Deutschland: Nettoauslandsvermögen bei +1324 Mrd. Euro

von am 5. April 2014 in Allgemein

Die Deutsche Bundesbank veröffentlichte gestern in der Datenbank die Net International Investment Position (NIIP) für die Bundesrepublik Deutschland, den Auslandsvermögensstatus aller Sektoren der deutschen Volkswirtschaft für das 4. Quartal 2013. Das deutsche Nettoauslandsvermögen erklomm im 4. Quartal 2013 ein neues Rekordvolumen mit +1323,575 Mrd. Euro. Dies entspricht +48,3% des nominalen BIPs. Dieses, auf den ersten Blick enorme Nettoauslandsvermögen, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich im Bestand permanent Bewertungsverluste manifestieren, sprich die erzielten Leistungsbilanzüberschüsse und damit respektive die getätigten Nettokapitalexporte implizieren ein viel höheres Nettoauslandsvermögen, als es sich tatsächlich per Ultimo darstellt.

Das NIIP reflektiert den Saldo der Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten und damit den Vermögensstatus aller Sektoren einer Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland und weist ein Nettoauslandsvermögen oder eben auch Nettoauslandsschulden aus. Die Veränderungen des Saldo resultieren aus der Leistungsbilanz respektive der Kapitalbilanz als entsprechende Stromgröße. Die stetigen deutschen Nettokapitalexporte schaffen Nettoauslandsvermögen, aber die Höhe dieser Bestandsgröße wird auch beeinflusst von der Wertentwicklung der finanziellen Vermögenswerte im Ausland und der finanziellen Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern in Deutschland.

Der Auslandsvermögensstatus (NIIP) ist eine Bestandsstatistik, die ausgewiesenen Bestände sind jeweils zu Marktpreisen zum Ultimo der jeweiligen Berichtsperiode (Quartalsende/Jahresende) bewertet. Das NIIP ist eine Sekundärstatistik, die auf Bestandsangaben aus diversen Primärstatistiken zurückgreift, so der Auslandsposition der Zentralbank, dem Auslandsstatus von Banken und Nichtbanken (Bankenstatistik), der Depotstatistik (für Wertpapiere/Zertifikate, Aktien usw.), sowie der Zahlungsbilanz und weiterer Statistiken. Der Auslandsvermögensstatus ist ein wichtiger statistischer Indikator für die Außenwirtschaft innerhalb des „Special Data Dissemination Standard” (SDDS) des IWF und dieser Standard gibt auch das methodische, konzeptionelle und institutionelle Rahmengerüst für die Ermittlung des Auslandsvermögensstatus vor.

Zu den Daten:

1aDie Entwicklung des Vermögensstatus (NIIP) Deutschlands von 1950 bis 2003 auf Jahresbasis und von Q1 2004 bis Q4 2013 auf Quartalsbasis in Mrd. Euro im Chart. In Q4 2013 stieg das Nettoauslandsvermögen auf ein neues Allzeithoch mit +1323,575 Mrd. Euro, nach +1270,148 Mrd. Euro im Vorquartal und nach +1107,211 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.

Das NIIP setzt sich zusammen aus dem Vermögensstatus aller Sektoren der Volkswirtschaft, so der öffentlichen Haushalte (Q4 2013: -966,793 Mrd. Euro), von privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen (Q4 2013: +1332,632 Mrd. Euro), den Monetary Financial Institutions (MFIs – finanziellen Unternehmen/ Q4 2013:+293,209 Mrd. Euro) und der Deutschen Bundesbank (BUBA) aus Sonstigen Anlagen (Q4 2013: +520,733 Mrd. Euro, darunter der positive Target2 Saldo) und aus den Währungsreserven (Q4 2013: +143,753 Mrd. Euro).

1aDie Entwicklung des Nettoauslandsvermögens der einzelnen volkswirtschaftlichen Sektoren in Mrd. Euro seit 1950 bis 2013 im Chart.

Mindestens zwei Dinge sind besonders erwähnenswert, die Nettoauslandsposition der Banken steigt wieder und im Umkehrschluss sinken die Sonstigen Anlagen der BUBA, darin enthalten primär der sinkende Target2 Saldo.

1aDie Entwicklung des Auslandsvermögensstatus der deutschen MFIs von Q1 2004 bis Q4 2013 in Mrd. Euro im Chart. In Q4 2013 stieg der Saldo aller Forderungen und Verbindlichkeiten des deutschen Bankensystems weiter ins Positive, auf +293,209 Mrd. Euro, nach +203,849 Mrd. Euro im Vorquartal und nach +113,863 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.

Durch den Rückzug der Banken insbesondere aus der Finanzierung der Südperipherie der Eurozone und Irlands im Zuge der Krise wurden die Risiken per Saldo komplett abgebaut und die deutschen MFIs mutierten sogar zum Nettoauslandsschuldner. Seit sechs Quartalen beginnt nun wieder ein dynamischer Aufbau von Forderungen der deutschen Banken gegenüber dem Ausland, auf +293,209 Mrd. Euro.

Die Deutsche Bundesbank steuert in das Nettoauslandsvermögen Deutschlands die Sonstigen Anlagen (+520,773 Mrd. Euro Mrd. Euro) bei, darin primär enthalten die Target2 Forderung (+510,201 Mrd. Euro) und die Währungsreserven (+143,753 Mrd. Euro):

1aDie Entwicklung des Auslandsvermögensstatus der BUBA aus den Sonstigen Anlagen (inklusive Target2 Saldo) von Q1 2004 bis Q4 2013 in Mrd. Euro im Chart. In Q4 2013 sank das Nettoauslandsvermögen aus den Sonstigen Anlagen der BUBA auf +520,733 Mrd. Euro, nach +574,244 Mrd. Euro im Vorquartal und nach +625,876 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.

Der Anstieg der private Forderungen (Banken) geht einher mit dem Abbau der Target2 Forderung.

Der zweite Posten der BUBA, welcher in das NIIP einfließt, sind die Währungsreserven:

1aDie Entwicklung des Auslandsvermögensstatus der BUBA aus den Währungsreserven von Q1 2004 bis Q4 2013 in Mrd. Euro im Chart. In Q4 2013 sank das Auslandsvermögen aus den Währungsreserven der BUBA auf +143,753 Mrd. Euro, nach +156,452 Mrd. Euro im Vorquartal und nach +188,630 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.

Trotz brutaler deutscher Exportüberschüsse auch gegenüber der Nicht-Eurozone sinken die Währungsreserven. Dies bedeutet, die deutschen Nettokapitalexporte in die Nicht-Eurozone waren noch höher als die Leistungsbilanzüberschüsse. Wie wild wird Kapital exportiert, während in Deutschland zu wenig investiert und konsumiert wird. Die deutsche Volkswirtschaft spart lieber (siehe Finanzierungssaldo der inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren) und exportiert diese Ersparnis ins Ausland.

1aDie Entwicklung des Auslandsvermögensstatus der privaten Haushalte und der nichtfinanziellen Unternehmen von Q1 2004 bis Q4 2013 in Mrd. Euro im Chart. In Q4 2013 stieg das Nettoauslandsvermögen der privaten Haushalte und der nichtfinanziellen Unternehmen auf +1332,632 Mrd. Euro, nach +1328,563 Mrd. Euro im Vorquartal und nach +1233,407 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.

1aDie Entwicklung des Auslandsvermögensstatus der öffentlichen Haushalte von Q1 2004 bis Q4 2013 in Mrd. Euro im Chart. In Q4 2013 sanken die Nettoauslandsschulden der öffentlichen Haushalte auf -966,793 Mrd. Euro, nach -992,961 Mrd. Euro im Vorquartal und nach -1054,565 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Hinter diesen Verbindlichkeiten des Staates gegenüber dem Ausland, spiegelt sich primär nichts anderes, als die ausländischen Halter von deutschen Staatsanleihen.

Ungebrochen dokumentiert das Nettoauslandsvermögen aller volkswirtschaftlichen Sektoren, von in der Summe +1323,575 Mrd. Euro, auf der einen Seite die Stärke der deutschen Volkswirtschaft, die sich vor allem aus den permanenten Leistungsbilanzüberschüssen speist, aber zugleich auch die Schwäche des einseitigen Exportmodells, denn es bauen sich nicht nur riesige weltwirtschaftliche Ungleichgewichte auf, sondern auch viele erworbene nicht nachhaltige finanzielle Forderungen aus den Nettokapitalexporten.

Die permanenten Leistungsbilanzüberschüsse bilden via den Nettokapitalexporten Nettoauslandsvermögen.

