Desasterzone 2: Portugal

von am 21. Januar 2012 in Allgemein

Auch die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Portugal für den Monat November und Dezember 2011 belegen die ausweglose Situation in dem die Staaten der Südperipherie der Eurozone sich bewegen. Der aussichtslose Weg mittels einer Abwertung nach innen die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und mittels Austerität die Schuldenkrise zu meistern. In der Realität führt diese aufgezwungene Strategie zu realwirtschaftlicher Kontraktion, damit zu weniger Wertschöpfung und zu noch weniger Leistungsfähigkeit und damit wird letztlich auch kein Beitrag zur Entlastung der Schuldenkrise geleistet.

Die Entwicklung des saisonbereinigten Outputs der breit gefassten Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) seit Januar 2000 bis November 2011 im Chart. Im November 2011 sank der Output um -1,6% zum Vormonat auf 88,20 Indexpunkte. Zum Hoch im April 2001 betrug der Einbruch -21,88%.

In Portugal gibt es den monatlichen Private Consumption Coincident Indicator, der sehr breit gefasst den privaten Konsum misst, so die realen Einzelhandelsumsätze, die PKW-Verkäufe, den Umsatz bei Dienstleistungen, die Tourismus Übernachtungen von Inländern und den Umsatz von industriellen Konsumgütern. Aber auch die Einkommens- und Vermögensentwicklung als wichtige Einflüsse des privaten Konsums und das Verbrauchervertrauen fließen in den Private Consumption Coincident mit ein. Ein Blick auf die Daten dieses Indicators für Dezember 2011 verheißt wenig Erbauliches:

Die Entwicklung des Private Consumption Coincident Indicators seit Januar 1978 bis Dezember 2011 im Chart. Im Dezember 2011 ging es auf -4,5 Indexpunkten abwärts, auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe seit Januar 1978.

Auch das portugiesische Verbrauchervertrauen liegt weiter am Boden:

Die Entwicklung des portugiesischen Verbrauchervertrauens seit Juli 1986 bis Dezember 2011 im Chart. Im Dezember 2011 stieg das Verbrauchervertrauen marginal auf -57 Indexpunkte. Das Allzeittief seit Beginn der Datenreihe im Juli 1986 wurde im September 2011 mit -59 Punkten markiert!

Auch die Neuzulassungen bei PKWs in Portugal sprechen Bände:

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen von Januar 1990 bis Dezember 2011. Im Dezember 2011 sanken die zugelassenen neuen PKWs um satte -60,14% zum Vorjahresmonat auf 11’207 Fahrzeuge. Das Gesamtjahr 2011 war mit nur 153’433 neuzugelassenen PKWs das mieseste seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1990. 2011 betrug der Einbruch zum Vorjahr -31,34%. Bezeichnender Weise lag das Rekordjahr bei den Neuzulassungen bereits im Jahr 1992 mit 276’972 Pkw. Ein Einbruch seitdem von -44,6%.

Aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR):

Die Entwicklung der realen privaten Konsumausgaben in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 im Chart. In Q3 2011 sanken die realen privaten Konsumausgaben um -3,35% und damit um die höchste Rate des verfügbaren Datensatzes.

Die Entwicklung der Baugenehmigungen für Wohnimmobilien zeugt von einer brachialen Kontraktion am Bau:

Die Entwicklung der saisonbereinigten Baugenehmigungen für Wohnimmobilien (Index) seit Januar 1994 bis November 2011. Im November 2011 sanken die Baugenehmigungen auf den tiefsten Stand der Datenreihe mit 19,41 Indexpunkten. Zum Hoch im Februar 2000 betrug der Einbruch -90,59%!

Das es sich am Hoch der Baugenehmigungen im Februar 2000 nicht um eine Immobilienblase handelte, zeigt folgender Chart:

Die Entwicklung der Baugenehmigungen (rot), des nominalen Índice Confidencial Imobiliário 2005=100 (blau), dem portugiesischen Immobilienpreisindex, dessen Daten auch von der portugiesischen Zentralbank anerkannt und an die Bank for International Settlements (BIS) berichtet werden, sowie die preisbereinigten Daten des Immobilienindex (grün – preisbreinigt um den portugiesischen CPI 2008=100). Nach Abzug des Anstieges der Verbraucherpreise tat sich real bei den Immobilienpreisen seit 1994 bis Oktober 2011 gar nichts. Nominal ging es zwar aufwärts, allerdings ein kurzer Blick auf die US-S&P/Case-Shiller Home Price Indices genügt um zuerkennen, wie Immobilienblasen und deren Anstiege wirklich aussehen. In Portugal gab und gibt es keine Immobilienblase. Der durchschnittliche landesweite nominale Quadratmeterpreis für eine Wohnimmobilie betrug 2010 vergleichsweise moderate nominale 1’180 Euro.

Die Entwicklung der Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 bis Q3 2011. In Q3 2011 ging es um weitere real -4,41% zum Vorjahresquartal abwärts und dies das fünfte Quartal in Folge.

Interessant an den bisherigen Daten, vor Einführung des Euro entwickelten sich die realen Arbeitnehmerentgelte besser, ebenso die realen privaten Konsumausgaben, die PKW-Neuzulassungen und die Baugenehmigungen von Wohnimmobilien.

Ein ähnliches Bild bei den realen Bruttoanlageinvestitionen:

Die Entwicklung der realen Bruttoanlageinvestitionen in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 bis Q3 2011. In Q3 2011 sanken die realen Bruttoanlageinvestitionen um -11,9% zum Vorjahresquartal und sanken nun bereits das 12. Quartal in Folge im Vergleich zum Vorjahresquartal!

Die Entwicklung der realen Bruttoanlageinvestitionen, in der langen Reihe seit 1979, jeweils in Prozent zum Vorjahr. Hier wird klar deutlich, außer beim kleinen positiven Ausreißer 2007, sind seit 2002, Jahr für Jahr die Bruttoanlageinvestitionen rückläufig. Dies offenbart auch in Portugal, das Hauptdilemma der Südperipherie der Eurozone, Wettbewerbsfähigkeit herzustellen ohne Investitionen in Wertschöpfung ist eine Unmöglichkeit.

Die Bruttoanlageinvestitionen umfassen den Erwerb von dauerhaften und reproduzierbaren Produktionsmitteln sowie selbst erstellten Anlagen, ebenso von größeren Reparaturen, die zu einer wesentlichen Steigerung des Wertes einer Anlage führen. Die Bruttoanlageinvestitionen untergliedern sich in Ausrüstungen (Produktionsanlagen, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge), Bauten (Wohnbauten, Nichtwohnbauten) und sonstige Anlagen (u.a. Nutzvieh und Nutzpflanzungen, Computersoftware).

Selbst das reale BIP entwickelte sich vor der Euro-Einführung besser:

Die Entwicklung des realen BIP in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 bis Q3 2011. In Q3 2011 sank das reale BIP um -1,9% zum Vorjahresquartal!

Auch die lange Reihe beim realen BIP in Prozent zum Vorjahr zeigt die zunehmende Wachstumsschäche als Trend:

Die Entwicklung des realen BIPs in Prozent zum Vorjahr seit 1979 im Chart. In 2011* wird das reale BIP um -1,6% sinken, für 2012* prognostziert die portugiesische Zentralbank eine Schrumpfung von -3,1%.

Die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenquote in Portugal seit Januar 1990 bis November 2011 im Chart. Im November 2011 stieg die gesamte Arbeitslosenquote auf 13,2%.

Die Entwicklung der saisonbereinigte Quote der Jugendarbeitslosigkeit seit Januar 1990 bis November 2011 im Chart. Im November 2011 stieg die Quote der jugendlichen Arbeitslosen auf 30,7%.

