Deutschland: Debatte?

von am 4. November 2013 in Allgemein

Der US-Halbjahresbericht über die internationale Wirtschafts- und Wechselkurspolitik (Report to Congress on International Economic and Exchange Rate Policies) des US-Finanzministeriums, in dem die exorbitanten deutschen Leistungsbilanzüberschüsse kritisiert werden und eine höhere Binnennachfrage angemahnt wird, hat in Deutschland eine Pseudo-Debatte vom Zaun gebrochen, deren eigentliches Ziel anscheinend nur die Nivellierung der Fakten ist.

Zunächst einmal der Stein des Anstoßes der “Debatte”, aus dem Halbjahresbericht des US-Finanzministeriums: “Innerhalb des Euroraums müssen die Länder mit großen und anhaltenden Überschüssen Maßnahmen ergreifen, um das Wachstum der Inlandsnachfrage zu erhöhen und ein schrumpfen ihre Überschüsse zu erreichen. Deutschland konnte den Strom an Leistungsbilanzüberschüssen während der gesamten Finanzkrise im Euroraum aufrechterhalten und im Jahr 2012 war Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss nominal größer als der von China. Deutschlands anämisches Wachstum der Binnennachfrage und seine Exportabhängigkeit behindern das Rebalancing in einer Zeit, da viele andere Länder der Euro-Zone unter schwerem Druck stehen, die Nachfrage einzudämmen und Importe zu drosseln. Im Ergebnis förderte dies eine deflationäre Tendenz für den Euroraum, sowie für die Weltwirtschaft.”

“Ein größeres Wachstum der Inlandsnachfrage in überschüssigen europäischen Volkswirtschaften, vor allem in Deutschland, würde dazu beitragen, eine dauerhafte Verringerung der Ungleichgewichte in der Euro-Zone zu erleichtern.”

Das war es schon im Kern, was an Kritik (überwiegend Zustandsbeschreibung) im Report des US-Finanzministerium und an Lösungsansätzen ausgerufen wurde. Geradezu trivial, gar banal, das Resümee, dass eine größere Binnennachfrage in Deutschland den Abbau der Ungleichgewichte im Euroraum erleichtern würde. Gegen diese unleugbare Faktenlage und Zustandsbeschreibung geiferten Bundesregierung und Wirtschaftsverbände “nicht nachvollziehbar”, “völliger Unsinn” und “wir haben deshalb Überschüsse, weil wir so gut sind”.

Spiegel-Online als Hauptträger der “Debatte”, die Ausrichtung der Artikel, auch die zahlreichen Kommentare unter den entsprechenden Artikeln verflachten die Substanz der Kritik zu einem Brei aus deutschem Unwissen, Dummheit und Ignoranz, gar Überheblichkeit, was in der Summe den Zustand dieses Landes und seine intellektuellen Fähigkeiten in Bezug auf Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik und von makoökonomischen Betrachtungen treffend darstellt. Aber unabhängig von dieser ernüchternden Realität, doch noch ein paar Fakten zum Themenkomplex:

1aDie Entwicklung der kumulierten deutschen Leistungsbilanz (blau) und der kumulierten Kapitalbilanz (rot) seit Januar 1971 bis August 2013 im Chart. Bis August 2013 kumulierte sich ein Leistungsbilanzüberschuss von +1641,173 Mrd. Euro! Dieser Überschuss ging einher mit einem kumulierten Nettokapitalexport (Kapitalabfluss) von -1942,053 Mrd. Euro!

Eindeutig zeigt der Chart, wie sich dieses immense Ungleichgewicht vor allem erst nach 2002 dynamisch aufbaute! Der Grund ist einfach zu benennen. Es ist die Währungsunion. Ein Euro, der aus Sicht der deutschen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit permanent unterbewertet ist und somit Deutschlands Exportwut als stetiger Selbstläufer befeuert. Die Nichtteilhabe der Arbeitnehmer an Produktivitätsfortschritten und Exporterfolgen, die ihrerseits das Exportmodell befeuert und natürlich eine starke Industrie und gute deutsche Produkte. Aus der Nichtteilhabe der Arbeitnehmer resultiert eine darbende Massenkaufkraft und damit auch eine schwache Entwicklung des privaten Konsums. Die immer noch nicht ausgelasteten Produktionskapazitäten tragen auch dazu bei, dass neben privaten Haushalten, dem Staat, auch die Unternehmen nicht wirklich investieren und sich somit auch eine riesige Lücke bei den Investitionen im Inland auftut. Schwacher Konsum und schwache Investitionen sind die Kehrseite bzw. gehen einher mit hohen Exportüberschüssen, den höchsten in der Welt, nicht nur nominal, sondern auch in Prozent des BIPs. Vereinfacht zeigt sich in der Differenz von Binnenkonsum und -investitionen zur Produktion der Exportüberschuss. Deutschland produziert enorm mehr, als es selbst verbraucht und lebt damit klar unter seinen Verhältnissen. Der ewige deutsche Verweis darauf, dass man die Überschüsse nicht abbauen sollte, sondern andere eben wettbewerbsfähiger werden müssten um selbst Überschüsse zu erwirtschaften, ist ein Stück lächerlich, denn es können nicht alle Überschüsse erwirtschaften und solange Deutschland den heutigen Überschuss hält, werden eben Andere adäquate Leistungsbilanzdefizite einfahren und diese finanzieren müssen.

Kern der Verschuldungen von Volkswirtschaften in ihrer Gesamtheit sind die Ungleichgewichte im Welthandel und Deutschland befeuert diese über die Gebühr, weil es die eigenen Ressourcen zur Verringerung der Überschüsse, höhere Löhne, Binnenkonsum und -investition sträflich außer Acht lässt und sich im vermeintlichen Erfolg sonnt. Nur der Erfolg ist keiner, denn die Exportwut bei Waren und Gütern wird mit dem Kumulieren von fragwürdigen Forderungen/Vermögenswerten der Defizit-Volkswirtschaften abgegolten, welche deutsche Waren absorbieren. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass chronische Ungleichgewichte dazu führen, das Defizit-Länder gar nicht so viele werthaltige Vermögenswerte, zur Verfügung stellen können, wie sie als Kapitalimport zur Bezahlung ihrer Leistungsbilanzdefizite benötigen.