1aDie Entwicklung der kumulierten Leistungsbilanz (blau) und der kumulierten Kapitalbilanz (rot) seit Januar 1971 bis Dezember 2013 im Chart. Der kumulierte Leistungsbilanzüberschuss betrug +1729,192 Mrd. Euro. Die Nettokapitalexporte kumulierten sich sogar auf -2031,314 Mrd. Euro, als akkumulierte Stromgröße in das Nettoauslandsvermögen. Erst seit 2002/03 gestalten sich die Exzesse in der Überschusswut.

Zugleich sind die Leistungsbilanzüberschüsse bzw. der Nettokapitalexport aus Deutschland deutlich höher, als es das Nettoauslandsvermögen implizieren würde. Dies bedeutet letztlich, dass sich über den Auslandsvermögensstatus stetige Bestandsverluste dokumentieren, ein beachtenswerter Teil des Gegenwertes der gelieferten Waren und Güter wurde bereits faktisch über Unternehmensbeteiligungen, Finanzanlagen und Kredite verloren und weitere fragwürdige Assets harren im ausgewiesenen Bestand künftigen Bewertungskorrekturen.

1aDie Entwicklung von Nettokapitalexporten (blau/ kumulierte Stromgröße) und des ausgewiesenen Nettoauslandsvermögens (Bestand) seit 1971 bis 2013 im Chart. Während sich die Nettokapitalexporte 2013 auf 2031,314 Mrd. Euro akkumulierten, betrug der bewertete Bestand an Nettoauslandsvermögen aller Sektoren der deutschen Volkswirtschaft 1323,575 Mrd. Euro. Es manifestiert sich ein Gap von -707,740 Mrd. Euro, welches im Finanzmarktcasino oder via abgeschriebener Kredite verlustig gingen.

Nur seit Ende 2002 bis 2013 wurden akkumuliert unglaubliche 1803,312 Mrd. Euro an Kapital aus Deutschland exportiert, aber das Nettoauslandsvermögen nahm per Saldo “nur” um 1215,191 Mrd. Euro zu.

Auf der anderen Seite der permanenten Nettoexporterfolge, vor allem seit 2002, zeigt sich in Deutschland eine in Teilen vergammelte Infrastruktur, investitionsbedürftige Straßen, Brücken, Schienen und Schulen, aber auch wichtige Investitionen in Sachanlagen, vor allem in Ausrüstungen der Industrie, unterblieben. Es besteht ein zwingender Zusammenhang, denn die Unterinvestition, wie auch der Unterkonsum in Deutschland sind die andere Seite von Nettoexportüberschüssen und Nettoauslandsinvestitionen.

Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist gleich dem verfügbaren Einkommen minus dem privaten Konsum minus dem Staatsverbrauch:
S = Y – C – G

Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist wiederum gleich den Investitionen plus den Nettoexporten in einer offenen Volkswirtschaft:
S = I + NX

Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist aber auch:
S = I + NFI (Nettoauslandsinvestitionen)

Daraus folgt:
NX = NFI = S – I

Eine echte Überraschung liefert ein Bericht der Europäischen Kommission, der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen und deren Wirtschaftsanalyse im Rahmen des Verfahrens bei einem makroökonomischen Ungleichgewicht (VMU). Die wesentlichen Schlussfolgerungen und Ergebnisse dieser ausführlichen, detaillierten und umfangreichen Analyse (130 Seiten, erstellt von mehr als zwei Dutzend Mitarbeitern) stehen zum übergroßen Teil in Einklang mit den Analysen, Charts und Argumentationen bei Querschuesse, erstellt in vielen einzelnen Artikeln über Monate und Jahre hinweg. ….Es ist eben nicht so, dass in einzelnen Institutionen kein Sachverstand herrscht und man nicht in der Lage wäre, aus dem vorhandenen Datenmaterial die richtigen Schlüsse zu ziehen! Das Problem ist eher, dass solche Analysen nicht den Weg in eine breite Öffentlichkeit finden und das vor allem kein adäquates Handeln entsteht, welches im Abbau der Ungleichgewichte mündet. Die PDF der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen ist inhaltlich eine schöne Bestätigung der bisherigen Analysen bei Querschuesse.

Die PDF: Ec.europa.eu/Europäische Kommission Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen: Makroökonomische Ungleichgewichte – Deutschland 2014

Unbedingt Seite 8 bis 13 lesen “ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN” und Seite 82 bis 86 “ANATOMIE DER GRENZÜBERSCHREITENDEN FINANZIERUNGSSTRÖME DEUTSCHLANDS” (auch zum NIIP und den hier im Artikel dargelegten Zusammenhängen)

Quelle Daten: Bundesbank.de/Zeitreihen Vermögensstatus der Bundesrepublik Gesamtübersicht

die letzten Querschuesse zum Themenkomplex im weitesten Sinne:
Deutschland: Finanzierungssaldo Q4 2013
Deutschland: Leistungsbilanz zu diversen Ländern 
Deutschland: Anzeichen einer deindustrialisierten Zone?
Deutschland: BIP-Daten Q4 2013
Deutschland: Arbeitsmarktbericht Februar
Deutschland: Zahlungsbilanz Dezember und Jahr 2013 
Deutschland: phänomenaler Boom? 
Deutschland: “Reallohn-Hausse”

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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52 KommentareKommentieren

  • Gratislogin1 - 5. April 2014

    Genau auf diesen Artikel habe ich gewartet. Danke. Derart fundiertes ist bei SPON und Konsorten sicherlich nicht zu finden.
    ” Seit sechs Quartalen beginnt nun wieder ein dynamischer Aufbau von Forderungen der deutschen Banken gegenüber dem Ausland, auf +293,209 Mrd. Euro”

    Da kommen die ominösen Zinsdrücker und somit Finanziers der wundersamen PIGS Erholung also her! Spanische Staatsanleihen (10j) rentieren noch so um die 3%. Ein nettes Geschäft der PIGS Banken die Anleihen bei 5-6% kauften und nun satte Gewinne einfahren dürften. Bleibt die Frage welchen Gewinn erzielen den die BRD Banken??? Vermuttlich ist es stupid money man kennt das ja aus der Finanzkrise wo BRD Banken sich bereits als Geldvernichtungsmaschine bewährten.

  • Eurelios - 5. April 2014

    Danke für diesen sehr guten inforeichen Artikel. Auch für den Link (Ec. europa.eu).

    Fast alles richtig was dort beschrieben wird wegen der deutschen Leistungsbilanz.

    Wenn die aber zB auf Seite 9 zu der Erkenntnis kommen:

    Die Ausweitung des deutschen Leistungsbilanzüberschusses ist vorwiegend dem
    privaten Sektor zuzuschreiben. Sie ist sowohl auf einen Anstieg der Nettoersparnisse der
    privaten Haushalte als auch darauf zurückzuführen, dass sich das Finanzierungsdefizit der
    Unternehmen in einen Finanzierungsüberschuss verwandelt hat.

    Ist das ja schön und gut. Aber hier wird total unterschlagen das die Nettoersparnisse
    der privaten Haushalte nur die “oberen“ 5% betroffen bzw enorm gestiegen sind.

    Wer aufmerksam weiter liest wird auf Seite 10 dort dann lesen:

    Der Zuwachs bei den Unternehmensersparnissen ist vor dem Hintergrund des durch Lohnzurückhaltung gestützten kräftigen Anstiegs der Betriebsgewinne vor der Krise
    zu sehen. Genutzt wurde dieser Ersparniszuwachs nicht für Investitionen,
    sondern für den Erwerb finanzieller Vermögenswerte und zum Schuldenabbau.

    Ja Ja, der Erwerb finanzieller Vermögenswerte der wenigen Superreichen,
    Abramowitsch yacht lässt da grüßen,
    http://de.wikipedia.org/wiki/Eclipse_%28Yacht%29
    zeigt doch die absolute Schieflage unseres Geld/Wertesystems. Dieses System
    kann doch nur noch am Leben bleiben wenn die Masse der Arbeitnehmer immer
    weiter versklavt wird. Beim deutschen Michel ist die Versklavung schon sehr
    weit fortgeschritten der hat es halt blos noch nicht beriffen. Der wacht erst bei
    der Leibeigenschaft auf. :-(

  • Frankenfurter - 5. April 2014

    “….Auch Körperschaftsteuerreformen haben zu dieser Entwicklung beigetragen, da sie die Anreize für die Unternehmen zur Thesaurierung eines größeren Teils ihrer Gewinne erhöht haben.” Kommisionsgutachten (S. 10 u.)
    Haha, liebe Groko inklusive Grüne, ihr habt euch in die Fänge von den Thesauriern begeben. Ihr Deppen!

