Bilanzsumme der Buba auf Allzeithoch

von am 7. November 2011 in Allgemein

Heute wurde in den Zeitreihen der Deutschen Bundesbank (Buba) die Bilanzsumme der Buba für den Monat September online gestellt. Wie hier bereits erwartet, gab es einen fulminanten Anstieg, der zum großen Teil auf den Anstieg der Forderungen aus dem Echtzeit-Brutto-Zahlungssystem Target2 zurückzuführen ist. Die Total Assets (Aktiva) der Buba schossen im September 2011 um +85,456 Mrd. Euro zum Vormonat und um +141,431 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat in die Höhe, auf 764,587 Mrd. Euro. Die entspricht einem satten Anstieg von +12,6% zum Vormonat und von +22,7% zum Vorjahresmonat.

Die Entwicklung der Total Assets der Bundesbank im Chart mit den monatlichen Daten seit Januar 2002. Im September 2011 betrugen die Total Assets 764,587 Mrd. Euro, nach 679,131 Mrd. Euro im Vormonat und nach 623,156 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Damit betrug die Bilanzausweitung der Buba nur seit Januar 2002 bis September 2011 das 3,3-fache.

Alleine +59,188 Mrd. Euro des Anstieges zum Vormonat ging auf das Konto der Forderungen aus Target2 und damit erhalten diese Forderungen immer mehr Dominanz unter den Aktiva der Buba:

Die Entwicklung der Target2 Forderungen als Bestandteil der Aktiva-Seite der Bundesbankbilanz seit Januar 2002 bis September 2011 in Prozent im Chart. Im September 2011 betrug der Anteil der Target2 Position mit 449,611 Mrd. Euro an den gesamten Vermögenswerten der Bundesbank von 764,587 Mrd. Euro bereits 58,8%.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der Deutschen Bundesbank seit Januar 1999 bis September 2011 im Chart.

Damit verdrängen in den Gesamt-Aktiva der Buba immer höhere Target2 Forderungen, die Forderungen gegen die Kreditinstitute vor allem aus Deutschland, welche auf Grund des Kapitalzufluss aus der Südperipherie, Irland und Frankreich immer weniger auf das Zentralbankgeld der Buba angewiesen sind. Im September 2011 sanken die Forderungen gegenüber den Kreditinstituten aus den Hauptrefinanzierungsgeschäften und den längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte aus der Position 5. der Aktiva-Seite der Buba auf nur noch  31,052 Mrd. Euro und damit auf den tiefsten Stand in der Datenreihe seit Januar 2002! Zum Hoch im Oktober 2008 waren es noch 297,149 Mrd. Euro.

Die Target2 Position dagegen, welche mit Abstand zum größten Aktiva-Posten der Buba mutiert, ist zwar eine formale Forderung gegenüber der EZB, aber eben auch eine Forderung der EZB gegenüber den nationalen Zentralbanken von Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien und Frankreich, die allesamt negative Target2 Salden als Passiva (Verbindlichkeiten) in der Bilanz halten und die auf der anderen Seite ihrer Bilanz als Aktiva, den vergebenen Krediten der Zentralbanken an die dortigen Banken entsprechen.

Aus diesem simplen Sachverhalt ergibt sich auch ganz klar ein steigendes Risiko aus der aufgeblasenen Bilanz der Buba, letztlich sind die Forderungen aus Target2, die Kredite der Zentralbanken der PIIGS inkl. Frankreich an die dortigen Banken. Den 449,611 Mrd. Euro an Target2 Forderungen und den gesamten Assets der Buba von 764,587 Mrd. Euro steht ein armseliges Eigenkapital aus Grundkapital (2,5 Mrd. Euro) und gesetzlicher Rücklage (2,5 Mrd. Euro) von insgesamt 5,0 Mrd. Euro gegenüber.

Quelle Daten: Bundesbank.de

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22 KommentareKommentieren

  • Lazarus09 - 7. November 2011

    Rien ne va plus ….