Die chronischen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse gehen einher mit einem stetigen Nettokapitalexport, die primär Forderungen gegenüber dem Ausland darstellen und deren Stromgröße und deren Entwicklung des Bestandes das deutsche Nettoauslandsvermögen ergibt. Pikant dabei ist, dass die Nettokapitalexporte sogar nochmal deutlich die aggregierten Leistungsbilanzüberschüsse übersteigen und dass der aktuelle Bestand an Nettoauslandsvermögen mehr als deutlich die aggregierten Nettokapitalexporte unterschreitet. Deutschland erleidet also bereits bisher Verluste aus seinen Auslandsvermögensanlagen, die sich aus den erzielten Leistungsbilanzüberschüssen speisen, primär den Exportüberschüssen aus dem Handel mit Waren und Gütern.

1aDie Entwicklung des kumulierten Nettokapitalexportes (blau (Stromgröße)) und des Nettoauslandsvermögens (rot (bewerteter Bestand)) in Mrd. Euro seit 1999 bis 2012 und für Q2 2013 im Chart.

Je höher die Überschusswut und damit der Nettokapitalexport und je länger dieser Irrsinn anhält, um so höher der akkumulierte Bestand an fragwürdigen Forderungen bzw. Vermögenswerten, der selbst nach heutigen Maßstäben, bei funktionierenden Finanzmärkten, bereits zu einem ordentlichen Verlust im bewerteten Bestand des Nettoauslandsvermögens führte. Dies folgt einer zwingenden Logik, denn chronische Leistungsbilanzüberschüsse/defizite führen immer zu Verwerfungen und letztlich zu Ausfällen von Forderungen oder einer miesen Entwicklung der erworbenen Vermögenswerte, denn die Leistungsfähigkeit der Schuldner gibt gar nichts anderes her!

Bei SPON kam noch ein Feigenblatt der “Debatte” zu Worte, Marcel Fratscher (Präsident des DIW), der wenigstens einräumte: “Denn die riesigen Überschüsse Deutschlands spiegeln tiefe strukturelle Probleme der deutschen Wirtschaft wider: die große Investitionsschwäche der Unternehmen und des Staates.” und “Die große Investitionslücke ist der Hauptgrund für die hohen Exportüberschüsse Deutschlands.”

Immerhin, aber: “Ein relativ schwacher Euro-Wechselkurs oder niedrige deutsche Löhne sind ebenfalls keine gewichtigen Gründe für Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit..” Lächerlich! Und: “Falsch ist der Vorwurf, dass der enorme deutsche Exportüberschuss von 170 Milliarden Euro – oder fast sieben Prozent der Wirtschaftsleistung – die Anpassung in den europäischen Krisenländern verhindere. Nur zwei Prozent des deutschen Überschusses fällt gegenüber der Euro-Zone an, ein noch geringerer Teil gegenüber den Krisenländern.” ….Was für eine Aussage, denn dies ist Blick auf den IST-Stand, die Sicht auf die letzten Quartale, blendet aber aus, dass die enormen Überschüsse Deutschlands gegenüber den Krisenländern in den letzten Jahren sehr wohl zur Überschuldung dieser Volkswirtschaften führte:

1aDie Entwicklung der Leistungsbilanz Deutschlands gegenüber den Mitgliedern der Eurozone seit Q1 1971 bis Q2 2013 im Chart. In Q2 2013 sank der Leistungsbilanzüberschuss auf +9,271 Mrd. Euro, im 1. Halbjahr 2013 lag er bei +25,941 Mrd. Euro und zuletzt im Gesamtjahr 2012 bei +59,555 Mrd. Euro. Das sieht vermeintlich gut aus und der Überschuss geht auch zurück, nur der aggregierte Überschuss steigt weiter, nur eben langsamer!

1aDie Entwicklung der aggregierten Leistungsbilanz Deutschlands (kumulierte Stromgröße) gegenüber den Mitgliedern der Eurozone seit Q1 1971 bis Q2 2013 im Chart. Bis Q2 2013 liefen +792,689 Mrd. Euro an Überschüssen auf, die Masse davon erst nach 2002, aber ganz “sicher” der Euro und niedrige Löhne in Deutschland haben damit nichts zu tun :)

1aDie Entwicklung der Leistungsbilanz Deutschlands gegenüber den Ländern der Südperipherie (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) seit Q1 1971 bis Q2 2013 im Chart. In Q2 2013 sank der Leistungsbilanzüberschuss auf +4,881 Mrd. Euro, im 1. Halbjahr 2013 waren es +12,237 Mrd. Euro und zuletzt im Gesamtjahr 2012 betrug der Überschuss +20,501 Mrd. Euro. Das sieht vermeintlich ebenfalls wieder fast gut aus, aber wie sieht es aggregiert aus?

1aDie Entwicklung der aggregierten Leistungsbilanz Deutschlands gegenüber der Südperipherie seit Q1 1971 bis Q2 2013 im Chart. Bis Q2 2013 liefen +417,793 Mrd. Euro an Überschüssen auf, wann dieser Wahnsinn begann, zeigt klar der Chart!

1aDie Entwicklung der Leistungsbilanz Deutschlands gegenüber den Mitgliedern der Eurozone (blau) und gegenüber der Welt (rot) seit Q1 1971 bis Q2 2013 im Chart. Ganz klar zeigt sich, wann die Überschussexzesse begannen und von welcher Beziehung sie primär getrieben waren. Erst mit Beginn der Krise gelang es Deutschland die Pferde zu wechseln und die ausgelutschten Volkswirtschaften der Eurozone durch die USA und noch verschuldungsfähigere Volkswirtschaften aus Asien zu ersetzen, was es in der Summe nicht besser macht, sondern nur einen weiteren Zeithorizont für das Export/Überschussmodell eröffnet.

