Baltic Dry Index mit neuem Tief bei 662 Punkten

von am 1. Februar 2012 in Allgemein

Heute unterbot der Baltic Dry Index (BDI) das 22 Jahrestief aus der Wirtschafts- und Finanzkrise vom 5.12.2008 mit 663 Indexpunkten um einen Indexpunkt und notiert nun auf dem tiefsten Stand seit Anfang 1986 mit aktuell 662 Punkten. Die Talfahrt des Preisindex für Frachtraten von Massenfrachtgütern, wie Kohle, Eisenerze, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoff-Granulat und Getreide ist brachial und auch heute ging es den 31. Handelstag in Folge in Richtung Süden:

Der BDI befindet sich seit dem 12. Dezember 2011 mit 1’930 Punkten in einer kräftigen Abwärtsbewegung. Der BDI rauschte seitdem bis heute um -65,7% ab, auf 662 Indexpunkte. Das Allzeithoch wurde am 20.05.08 mit 11’709 Punkten markiert. Im Chart die Daten seit Januar 1990 (Daily).

Der durchschnittliche Frachtpreis für einen Tag der Schiffsklasse Capesize bei den vier wichtigsten Frachtrouten (SPOT 4 TCE AVG), fiel heute um weitere -52 Dollar auf 5’327 Dollar ab. Beim Hoch am 5. Juni 2008 erzielten die Reedereien dagegen 233’988 Dollar als Frachtpreis für Massenfrachtgüter an einem Tag. Die aktuellen Spotpreise decken für die Reedereien nicht mal mehr die Betriebskosten, welche zuletzt 2011 bei 7’437 Dollar pro Tag lagen. Zusätzlich zu den Betriebskosten kommen noch Zinsen und Abschreibungen. Die durchschnittlichen Gesamtkosten (Betriebskosten, Zinsen und Abschreibungen) für ein Capesize-Schiff sollen laut einer Studie von JP Morgan Chase & Co. von November 2008 18’949 US-Dollar pro Tag betragen haben.

Minus -65,7% in 31 Handelstagen sprechen eine klare Sprache und der tiefste Stand bei den nominalen Frachtpreisen seit Anfang 1986 ebenfalls.

Quelle Daten: Bloomberg.com/Chart mit den täglichen Daten

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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32 KommentareKommentieren

  • Lukas Keller - 1. Februar 2012

    Steffen du nimmst den Baltic Dry Index ja sehr ernst als Frühindikator für die Wirtschaftslage, was meinst Du den zu dem Artikel der heute im Handelsblatt steht.

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/konjunkturbarometer-stuerzt-ab-warum-der-baltic-dry-index-diesmal-luegt/6135760.html

    Dort scheinen die Experten ja genau das Gegenteil zu glauben und schieben den Absturz auf einen Sondereffekt verursacht durch die chinesischen Stahlproduzenten und das Überangebot an Frachtraum durch neue Schiffe.

  • sunwalker - 1. Februar 2012

    Macht es eigentlich noch Sinn, diesen Index fast täglich hier einzustellen?
    Der Trend ist doch eigentlich klar und dürfte sich auch so schnell nicht in die Gegenrichtung bewegen, da gesamtwirtschaftlich doch keine Veränderungen zu vermelden sind??

    • Roland - 1. Februar 2012

      Gerade jetzt ist die tägliche Entwicklung hochinteressant.

      Nach dem Ende des chinesischen Neujahrsfestes müßte der Index eigentlich wieder nach oben ziehen.

      Bleibt er unten – viel weiter fallen kann er ja schon fast nicht mehr- funkt die Weltwirtschaft:

      SOS – Wir haben ein Problem.

    • Bernd Klehn - 1. Februar 2012

      @ marc

      Diese Sicht der Dinge haben Steffen und ich auch schon diskutiert. Es ist also nicht so, dass hier keiner die Argumente sehen würde.

    • dank - 1. Februar 2012

      Ist ja schön und gut das sich der Index im 2.HJ 2011 besser als vermutet entwickelt hat –
      aber eben durchschlägt er ein 22 Jahres-Tief!!
      Nicht ein Ein-Jahrestief!
      Finde die Aussagen im HB-Artikel schon sehr verharmlosend – für was gibts denn den Index, wenn der sowieso nichts aussagt, außer auf 3 Jahre gesehen?
      Kann dem nicht folgen – außer in der Aussage, dass kurzfristige Schwankungen des BDI sicher zu vernachlässigen sind; aber ist das nicht fast bei jedem Index so?

