Die Schlacht um die Bank of Japan: Volles Risiko in Japan nach Regierungswechsel

von am 18. Januar 2013 in Allgemein

Presseberichte über unmittelbar bevorstehende Richtungsentscheidungen bei der Bank of Japan haben die Börsenindices in Tokio heute in die Höhe katapultiert und den Erwartungsdruck massiv erhöht. Demnach soll sich die Bank of Japan bereits mit der Regierung auf die Erhöhung des Inflationszieles von einem auf zwei Prozent geeinigt haben und erwägen, sich auf ihrer zweitägigen Sitzung in der kommenden Woche darauf festzulegen, so lange Anleihen aufzukaufen, bis das neue Inflationsziel erreicht ist. Darüber hinaus stehe zur Entscheidung, künftig keine Zinsen mehr auf die Reserveeinlagen von Banken zu zahlen und ob die japanische Notenbank ebenso wie die Fed die Förderung von Beschäftigung in ihren Zielkatalog aufnimmt. (1)

Damit würde die Bank of Japan, die bisher immer eine skeptische Haltung gegenüber der lockeren Geldpolitik eingenommen und vor den damit verbundenen Gefahren gewarnt hat (2), endgültig den Fuß von der geldpolitischen Bremse nehmen und zu einem Zeitpunkt vollständig auf den Fed-Kurs einschwenken, da dieser innerhalb der Fed zunehmend kritisch beurteilt wird und auf der Kippe steht (3).

Der neue Premier Shinzo Abe von der liberaldemokratischen Partei (LDP) hatte bereits deutlich gemacht, dass er von Japans Notenbank die Erhöhung ihres Inflationsziels erwartet und sie zu einer deutlich aggressiveren Geldpolitik bringen will, notfalls auch im Wege einer Einschränkung ihrer Unabhängigkeit. (4) Vor wenigen Tagen hatte die neue Regierung darüber hinaus bereits ein neues Konjunkturprogramm beschlossen (5), das mit einem Volumen von umgerechnet 175 Mrd. Euro bedeutend größer als alle von der vorherigen Regierung beschlossenen ausfällt. Die mit über 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ohnehin schon sehr hohe Staatsverschuldung Japans wird damit nochmals kräftig ansteigen.

Abe hofft damit die japanische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt bis zu den Oberhauswahlen im Sommer endlich kräftig in Schwung bringen zu können. (6) Damit stürmt er wirtschaftspolitisch als einziger beherzt in die entgegengesetzte Richtung aller anderen Industriestaaten, die – mit Ausnahme der USA, die sich nach wie vor nicht entscheiden können – auf Austeritätspolitik setzen.

Zwar ist aufgrund der Größe des Konjunkturpakets eine positive Wirkung auf die Wirtschaft zu erwarten. In der zurückliegenden Weltwirtschaftskrise hatten alle weltweit aufgelegten Konjunkturpakete jedoch keine nachhaltige positive Entwicklung in Gang setzen können. Sie haben aber – neben den Bankenrettungspaketen – die Staatsverschuldung in die Höhe getrieben. Den zu erwartenden positiven Wirkungen des Konjunkturpakets stehen zudem vor allem die Gefahr einer weiteren Abkühlung der Weltwirtschaft entgegen und die – infolge des Streits um die Senkaku-Inseln – angespannten Beziehungen zu China, die sich in Japan wirtschaftlich spürbar negativ auswirken.

Es ist auch fraglich, inwieweit es der japanischen Notenbank gelingen kann, den Yen-Kurs zu drücken, damit die stark auf den Export angewiesene japanische Wirtschaft davon profitieren kann. Sie hat in der Vergangenheit bereits mehrfach an den Devisenmärkten interveniert, um den Yen-Kurs zu drücken. Das ist ihr indes immer nur kurzzeitig gelungen. Es darf darüber hinaus bezweifelt werden, ob heute angesichts der Summen, die an den Devisenmärkten täglich bewegt werden, eine einzelne Notenbank allein überhaupt noch dazu in der Lage ist, den Kurs einer bedeutenden Währung maßgeblich zu beeinflussen. Last but not least ist die bisherige Bilanz der lockeren Geldpolitik, was die Stimulierung der Wirtschaft anbelangt, ebenfalls überaus bescheiden. Das zeigt nicht zuletzt das Beispiel USA sehr deutlich.

Es ist keine Frage, Japans neuer Premier geht mit seiner Krisenpolitik ein gewaltiges Risiko ein. Die Bank of Japan wird dies nicht leichten Herzens unterstützen wollen. Die entscheidende Frage ist, ob und wenn ja, wie lange sie es schafft, dem Druck von Shinzo Abe standzuhalten. Das Treffen von Japans Notenbankern hat durch die heutigen Berichte über die dort zu entscheidenden Fragen in jedem Fall bereits den Charakter einer Entscheidungsschlacht zwischen Notenbank und Regierung bekommen. Abe setzt offensichtlich auf einen raschen Sieg der Regierung. Er kann sich einer hohen internationalen Aufmerksamkeit sicher sein. Wenn seine Rechnung nicht aufgeht, hat er gerade deswegen aber auch gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein großes Problem.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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31 KommentareKommentieren

  • Emeier - 18. Januar 2013

    In diesem Zusammenhang wären Daten zur Lohn- und Produktivitätsentwicklung in Japan sehr interessant. So eine hartnäckige Deflationsphase kann ja nicht nur von zu strammer Geldpolitik kommen,

  • Roland - 18. Januar 2013

    Der japanische Yen verliert seit Monaten deutlich sowohl gegenüber dem US $ als auch sehr gegenüber dem EURO.
    Dies ist auch ein Grund dafür, dass Schäuble vor kurzem – als “Sprecher” der deutschen Exportindustrie- Japan vor einer weiteren Staats-Finanzierung mittels Zentralbankgeld “gewarnt” hat.

