Deutschland: Finanzierungssaldo 2013

von am 15. Januar 2014 in Allgemein

“Defizit 2013: Deutschland schreibt wieder rote Zahlen – Deutschland rutscht ins Minus”, titelt SPON in einem Anflug von wirtschaftsjournalistischem Tiefflug. Immerhin erklärt sich dann, das von SPON Deutschland mit öffentlicher Hand (Staat) gleichgesetzt wird. “Das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen lag 2013 bei 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung.” Holla, was für eine Nachricht, der Finanzierungssaldo des Gesamtstaates betrug -1,87 Mrd. Euro im Jahr 2013, was für eine Schuldenorgie, genau genommen -0,068% des nominalen BIPs (2735,8 Mrd. Euro) von 2013 :)

Was SPON verschweigt, Deutschlands Volkswirtschaft besteht nicht nur aus dem Staat, sondern auch aus den Sektoren private Haushalte, nichtfinanzielle Unternehmen und den finanziellen Unternehmen. Und die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes spart wie verrückt, der Finanzierungssaldo der inländischen Volkswirtschaft betrug 2013 +190,84 Mrd. Euro, ein neues Rekordniveau. Nur wenn man diese Zahl kommuniziert, muss man auch kommunizieren, das Deutschland damit die Ungleichgewichte der Weltwirtschaft über die Gebühr befeuert, denn der Finanzierungssaldo der inländischen Volkswirtschaft ist exakt das Gegenstück zum Finanzierungssaldo der Übrigen Welt (Ausland), dessen Finanzierungssaldo -190,84 Mrd. Euro 2013 betrug, was nichts anderes bedeutet, als das sich das Ausland, um diese Summe verschuldete, um deutsche Waren und Dienstleistungen über das Maß der eigenen Leistungsfähigkeit hinaus zu erwerben/konsumieren. Nur mit diesen Fakten überfordert SPON seine Leser dann doch nicht und wälzt sich im Mantel des Schweigens.

1aDie Entwicklung des Finanzierungssaldo des Staates (Staatseinnahmen – Staatsausgaben) von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen seit 1970 bis 2013 im Chart. Im Jahr 2013 betrug der Finanzierungssaldo des Gesamtstaates -1,87 Mrd. Euro, nach +2,38 Mrd. Euro 2012. Von den -1,87 Mrd. Euro 2013 entfielen -8,5 Mrd. Euro auf den Bund, -3,39 Mrd. Euro auf die Länder, +4,05 Mrd. Euro auf die Gemeinden und +5,97 Mrd. Euro auf die Sozialversicherungen.

Eigentlich völlig unspektakulär, der deutsche Staat hat nahezu keinen Finanzierungsbedarf, angesichts der Finanzierungsüberschüsse der anderen inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren liegt genug Potenzial brach, die Steuereinnahmen, via steuernder und gezielter Steuererhöhungen zu verbessern, genau da wo die Finanzierungsüberschüsse anfallen oder eben um zu lenken hin zu Investitionen, was automatisch die Finanzierungsüberschüsse der Unternehmen senkt bzw. sich auch in Staatseinnahmen niederschlagen würde. Aktuell dokumentiert sich dagegen eine deutsche Gesamtvolkswirtschaft, welche Überschüsse in einem immer höheren Ausmaß erzielt:

1aDer Finanzierungssaldo aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren seit 1970 bis 2013 im Jahreschart. 2013 betrug der Finanzierungssaldo +190,84 Mrd. Euro, ein Rekordfinanzierungsüberschuss.

Was zeigen überhaupt die Finanzierungssalden, im vereinfachten Sinne die Einnahmen minus Ausgaben der volkswirtschaftlichen Sektoren. Die verfügbaren Einkommen minus den Konsumausgaben minus den Bruttoinvestitionen. Besteht ein Finanzierungsüberschuss aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren, also die Ausgaben waren niedriger als die Einnahmen, dann hat ausschließlich die Übrige Welt, das Ausland ein dementsprechendes Finanzierungsdefizit eingefahren, denn deren Ausgaben gegenüber Deutschland waren höher als die Einnahmen, was entsprechenden Finanzierungsbedarf und Verschuldung impliziert.

1aDer Finanzierungssaldo aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren (blau) und der Finanzierungssaldo der Übrigen Welt (Ausland) seit 1970 bis 2013 im Jahreschart.

Der Finanzierungsüberschuss der inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren entspricht dem Finanzierungsdefizit der Übrigen Welt und de facto stellen die inländischen Sektoren via Nettokapitalexporte die Finanzierung der Defizite des Auslands sicher. Deutschlands Überschüsse sind also gleichzeitig auch die gesamtwirtschaftliche Ersparnis minus den Investitionen, sprich entsprechende Einnahmen aus der Produktion werden im Inland nicht verkonsumiert oder investiert, sondern fließen als Nettokapitalexport ins Ausland ab, in Direktinvestitionen, Unternehmensbeteiligungen, Finanz/Kapitalanlagen und als Kredite.

