Deutschland: Reallöhne 2015

von am 5. Februar 2016 in Allgemein

Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete gestern für das Jahr 2015 von einem Anstieg der durchschnittlichen Reallöhne in Deutschland, in Höhe von +2,5% zum Vorjahr. Dieser Anstieg ist vor allem dem niedrigen Anstieg der Verbraucherpreise zu verdanken. Nominal stiegen die Löhne um +2,8% zum Vorjahresquartal. Die offiziellen Verbraucherpreise stiegen 2015 nur um +0,3% zum Vorjahr. Trotz dieses Anstieges 2015 bei den Reallöhnen ist die langfristige Entwicklung beschämend, seit 1995, also in zwei Jahrzehnten stiegen die durchschnittlichen Reallöhne in Deutschland um schlappe +2,2%, armselig und bezeichnend.

S1079Die Entwicklung des Reallohnindex von 1992 bis 2015 im Chart. Im Jahr 2015 stieg der Reallohnindex um +2,5% zum Vorjahr auf 106,0 Indexpunkte. Zum bisherigen Hoch aus 1995 mit 103,7 Indexpunkten betrug der Anstieg nur +2,2%. Plus 2,2% in zwei Jahrzehnten ist ein Offenbarungseid, dass auf Linie schreibende Mainstreammedien dies feiern – auch!

Der Reallohnindex basiert auf der vierteljährlichen Verdiensterhebung und reflektiert die Bruttomonatsverdienste einschließlich der Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer, nach Abzug des Anstiegs beim Verbraucherpreisindex (VPI).

Klar zeichnen tut sich das deutsche Geschäftsmodell so:

S1081Die Entwicklung des offiziellen Reallohnindex (blau/ durchschnittliche Bruttolöhne minus VPI), der Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen (rot/ laut VGR) und der Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde (grün) im Chart seit Q1 1992 bis Q3 2015 (1992=100). Nach den letzten Daten zum Reallohnindex lagen in Q3 2015 die Reallöhne in Deutschland um +5,3% über dem Niveau von 1992, die Produktivität je Erwerbstätigen stieg aber um +19,3% und je Arbeitsstunde sogar um +36,2%.

Die Pfründe aus Produktivitätsfortschritten, Output- und Exporterfolgen flossen primär in die Hände der Eigner, der Exporteure, der großen Konzerne und am äußersten Rand gibt es auch Mal eine kleine Partizipation für Arbeitnehmer in Deutschland und selbst diese ist primär historisch niedrigen Verbraucherpreissteigerungen geschuldet und der Einführung des Mindestlohnes. Deutschland hat eine Asymmetrie bei Partizipation an erzielter Leistung, was Kern des Überschussmodells ist.

Preisbereinigt, nach offizieller Lesart um den Anstieg der Verbraucherpreise (VPI), offenbaren sich immer noch schwache Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat nach Steuern und Abgaben, auch wenn diese am äußeren Rand klar nach oben ziehen:

S1209Die realen (preis- ,saison- und kalenderbereinigten) durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat seit Q1 1970 bis Q4 2015 (2010=100). In Q4 2015 stiegen die durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer und je Monat um +18,40 Euro, auf preisbereinigte durchschnittliche 1711 Euro (2010=100).

Dies ist aber immer noch unter dem Niveau von 1992. Selbst in der alten Bundesrepublik kann man bis Ende der 70er Jahre zurück sehen, um auf so ein Niveau zu kommen. Nichts was Deutschlands Wirtschaft bei einem drastischen Exporteinbruch retten könnte.

Quelle Daten: Destatis.de/Pressemitteilung Nr. 035 vom 04.02.2016: Reallöhne im Jahr 2015 mit + 2,5 % stark gestiegen

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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3 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 6. Februar 2016

    Hallo,
    gibt es eine aufgeschlüsselte Übersicht, damit man nachvollziehen kann, wie viel von diesem Anstieg auf den Mindestlohn entfällt?
    Ich bin ja immer noch besorgt, weil die MM mich informiert haben, dieser Mindestlohn würde die deutsche Wirtschaft ruinieren…….
    Wer kann schon ahnen, was passiert, wenn man den Migranten, newcomern und Zuzüglern auch noch diese soziale Hängematte finanzieren muss.
    Ich meine:
    8,5€ x 40h x 4,3 = 1462€ brutto pro Monat das reicht in Schland, um als Singel Mittelschicht zu sein.
    … und das bieten wir JEDEM ohne ansehen der Person …… ich bin schliesslich ein besorgert Bürger …

    • Querschuss - 6. Februar 2016

      Hallo Holly,
      Destatis lässt sich über den Einfluss des Mindestlohnes in seiner Pressemitteilung nicht aus. Irgendwo habe ich gelesen, das Destatis nicht in der Lage ist diesen Einfluss zu quantifizieren.

      Gruß Steffen