  • Willie - 18. Januar 2013

    Man sollte nicht vergessen, dass Japans Regierung nicht nur die Geldpolitik lockern will sondern auch 600.000 zusätzliche Arbeitsplätze aufbauen will. 600.000 Menschen, die mehr für den Konsum übrig haben werden.

    Japan will und muss raus aus der Deflation, in der es sich schon so lange befindet. Hier muss Japans Regierung und Japans Notenbank radikal werden, denn sonst wird es schwer. Ich sehe die Maßnahmen also als durchweg positiv.

    Weiter bin ich ganz froh, dass in dem Artikel auf mögliche Probleme bei den Maßnahmen hingewiesen wird ohne gleich Angst vor der zukünftigen Hyperinflation zu verbreiten. Die Monetaristen sind nämlich bemitleidenswerte Wesen, die, während sie über die kommende Hyperinflation schwafeln, halb Europa zu Grunde richten und meinen sie würden mit ihrer Wirtschaftspolitik immer noch richtig liegen.

    Wichtig ist auch: Von allen Staaten, die bis jetzt gegen die Krise ankämpfen wollten und mussten sehen Japans Ankündigungen auf jeden Fall am vielversprechensten aus. Ich bin gespannt auf die Zukunft.

    • JL - 19. Januar 2013

      Hallo Willie

      Sie haben vollkommen Recht. Die Regierung möchte Arbeitsplätze in der Wirtschaft schaffen. Die eigentliche Frage ist also: Warum schafft die Wirtschaft nicht selbst Arbeitsplätze?

      Und genau das ist das eigentliche Problem Japans.

      Wenn eine Wirtschaft stagniert gibt es immer nur genau zwei Gründe. Entweder gibt es keine Kunden für das Produkt, oder aber kein Geld bei den möglichen Kunden für dieses Produkt.

      Übrigens: Die seit zwanzig Jahren andauernde Deflation Japans hat seinen Ursprung in deren geplatzter Immobilienblase mit nachfolgender Bankenkrise. Damals gab es wohl zu viel billiges Geld, Siehe:

      http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=immobilienblase%20japan%201990&source=web&cd=2&cad=rja&ved=0CD0QFjAB&url=http%3A%2F%2Fzeitenwende.ch%2Ffinanzgeschichte%2Fdie-japan-krise-im-jahr-1990%2F&ei=-NH5UPaYJom0tAatlYGoDA&usg=AFQjCNF3BVpT166_wrBq1OzCJ0S6ag3F6A&bvm=bv.41248874,d.Yms

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • Willie - 19. Januar 2013

        Hier kommt aber das Stichwort Deflation hinzu, die den YEN über Jahrzehnte aufwerten ließ, ohne dass Japan selbst irgendwie groß gewachsen oder gesünder geworden ist. Japan hat also trotz mehr Schulden und weniger Kaufkraft auch noch eine Währungsaufwertung erfahren, die die Wettbewerbsfähigkeit gemindert hat.
        Keine tollen Voraussetzungen für die Wirtschaft und genau das möchte man ändern und scheinbar hat man auc den politischen Willen dazu.

  • Emeier - 18. Januar 2013

    @Willie
    “Die Monetaristen sind nämlich bemitleidenswerte Wesen, die, während sie über die kommende Hyperinflation schwafeln, halb Europa zu Grunde richten und meinen sie würden mit ihrer Wirtschaftspolitik immer noch richtig liegen. ”

    WORD!!

    :-)

  • JL - 18. Januar 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Nachdem die Amerikaner die Politik des billigen Geldes einführten, die EZB nach der Entmachtung der Deutschen Bundesbank- wonach Weber und Stark zurücktraten- dies nachahmten, bleibt der B o J wohl nichts anderes übrig als gleichzuziehen.

    Dabei kann es bei diesem globalen Währungskrieg mittelfristig nur Verlierer geben. Auch die Gefahr der Abwendung von den weltweit etablierten Währungen- also Dollar, Yen und Euro nimmt stetig zu. China macht es mit seinem Renmimbi oder Yuan bereits vor. Dort versucht man einen eigenen internationalen Währungsraum zu schaffen.

    Wie dem auch sei, die bisherigen Ergebnisse des „Billiggeldes“ sind wohl durchaus überschaubar. Während die Wirtschaft keinerlei Stimulus dadurch erhält oder erhalten hat nehmen Spekulationen und Börsenwetten beängstigend zu.

    Auch die angekündigten japanischen Konjunkturmaßnahmen in Höhe von umgerechnet 175 Mrd. Euro werden auch wieder nur ein Strohfeuer bleiben. Man hat wohl im Reich der aufgehenden Sonne noch nicht realisiert, daß neue Mitbewerber seit nunmehr zwei Dekaden entstanden sind und international Produktion und Absatz dominieren.
    Man kann zwar mit dem vielen Geld strukturelle wirtschaftliche Probleme überdecken, lösen kann man sie damit aber nicht- dies trifft aber wohl nicht nur für Japan zu.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Freiberufler - 18. Januar 2013

    Pinky: “Du, Brain, was tun wir heute Abend?”
    Brain: “Das selbe, was wir jeden Abend tun. Wir versuchen, die INFLATION an uns zu reißen.”

    Die Serie läuft jetzt in der dritten Dekade…

  • Delta120 - 19. Januar 2013

    Die Fed kauft jeden Monat Schulden in Höhe von 40 Milliarden auf. Eine Erhöhung um weitere 45 Milliarden pro Monat für den Sommer ist schon in Aussicht gestellt. Das entspricht einer jährlichen Summe von 1 Billion Dollar ohne das der Wechselkurs groß zuckt.