  • Ert - 8. November 2011

    Passender Auszug von Paul C. Martin von 1985: ““Alle Staaten werden für alle Staaten, alle Notenbanken für alle Notenbanken haften, einschließlich Währungsfonds und Weltbank und vielen anderen internationalen Institutionen. Und alle Staaten werden für alle Banken geradestehen, aber auch alle Notenbanken für alle Staaten und alle Staaten für alle Notenbanken. Alle, alle, alle werden für alle, alle, alle da sein. Und alle wissen, dass keinem von allen etwas passieren darf, weil dann allen etwas zustößt.”

  • system2112 - 8. November 2011

    Man muss sich einfach jetzt schon Gedanken machen, wie es nach dem Crash weitergehen soll.Das internationale Bank und Schattenbanksystem will aus Gründen des Machterhaltes wieder eine Geldschöpfung auf Schuldenbasis, gepaart mit von ihm steuerbaren Zinsen.

    Das geht leichter, wenn Europa verstritten ist. Deshalb wird jetzt Deutschland isoliert. Das geschieht durch den Zins, D Zinsen ca. 0,85%, GIIPS Zinsen 6%-80%. So zerstört man Gemeinschaften. Die Politik spielt mit, weil sie alternativlos zu sein glaubt.

    Nötig wären tragfähige Alterrnativkonzepte, wie z.B. bedingungsloses Grundeinkommen, Schwundgeld ala Sylvio Gesell, usw. Dies muss jetzt vorbereitet werden. Der Ausweg aus der Krise wird wie immer eine neue Technologie sein, Mobilität ohne Auto und Verbrennungsmotoren. neue Finanzsysteme ohne Schulden, o.ä.

    Damit dies überhaupt eine Chance hat, muss der Frieden in Europa, rund um D, erhalten bleiben. Der Euro hat auf Dauer keine Cance mehr und Deutschland ist dabei: mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. Ein Alleingang ist weder möglich, noch sinnvoll. Das Primat muss bei der Friedenspolitik und nicht bei der Geldpolitik liegen.

  • Appaloosa - 8. November 2011

    Aber, aber…
    Laut diesem Artikel wird die Krise im Jahre 2012 (aus Geldmangel?) abgebrochen:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article13704492/EZB-Chefvolkswirt-erwartet-2012-Ende-der-Krise.html :P

  • Jürgen Feiler - 8. November 2011

    @system2112:
    haben wir denn de facto nicht bereits ein Schwundgeld? Wird diese Tatsache nicht durch
    steigende cpi-raten, deren Satz weit unter der Geldmengensteigerung im Eurosystem liegt
    und den dadurch einhergehenden noch positiven Nominalzinsen, die ja deutlich negative Realzinsen sind, nur verschleiert?

  • Lazarus09 - 8. November 2011

    system2112

    An eben alle dem ist man nicht interessiert,die Bevölkerung geht einem weiter am Arsch vorbei und man befeuert weiter den Export … Die Reichen wollen mehr,mehr,mehr ….

    Deutschlands Exportdaten auf Allzeithoch die Lohnsklaven ackern nicht mal mehr für Existenzminimum um ihre Lebenshaltung zu decken muss die Allgemeinheit noch aufstocken sozusagen die Exportdaten,den Exporterfolg mit ihren Verbrauchssteuern bezahlen.

    Kein andres EU Land wird mit Exporten seine “Schulden™” bezahlen können solange sich Deutschland isoliert und auf Kosten seiner immer schneller verarmenden Bevölkerung Exportüberschüsse generiert. So zerstört man Gemeinschaften.

    Der Michel aber sieht’s gelassen ,mit leerem Kopf nickt es sich eben leichter…Solange der Bundes-Jauche schwadroniert und die Millionenschweren Flaggschiffe der Unterhaltungsindustrie und Sport selbst in gebrochenem deutsch : BILD dir deine Meinung gegen Bar in den Äther seiern ist die Welt in Pesserteutschland in bester Ordnung !!!

    fuck off

    • ö.ä. - 8. November 2011

      @ Lazarus,

      das Problem ist doch nicht, dass es solche Sendungen/ Schmierblätter gibt, sondern der konsequente Ausschluss von Bildung, der viele Menschen der Bevölkerung betrifft. Sieh Dir das Selektionssystem Schule an, wird da vermittelt, Medien kritisch zu rezipieren?