Der Saldo der Finanzierungsüberschüsse und Finanzierungsdefizite aller volkswirtschaftlichen Sektoren inklusive Übrige Welt ist immer Null. Wenn also 2013 die Übrige Welt einen Finanzierungssaldo von -190,84 Mrd. Euro aufwies und der deutsche Staat von -1,87 Mrd. Euro, dann müssen deutsche private Haushalte und Unternehmen der Realwirtschaft, wie der Finanzwirtschaft insgesamt einen Finanzierungsüberschuss von +192,71 Mrd. Euro erzielt haben. Detaillierte Daten für private Haushalte, nichtfinanzielle und finanzielle Unternehmen liegen bei Destatis noch nicht vor. Nur die Daten zum Finanzierungssaldo des Staates und zur Gesamtvolkswirtschaft im Rahmen der ersten Schätzung der BIP-Daten für 2013. Die Finanzierungsüberschüsse speisen die Nettogeldvermögen von privaten Haushalten und Unternehmen und gehen konform mit Unterkonsum und schwachen Investitionen in Deutschland. Die deutschen Nettoexportüberschüsse sind eben nicht nur Ergebnis von Export, sondern eben auch von Konsum und Investitionen im Inland.

Man muss kein Prophet sein, weitere Jahrzehnte exzessiver deutscher Exportüberschüsse werden diverse überschuldete Volkswirtschaften und die finanzierenden, intermediären Bankensysteme nicht überleben. Keine Volkswirtschaft der Welt, nicht mal die chinesische erzielt solch brachiale Überschüsse. Deshalb muss der Michel zwingend vorher aufwachen und seinen fairen Anteil an den Produktivitätsfortschritten und Exporterfolgen einfordern. Nur über steigende Löhne und damit Nachfrage in Deutschland werden auch die Investitionen der Unternehmen anspringen und nur so kann das schiefe deutsche Geschäftsmodell begradigt werden, eine Begradigung indessen Folge die Nettoexportüberschüsse und Nettokapitalexporte abschmelzen können und dies dann einen sinkenden Finanzierungsbedarf bei den Defizitländern auslösen wird. Dies ist nun aber bereits eine ganz andere Story, als wie sie bei SPON zu lesen war :)

Quelle Daten: Destatis.de/PDF Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 15. Januar 2014 in Berlin zur ersten BIP-Schätzung 2013, Genesis.destatis.de/Datenbank inkl. Finanzierungssaldo inländische Volkswirtschaft

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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31 KommentareKommentieren

  • RedMoe - 15. Januar 2014

    Sozialkassen im Plus, Staatshaushalt im Minus. Eigentlich müssten da mal Steuern erhöht und Sozialabgaben gesenkt werden. Das wäre doch mal was für unsere “den kleinen Mann entlasten”-Parteien.

  • Anders wählen - 15. Januar 2014

    “… Nur über steigende Löhne und damit Nachfrage in Deutschland …”

    Wie man sieht hat dies erst mit der Euroeinführung richtig begonnen. Vorher wertete die DM immer Mal auf und sorgte für Ausgleich und gleichzeitig für die “soziale Dividende” Karl Schillers. Hier liegt die Krux begraben.

    Massive Lohnerhöhungen bedeuten dahingegen massive Inflationierung, nichts was erstrebenswert wäre. Dann geht das Spiel in den €-Südstaaten wieder los, die ebenso nachziehen. Jedes Land braucht seine eigene Währung die seiner Leistungskraft entspricht!

    Wie H.-W. Sinn sagt, zu DM-Zeiten wagten sich die Investoren nicht heraus und investierten in D.

    • Querschuss - 15. Januar 2014

      das sich die Nettoexportüberschüsse erst seit der Währungsunion so aufschaukeln steht außer Frage, schließlich befeuert der für Deutschland stetig unterbewertete Euro die deutsche Exportwut. Aber solange die Währungsunion besteht, gibt es kein anderes Ventil als Lohnerhöhungen, um aus deutscher Sicht einen Beitrag zum Abbau der Ungleichgewichte zu leisten, nur mit ihnen könnten der Konsum in Deutschland und in Folge auch die Investitionen anziehen. Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist ja vor allem von den obersten 10% der privaten Haushalte und den Unternehmen, vor allem Großkonzernen getragen, ergo das Gegenstück der Nichtpartizipation der Masse an Arbeitnehmern in Deutschland.

      Klar mit einem Wechselkurs der nur Deutschlands wirtschaftliche Stärke reflektiert, wäre der Exportüberschuss längst gekappt.

      Sicher war es ökonomisch nicht vertretbar, aus heutiger Sicht sogar eindeutig kontraproduktiv, Griechenland, Portugal, selbst Italien, Spanien und auch Frankreich in eine Währung mit Deutschland zu pressen.

      Gruß Steffen

      • Auenland - 15. Januar 2014

        Lieber Steffen,

        “Sicher war es ökonomisch nicht vertretbar, aus heutiger Sicht sogar eindeutig kontraproduktiv, Griechenland, Portugal, selbst Italien, Spanien und auch Frankreich in eine Währung mit Deutschland zu pressen.”

        die Vernichtung der deutschen Währungshoheit war die Voraussetzung dafür, daß in Moskau die roten, und in NY und London die gelben Globalisten die Teilwiedervereinigung der zwei deutschen Verwaltungszonen überhaupt gestattet haben.

        Und der ehrwürdige Herr Barroso, seines Zeichens ehrwürdiger Bewunderer Maos mit dessen -zig Millionen Toten, hat erst gestern verkündet, daß die deutschen Sozialkassen der ganzen Welt gehören und er es sich verbitte, einen nationalen Chauvinismus einzuführen, wonach in Deutschland in erster Linie die Deutschen die das System bezahlen, davon profitieren sollen.

        Also auch hier bitte keine Krokodilstränen wegen “reinpressen” u.dgl. vergießen. Ihr wählt den Marxismus, ihr bekommt den Marxismus.