    Die heutigen Probleme großer Währungen scheinen also ganz anderer Natur zu sein, als vor 100 Jahren. Damals war Geld noch größtenteils Gold gedeckt. Das Ende des Wachstums und des demografischen Wandels mit dem Schrumpfen von Volkswirtschaften stellt die Politik und Forschung vor neue Aufgaben und erfordert neue Regeln. Wenn es der Politik zu schwer fällt, den Menschen die das Geld gerade besitzen, das Geld weg zu nehmen, dann lautet die einfache Alternative, dann produzieren wir halt neues Geld. Die Bank of Japan wird sich dem aufkommenden neuen Mainstream in der Politik nicht mehr lange erwehren können, vorallem wenn man die geringen praktischen Auswirkungen beim Wechselkurs, wie am Beispiel USA, beachtet.

    Für die Eurozone ist dieser Ansatz, das produzieren von Geld ohne Schuldscheine, zur wirtschaftlichen Förderung und Aufbau einer Wirtschaftsregierung ebenso zu erwarten. So könnte der kommende Schritt der integrativen Wirtschaft innerhalb der Eurozone gegangen werden ohne das Eurobonds benötigt werden.

  • Huthmann - 19. Januar 2013

    Nach der Lektüre einiger Kommentare:

    Ich würde mich (einmal wieder) über eine Diskussion freuen, wie Wirtschaft eigentlich funktioniert. Was ist das für ein Mysterium, wo jeder eine andere Meinung von hat. Was passiert auf der Mikroebene? Wer handelt aus welchen Gründen wie.

    Erst dann kommt die Frage welchen Einfluß eigentlich “Makrowerkzeuge” wie Geldpolititk, Fiskalpolitik, etc auf diese Ebene eigentlich haben.

    MfG

  • T.o.J. - 19. Januar 2013

    Mich wuerde die Frage interessieren was den wirklich passiert wenn die “Maerkte” (Banken) ausseinanderbrechen und das “System” ausser Kontrolle geraet???

    Alle Anzeichen (die getroffenen Massnahmen) deuten daurauf hin das es in den naechsten Jahren soweit sein wird oder auch frueher. Die ersten Auswirkungen der Zukunft kann man in Portugal , Griechenland , Spanien , Irland und Italien sehen wo man von der Politik immer wieder das gleiche hoert : “Das schlimmste haben wir hinter uns” ….das ich nicht lache….unterschreiben wird es keiner von denen welche das sagen.

    Was soll man auch von einem SYSTEM erwarten dessen Grundgeruest Kredit und Zins + Gelddruckorgien (warum gibt fuer einen Kredit nicht eine einmalige “Gebuehr”??) von Anfang an fehlerhaft konstruiert wurde (bewusst oder unbewusst) ???

  • Moritz - 19. Januar 2013

    Die Notenbank eines Landes kann zwar die Zinsen der Staatsanleihen künstlich untenhalten, indem sie diese kauft (also den Preis der Anleihe in heimischer Währung hochtreibt), aber, wie Japan gerade dabei ist zu lernen, dann gibt es Ärger mit den Wechselkursen. Die Währung wird dann abverkauft.
    Wie das bei einem rohstoffarmen Land die Exporte stimulieren soll, wenn das Import-Öl und das Import-Plastik und die Import-Metalle in lokaler Währung sehr teuer werden, ist mir schleierhaft und ein ewiges Geheimnis, das wohl nur den Monetaristen und Keynesianern vorbehalten bleibt. Nach dieser Kindergarten-Logik der Währungsschwächung müsste ja die Dominikanische Republik inzwischen eine zweite Schweiz oder ein zweites Singapur sein.
    “You can’t buck the market”, wie Margret T. einmal sagte.
    Der japanische Zentralstaat finanziert die Ausgaben zu fast 50% mit neuen Anleihen. Von den 50% der Ausgaben, die durch Steuern gedeckt sind, geht die Hälfte, also 25% vom Gesamtbudget in den Schuldendienst – und die Schulden sind praktisch umsonst! (<1% auf 10jährige). Wenn die Zinsen nun auf zwei Prozent raufgehen, gehen alle Steuereinnahmen für den Zinsdienst drauf. Wenn die Bank of Japan dies mittels Anleihekäufen verhindert, geht die Währung runter und die Staatsausgaben explodieren (Sprit für die Polizeiautos, Lebensmittelsubventionen für die Rentner, um ein paar plakative Beispiele zu nennen). Japan ist so oder so am Ende. Vielleicht halten sie sich noch drei, fünf Jahre über Wasser, aber noch vor Ende der Dekade werden sie detonieren. Von dem Scheppern werden uns allen die Ohren sausen.
    Die wichtigste qualitative Veränderung, ausgelöst durch deren Finanz-Untergang wird aber die Erschütterung des Glaubens der Neo-Keynesianer sein, dass man mit der Notenpresse den Untergang eines Staats abwehren könnte. Wir werden es alle noch in dieser Dekade erleben, daß paradoxerweise auch Staaten mit einer souveränen Währung in die Pleite schlittern.

    • Willie - 19. Januar 2013

      Die Frage ist, was ist schlimmer Inflation oder Deflation?

      Die Antwort lautet: die Deflation. Die Deflation führt dazu dass die “echten” Zinsen auch teurer sind als sie es in Wirklichkeit sind.

      Zudem werten sie die Wärhung auf. Und was ist schlimmer? Wenn die Ressourcen etwas teurer werden, weil die Währung abwartet oder wenn das ganze Produkt teuerer wird, weil die Währung aufwertet? Ziemlich einfache Anwort.

      Wenn Japan nun die Deflation überwinden will und eine moderate Inflation anstrebt wird sich alles eher zum positiven wenden, als dass Japan untergeht. Wir wollen zudem nicht vergessen, dass eine wenig Inflation das Schuldenproblem Japans mindert. Hier passt also deine ganze Argumentationskette nicht mehr.