Dies sind beeindruckend miese Wirtschaftsdaten, die belegen, wie sich die wirtschaftliche Situation in Portugal unter dem Korsett des Euro immer weiter zuspitzt. Erstaunlich auch die Deutlichkeit mit der diese Daten zeigen, dass im Falle Portugals von einem “über die Verhältnisse leben” keine wirkliche Rede sein kann, denn seit der Euro-Einführung geht es bei relevanten Wirtschaftsdaten auch zum Konsum abwärts. Die sinkende Leistungskraft der portugiesischen Wirtschaft geht aber einher mit einer steigenden Staatsverschuldung:

Die Entwicklung der Bruttostaatsverschuldung seit Q1 2000 bis Q3 2011 im Chart. In Q3 2011 wurde ein neues Hoch bei der Bruttostaatsverschuldung markiert, mit 189,699 Mrd. Euro, was ca. 110,3% des nominalen BIPs entspricht. Sinkende Leistungskraft und steigende Staatsverschuldung gehen Hand in Hand. Bei stark ansteigenden Arbeitslosenzahlen, bei sinkender Wertschöpfung und Konsum und damit auch bei sinkenden Steuereinnahmen den Staat sanieren zu wollen, dürfte sich weiter als aussichtlos erweisen.

Ebenfalls brisant, die Daten zum NIIP (Net International investment position), welche die Nettoauslandsverschuldung aller Subjekte der portugiesischen Volkswirtschaft dokumentiert:

Die Entwicklung des NIIP Portugals seit Q1 1996 bis Q3 2011 im Chart. Im 3. Quartal 2011 sank die Nettoauslandsverschuldung  marginal auf -177,128 Mrd. Euro, auch dies sind noch 103% des nominalen BIPs und diese Nettoauslandsverschuldung ist auf dem Niveau Griechenlands und gleichzeitig “Weltspitze”.

Die Nettoauslandsverschuldung reflektiert den Saldo der Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten und damit die Vermögenssituation aller Sektoren eines Landes. Die Veränderungen des Saldos resultieren aus der Leistungsbilanz, aber auch aus der Entwicklung der finanziellen Vermögenswerte und der finanziellen Verbindlichkeiten.

Angesichts solcher dokumentierter Daten eines wirtschaftlichen Niederganges, bleibt es ein Rätsel, wie die negative Dynamik der bisherigen Strategie zur Behebung der Schuldenkrise in der Eurozone ignoriert werden kann? An vermeintlich hier selektiv ausgewählten Daten kann es nicht liegen, denn umfangreicher ist die wirtschaftliche Entwicklung kaum darstellbar! Auch grundsätzlich scheint eine Währungsunion mit stark unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten der einzelnen Mitgliedstaaten, wie in der Eurozone, in die Richtung zu tendieren, dass sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte stetig ausbauen und sich Divergenz statt Konvergenz als Ergebnis des Korsetts der gemeinsamen Währung präsentiert.

Quelle Daten: Bportugal.pt/Datenbank, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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49 KommentareKommentieren

  • dank - 21. Januar 2012

    Danke für diese ausführliche Doku des Niedergangs Portugals.
    Überwältigend übel.

    Die Euroland-Kerze brennt entgültig von beiden Seiten –> T:2?

    Die Grafik zur Entwicklung der Baugenehmigungen sieht aus, als wolle sie sich an eine EKG-Nulllinie angleichen…

    Zieht Portugal, trotz der geringen Landesgröße, nicht Spanien auch immer weiter zu Boden?

    • Canpichurri - 22. Januar 2012

      Natürlich sind Spanien und Portugal wirtschaftlich eng verzahnt. Allerdings ist Spanien der grössere “Bruder” und damit stärker. Der neuerliche Niedergang Portugals in den letzten Monaten hat auch mit der schlechten Situation in Spanien zu tun.
      Beide Länder sind nich exportorientiert und die stregen Auflagen des IWF und der EU würgen einfach die Binnenwirtschaft ab. Wer sich dieser Tage auf den Weg gen Porto oder Lissabon macht, erlebt eine niedergeschlagene Nation mit einem ausweglosem Blick. Die Menschen haben die Hoffnung verloren, dass es nach ca. 10 Jahren Krise (die Krise statete bereits in 2002!) nochmals auswärts gehen kann. Viele enken an Ausreise (Angola, Brasilien, und nicht Deutschland!) – oder haben bereits das Land verlassen. Dieser Aderlass wird Portugal weit zurückwerfen und ein Austritt aus der Eurozone, wie in Griechenland, ist wahrscheinlich das einizige was hier noch helfen kann, auch wenn dieses totales Chaos bedeutet.

  • peterb - 21. Januar 2012

    “Erstaunlich auch die Deutlichkeit mit der diese Daten zeigen, dass im Falle Portugals von einem “über die Verhältnisse leben” keine wirkliche Rede sein kann, denn seit der Euro-Einführung geht es bei relevanten Wirtschaftsdaten auch zum Konsum abwärts.”

    Gibt es überhaupt ein Land, in dem seit Einführung des Euro mit dem Konsum aufwärts ging?

    • Catweazle - 21. Januar 2012

      Klar doch, in China ging es steil aufwärts mit dem Konsum.

  • killing fields - 21. Januar 2012

    hallo ,
    hier ein aktueller Zustandsbericht aus Spanien
    http://www.heise.de/tp/blogs/8/151268

  • SLGramann - 21. Januar 2012

    Hallo Steffen, da die Staatsverschuldung stark gestiegen ist und die Auslandsverschuldung so hoch ist, wie sie ist, hat man vielleicht doch auf zu großem Fuß gelebt. Der Immobilienchart scheint dabei zu anzudeuten, dass es Ende der 90er-Jahre eine Immobilienblase gab. Das dürfte bereits die Zeit gewesen sein, in der die Euro-Zinskonvergenz eingesetzt hatte, weil der Markt die Einführung des Euro antizipiert hatte. Immobilienblasen haben immer verheerende Konsequenzen. Vielleicht erklärt das auch in Portugal einiges.

    Wie auch immer, sehr interessant finde ich in jedem Fall diesen Satz von Dir: “Auch grundsätzlich scheint eine Währungsunion mit stark unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten der einzelnen Mitgliedstaaten, wie in der Eurozone, in die Richtung zu tendieren, dass sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte stetig ausbauen und sich Divergenz statt Konvergenz als Ergebnis des Korsetts der gemeinsamen Währung präsentiert.”

    Das ist auch mein Bauchgefühl, dass es gerade der Euro ist, der die schwächeren Länder der deutschen Exportwalze schutzlos ausliefert. Selbst wenn es die dortigen Konsum- bzw. Immobilienexzesse nicht gegeben hätte, würden diesen Ländern wahrscheinlich Stück für Stück das Mark aus den Knochen gesaugt werden.
    Vielleicht trifft das sogar auf Frankreich zu, das ganz langsam gegenüber Deutschland mehr und mehr ins Hintertreffen zu geraten scheint.
    Wir Deutschen werde uns aber nicht erst in Frankreich, sondern wohl schon in Spanien und Italien zu Tode siegen…

  • bobo - 22. Januar 2012

    Je höher die Schulden, um so schärfer die Sparmaßnahmen.Je schärfer die Sparmaßnahmen um so höher die Neuverschuldung und um so katastrphaler die wirtschaftliche Situation. Das es so auch theoretisch nicht funktionieren kann lernte man damals im 1. Semester BWL.Durch sparen ist noch niemand reich geworden, auch kein Staat.
    Das über die Verhältnise leben bezieht sich nicht auf Sozialleistungen, eher auf den Verzicht auf Steuererhöhungen oder deren Eintreibung. Über die Verhältnise gelebt hat also nur die Oberschicht, die es sogar immer noch tut.
    Die Frage ist, was mit dieser Politik bezweckt wird. Die Rückzahlung ja offensichtlich nicht.

  • piwi - 22. Januar 2012

    Leider verzichtet auch dieser Beitrag darauf, die wirkliche Ursache dieser Entwicklung beim Namen zu nennen. In der EU darf der Staat nicht eingreifen, wenn seine Bürger Waren aus anderen EU Ländern kaufen. Die daraus resultierenden Schulden, werden dem Staat aber dann zum Vorwurf gemacht – und führen in der Folge zum Entzug der demokratischen Rechte einer ganzen Nation.