        • Querschuss - 15. Januar 2014

          Hallo Auenland,
          ich habe schon immer die Währungsunion kritisch gesehen und frühzeitig Artikel zu deren potentiellen Verwerfungen verfasst.

          In seit über 20 Jahren darbenden deutschen Reallöhnen, Millionen prekär Beschäftigten, Leiharbeit, Werksverträgen, exzessiven Exportüberschüssen, einer enorm ungleichen Verteilung bei den Einkommen und Vermögen und dem privatisieren von Gewinnen aus dem Finanzcasino und dem sozialisieren der Verluste kann ich wenig marxistisches sehen, aber es kommt sicher darauf an, wie man Marxismus definiert. Wenn für dich die GroKo und deren Vorgänger-Koaliationen Marxismus sind, dann hast du sicher recht :)

          Schon zu Anfangszeiten des Blogs 2007 gab es z.B. diesen Artikel:
          http://www.querschuesse.de/gefahr-fur-den-euro/

          Gruß Steffen

        • Juespre - 16. Januar 2014

          @Auenland

          Das heisst nicht Marxismus, sondern marktkonforme Demokratie, die hat mit Marxismus wenig zu tun. Anhängern der neoliberalen Einheitsfront ist das anscheinend nur schwer zu vermitteln.

  • Rolmag - 15. Januar 2014

    “Man muss kein Prophet sein, weitere Jahrzehnte exzessiver deutscher Exportüberschüsse werden diverse überschuldete Volkswirtschaften und die finanzierenden, intermediären Bankensysteme nicht überleben.”

    Bedenklich ist, dass der Sozialstaat auf diese exzessiven Exportüberschüsse und die entsprechenden Lohnsklavengeldmittel angewiesen ist.

    Und noch bedenklicher, dass bei denen, die sich dafür auf Arbeit den Arsch aufreißen praktisch nichts davon ankommt. 80% Produktionssteigerunbgs eit 200, der Einkommenzuwachs liegt unterhalb des Inflationsniveaus. Und ebenso bedenklich, dass sie vom Staat nur als Lohn-und Gehaltssklaven gehalten werden, deren einzige Existenzberechtigung darin besteht, die unendliche Geldgier der Politik zu befriedigen und 2500€ Mindestpension für Beamte zu erarbeiten. So gierig, dasss niemand verhindert, dass bei BMW Ingenieure in der F&E anfangen, für den halben Preis der deutschen Kollegen.

    Ich wünsche mir nun von ganzem Herzen, dass 50.000 hochausgebildete Journalisten aus Osteuropa nach Deutschland kommen für den halben Preis, das haben die Medien dann von ihrer Staatsarschkriecherei, viel gerechter ginge es kaum!

    • Auenland - 15. Januar 2014

      Rolmag,
      aber das Eigene wertzuschätzen, zuerst auf die eigenen Leute zu schauen (=Nationalismus) ist ja ganz schlecht, sagen die Globalisten und ihre politschauspielernden Erfüllungsgehilfen und das Stimmvieh glaubt es. Und das Stimmvieh wählt die dafür Verantwortlichen seit Jahrzehnten immer und immer wieder, mal murrt es und drängt zum einen bunten Plakat, dann ist es wieder enttäuscht und trottet zum anderen, aber erkennen, daß es die unterstützten müßte, welche dieses Regime am meisten hasst und verfolgt, dafür reicht der Grips halt doch nicht.

      Also geht es weiter in die totale Weltdiktatur der Hochfinanz, bis das Werkel einmal zusammenbricht. Wenn dann der Magen des Stimmviehs leer bleiben wird, dann wird es sich erst nach Alternativen umsehen. Bis dahin ist der volle Bauch, nur ja keine Aufregung, das Auto vor der Tür und ausreichend Dreck in der Glotze um nur ja keinen vernünftigen Gedanken zu fassen, viel wichtiger. Da können die eigenen Kinder zu Fremden im eigenen Land gemacht werden, nichteinmal das bewirkt ein eigenständiges Denken.

      Also bitte aufhören mit sochen Aussagen wie “die die sich den A… aufreißen”. Sklaven haben doch gar nichts anderes verdient.

      Also haltet brav euer Maul, macht euer Kreuzerl nur da, wo man es euch erlaubt und seid gute Demokraten.

      • Markt - 15. Januar 2014

        Glauben Sie tatsächlich, dass Sie an diesem System über das Wählen einer bestimmten Partei etwas ändern könnten?

        Nicht andere werden es für “uns” ändern, wir müssen etwas,vor allem aber jeder sich ändern.

        Parteien und damit sind ausnahmslos alle gemeint, die Erwähnung in den Medien finden,
        sind längst nur noch Lobbyisten von starken oder sehr starken globalen Interessen.

        Wer immer wieder auf immer neuen Politiker oder Parteien hofft, hat m.M. nach nichts,
        aber auch gar nichts verstanden und braucht auch keinen anderen den Pranger stellen.

        Menschen werden immer und überall gegeneinander ausgespielt zu Gunsten des Profits von ganz
        wenigen. Das ist ein Spiel oder eine Art abartiges Experiment.
        Und es funktioniert solange der Mob (und dazu gehören wir hier in deren Augen alle) den Frust über seine Hilflosigkeit an seinesgleichen ausläßt.