1aDie Entwicklung der Leistungsbilanz Deutschlands gegenüber den Mitgliedern der Eurozone (blau) und gegenüber der Welt (rot) über vier Quartale rollend seit Q1 1971 bis Q2 2013 im Chart. In Q2 2013 betrug der deutsche Leistungsbilanzüberschuss gegenüber der Welt (vier Quartale rollend) +189,454 Mrd. Euro, ein neues Allzeithoch! Gegenüber den Mitgliedern der Eurozone sank es (vier Quartale gerollt) auf +51,296 Mrd. Euro, zum Hoch in Q1 2008 waren es +107,920 Mrd. Euro.

Kumuliert wurde bis Q2 2013 ein Leistungsbilanzüberschuss gegenüber den Mitgliedern der Eurozone von +792,689 Mrd. Euro erzielt, gegenüber der gesamten Welt in Höhe von 1641,173 Mrd. Euro. Da geht noch was, oder :)

Der Michel, seine Systemmedien und seine Eliten (Profiteure des Status Quo) sind zu einer ernsthaften Debatte über das Geschäftsmodell Deutschlands und seiner Exzesse gar nicht fähig und willens. Man könnte sie mit Daten und Fakten zu kübeln, es würde sie nicht daran hindern weiter blind ihr Hamsterrad noch schneller anzutreiben. Für die Masse im Hamsterrad, ohne Reallohnsteigerungen, wie bereits in den letzten 20 Jahren und in Zukunft wohl in Altersarmut!

Quelle Daten: Bundesbank.de/Datenbank

zur “Debatte”:
Spiegel.de/ Exportstärke: USA üben scharfe Kritik an Deutschlands Wirtschaftspolitik
Spiegel.de/Kritik an Exportstärke: Deutsche Wirtschaft nennt US-Tadel völligen Unsinn
Spiegel.de/Umstrittenes Exportmodell: Wo die USA mit ihrer Deutschland-Kritik recht haben
Spiegel.de/Export-Streit: IWF drängt Deutschland zur Bescheidenheit

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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38 KommentareKommentieren

  • RedMoe - 4. November 2013

    Ich wollte auch schon was dazu schreiben, aber diesen Beitrag kann ich in seiner Gänze einfach nur hart rautieren. Es war zu erwarten, ist aber trotzdem infassbar wie grenzenlos dumm und ahnungslos nicht nur unsere politischen, sondern auch Teile der wissenschaftlichen “Eliten” sind.

    Die merken noch nichtmal wie vollgas sie mit sich selber im Widerspruch sind, wenn sie einerseits rumträllern wir hätten ja nur so hohe Überschüsse “weil wir so gut sind” und weil deutsche Produkte so supertoll sind, aber andererseits im selben Atemzug davor waren, dass in Deutschland ja kein Lohn steigen (oder ein Mindestlohn eingeführt werden) darf, weil ja sonst die Wettbewerbsfähigkeit flöten geht. Auch dass Wettbewerbsfähigkeit ein rein relatives Konzept ist geht natürlich auch wie üblich vollkommen unter (weil auch das von den meisten schlichtweg nicht verstanden wird).

    Die Regierenden reden von der Wirtschaft wie der Blinde von der Farbe.

    • Lottchen - 5. November 2013

      Nur sind die Mindest- und Geringlöhner eher weniger in der Exportindustrie beschäftigt.
      http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.428116.de/13-39-1.pdf

      • RedMoe - 6. November 2013

        Na ist doch super! Dann können wir ja den Niedriglohnsektor wieder eindampfen ohne da gleich den Exportgau fürchten zu müssen. :-)

        • Lottchen - 6. November 2013

          Heißt im Umkehrschluss aber auch, dass ein Mindestlohn für das Leistungsbilanzproblem nicht viel bringen wird. Allenfalls in ein paar wenig bedeutenden Branchen.

          • RedMoe - 6. November 2013

            Na ja. Jaein, würde ich sagen. Wenn die Leute in den Nicht-Exportbranchen mehr verdienen kann man ja davon ausgehen dass die vielleicht etwas mehr importieren. Außerdem müsste man sehen wie groß die in dem DIW-Paper erwähnten Spillover-Effekte werden. Wenn Friseur, Puff und Bus teurer werden verlangt der Daimler-Ingeneur evtl. in Zukunft auch etwas mehr Geld vom Chef. ;)

            Wobei ich eh nicht mehr so der Mindestlohn-Prediger bin wie noch vor einigen Jahren. Sehe da kein so riesiges Problem bei gesetzlichen Mindestlöhnen, aber wichtiger wäre mE dass man die Tarifbindung stärkt und prekäre Beschäftigungsverhältnisse und so zurückdrängt. Dieser Leiharbeitswahn, Minijobs etc. ist meinem Empfinden nach nicht das Gelbe vom Ei.

          • Lottchen - 6. November 2013

            Das DIW-Papier ist insgesamt nicht sonderlich ermutigend. Das war schon die Vorgängerpublikation nicht, in der es darum ging, was der Mindestlohn zur Bekämpfung der Aufstockerei bringt (Antwort: so ziemlich nichts).

            Mir gefält diese Rasenmähermethode, die die SPD da vorhat, nicht.

            Und mehr noch als die Minijob- und Leiharbeitsmanie stört mich die Werkvertragsmanie. Leiharbeit ist bei Daimlers längst out, Werkverträge sind da der neue Renner.

          • OWL-Dirk - 7. November 2013

            Es geht ja auch gar nicht primär darum, die deutschen Exporte zu verringern, sondern durch höheren Konsum (und bei dann steigender Inlandsnachfrage und steigenden Steuereinnahmen vielleicht auch wieder steigenden Inlandsinvestitionen), die Importe zu erhöhen, um das Leistungsbilanzdefizit auszugleichen.
            Es wird bei der ganzen Diskussion immer fälschlicherweise so getan, als müsse Deutschland v. a. seine Exporte verringern. Die Exporte sind aber gar nicht das Problem, sondern die Verwendung der damit erzielten Einnahmen. Solange diese nicht in adäquatem Umfang für inländischen Konsum und Investitionen verwendet werden, sondern vorrangig für den Erwerb fragwürdiger ausländischer Finanzprodukte eingesetzt werden, wird der Leistungsbilanzüberschuss bestehen bleiben.