    Bei der EU von Demoratie zu reden ist dreist. Mit Hilfe der EU wird die Demokratie abgeschafft. Und wenn der deutsche Michel wirklich hofft, er würde das Zepter übernehmen, dann wird er böse erwachen.

    Kein Mensch redet darüber, wie hoch die so genannten Staatsschulden innerhalb der Regierungszeit von Schwarz / Gelb gestiegen sind. Es ist die höchste Steigerung seit bestehen dieser Republik. In absoluten Zahlen höher als die gesamten Schulden Griechenlands. Gleichzeitig wird ein Schuldenverbot in die Verfassung geschrieben.

    Perverser geht einfach nicht!

  • Georg Trappe - 22. Januar 2012

    @SLGramann

    Wirtschaft muss meiner Meinung nach als ein offenes System und nicht wie von den sog. Wirtschaftswissenschaften behauptet als ein geschlossenes System, das aehnlich einem geschlossenen thermodynamischen System auf ein Gleichgewicht zu laeuft, betrachtet werden.
    Offene Systeme, die durch einen Energiefluss angetrieben werden, koennen dazu tendieren Strukturen und Hirachien zu bilden. Geschlossene Systeme streben im Gegensatz dazu Gleichgewichte und Gleichverteilungen an. Schon Pareto hatte entdeckt, dass die Vermoegen und Einkommen der wirtschaftlich Aktiven alles andere als gleichverteilt sind. Robert Gibrat hat diese Entdeckung fuer Firmengroessen wiederholt. Das deutet daraufhin, das im offenen System Wirtschaft Konzentrationsprozesse ablaufen, die zu dieser Struktur- und Hierachiebildung fuehren und zwar auf allen Ebenen (Individuen, Unternehmen, Staaten), was als skaleninvariantes Verhalten gedeutet werden kann und damit ein weiterer Hinweis auf den offenen Charakter des Systems Wirtschaft ist.
    Diese Studie aus Minnesota ( http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0020728#aff1 ) zeigt an einem relativ einfachen Modell, dass die “Erfolgsformel” kontinuierliche und konsequente Reinvestition von Ersparnissen und Gewinnen eine “Nebenwirkung” hat, die mathematisch zwingend zu diesen Konzentrationsprozessen und der daraus folgenden stetig anwachsenden Ungleichverteilung fuehren muss. Wenn man dieses Modell nimmt und um den Gedanken erweitert, dass Banken die Buecher fuehren, die diesen Prozess “protokollieren” dann kommt dabei das heraus,
    was ich mal hier zusammengeschrieben habe:
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html

    Inzwischen stellt es sich mir so dar, dass ein Ursachenbuendel als Kern der Krise auszumachen ist.
    1.) Durch den techn. Fortschritt wird menschliche Arbeit zunehemend entwertet. Das fuehrt letztendlich zu einer intrinsischen deflationaeren Tendenz, wenn Innovationen ausbleiben, die expansiv wirken und nicht nur kanibalisieren.
    2.) Wir haben diese Konzentrationseffekte, die verschaerfend auf 1 wirken, weil sie das kreative Potential von Wettbewerb untergraben und weil sie diesen. zunehmend auf Kostensenkung und Marktmacht fokusieren. Gleichzeitig wird das System durch das Problem der Differenz grosser Groessen zunehmend unbeherrschbar / riskant.
    3.) Wir haben das Mittel des Kredits, das die Gewinne und Ersparnisse in den Wirtschaftsprozess zurueckfuehrt und zum einen auf 1 und 2 katalytisch wirkt, aber auch aufgrund von 1 und 2 immer weniger Chancen hat wirkliche Investitionen zu finden, die kein Nullsummenspiel sind oder sich im nachhinein als Konsum/Fehlinvestition darstellen.

    Die Idee war ja das enorme Aufholpotential der weniger entwickelten Volkswirtschaften zu nutzen, um so aus den mit Saettigungseffekten kaempfenden Problemen der entwickelten Volkswirtschaften heraus zu kommen. Das zentrale Instrument dabei ist der Kredit. Die Vorstellung war ja und ist wohl immer noch, dass dabei etwas in Gang kommt, was fuer Alle mehr Wohlstand generiert. Die fuer die Eliten frustrierende Tatsache aber ist, das offenbar mehr dazu gehoert als nur Geld von A nach B zu pumpen. Das hat die deutsche Wiedervereinigung schon gezeigt. Die Asienkrise ist ein weiteres grossartiges Beispiel.
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,492425,00.html
    http://www.project-syndicate.org/commentary/stiglitz89/German
    Und das aktuelle Desaster hat das Format das alles in den Schatten zu stellen. Es scheint zwei typische Verlaeufe zu geben. Die einen schaffen nach einer “Initialzuendung” den Anschluss und werden so zu “gefaehrlichen” Konkurrenten, die aber in ihrer Anfangsphase mit ihren geringen Loehnen 1) in den entwickelten Volkswirtschaften verstaerken. Oder aber die Entwicklung “verirrt” sich in “Bubbles” wie in Spanien oder ueberfordert die “Geduld” bzw. “Risikobereitschaft” der Investoren, was dann zum vollkommen kontraproduktiven schlagartigen Abdrehen des Geldhahns fuehrt.
    Das Alles ist meiner Meinung nach Beleg genug, um diverse Dogmen der sog. Wirtschaftswissenschaften als BS zu entarnen. Die magischen Haende des freien Marktes, die alles von selber zum Besten richten, sind da wohl das eklatanteste Beispiel. Denn die Befreiung von Waehrungsschranken und Handelshemmnissen wird ja jetzt als eine der Ursachen fuer die Probleme in Europa gehandelt. Die Fragen, die sich aber aus den obigen Punkten 1 bis 3 ergeben, werden merkwuerdigerweise aber kaum genannt oder diskutiert.
    Vielmehr werden die “Global Player” , die “National Champions” und die Banken “too big to fail” weiter gehegt und geflegt und so die verheerende Wirkung dieses Ursachenbuendels weiter
    gefoerdert. Ernst zunehmender Widerstand gegen diesen Wahnsinn ist weit und breit nicht zu sehen. Selbst die europaeische Sozialdemokratie arbeitet diesem Wahnsinn weiter in die Haende, wie Michael Hudson sehr schoen in diesem Interview beschreibt:
    http://ianmasters.com/sites/default/files/mp3/bbriefing_2012_01_17b_michael%20hudson.mp3

  • Roland - 22. Januar 2012

    Es lohnt sich, jetzt auch die Entwicklung der osteuropäischen Länder genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Gestern fand in Budapest die mit über 100.000 Teilnehmern größte Demonstration seit über 30 Jahren statt. Slogan: “Wir wollen keine Kolonie der EU sein”

    Die wirtschaftlichen Bedingungen verschlechtern sich rapide.

    • Roland - 22. Januar 2012

      Es muß natürlich heißen: …seit über 20 Jahren…

      • Roland - 22. Januar 2012

        Der französiche Kreditversicherer (incl.Factoring) Coface meldet, seit dem 2. Halbjahr 2011 gäbe es eine “klare Zäsur” im Zahlungsverhalten europäischer Unternehmen. Zahlungsrückstände und Zahlungsausfälle nehmen stark zu.
        Im Länder-Risiko für Unternehmensausfälle wurden im Januar 2012 Italien und Spanien auf A4 herabgestuft (gerade noch Investment Grade). Ungarn und Kroatien verloren ihr A4-Rating und wurden auf B zurückgestuft.

        Die Krise hat Länder Osteuropas nicht nur erreicht. Es erwischt einige davon mittlerweile schon stärker als die Länder der Südschiene.

        • Roland - 22. Januar 2012

          Ungarn hat mittlerweile eine Staatsverschuldung von 140 % des BIP und zahlt Zinsen von über 10% für seine Anleihen, die es allerdings seit kurzem überhaupt nicht mehr los bekommt.

          Ohne Hilfe von außen droht unmittelbarer Staatsbankrott.