  • thewisemansfear - 5. April 2014

    Interessanter Artikel, ebenso wie das PDF der EU-Kommission. Bleibt der offen? Dann könnte man nochmal die Werbetrommel rühren :-)

    Im Kommissionsbericht stehen viele richtige Dinge, aber auch noch einiges Eingefärbtes: “Allerdings hat sich der Leistungsbilanzüberschuss gegenüber dem restlichen Euro-Währungsgebiet nach seinem Höchststand im Jahr 2007 annähernd halbiert.”
    Ahja, da könnte man glatt denken, der angehäufte Berg wäre halbiert. Mitnichten, wir packen jetzt pro Jahr halt nur noch die Hälfte von dem im Spitzenjahr Angehäuften oben drauf! Der Berg wächst also ein bissl weniger schnell, toller Erfolg ;-)

    Fast noch interessanter ist diese Aussage:
    “Wie das niedrige und weiter fallende Trendwachstum Deutschlands jedoch zeigt, hat der in der Vergangenheit starke Verlass auf die Auslandsnachfrage zur Ankurbelung des Wachstums das künftige Wirtschaftspotenzial Deutschlands möglicherweise nicht gesichert. Die Fähigkeit der Wirtschaft, in Zukunft zu wachsen, Arbeitsplätze bereitzustellen und einen steigenden Lebensstandard in einem Zeitalter von Bevölkerungsalterung und hartem globalem Wettbewerb zu gewährleisten, hängt von einer stärkeren Nutzung inländischer Wachstumsquellen ab.”

    Kleines Gedankenspiel: Was ist steigende Auslandsnachfrage anderes, als steigende INlandsnachfrage IM Ausland (nach ausländischen Gütern)? Jetzt kommt tatsächlich jemand auf den Trichter, man könne sich nicht nur auf Inlandsnachfrage im AUSland verlassen, sondern müsse auch hierzulande Wachstum fördern? Hilfreiche Tipps, wie man das bewerkstelligt, gibt es aus dem Ausland sicherlich zur Genüge, aber ich tippe mal das man das hierzulande selber weiß (selbst Schulden machen?), nur den vermeintlich bequemeren Weg gewählt hat. “Von hinten durch die Brust ins Auge”, das Ausland macht die Schulden, wir liefern zu den verkauften Produkten noch das nötige Geld dazu :-)
    So wie es da steht, hieße es diesen Mechanismus aufzugeben und sich quasi selbst die Hände schmutzig zu machen. Man darf gespannt sein, nur eine tiefere Einsicht sehe ich bei unseren politischen Entscheidern leider nicht. Schuldenabbau und Generierung weiteren Wachstums gehen selten Hand in Hand…

    • Querschuss - 5. April 2014

      Hallo Eurelios, hallo thewisemansfear,
      ja, in der PDF findet man einzelne Sätze oder Sachverhalte, die man nicht teilen muss, aber in Gänze ist dies eine bemerkenswerte Arbeit und in der Darstellung der Grundzusammenhängen hebt sich dies deutlich vom üblichen ab und wurde unterlegt mit vielen Daten und Charts, was in vielem ähnelt wie es hier bei Querschuesse dargestellt wurde.

      Gruß Steffen

    • thewisemansfear - 5. April 2014

      weitere Einfärbung:
      “Nach einer Anhebung der Reallöhne in den vergangenen Jahren sollten nun die geeigneten
      Bedingungen zur Begünstigung des Lohnwachstums geschaffen werden, um die Binnennachfrage weiter zu stärken.”

      Erm, man kann es sich natürlich einfach machen und einfach nur die Nachkrisenjahre betrachten… Wir wissen es dank Langzeitcharts besser: http://www.querschuesse.de/deutschland-reallohne-2013-mit-02/

      • Querschuss - 6. April 2014

        Hallo thewisemansfear,
        immerhin steht dort “…..Bedingungen zur Begünstigung des Lohnwachstums geschaffen werden, um die Binnennachfrage weiter zu stärken.” Von denen von dir bemerkten “Einfärbungen” abgesehen, kann man auch viele richtige Sätze und dargestellte Sachverhalte finden. Deutlich wird u.a. herausgearbeitet, dass auch zu niedrige Investitionen, die Ersparnis der Unternehmen, wie auch der Unterkonsum in Deutschland den Leistungsbilanzüberschuss treiben.

        Im Zusammenhang zum NIIP werden die kumulierten Nettokapitalexporte dem NIIP gegenübergestellt und auf die Bewertungsverluste im Bestand verwiesen usw. Für heutige Verhältnisse ist die PDF eine sehr ordentliche Analyse, Schwächen findet man überall, wenn man will, …auch bei Querschüsse.

        Gruß Steffen

        • thewisemansfear - 6. April 2014

          Du hast ja recht, in Anbetracht der Fülle an sonst nicht so offen kommunizierten Informationen, soll das nicht in kleinliches Schlechtmachen ausarten.

        • Basisdemokrat - 7. April 2014

          http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2014/04/2014_04_07-Abb-Unternehmensteuern-neue-Version.jpg

          „Rot-Grün senkte die Unternehmensteuern in einem bis dahin nicht für möglich gehaltenen Ausmaß. Die Abbildung zeigt die unglaubliche Dimension der Verringerung der Unternehmensteuern (hier ausgewiesen für Kapitalgesellschaften) zu Anfang des Jahrhunderts. In mehreren Steuerreformen wurde die Belastung aus Körperschaft- und Gewerbesteuer (in Prozent der Gewinne) zusammen fast halbiert. Unmittelbar danach, als das deutsche Lohndumping (die reale Abwertung) gegenüber den europäischen Partnern zu greifen begann, explodierten auch noch die Einkommen der deutschen Unternehmen. Die Gewinne (in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) erhöhten sich bei niedrigen Löhnen und einem ungeahnten Absatzboom auf den Auslandsmärkten in einem nie zuvor gesehenen Tempo.

          Insofern realisierte die Politik exakt das, was die sogenannte Angebotstheorie über Jahre, ja über Jahrzehnte gefordert hatte. Bei den Löhnen und bei den Steuern wurden die Unternehmen in Deutschland „entlastet“. Doch die scheinbare Bürde, die man von ihren Schultern nahm, brachte sie nicht zum Laufen. Wenn in der Angebotstheorie auch nur ein Fünkchen Wahrheit steckte, hätten die Investitionen in Deutschland abheben und die Wirtschaft über viele Jahre tragen müssen. Aber nichts dergleichen geschah. Die Investitionsquote dümpelte bis 2005 um zehn Prozent herum und damit gut 1 ½ Prozentpunkte unter dem Durchschnitt des vorherigen Jahrzehnts. Erst 2006, also sechs Jahre nach der enormen Steuerentlastung, stieg die Investitionsquote ganz leicht wieder von dem extrem niedrigen Niveau, doch nur, um nach der Finanzkrise von 2008 schon wieder auf einen historischen Tiefstand zu sinken und dort nahezu zu verharren.“

          http://www.flassbeck-economics.de/die-faz-kaempft-fuer-verteilungsungerechtigkeit-und-zaehlt-auf-die-dummheit-ihrer-leser/

          Zur Ergänzung
          Gruß BD

    • Frankenfurter - 6. April 2014

      @ weisemanfear, dass Wachstum und Schuldenabbau “selten” Hand in Hand gehen mag stimmen, wenn man Schulden für sinnvolle Investitionen verwendet und nicht für den reinen Konsum. Aber fällt dir als Wachstumsmotor nur der Investitionskredit ein? Wie wärs, wenn man sich neben der Kreditierung (am besten nicht von Scheiße, wie etwa dem Bau von Hühnerställen für Touristen an der Costa Brava) überall auf der Welt strikt an die “goldene Lohnregel” halten würde?

      • thewisemansfear - 6. April 2014

        Uff, die goldene Lohnregel hält im Prinzip das Gleichgewicht zwischen AN und AG möglichst lange aufrecht. Geht natürlich zu Lasten der Gewinne, oder es würde eine sich selbst verstärkende Rückkopplung geschaffen. Reales Wachstum erzeugt man dadurch aber nicht, das geht nur durch Investitionen. Sämtliche reale Wertschöpfung wird bzw. ist erarbeitet!
        Aber da sind wir wieder bei der “endloses Wachstum auf endlichem Planeten – Problematik”. Ähnlich wie sich die Geldvermögen nicht über Gebühr von den zugrunde liegenden Realwerten lösen können (was sie aber unaufhaltsam tun), kann sich auch ein Realwert-Wachstum nicht von der Weltbevölkerung abkoppeln. In den Industrieländern sehen wir die Marktsättigung schon teilweise überdeutlich, mehr als ein Fernseher pro Zimmer geht nun wirklich nicht ;-)
        Man kann dann zwar noch die Produktzyklen künstlich verkürzen und Sollbruchstellen eindesignen, aber das hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun.

