Draghi liest die Leviten – anhand irreführender Daten!

von am 16. April 2013 in Allgemein

Harald Schuhmann vom Tagesspiegel hatte vor 2 Tagen in einem Kommentar “Der deutsche Irrweg” auf die Methoden der EZB, in Gestalt des obersten Zentralbankers, Mario Draghi hingewiesen. Dieser hatte auf dem Treffen der Regierungschefs in Brüssel am 14. März 2013 einen Vortrag gehalten und mittels einer Präsentation vor allem jene Länder kritisiert, die Handelsbilanzdefizite aufweisen und auf den Verlust der dortigen Wettbewerbsfähigkeit hingewiesen, insbesondere auf viel zu hohe Lohnsteigerungen und ein zu niedriges Produktivitätswachstum. Dies klingt auf den ersten Blick schlüssig und “vernünftig”, nur unterlief dem EZB-Chef dabei ein gravierender Patzer.

Die präsentierten Charts zeigten u.a. die gravierenden Anstiege in der Südschiene der Eurozone bei den Arbeitnehmerentgelten je Beschäftigten (Compensation per Employee) und setzten diese in Relation zum lauen Anstieg der Produktivität (GDP per Employee). Dabei bekam auch ordentlich Frankreich sein Fett ab und Präsident Hollande soll betreten geschwiegen haben, angesichts der Charts:

1aDie Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten und der Produktivität (BIP je Beschäftigten) in Relation, als Index 1999=100 einiger ausgewählter Volkswirtschaften, laut Draghis Präsentation. Angesichts solcher Charts von der EZB wird sofort klar, wo sich “die Probleme manifestieren”, oder?

Dumm nur oder Absicht, dass diese Charts eine blamable Verzerrung präsentieren, denn die Produktivität (BIP je Beschäftigten) wird real dargestellt, also nach Abzug der BIP-Preisfaktoren, aber die Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten nominal, ohne Berücksichtigung der Preisfaktoren. Was für ein Schnitzer und egal ob unbeabsichtigter Fehler oder bewusste Irreführung, dies zeigt die Inkompetenz oder eben die verbrämte ideologische Motivation der Handelnden. Wenn bereits die Analysen nicht stimmen, braucht man sich über nicht zielführende Maßnahmen zur Behebung der Krise nicht wundern.

Setzt man den Daten zur preisbereinigten Produktivität, die realen Arbeitnehmerentgelte entgegen, jeweils je Beschäftigten, stellt sich das Bild nicht unerwartet etwas anders dar! Dann ist nicht nur die Südschiene zu kritisieren, sondern auch Deutschland müsste sein Fett weg bekommen und davon ORDENTLICH. Dies ist ja auch logisch, die deutsche Wettbewerbsfähigkeit fiel nicht vom Himmel, sondern ist vor allem Ergebnis einer miesen Partizipation der Arbeitnehmer an den Produktivitätsfortschritten.

1aDie Entwicklung der deutschen realen Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten (rot) und der realen Arbeitsproduktivität (reales BIP je Beschäftigten – blau) seit 1999 bis 2012 im Chart, auf Jahresbasis als Index 1999=100.

Wie seit Jahren von Querschuessen kritisiert, wenn man richtig vergleicht, hinkte in Deutschland die Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte der Entwicklung der realen Arbeitsproduktivität gravierend hinterher. Seit 1999 stiegen die realen Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten um schlappe +0,2% und die Arbeitsproduktivität als reales BIP je Beschäftigten um +9,6%.

In einer gesunden Volkswirtschaft sollten die nominalen Arbeitnehmerentgelte im Einklang mit der nominalen Arbeitsproduktivität, zuzüglich der Zielinflationsrate steigen und in einem gemeinsamen Währungsgebiet sollten sich alle ungefähr daran halt. Aufgabe von Institutionen, wie auch der EZB, wäre es dies zu überwachen und bei starken Abweichungen rechtzeitig Alarm zu schlagen und Korrekturen anzumahnen.

Im Einklang mit Produktivität und Zielinflation (im Euroraum +2% pro Jahr) sollte die Löhne deshalb wachsen, weil sonst einem steigendem Output und den geschaffenen Produktionskapazitäten real Einkommensschwund und damit Nachfrageschwund entgegenstünden. Da die Preissteigerungen tendenziell geschönt sind, könnte man sogar leichte Abweichungen nach oben bei den Löhnen tolerieren, um zu verhindern, dass die Nachfrage dem Output-Potenzial nicht standhalten kann.

1aDie Entwicklung der französischen realen Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten (rot) und der realen Arbeitsproduktivität (reales BIP je Beschäftigten – blau) seit 1999 bis 2012 im Chart, auf Jahresbasis als Index 1999=100.  Seit 1999 stiegen in Frankreich die realen Arbeitnehmerentgelte um +12,6% und die reale Arbeitsproduktivität um +9,2%.

Die Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte in Frankreich ist durchaus vertretbar, wenn auch leicht über dem Zuwachs der realen Arbeitsproduktivität und stellt sich überhaupt nicht so kritisch dar, wie Draghi es manipuliert und ein Hollande hätte statt betreten schweigen, aufbegehren müssen. Dies gilt natürlich nur in einem Szenario, wo sich alle im Euroraum halbwegs an die Formel: Zuwachs der Löhne = Arbeitsproduktivität plus Zielinflation halten. Wenn natürlich in Deutschland weit unterhalb des Produktivitätsfortschritts die Löhne steigen, fährt natürlich Frankreich einen massiven Verlust der Wettbewerbsfähigkeit ein. Nur ein gemeinsamer Währungsraum verträgt nun mal keine solchen Unwuchten!