  • Daniel2012 - 4. November 2013

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kfw-umfrage-deutscher-mittelstand-waechst-langsamer-a-930610.html

    “Der deutsche Mittelstand leidet unter der Euro-Krise. Das Umsatzwachstum geht zurück, die Renditen schrumpfen, und die Eigenkapitaldecke kleiner Firmen schmilzt, heißt es in einer Umfrage der Staatsbank KfW. Die Rezession in Europa sei an den Betrieben nicht spurlos vorbeigegangen. “Es legen sich die ersten Schatten über den langjährigen Erfolg”, heißt es in dem Bericht. ”

    “Die Nachwehen der Wirtschafts- und Finanzkrise zeigten sich vor allem bei Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten – diese machen mit 92 Prozent den Großteil des Mittelstands aus.”

    die meldung fand ich (ebenso) ziemlich unschluessig – betriebe mit weniger als zehn beschaeftigten, spueren die eurokrise? betriebe mit weniger als zehn beschaeftigten haben doch sehr wahrscheinlich wenig mit dem export in eurostaaten zu tun sondern tummeln sich in der den boom tragenden binnenwirtschaft?

  • hunsrueckbauer - 4. November 2013

    der Wohlstand in D stagniert drastisch!
    Ich hatte es bereits geschrieben, dass ich die zurückliegenden Wochen in Brasilien und Portugal war. Erstaunlich welche Dynamik die Wohlstandsentwicklung in beiden Ländern in den letzten beiden Jahren genommen hat – trotz angeblicher Bankenkrise.
    Die Lebenshaltungskosten sind in Brasilien ähnlich hoch wie bei uns, ebenfalls die Löhne und Gehälter, Ausnahmen wie öffentlicher Dienst. Dienstleistungen sind überwiegend teurer als in D mit erheblich geringerer Effizienz und Produktivität. Die Brasilianer konsumieren auf Teufel komm raus. Die herangewachsene und weiter wachsende Mittelschicht gibt ihr Geld mit Freude aus. Mir sind die Preise für Hotels und Restaurants in den Ballungsräumen inzwischen teuer geworden und stehen m. E. in einem Mißverhältnis nach deutscher (meiner) Auffassung. Ob ich es mir in 2 Jahren erneut leisten kann nach Brasilien zu Freunden zu reisen, werde ich abwarten müssen – und das trotz gutem EInkommen.

    Auch in Lisboa wird von Jung bis Alt fleißig konsumiert. Die Stadt ist lebendig, aktiv, die Menschen schick gekleidet, dick Autos, etc. Da kenne ich nur wenige deutsche Städte, wo ich ähnliches behaupten kann: MUC, FRA, Köln, HH…

    Es spricht alles dafür, dass wir, die Mehrzahl der deutschen Arbeitnehmer, in den letzten 20 Jahren herb runtergekocht wurden. Unsere Produktivität und Effizienz stehten sowohl im Verhältnis zu den in anderen Ländern als auch den dort erzielbaren Einkommen in krassem Mißverhältnis. Brasilianer und Portugiesen verdienen in diesen Ländern im Blick deutscher Produktivtät und Effizienz mindestens 3 mal so viel wie Arbeitnehmer in D.

    Bald werden wir uns vor Touristen aus Brasilien und Portugal nicht mehr “wehren” können. Preiswerter als hier einzukaufen oder ein Hotelzimmer zu mieten, geht kaum noch.

    Schöne heile Welt, so heil, dass über 70 % der Wahlbeteiligten damit zufrieden scheinen und gerne noch etwas schneller im Hamsterrad laufen wollen.

  • Roland - 4. November 2013

    Der Kapitalexport kann nicht kurzschlüssig mit “faulen Forderungen” gleichgesetzt werden. Wenn Immobilien oder Fabriken gekauft – oder eigene Unternehmen im Ausland aufgebaut werden, sind dies erstmal keine “Forderungen” und auch keine “faulen”.

    • Querschuss - 4. November 2013

      Hallo Roland,
      “Der Kapitalexport kann nicht kurzschlüssig mit “faulen Forderungen” gleichgesetzt werden.” …Nee, lese ich aus meinem Geschriebenen auch nicht heraus und ist so auch nicht gemeint. Gemeint ist, wenn permanent Überschüsse erzielt werden, woanders demzufolge chronische Defizite liegt es nahe, dass der stetige Kapitalexport keine Werthaltigkeit erzielen kann. Ob nun Forderungen aus Krediten oder Finanz/Kapitalanlagen, welche die Masse des Kapitalexportes ausmachen oder eben Direktinvestitionen, Unternehmensbeteiligungen und Immobilien. Ganz sicher sind auch die Masse an Immobilien und Unternehmensbeteiligungen, nicht nur in Spanien, nicht mehr das Wert, was vielleicht 2006/07/08 dafür gezahlt wurde.

      Irgendwo muss sich die Diskrepanz, zwischen stetig wachsende Kapitalexporten (Stromgröße) und dem hinterherhinkenden Nettoauslandsvermögen (Bestandsgröße) ja manifestieren. Der Bestand an erworbenen Auslandsvermögen wird an verfügbaren Marktwerten bewertet. Es liegt sehr nahe das der deutsche Bestand an Auslandsvermögen in den PIIGS sich mies entwickelt hat!

      Ich formuliere vielleicht nicht immer so, als dass man eine einzelne Formulierung nicht aus dem Kontext gerissen kritisieren könnte, nur erstens kann ich nicht Stunden über jede Formulierung philosophieren und wie sie bei jedem ankommt und ob richtig und zweitens ändert dies an den Grundaussagen/Einschätzungen gar nichts. Das deutsche Geschäftsmodell der permanenten Überschüsse ist krank, die schwache Entwicklung der Masseneinkommen, des Konsums und der Investitionen zu HAUSE sind der Preis, marode Straßen, Brücken und Schulen, HartzIV, prekäre Beschäftigung und Altersarmut und vieles mehr.