  • Steffen B - 8. November 2011

    An dem Tag, an dem Griechenland offiziell pleite geht, wird kein Grieche mehr irgendein Euro-Guthaben auf dem Konto haben. Es wird nur Debt-Salden geben, die an die anderen Nationalbanken durchgereicht wurden.
    Eigentlich clever. Hat jemand Griechische Bekannte? Kann man dort noch Kredite bekommen und das Geld unters Kopfkissen legen (oder in dt. Immos investieren)?

  • Bert-Rüdiger Förster - 8. November 2011

    Wer sich mit getürkten Zahlen und finanziellen Betrügereien in eine Währungsunion einschleicht sollte die, zwar allzu späte, Quittung bekommen; die da ist ,,Rausschmiss”. Dies auch als Warnung für andere, den Griechen folgenden ,,Fast-Pleite-Länder”. Und dann gibt es für uns Deutsche nur eines: ,,Raus aus dieser Währungsunion – ja am besten raus aus dieser EU, denn diese verschlingt langsam alles, was das Deutsche Volk nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg sich erschaffen hat – gerne auch zugestanden, mit Hilfe vieler fleißiger Gastarbeiter.

  • Nepumuk - 8. November 2011

    Wieder ein sehr guter Artikel…

    Habe darauf verlinkt :-)

    Nepumuk

  • jmg - 8. November 2011

    Spannende Frage: Woher kommt dieser Aufbau von (uneinbringlichen?) Forderungen der Bundesbank im September. Ich dachte zuerst an die Kapitalflucht aus Italien, aber die TARGET2 Verbindlichkeiten Italiens sind im September um 14.913 Mrd. Euro gefallen !!!.
    TARGET2 Verbindlichkeiten Italien für September 2011:
    LINK: http://www.bancaditalia.it/statistiche/SDDS/stat_fin/Aggregati_riserve
    -> Bank of Italy balance-sheet aggregates (October 2011) 08-11-2011
    -> Other Liabilities
    -> other liabilities within the Eurosystem (net)
    30/09/2011 103,511 Mrd. Euro
    31/10/2011 88,598 Mrd. Euro

  • jmg - 8. November 2011

    Sorry,
    Die Buba Zahlen beziehen sich auf September (damals stiegen die TARGET2 Verbindlichkeiten Italiens stark an). Ist also voll kompatibel mit dem starken Anstieg der Total Assets der Bundesbank.
    Die neuesten TARGET2 Zahlen für Italien beziehen sich schon auf Oktober.
    Trotzdem bleibt die Frage: Warum sind die Verbindlichkeiten der italienischen Zentralbank im Rahmen von TARGET2 im Oktober gefallen, obwohl sich die Krise in diesem Monat erheblich zugespitzt hat?

    • philipp johannes - 8. November 2011

      könnte es damit zusammenhängen das die ezb wahnsinnig viele italien anleihen aufgesaugt hat.
      das würde doch über target 2 an bca italia retour gehen und die fallenden salden erklären ?

      kann aber auch sein das ich gerade total falsch liege.
      pardon dann.

  • khaproperty - 8. November 2011

    Sinn sagte es schon vor Monaten – immerhin und meine Wenigkeit ebenfalls:
    Die Target-Salden der EZB liegen bei (jetzt) über 141 Mrd. Euro und dokumentieren (zu einem Drittel) die von der deutschen Bevölkerung selbst zu begleichenden Rechnungen für all den schönen Export an PIIGS in EU. Das findet unsere Kanzlerin nun ganz toll. Man fragt sich, ob diese Dame überhaupt je etwas begriffen hat.
    Angesichts der Unvereinbarkeiten unter der Gemeinschaftswährung bleibt nur die Frage:
    Wann endlich wird die (hoffentlich) vorbereitete Rückwechslung des Euro in nationale Währungen vonstatten gehen, prinzipiell so einfach, wie die Einführung – zum Stichtag?
    Man hört, de la Rue in GB druckt schon fleißig DM, vielleicht auch andere Währungen.
    Das jedenfalls bliebe der einzig tragbare Ausweg aus der komplett und unwiederrufbar verfahrenen Situation. Weitermachen ist dasselbe wie die Pleite für Deutschland und ein paar andere – am Ende. Will Merkel ebendies?