        Solange wir den Hungertod von vielen tausend Menschen am Tag in Kauf nehmen aber in extreme Wallung geraten wenn “unser” Bausparvertrag oder “unsere” LV in Gefahr zu geraten
        droht, haben wir alle, als Gesellschaft genau das verdient, was derzeit passiert. Denn wir sind keinen Deut, besser als die Mächtigen dieser Welt sondern, nur weniger einflussreich.

        Welchen Sinn macht es über und auf Sklaven zu schimpfen, wenn man selbst dazugehört?
        Macht einen dass zu einem “besseren Sklaven”?

    • Juespre - 16. Januar 2014

      Ich wusste ja gar nicht, dass BMW ein Staatsbetrieb ist.

  • Andres Müller - 15. Januar 2014

    Hallo Steffen, ich befürchte Ihr Artikel wird weder in der Regierung noch beim “Michel” verfangen. Letzterer wurde von Politik und Ökonomen über viele Jahre darauf abgerichtet die Vermögen der obersten “Nichtleistungskaste” zu vermehren.

    Der Wahnsinn nur noch die Vermögen der Superreichen anzuheizen geschieht mit vollen Rohren der westlichen Notenbanken. Die Notenbankpolitik und die Wirtschaftspolitik der westlichen Staaten generiert im Eilzugstempo eine Zweiklassengesellschaft und auch zweite Klasse -Nationen.

    Interessant dabei ist das selbst Menschen deren Lohn kaum zum Überleben reicht, Abends in der Kneipe für Sozialabbau und weniger Arbeitslosengeld Werbung betreiben.

    Es fehlt nun noch das man auf der Strasse von einer Bettlerin angesprochen wird die mit Zitaten von Margaret Thatcher und Ronald Reagan versucht “Kunden” für ihre Münzenschüssel anzulocken.

    • Querschuss - 15. Januar 2014

      Hallo Andreas Müller,
      keine Sorge, ich mache mir keine Illusionen das meine Artikel, präsentierten Daten und deren Interpretationen irgendwo verfangen. Ich schreibe einfach nur einen Blog, mit wachem, kritischen und faktischen Auge, für wenig Interessierte.

      Jeder Party-Veranstalter begeistert mehr Menschen :)

      Gruß Steffen

      • Häschen - 15. Januar 2014

        Mich begeistert das schon. Trockene Themen durchaus spritzig aufbereitet. Das volkswirtschaftliche Sparen ist halt attraktiv für eine begrenzte Anzahl. Wird vermutlich in Zukunft sogar gebraucht der Überschuss respektive dessen Rückforderung. Wobei ich nicht viel davon halte etwas zurückfordern zu müssen. Da hat man nicht immer die besten Karten …

  • Eurelios - 15. Januar 2014

    @Markt

    Solange wir den Hungertod von vielen tausend Menschen am Tag in Kauf nehmen aber in extreme Wallung geraten wenn “unser” Bausparvertrag oder “unsere” LV in Gefahr zu geraten
    droht, haben wir alle, als Gesellschaft genau das verdient, was derzeit passiert. Denn wir sind keinen Deut, besser als die Mächtigen dieser Welt sondern, nur weniger einflussreich.

    Danke für diesen Satz. Genauso ist es. Man sieht daran daß das derzeitige Geldsystem
    die Macht über die Menschen genommen hat und das seit es dies gibt
    egal ob arm oder reich.

    Es ist für mich nicht fassbar das die Zahlen 0 und die 1 mit dem Komma davor oder
    dahinter die menschliche Gemeinschaft so auseinander diffidiert das es immer wieder
    das gleiche passiert.
    Was ? Krieg und Frieden zwischen den Völkern und das immer wieder und wieder.

  • Kugen - 16. Januar 2014

    Sorry, die Gegenüberstellung Finanzierungssaldo Deutschland und Finanzierungssaldo Restwelt ist einfach nur trivial. Alleine ein Gegenüberstellung der 20 (oder so) Nationen mit den stärksten Finanzierungssalden mit Blick auf das Gesamtfinanzierungsvolumen kann ggfs weiterführende Erkenntnisse vermitteln.

    • Querschuss - 16. Januar 2014

      Hallo Kugen,
      “Sorry”?, ja VGR ist nun mal trivial, trotzdem wollen die meisten sie nicht verstehen bzw. ignorieren diese trivialen aber unerschütterlichen Zusammenhänge :) Der Finanzierungssaldo aller inländischer volkswirtschaftlicher Sektoren ist immer gleich dem Finanzierungssaldo der Übrigen Welt. Mittels dieser Trivialität lässt sich herrlich das schiefe Geschäftsmodell Deutschlands visualisieren und auch der Zeitpunkt des Beginns der Auswüchse genau veranschaulichen :)

      Den Finanzierungssaldo gibt es nur für die jeweiligen volkswirtschaftlichen Sektoren, private Haushalte, nichtfinanzielle Unternehmen, finanzielle Unternehmen, Staat und Übrige Welt.

      Insofern kann man keinen Finanzierungssaldo gegenüber einzelnen Ländern oder Ländergruppen gegenüberstellen, den gibt es schlicht nicht, demzufolge daraus auch keine weiterführende Erkenntnisse vermitteln. Ein triviales Faktum :)

      Bei Querschuesse wurde aber bereits in diversen Artikeln der deutsche Leistungsbilanzüberschuss gegenüber den Mitgliedern der Eurozone, Frankreich, den PIIGS, den USA und auch UK in Charts als lange Reihe gegenübergestellt, das geht, denn dafür gibt es bei der BUBA detaillierte Datenreihen auf Quartalsbasis.