      Wie lange schauen sich das die Reeder an, bis die Ihre Schiffchen auflegen. Da wurde schon mit angefangen. Sollten hier auch die Preise wieder Stabiler und vor allem an der Kostenlinie verlaufen?

      Ist vielleicht ein großer Fond in nen Reeder eingestiegen, der Geld wie Heu hat und die anderen wegfegen will?

      Die Geschwindigkeit der Südfahrt des BDI ist Angst einflößend – kann es sein das in dem Business bereits die letzten 12 Monate schon alles viel schlimmer war und nur durch Tricks das ganze gehalten wurde bis vor 2 Monaten da nichts mehr mit tricksen ging?

  • Bernd Klehn - 1. Februar 2012

    Ja, dieses ist erst der Anfang einer sehr sehr langen Reedereiflaute

    268 Containerschiffe aufgelegt

    http://www.thb.info/news/single-view/id/268-containerschiffe-weltweit-aufgelegt.html

  • SLE - 1. Februar 2012

    Hallo Steffen,

    ich finde die anhaltende und dramatische Talfahrt schon erstaunlich. Vor allem das Tempo macht mich stutzig. Ich frage mich immer wieder, ob die erkennbare Abkühlung der Weltwirtschaft als Erklärung dafür wirklich ausreicht. Könnte die Entwicklung ergänzend noch andere Ursachen haben, vielleicht auch in einen Zusammenhang mit der Rohstoffspekulation stehen? Es ist ja bekannt, dass Großbanken auch stark im physischen Rohstoffgeschäft engagiert sind (mit Lagerhäusern, gecharterten Supertankern).

    Grüße
    SLE
    SLE

    • Querschuss - 1. Februar 2012

      Hallo SLE, hallo Lukas
      nein reicht als Erklärung nicht, wegen dem Überangebot der Frachter, aber wahrscheinlich reicht ein leichter Nachfrageschwund, worauf ja etliche Wirtschaftsdaten mit leicht negativen BIP-Raten in Q4 2011 bereits hindeuten, um den Baltic Dry Index abschmieren zu lassen und die aktuelle Dynamik weist darauf hin das es im Januar mit der Weltwirtschaft nicht besser läuft. Sollte der Index aber im Februar und März, ohne Neujahrfesteffekt, hier verharren bzw. weiter sinken dann manifestiert sich meiner Meinung nach ein Problem des Wachstums der Weltwirtschaft.

      Gruß Steffen

  • frank_meck - 1. Februar 2012

    Ist das eigentlich schon im Dax eingepreist ? – zur Zeit +2,5%

    • Appaloosa - 1. Februar 2012

      Da wird nichts mehr eingepreist. Es heißt nur noch rein in Aktien, koste es was es wolle, da eine Unmenge an Geld da ist. Wenn überhaupt, dann gibt es mal einen kurzen Dämpfer und am nächsten Tag geht um die gleiche Rate+X wieder nach oben.

  • Bernd Klehn - 1. Februar 2012

    @ SLE

    Die anderen Ursachen haben wir breitflächig unter

    http://www.querschuesse.de/baltic-dry-index-bei-753-punkten/

    diskutiert.

  • dank - 1. Februar 2012

    Der Baltic Dirty Tanker Index (Rohöl)

    http://www.bloomberg.com/quote/BIDY:IND

    fiel nicht so stark wie

    der Baltic Clean Tanker Index (Ölprodukte)

    http://www.bloomberg.com/quote/BITY:IND

    –> Kann das daher kommen, das die Länder zwar Rohöl
    importieren – aber die Produkte nicht mehr exportieren
    bzw. Öl(-Produkte) bunkern?

    Auch interessant: Am 23. Dezember sind beide
    absolut synchron nach unten abgebrochen.
    (einfach mal bei Bloomberg die Compare-Funktion testen)

  • ROLAND - 1. Februar 2012

    @ querschuss

    Schon bemerkt, der Handelsblatt-Artikel ist ein großes Kompliment an Euern blog.
    Der allgemeine Hinweis des Autors ist natürlich auf Euch gemünzt. Wo gibt es sonst eine derartige Diskussion über den BDI ?

    Offensichtlich lesen Wirtschafts-Journalisten auch fleißig mit.

