Blasenökonomie UK “glänzt”
Fast schon faszinierende Daten von einer hoffnungslosen Blasenökonomie liefern die heutigen Außenhandelsdaten aus Großbritannien. Gemäß den Daten des Office for National Statistics (ONS) weitete sich im September 2011 das Handelsbilanzdefizit Großbritanniens bei Waren und Gütern auf ein neues monatliches Allzeithoch aus, mit unglaublichen -9,814 Mrd. GBP, nach -8,617 Mrd. GBP im Vormonat.
Die Entwicklung des saisonbereinigten Export- (blau) und Importvolumens (rot) bei Waren und Gütern seit Januar 1998 in GBP im Chart. Die Exporte stiegen im September 2011 saisonbereinigt um +0,2% zum Vormonat auf 24,459 Mrd. GBP und die Importe um +3,8% zum Vormonat auf 34,273 Mrd. GBP.
Die Entwicklung der Handelsbilanz bei Waren und Gütern seit Januar 1980 im Chart. Deutlich sichtbar im Chart das chronische Defizit, welches sich immer weiter ausbaut. Im September 2011 wurde mit -9,814 Mrd. GBP ein neues Allzeithoch beim monatlichen Defizit erzielt. 2010 kumulierte sich das Defizit auf -98,462 Mrd. GBP, nach -82,852 Mrd. GBP 2009. In den ersten 9 Monaten 2011 kumulierte sich das Defizit bereits auf -74,541 Mrd. GBP, nach -71,520 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.
Die Entwicklung der Handelsbilanz nur beim Rohöl im Chart seit Januar 1981. Seit Mitte 2005 ist UK Nettoimporteur von Rohöl. 2010 betrug der Nettoimport ein Volumen von -4,726 Mrd. GBP. In den ersten 9 Monaten 2011 sind es bereits -8,626 Mrd. GBP.
Die Entwicklung der Handelsbilanz nur bei Nahrungsmitteln im Chart seit Januar 1983. Im September 2011 bewegte sich das Defizit mit -1,564 Mrd. GBP nur knapp unter dem monatlichen Rekorddefizit aus Juli 2011. In den ersten 9 Monaten 2011 kumulierten sich bereits -13,352 Mrd. GBP. Im Jahr 2010 generierte UK ein Defizit nur aus dem Handel mit Nahrungsmitteln in Höhe von -17,024 Mrd. GBP, darunter beim Fleisch ein Defizit von -3,601 Mrd. GBP, selbst mit Milchprodukten und Eiern kann man die eigene Bevölkerung nicht versorgen – hier betrug das Defizit 2010 -1,391 Mrd. GBP und bei Getreide und Futtermitteln betrug das Defizit -1,383 Mrd. GBP.
Die realwirtschaftliche Leistung UK reicht weder aus die eigene Bevölkerung mit Waren zu versorgen, noch ist man in der Lage, ohne immense Importe die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen. UK bleibt der Krisenkandidat Nr.1 im angelsächsischen Raum, gerade die Außenhandelsdaten zeigen wie brisant und mittelfristig unhaltbar die Lage ist. Angesichts solcher gravierender Daten erscheint das Triple A, die höchstmögliche Bonität, für britische Staatschulden lächerlich, betrachtet man die Rendite der 10-jährigen britischen Staatsanleihe mit gerade noch 2,177% wird klar, das Märkte sehr oft und lange irren, bis irgendwann die Herde den Fokus auf die Probleme legt.
Quellen Daten: Statistics.gov.uk/Portal
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Goldman - 9. November 2011
die steine werden fallen, das wird ein domino-effekt werden…
Bernd Klehn - 9. November 2011
Lieber Steffen,
wenn du allerdings die Nettoauslandsschulden (12%) , sind von 2005 bis Anfang 2011 von 20% auf 12% gesunken, dazu plotest siehst du, dass die Leistungsbilanzdefizite durch Finanzmarktgewinne überkompensiert werden. Bei Irland ist das Gegenteil der Fall. Allerdings ist die Berechung der Nettoauslandsschuld bei extremen Kapitalverquickungen nicht leicht. UK hat 400% External Debts, Irland 1500%, China 4%
Mit sehr sehr freundlichen Grüßen
Bernd
Du bist unverzichtbar als Datenquelle
Querschuss - 9. November 2011
Hallo Bernd,
Danke für den Hinweis, ich kann nicht alle Daten beachten und bedenken, nur Finanzmarktgewinne lösen sich schnell in Schall und Rauch auf, höher gilt zu gewichten, das die Realwirtschaft am Krückstock läuft.
Gruß Steffen
Bernd Klehn - 10. November 2011
Lieber Steffen,
habe es bisher auch immer so gesehen, dass es am Ende auf die Realwirtschaft ankommt und der Finanzmarkt am Ende doch zu einer vernünftigen Ressourcenallokation beiträgt. Allerdings warte ich darauf schon seit 10Jahren und dachte spätestens 2008 nun sei endgültig der Zeitpunkt gekommen, wieder geirrt.
Gruß Bernd
thomas - 9. November 2011
moin steffen,gibt es irgendwo daten,wo man an der tonnenzahl englands exporte ablesen kann.
die haben doch nix großartiges,was die welt braucht,vielleicht mal bei lidl,das nennt man dann englische woche.ekelhafte marmelade fürn euro
aber ernsthaft,zählen kredite als finanzleistung nicht auch als export.
gruß,thomas
Querschuss - 9. November 2011
Hallo Thomas,
die Tonnen-Daten habe ich nicht parat, es handelt sich bei den präsentierten Daten ganz bewusst nur um diejenigen, die den Handel mit Waren und Gütern widerspiegeln. Finanzdienstleistungen sind da nicht mit dabei, wie auch nicht bei den deutschen und französischen Außenhandelsdaten.