  • Querschuss - 8. November 2011

    Hallo LL,
    “ich möchte hier eine Anmerkung zum Querschüsse-Post über die BuBa machen”… Gähn, machst Du nicht, denn da steht kein Wort zu oder von Prof. Sinn, ebenso keines dazu ob Leistungsbilanzdefizite oder Kapitalflucht per Zentralbankgeld ausgeglichen wird. Es werden einfach nur die Total Assets, deren Anstieg, der dominierende Anteil der Target2 Forderungen daran und das die Target2 Forderungen der Buba, welche die Verbindlichkeiten der nationalen Zentralbanken sind dargestellt. Die NZBs der PIIGS nutzen wiederum Target2 um per Kreditvergabe ihren Kreditinstitute eine Refinanzierung zu ermöglichen. Target2 bildet die Zahlungsbilanz ab, dahinter können sich also Leistungsbilanzdefizite befinden, die keinen privaten Kapitalzufluss mehr finden, deswegen springt Zentralbankgeld in Form von Target2 ein oder es kann sich sogar um Kapitalflucht aus dem Bankensystem eines PIIGS-Staates handeln, weswegen die Banken einen enormen Refinanzierungsbedarf haben. Es kann auch eine Mischung aus beiden sein. Bei den PIIGS ist der negative Target2 Saldo gleich der Summe der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Ländern. Auch Irland hatte trotz Handelsbilanzüberschuss bei Waren und Güter ein kräftigeres Leistungsbilanzdefizit während der Wirtschafts und Finanzkrise, welche aber bereits schrumpft, von dieser Warte hat Irland die besten Chancen:

    Die Daten der Leistungsbilanz von Q2 2011 von Eurostat:

    Irland -488 Mio.
    Griechenland -5.744 Mrd.
    Spanien -9.910 Mrd.
    Italien -13.807 Mrd.
    Portugal -4.840 Mrd.

    Nur seit Q1 2005 bis Q2 2011 kumulierten sich Irlands Leistungsbilanzdefizite auf -37,742 Mrd. Euro, dies macht es durchaus schlüssig, das selbst in Irland Target2 dazu diente die Defizite zu decken, zuzuglich eben der Kapitalflucht. Soviel zur Kompetenz deiner Argumente!

    Gruß Steffen

  • LL - 8. November 2011

    Hallo Steffen,

    ich meinte auch nicht nur diesen Artikel, sondern deine Artikel in der Gesamtheit. Dazu z.B. in deinem Artikel vom 12.September: “Von 2008 bis 2010 wurden 88% der Leistungsbilandefizite der PIGS über Target2 finanziert, so Professor Sinn in seinem weiterhin lesenswerten Working Paper vom 24.06.2011″. Sehr lesenswert, leider hat sich Prof.Sinn in der internationalen Presse, insbesondere mit seiner crowding-out-These über Inlandskreditrationierung wegen Target2 öffentlich blamiert.

    Zum zweiten Punkt: Eben, die Daten sprechen doch eindeutig gegen die These, dass sie Leistungsbilanzdefizite finanzieren. Spezifischer für Irland: Erklär mir doch bitte wie Irland in 2007 riesige Leistungsbilanzdefizite angehäuft hat, der Target2-Saldo aber (fast) 0 war. Erklär mir dann ebenso wie Irland im Jahre 2010 mit einem Bilanzplus, riesige Target2-Defizite (-130 Mrd Euro) angehäuft hat.
    Zusätzlich dazu: Italien hat seit einem Jahrzent Leistungsilanzdefizite, wie kann es sein das erst seit letzem Monat der Target2-Saldo negativ ist? Italien hatte beispielsweise 2007 ein stark positives Target2-Saldo, bei einer seiner größten Leistungsbilanzdefizite (knapp -3 % in Relation zum BIP gesehen).