    Ätzend hingegen mal wieder das flache Propaganda-Blättchen DER SPIEGEL mit Boom-Meldungen auch heute wieder. Nur noch ärgerlicher Blödsinn.

    Hoffentlich nimmt sich die Auflage des Spiegel ein Vorbild am Baltic Dry.

    • Thomas Lenz - 1. Februar 2012

      Der Autor vom HB hat als Quellenangabe u.a. “Querschüsse” angegeben… Na ist doch was!
      Was mich aber am meisten interessiert:
      Wie wirkt sich der BDI tatsächlich auf die deutsche Konjunktur aus, da ja ein sehr großer Anteil des deutschen Im- und Exports innerhalb der EU stattfindet (Bahn- und LKW-Transporte)?
      Auch Öl- und Erdgas kommt in piplines nach Deutschland (http://www.mwv.de/index.php/ueberuns/pipelines)

      Thomas

  • M.E. - 1. Februar 2012

    Um es mal ganz vorsichtig zu sagen – des möglichst breiten Konsenses wegen:
    Die Entwicklung des BDI in den letzten Wochen ist kein ausgesprochen starkes Signal für einen bevorstehenden Weltwirtschaftsboom.

    Sind alle einverstanden?

  • Querschuss - 1. Februar 2012

    Hallo M.E.,
    bist statt Regenmacher, der Konsensmacher, ich bin mit dieser Intepretation einverstanden.

    Gruß Steffen

  • Kistrof - 1. Februar 2012

    Mal angenommen der BDI ließe keinen Rückschluss auf den Zustand der Rohstoffmärkte zu.

    Dann kann man zumindest sagen dass sich die Reederei in einem grauenhaften Zustand befindet und (mal wieder) eine Branche ein knallhartes Deleveraging mitmacht. Pleiten, Entlassungen, Abschreibungen, klamme Zulieferer etc.

    Bin mal gespannt ob Frau Merkel hier einen Rettungsschirm aufspannt – wegen der Arbeitsplätze und der Systemrelevanz. Oder einen Sparkommisar entsendet, der den Reedern mal zeigt wo’s langgeht.

    • Bernd Klehn - 1. Februar 2012

      Ja, diesmal gehts für die Hamburger Reeder, Schiffsfonds, Schiffsfinanzierer, HSH-Nordbank und Commerzbank wirklich zur Sache. Die Verbesserung des Frachtmarktes in 2009 2010 bis Anfang 2011 war auf jeden Fall eine Scheinblüte, ob dieses auch für die gesamte Weltwirtschaft zutrifft werden wir sehen, auf jeden Fall aber für die Eurokrisenländer plus UK und USA.

  • Lazarus09 - 1. Februar 2012

    Ich denke das Problem mit dem “Wachstum” der Weltwirtschaft zeichnet sich deutlich ab, fraglich bleibt ob es zu einer Erholung wie 2009 beim Anstieg der Frachtraten auf Grund der Nachfrage nach Eisenerz in China kommen kann, denn nachlassende Wirtschaftstätigkeit und gesunkene Rohstahlproduktion in China sprechen eine andere Sprache …. somit bleibt Raum für die schlimmsten Befürchtungen …

  • der Bauer vom Hunsrück - 1. Februar 2012

    ich kann mich gut an die Zeit des dot.com hype´s an den börsen erinnern. Damals ließen die sog. Auguren einhellig verlauten, www-Unternehmen könne man nicht mit den klassischen Unternehmen seit der Industrialisierung vergleichen. Wenn bei einem Stahlkocker schon ein KGV von 20 die Aktie eindeutig überbewertet erscheinen lassen, so sei bei den WWW Boostern, durchaus ein KGV von 100 und mehr akzeptabel und lasse keine Überbewertung erkennen. Man müsse das auf die Zukunft projizieren. Die Zukunft des www Börsen-Hype´s war 2000 zu Ende.

    Anscheinend gibt es derzeit wieder mal eine Menge Auguren, die pfeifend durch den Wald gehen aber keine Angst vor dem Dunkelhaben haben.

    • Appaloosa - 2. Februar 2012

      “Anscheinend gibt es derzeit wieder mal eine Menge Auguren, die pfeifend durch den Wald gehen aber keine Angst vor dem Dunkelhaben haben.”
      Hallo Bauer,
      “Too big to fail” istd er Grund… Man wälzt alle Risiken auf die Notenbank oder den Steuerzahler ab. Damit kann man sehr gut fast ohne Risiko zocken. Das ist für die Banken das (Geld-)Paradies auf Erden.