      Im Gegensatz zum Mainstream, wo nur über den Finanzierungssaldo des Staates von -1,87 Mrd. Euro für 2013 berichtet wurde, halte ich die Erkenntnis, dass alles inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren einen Finanzierungsüberschuss von +190,84 Mrd. Euro erzielten für weiterführend.

      Aber klar, ob dies eine erweiterte Sicht bedeutet, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein.

      Gruß Steffen

      • Häschen - 16. Januar 2014

        @Herr Steffen. Ist es an sich geplant, dass eine Volkswirtschaft so wie die deutsche die Finanzierung in anderen Volkswirtschaften selbst bereitstellt oder handelt es sich dabei um die konseqente Anwendung von ‘bewährten’ Praktiken gegenüber Wirtschaftsräumen mit niedrigerem Preisniveau. Im letzteren Fall ist schon klar, von nichts kommt nichts und ohne Geld keine Musik.

        • Querschuss - 16. Januar 2014

          Hallo Häschen,
          der Punkt ist nicht der, dass die deutsche Volkswirtschaft anderen Volkswirtschaften keine Finanzierungen geben sollte, nur in dieser Dimension, als chronisch anschwellenden Strom ist es ein Problem, da ja den exzessiven Nettokapitalexporten von nahezu akkumulierten 2000 Mrd. Euro keine adäquaten werthaltigen Vermögensgegenstände gegenübergestellt werden können, noch eine adäquate Kreditnehmerqualität besteht, noch in dieser Dimension realwirtschaftliche Gegenleistung zurückfließen wird.

          Auf der anderen Seite stehen Nettoexportüberschüsse und Nettokapitalexporte in dieser Dimension für Unterkonsum und Unterinvestition in Deutschland und dementsprechend für eine enorme gesamtwirtschaftliche Ersparnis, welche abzüglich der im Inland geleisteten Investitionen den Finanzierungssaldo der deutschen Volkswirtschaft darstellt.

          Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist gleich dem verfügbaren Einkommen minus dem privaten Konsum minus dem Staatsverbrauch:

          S = Y – C – G

          Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist wiederum gleich den Investitionen plus den Nettoexporten in einer offenen Volkswirtschaft:

          S = I + NX

          Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist aber auch:

          S = I + NFI (Nettoauslandsinvestitionen)

          Daraus folgt:

          NX = NFI = S – I

          Wenn hinter permanenten Nettoexportüberschüssen und Nettoauslandsinvestitionen ein Plan stehen sollte, wäre es ein verdammt dummer, der langfristig der deutschen Volkswirtschaft schadet und nicht nutzt :)

          Das ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht grundsätzlich ein kluger Plan ist, wusste man schon 1967, siehe Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft (StabG):
          “Bund und Länder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Maßnahmen sind so zu treffen, daß sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen.”
          Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/stabg/BJNR005820967.html

          Noch das Grundgesetz:
          “(2) Bund und Länder erfüllen gemeinsam die Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland aus Rechtsakten der Europäischen Gemeinschaft auf Grund des Artikels 104 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft zur Einhaltung der Haushaltsdisziplin und tragen in diesem Rahmen den Erfordernissen des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts Rechnung.”
          Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_109.html

          Magisches Viereck:
          http://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Viereck

          Gruß Steffen

          • Häschen - 16. Januar 2014

            Besten Dank. Ich habe auf einem anderen Blog, der ist stark auf U.K. focusiert, ob der Herkunft der Schreiberin, bereits diese Einführung genau zu dem Thema genossen und ich selbst war sehr erstaunt wie begrenzt letztendlich der Spielraum für unbalancierten Handel sei es im Binnenmarkt Europa oder der Welt begrenzt ist. Den Punkt übersieht man, besonders wenn man neu in dieses Thema einsteigt. Aber diese Darstellung ist nie redundant.

            Man hungert sich zuerst die Optimierungspotentiale von morgen vom Gerippe. Die Innovation in Deutschland zu dem Thema ist der Gürtel der sich nur enger schnallen lässt.

            Das kann man als Einzelner, so wie ich, auch ein wenig dem Alter geschuldet, mal wieder die Kosten raushungern damit wieder Reserven da sind. Trotzdem sollte man seinen Kunden nicht großzügige Zahlungskonditionen einräumen, damit die sie letztendlich vom im Haus geschaffenen Potential sich ein schönes Leben machen oder ihnen noch das Geld überweisen, das den eigen Umsatz begründet.

            So in etwa stellt sich ja die Lage aus Sicht der Deutschen Volkswirtschaft dar.

            Korrekt an sich – dass Mittel letztendlich konsumiert werden und nicht investiert, das ist auf jeden Fall ein harter Rückschlag und eine besonders unangenehmer Beigeschmack. Das Geld ist weg. Selbst wenn es in Mitteleuropa auf dem Papier noch als Zahl steht es ist nicht mehr da.

            Dieser Moment der Wahrheit wird versucht rauszuzögern. Danke für jede Info.

  • Kaeufer - 16. Januar 2014

    Lieber Steffen,

    Du sagst “da ja den exzessiven Nettokapitalexporten von nahezu akkumulierten 2000 Mrd. Euro keine adäquaten werthaltigen Vermögensgegenstände gegenübergestellt werden können, noch eine adäquate Kreditnehmerqualität besteht, noch in dieser Dimension realwirtschaftliche Gegenleistung zurückfließen wird.”