  • Jürgen Feiler - 22. Januar 2012

    Sehr interessante Zahlen, mal wieder super aufbereitet!
    Nur bei der Schlußfolgerung habe ich diesmal eine Alternative anzubieten (die nicht stimmen muss):

    1.) Alles, was “offiziell gemessen” Steuern und Abgaben nach sich zieht, fällt, z.B. Einzelhandelsumsätze, Steueraufkommen, (Jugend-)beschäftigungsquote (=100%-(Jugend-)arbeitslosigkeit), ..

    2.) Alles, was “auch ohne” geht, dreht bereits: Neuzulassungen, wahrscheinlich auch die Dinge, die auch ohne Baugenehmigungen gehen. Während die Staatsverschuldung steigt, nimmt die Nettoauslandsverschuldung ab.

    Ich lese hieraus eine (zunehmende) Abwanderung von Gütern und Dienstleistungen in den “nicht steuer- und abgabenregulierten Markt” (auch Schwarzmarkt genannt…), natürlich nach einem fürchterlichen Absturz, der ist ja zu sehen. Aber nun scheint es so, als ob es erste Anzeichen dafür gibt, dass sich Wirtschaftsssubjekte vorbei an den regulierte Strömen (Staat und Bankensystem) organsisieren und dies sogar langsam Früchte bringt.

    Ich denke, wenn diese Zahlen in dieser Richtung noch ein paar Monate weiter gehen, dann ist das ein hervorragendes Beispiel dafür, dass “Geld” auch privat emittiert werden kann, in Form von privatwirtschaftlich organisierten Geschäften gegen Schuldscheine unter Geschäftsleuten (früher mal gerne über Wechsel durchgeführt, aber dann über Bankgebühren platt gemacht, aber wer braucht heute noch die “Sicherheit” von Banken, das können lange Geschäftsbeziehungen in einer solchen Situation sicherlich besser regeln…)

    Ich mag da ja “das Gras wachsen hören” und in ein paar Monaten stellt es sich als falsch heraus, aber zumindest erscheint es mir eine (evtl. verfrühte) Interpretation, die man nicht vollkommen ausser Acht lassen sollte.

    Grüße

    vegaman

  • Systemfrager - 22. Januar 2012

    Tja,
    fällt ein Reissack in China, schon wird in allen Medien wochenlang darüber gerätselt, od die kommunistische “Tyrannei” am Ende ist
    Demonstrieren 400.000 (vier hundertausend, Innenministerium hat bestätigt, erwartet hat man einhundertausen) Magyaren vor unserer Nase gegen die EU-Bevormundung und gegen die EU-Folterknechte, was sieht und was hört man
    NIX,
    NIX,
    NIX,

  • Querschuss - 22. Januar 2012

    Hallo SLGramann,
    im landesweiten Maßstab gab es in Portugal keine Immobilienblase, Portugals Immobilienpreise haben in der Eurozone von 1989 bis 2007 am zweitniedrigsten zugelegt, nur Deutschland war schlechter. Quelle bzw. Belege dafür:
    http://www.theportugalnews.com/cgi-bin/article.pl?id=1138-2
    http://www.ecb.int/pub/pdf/scpwps/ecbwp1026.pdf

    Eine freizugängliche Datenreihe zur Entwicklung der Immobilienpreise in Portugal ist nicht aufzutreiben.

    Das Hoch bei den Baugenehmigungen war schon im Februar 2000, die Zinskonvergenz durch die gemeinsame Währung und damit richtig niedrige Zinsen stellten sich später ein.

    Hohe Staatsverschuldung heißt nicht zwangsläufig auf großem Fuß gelebt, jedenfalls nicht für die Masse der jeweiligen Bevölkerung. So wie Deutschlands Arbeitnehmer unter den Verhältnissen gelebt haben und Deutschland trotzdem über 2 Billionen Euro Staatsschulden aufgetürmt hat. In einfache pauschale Schemata lassen sich die Ursachen einer hohen Staatsverschuldung nicht einpressen, die Ursachen können vielfältig sein.

    @piwi,
    aus einem Handelsbilanzdefizit folgert nicht direkt eine höhere Staatsverschuldung, Handels- und Leistungsbilanzdefizite werden finanziert durch privaten Kapitalzuflüsse aus dem Ausland, jetzt wo dieses ausfallen, innerhalb der Eurozone über die Notenbanken (Target2). In beiden Fällen laufen Defizite aus dem Handel und der Leistungsbilanz nicht direkt als Staatschuld auf.

    Richtig ist, es gibt in der Eurozone und nicht nur dort, keine Mechanismen die den Ausbau von Ungleichgewichten aus dem Handel begrenzen, im Gegenteil, selbst am natürlichen Ende, nämlich am Ende der Finanzierung durch privates Kapital wird der Exzess und damit das Ungleichgewicht auf die Spitze getrieben, da nun Geld aus der Druckerpresse der Notenbanken ermöglicht diese Ungleichgewichte weiter auszubauen. Dies ist hier aber alles bereits thematisiert worden.

    Im weitesten Sinne reflektieren sich die Auswirkungen der Ungleichgewichte auch in der Staatsverschuldung durch die Bailouts der Banken, oder einem aufgeblasenen Staatsapparat, den die eigene Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft nicht hergibt (siehe Griechenland).

    Gruß Steffen

    • Roland - 22. Januar 2012

      Doch, es gibt Grenzen des Ungleichgewichtes.
      Wie oben beschrieben, verschärfen die Kreditversicherer jetzt die Konditionen.

      Wenn sie die Länder-Ratings unter die Schwelle “Investmentgrade” senken, steigen für den Exporteur die Kreditversicherungskosten deutlich an.

      Firmen werden zunehmend dazu übergehen -vermutlich im Falle Ungarn schon eingetreten- Ware nur noch gegen Vorkasse zu liefern.

      Auch die Banken reagieren in einem solchen Falle.
      Seit wenigen Tagen ist z.B. für die österreichischen Banken eine Verordnung in Kraft, dass sie in Ungarn nur noch 110% ihrer dortigen Spareinlagen ausleihen dürfen.
      Das ist schon Credit-Crunch, der Importe erschweren und die Wirtschaft insgesamt weiter nach unten drücken wird.

  • Querschuss - 22. Januar 2012

    Hallo Roland,
    “Doch, es gibt Grenzen des Ungleichgewichtes.” …. Mir ging es vor allem um die Eurozone, in der grundsätzlich in der Konstruktion keine Mechanismen zur Eindämmung von Ungleichgewichten im Handel enthalten sind.

    Die natürliche Grenze der Defizite wäre ein wegbrechen der privaten Kapitalzuflüße, dies wird nun verlängert durch Notenbankgeld (Target2) welches die Finanzierung ersetzt. Klar gehen die Importe bereits zurück, aber Handels- und Leistungsbilanzdefizite sind weiter in einem relevanten Ausmaß vorhanden.

    Notwendig wären aber Mechanismen die solche Ungleichgewichte aufgebaut über 1 Jahrzehnt erst gar nicht entstehen lassen.

    Ungarn ist nicht in der Eurozone, da ist die Hemmschwelle Export auf Kredit nach Ungarn zu finanzieren viel höher. Die können sich nicht per Target2 bedienen und die eigene Druckerpresse hilft nur bedingt, da je mehr sie nun drucken der Außenwert des Forint fällt.

    Gruß Steffen

    • Roland - 22. Januar 2012

      @ querschuss

      Sorry, für die Unternehmen in der Südperipherie ist es auch nicht so einfach, sich über Target2 zu finanzieren.

      1. Die Kredite an die Unternehmen werden weiterhin über die Geschäftsbanken ausgereicht und nicht über die Notenbanken. Und die Geschäftsbanken müssen sich nach der Bonität ihrer Kunden richten. Noch sind nicht alle Wirtschafts-Regeln zusammengebrochen. (Auch wenn in den Kommentaren auf diesem Blog häufig das Gegenteil nahegelegt wird)
      Avale bekommt man in einer Rezession fast nur noch, wenn der Kunde cash auf seinem Konto hat.