      Gruß Steffen

      • Querschuss - 4. November 2013

        Hallo Roland,
        ich habe mir meinen Text nochmal durchgelesen und muss zugeben zu oft die Formulierung “fragwürdige Forderungen” verwendet zu haben, habe es etwas ergänzt und präzisiert.

        Gruß Steffen

        • Frankenfurter - 5. November 2013

          Der Roland hat da einen Punkt angesprochen, den man unbedingt genauer untersuchen sollte. Wo landen die überschüssigen ausländischen Devisen denn nun genau? Wieviel davon liegen bei der BUBA, wo werden sie im Exportland angelegt? Das sollte man schon wissen, bevor man die deutschen Yuans oder argentinischen Pesos in Bausch und Bogen als hochgradig gefährdet einstuft.

          • Querschuss - 5. November 2013

            Hallo Frankenfurter,
            von hochgradig gefährdet habe ich nicht gesprochen, sondern davon, wenn Ungleichgewichte in hohem Maße und über viele Jahre bestehen, dass die Defizitländer gar nicht so viele werthaltige Finanzanlagen und Vermögenswerte zur Verfügung stellen können, wie sie benötigen um ihre Defizite zu finanzieren. Deshalb meine Formulierung fragwürdige Forderungen und Vermögenswerte. Beim Nettoauslandsvermögen fließt die Target2 Forderungen der Buba und die Währungsreserven mit ein.

            Gruß Steffen

        • Frankenfurter - 6. November 2013

          Hallo Steffen, ich hätte doch ganz gerne gewusst, wo genau die 7 Prozent (Leistungsbilanzüberschuss) des deutschen BIP letztlich landen. Target-Salden sagen mir nichts. Es sei denn die Devisenbestände der BuBa bilden die Exportüberschüsse tatsächlich ab. Ist das so?

          • Frankenfurter - 6. November 2013

            Sorry, die Grafik Netto-Auslandsvermögen und Netto-Kapitalexport erst jetzt gesehen. Ja, da gibt es eine Lücke von 700 Mrd €. Wo seid ihr nur ihr Lieben?

          • Querschuss - 6. November 2013

            Hallo Frankenfurter,
            die Target2 Salden sagen dir nichts?

            Die Devisenbestände der BUBA ergeben sich aus der Leistungsbilanz und Kapitalbilanz mit der Welt, innerhalb der Eurozone mit der gemeinsamen Währung übernehmen dies die Target2 Salden.

            Die 7 Prozent Leistungsbilanzüberschuss sind auch Faktoreinkommen, Löhne, Unternehmensgewinne usw. Nur der Überschuss ist auch “inländische Ersparnis”, sprich diese Einnahmen werden im Inland nicht verkonsumiert oder investiert, sondern fließen als Nettokapitalexport ins Ausland ab, in Direktinvestitionen, Unternehmensbeteiligungen, Finanz/Kapitalanlagen, Krediten.

            Der Außenbeitrag Exporte – Importe fließt ins BIP, insofern steigert der Exportüberschuss das BIP, zugleich heißt dies nicht, dass daraus Konsum und Investitionen im Inland entstehen müssen.

            Also letztlich landen die 7% Leistungsbilanzüberschuss faktisch wieder über Nettokapitalexport im Ausland und finanzieren die dortigen Defizite. Es landet sogar mehr als der pure Leistungsbilanzüberschuss wieder im Ausland, weil die deutschen Nettokapitalexporte sogar die Leistungsbilanzüberschüsse übersteigen.

            Übrigens kann auch deine Ersparnis im weitesten Sinne den Weg ins Ausland gehen, ohne das man dich fragt, da deine Hausbank Kredite ans Ausland gewährt oder deine Versicherung italienische Staatsanleihen kauft und somit auf der anderen Seite deiner Einlage in der Bilanz der Bank/Versicherung, Assets aus Kapitalexporten liegen.

            Wo genau die 7 Prozent Überschuss landen kann ich unmöglich detailliert beantworten, mir fehlen die genauen Kenntnisse über viele Millionen Transaktionen und was diese in den vielen Millionen vorhandenen Beständen (Konten, Guthaben, Schulden) an Detail erzielen.

            So betrachtet muss ich mich mit Makro-Aussagen begnügen, ich will die Details auch gar nicht wissen, würde meine “Festplatte” überfordern :)

            Gruß Steffen

          • Frankenfurter - 6. November 2013

            Danke Steffen, dass du dir die Zeit genommen hast, mir ausführlich zu antworten. Ein Querschuss-Abo ersetzt ein VWL -Studium, wer hätte das gedacht?
            Bei der Rente steckt in den meisten Köpfen die Vorstellung, dass man, bildlich gesprochen, den Jogurt, den man heute nicht isst sich fürs Alter aufspart, um ihn dann verspeisen zu können. Also, dass der Geldbetrag, den man in Form von Rentenpunkten angesammelt hat im Ruhestand peu a’ peu aufzehren tut. Ich glaube, so stellen sich die meisten das Rentensystem vor: Man zehrt vom Ersparten.
            Aber wie schmeckt ein Jahrzehnte alter Jogurt? Die Wahrheit ist, dass natürlich immer nur ein frisch hergestellter Jogurt verzehrt werden kann und wenn dieser Jogurt nicht in Deutschland hergestellt wird, dann muss er halt aus Griechenland kommen oder aus China. Die Menschen müssen stark im Glauben bleiben, dass unsere Handelspartner ein Herz für deutsche Rentner haben und nicht irgendwann einmal ihre Jogurtlieferungen nach Deutschland vergessen…..

  • Ert - 4. November 2013

    Das was Steffen hier präsentiert, was Flassbeck + Jahnke genauso predigen hat nichts mit Wirtschaftstheorien zu tun sondern erschließt sich aus offiziellen und messbaren Fakten sowie einfacher Logik – ohne wenn und aber!

    Das hier alles kann den Entscheidungsträgern nicht entgangen sein! Ich mag Schäuble nicht – aber er ist nicht so Dumm das Ihm das nicht klar wäre. Auch der EInfluss von Flassbeck und Jahnke sollte zumindest noch soweit reichen, das viele in den Wirtschaftsministerien das auch checken. Unsere Presse kann auch nicht so dumm sein, nicht mal hier vorbei zu schauen – also muss es auch vielen Journalisten und Redakteuren bekannt und transparent sein.