    Die Target2-Kredite in die Südperipherie sind ein Anzeichen der Schwäche der peripheren Bankensektoren, welche sich ausschließlich durch Kapitalflucht und non-performing loans äußern.

    Gruß, LL

    • Querschuss - 8. November 2011

      Hallo LL,
      ich finde mit diesen Fragen blamierst Du dich jetzt!
      Es ist ziemlich einfach, weil bis dahin private Nettokapitalzuflüsse die Leistungsbilanzdefizite finanzierten. Erst mit dem Schwinden der privaten Nettokapitalzuflüsse kommt das Zentralkangeld ins Spiel in Form von Target2. Das Irlands negativer Target2 Saldo primär Kapitalflucht darstellt habe ich nicht bestritten, ebenso wie im August und September in Italien. Target2 ist aber trotzdem immer ein Ausdruck der Zahlungsbilanz, also der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Bei einem Leistungsbilanzüberschuss muss der Nettokapitalabfluss umso höher sein, damit ein negativer Target2 Saldo entsteht, aber nochmal weder in den PIIGS noch in Frankreich gab es zuletzt in Q2 2011 einen Überschuss, sondern Leistungsbilanzdefizite.

      Noch einfacher, falls Du es bis hier nicht verstanden hast. Italien hatte einen positiven Target2 Saldo, trotz Leistungsbilanzdefizit, weil der private Nettokapitalzufluss nach Italien eben höher war, als das Leistungsbilanzdefizit. Nun ist er negativ, weil ein Leistungsbilanzdefizit und zuzüglich privater Nettokapitalabfluss besteht. Die Summe aus beiden ist der negative Target2 Saldo.

      Gruß Steffen

  • LL - 8. November 2011

    Hallo Steffen,

    du hast meine zentrale These nicht verstanden. Was ich mit den obigen Fragen versucht habe zu erklären ist folgender Sachverhalt: Es besteht KEIN Zusammenhang zwischen Leistungsbilanzdefiziten und Target2-Salden. Veränderungen des Target2-Saldos können bei ausgeglichener oder unausgeglichener Leistungsbilanz (Defizit oder Überschuss) enstehen. Deine Erklärung, dass die Target2-Forderungen der BuBa ansteigen, und dies als Kapitalexport in der Zahlungsbilanz verbucht wird, ist völlig irrelevant, darum geht es überhaupt nicht. Die einzige Frage die zu klären ist, und welche Sinn (und anscheinend du auch) unterstützen lautet: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Leistungsbilanzdefizit und Target2-Salden?

    Antwort: Nein, gibt es nicht. Leistungsbilanzdefizite können mit steigenden als auch fallenden Target2-Salden einhergehen.

    Gruß, LL

    • Querschuss - 8. November 2011

      Hallo LL,
      Deine zentrale These ist insofern falsch, weil Du nicht verstanden hast was Target2 Salden abbilden. “Leistungsbilanzdefizite können mit steigenden als auch fallenden Target2-Salden einhergehen”, …dies ist richtig, aber nur weil wie ich meine Target2 ein Ausdruck der Zahlungsbilanz ist und damit Leistungsbilanz und Kapitalbilanz beinhaltet. Wenn ein Leistungsbilanzdefizit von Italien identisch ist mit dem privaten Nettokapitalzufluss und in Deutschland ein Leistungsbilanzüberschuss mit dem privaten Nettokapitalabfluss, dann gibt es weder in Italien noch in Deutschland Target2 Salden.