  • Katja - 6. April 2014

    Danke für den interessanten Beitrag und den sehr aufschlussreichen Link. Auf S. 46 des Bericht findet sich der Hinweis zur Verteilung der Sparquote im privaten Sektor. Hier kann man lesen:

    “…dass der Anteil der Sparquote zwischen 2004 und 2007 in erster Linie auf den Anstieg der Sparquote der Haushalte im höchsten Einkommensquartil zurückzuführen war… Im Zeitraum 2000-2007, als der Anteil der Sparquote der Haushalte mehr als zwei Prozentpunkte zur Verbesserung von Deutschlands Leistungsbilanz beisteuerte, ging die Sparquote in allen Anteilen der Bevölkerung zurück, ausgenommen im reichsten Quartils, das mit einer deutlichen Erhöhung seiner Ersparnisse zum Anstieg der nationalen Sparquote beitrug.”

    Beachtenswert erscheint mir aber auch der Hinweis auf die sinkenden Investitionen im öffentlichen Sektor. Hier sind die Effekte jetzt schon spürbar und werden in den kommenden Jahren verheerende Auswirkungen zeigen. Die im Bericht gemachten Vorschläge zur Abwendung dieses Trends werden jedoch von den meisten politischen Parteien bisher völlig ignoriert.

  • Holly01 - 6. April 2014

    Hallo und Danke,
    in Deutschland muss doch gerade eine enorme Geldmengenreduzierung stattfinden.
    Heisst es nicht immer so schön: “wenn Schulden getilgt werden, dann wird das Geld aus dem Markt genommen”?
    Die Überschüsse in der Handelsbilanz stellen doch nichts anderes dar, als den Export der Zinsansprüche in diesem Zusammenhang.

    Deutschland exporttiert also Kapital ins Ausland und erwartet von Handelspartnern, wie den USA die nicht nur ihren Staatshaushalt nicht in den Griff bekommen, sondern auch noch ein enormes Handelsbilanzdefizit erzeugen, das diese dann die deutschen Zinsansprüche zusätzlich zum geliehen Geld erbringen sollen.
    Das ist in etwa so realistisch, wie die deutschen Rüstungsexporte an Griechenland (liegt immer nach an dritter Stelle der Abnehmer) und dann meinen, die Griechen hungern zwar und haben kein Geld für das Gesundheitswesen, aber die deutschen Exporte werden natürlich bezahlt (mit Zinsen).

    Das GAP beträgt nunmehr 707Mrd.? Auch dieser Wert wird exponentiel steigen, analog zur Zindsabschreibung der Auslandsforderungen.

    Das Ganze hat nur einen einzigen positiven Aspekt: entschuldet sich Deutschland in allen Bereichen, dann müssen die Sicherheiten, mit denen das Geld unterlegt ist, frei gegeben werden und kommen wieder in den Besitz der ehemaligen Kreditnehmer.
    Dieses ganze Konzept ist nichts anderes als eine Misstrauenserklärung gegenüber diesem Geldsystem.
    Geldmengenreduzierung im inneren, bei Sicherheitenaquirierung im Aussenbereich ist nichts anderes als der Export der Geldsystemprobleme mit maximaler Anstrengung.
    Nur unter diesem Aspekt ist das GAP der akumulierten Verluste hinnehmbar, weil Geld eben doch nur eine Nullsumme ist, also letzendlich nicht werthaltig.
    Da muss Deutschland aber deutlich mehr iin Militär investieren, als die derzeitigen 1,3% vom BIP.
    Es könnte sonst sein das am Ultimo der dann amtierende amerikanische Präsident sagt: wenn Ihr fällig stellen wollt, dann kommt und holt euch euren “Gewinn””.
    Da wird ein grauer Hosenanzug nicht reichen ………

    • Frankenfurter - 6. April 2014

      Holly01, ich habe da eine Idee, wie man den Wertverlust des dt. Auslandskapitals wieder reinholen kann. Jeder Bürger Deutschlands bekommt einen Einkaufsgutschein in Höhe von 8634 Euro (708 Mrd/82 Mio Deutsche) und darf damit im Ausland einkaufen. Also vor allem in den USA, weil dort der größte Wertverlust angefallen ist oder in Spanien, weil dort die Wertberichtigung dt. Kapitals in der nahen Vergangenheit hoch waren. Das wäre bilanztechnsch eine saubere Lösung. Was spricht dagegen?

  • Holly01 - 6. April 2014

    Vor diesem Hintergrund kann man quasi die Uhr stellen, daß in 2014/15 wieder irgend ein Zinober stattfinden wird, mit dem Deutschland seine schwarze Null im Haushalt vergessen kann.
    Das war schon 2 mal so und das wird auch wieder so sein.
    Also wer denkt die Krise war gestern, sollte nicht zu schnell auf das große Frühlingserwachen setzen….
    Die Handelspartner der Deutschen und Chinesen können gar nicht anders, als den nächsten Budenzauber zu starten.
    Nur im Finanzmarkt kann man das Alles noch nominell schön malen.
    Also schauen wir einmal was es dieses Mal geben wird.

  • Frankenfurter - 6. April 2014

    Steffen freut, dass die Kommisionsgutachter ihn darin bestätigen, dass das, durch die dt. Exportwalze aufgehäufte (kumulierte) Auslandskapitapital Deutschlands deutlich an Wert verliert. Querschuesse hat den Verlust bis heute auf stolze 707,7 Mrd.€ beziffert.

    Im Kommissionsgutachten liest sich der Sachverhalt so:
    “Die Nettoauslandsposition Deutschlands ist in gut zehn Jahren um das 10-fache gestiegen. Ende 2000 belief sie sich auf 3 % des BIP. Die Auslandsforderungen Deutschlands wuchsen spiegelbildlich zu den Leistungsbilanzüberschüssen deutlich an, und die Nettoauslandsposition kletterte 2012 auf 42 % des BIP. Ohne Bewertungsverluste wäre die Nettoauslandsposition um etwa 50 % höher ausgefallen.” (S. 84 u.)

    [Frage nebenbei: warum bricht die Erörterung der "Bewertungsveränderungen auf die Nettoauslandsposition" auf Seite 85 plötzlich ab?]

    • Querschuss - 6. April 2014

      Hallo Frankenfurter,
      das “freut” mich überhaupt nicht, zeigt aber wie sinnlos/frei, dass in weiten Teilen der Politik und der deutschen Öffentlichkeit hofierte deutsche Geschäftsmodell ist. Faktisch werden erst die Arbeitnehmer in Deutschland um ihren fairen Anteil an den Produktivitätsfortschritten und Exporterfolgen gebracht und die Gewinner dieser Einseitigkeit (u.a. german stupid money) verdödeln das Kapital via Kapital- und Finanzmärkte unter aktiver Beteiligung der Banken und des öffentlichen Sektors (Rettungspakete, Target2) usw.

      Die Öffentlichkeit steht faktisch in Gänze dem Geschäftsmodell unkritisch gegenüber. Mit Klauen und Zähnen wird der Irrsinn verteidigt und selbst auf erste Ansätze einer Korrektur rumgehauen, siehe Mindestlohn und Rente mit 63 für 45 Jahre Beitragszahler. Siehe auch den miesen Zustand von Teilen der Infrastruktur, der Investitionen allgemein und wie wenig dies thematisiert wird.

      Bemerkenswert finde ich nur das die Generaldirektion für Wirtschaft und Finanzen der Europäischen Kommission dies auch so herausgearbeitet hat.

      Gruß Steffen

      • Frank Bell - 6. April 2014

        @ Steffen:

        Dass man auf Rente mit 63 für 45 Jahre Beitragszahler schimpft, kann ich verstehen.

        Andere müssen im Gegenzug bis 67 arbeiten, falls sie nicht vorher mit 58 zwangsverrentet werden.

        • Querschuss - 6. April 2014

          ich nicht, …gerade weil in den meisten Jobs niemand mehr mit 65 Jahren, gar mit 67 Jahren am Start ist, wäre es nur gerecht, wenn Arbeitnehmer mit 45 Beitragsjahren ohne Abschlag mit 63 in Rente gehen können. Die Leistungskraft der Volkswirtschaft gibt dies locker her. Alles andere ist nichts anderes als eine maskierte Rentenkürzung und dies, wo schon heute schon die meisten Renten, Armutsrenten sind. Und dies kannst du verstehen? Hallo, 45 Jahre Beiträge zahlen, muss man erst mal schaffen, selbst solche Maßnahmen sind nur ein Minimum, um die Spitze der Wettbewerbsfähigkeit zu kappen und eine Umkehr des kranken Nettoexportmodells zu erzielen und Ungleichgewichte mit der Welt zu verringern! Arbeitnehmer und Rentner in Deutschland haben dies verdient, …weil dies erarbeitet wurde und die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft es locker hergibt, PUNKT.

          Gruß Steffen

          • Frank Bell - 7. April 2014

            @ Steffen

            Wer das grosse Glück hatte, 45 Jahre lang zu arbeiten und somit nie entlassen wurde, hat doch wirklich keine Geldsorgen mehr, oder?