    Für mich sieht das alles nach Versailles 3.0 aus – diesmal aber gegen alle anderen. Allem Anschein nach holt Frau M. Brüning diesmal gegen alle anderen aus. Oder es ist einfach opportunistische Borniertheit gepaart mit Raffgier.

    • RedMoe - 4. November 2013

      “Das hier alles kann den Entscheidungsträgern nicht entgangen sein! Ich mag Schäuble nicht – aber er ist nicht so Dumm das Ihm das nicht klar wäre. Auch der EInfluss von Flassbeck und Jahnke sollte zumindest noch soweit reichen, das viele in den Wirtschaftsministerien das auch checken. Unsere Presse kann auch nicht so dumm sein, nicht mal hier vorbei zu schauen – also muss es auch vielen Journalisten und Redakteuren bekannt und transparent sein. ”

      Da ist aber einer sehr optimistisch. Ich glaube, dass die führenden Kräfte in Politik und auch die meisten Medienfritzen von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Zumindest bei den Politikern tritt noch knallhafte ideologische Verblendung hinzu nach dem Motto “der Schuldner ist Schuld” und “niemand zwingt die anderen Defizite zu machen”. Bei der Bundestagsdebatte zum ersten Euro-Bankenbailout (Tarnname “Griechenlandrettungspaket”) hat Trittin mal nebenbei angemerkt, dass die Defizite in der Handelsbilanz von Griechenland den Handelsüberschüssen Deutschlands entsprächen. Zwischenruf eines ausgewiesenen CSU-Wirtschafts”experten”: “Voodoo-Ökonomie!”

      Bei denen ist die Erde halt wirklich eine Scheibe.

    • Lottchen - 5. November 2013

      Ich glaube nicht, dass Schäuble oder Gott bewahre Rösler diese Zusammenhänge klar sind. Die ganze Saldenmechanik-Geschichte ist den meisten Nicht-Fachleuten ein Buch mit sieben Siegeln und die Exportwirtschaft – soweit sie das selber durchblicken – tut alles, um die Sage aufrechtzuerhalten, exorbitante Exportüberschüsse seien “gut” für die Volkswirtschaft.

  • JL - 4. November 2013

    Die deutsche Wirtschaft ist nur der Spiegel der europäischen Wirtschaftspolitik.

    Natürlich werden große Unternehmen einen sich bietenden Markt nutzen um ihre Geschäfte zu tätigen- wer will schon kein Geld verdienen?

    Und natürlich werden Unternehmen bei einem beständigen Zustrom arbeitswilliger Leute die Löhne deckeln- würde das jemand anders machen, bei der Auswahl?

    Und ob die Gewerkschaften von der Politik oder Wirtschaft vereinnahmt wurden möge jeder selbst entscheiden. Das Wort Manteltarifvertrag und Rahmentarifvertrag ist fast schon aus meinem Wortschatz entfleucht.

    Das Ergebnis der fiskalischen Einheit sind nicht nur brutalste Wirtschaftsverwerfungen, nicht nur ungehemmte und letztlich ausufernde Staatsverschuldungen, nicht nur überbordende Bürokratie zum Beispiel für Glühlampen oder Staubsauger oder Toiletten, sondern letztlich die Entmündigung und Demütigung ganzer Nationen!

    Und weil das alles so toll ist haben etwa 80% der deutschen Wähler lieber keine Politik gewählt.

    Was man hat, hat man halt- auch wenn es nur Desinteresse ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Eurelios - 4. November 2013

      Und weil das alles so toll ist haben etwa 80% der deutschen Wähler lieber keine Politik gewählt

      Hallo JL ich denke da anders.

      Die 80% haben die falsche Politik gewählt.

      Wobei ich mich so langsam Frage gibt es übehaupt noch Politik in unserem Lande oder
      ist die politische Meinung am untergehen weil die Geldeliten den Politikeliten
      sagen was geht oder nicht geht um ihre Ziele zu ereichen.

      Warren Buffet läst grüßen:

      Auf die Frage, was er für den zentralen Konflikt unserer Zeit hält, hat Warren Buffet gesagt:

      “Der Klassenkampf natürlich, Reich gegen Arm, und meine Klasse, die Reichen, die gewinnen gerade.”

      http://friedensblick.de/5119/georg-schramm-wir-befinden-uns-im-krieg/

      • JL - 4. November 2013

        Hallo Eurelios

        Sehen Sie, Sie haben es sehr schön dargestellt.

        Um einschätzen zu können ob eine Politik in die ein- oder auch andere Richtung als sachlich Richtig oder gar als Blödsinn bewertet werden kann braucht man- als normaler Bürger je nach Partei- ein entsprechendes Programm. Gibt es aber keine erkennbaren Programme der großen Parteien, warum wählt man diese dann überhaupt noch?

        Weil man es schon immer so gemacht hat mit dem Kreuz auf der Wählerliste. Man interessiert sich noch nicht mal mehr für Programme die es nicht gibt.

        Also wird es zukünftig auch keine falsche Politik geben, es gibt ja auch keine vertretbaren Werte- mangels Programmen.

        Wenn Politik an sich also beliebig wird gibt es zum einen keine politische Position und zum anderem keine politische Ausrichtung und zeugt vom Desinteresse der eigenen Wählerschaft, wenn diese fehlenden Positionen parteilich noch nicht mal eingefordert werden.

        In der Hoffnung nicht Recht zu haben,

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

        • Eurelios - 5. November 2013

          In der Hoffnung nicht Recht zu haben,

          Wie sagt man:

          Die Hoffnung stirbt zuletzt.