    Was passiert eigentlich, wenn z.B. ein Grieche ein deutsches Exportgut mit einer Euro-Überweisung bezahlt? Der “Nettokapitalexport” besteht darin, dass ein deutscher Exporteur Euros auf seinem Konto hat. Früher wäre es ein Devisenzufluss in Drachmen gewesen, aber die gibt es nicht mehr. Die Zahlungsbilanz ist insofern ein wenig irreführend. Der “Export” mit “Kapitalexport” ist ein vielen Fällen ein Export gegen den Zuluss eines (ausländischen?) “Wertpapiers” namens Euro. Das Gleiche passiert aber auch bei einem inländischen Verkauf.

    Ziehen wir in Gedanken mal eine Staatsgrenze um die kleine Stadt Wolfsburg. Sie würde dann VWs im Wert von Milliarden exportieren und dafür riesige “Kapitalzuflüsse” in Form von Euros bekommen. Wo liegt das Problem?

    Dennoch stimme ich Dir zu. Das Problem liegt möglicherweise darin, dass Deutschland mit seinen Exportüberschüssen wie ein Staubsauger die Euros in der Eurozone aufsaugt. die es zuvor z.T. als Hilfskredite (ESM) ausgegeben hat oder – soweit die Importstaaten ihre Käufe durch andere Schulden finanziert haben – noch ausgeben wird, wenn diese Staaten “gerettet” werden müssen.

    Für den Teil der Exporte, der nicht in die Eurozone geht (ca. 60%) stimmt allerdings die klassische Betrachtungsweise noch.

    Viele Grüße
    K.

    • Querschuss - 16. Januar 2014

      Hallo Käufer,
      der deutsche Nettokapitalexport besteht ja nicht darin, dass der deutsche Exporteur Euro auf seinem Konto erhält. Wenn dann ist dies nur das faktische Endergebnis von dem deutschen Waren- und Nettokapitalexporten, von einem deutschen Nettokapitalexport der es der “Defizitökonomie” erst ermöglicht den Import deutscher Waren zu bezahlen.

      Grenzüberschreitender Zahlungsverkehr wird immer via Zentralbankgeld durchgeführt (auch Bargeld (Banknoten und Münzen sind Zentralbankgeld)). Dafür benötigt die den Zahlungsauftrag ausführende Bank ein Guthabenkonto bei der heimischen Zentralbank. Hat ein Land ein Leistungsbilanzdefizit fließt mehr Zentralbankgeld ab, als rein kommt, es muss also zwingend privater Kapitalimport (Zentralbankgeld/Devisen) aus dem Ausland (für Unternehmensbeteiligungen, Wertpapiere, Portfolioinvestitionen, Kredite) fließen. Ansonsten schmelzen die Währungsreserven ab und eine offensichtliche Zahlungsbilanzkrise droht.

      Innerhalb der Eurozone übernimmt die Funktion der Währungsreserven, die ja nicht nötig ist, da eine gemeinsame Währung vorliegt, der Target2 Saldo, also fließt den Griechen mehr Zentralbankgeld ab als zu, steigt ihre Target-Verbindlichkeit gegenüber der EZB, respektive die deutsche Target2 Forderung gegenüber der EZB, faktisch aber eine Forderung gegenüber Griechenland.

      Ob deutsche private Kapitalexporte oder Target2 Forderungen gegenüber den Eurozonenländern, nur diese sichern bei einem Nettoexportüberschuss, dass der deutsche Exporteur für seine gelieferte Ware in ein Eurozonenland den Euro erhält (gutgeschrieben).

      Nicht anderes gilt im Prinzip für das Nichteurozonen-Ausland, haben diese eine Leistungsbilanzdefizit gegenüber Deutschland, muss deutsches privates Kapital exportiert werden, entspricht der deutsche Kapitalexport nicht dem Leistungsbilanzdefizit der anderen, blähen die Währungsreserven bei der BUBA auf, siehe China.

      Für die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes gilt, egal ob Forderungen aus privaten Nettokapitalexport, Target2 Forderungen oder Währungsreserven, sie alle zusammen, stellen im weitesten Sinne Forderungen gegenüber dem Ausland dar, welche letztlich nicht vollumfänglich erfüllt werden können. Denn sie sind ja Ergebnis der deutschen Leistungsfähigkeit respektive des eigenen unter den Verhältnissen Lebens (Konsum/Investition). Die deutschen Nettoexportüberschüsse sind die chronischen Defizite der anderen, deren permanente realwirtschaftliche Underperformance die Befriedigung deutscher Forderungen gar nicht hergibt, erst recht nicht, wenn deutsche Leistungsbilanzüberschüsse auch in die Zukunft fortgeführt werden.

      Private Nettokapitalexporte, Target2 Forderungen und Währungsreserven bilden in der Periodenbetrachtung als Stromgrößen auch das deutsche Nettoauslandsvermögen, dessen tatsächliche Höhe auch noch von der Entwicklung des Bestandes beeinflusst wird. Je mehr Nettokapitalexporte also chronisch fließen umso zwingender/normaler eine miese Entwicklung des Bestandes.

      Selbst zu meinen, dass man es verstanden hat und die meisten Daten richtig interpretieren kann, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man es richtig erklärt bzw. so, dass alle Mitleser es nachvollziehen können, das gilt auch für mich.