      Diese Untergehprophezeiungen lagen zudem bis jetzt alle falsch. Angeblich sollte die USA ja schon vor 3 Jahren untergegangen sein, weil die Notenpresse angeworfen wurde.

  • Freiberufler - 19. Januar 2013

    “Die Frage ist, was ist schlimmer Inflation oder Deflation? ”

    Hat man denn überhaupt eine Wahl? In Japan ist in den vergangenen 20 Jahren nichts unversucht gelassen worden, um eine Inflation zu erzeugen.

    “Wir wollen zudem nicht vergessen, dass eine wenig Inflation das Schuldenproblem Japans mindert.”
    Wenn man Leuten wie Bernanke und Krugman zuhört, haben die doch glatt das Perpetuum Mobile erfunden. Man kann sich beliebig verschulden und wenn man überschuldet ist, verschuldet man sich noch mehr, um die Schulden wieder zu entwerten. Und frisch verschuldet kann man sich wieder verschulden…

    • Willie - 19. Januar 2013

      “Hat man denn überhaupt eine Wahl? In Japan ist in den vergangenen 20 Jahren nichts unversucht gelassen worden, um eine Inflation zu erzeugen.”

      Man hat versucht die Krise irgendwie loszuwerden und nach jeder Lockerung der Geldpolitik hat man sie gleich wieder gestrafft. Hätte man Inflation haben wollen, hätte man sie auch gehabt. Aber die Monetaristen hatten anscheind zu viel Angst, denn die Inflation ist ja sooooo pöse….. Genauso wie Schulden. Einfach schlimm das Ganze…..

  • Georg Trappe - 20. Januar 2013

    Austeritaet fuehrt direkt in den deflationaeren Zusammenbruch. Kreditexpansion kauft Zeit und vergroessert nur die Fallhoehe, wenn nicht endlich die tieferen Ursachen erkannt und angegangen werden. Und diese Ursachen liegen in ganz elementaren oekonomischen Verhaltensweisen und Sachverhalten begruendet, die zum einen starken deflationaeren Druck aufbauen und zum anderen Konzentratonsprozesse ausloesen, die nicht nur das Finanzsystem destablisieren, sondern der kapitalistischen Wirtschaftweise in modernen, demokratischen Staaten letztendlich die Funktionsbedingungen entziehen/zerstoeren.
    Der Deflationsdruck entsteht durch den Effizienzwettlauf und die damit verbundene Produktivitaetserhoehung:
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/georgs-kleine-volkswirtschaft-erweitert.html#more
    Der dadurch ab einem gewissen Punkt entstehende Preisverfall kann dann nur noch durch massive Kreditexpansion aufgehalten werden. Dabei verschiebt sich die Kreditvergabe zwangslaeufig und zunehmend von der Finanzierung von Investitionen in der Aufbauphase hin zur Finanzierung von Konsum(z.B. Leasing) und kosumsteigernden Massnahmen(Werbung, Marketing, Vertrieb).
    Parallel dazu wirkt das Fargione Integral, beguenstigt durch neoliberale Ideologien, die ihre Rechtfertigung aus den unbestreitbaren Erfolgen der Aufbauphase beziehen und basierend auf ganz elementaren oekonomischen Verhaltensweisen.
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/12/das-fargione-integral-warum.html
    Das Ganze fuehrt zu einer Entwicklung, die ich an anderer Stelle, wo es um die katastrophale Lage in Griechenland (aber auch in Spanien) ging so beschrieben habe:
    Die Strategie, die hier durch die Troika zur Anwendung gebracht wird, ist recht simple. Da werden die Massen wirtschaftlich solange sturmreif geschossen, bis sie wieder fuer die einfachen und bewaehrten Loesungen empfaenglich sind. Und diese werden dann von den selben skrupellosen Armleuchtern angeboten und implementiert, die dieses Desastser zu verantworten haben. Und das Ganze wird dann als ein weiterer Sieg des Wirtschaftsliberalismus gefeiert werden. Denn das ist wirklich unbestreitbar: Wenn alles in Truemmern liegt ist eine liberale Witschaftspolitik unschlagbar wenn es um Wiederaufbau geht. Was ihr aber nie gelingt und ihr auch nicht gelingen kann, ist eine wiederaufgebaute Wirtschaft in eine sich selbsttragende, stablisierende Entwicklung zu lenken. Das liegt daran, dass die wirtschaftsliberale Rezeptur auf Dauer angewendet ihre anfaenglichen Erfolge spaeter dadurch untergraebt, indem sie sich in ihren Auswirkungen ueber Zeit zunehmend gegen die Interessen von Mehrheiten richtet. Das Fargione Integral laesst gruessen. Die Loesung, das durch kreditfinanzierten Konsum zu uebertuenchen, traegt nur solange, bis sich alle Sektoren einer Wirtschaft mit 100% des BIP verschuldet haben. Und dann schliesst sich der Kreis (s.o.).

    • SLE - 20. Januar 2013

      @ Georg Trappe

      “Der dadurch ab einem gewissen Punkt entstehende Preisverfall kann dann nur noch durch massive Kreditexpansion aufgehalten werden.”

      … UND durch Ausschaltung effektiven Wettbewerbs über Monopolisierung/Kartellierung, unterstützt von einer Wirtschafts- und Industriepolitik, die Oligopolisten/Monopolisten und Kostensenkung unterstützt!

      “Denn das ist wirklich unbestreitbar: Wenn alles in Truemmern liegt ist eine liberale Witschaftspolitik unschlagbar wenn es um Wiederaufbau geht.”