      2. Wenn die Exportversicherer den Daumen senken und die Länder-Ratings nach unten nehmen, steigen die Versicherungsprämien, was den Export verteuert.
      Ungesicherte Lieferung gegen Rechnung ist Lotto.
      Auch hier spielt es keine Rolle, ob das taumelnde Land in der EURO-Zone ist oder sich außerhalb dieser befindet.

      Fazit:
      Nachdem Ungarn seine Rentenversicherung geplündert hat und dieses Tafelsilber verzockt hat, ist jetzt Feierabend. Es wird über den IWF die übliche Radikalkur verordnet bekommen – und damit eine schwere Rezession (Depression)

      • Querschuss - 22. Januar 2012

        Hallo Roland,
        “Sorry, für die Unternehmen in der Südperipherie ist es auch nicht so einfach, sich über Target2 zu finanzieren.” …..Vielleicht nicht einfach, aber die Unternehmen und die Privaten holen sich den Kredit von den Geschäftsbanken und diese von den Notenbanken oder wie finanziert Italien sonst sein Rekordleistungsbilanzdefizit 2011 von ca. -56 Mrd. Euro? Über private Kapitalzuflüsse jedenfalls nicht, sonst würde der negative Target2 Saldo nicht so anschnellen.

        Bisher haben wir in der Eurozone noch keine rabiate Kontraktion im Außenhandel gesehen, also schien bis dato die Finanzierung noch zu funktionieren, dass dies nicht mehr für alles und jeden funktionierte mag sein, aber bisher generell schon. Immerhin erzielten Frankreich und die PIIGS in den ersten 3. Quartalen 2011 noch ein Leistungsbilanzdefizit von kumuliert -134,664 Mrd. Euro und dies musste ja irgendwie finanziert worden sein.

        Gruß Steffen

        • Roland - 22. Januar 2012

          Ja, die Bewertung der Kreditversicherer für Italien und Spanien z.B. ist noch A4, d.h. gerade noch Investmentgrade. Die Herunterstufung kommt aber bald, wenn sich die Rezession weiter einfrisst.

          Und NOCH ist die Bonität vieler Importeure so, dass ihnen Geschäftsbanken die Avale kreditieren. Das geht nicht mehr lange.

  • Bernd Klehn - 22. Januar 2012

    @piwi

    “In EU darf der Staat nicht eingreifen, wenn seine Bürger Waren aus anderen EU Ländern kaufen. Die daraus resultierenden Schulden, werden dem Staat aber dann zum Vorwurf gemacht – und führen in der Folge zum Entzug der demokratischen Rechte einer ganzen Nation.”

    Stimmt so nicht ganz, siehe Dänemark und die nordischen Länder. Diese haben sich immer gegen Leistungsbilanzdefizite in der globalisierten Welt und gegen ein Rattenrennen Richtung niedrigere Standards gewehrt. Und zwar insbesondere durch die Mehrwertsteuer (Binnenmarktabgabe), in den nordischen Ländern seit langem 25% auf alle Produkte und Dienstleistungen fernerhin erhebt Dänemark auf neue Autos 180% als weitere Sondermehrwertsteuer.

    Also wer sich gegen Leistungsbilanzdefizite und Nettoauslandsschulden hätte wehren wollen, hätte es können. Auch wenn natürlich das EU-Wettbewerbsrecht, dessen Umsetzer Monti lange Zeit war, das Rattenretten der niedrigen Sozialstandards und Massenprivatisierungen gemäß angloamerikanischen Vorgaben begünstigt hat. Der Fehler lag darin, dass die Leistungsbilanzdefizite und Nettoauslandsschulden gar nicht als Problem erkannt worden sind, sondern niedrige Zinsen, niedrige Inflation und reichlich Kapitalzufluss als Geschenk wahrgenommen, während Deutschland, welches sich in einer heftigen Sozialstaatskrise befand, der kranke Mann Europa, das Rattenrennen aufgenommen hat.

  • Bubblegum - 22. Januar 2012

    @ Steffen,

    Interessant ist, dass in Ihrer Studie mit keinem Wort die Fußball-EM und ihre Auswirkungen erwähnt worden ist. Damals sollte die sog. goldene Generation der Portogiesen den Titel
    erringen, den dann die Mauerermeister aus Griechenland unter Rehakles abräumten, was für eine Ironie der Geschichte!
    Milliarden Euro auch an EU-Fördermitteln wurde in sinnlosen Infrastrukturprojekten
    und viel zu großen Stadien versenkt, die heute bereits wieder verfallen, weil einfach viel zu überkandidelt für dieses kleine Land. Ein Fehler, der sich jetzt in Polen und der Ukraine wiederholt.

    Viele Grüße
    Bubblegum

  • Achim Hase - 22. Januar 2012

    Vielleicht sollte man nicht vergessen, dass Portugal (bzw. die Portugiesen) ohne den Euro niemals den aktuellen Wohlstand und die aktuelle Kaufkraft erreicht hätten. Vielleicht gäbe es dann keine entsprechende Krise mit Einbrüchen im BIP aber mit Sicherheit läge das BIP unter dem aktuellen Wert.

    Ungarn hat sich übrigens ohne Euro und ohne Target 2 in den Schuldensumpf manövriert und eine höhere Staatsverschuldung als Portugal aufgebaut.

    • Querschuss - 22. Januar 2012

      Hallo Achim,
      “Vielleicht sollte man nicht vergessen, dass Portugal (bzw. die Portugiesen) ohne den Euro niemals den aktuellen Wohlstand und die aktuelle Kaufkraft erreicht hätten.” …..Das ist die Crux dieses Blogs, obwohl die Daten aufgearbeitet werden und visuell dargestellt werden, sehen trotzdem Leser das was sie sehen wollen. Schaue dir bitte nochmal die Charts zu den realen Arbeitnehmerentgelten, realen Konsum, realen Bruttoanlageinvestitionen, PKW-Verkäufen, Industrieproduktion, reales BIP, Verbrauchervertrauen, und Baugenehmigungen an. Was siehst du dann?….. Ich sehe das alle Wachstumsraten vor der Euro-Einführung besser waren bzw. Höchststände bereits vor der Euro Einführung markiert wurden. Portugal ist eines der wenigen Länder, die bereits seit der Euro-Einführung auf allen relevanten Feldern verloren haben. Im Umkehrschluss ist die gesamte Arbeitslosigkeit, die Jugendarbeitslosigkeit und die Staatsverschuldung systematisch angestiegen.

      Gruß Steffen

      • Achim Hase - 23. Januar 2012

        Das ist jetzt natürlich alles sehr schwer zu belegen, da man kein Vergleichsszenario Portugal ohne Euro hat.

        Wenn man den historischen Wechselkurs Escudo zu Deutscher Mark anschaut, dann könnte man erwarten, dass es zu weiteren massiven Abwertungen gekommen wäre, was letztlich auch den Wohlstand senkt, da Portugal in großem Ausmaße von Importen abhängig ist und selbst keine große Exportindustrie hat: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:DEM_to_PTE.svg&filetimestamp=20100201191624

        Zusammen mit einer wenig dynamischen Wirtschaft und wenig Bereitschaft zur Anpassung ist das Escudo-Szenario nicht unbedingt das bessere. Wie ich sagte — Ungarn hat es geschafft, sich in eigener Währung extrem zu verschulden, warum hätte das Portugal nicht gelingen können.

        Schwer zu sagen ob Portugal mit dem Escudo besser gefahren wäre aber ich gebe Dir Recht — die Daten deuten nicht auf die Schlussfolgerung hin, dass Portugal vom Euro profitiert hätte.