Gruß Steffen
M.U. - 9. November 2011
OT:
IEA: World Energy Outlook kommt heute
http://www.peak-oil.com/2011/11/world-energy-outlook-kommt-heute/
Internationale Energieagentur warnt vor Ölkrise ab 2015
http://www.peak-oil.com/2011/11/internationale-energieagentur-warnt-vor-olkrise-ab-2015/
Sachsen? Nicht auf Peak Oil vorbereitet!
http://www.peak-oil.com/2011/11/sachsen-peak-oil-bei-telepolis/
Kartoffel - 9. November 2011
Auch wenns Steffen nicht so deutlich sagt, solte mal eines fernen Tages mal hypothetisch der Pfund keine Devise mehr sein, dann könnte die Nahrungsversorgung der Briten schwirig werden. Ein Mensch kann im Zweifel auf Nutten&TV verzichten, bei anderen Gütern gäbe es Probleme.
Viele Grüße an Steffen
Kartoffel
Querschuss - 9. November 2011
Hallo Kartoffel,
das ist die unterschwellige Message, ….beim Leser angekommen! Danke und Gruß
Steffen
Wunderwuzi - 9. November 2011
Aber einen Vorteil haben die Briten sie haben (noch) ein Königshaus – zu einenem Kaiserstatus haben die es zwar nicht gebracht – da könnten sie von uns noch etwas lernen!
Benedikt - 9. November 2011
Die Britische Notenbank kauft dazu auch Britische Staatsschulden auf:
http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:aufkauf-von-staatsanleihen-britische-notenbank-drueckt-zinsen-auf-langzeittief/60127074.html
In GB ist die Notenbank sehr viel aktiver wie die FED. Vor kurzen hat die auch ein Aufkaufprogramm für normale Anleihen aufgelegt. Das tolle Sparprogramm von GB wird die auch nicht retten. Die Effekte wurden überschätzt, und komplett umgesetzt wird das wohl auch nicht.
Lazarus09 - 9. November 2011
The UK is fucked… that’s it
mitwisser - 9. November 2011
das umschwenken von realwirtschaft auf finanzcasino war nur eine sehr temporäre angelegenheit den niedergang der briten aufzuhalten. leider wirds uns auch mitreissen wenn das ganze implodiert. frägt sich aber ob thatcher und co das seinerzeit auch so planten oder ob das ganze aus einer anderen dynamik entstand.
Frank - 10. November 2011
@thomas: Doch, englische Marmelade ist richtig gut. Nicht bei Lidl kaufen, sondern regulär die Marken “Chivers” oder “Wilkin & Sons”, am besten Orange oder Zitrone. Wirklich ein Genuss. Nur wird das bisschen Marmelade UK keine signifikante Verringerung des Exportdefiizits ermöglichen…
Catweazle - 10. November 2011
Glaube auch nicht das auf der Insel die Orangen und Zitronen so üppig gedeihen, das damit ein Staat zu machen ist.
Lazarus09 - 10. November 2011
Frank
Bushmills whiskey is nice as well
reißt ‘s aber auch nicht raus
khaproperty - 10. November 2011
Vor allem haben die Briten – god save the queen – noch ihre eigene Notenbank und damit den ungehinderten Zugriff auf die eigene Währung, mit der sich fast jedes Problem lösen läßt.
Ebendies fehlt allen Europäern in der Währungsunion, die sich nun unaufhaltsam aufzulösen beginnt. Aber auch dort gilt: es gibt ein Leben nach dem Euro!
M.E. - 10. November 2011
Ja, und das Schöne ist: die USA haben dann wieder die unangefochtene Hegemonie über die Finanzmärkte, wenn der Euro in den Orkus gegangen ist (wonach es ja jetzt aussieht).
Na, wenn das kein Grund zur Freude ist!!!
khaproperty - 10. November 2011
@ M.E.
Umgekehrt wird ein Schuh draus: sollte DM, Franc etc. zurück sein, dann hätte USA-Dollar wieder ernste Konkurrenz. Bei der DM jedenfalls hätten andere Währungen eher zu kämpfen, als beim anämischen Euro.
Merke: Nicht das bloße Volumen macht`s, sondern die Qualität.
KASIM - 13. November 2011
Hallo Steffen,
die von Dir präsentierten Daten sind gut, interessant und aussagekräftig. Allerdings bin ich der Meinung das sie zu einem gewissen Grad als “relativ” angesehen werden müssen.
Was ich konkret meine, möchte ich an der Nahrungsmittelproduktion deutlich machen. Die Tatsache das England Nahrungsmittel einführt, sagt nicht anderes aus als das England nicht in der Lage ist Lebensmittel zu einem Preis zu erzeugen die im Kostenvergleich zum Nahrungsmittelmarkt konkurrenzfähig ist. Würden sich zum Beispiel die Transportkosten um den Faktor X erhöhen, könnte die Verteilung anders aussehen. Trotz geograpischer Bedingungen ist Grund und Boden für Nahrungsmittelproduktion vorhanden!
Bei der Industrieproduktion ist es etwas schwieriger, da man nicht nur die Fabriken sondern auch das Know-How braucht. Aber eine Re-industrializierung ist nicht unmöglich, aber kostspielig, kostet viel Zeit und das zugehörige Know-How muss erst wieder aufgebaut werden. Wichtig ist aber, es ist nicht unmöglich.
Für all dies ist allerding ein Kurswechsel notwendig! Entweder Freiwillig oder aus einer Zwangslage heraus und vorher muss das Eingeständnis, gescheitert zu sein, stehen!
Grüsse,
Klaus