      Exakt! Genau so ist es. Auf ausgereiften, stagnierenden Märkten ist sie indes ebenso wenig wie Konjunkturstimulierung problemadäquat. In einer solchen Lage hilft nur noch gezieltes Hinwirken auf Veränderungen der Marktstrukturen, denn anhaltende Instabilität, Ungleichgewichte und Krisenanfälligkeit sind markt- und wirtschaftsstrukturell bedingt.

      Doch egal wie offensichtlich das auch ist, es wird schlicht ignoriert. Die Konsequenz ist, dass – wie Sie richtig sagen – die Fallhöhe steigt. Das ist das Problem.

      Viele Grüße
      SLE

  • Huthmann - 20. Januar 2013

    Sehr geehrter Herr Trappe,

    wenn ich Sie richtig verstehe, so sagen Sie, daß eine Volkswirtschaft zumindestens für den mittleren bis längeren Zeitraum nicht mit der aus dem Wettbewerb entstehenden Produktivitätsverbesserung umgehen kann. D.h. diese Produktivitätsverbesserung führt durch mehr Output zu abnehmenden Preisen und zieht somit automatisch eine Deflation nach sich. Innovationen, die Mehrwert erzeugen, lassen sich zumindestens nicht auf die mittlere bis lange Sicht durchhalten. Dies überfordert Unternehmer wie auch Arbeitnehmer.

    Ja ist das denn so?

    Der Unternehmer ist als Haftender Gefangener der Entwicklung. Investiert er nicht, verbessert er nicht die Prozesse, treibt er nicht die Innovationsfähigkeit voran, so fällt er zurück im Wettbewerb, seine Firma verliert an Wert, verliert die guten Mitarbeiter, etc. D.h. der Unternehmer ist Gefangener seines Engagements als Verantwortlicher und nolens volens Treiber. Ggf. ist er auch Unternehmer als Freude an der schumpeterischen kreativen Zerstörung, was ja nichts Negatives ist, da prinzipiell Neues Altes in den Hintergrund denkt, d.h. das Alte verliert sein Besitzstandsdenken (passiert in der Mode auch, in der Musik, in der Malerei, einfach Überall).

    In der Summe behaupten Sie, daß der Kapitalismus die Menschen als Unternehmer überfordert. Irgendwann bringen die nicht mehr den Mehrwert auf, der die Produktivitätsverbesserung zumindestens ausgleicht.

    Das ist eine Hypothese, die sollte überprüft werden und die sollte auch überprüfbar sein. Ich glaube, daß das für alternde Gesellschaften gilt wie z.B. Japan. Wenn das Alte in einer Gesellschaft überwiegt, kann unvoreingenommenes Neues weniger gut sich durchsetzen.

    MfG

    • SLE - 20. Januar 2013

      @ Huthmann

      nein, der Kapitalismus überfordert nicht die Menschen als Unternehmer. Was Herr Trappe sagen will, ist, dass die Märkte nicht selbstregulierend sind und wir die Märkte überfordern, wenn wir ihnen das unterstellen. Die angesprochenen Probleme überreifer, verkrusteter Märkte und Volkswirtschaften können gelöst und – so denke ich – sogar verhindert werden, durch eine entsprechende Politik.

      Innovation ist im Übrigen nicht gleich Innovation. Es gibt solche Innovationen, die Märkten eine starke Entwicklungsdynamik verleihen und mithin den Beginn einer neuen Lernkurve bedeuten sowie damit verbunden das Potenzial für erhebliche Produktivitätssteigerungen bergen. Und es gibt andere, die den Märkten kaum Impulse für dynamische Veränderungen geben, sondern den Status Quo fortschreiben mit der Folge, dass das Problem, immer weiter Produktivitätssteigerungen und neue Nachfrage zu generieren, auftritt.

      In Großunternehmen sind – m.E. – überwigend auch keine “Unternehmer” im eigentlichen Sinne des Wortes am Werke, sondern “Verwalter”, “Administratoren” im Schumpeter´schen Sinne. Dass die auf alternden Märkten und in alternden Volkswirtschaft dominieren ist aber nur die eine Seite des Problems. Die andere Seite ist die Dominanz der sich ebenso konservativ und neuerungsavers (wie die Mehrzahl der Unternehmen) verhaltenden Nachfrager.

      Wenn man konzediert, dass Märkte sich in solchen Situationen nicht selbst heilen, dann muss man an beiden Seiten ansetzen, das heißt eine auf eine Dynamisierung der Entwicklung gezielte – will sagen differenzierte – Politik betreiben. Eine liberale Wirtschaftspolitik ist dafür ungeeignet, weil sie schon vom Denkansatz her überhaupt keine Grundlage für eine differenzierte Beeinflussung der Lage auf Märkten bietet (Freiheit für alle im Sinne von “frei” von jeglicher staatlicher Einflussnahme). Dasselbe gilt aber ebenso für keynesianische Stimulierung. Hier geht es im Unterschied zur liberalen Politik zwar in der Tat um Beeinflussung, aber im Sinne von Globalsteuerung. Zudem liegt dem keynesianischen Ansatz keine andere Markttheorie als dem Liberalismus/ der Neoklassik zugrunde und damit auch keine Grundlage zur Beeinflussung der Lage auf alten, hochkonzentrierten und ggf. verkrusteten Märkten. Auch dieser Denkansatz bietet KEINE hinreichenden Möglichkeiten für eine differenzierte Wirtschafts- und Industriepolitik und damit stützt eine daran anknüpfende Politik in reifen, von hochkonzentrierten Märkten gekennzeichneten Volkswirtschaften – wie jetzt in Japan – letztlich nur den Status Quo.

