Die totale Rettung – ein Fake

von am 22. Juli 2011 in Allgemein

Eine neue “Griechenland-Rettung” wird nun suggeriert. In Wirklichkeit werden jetzt nicht nur die griechischen Altschulden, aus einer ausgeweiteten Transferunion der Eurozone refinanziert, sondern auch eine weiter anhaltende Neuverschuldung. Kein Problem wurde bisher gelöst, im Gegenteil, dass griechische Staatsdefizit klettert munter weiter. Wie das griechische Finanzministerium vor 2 Tagen mitteilte, sanken die Steuereinnahmen in den ersten 6 Monaten 2011 um -8,3% und die Ausgaben kletterten um +8,8%, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Tabelle des griechischen Finanzministeriums mit dem Staatshaushalt im ersten Halbjahr 2011. Das Staatsdefizit weitete sich zum Vergleichszeitraum des Vorjahres um +27,5% aus, auf 12,747 Mrd. Euro. Damit verfehlt man das anvisierte Ziel beim Defizit deutlich.

Die sinkenden Staatseinnahmen sind vor allem auf ein Schrumpfen der Wirtschaftsaktivität zurückzuführen, im Umkehrschluss die gestiegenen Ausgaben ebenfalls. So auf erhöhte Staatszuschüsse für die Sozialversicherungen (1,28 Mrd. Euro) in Folge reduzierter Einnahmen aus den Sozialbeiträgen, auf die erhöhten Zuschüsse an die Arbeitsämter (348 Millionen Euro), auf erhöhte Zuschüsse an Krankenhäuser in Höhe von 935 Millionen Euro und auf erhöhte Zuschüsse an diverse Fonds der sozialen Sicherheit in Höhe von 1,215 Mrd. Euro. Auch die erhöhten Zinszahlungen schlugen zu Buche mit +1,272 Mrd. Euro auf 7,009 Mrd. Euro. Gespart um kräftige -42,3% bzw. um -1,563 Mrd. Euro wurde hingegen bei den öffentlichen Investitionen, nur dies verschärft die Rezession!

Zieht man noch die geleisteten Verbindlichkeiten für die Anleihen der Sozialversicherungen und die hohen Rückzahlungen für die Verbindlichkeiten der griechischen Krankenhäuser hinzu, kommt ein Drama zum Vorschein:

Mit den Zahlungen aus den Verbindlichkeiten der Sozialversicherungen und den Krankenhäusern wuchs der gesamte staatliche Kreditbedarf im 1. Halbjahr auf 18,459 Mrd. Euro, nach 10,233 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2010. Besonders pikant, für das Gesamtjahr 2011 wurde eine Neuverschuldung von 23,328 Mrd. Euro veranschlagt, dies dürfte bei weitem übertroffen werden angesichts der Tatsache das jetzt bereits 18,459 Mrd. Euro auf der Uhr stehen.

Wie hoffnungslos sich die Lage im griechischen Staatshaushalt darstellt, dokumentiert eindrucksvoll der Fakt, dass selbst wenn man alle Löhne, Gehälter und Pensionen der heutigen und ehemaligen Staatsangestellten auf null reduzieren würde, was keine Option ist, wäre das Defizit im Staatshaushalt im 1. Halbjahr 2011 nicht eliminiert, denn die Gesamtsumme aller Löhne, Gehälter und Pensionen für Staatsangestellte und Pensionäre die der Staat zu leisten hatte betrug “nur” 10,743 Mrd. Euro! Dies zeigt unter anderem auch, das Sparmaßnahmen bei Staatsangestellten allein, ein völlig aussichtsloses Unterfangen zur Behebung der griechischen Schuldenkrise sind.

Bereits im 1. Quartal 2011 war laut Eurostat, gemäß Maastrichtdefinition, der Bruttoschuldenstand des Staates auf 149,6% des nominalen BIPs geschossen:

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstands des Staates in Prozent zum nominalen BIP von Q1 2001 bis Q1 2011 im Chart.

Die notwendige Kreditfinanzierung des griechischen Zwillingsdefizits im Gesamtjahr 2010, aus Staatshaushaltsdefizit (gemäß Maastrichtdefinition) mit 24,193 Mrd. Dollar (10,5% des nom. BIPs) und des Leistungsbilanzdefizits von 24,057 Mrd. Euro (10,45% des nom. BIPs) betrug satte 48,25 Mrd. Euro bzw. unglaubliche 20,96% der nominalen Wirtschaftsleistung. Für das Jahr 2011 sieht es nicht besser aus, wie die oben gezeigten Daten zum Staatsdefizit im ersten Halbjahr 2011 zeigen. Auch das Leistungsbilanzdefizit im 1. Quartal 2011, laut den Daten von Eurostat, lag bei noch beachtlichen 7,4 Mrd. Euro:

Die Entwicklung der griechischen Leistungsbilanz in Mrd. Euro seit Q1 1990 bis Q1 2011 im Chart. Die nicht vorhandene Leistungsfähigkeit der griechischen Wirtschaft dokumentiert sich in einem chronischen Leistungsbilanzdefizit.

Die Daten zeigen ganz deutlich, auch mit dem zweiten Hilfspaket für Griechenland wird nichts substantiell gerettet werden. Abseits der Sonntagsreden wird nur ein unhaltbarer Zustand, mit Krediten die einem Transfer gleichkommen, in die Verlängerung gebracht.

Quelle Daten: Minfin.gr/PDF des griechischen Finanzministeriums: STATE BUDGET EXECUTION 6 MONTHS, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Marktdaten, wie die Renditen der Staatsanleihen, Kreditausfallversicherungsprämien der CDS, Euro, Gold, Öl und dem Baltic Dry Index, inklusive den Langfristcharts: Fieberkurven

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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