          Ich denke jetzt mal positiv. Es wird zu ein Punkt kommen das die Menschen, auch die
          Geldeliten, zu der Erkenntnis kommen das so nicht mehr weiter gehen kann.
          Geldansammlung von Wenigen dann Unruhen, Verwerfungen dann Zusammenbrüche
          (bedingt durch Kriege usw.). Dann wieder zum Zerropunkt zurück mit furchtbaren
          Auswirkungen für die meisten Menschen und das gleiche Spiel geht von vorne los?
          Wenn das so sein sollte na dann gute Nacht bzw gute Fahrt zum Untergang des
          Homo Sabiens auf unserer Mutter Erde.,
          Wir haben dann nichts mehr anderes verdient.

          Aber wie gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Dierk - 4. November 2013

    Ich bin auch eher Pessimist, was fachliche Kompetenz der Entscheidungsträger angeht.
    Asmussen, damals noch Staatssekretär und Massgeblicher für die Zulassung zum Handel der Verbriefungen, hat das ja mal deutlich gesagt: Ich (wir) habe(n) keine Ahnung von solchen Dingen,
    deswegen holen wir uns Fachleute von ausserhalb.
    Man macht sich also nicht selber fachkundig, sondern lässt sich von denen beschwatzen, denen es nutzt.
    Ich denke nicht, das sich das geändert hat, seit er im Direktorium der EZB sitzt: weiterhin keine Ahnung.
    Mein Eindruck: Die gassierende Seuche der Verblödung der Gesellschaft macht natürlich auch vor Politikern nicht halt. Sind ja auch nur “Kinder” dieser Gesellschaft.
    Vorteilsnehmer und vermutlich auch Befeuerer dieser Verblödung sind vermutlich die sogenannten Eliten. Bildungsabbau ist ja kein Zufall.
    Hier in GR schafft man jetzt die zweite Fremdsprache an Gymnasien ab. Vermutlich deutsch :-D

    • MartinR - 5. November 2013

      Volle Zustimmung.

      Natürlich gab es schon die Forderungen und eine öffentliche Debatte darüber, daß Deutschland die notwendingen Maßnahmen ergreifen soll, um seinen Binnenkonsum zu steigern. Wir haben uns Anfang des Jahres doch auch von Merkels diesbezüglich Aussage auf dem Davos-Gipfel veräppelt gefühlt. Aber offensichtlich ging die Diskussion nicht in die Tiefe oder wurde nur zum Schein geführt.

      Solche Debatten werden systemimmanent zerredet, verzerrt, vergessen. Schnell gewinnt wieder der Nutzniesser-Flügel die Deutungshoheit mit Hilfe der Medien, vermutlich sind die Politiker in der Zwischenzeit -wie auch immer- zu der Auffassung gekommen, daß eine andere Wirtschaftspolitik nicht “mehrheitsfähig” ist.

      • MartinR - 5. November 2013

        Passend noch eine Übersetzung von Paul Krugmans aufklärenden Ausführungen in den New York Times zum Thema:

        http://www.nachdenkseiten.de/?p=19155

      • Lottchen - 5. November 2013

        Binnennachfrage =/= Binnenkonsum.

  • Georg Trappe - 5. November 2013

    Hallo Steffen,

    nachdem mein Blutdruck wieder Normalwerte erreicht hat und ich mein Beissholz zur Seite legen konnte, der SPON Artikel und die darin zitierten Auesserungen der “fuehrenden Koepfe” der deutschen Wirtschaft hatten einen ernsthaften Wut- und Verzweiflungsanfall bei mir ausgeloest, moechte ich nicht versaeumen Dir zu diesem Artikel zu gratulieren.
    5 Sterne von mir.
    Hut ab!

  • Andy - 5. November 2013

    Schöner Artikel. Ich sehe das alles mit tiefstem Pessimismus. Ich habe oft erlebt, dass selbst Fachkollegen nicht in der Lage sind, die deutschen Leistungsüberschüsse richtig einzuordnen. Die falsche Analogie zu Unternehmensgewinnen und die deutsche Überheblichkeit scheinen einen ausgesprochen negativen Einfluss auf kritische Denkfähigkeit zu besitzen. Ökonomischen Laien kann man das Problem erst recht nicht klarmachen. Und unser Pressecorps: Weitestgehend im Zustand der Selbstaufgabe, mit wenigen Ausnahmen, Münchau etwa.

    Das Schlimme ist, dass selbst ein Platzen des Exportmodells zu keiner Veränderung beitragen wird. Es werden dann die bis Mittte der 2000er Jahre vorherrschenden Einschätzungen der deutschen Wirtschfaft ihr Revival erleben: Wir verlieren an Wettbewerbsfähigkeit, der Arbeitsmarkt ist immer noch verkrustet, die Abgaben sind zu hoch, das Vertrauen der Investoren zu gering etc. pp. Was folgen wird ist weiterer Verzicht derjenigen, die schon seit Jahrzehnten verzichten und sich dabei noch selbst feiern. Deutschland ist Magersüchtig und noch lange nicht bereit, das einzusehen.

    • RedMoe - 5. November 2013

      Schön auf den Punkt gebracht, Andy. Kann Ihnen nur zustimmen. :-)

  • Daniel2012 - 5. November 2013

    …vielleicht gibt es ja hoffnung:

    “Früher wurden in diesem Büro Sozialreformen und Sparprogramme erdacht. Die Löhne sollten runter, damit deutsche Waren fürs Ausland billiger werden. Was die Regierung wollte, entsprach dem Empfinden vieler Bürger: Ärmel hochkrempeln, wettbewerbsfähig werden – nur als starke Exportnation habe Deutschland wirtschaftlich eine Chance in der Welt.

    Und nun? Spricht derselbe Beamte von einem »Paradigmenwechsel«, der sich in der Regierung vollziehe. »Auf Dauer«, sagt er, sei die Abhängigkeit vom Export »ein Problem«. Glaubt man ihm, so kommt es jetzt auf andere Dinge an: auf höhere Löhne. Und auf mehr Einfuhren aus dem Ausland.

    Man kann das als Meinung eines einzelnen Spitzenbeamten abtun. Aber wenn man mit anderen Mitgliedern der Regierung spricht, verfestigt sich der Eindruck, dass gerade etwas Größeres geschieht: die wohl wichtigste wirtschaftspolitische Veränderung der vergangenen zwanzig Jahre.”

    http://www.zeit.de/2013/10/Angela-Merkel-Wirtschaftspolitik

  • Rolmag - 5. November 2013

    “hat in Deutschland eine Pseudo-Debatte vom Zaun gebrochen, deren eigentliches Ziel anscheinend nur die Nivellierung der Fakten ist.”