      Viele Grüße
      SLE

  • Huthmann - 20. Januar 2013

    Ergänzung:

    Wenn dann die Gesellschaften ratlos werden und ihre Löhne und Gehälter im internationalen Maßstab nicht bereits sind zu senken, so verliert die Wettbewerbsfähigkeit, das Wachstum stagniert. Dann treten die am Schluß die Zentralbanker auf den Plan und versuchen das Problem über die Geldpolitik zu lösen, mit den Folgen, die wir kennen: Wachstum wird künstlich durch das “Verbrennen” zukünftiger Sparvolumina erzeugt, auf den Asset-Märkten bilden sich Blasen, der moral hazard etabliert sich als Wertekanon in der Gesellschaft.

    Bevor dies passiert bilden sich noch die Oligopole, um über Preisabsprachen den Wettbewerb zu vermeiden, dem die Unternehmer sich nicht mehr aussetzen können und wollen (siehe SLE).

    Alles falsche Wege aus der Krise. Das einzige, das hilft, ist eine schonungslose Selbstanalyse der Gesellschaft nach dem Motto: wenn wir uns weniger anstrengen wollen im internationalen Wettbewerb, dann können wir halt unseren Wohlstand nicht erhalten und müssen bescheiderer leben: geringere Gewinne, geringere Löhne und Gehälter, etc. Aber dann schreien alle wieder auf…

    MfG

  • Huthmann - 20. Januar 2013

    Nochmals Ergänzung.

    ich halte meine Erklärung der Entwicklung für zutreffend. Im Übrigen gilt ist auch auf Deutschland anwendbar nach den 60 ziger und 70ziger Jahren. Nach dem Wiederaufbau Deutschlands durch die Söhne und Töchter derjenigen, die es mit zerstört haben, waren diese einfach etwas müder geworden und haben ihre Ersparnisse lieber in die Asset-Märkte weltweit investiert. Deswegen ist ja auch die Netto-Investitionsquote ständig zurückgegangen.

    Schwellenländer, in denen die Bevölkerung wächst, gelten aus aus diesen Gründen, als Länder in die man investiern sollte.

    MfG

    P.S. Evl. ist das alles etwas grob beschrieben. Meiner Meinung aber nach nicht leicht zu wiederlegen.

    Zu Herrn Trappe: ich wollte die dahinterliegende Logik etwas aus meiner Sicht beleuchten.

  • Huthmann - 20. Januar 2013

    Ich erlaube mir noch eine Anmerkung:

    Um eine Gesellschaft “im Gleichgewicht ” zu halten, was Rechte und Pflichten anbetrifft in wirtschaflicher Hinsicht braucht es eine Ordnungsstruktur. Diese Ordnungsstruktur, über die sich viele Leute viele Gedanken gemacht haben (siehe Freiburger Schule) muß aber auch gelebt und durchgesetzt werden.

    Und daran fehlt es. Ob der Staat es kann, darüber habe ich meine Zweifel. Denn hier wird zu oft und lange nachgedacht, wie die eigene Macht erhalten werden kann. Zudem hat der Staat eigenlich in keiner Epoche der Geschichte nicht tendenziell Probleme zur Lösung in die Zukunft verschoben.

    Wie kann also eine solche Ordnungspolitk aussehen und wer setzt sie durch? Wer hat das Wissen darüber, welche Werte und Regeln notwenig sind, damit eben keine Machtkonzentrationen entstehen, die dem Allgemeinwohl abträglich sind. Hierzu gehört wie in einer Unternehmung die Verantwortung Disziplin vorzuleben und sie auch einzufordern. Gesellschaften, denen das gelingt, haben auch eine nachhaltigere Entwicklung.

    Aber wie gesagt: weder Unternehmern und Arbeitnehmer, noch Politiker lieben Wettbewerb. Alle versuchen auf allen Ebenen Wettbewerb zu unterbinden zum eigenen Wohl und zu einem angenehmeren Leben.

    Wer liebt Wettbewerb und schaftt es realistisch seine Ansprüche und Leitungen weltweit in Einklang zu bringen? Den brauchen wir als verantworttlichen Staatsbürger auf oben angeführten Ebenen als Unternehmer, Arbeitnehmer und Politiker.

    MfG

    • SLE - 20. Januar 2013

      Hall Herr Huthmann,

      Sie haben natürlich völlig Recht: eine Ordnungsstruktur (einschließlich klaren Haftungsregeln) muss es geben und es muss auch für deren Durchsetzung gesorgt werden. Letzteres ist definitiv heute ein zentrales problem.

      Allerdings gibt es in der Realität keine reine, also rein wettbewerblich gesteuerte, Marktwirtschaft. Es kann sie nicht geben, sofern sie nicht prinzipiell selbstregulierend ist. Ich stimme mit den liberalen Ökonomen vollkommen darin überein, dass Freiheit ein zentrales Ziel sein muss. Nur werden Märkte und Wettbewerb nicht von sich aus jederzeit und in allen Marktsituationen dafür sorgen.

      Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will nicht der staatlichen Lenkung der Wirtschaft das Wort reden. Im Gegenteil! Es muss dem Staat darum gehen dafür Sorge zu tragen, dass fairer, freier bzw. effektiver Wettbewerb tatsächlich auch vorherrscht oder, sollte dies nicht der Fall sein, diesen wieder herstellt. Mit dem liberalen Konzept, einen solchen freien Wettbewerb zu sichern, funktioniert dies jedoch nicht in jeder Marktsituation. Wie Herr Trappe weiter oben korrekt gesagt hat, gelingt das mit dem liberalen Konzept auf Märkten und in Volkswirtschaften, die am Anfang ihrer Entwicklung stehen – so wie im Nachkriegs-Deutschland gesehen.

      Auf ausgereiften Märkten und ausgereiften Volkswirtschaften gelingt es indes definitv nicht und dafür sind liberale Ökonomen blind, weil sie die Entwicklung von Märkten zwar nicht ausblenden, aber nicht differenziert berücksichtigen. Täten sie es, müssten sie die Selbstregulierungsthese und das Nicht-Interventionspostulat aufgeben. Die Ökonomen, die sich auf die neoklassische Lehre abstützen, blenden indes die Entwicklung von Märkten komplett aus – wie ich hier im Blog schon oft im Zusammenhang mit der entsprechenden Wettbewerbsvorstellung namens “funktionsfähiger Wettbewerb” erläutert habe.