        • Querschuss - 23. Januar 2012

          Hallo Achim,
          “….die Daten deuten nicht auf die Schlussfolgerung hin, dass Portugal vom Euro profitiert hätte.” ….Um mehr ging es mir nicht. Das eine gemeinsame Währung nicht Alleinstellungsmerkmal für Verwerfungen und ausufernde Staatsverschuldungen ist, bleibt unbestritten und ist mir klar. Nur so wie man Ungarn heranziehen kann, um die Lage der Südperipherie der Eurozone zu relativieren, so könnte man aber auch Tschechien (38% Bruttostaatsschulden des nom. BIPs) und Polen (knapp 55% des nom. BIPs) heranziehen oder gar Norwegen (44%), alle ohne Euro, um die Lage zu dramatisieren. Beides hilft nicht wirklich weiter.

          Gruß Steffen

  • lesefuchs - 22. Januar 2012

    Gestern traf ich einen Verwandten, der nach 4 Jahren aus China zurück ist. Er hat in der Zeit ein Walzwerk mit aufgebaut. Also nicht gerade nur 500$ die da investiert wurden. Nach Fertigstellung wurde das Werk hochgefahren und eine handvoll Platten zum Test hergestellt. Sein Kommentar: Wahnsinn! Danach: ABSCHALTUNG!!! Keine Aufträge. Und es soll nicht das einzige sein! Seit der Info aus erster Hand sehe ich die “China-Wachstumsmeldungen” mit anderen Augen!

  • Roland - 22. Januar 2012

    Ihre unqualifizierte Stellungnahme ist eine Beleidigung für die hervorragende Arbeit von querschuß

  • Benedikt - 22. Januar 2012

    Ungarn hat keine Chance eine Pleite zu entgehen. In Ungarn haben sich ganz viele in Schweizer Franken und € verschuldet. Eine Abwertung der eigenen Währung wird die Ungarn in die Pleite treiben. Die dortige Wirtschaft lebt von der Werkbankrolle von Eurofirmen im Maschinenbau und in der Fahrzeugindustrie. Beide Sektoren dürften bald wieder in der Krise geraten, dann wird die Wirtschaft wieder abschmieren und der Forint abwerten. Das wird Massenpleiten auslösen, die dann im Staatsbankrott enden. Deren einzige Chance wäre es, wenn der € genauso so mächtig abschmiert.

  • Systemfrager - 23. Januar 2012

    Ja, das haben empirisch der Ökonom Tugan-Baranowski und der bekannte deutsche Statistiker Spiethoff (“Spiethoff-Barometer”) empirisch nachgewiesen. Die Befunde konnten keine theoretische Fundierung finden. Die gibt es aber. Mit der Kreislaufanalyse lässt sich streng nachweisen, dass nominale Preise der Nichtkonsum-Güter konjunkturell die wichtigste Größe sind.
    (Deshal frage ich immer, wie ist der PPI-Index.)

  • Vandermonde - 23. Januar 2012

    Ich lese das jetzt so, dass sie ein Änhänger des Mythos von der Dienstleistungs- bz.w Wissensgesellschaft sind. Die größten Produktivitätszuwächse haben sie aber in der Industrie unter anderem deswegen, weil sich viele Dienstleistungen erstens nicht für den Export eignen und zweitens die Produktivität oft nur sehr schwer gesteigert werden kann. Deutschland (oder auch z.B. Österreich) stehen deswegen vergleichsweise gut da, WEIL sie einen großen Anteil an Industrieproduktion haben. Z.b. ist auch die Schweiz eines der höchstindustrialisierten Länder der Welt.

    Also: die Stahlproduktion ist sehr wohl relevant – auch für Deutschland!

    • kurzdump - 23. Januar 2012

      “Produkte” der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft wie Software, Bücher, Lizenzen, Patente oder Know-how an sich kann man sehr gut exportieren. Anders als herkömmliche Produkte wie Autos, Spielzeug, elektronische Geräte braucht man aber keine große Infrastruktur um diese geistigen Produkte zu kopieren – auch die Bezahlung kann man allzu oft nur durch langwierige riskante Rechtssteitereien erzwingen. Hinzu kommt dass genau diese “Verwirtschaftlichung” von Wissen dessen eigenen Fortschritt massiv behindert.

      Bisher konnte die Wissensgesellschaft ihre Vorzüge in der globalisierten kapitalistisch agierenden Welt nicht ausspielen. Der Handel mit Know-how scheint nur mit kurzfristigen, oft nur einmaligen Profiten verbunden zu sein – es ist schwierige sich einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Zurzeit scheint es eher so als würden Know-how Vorsprünge sich eher in der herkömmlichen Industrieproduktion niederschlagen.

      Daher macht es aus meiner Sicht auch weiterhin sinn, sich an den “alten” Indikatoren zu orientieren.

  • kurzdump - 23. Januar 2012

    Offtopic aber dennoch interessant:
    Bei der EZB wurden über Nacht plötzlich wieder fast 500 Mrd. EUR geparkt. Da bin ich mal gespannt wie die Medien das verkaufen nachdem sie schon behauptet hatten dass der Interbankenmarkt wieder an Fahrt gewinnen würde…

  • Traumschau - 23. Januar 2012

    Vielen Dank für die super Informationen!!
    Eine Frage aber bleibt offen:
    Wenn das alles bekannt ist, warum wird dann nichts verändert?
    Ich meine, dass in den vielen Fachabteilungen der unterschiedlichen Institutionen doch auch Experten und nicht nur Dummköpfe sitzen. Also, wenn Querschüsse diese Analysen treffen kann, dann wird es doch bestimmt auch “Offizielle” geben, die das auch können? Oder irre ich da?
    Wenn man aber voraussetzen kann, dass den “Euro-Rettern” diese Informationen zugänglich sind, dann ist doch wirklich nicht nachvollziehbar, warum dennoch Fehlentscheidungen mit weiteren Fehlentscheidungen einhergehen.
    Das aber scheint die Realität zu sein. Aber wer profitiert davon?
    Und dann wundert man sich, dass immer mehr Menschen – auch ich – eine groß angelegte Verschwörung vermuten.
    Was meinen Sie dazu?
    LG
    Traumschau

  • hunsrückbauer - 23. Januar 2012

    @ trappe
    eine interessante these, die ich mit meinen erfahrungen untermauern kann..
    (wirkliche=nicht eiteentwicklungen) innovationen entstehen zumeist in kleinen und kleinsten unternehmen, die entweder ein rasantes wachstum hinlegen oder als kauf in einer der vielen schubladen der bereits vorhandenen marktbesetzer verschwinden; erstaunlich auch, dass diese M & A stets gehäuft in der Hausse der Aktienmärkte geschehen.
    große unternehmen sind nicht innovativ: Daimler baut seit 100 Jahren Autos, die sog. Innovationen richten sich lediglich auf Weiterentwicklungen des Autos, nicht jedoch auf eine Innovation zur Mobilität des Menschen
    große unternehmen sind satt und träge, sie lassen sich nur noch straff totalitär führen, was das innovationspotenzial des mitarbeiter hemmt, sie sind so gesehen innovationsfeindlich, dafür vermeintlich stabil, allerdings nur, so lange die operative basis stimmt; bsp. Versicherungen=Trend zur Größe=(Innovationen)=neue Versicherungsprodukte=mehr vomselben=stabil – bis die operative Basis wegbricht, siehe LV bei Bayboomers = ein legales schneeballsystem. Hier gibt es keine Innovationen um die Umsatzverluste auszugleichen, hier gibt es nur geringere verzinsung für bestehende verträge, was natürlich das neugeschäft noch weiter reduziert, etc.
    das läßt sich m. e. auf alle großen unternehmen übertragen.

    hinzu kommt m. e., dass sich innovationen auch nicht lohnen, da 1. hohe fehlerquote, 2. fraglicher absatz, hoher anlaufaufwand. wer soll denn die innovationen kaufen, wenn nahezu 100% des verfügbaren EK für die darstellung des originären lebensunterhaltes dienen?

    ergo, gibt es keine innovationen, die aus erträgen etc. fiannziert würden. was geschieht mit den erträgen? genau, die suchen rendite, und die finden sie in derivaten.

    wie man es also dreht und wendet, großunternehmen, gar multis sind langfristig wirtschaftlich instabil, das sie den marktbedingungen aufgrund ihrer trägheit nich folgen können, das macht sie in krisen zu großen opfern, die eine volkswirtschaft entweder darnieder ringen oder zu systemrelevant (TINA) definieren lassen.
    Damit sind sie m. E. auch antidemokratisch, weil sie einer volkswirtschaft (die wirtschaft eines volkes innerhalb eines Territorium) nur leben/überleben zu ihren Bedingungen oder den Tod der VW diktieren. EIne Volkswirtschafts, also ein Staat der das zuläßt, ja man muß es so sagen, ist selber an seinem untergang schuld.