  • Bubblegum - 1. Februar 2012

    @alle,

    ich möchte mal auf einen Punkt aufmerksam machen, der bisher nicht oder nur wenig beachtet wurde. Das sind die schweren Überschwemmungen, die Thailand vor Kurzem erlitt. Läßt sich da
    eventuell ein Zusammenhang herstellen. Denn das würde auch die Exporteinbrüche Japans und Koreas erklären können. Schließlich ist Thailand die verlängerte Werkbank der japanischen Auto-
    industrie und 90% aller weltweit verkauften Speicherplatten und sonstiger Speichermedien kommen angeblich aus Thailand.

    Viele Grüße
    Bubblegum

  • Stefan - 1. Februar 2012

    Hmmm, ist der BDI eigentlich inflationsbereinigt? Ansonsten sind wir doch bereits ca. 20-30% unter den Preisen von vor 20 Jahren… (bei 1-2% Inflation)

    • Querschuss - 1. Februar 2012

      Hallo Stefan,
      ja steht aber auch im Artikel im letzten Satz.

      Gruß Steffen

  • sunwalker - 2. Februar 2012

    Mal kurz off Topic:

    wie Island es schaffte, trotz Erpressung durch den IWF, von den Medien kaum beachtet, sich wieder neu Aufzustellen und von der internationalen Bankenmafia unabhängig zu machen..und einen wesentlichen Schritt in Richtung gelebter Demokratie zu machen…

    http://www.politaia.org/finanzterror/neues-von-der-finanzkriegsfront-weshalb-island-in-den-nachrichten-nicht-mehr-vorkommt/

  • Jens Blecker - 2. Februar 2012

    Nimmt man den Harpex in der Diskussion auf, wird das ganze noch ein wenig deutlicher.
    http://iknews.de/2012/01/31/bdi-und-harpex-frachtschiffahrt-am-boden/

    Ansonsten wie immer saubere Arbeit steffen ;)

  • Umlandt Gerhard - 2. Februar 2012

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    Bei DER Politik kommt noch ALLES aufs Trockendock!

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  • Vandermonde - 2. Februar 2012

    Just for interest – der Kommentar zitiert eine Studie von Morgan Stanley mit einer interessanten Erklärung – danach sollen (unter anderem) schwere Regenfälle in Brasilien eine Furcht vor einem Einbruch von Eisenerz Transporten ausgelöst haben.

    http://www.businessinsider.com/another-reason-the-baltic-dry-index-weak-bellwether-global-economy-2012-1?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+businessinsider+%28Business+Insider%29

  • Kartoffel - 2. Februar 2012

    Man sollte noch bedenken, daß die Banken seltens den Neubau von Schuttgutfrachter finanzieren würden, wenn die Banken nicht auch den Rest der Industriekette finanziert hätten. Das heißt, daß demächst die Auslastung der Industriemaschinen stark fallen dürfte. Und ganz nebenbei hat man noch eine Aussage über die Aussicht der Rückzahlung der Kredite der post-Lehman-Zeit.

  • Frank Bell - 2. Februar 2012

    Der BDI alleine taugt nichts. Denn wenn dieser historische Absturz in Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung stünde, dürften die Aktien (DAX, Dow Jones) nicht so stark steigen. Sind sie aber, von ca. 5000 im September auf jetzt 6600 Punkte (im DAX). Die Dividenden der DAX-Unternehmen fallen dieses Jahr wesentlich höher aus – bestimmt nicht, weil die Firmen Verluste gemacht haben!

    Zu dem BDI muss man stets auch den Harpex nehmen. Der BDI gilt eher für Rohstoffe, der Harpex für Containerfracht. In Containern sind aber die fertigen Produkte, die wir “konsumieren”. Der Harpex ist ebenfalls eindrucksvoll gefallen, hat jetzt aber einen Boden gebildet.

    Meiner Meinung nach wird der BDI in kürze drehen (3 – 6 Monate), und der Boom dort wirt die Aktien noch weiter nach oben reissen.

    Ich glaube fast, der BDI läuft der Wirtschaft HINTERHER: Auf den Absturz der Indizes im August kommt jetzt der Absturz des BDI. 2008/2009 war es genauso.

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