      Wenn also Italien z.B. ein Leistungsbilanzdefizit von -10 Mrd. hat und einen privaten Nettokapitalabfluss von -90 Mrd., dann ensteht ein negativer Target2 Saldo von -100 Mrd. Euro. Hätte Italien ein Leistungsbilanzdefizit von -10 Mrd. Euro aber einen privaten Nettokapitalzufluss von +40 Mrd. Euro, dann wäre der Target2 Saldo positiv, eine Forderung von +30 Mrd. Euro. Beim Target2 Saldo spielt also immer auch das Leistungsbilanzdefizit/überschuss eine Rolle, nur wenn ein identischer privater Nettokapitalzufluß/abfluß dem gegenüber steht, dann gibt es kein Target2 Saldo.

      Target2 Forderungen der Buba sind der Ersatz per Zentralbankgeld, für den privaten Nettokapitalabluß als notwendiges Pendant des deutschen Leistungsbilanzüberschusses. Gibt es statt einen privaten Nettokapitalabfluß sogar einen Zufluß, dann muss Zentralbankgeld beides kompensieren und somit ist die Summe aus Nettokapitalzufluß und Leistungsbilanzüberschuss der positive Target2 Saldo, also die Forderung der Buba.

      Gruß Steffen

  • philipp johannes - 8. November 2011

    ll, du redest nun aber von der übertragungsbilanz was die target 2 salden betrifft.

    um es abzukürzen lies bitte nochmal vorher bei wikipedia nach.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsbilanz

  • LL - 9. November 2011

    Steffen:

    Ich sehe aber keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Leistungsbilanzdefizit und negativem Target2-Saldo.
    Ein Leistungsbilanzdefizit in Griechenland kann durch zwei Wege finanziert werden:

    1) Durch Kapitalabfluß von Griechenland, welcher aus Finanztransaktionen zwischen Griechen und Deutschen resultiert.
    2) Der andere Weg ist eine Zunahme der Nettokredite in Bezug zu Target2

    Wie du richtig ausgeführt hast, kann sogar ein negativer Target2-Saldo mit einem Leistungsbilanzüberschuss in Griechenland einhergehen, solange der Überschuss kleiner als der Nettokapitalzufluss ist. Nur in einer idealisierten Welt mit keinerlei Kapitalmobilität würde eine Zunahme des negativen Target2-Saldos der einzigste Weg sein um das griechische Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren.
    Es besteht aber trotz deinen Ausführungen keinerlei kausaler Zusammenhang zwischen Leistungsbilanzdefizit und negativen Target2-Salden. Genau das ist doch der Punkt der ganzen DIskussion, das behauptet Professor Sinn fälschlicherweise (zusammen mit seinen anderen Behauptungen), und DAS kritisiere ich und habe ich versucht mit den Daten oben zu belegen. All die empirischen Daten lassen nur den Schluss zu dass die negativen Target2-Salden in der Südperipherie aus sogennanten “silent bank runs” resultieren, d.h. Kunden in diesen Ländern ziehen ihr Geld ab weil sie den Finanzinstituten nicht trauen. Das ist in Irland, Griechenland und nun auch Italien so (siehe meine obigen Ausführungen/Daten zu Leistungsbilanzdefiziten & Target2).

    Gruß, LL

    • Querschuss - 9. November 2011

      Hallo LL,
      Target2 ist immer Ausdruck von Leistungsbilanz und Kapitalbilanz, so wie es keinen alleinigen kausalen Zusammenhang zwischen Leistungsbilandefizit zu einem negativen Target2 Saldo gibt, so gibt es ihn auch nicht allein beim Kapitalfluß und Target2. Auch bei privaten Nettokapitalzufluß oder -abfluß kann der Target2 Saldo positiv oder negeativ sein oder eben gar nicht existent wenn das Leistungsbilanzdefizit identisch mit dem Nettokapitalzufluss ist oder eben der Leistungsbilanzüberschuss mit dem privaten Nettokapitalabfluß.

      Ansonsten gebe ich auf, die Diskussion dreht sich in der Schleife meine was Du möchtest, es wird allein deshalb nicht richtig.

      Gruß Steffen

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