      Ich hoffe man kann mit meinen Kommentar etwas anfangen. Klar auch dieser streift nur im Ansatz eine komplexe Materie. Eine Zahlungsbilanz, die Funktion von Zentralbankgeld, das Target-Zahlungssystem usw. sind nicht in ein paar Sätzen beschrieben. Ob verständlich beschrieben bleibt auch bei ellenlangen Abhandlungen meist die offene Frage :)

      Gruß Steffen

  • Kaeufer - 16. Januar 2014

    Lieber Steffen,

    vielen Dank für die vielen Erläuterungen. Diese Punkte sind außerordentlich wichtig und führen zu der Target2-Debatte, die mittlerweile etliche wissenschaftliche Artikel und sogar Bücher umfasst.

    Die Stärke dieses Blogs ist es, die Dinge einfach und klar darzustellen, was ich sehr schätze. Dafür ist jedoch auch Präzision erforderlich. Daher hake ich in einem Punkt nach:

    Nicht jede grenzüberschreitende Geldtransaktion verändert den Target-Saldo. Daher verweist Du vermutlich auch auf das Bargeld. Ein Grieche kann einen VW auch einfach mit Euro-Bargeld bezahlen.

    Das Risiko dieses Euro-bargelds ist eine Frage der Bonität der EZB.

    Auch die Target-Salden saldieren sich zu null. Lösen wir sie in Gedanken einfach einmal auf. Was passiert? Nichts.

    Daher hatte der zurückgetretene EZB Volkswirt Stark zurecht gesagt: Das Risiko der “Targetforderung” ist das der währungspolitischen Instrumente,d.h. der Sicherheiten des EZB-Systems. Nur auf diese kommt es für diejenigen an, die Eurobestände halten,

    Viele Grüße
    K.

    • Querschuss - 16. Januar 2014

      Hallo Käufer,
      ja die Summe aller Target2 Forderungen und Verbindlichkeiten in der Eurozone ist Null, nur das ist die Summe aller Leistungsbilanzüberschüsse/defizite in der Welt auch. Dies hilft aber nicht weiter um die Risiken der deutschen Nettoexportüberschüsse/Nettokapitalexporte zu beschreiben.

      Ich bezweifele mal, dass Autokäufe in der Regel bar bezahlt werden, aber gut, der Grieche muss das Bargeld ja irgendwo her haben, in der Regel von der Bank oder der von dem er es hat, hat es von der Bank :)

      Die griechische Bank muss diese Banknoten (Zentralbankgeld) also von der Zentralbank haben. In der Regel wird das Zentralbankguthaben der Bank belastet und die Banknoten an die Bank geliefert.

      Letztlich die selbe Grundlage wie beim Zahlungssystem Target, die Bank muss ein Guthaben mit Zentralbankgeld haben, hat sie es nicht muss die Bank bei ihrer Zentralbank einen Zentralbankkredit aufnehmen.

      Zurück zu den Banknoten, diese sind nach einem bestimmten Schlüssel innerhalb der Eurozone verteilt. Wenn die griechiche Notenbank über diese Schlüssel hinaus Banknoten herausgibt, entsteht auch hier wieder eine Verbindlichkeit der griechischen Zentralbank aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs innerhalb des Eurosystem gegenüber der EZB. Ähnlich wie bei einer Taget2 Verbindlichkeit.

      Gruß Steffen

  • Häschen - 16. Januar 2014

    Lieber Steffen,

    Eine Frage brennt mir unter den Fingernägeln. Die kann man vermutlich leicht beantworten ist mir aber so nicht ganz klar. Ist eine Staatsanleihe Geld. Ist Staatsverschuldung = Geld sprich Zentralbankgeld? Oder ist die Indirektion über eine ‘Großbank’ ein Weg mit weniger Zentralbankgeld auszukommen und als Kredit zu sehen. Dann wäre ja aus Sicht von Zentralbankgeld ein direkter Kauf einer Staatsanleihe 100mal brandgefährlicher im EURO Raum als eine Staatsanleihe über sei es einen der ‘Primary Reseller’ ala DB oder UBS.

    • Querschuss - 16. Januar 2014

      Hallo Häschen,
      Zentralbankgeld ist nur das von der Zentralbank geschaffene Geld. Also der gesamte Bestand an umlaufenden Banknoten und Münzen sowie die Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank (Zentralbankgeldguthaben aus Mindestreserve, Einlagen in den Current Accounts (Sichtguthaben bei der Zentralbank) und der Einlagefazilität)).

      Staatsanleihen sind kein Zentralbankgeld, sondern Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand (Staat). Faktisch ist es für eine Bank aber kein Problem Staatsanleihen als Sicherheit für einen Zentralbankkredit zu hinterlegen und damit an Zentralbankgeld zu gelangen, was dann dem Zentralbankgeldkonto (Current Account) der entsprechenden Bank gutgeschrieben wird.

      Gruß Steffen

      • Häschen - 17. Januar 2014

        Danke. Sehr kompakt zusammengefasst. Super.

  • Bubblegum - 17. Januar 2014

    @Steffen

    “Staatsanleihen sind kein Zentralbankgeld, sondern Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand (Staat). Faktisch ist es für eine Bank aber kein Problem Staatsanleihen als Sicherheit für einen Zentralbankkredit zu hinterlegen und damit an Zentralbankgeld zu gelangen, was dann dem Zentralbankgeldkonto (Current Account) der entsprechenden Bank gutgeschrieben wird.”

