Allgemein
Das spanische Statistikamt INE lieferte heute bereits detaillierte BIP-Daten zum 1. Quartal 2012. Das saisonbereinigte reale BIP sank im Vergleich zum Vorquartal um -0,3%, nach ebenfalls -0,3% im 4. Quartal 2011. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es unbereinigt um -0,4% abwärts. Dies sind auf den ersten Blick sogar noch moderate Daten zur Wirtschaftsentwicklung in Spanien, aber die Details verraten einen verdeckten Griechenland-Style und einen weiterhin inkonsistenten und unglaubwürdigen Datensatz.
Auch heute markierte der griechische Aktienleitindex ATHEX ein neues Tief im Zuge der Maximierung der volkswirtschaftlichen Schäden. Der ATHEX, der die 42 größten Unternehmen Griechenlands abbildet, fiel heute auf 555,42 Indexpunkte und damit auf den tiefsten Stand seit dem 06.02.1990!
Um sich der relevantesten und zu Grunde liegenden Ursache der Krise der Südperipherie zu nähern, ist ein Blick auf die Entwicklung der Indizes der breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe), ohne Baugewerbe, von Griechenland und der Türkei hilfreich. Dieser direkte Vergleich legt die Annahme nahe, dass vielleicht die Griechen selbst weniger "Schuld" an der Misere sind als vermeintlich angenommen, sondern der Niedergang des Landes, wie auch in Portugal und Spanien, primär der Einführung der gemeinsamen Währung und dem seitdem bestehenden Korsett des Euro geschuldet ist. Eines Korsetts, dass die der eigenen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit, der Mentalität und den heimischen Besonderheiten angepasste Währungs- und Geldpolitik unmöglich macht, sprich dringend notwendige Anpassungen per Abwertung der Währung verhindert.
Wie die italienische Zentralbank (Banca d'Italia) gestern mitteilte stieg im März 2012 die Bruttostaatsverschuldung des italienischen Staates um +17,857 Mrd. Euro zum Vormonat und um +79,547 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat, auf 1,946083 Billionen Euro. Damit muss sich auch der Technokrat "Super Mario" der Realität stellen, denn ein sinkendes BIP und eine schrumpfende Wertschöpfung in der Industrieproduktion machen Erfolge beim Sparen nahezu unmöglich bzw. diese beschleunigen die wirtschaftliche Talfahrt nur zusätzlich.
Auch die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen der Südperipherie der Eurozone zeigen, dass die geldpolitischen Maßnahmen der EZB in Form der unbegrenzten LTRO-Liquidität für das europäische Bankensystem nahezu verpufft sind. Seit Tagen steigen die Renditen und dies dürfte so manche Sparmaßnahme konterkarieren, denn die Rendite an den Sekundärmärkten wirft seinen Schatten auf die Auktionen von neuen Staatsanleihen und die zu leistende Verzinsung steigt. Gerade Spanien steht unter Druck, die Rendite stieg heute auf nun 6,347%.
Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen für Deutschland, ermittelt vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist im Mai 2012, nach fünf Monaten Anstieg in Folge deutlich zurückgefallen. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen sank um -12,6 Punkte, auf 10,8 Punkte, nach 23,4 Punkten im Vormonat. Die ZEW-Konjunkturerwartungen werden in einer Umfrage bei 400 Finanzexperten aus Banken, Versicherungen und großen Industrieunternehmen ermittelt.
Wie heute Morgen das griechische Statistikamt (Elstat) mitteilte, schrumpfte laut der ersten Schätzung, das reale BIP in Q1 2012 erneut um kräftige reale -6,2% zum Vorjahresquartal. Weiterhin liefert ELSTAT nur eine unbereinigte Datenreihe und ist anscheinend nicht in der Lage eine in sich konsistente saisonbereinigte Datenreihe zu liefern. Die Kontraktion der wirtschaftlichen Aktivität fällt auf jeden Fall weiter ungebrochen stark aus, zum Hoch in einem ersten Quartal in Q1 2008 ging es um -17,1% beim realen BIP abwärts, ein beispielloser Wahnsinn:
Auch das italienische Statistikamt ISTAT berichtete heute Morgen in einer ersten Schnellschätzung Daten zum BIP in Q1 2012. Wie erwartet, "trotz" Reformer Monti, geht es erneut abwärts um saisonbereinigte und reale -0,8% zum Vorquartal und um saisonbereinigte -1,3% zum Vorjahresquartal. Damit manifestiert sich weiter eine wirtschaftliche Schwäche, schließlich muss man bei den Daten auch noch die Auswirkungen aus fiktiven, hedonischen Berechnungsmethoden des BIPs und nicht adäquater Preisbereinigung im Hinterkopf haben. Leider liefert auch ISTAT noch keine detaillierten Daten, insofern ist ein detaillierter Blick nicht möglich.
Wie bereits die starken Daten zum Auftragseingang, Industrieproduktion und das Rekordexportvolumen für Monat März 2012 vermuten ließen, Deutschland gelingt es selbst während der fundamentalen Krise der Eurozone zu wachsen. Wie heute Morgen das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer ersten Schätzung für 1. Quartal 2012 berichtete, stieg das saisonbereinigte reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um +0,5% zum Vorquartal, nach -0,2% in Q4 2011. Zum Vorjahresquartal ging es unbereinigt um +1,7% aufwärts. Leider liegen noch keine detaillierten Daten für das 1. Quartal 2012 vor, diese werden erst am 24.05.2012 berichtet.
In Brüssel tagen die Finanzminister der Euro-Gruppe und ein zentrales Ergebnis von heute ist, dass der Austritt Griechenlands aus dem Euro nicht als eine Option angesehen wird. (1) Was allerdings auch nicht als Option angesehen wird, ist ein Ausstieg Griechenlands aus dem vereinbarten Sparkurs. Vielmehr hieß es heute, wie berichtet wird, seitens der Finanzminister, die Parteien in Athen müssten nach den jüngsten Wahlen eine Koalitionsregierung bilden, die das vereinbarte Spar- und Reformprogramm einhält. (2)