            Im Gegenzug werden Leute mit 50 entlassen, bis 58 durch Bewerbungskurse gejagt und dann, damit sie nicht länger Hartz IV beziehen müssen, zwangsverrentet. Diese Leute hatten das Pech, entlassen zu werden und bekommen mit 58 nochmals einen Tritt in den Hintern.

            • Querschuss - 7. April 2014

              Hallo Frank Bell,
              “Wer das grosse Glück hatte, 45 Jahre lang zu arbeiten…” …..sicher hatte der Glück, weil eben nur die wenigsten und nicht der Standard überhaupt ein Arbeitsalter von 65, gar 67 Jahren erreicht. Nur das “Glück” ist das eine, es ist auch geleistete Arbeit und vor allem geleisteter Beitrag in die Rentenkasse. Du meinst die Welt wäre gerechter, wenn auch Arbeitnehmer mit 45 Arbeitsjahren für 4 Jahre Abschläge in Kauf nehmen bzw. eben noch 4 Jahre länger arbeiten?

              Nur weil es vielen schlecht geht (Armutsrenten) soll die Lösung sein, dass es denen den es wenigstens gut gehen könnte auch noch schlecht geht, …wie arm. Andere wesentlich nicht so leistungsfähige Volkswirtschaften leisten für ihre Rentner wesentlich mehr:
              http://www.querschuesse.de/oecd-pension-at-a-glance/

              Das Problem ist, bereits als Arbeitnehmer, im Durchschnitt, partizipiert dieser in Deutschland nicht entsprechend an Produktivitätsfortschritten und der Leistungskraft der Volkswirtschaft und dies setzt sich fort bis als Rentenbezieher. Deine Lösung soll sein, das auch Arbeitnehmer mit 45 Beitragsjahren mit Abschlag in Rente gehen, wenn sie es bis 67 nicht schaffen. Wem soll das nützen? Ich ahne es…
              Wie ich schon geschrieben habe, ob Mindestlöhne oder Rente mit 63 bei 45 Beitragsjahren, dies sind nur Minimalkorrekturen bzw. erste Schritte weg von einem kranken einseitigen Geschäftsmodell, von dem in diesem Land nur wenige profitieren, siehe Einkommens- und Vermögensverteilung. Um Ungleichgewichte mit der Welt abzubauen muss Deutschland nicht zwingend weniger exportieren, aber den Nettoexportüberschuss abbauen durch mehr Konsum im Inland und vor allem mehr Investition. Ein Weg dahin sind zwingend steigende Reallöhne und damit auch bessere Renten und Sozialstandards. Wenn die obersten 10% der deutschen Haushalte stattdessen noch mehr Kapital akkumulieren, heißt dies noch lange nicht, dass die es konsumieren werden, noch entsprechend investieren. Sie erhöhen in der Regel nur die Ersparnis.

              Der Hebel, die Ungleichgewichte im Handel mit der Welt zu beseitigen, korrigiert auch im Ansatz die Einkommens- und Vermögensverteilung und führt zu besseren Masseneinkommen und Binnennachfrage. Aber was schreibe ich hier, ist alles längst in Dutzenden Querschuessen mit Daten und Charts unterlegt. Dies ändert aber nichts daran, dass viele es nicht sehen können oder besser …. sehen wollen!

              Gruß Steffen

  • Kaeufer - 6. April 2014

    Gibt es eigentlich genauere Daten darüber, welche Wirtschaftssubjekte/Sektoren sich bei der wundersamen Geldverbrennung besonders hervortun?

    Aus der Presse wissen wir ja, dass sich insbesondere unsere Staatsbanken beim Ankauf bestimmter “strukturierter Wertpapiere” (=undurchschaubar zusammengewürfelter Schrott) besondere Verdienste haben.

    Als weiterere Kanditaten kämen Großkonzerne in Frage, die mit ihren “strategischen Zukäufen” ja oft auch schon eine besonders glückliche Hand hatten.

    Möglich wäre überdies, dass traumhaft(e) (teure) Ferienimmobilien im Süden aufgrund des Preisverfalls ein wenig abgeschrieben werden mussten. Es wäre interessant, welche Bilanzierungsstandards bei der NIIP angewandt werden. Ich zweifle, dass diese bei Immobilien überhaupt außerordentliche Abschreibungen vorsehen.

    In einer vergreisenden Gesellschaft kann die Bildung von Auslandvermögen zur Sicherung des Lebensstandards im Alter durchaus rational sein. Nur sollte dieses nicht ständig verbrennen.

  • Frankenfurter - 6. April 2014

    Neenee Käufer, lieber keine kapitalgedeckte Rente anstreben. Sie ist schlicht zu teuer und unsicher. Letzteres ist an dem riesigen Absschreibungsbedarf von im Ausland angehäuften deutschen Kapital in Höhe von 707 Mrd. Euro in nur 14 Jahren zu erkennen!

    Aller Sozialaufwand muss immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden.(Mackenroth) Der Versuch, die Altersversorgung von Kapitalanlagen im Ausland abhängig zu machen ist ein klarer Fall von „Moral Hazard“. Denn die Profiteure der privaten Altersvorsorge kennen die Risiken genau – und setzen darauf, dass der Staat den Schaden begrenzen wird. Wenn er das nicht kann, wie an den gescheiterten Bankenrettungen in Gr. Sp, P zu sehen war. dann ist die Hölle los….
    Der (auch teilweise) Wechsel zur privaten Vorsorge nützt nur den Versicherungen. Bei den Finanzdienstleistern entstehen durch Provisionen und Verwaltungsgebühren Kosten von 10 bis 20 Prozent. Bei der gesetzlichen Rente kostet die Verwaltung 1-3 Prozent.

  • michdinger - 6. April 2014

    Sorry für OT, aber da es hier bei den Querschuessen auch immer um seriöse Berichtserstattung geht, weise ich mal auf KenFM und seine Rede auf der letzten Montagsdemo in Berlin hin.

    https://www.youtube.com/watch?v=-HEYgVsD5k4#t=19

  • Frank Bell - 6. April 2014

    @ Eurelios

    Vielleicht ist Leibeigenschaft das erklärte Ziel der Eurokraten?

    • Eurelios - 6. April 2014

      Wenn man die Entwicklungen der letzten Dekate gegenüber den “normalen“
      Menschen sich vor Augen führt macht das ja auch Sinn.

      Leibeigene laufen in dem immer schneller laufendem Hamsterrad einfach
      besser und vor allem ohne Aufzubegehren.

      Der Michel als Testkaninchen ist da bestens dafür geeignet.

  • Frankenfurter - 6. April 2014

    Haha, Ken Jebsen diesmal als Volkstribun, der kein Volkstribun sein will. Kleiner Widerspruch, aber ein guter Mann. Ein Journalist, der Leute befragt, die im GEZ Fernsehn Auftrittsverbot haben. KenFM-Mein Prädikat für den Youtubesender: wertvoll!

  • Frank Bell - 6. April 2014

    UEBRIGENS:

    So schnell bekommen wir keine Krise mehr! Warum?

    Weil in Zukunft die Banken asset backed securities auf Pensionsfonds begeben dürfen.

    Bis diese Blase platzt, sind wir 10 Jahre weiter – und alle werden sagen: Seht ihr, Wachstum endet nie!

    :-(

    • Kaeufer - 6. April 2014

      @Frankenfurter
      Die aktuelle Rentenreform und die zu erwartende Entwicklung des Altenkoeffizienten in Deutschland lassen die gesetzliche Rente auch nicht gerade im besten Licht erscheinen ..

      @Frank Bell
      Könnten Sie das ein wenig näher erläutern? ABS waren einer der Gründe für die Finanzkrise ab 2007 ..

      • thewisemansfear - 6. April 2014

        @Kaeufer
        Wie ich weiter oben gerade geschrieben habe, sämtliche Real-Wertschöpfung ist im Schweiße ihres Angesichts erarbeitet worden und wird das auch weiterhin. Kapitalmärkte gaukeln dir vielleicht eine Zeit lang etwas anderes vor, letztlich können die sich aber auch nicht von der zugrunde liegenden Realwirtschaft abkoppeln. Das wäre eine Verdrehung der Realität, die manche Medien zugegebenermaßen recht gut inszenieren.

        • Frankenfurter - 7. April 2014

          Kaeufer/Wisemanfear: Keine unnötigen Barrikaden aufbauen ! Deshalb nochmal der Grundsatz:

          „Nun gilt der einfache und klare Satz, daß aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muß. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein ‚Sparen‘ im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand … Kapitalansammlungsverfahren und Umlageverfahren sind also der Sache nach gar nicht wesentlich verschieden. Volkswirtschaftlich gibt es immer nur ein Umlageverfahren.“
          Gerhard Mackenroth 1952.