    Das ist doch kein dummes Geschwätz, wenn andere und ich immer wieder von dümmlichster Propaganda schreiben!

    Um den Untergang von Deutschalnd auch ganz sicher zu zementieren, gesellen sich zu viel zu geringen Löhnen und Gehältern nun auch noch sadistisch hohe staatliche Stuern und Abgaben, zusammen mit einer Weichwährung.

    Das wird uns ganz sicher ruinieren, dem Staat gehen die fähigen Köpfe aus, die einen werden rücksichtslos ausgepülündert, so dass sie sich wie ich als Ing. nicht einmnal mehr ein Haus bei der Bank erbetteln können, den anderen wird jeder Existenzdruck genommen, die gammeln auf meine Kosten in den Tag hinein.

    Das wird zuerst die Köpfe ruinieren, weil man um viel zu leisten blöde sein muss, was sich nicht mit unserem techn. Stand verträgt und dann die Taschen, todsicher!

    Noch vier Jahre Rettung der Finanzindustrie und die Erschaffung eines Sozialstaates, der nur noch pervers ist, kann Deutschland nicht überleben.

    Ich stecke voller Ideen, die ich ausbeutungsbedingt nicht umsetzen kann, ein nettes Gefühl, wenn die in meinem Schädel langsam zu Säure werden. Wenn man weder reich ist, noch von diesem Dreckssozialstaat profitiert, entwickelt sich das hier zur Hölle auf Erden!

  • Rolmag - 5. November 2013

    “Unsere Presse kann auch nicht so dumm sein, nicht mal hier vorbei zu schauen – also muss es auch vielen Journalisten und Redakteuren bekannt und transparent sein. ”

    Ist sie wohl!

    Ein kleines Beispiel wie die Medien heute arbeiten und sich informieren:

    Auf einer Holzmesse wurde ein Tisch aus Kauri-Holz aus Neuseeland als Toppobjekt ausgestellt. Im Focus erschien ein Bericht darüber mit einem Tisch aus Mooreiche aus Kauri in Finnland.

    Und wer nun denkt, dass die professionellen Medien in der Eurokrise nicht genau so “gründlich” recherchieren, der ist… will jetzt keinen beleidigen…unwissend naiv.

  • Klaus - 6. November 2013

    Was heute als werthaltige Forderung angesehen wird, kann sich ganz schnell in Luft auflösen. Eine Forderung in Yen hat sich in relativ kurzer Zeit durch die Abwertung deutlich minimiert. Der Dollar verliert langfristig an Wert. Sollte dazu noch eine Baisse am Aktien- und Immobilienmarkt kommen, wird man schnell erkennen, dass alles nur potemkinsche Dörfer sind.
    So ist der Lauf der Zeit.

    • Holly01 - 7. November 2013

      Hallo Klaus,
      es gibt ja bereits den run. Raus aus dem Geld und aus den “bewerteten” Geldanlagen und rein in “Sachwerte”.
      Inbesondere Verwertungsrechte und Bodenrechte sind weltweit sehr gefragt.
      Antiquitäten und Kunst sind ebenfalls running gags, denn natürlich wird viel zu teuer eingekauft.
      Wer jetzt noch in Aktien steckt, der hat über mittlere Sicht ein Problem.
      Die ganze Diskussion hier hat einen ganz kleinen Fehler, denn :
      - so lange man Arbeit zu geringfügigen Kosten bekommen kann, solange wird man Arbeit nur geringfügig bezahlen. Macht der Deutsche die Arbeit nicht zu diesem Preis, dann holt man Ausländer oder man erhöht die Menge der Arbeitenden.
      - Die Exportgewinne sind — private — Gewinne. Der Firme X die als global player ein Renditeziel von 10% ausgibt ist es Schnuppe, ob das internationale Verwerfungen hervorruft. Die weisst doch nur eine Rendite aus und das ist alle Male gesund.
      Die Firma Y die ihren Autoverkauf in DE nur noch zu einem drittel bei Endkunden unterbringt und den Rest an “institutionelle Kunden” ausliefert, verkauft doch auch nur die besten Autos der Welt im Ausland. Kann ja nicht falsch sein, wenn man gute Autos an Ausländer verkauft.
      - Die Exportfirmen haben fast alle eigene Banken. Gerade die global Player sind im Bankengeschäft und im Derivatehandel ganz groß dabei. Da wird richtig Geld abgeholt, bzw. ausgewiesen.

      Der Staat bzw. die Politik ist nicht dazu in der Lage ihre Rechnungen zu begleichen. Die müssen auf Pump haushalten, weil sie die notwendigen Mittel (die prozentual gesehen sonderbarer Weise einen immer höheren Anteil am BIP ausmachen) nicht requirieren können.
      Die Politik hat bei dem Exportgeschäft schlicht nix zu sagen. Die kommen da nicht vor. Die haben auch gar keine Handhabe.
      Die Globalisierung in Form von freiem Handel ist nicht politisch, das ist eine Form der Umverteilung.
      Das wir bereits 700 Mrd. Auslandsvermögen abschreiben mussten ist ja ansich ganz einleuchtend.
      Ein Land importiert Waren ohne das Geld für die Rechnung zu haben. Wir liefern nicht nur exessiv die Waren sondern auch das Geld. Erstaunlicher Weise kann dieses Land nachher nicht die Gewinner erwirtschaften, um die offene Rechnung zu bezahlen.
      Ausnahme GB, da sind die Mädels so clever und machen das über Bilanzen und Geldhandel. UNd genau das nehmen sich unsere Mädels dann als Vorbild.

  • Lottchen - 7. November 2013

    Münchau zur Exportboom-Debatte.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/wolfgang-muenchau-ueber-die-kritik-an-der-deutschen-exportstaerke-a-932103.html

    Wenigstens ein paar kapieren noch etwas.