März 2011.

Die Leistungsbilanzüberschüsse stiegen im Jahr 2010 um +10%, im Vergleich zu 2009, auf  kumulierte 131,6 Mrd. Euro an.

Die Leistungsbilanz Deutschlands mit den Mitgliedern der Eurozone seit Q1 1971 bis Q4 2010 in Mrd. Euro, gemäß den letzten verfügbaren Daten der Bundesbank. Der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands betrug 2010 +86,379 Mrd. Euro. Seit der Bargeldeinführung des Euro 2002 kumulierte sich ein Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands mit den Mitgliedern der Eurozone von +720,837 Mrd. Euro.

Davon bemerkenswerte +229,030 Mrd. Euro an Überschüssen in der Leistungsbilanz seit 2002 generierte Deutschland mit Frankreich und kräftige +374,522 Mrd. Euro mit Portugal, Italien, Griechenland und Spanien. Gerade für die Überschüsse welche innerhalb der Eurozone erwirtschaftet wurden, wird es nie eine realwirtschaftliche Gegenleistung geben!

Die Gefahr die von dauerhaften Ungleichgewichten ausgehen sind enorm, denn sie waren eine der zu Grunde liegenden Ursachen der Finanzkrise, die Finanzmärkte sind in der Endkonsequenz nur der Transformationsriemen um die Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten und auch von Staatshaushaltsdefiziten sicherzustellen. Ungleichgewichte aus den Leistungsbilanzen und deren Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite erhöhen gleichzeitig auch die Gläubiger bzw. Schuldnerposition des jeweiligen Landes gegenüber dem Ausland.

Am untragbaren Geschäftsmodell hat sich nichts geändert, im Gegenteil der Aufschwung steht für den Ausbau fundamentaler Ungleichgewichte im Handel, auch wenn er zugleich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands belegt. Deutschland schüttet die Eurozone weiter mit seinen Waren und Gütern zu und erhält im Gegenzug größtenteils uneinbringbare Schuldscheine, nach dem per deutschen Kapitalexport in die Importländer, im weitesten Sinne die Finanzierung des Absatzes von deutschen Waren und Gütern sichergestellt wurde. Rettungspakete, Kreditgarantien und andere Stützungen der Südperipherie der Eurozone sind kein Betriebsunfall sondern logische Konsequenz der Ungleichgewichte im Handel. Deshalb werden weitere Milliarden an Finanzierung, ebenso neue deutsche Exportrekorde nicht zur Problemlösung beitragen, im Gegenteil, jeder Monat in dem dieser Irrweg weiter bestritten wird, macht das Problem noch größer. Reloaded: Euro-systemrelevant?

Das Geschäftsbasis Deutschlands an Hand der Daten aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung:

Die Entwicklung der saisonbereinigten realen Arbeitnehmerentgelte (grün), des realen Exportvolumens (rot) und der realen privaten Konsumausgaben der privaten Haushalte (blau) von Q1 2000 bis Q4 2010. Während die realen Exporte seit 2000 bis Q4 2010 um +72,21% stiegen, gab es bei den realen privaten Konsumausgaben einen lauen Anstieg von +4,2% und die realen Arbeitnehmerentgelten lagen sogar um -1,4% unter dem Niveau von 2000!

Im Chart das saisonbereinigte nominale Exportvolumen (blau) und die nominalen Unternehmens- und Vermögenseinkommen (rot) von Q1 1991 bis Q4 2010 in Mrd. Euro je Quartal aus der VGR.

Angesichts dieser beiden letzten Charts, die das schiefe deutsche Geschäftsmodell visuell dokumentieren, muss man nicht unbedingt Ludwig Erhard zitieren, aber man kann… und das ist irgendwie beruhigend, sich zur Beurteilung der Lage, auf den Vater der sozialen Marktwirtschaft beziehen zu können: „Das jeder wirtschaftliche Fortschritt und jede Verbesserung in der Arbeitsweise sich nicht in höheren Gewinnen, Renten oder Pfründen niederschlagen, sondern dass alle diese Erfolge an den Konsumenten weitergegeben werden. Das ist der soziale Sinn der Marktwirtschaft, dass jeder wirtschaftliche Erfolg, wo immer er entsteht, dass jeder Vorteil aus der Rationalisierung, jede Verbesserung der Arbeitsleistung dem Wohle des ganzen Volkes nutzbar gemacht wird und einer besseren Befriedigung des Konsums dient.“
Ludwig Erhard, Bundeswirtschaftsminister von 1949-1963 und Bundeskanzler von 1963-1966, aus seinem Buch: „Wohlstand für Alle“

Quelle: Destatis.de/Pressemitteilung Außenhandel März 2011, Genesis.destatis.de/Datenbank, Bundesbank.de/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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