          • Querschuss - 7. April 2014

            Hallo Frankenfurter,
            schönes Zitat, so einfach ist der Zusammenhang und dieser war auch einigen bereits 1952 klar :)

            Gruß Steffen

          • Kaeufer - 7. April 2014

            Und was an der Mackenroth-These soll gegen Auslandsvermögen sprechen?
            Schauen wir uns zunächst einmal in Wikipedia an, wie das Volkseinkommen berechnet wird:

            = Bruttoinlandsprodukt (BIP)
            − Einkommen der Ausländer im Inland
            + Einkommen der Inländer im Ausland
            = Bruttonationaleinkommen
            − Abschreibungen
            = Nettonationaleinkommen zu Marktpreisen
            − Gütersteuern (Produktions- und Importabgaben)
            + Gütersubventionen
            = Volkseinkommen (Nettonationaleinkommen) zu Faktorkosten

            (Seite „Volkseinkommen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 6. April 2014, 10:51 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Volkseinkommen&oldid=129258981 (Abgerufen: 7. April 2014, 09:31 UTC)

            In Zeile 3 sieht man, dass das “Einkommen der Inländer im Ausland” einfach hinzugerechnet wird.

            • Querschuss - 7. April 2014

              Hallo Kaeufer,
              nichts, denn es geht in dem Zitat nicht wirklich um Nettoauslandsvermögen, sondern um: “…. daß aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muß.” Das Volkseinkommen schließt natürlich Einkommen aus Auslandsvermögen mit ein. Ob es aber überhaupt und adäquat für den Sozialaufwand herangezogen wird sei mal dahingestellt.

              Im abgewandelten Sinne gilt dies natürlich auch für die Verbindlichkeiten die für Volkswirtschaften mit Nettoauslandsschulden bestehen, auch diese können nur aus der geleisteten Bruttowertschöpfung einer Periode bedient werden. Ansonsten heißt es weiter aufschulden bzw. irgendwann zahlungsunfähig.

              Gruß Steffen

          • Frankenfurter - 7. April 2014

            Bei Auslandsvermögen hast du immer ein Währungsrisiko. Was auch fundamental gegen das dt. “Exportmodell” spricht. Deswegen ist eine ausgeglichene Handelsbilanz nicht nur ein Gebot der Vernunft, sondern auch des EU-Rechts, soviel ich weiß.

          • Kaeufer - 7. April 2014

            Ein Satz kann nicht richtig sein, wenn es eine Ausnahme gibt. Und diese nennst Du selbst, Steffen. “Sozialaufwand” (=Sozialausgaben) kann auch über Auslandsverschuldung (=Importe) gedeckt werden.

            Mackenroth scheint dies damals übersehen zu haben.

            Wie hat Griechenland wohl seinen ehemaligen und – wie wir aus Extrembeispielen wissen – teilweise recht generösen “Sozialaufwand” finanziert?

            • Querschuss - 7. April 2014

              Hallo Kaeufer,
              welche Ausnahme? Sozialaufwand wird immer aus dem Volkseinkommen einer laufenden Periode gedeckt. Richtig, verschuldet sich z.B. der Staat und leistet aus der Schuld Löhne, Gehälter, Pensionen entsteht daraus doch auch Volkseinkommen, ebenso wenn der Staat investiert, konsumiert entsteht bei denen die die Aufträge erhalten bzw. ihre Waren verkaufen auch Volkseinkommen.

              Das was du siehst, steht dem Satz von Mackenroth überhaupt nicht entgegen, aber es sollte erwähnt werden das natürlich 1952 Auslandsverschuldung wie auch Staatsverschuldung überhaupt keine Rolle spielten und auch nicht wie heute in dieser Dimension möglich waren. Zugleich steht Mackenroths Zitat im Kontext von privater Kapitalvorsorge oder einem Umlageverfahren.

              Mackenroths “These” spricht nicht gegen Auslandsschulden oder Vermögen, sie sind ein kleiner Teil des Sachverhaltes (Volkseinkommen), natürlich viel größer als 1952.

              Gegen Nettoauslandsvermögen spricht aber grundsätzlich, wenn der Quell chronisch anhaltende Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse in einem exzessiven Rahmen sind. Denn die Schuldner sind auf lange Sicht bei so einer Konstellation nicht in der Lage die auftürmenden Nettoauslandsschulden zu bedienen. Es drohen also immer Bestandsverluste beim Gläubiger, im Endstadium der Exzesse auch ein Zahlungsausfall des Schuldners. Es muss immer die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Schuldners gegeben sein, dies ist in einer Einbahnstraße chronischer Defizite beim nicht mehr gegeben. In der Außenwirtschaft ein Gleichgewicht anzustreben ist immer langfristig klüger, als nach exzessiven Überschuss zu streben.

              Gruß Steffen

        • Kaeufer - 7. April 2014

          Lieber Steffen,

          schauen wir uns einmal den Weg vom Volkseinkommen zum verfügbaren Einkommen an:

          = Volkseinkommen
          − direkte Steuern (z. B. Einkommensteuer)
          − Sozialbeiträge
          + Transfereinkommen (z. B. BAföG)

          = verfügbares Einkommen

          (entnommen aus Seite „Verfügbares Einkommen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Januar 2014, 13:01 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Verf%C3%BCgbares_Einkommen&oldid=126354215 (Abgerufen: 7. April 2014, 17:34 UTC)

          Die Transfereinkommen werden zum Volkseinkommen hinzugerechnet, um zum verfügbaren Einkommen zu kommen. Aus diesem Grund kann der Staat das verfügbare Einkommen durch schuldfinanzierte Sozialleistungen erhöhen, ohne das Volkseinkommen zur Deckung heranziehen zu müssen.

          Die Mackenroth-These ist in dieser Hinsicht schlichtweg falsch.

          • Querschuss - 7. April 2014

            Hallo Kaeufer,
            ich dachte dir geht es um die Einkommen aus Vermögen im Ausland, die gehören wie die im Ausland bezogenen Erwerbseinkommen zum Volkseinkommen.

            Zum verfügbaren Einkommen, Dein Verweis auf die verfügbaren Einkommen zieht meiner Meinung nach nicht in Bezug auf Mackenroths gesamtwirtschaftliche Betrachtung, denn das der jeweilige Sozialaufwand aus dem jeweiligen Volkseinkommen zu leisten bleibt, ist davon unberührt. Die Transfereinkommen sind ja im grobem die vorher vom Volkseinkommen abgezogenen Steuern und Sozialbeiträge, also Umverteilung. Und dort wo Transfereinkommen tatsächlich direkt aus neuen Staatsschulden finanziert werden sollten, entsteht ja auch zusätzlich Volkseinkommen, denn der Bafög-Bezieher zahlt Miete, braucht Essen, Trinken und bestenfalls fällt noch ein iPad ab usw., ….führt auch alles letztlich zu Volkseinkommen. 2013 war der Haushalt des Gesamtstaates in Deutschland im Prinzip ausgeglichen, die Transfereinkommen kamen damit ausschließlich aus den Steuern und Sozialbeiträgen vom Volkseinkommen, pure Umverteilung auf einer detaillierteren Ebene betrachtet.

            Bei solchen Aussagen geht es ja auch nicht um den Absolutheitsanspruch sondern um die prinzipielle Aussage und prinzipiell lag Mackenroth wohl richtig.

            Gruß Steffen

  • klaus - 6. April 2014

    @Querschuss
    Erstmal Danke für den tollen Artikel.

    Auch mir geht das Rentengespräch schon lange gegen das Gemüt.
    Vor allem, wenn man von dem in Deutschland volkswirtschaftlich Ersparten
    nur noch Töpfe wie EFSF,ESM nährt.
    Alles ist alternativlos.

    Um diese Töpfe zu füllen, werden die Rente auf 70
    vorgeschlagen.
    Das große Älterwerden wird sowieso nicht stattfinden,
    weil man auch bei den Krankenkassen spart und den
    Zuschuß zum Krankenkassenfond verringert, weil
    das Geld auch in Europas Töpfe gelegt wird.

    Mittlerweile kommen Banker, der mit staatlichem Geld
    geretteten Banken und wollen nicht nur Rentenkürzungen
    sondern auch (Zwangs) Riester verkaufen.
    Auch Geld, das der Normalo nie mehr sieht.
    Der wird Zahlungslücken haben.