      Viele Grüße
      SLE

  • Georg Trappe - 21. Januar 2013

    @Huthmann
    Um es kurz zu machen. Ich laufe gegen Fettaugen Sturm. Und eine planwirtschaftlich gelenkte Wirtschaft ist aus meiner Sicht das groesste denkbare Fettauge. Eine kapitalistische Wirtschaft, in der das Geschehen zunehmend von Giganten “too big to fail” bestimmt wird, verhaelt sich zunehmend wie eine planwirtschaftliche Wirtschaft, mit allen Konsequenzen bis hin zu monstroesen Fehlallokationen. Alles weitere hat SLE schon gesagt und ich kann es nur noch zehnmal unterstreichen. Maerkte verkommen zunehmend, Wettbewerb findet wenn ueberhaupt nur noch eindimensional im Kostensenkungswettlauf statt, usw. usf.. Und es ist kein Zufall, dass zunehmend von Weltwirtschaftsregierungen und aehnlichen Giga Fettaugenkonstrukten die Rede ist. In meinen Augen ein absoluter Albtraum. Wenn es eine Loesung gibt, dann ist sie meiner Meinung nach in Richtung Dezentralisierung, Wiederherstellung von Wettbewerb und Besinnung auf ein menschliches Mass zu suchen.
    Aber auf garkeinen Fall in immer groeser werdenden Konstrukten, in denen Masslosigkeit zum Prinzip erhoben wird.

    • SLE - 21. Januar 2013

      @ Huthmann

      Nur als Ergänzung zu Herrn Trappes Ausführungen: Genau darauf hat sogar schon Rudolf Hilferding – bekannt als Schöpfer der sog. Stamokap-Lehre – vor über 100 Jahren hingewiesen, in seinem Buch “Das Finanzkapital” von 1910 – ein Buch, das ich zur lektüre empfehlen kann.

      Nur in Kürze, worumes darin geht: Hilferdings Argumentation war so bestechend, dass sogar Lenin sich daran orientierte und das Konzept für eine Schrift nutzte, in der er erklärte, warum der Kapitalismus scheitern bzw. dass dessen Scheitern durch gezielte Förderung der Oligopolisierung der Wirtschaft erreicht werden könnte. Eine derart “durch-oligopolisierte” Wirtschaft ist gemäß Heilferding systemisch bedingt instabil und neigt zum Kollaps. Der Staats muss deswegen immer wieder einspringen und diese Strukturen bzw. die Oligopolisten stützen und wird damit zum Reparaturbetrieb des Kapitalismus. Damit werden aber die Unterschiede zwischen Plan- und Marktwirtschaft eingeebnet. Das ist es, was Herr Trappe geschrieben hat und man braucht nur an den heute ausufernden Lobbyismus und den Einfluss der Konzerne und Großbanken auf die Politik denken, um zu verstehen, dass Hilferding Recht hat.

      Ich glaube allerdings nicht, dass Hilferding belegt hat, dass der Kapitalismus scheitern muss. Vielmehr hat er belegt, welche Struktur bzw. Ausprägung der Marktwirtschaft zum Scheitern verurteilt ist und warum.

      Viele Grüße
      SLE

  • Georg Trappe - 21. Januar 2013

    Sehr geehrter Herr Huthmann
    Das Fargione Integral zeigt auf, dass Fettaugen nachwachsen wie Unkraut. D.h. wenn man die negativen Folgen dieser Entwicklung ins Kalkuel mit einbezieht, was die Mainstream Wirtschaftswissenschaften nicht tun, dann steht man vor einem kniffeligen Optimierungsproblem, das tatsaechlich sehr hohe Anforderungen stellt:
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/wirtschaft-ein-optimierungsproblem.html
    Und ich werde das Gefuehl nicht los, dass diejenigen, die vorgeben den hoechsten Anforderungen gewachsen zu sein und sich in die entsprechenden Positionen gedraengt haben, dies nicht sehen wollen oder nicht sehen koennen.
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

    • Huthmann - 21. Januar 2013

      Dann müssen wir uns also um mehr Wettbewerb kümmern auf allen Ebenen.

      Dann ist Keynes mit deficit-spending keine Lösung des Problems, dann sind die Notenbanken mit ihren Interventionen keine Lösung des Problems, dann ist Industriepolitik keine Lösung des Problems und und und. Alle Irrwege.

      Mit allem dem müssen wir uns in Zukunft nicht mehr beschäftigen, denn kurzfristig möglicherweise hilfreich, werden die Probleme dadurch mittel- und langfristig nur größer und führen zu den heute als so kritisch angesehenen Vermögenskonzentrationen.

      Wie es einmal ein anderer Kommentator an anderer Stelle sagte. Das Hauptproblem unserer Zeit ist, daß keiner mehr scheitern darf. Wir müssen also wieder eine Kultur des Scheitern etablieren, Firmen, Privatpersonen, Staaten in Insolvenz gehen lassen, nach Aufschwüngen auch Rezessionen wieder ertragen lernen.

      Und wir müssen daran arbeiten, einen Ordnungsrahmen zu etablieren, der dies alles ermöglicht und nicht verhindert.