    • Traumschau - 23. Januar 2012

      Sie haben wohl Recht! Welche Rolle spielen dabei aber die Mainstreammedien? Leben wir wirklich in einer “Mediendemokratie” oder eher einer Mediendiktatur, die sich von der politischen und wirtschaftlichen Elite vor den Karren spannen lässt?
      Erst wenn ich einen solchen Beitrag wie von “Querschüsse” in den Mainstreammedien lese, kann ich wieder daran glauben, dass wir nicht von vorne bis hinten auf den Arm genommen werden.

    • Georg Trappe - 24. Januar 2012

      Sie quittieren in weiten Teilen mit Ihren Worten und vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, dass was ich versucht habe hier einzubringen. An einer Stelle moechte ich aber noch etwas klarstellen.
      “hinzu kommt m. e., dass sich innovationen auch nicht lohnen, da 1. hohe fehlerquote, 2. fraglicher absatz, hoher anlaufaufwand. wer soll denn die innovationen kaufen, wenn nahezu 100% des verfügbaren EK für die darstellung des originären lebensunterhaltes dienen?”
      Die Entscheidung darueber was eine “lohnende” Innovation=Investition? ist oder sein koennte ist immer eine Prognose die mit Risiken und Unsicherheiten verbunden ist. Zukunft ist und bleibt aber ungewiss. Man kann damit auf verschiedene Art und Weise umgehen. Mir erscheint die aktuelle Situation dadurch gepraegt zu sein, dass der gesellschaftliche Konsens ueber das was denn “lohnend” ist, verloren gegangen ist. Denn obwohl ja gigantische Mittel zur Verfuegung stehen und verzweifelt nach “lohnender” Anlage suchen gelingt es offenbar immer weniger diese Mittel so einzusetzen, dass am Ende alle Beteiligten sagen koennen, es hat sich gelohnt.
      Der Traum von einer Wirtschaftsweise die Wohlstand fuer alle erzeugt, scheint in weite Ferne gerueckt zu sein. Die Frage ist, warum? Meine These ist, die grosse und stetig zunehmende Ungleichheit untergraebt auch das Mindestmass an Kohaesion in einer Gesellschaft, das notwendig ist, um zu einem solchen Konsens darueber, was denn “lohnend” ist zu kommen. Die Vorstellungen der Wenigen, die ueber die Mittel verfuegen und derjenigen die die Mehrheit bilden, driften immer weiter auseinander. Die Demokratie geraet damit letztendlich in eine ausgesprochen schwierige Situation. Auf der einen Seite garantiert sie im Grundgesetz Art. 14 exklusive Eigentumsrechte ueber Generationen hinweg, mit einem Beisatz, der zwar die Sozialpflichtigkeit dieses Eigentums nennt, aber diese nie ernsthaft ausgestaltet oder handhabbar/durchsetzbar gemacht hat. Auf der anderen Seite behauptet sie von sich im Interesse der Mehrheit und durch diese legitimiert zu handeln. Und das passt tatsaechlich nicht zusammen. Viele Warnzeichen, wie z.B. dieses:
      http://www.zeit.de/2000/18/200018.5._gewalt_.xml
      wurden ignoriert. Und nun ist diese “fuenfte Gewalt” “too big to fail” und tanzt dem Staat auf der Nase herum.
      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/oligarchie-der-finanz-der-krieg-der-banken-gegen-das-volk-11549829.html
      Und das ist wirklich bitter.

  • titoslavija - 23. Januar 2012

    im moment versucht man in den medien die wirtschaftskrise totzuschweigen. bis sommer 2012 gibt es eine europäische ratingagentur… hahaha.
    was sagt ihr dazu?

    • kurzdump - 23. Januar 2012

      Ich verstehe mittlerweile gar nichts mehr.
      * 2. LTRO mit >1 Bio. EUR?
      * ESM auf > 1 Bio. EUR ausweiten?
      * EFSF und ESM parallel?
      * Anleihenkäufe der EZB ausweiten?
      * Eurobonds?
      * Europäische Rating Agentur?
      * Aussetzen von Basel II/III?
      * Pleite Griechenlands oder doch nur 50-80% “freiwilliger” Verzicht?
      * Steigende Emissionszinssätze wegen Griechenland oder doch sinkende wegen “Rettung” des Euros?
      * Positive Entwicklung der Konjunktur oder doch massive Verschlechterung?
      * Droht uns Inflation oder kommt ein deflationärer Crash?

      Es ist UNMÖGLICH sich ein Bild der aktuellen Lage zu machen. Jeden Tag dreht die Berichterstattung der Medien um 180°. Der DAX springt einfach mal so um 70 Punkte innerhalb von 3 Minuten ohne dass irgendwelche Nachrichten da wäre die das erklären könnten, einmal liest man von einbrechender Rohstahlproduktion, dann wieder von Rekordwerten…

      Unglaublich – ich fühl mich wie in einer Klapse.

      • dank - 23. Januar 2012

        Keine Sorge – eins ist sicher:

        Du bist nicht allein.

        An so manchen Tagen würde ich einfach nur gern sagen: Egal – interessiert ich alles nicht mehr, aber jetzt is das kein Thema mehr. Das wars Krise – das wars Euro – das wars Rettungsschirme, Hebel, Knebel – das wars Staatsschulden – das wars De- oder In- Flation – blablabla etc. pp. usw…

        ABER: Wer schaltet bei einem der besten Krimis (zu den eigenen Lebzeiten) vor dem Schluss aus? RealTime&LifeHighlevelSoap @ its best.

        Wenn schon MainstreamQualitätsMedien, dann nur dazu um zu sehen, wie sie die Wahrheit weiträumig umfahren – bzw. uns einfach feste ins Gesicht lügen – aber auch, weil sie es teils nicht mehr besser wissen. Recherche war gestern…

        Was da gefahren wird ist mit en 180 Grad empfinde ich als einfache Abhärtung und Totberichterei – jedem kommt irgendwann alles aus den Ohren raus und nur noch wenig fragen wirklich nach. Desorientierung für die Massen. BäumchenWechseldich bis dich im Wald keiner mehr sehen kann. Themen totstreamen.

  • micdinger - 23. Januar 2012

    Da Portugal wohl der nächste Kandidat werden wird, hier ein sich abzeichnendes Problem zum aktuell diskutierten Schuldenschnitt in Griechenland. Wenn “Pacta sunt servanda” in diesen Dimensionen zum tragen kommt, dann ist es mit der Souveränität der Staaten vorbei und der Wohlstandsgewinn der letzten Jahre muss wieder abgegeben werden, auch in der “Kern-EU”.

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/36707/

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/36712/

  • jmg - 23. Januar 2012

    Hier ein interessanter Blogeintrag von Perry Mehrling zur Target2 Debatte und einem schönen Schaubild zum amerikanischen Zahlungssystem (Interdistrict Settlement Accounts).
    LINK: http://ineteconomics.org/blog/money-view/why-did-ecb-ltros-help
    Auch dort gibt es enorme Ungleichgewichte, die sich seit dem Beginn der Krise auf- und bis heute nicht abgebaut haben. Für alle Interessierten die sich die Sache mal näher anschauen wollen, hab ich die LINKs für die einzelnen FED Distrikte unten zusammengestellt. Der New York District (= Wall Street) ist besonders interessant.