    Alles läuft die Richtung, das der normale Lohn ein
    Hartz4-Niveau für ganz Europa erreichen muß.
    Selbst ein Mindestlohn stört da.
    Wenn man sieht, welche Art von Arbeitgebern von
    der Unterwanderung des Mindestlohns lebt, könnte
    man schon mal stinkig werden.
    Wer zu Grenzbetrieben gehört, ohne Mindestlohn
    zu zahlen und Subventionen abzugrasen, der gehört
    knallhart in den Konkurs und sonst nix.
    Es wird Zeit, das unser Wettbewerb das Regeln darf.
    Es wird auch Zeit, das der Bessere die Arbeit hat,
    anstatt, das der Statt noch Geld zum Beschäftigten dazu gibt.
    Aber was will man als Staat machen, wenn Unternehmer
    darauf bestehen, das der Arbeitnehmer parteibuchtreu ist ?
    Dann gibt er Geld für den Mangel an Qualifikation hinzu.

    Aber all diese Fakten werden jetzt mal vor der Euro-Wahl verdrängt
    und Tina muß nachgeben, weil es um Europa geht.

    Böse ist im Moment, wer kleine Parteien wählt.
    Mal sehen, wenn die vermeintlichen Rattenfänger nach
    der Wahl die Kosten hochtreiben.
    Die Leute haben den gesamt-europäischen Rentenverzicht
    zum Erhalt der Euro-Zone mit Recht satt.

    Danach werden sicherlich viele Gewählte aus den kleinen Parteien
    verraten, wie man in Brüssel arbeitet.
    Das ist doch die größte Angst der großen Parteien.

    Frankreich jedenfalls geht schon jetzt einen guten Weg.
    Bald gibt es Haircuts im Netto-Auslandsvermögen,
    wenn keine Bailouts mehr gehen.
    Jede Stimme für die kleinen Parteien schränkt die
    Alternativ-Losigkeit und das Abdrängen in ein gesamteuropäisches
    Hartz4 ein.

    Nur das hilft.

    Andernfalls geht es mit Anleihenkauf von Bankrottstaaten weiter.
    Dazu wird in den Kernländern sterilisiert.
    Die Zwangsversteigerungen gehen weiter und der Unsinn von
    2007 – 2012 geht weiter.

    Grüße klaus

    P.S. Und sei mir keiner böse, ich hab der Ukraine nix getan und
    möchte dafür auch keine zusätzlichen Nachteile für die
    Förderung irgendwelcher hasserfüllter Revoluzzer in Rechnung
    gestellt bekommen.

    • Holly01 - 7. April 2014

      @ klaus :

      Schönes Zitat:

      Man muss das Leben nehmen wie sie ist, man darf sie nur nicht so lassen.

      Einfach einmal das eigene Leben betrachten……….
      Ist keine Kritik an Ihnen oder anderen hier, ist grundsätzlich gemeint.

      • klaus - 7. April 2014

        @Holly
        Völlig korrekt.
        Am eigenen Leben gibt es nur zu sichern, soweit
        das möglich ist.
        Und das was passieren wird, ist mehr als überfällig.
        Kurz nach der Wahl.
        Dafür wird sogar die Kröte der 63er Rente geschluckt.
        4 Bio stehen noch aus.
        Ein Abschlag bis Sep/Okt wird wohl sicher gefordert.
        Sonst hagelt es böse Herabstufungen.
        Alles redet von Basel3 für Banken.
        Die Versicherungen drücken sich per Gesetz um
        die Mindestgarantieverzinsung.
        Wie wackelig sind die wohl?
        Und nach den Wahlen ist alles möglich.
        Selbst ein Catch22, wie von Dieselblümchen
        ist möglich. Natürlich auch für die Kleinen.
        Oder vor allem.
        Der Fall des Dax sagt alles.
        Und die Gelddruckforderung von LG läßt tief
        blicken.
        Wir haben keine Deflation, sondern eher
        eine gewollte Verringerung der Geldmenge.
        Die Verbraucherpreise sind kaum günstiger.
        Das Schema mit den Einsparungen im Gesundheitswesen,
        Pflege,Rente, Versicherungsgarantiezins, Lohneingrenzung
        ( selbst schon bei Piloten ) läßt auf nix Gutes hoffen.
        Und wie man sieht, bringt die Sepa-Umstellung mit
        ~ 9 Tagen Zinsgewinn beim Vordruck nicht ausreichend
        Polster. Offensichtlich könne die meisten mit Sepa umgehen.
        Man hofft jetzt erstmal auf das Geld der Alten,
        deshalb will man denen im Fernsehen auch überall
        helfen. ;)

        Das Leben ist wie eine Schlange geworden.
        Wer unaufmerksam ist, wird gebissen ( dem wird geholfen ).
        Auch Geld auf dem Tagesgeldkonto könnte also bei halbwöchiger
        Bankschließung gefährdet sein.

        Gruß klaus

  • Hubertth - 7. April 2014

    Anleitung gegen die Zwangsabgabe der GEZ:

    https://www.youtube.com/watch?v=dsVhJTVxixM

    Brillant!

  • Frank Bell - 7. April 2014

    @ Steffen

    Du meinst die Welt wäre gerechter, wenn auch Arbeitnehmer mit 45 Arbeitsjahren für 4 Jahre Abschläge in Kauf nehmen bzw. eben noch 4 Jahre länger arbeiten?

    Nur weil es vielen schlecht geht (Armutsrenten) soll die Lösung sein, dass es denen den es wenigstens gut gehen könnte auch noch schlecht geht,

    Das Problem ist, bereits als Arbeitnehmer, im Durchschnitt, partizipiert dieser in Deutschland nicht entsprechend an Produktivitätsfortschritten und der Leistungskraft der Volkswirtschaft und dies setzt sich fort bis als Rentenbezieher.

    Du hast völlig recht. Das Problem liegt tatsächlich woanders.

    Aber wie sollen wir es hinbekommen, dass

    a) der Arbeitnehmer am Produktivitätsfortschritt besser teilnimmt (die Gewerkschaften weigern sich ja regelrecht, für die Arbeitnehmer einzutreten) und

    b) die Arbeitslosen und die Rentner besser gestellt werden als heute? Da gibt es ja nicht einmal einen Konsens, denn die Mittelschicht geifert ja immer gegen die Arbeitslosen und nicht gegen die Superreichen.

    WIE SOLL man es hinbekommen? Ich sehe einfach keinen Ausweg.

    • Querschuss - 8. April 2014

      Hallo Frank Bell,
      zunächst einmal, in gesamtwirtschaftlichen Kategorien und Zusammenhängen denken, sich nicht von der Propaganda instrumentalisieren lassen und sich gegen die aufhetzen lassen, die in einer ersten Phase der dringend benötigten Korrektur profitieren, wie z.B. die Rentner mit 63 und 45 Beitragsjahren.

      “Ich sehe einfach keinen Ausweg.” …Warum, es müssen Mehrheiten für ein Umsteuern geschaffen werden und eine Öffentlichkeit für faire Partizipation und menschenwürdigere Löhne und Renten in Deutschland, die sich nominal an den Produktivitätsfortschritten plus einem Preissteigerungsausgleich orientieren. Ein Bestandteil dieser Mehrheit kannst auch du sein.

      Immerhin gehen erste Schritte in die richtige Richtung, siehe Tarifabschluss öffentlicher Dienst, Mindestlöhne und Rente mit 63 bei 45 Beitragsjahren. Auch ein zarter Anfang, die schreiende Ungleichgewichte abzubauen.

      Nicht dagegen lamentieren, sondern dies als Chance sehen, dass der ersten noch kleinen Welle, weitere größere folgen und dem kleingeistigen, interessengeleiteten Sud einzelwirtschaftlichen Überschussdenkens nicht auf dem Leim gehen.

      Immer im Auge behalten, die geleistete Bruttowertschöpfung in Deutschland gibt Verbesserungen locker her, der Finanzierungssaldo der inländischen Volkswirtschaft zeigt den bestehenden Unterkonsum und Unterinvestition, die Ersparnis der Volkswirtschaft, respektive der Leistungsbilanzüberschuss, die Überschusswut der Volkswirtschaft. Nettoauslandsvermögen, wie auch die sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanz Deutschlands zeigen, wie viel Suppe da ist, genug um jeglicher Argumentation für Armutsrenten und Niedriglöhnen den Boden zu entziehen. Es ist primär eine Frage der Partizipation und der gerechten Verteilung, also vor allem von Politik.

      Zusammenfassend und gut passend, wenn auch schon etwas angestaubt:
      „Das jeder wirtschaftliche Fortschritt und jede Verbesserung in der Arbeitsweise sich nicht in höheren Gewinnen, Renten oder Pfründen niederschlagen, sondern dass alle diese Erfolge an den Konsumenten weitergegeben werden. Das ist der soziale Sinn der Marktwirtschaft, dass jeder wirtschaftliche Erfolg, wo immer er entsteht, dass jeder Vorteil aus der Rationalisierung, jede Verbesserung der Arbeitsleistung dem Wohle des ganzen Volkes nutzbar gemacht wird und einer besseren Befriedigung des Konsums dient.“
      Ludwig Erhard, Bundeswirtschaftsminister von 1949-1963 und Bundeskanzler von 1963-1966, aus „Wohlstand für Alle“

      Gruß Steffen

      • Holly01 - 8. April 2014

        “die in einer ersten Phase der dringend benötigten Korrektur profitieren, wie z.B. die Rentner mit 63 und 45 Beitragsjahren”

        Medianeinkommen in Deutschland 22000€ ein Rentenpunkt per anno erfordert 33000€, also erhält ein Medianeinkommensbezieher runde 0,66 Rentenpunkte pro Jahr.