      MfG

      • Georg Trappe - 22. Januar 2013

        Sie sprechen da etwas an, was ich mit menschlichem Mass, das verloren gegangen ist, umschreibe. Ja , Scheitern muss wieder moeglich sein. Man muss wieder aus Fehlern lernen koennen, ohne das der Fehler gleich Weltuntergang bedeutet. Die allgegenwaertige Hypertrophierung macht dies unmoeglich. Und was den Ordnungsrahmen angeht, den ich Gemeinwesen nenne, stellt eine staendige Aufgabe dar. Es ist Arbeit am Gemeinwesen notwendig, um diese Dinge zu regeln. Und soweit, wie ich glaube die Dinge verstanden zu haben, muss man sich wohl auch von der Vorstellung frei machen, dass eine einmalig konzipierte und etablierte Ordnung dies auf ewig leistet. Es ist ein Entwicklungsprozess, der voranschreitet. Und ich kopiere hier nochmal meine Antwort ein, die ich an anderer Stelle schon gegeben habe:

        Meiner Meinung nach ist es vor allen Dingen eine Kopfgeschichte. Das erste was geschehen muss, ist die Herstellung der Einsicht in die tieferen Ursachen des Problems. Solange eine solche Einsicht nicht besteht und die offizielle Lehrmeinung und damit das was an den Eliteschulen vermittelt wird, im genauen Gegenteil besteht, hat die Vernunft keine Chance. Solange das geozentrische Weltbild bestand, konnten bestimmte “Ungereimtheiten” nicht behoben werden. Erst als sich die Erkenntnis durchsetzte, dass die Erde ein Planet ist, der um die Sonne kreist, war der Weg frei fuer die Aufloesung dieser “Ungereimtheiten”. D.h. Ideen und Vorstellungen sind sehr machtvoll. Und Fortschritt bedeutet die Ueberwindung falscher Ideen und Vorstellungen. Meine Hoffnung ist also, dass mit Vernunft begabte Menschen faehig sind im Konsens eine Loesung zu finden, wenn sie ersteinmal die tieferen Ursachen der Probleme erkannt und begriffen haben. Wenn man gleichzeitig davon ueberzeugt ist, dass moderne Demokratie und die Idee einer Volonte generale nicht nur einmalige Fortschrittsereignisse darstellen sondern kontinuierlichen Fortschritt ermoeglichen, dann kommt man zu Antworten auf Ihre Frage, wie ein Kollege und Freund sie mal hier, wie ich finde ganz ausgezeichnet, zusammen gefasst hat:
        http://community.zeit.de/user/vagant/beitrag/2010/11/09/dein-wille-geschehe

        Viele Gruesse
        Georg Trappe

  • Stefan Wehmeier - 23. Januar 2013

    Geldpolitik

    Preis (P) = Geldmenge (G) x Umlauffrequenz (fu) / Warenmenge (W)

    Die Währungspolitik kann den Faktor G durch Mehrausgaben oder Einzug von Geld regulieren. Mindestens nach oben kann man die Geldmenge begrenzen. … Allerdings kann man nicht verhindern, dass Teile der ausgegebenen Geldmenge gehortet werden. Man hat auch die effektive Umlauffrequenz (fu = BIP / Zentralbank-Geldmenge) nicht in der Hand. Nur wenn man die Kaufkraft des Geldes ständig pendeln lässt (Währungspfusch), kann man darauf einen Einfluss nehmen. Die Umlauffrequenz folgt nämlich in der Regel der Preisbewegung nach. Steigende Preise reizen die Kauflust, fallende lähmen sie. Die Kauflust ihrerseits ist der wesentlichste Motor der Umlauffrequenz des Geldes.

    Erreicht man also durch Veränderung von G eine Bewegung von P, so ändert sich fu entsprechend. Dieser – im Übrigen nicht ungefährliche, leicht zur Schraube ohne Ende werdende – Mechanismus versagt aber bei stabiler Kaufkraft, die doch das Ideal sein sollte. … Eine Währungspolitik, welche die Preise in leichter Aufwärtsbewegung hält (schleichende Inflation), hat sich als recht erfolgreich erwiesen. Wie das kommt, wird am ehesten klar, wenn man vom Gegenteil, der allmählichen Preissenkung, ausgeht. … Alle Käufe, die nicht dem dringlichen Bedarf dienen, werden bei sinkenden Preisen verzögert in der Hoffnung, durch Ausnutzung des Preisfalls Gewinne zu erzielen. Das hat Absatzstockungen und Arbeitslosigkeit zur Folge. Die Wirtschaftsgeschichte hat das erwiesen. … So populär die Forderung nach Preissenkung ist, so nachdrücklich muss eine verantwortungsbewusste Wirtschaftspolitik sie gerade im Interesse der Arbeiterschaft ablehnen. Erhält man die Preise stabil, so kann einem die Hortbarkeit des Geldes leicht einen Streich spielen. … Sie wird einsetzen, sobald bei Sättigung des Kapitalmarktes der Zins sinkt.

    Nun kann man die Hortung ausgleichen durch Ausgabe neuen Geldes an Stelle des gehorteten. Das wird aber in dem gleichen Augenblick gefährlich, wenn durch irgendwelche Einflüsse das gehortete Geld zum Vorschein kommt. Dann laufen die Preise leicht davon, bevor man durch Geldeinzug die Entwicklung bremsen kann. Leicht ansteigende Preise aber halten den Geldumlauf in ständiger Bewegung. Der allmähliche Kaufkraftverlust vertritt beim Geld den Lagerverlust der Waren und unterwirft das Geld wie die Ware dem Angebotszwang. Der Nachteil aber ist, dass dieser Kaufkraftverlust nicht nur das Geld betrifft, sondern auch alle auf Geld lautenden Schuldverträge (langfristige Geldansprüche). Dadurch wird langfristiges Sparen behindert, sodass besondere Maßnahmen zur Förderung der Investition nötig werden. Außerdem widerspricht es der Gerechtigkeit, dass Schuldverträge später mit einem minder kaufkräftigen Geld erfüllt werden.

    Stehen wir hier vor einem ausweglosen Dilemma der Marktwirtschaft?

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html