    Atlanta District (D6WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D6WAISAL?cid=32146

    Dallas District (D11WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D11WAISAL?cid=32150

    Philadelphia District (D3WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D3WAISAL?cid=32

    Boston District (D1WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D1WAISAL?cid=32147

    Kansas City District (D10WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D10WAISAL?cid=32151

    Richmond District (D5WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D5WAISAL?cid=32155

    Chicago District (D7WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D7WAISAL?cid=32148

    Minneapolis District (D9WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D9WAISAL?cid=32152

    San Francisco District (D12WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D12WAISAL?cid=32156

    Cleveland District (D4WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D4WAISAL?cid=32149

    New York District (D2WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D2WAISAL?cid=32153

    St. Louis District (D8WAISAL)
    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/D8WAISAL?cid=133

  • Bernd Klehn - 23. Januar 2012

    @ jmg

    Danke für die neuen Unterlagen. Ob Perry Mehrling allerdings recht damit hat , dass durch die LTROs sich die Kapitalflucht umkehrt und sich damit die Target2 Situation entspannt oder genau das Gegenteil eintritt, weil keiner an eine Konsolidierung der Krisenländer glaubt, ist für mich nicht ausgemacht. Die Entwicklung der Einlagefazilität deutet nicht auf eine Entspannung hin.

  • jmg - 23. Januar 2012

    Von Mehrlings Vorschlag halte ich auch nicht viel, weil es im Grunde Bilanzkosmetik ist und die tieferen Ursachen nicht bekämpft. Wenn die Bundesbank zur Begleichung der Target2 Forderungen Aktiva von den Peripherie-Zentralbanken erhält , die diese im Zuge der LTRO Operationen der EZB als Sicherheiten(Schrott?) erhalten haben, dann ist das grundlegende Problem natürlich nicht gelöst. Die Bundesbanker haben dann halt nicht eine Forderung gegen die EZB (in Form der Target2-Forderungen), sondern zweifelhafte Forderungen in Form von Peripheriebonds, ABS Papieren usw. dieser Länder.
    Interessant waren für mich eher die Daten zu den interdistrict balances in den USA. Die hatte ich so noch nicht gesehen und sie zeigen mir, dass die Krise in der Währungsunion USA
    zu ähnlich grossen regionalen Verwerfungen führt wie in der Eurozone. Darüber hinaus zeigt sich in diesen Daten auch, dass die Forderung von Sinn das amerikanische Settlement-System auf die Eurozone zu übertragen zu kurz greift. Es bringt die Salden nicht zum Ausgleich, sondern sorgt nur am Stichtag für eine sprunghafte Verringerung der Salden, wie man es für April 2010 im Schaubild bei Mehrling schön sehen kann.

  • Tourist - 24. Januar 2012

    Der Euro ist hier meines Erachtens, klar zu erkennen, nur Brandbeschleuniger, aber nicht URSACHE.

    • Querschuss - 24. Januar 2012

      Hallo Tourist,
      auf Ursache und schon gar nicht alleinige würde ich auch nicht rumreiten wollen, Brandbeschleuniger ist ok. oder auch ungeeignetes Konstrukt um die Länder der Südperipherie sich wirtschaftlich positiv entwickeln zu lassen.

      Gruß Steffen

  • Georg Trappe - 26. Januar 2012

    Hallo Steffen,

    natuerlich sind das Konstrukte, die von Menschen gemacht sind und daher auch alles andere als alternativlos sind. Allerdings entwickeln sie eine maechtige Eigendynamik, wenn man nicht an die Wurzeln der dabei entstehenden Probleme heran geht. Und auch da bin ich mit Dir einig, und das meine ich mit intrinsischer deflationaerer Tendenz, dass die Nachfrage fuer Konsumgueter prinzipiell immer hinterher hinken muss, wenn Gewinne und Ersparnisse konsequent dazu eingesetzt werden, Arbeit zu entwerten. Ganz deutlich wird das, wenn man sich die Frage stellt, wohin laeuft das System, wenn es immer so weiter laufen wuerde wie bisher. Denn dann gibt es eine riesen Fabrik, die einem Monopolisten gehoert, in die man vorne nur noch Sand und Oel rein kippen muss und am Ende kommen alle diese tollen Produkte heraus die keiner mehr kaufen kann, weil in dieser tollen Fabrik kaum noch menschliche Arbeiten benoetigt werden und die Menschen somit auch keinen Anteil mehr am Output dieser unendlich produktiven Maschinerie haben. Daraus laesst sich messersharf schliessen, dass zwischen der Phase, in der ein starker, allgemeiner Wohlstandsanstieg durch das “Erfolgsrezept” der konsequenten und kontinuierlichen Reinvestition der Ersparnisse und Gewinne erfolgt und diesem sinnlosen im Gedankenexperiment entstehenden Zustand eine Art Kipppunkt liegen muss. Bisher hat man meiner Meinung nach diesen Kipppunkt nur per Kreditausweitung verschoben. Aber es scheint so zu sein das ein Kapitalfaktor (Summe aller Schulden dividiert durch das BIP) von drei bis vier eine Grenze markiert, die fuer die Beteiligten erkennbar werden laesst, dass das keine auf Dauer tragfaehige Loesung ist, wenn man ernsthaft erwartet, dass diese Schulden auch tatsaechlich mal wieder zurueck bezahlt werden. Wuerde man sich von dieser Vorstellung frei machen, dann waere man einer der moeglichen Loesungen schon ziemlich nahe. Eine andere Moeglichkeit waere mal ueber die “Ewigkeitsfiktion” bei den exklusiven Eigentumsrechten nachzudenken die diese Akkumulation und die daraus resultierenden Probleme erst schafft. Ein dritte Moeglichkeit waere einfach mal die Beduerfnisse der “Kunden” ernst zu nehmen und so Wirtschaft wieder zu etwas zu machen, was den Menschen dient, anstatt den “Kunden” das Gehirn zu waschen und ihnen so Beduerfnisse und “alternativlose” Sachzwaenge einzureden, die sie zu Sklaven des Systems Wirtschaft machen, was die Dinge letztendlich in einer perversen Art auf den Kopf stellt.
    -
    Ein Gedanke noch, der in eine ganz andere Richtung zielt. Bei Betrachtung dieser Dinge auf diesem abstrakten Niveau uebersieht man meiner Meinung leicht etwas. Und das ist, das man aus Groenland nie einen bedeutenden Reisexporteur machen wird. Egal wieviel man investiert, bzw. an Schulden dort anhaeuft. Aus einem Daimler kann man keinen Siemens machen. Aus einem Siemens keinen Hewlett Packard und aus einem Hewlett Packard keinen Pfizer. Und das obwohl in all diesen Firmen gebildete, hoch motivierte Menschen, die auch verstehen, wie man mit Geld umgeht, arbeiten. Auf der Ebene der Firmen erscheint das direkt einleuchtend. Insbesondere denjenigen, die schonmal an einem kleineren oder groesseren “Transformationsprojekt” z.B. im Rahmen einer Aquisition gearbeitet haben. Das hat was mit unterschiedlichen “Firmenkulturen” zu tun, die nicht von heute auf morgen, auch nicht unter Einsatz von noch so grossen Mengen Geldes, “fusioniert” , homogenisiert werden koennen.
    Diese “Firmenkulturen’ sind natuerlich auch durch Menschen entstanden, historisch gewachsen. Trotzdem haben sie ein starkes, beharrendes Moment, weil sie Teil der Identifikation sind. Die Vorstellung das nun ganze Laender, die nun wirklich durch tief verwurzelte kulturelle Unterschiede bis hin zu unterschiedlichen Sprachen gekennzeichnet sind, innerhalb relativ kurzer Zeitraeume in ihrem zentralen Lebensbereich Wirtschaft so stark konvergieren, dass das ohne Spannungen, Rivalitaeten etc. ablaeuft ist absurd. Da wird meiner Meinung nach, insbesondere in der Politik aber auch in weiten Teilen der oberen Wirtschftsetage ein vollkommen unrealistisches Bild gepflegt.

    Viele Gruesse
    Georg

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