        28,03€ ist ein Rentenpunkt wert.

        45 Beitragsjahre x 28,03€ x 0,66 x Rentenfaktor für Altersrente ist die neutrale “eins” =

        Diese hoch priviligierten Rentner leechen also mit 832,49€ pro Monat vom Gemeinwohl.
        Da gehen noch einmal Sozialabgaben und bei einigen sogar Steuern ab.

        Die Grenze wo ein Rentner Hilfe vom Staat erhält, weil sein Leben finanziell nicht mehr adäquat ist, liegt bei runden 700€ und wird -jedem- gewährt, auch wenn er niemals auch nur einen Finger gerührt hat.

        Die ganze Diskussion ist so erbärmlich und so am Thema vorbei, das es mir peinlich ist, diese rechnung immer und immer wieder hinschreiben zu müssen.

        Leute, was laßt ihr euch denn immer noch von diesem Pack als Wahrheiten verkaufen?

        Die 830€ werden noch einmal weniger, weil der Wert der Rente um 25% innerhalb der nächsten paar jahre gesenkt wird.

        Die Sozialschmarotzer sitzen auf Chefsesseln und zahlen weder mit ihren Betrieben noch als Privatpersonen angemessene Steuern.

        Der soziale Druck wurde durch Steuersnekungen genauso bewusst erzeugt, wie der Staat durch eben diese Massnahmen ruiniert wurde.
        Es ist eine Scheindebatte, bei der einige Ärsche im Schatten immer fetter werden und die Leute in der breiten Masse werden auf einander getrieben.

        Wenn ihr etwas tun wollt, dann seit nett zu euren Mitmenschen und lasst auch mal fünfe gerade sein …….. helft wo nötig und schützt wo möglich.

        • Querschuss - 8. April 2014

          Hallo Holly01,
          sicher, eine hohe Zahl der Renten sind Armutsrenten oder nahe dran, in Zukunft noch mehr, deswegen muss ja gegengesteuert werden.

          Bereits 2012 waren 11,320 Millionen bzw. 54,9% aller bezogenen gesetzlichen Renten unter 900 Euro im Monat. Die Renten sind Spiegelbild der schwachen Löhne und der Erhöhung des Renteneintrittsalters und der Senkung des Rentenniveaus.

          Trotzdem dürfte es ein erster Fortschritt sein, nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge mit 63 in Rente gehen zu können. Und darum ging es Eingangs, der Ausgangspunkt war Frank Bells erster Kommentar: “Dass man auf Rente mit 63 für 45 Jahre Beitragszahler schimpft, kann ich verstehen. Andere müssen im Gegenzug bis 67 arbeiten, falls sie nicht vorher mit 58 zwangsverrentet werden.”

          Aber es ist wie oft, die Diskussion ist müßig, kostet viel Zeit, zerfasert, gerät abseits des Ursprungs und bringt wenig voran.

          “Wenn ihr etwas tun wollt, dann seit nett zu euren Mitmenschen und lasst auch mal fünfe gerade sein…” ….Der ist gut, unter so einer Agenda mache ich hier Schluss. Auf den Tipp habe ich schon immer gewartet :)

          Gruß Steffen

          • Holly01 - 8. April 2014

            Lieber Steffen,
            alles Engagement in Ehren und es ist ja ein Muss sich zu informieren, keine Frage, aber wir werden alle ferngesteuert.
            Auch unser Protest oder unsere “Gegenposition” sind doch letztendlich gesteuert.
            Die Krisen sind doch nicht real.
            Das ist doch psycho Marketing, dem wir unterworfen werden.
            NSA? Ich lach mich schuppig. Warum lesen wir den Scheiss in den Medien? Warum wird das Thema warm gehalten?
            Bitte … jetzt nicht das Argument man wolle uns informieren oder da sei jemand mit Verantwortung besorgt.
            Die soziale Kälte hat man doch per Gesetz in Deutschland per Amtsblatt verkündet.
            Schröder und Joschi haben das den Deutschen angetan, aus Geheiss der Bertelsmannstiftung die amerikanische Interessen durchsetzt.
            Die katholische Kirche hat einen Jahrhunderte alten “Fond” der nur einen Sinn hat, man will damit regelmässig die Immobilien der Kirche neu bauen oder zumindest grundsanieren.
            Die Kirche hat 90 Mio in der Kasse.
            Nicht Kredit, keine Almosen, nicht einmal kurzfristige Aquise, ne langfristige Sparergebnisse.
            Da gibt ein Gimp 30 Mio davon aus.
            Der ist ein Verschwender.
            Der größte Teil des Geldes wurde in Räume investiert, die man in den Berg geschnitten hat, damit man dort kulturelle Schätze der katholisch-deutschen Geschichte lagern kann, die in hunderten von jahren noch verfügbar sein sollen.
            Aber die Storie ist eine andere. Da will der Staat an die verbliebenen 60 Mio ran.
            Da kann man eine letzte Institution abkochen.
            Also sind das alle Kinderficker und Kindermisshandler, die sich goldene Badewannen bauen und unser sozial abschmarotzes Geld zum eigenen Spass zum Fenster raushauen.
            So was … dürfen natürlich nur Poltiker, das ist ein equisietes Recht der “Volksverräter”.

            Es ist gut, wenn man den versponnen Polit Fratzen ihre eigenen Statistiken um die Ohren schlägt.
            Es ist auch gut, wenn man die Folgen dieser Politk von der Entscheidung zum Betugs am Volk bis heute aufzeigt.
            Es ist alle mal gut, wenn man die Folgen dieser Gestze die absehbar sind anprangert.

            Es ist aber auch gut, den Menschen neben sich als das zu sehen, was er am wahrscheinlichsten ist: ein Opfer dieser Politik.
            Das hat gar nichts mit Lebensleistung zu tun.
            Da spielen Fleiss und Engagement keine Rolle.
            Opfer werden systematisch durch das Verschieben der Messlatten quer durch die Gesellschaft produziert.

            DAS ist das einzige florierende “produzierende Gewerbe” in Deutschland.
            Der Rest ist ein einizge Farce.

            Gut das Du die Arbeit machst und selten genug das die Zahlen so ehrlich sind wie es möglich ist.
            Aber der Mensch der an der Kasse offensichtlich keine Zeit hat und ein Kind dabei hat das quengelt, den kann man trotzdem mal vor lassen ……

            • Querschuss - 8. April 2014

              Hallo holly01,
              warum solltest du/ich ferngesteuert sein, Armutsrenten sind real, hast du selbst vorgerechnet und ich habe deine Rechnung im Prinzip mit den Daten der Rentenbestandsstatistik von 2012 abgeglichen und in Übereinkunft gebracht. Das ist halbswegs zielgerichtete Analyse und Kritik. 54,9% aller gesetzlichen Renten waren 2012 unter 900 Euro im Monat, Punkt.

              Dein Kommentar zerfasert, von einem zum anderen, am Ende verbleibt der Kern völlig unkenntlich und lähmt damit jede Kritik!

              Gruß Steffen

  • Frank Bell - 8. April 2014

    @ Steffen

    Vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen! :-)

  • Eurelios - 8. April 2014

    Hallo holly01, Hallo Steffen,

    das Dilemma in der wir alle und nicht nur wir als Teilnehmer bei deinem Blog stecken ist doch folgender.
    Die Schieflage in der das System sich befindet zu erkennen (leicht) ist das Eine.
    Was dagegen zu tun (schwer) damit einer Besserung eintritt das Andere. Das man als
    Einzelener wenig bis garnix daran ändern kann ist schon deprimierend.
    Ich denke aber solche Dinge wie dein Blog und es gibt noch mehr im Netz sind
    Anfänge um sich zu sammeln damit sich ein Gegenpol bildet zu den Wenigen
    die derzeit von diesem System nur Vorteile haben bzw dadurch die Masse der
    Menschen abrasiert.

    • Querschuss - 8. April 2014

      Hallo Eurelios,
      so ist es, deshalb muss eine auf den Punkt gebrachte, klar formulierte und vor allen nachvollziehbare Kritik (Fakten) – Kernpunkt der Arbeit sein. So wenig spekulatives, aber so viel faktisches wie möglich. Alles andere verwirrt nur Leser, lässt sie alleine und stößt im schlimmsten Falle sogar ab.

      Gruß Steffen