    Bitte jetzt nicht mißverstehen und meine Aussagen als Kritik interpretieren. Ihre Aussagen betreffen nur noch die “gute alte Zeit” des Geldwesens. Als die “Finanzingenieuere” der Mulitnationalen Banken
    noch nicht hergegangen waren und diese Anleihen strippten, d.h. aufspalteten in die am Tage x vom Staat zu zahlende Rückzahlungssumme und den Barwert der erwarteten Zahlungsströme aus den Zinseinnahmen. Diese dann mit ähnlichen Zahlungsforderungen zu einem neuen derivatähnlichen WP (CDO etc.) verpackten, diese 2 “neuen” WP mit einem pseudoseriösen Rating ettiketierten, es weiterverkauften und damit Fiat-Geld schufen.
    Viele Grüße Bubblegum

  • Gratislogin1 - 17. Januar 2014

    Ist doch klar je mehr BRD spart desto werthaltiger wird der Euro, desto mehr Schuldenorgie können sich die PIGSF leisten, desto reicher werden die PIGSF, während BRD defacto “verarmt” (Inflation PIGSF vs.BRD). Wovon sollen denn die PIGS ihre Schulden begleichen? Durch Tomaten, Olivenöl und leerstehende Immobilien???
    Warum die BRD Medien diese Versails Propaganda mitspielen und Politiker die BRD Hausfrauen narren müssen, mit Sprüchen “BRD ist der große Gewinner des Euro” ist leider Thema anderer Blogs.

  • Kaeufer - 17. Januar 2014

    Lieber Steffen,

    29 Kommentare, die Finanzierungsthemen scheinen auf großes Interesse zu stoßen. Um festzustellen, ob wir überhaupt auseinander liegen formuliere ich hier noch einmal eine konkrete These:

    Durch die Einführung des Euro ist die Möglichkeit des “Nettokapitalexportes” durch Entgegennahme von Euro entstanden. Vorher mussten bei Exporten in Weichwährungsländer Weichwährungen entgegengenommen werden und (am Devisenmarkt) in die heimische Währung (DM) getauscht werden. Durch den Angebotsdruck am Devisenmarkt wurde die Weichwährung dann noch weicher, so dass den Exporteuren auch die Lust am Exportieren vergehen konnte.

    Dieses Korrektiv gibt es für Exporte in die Eurozone nun nicht mehr. Allerdings müssen sich die Importländer nun irgendwie Euros besorgen. Dazu dienten zunächst Euroschulden. Als diese nicht mehr bedient werden konnten, wurden “Rettungsschirme” gegründet, aus denen ebenfalls Euros fließen.

    Die von Dir formulierte klassische Sichtweise der Nettokapitalexporte sollte für die Eurozone um diesen Aspekt erweitert werden.

    Viele Grüße
    K.

    • Querschuss - 17. Januar 2014

      Hallo Kaufer,
      mal unabhängig davon, dass mein Begehren nicht ist Meinungsunterschiede herauszuarbeiten oder abzugleichen, sondern Entwicklungen darzustellen und Sachverhalte, eine Antwort. Im Prinzip liegen wir beieinander, nur die Formulierung halte ich für nicht gelungen “Durch die Einführung des Euro ist die Möglichkeit des “Nettokapitalexportes” durch Entgegennahme von Euro entstanden.”

      Die Währungsunion hat zu Zinskonvergenz geführt, die Südperipherie kam in den Genuss niedriger Zinsen und leitete zügig eine Kreditexpansion ein. Viele Schuldtitel, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, sicher auch Wertpapiere und Aktien fanden regen Zuspruch auch von deutschen Kapitalexporteuren, insbesondere auch das deutsche Bankensystem vergab in ordentlichen Dimensionen Kredite, an Banken der Südperipherie und Irland.

      Die Kreditexpansion mündete vor allem im Konsum auf Kredit und in ein Anfeuern von Immobilienblasen. Deutsche Unternehmen exportierten Waren und Güter wie Bolle. Für Deutschland war und ist der Euro unterbewertet und für die PIGS war und ist er total überbewertet. Ungleichgewichte im Handel und in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hatten kein Ventil und mussten sich unter dem Euro-Korsett fast zwangsläufig hochschaukeln.

      Die Folgen hast du gut beschrieben, Überschuldung, Rettungsschirme usw. Ansonsten ist dies aber auch bereits der Blick ein wenig zurück, denn aktuell gibt es fast keinen Nettoexport mehr in die PIGS, auch wenig Nettokapitalexport. Der Konsum auf Kredit ist zusammengebrochen, primär Importschrumpfung haben sogar die Leistungsbilanzen zu Deutschland ins Gleichgewicht gebracht. In Q3 2013 erzielte Deutschland gegenüber Portugal, Italien, Griechenland und Spanien zusammen nur noch einen Überschuss von +1,624 Mrd. Euro, zum Hoch in Q1 2008 waren es +16,371 Mrd. Euro, also das zehnfache! Gegenüber Italien und Griechenland wurde in Q3 2013 sogar ein kleines Leistungsbilanzdefizit erzielt.

      Die Welt dreht sich also längst weiter, der aktuelle Blick sind Nettoexportüberschüsse und Nettokapitalexporte vor allem in die USA, UK und asiatischen Volkswirtschaften. Die deutsche Exportwut hat die ausgelutschten Volkswirtschaften der Südperipherie längst ausgetauscht gegen noch verschuldungsfähigere. Ist aber bereits alles in diversen Artikeln dokumentiert worden.

      Gruß Steffen

  • Kaeufer - 18. Januar 2014

    Ich fand unsere Diskussion sehr hilfreich, danke. These, Antithese und Synthese, m.E. Ein guter Weg zum Erkenntnisfortschritt.