1aDie Entwicklung der italienischen realen Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten (rot) und der realen Arbeitsproduktivität (reales BIP je Beschäftigten -blau) seit 1999 bis 2012 im Chart, auf Jahresbasis als Index 1999=100.  Seit 1999 bis 2012 stiegen in Italien die realen Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten um +1,9% und die reale Arbeitsproduktivität schrumpfte um -3,9%. Im Falle Italiens besteht vor allem ein Produktivitätsproblem, allerdings war der Zuwachs der Arbeitnehmerentgelte auch nicht brisant.

Während bei Deutschland und Frankreich die Daten zur realen Arbeitsproduktivität je Beschäftigten mit der Darstellung in den EZB-Charts 1:1 übereinstimmen, zeichnen die Datenbanken von Ameco, wie auch bei Eurostat ein etwas anderes Bild für Italien, wie zu sehen im obigen Chart schrumpft die Produktivität je Beschäftigten in Italien, ein weiterer peinlicher Fehler bei Draghis Präsentation.

Wie auch immer, die nominalen Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten mit der Arbeitsproduktivität aus reales BIP je Beschäftigten zu vergleichen ist grob irreführend und zeugt von wenig Kompetenz beim Lösen der Probleme in der Eurozone, sondern von viel plakativ verzerrender Interpretation der wirklichen Zusammenhänge. Es gruselt regelrecht zu sehen, dass solche Analysen Basis der Maßnahmen in der Eurozone sind. Die nominalen starken Anstiege bei den Arbeitnehmerentgelten der Südschiene spiegeln vor allem auch die höheren Preissteigerungsraten in der Südschiene wieder, denn das allgemeine Preisniveau gleicht sich in einem gemeinsamen Währungsraum nun mal an. Diese Entwicklung ist weit vorangeschritten, wie vergleichende Eurostat-Daten zu den absoluten Verbraucherpreisniveaus aus dem Jahre 2011  anzeigen.

Nach Abzug der Preisfaktoren (Deflator Private Consumption) beim Zuwachs der Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten und der damit hergestellten Vergleichbarkeit zur realen Arbeitsproduktivität je Beschäftigten fällt vor allem Deutschland nach unten raus.

Quellen:

Tagesspiegel.de/Europa in der Krise: Der deutsche Irrweg,

Ecb.int/PDF: Euro area economic situation
and the foundations for growth Presentation by Mario Draghi President of the European Central Bank at the Euro Summit/Brussels, 14 March 2013

Ec.europa.eu/AMECO-Datenbank

Epp.eurostat.ec.europa.eu/Eurostat-Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Querschuesse.de: Fakten, Daten und Analysen

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33 KommentareKommentieren

  • Rolmag - 16. April 2013

    Aber die vornehm ausgedrückt zurückhaltende Lohnentwicklung in Deutschland hat nun auch noch dazu geführt, dass der Industrie seit Jahren ihre sprechenden Werkzeuge zunehmend knapp werden, jetzt gehen sogar schon den Berufsschulen die Lehrer aus. Manche Bundesländer suchen verzweifelt.

    In gewisser Weise ist das eine Meinungsbezeugung zur Politik Berlins mit den Füßen, nämlich weg von den hochausgebeuteten Jobs, die dem Staat richtig viel Knete bringen und hinein in den sozialwissenschaftlichen Bereich, wo vielleicht jeder millionste Beamte mit vorzeitigem Nerven-Verschleiß zu kämpfen hat.

    Ich muss feststellen, dass die Bundesregierung mit ihrer “Politik” die sog. deutschen Tugenden nachhaltig zerstören wird. Wenn derjenige der viel leistet übermäßig viel staatlich abgezogen wird, dann gehen die dem Staat verloren. Das ist schon so oft geschehen, dass ich die heutigen Politiker nicht ansatzweise verstehe.

    Rom war ab dem Zeitpunkt im Anus, als es seine, aufgrund seiner Außenpolitik, dringend benötigten Soldaten nicht mehr aus dem eigenem Volk stellen konnte und zwar in erster Linie weil die keinen Bock mehr hatten und zwar nicht zuletzt, weil sich der Job nicht mehr lohnte (auch weil bei den Barbaren nix zu holen war, die waren selbst auf Beutezug). So etwas merken die Bürger trotz Propaganda sofort und reagieren darauf auf verschiedene Weise. Die Propaganda erreicht nur, dass Proteste unterdrückt werden, was aber nicht gesund sein muss, weil die Mächtigen so den Kontakt zum Volk endgültig verlieren.
    Alles nichts Neues, aber noch lange kein Grund daraus zu lernen.

    Die Beethovens sind schon weg, jetzt wird eben die zweite Garde enthauptet.

    Zu den Diagrammen, ich nehme an, dass ist eher Unfähigkeit als Manipulation, weil das wäre zu plump und würde Unwissen beim Publikum voraussetzen. Andererseits betrachtet jeder die Welt aus seinem subjektiven Blickwinkel und wenn bei demjenigen, der solche Diagramme verbricht im Oberstübchen nicht viel passiert, dann halten die ihre Wähler am Ende vielleicht für noch dümmer, abgehoben und wenigstens halbgöttisch wie die sich geben (Koch-Mehrin), also vielleicht doch ein Manipulationsversuch. Wie man es auch dreht und wendet, die Politik sieht dabei wieder einmal überhaupt nicht gut aus. Vielleicht haben die sich auch in ihrem eigenen Lügenirrgarten hoffnungslos verrannt.
    Aber so untertänig, schicksalsergeben und passiv wie die Bürger sind, hätte der da sonst was präsentieren können, ohne das es irgendwelche Reaktionen hervorrufen würde.

  • Uwe - 16. April 2013

    Droghi ist nur ein Rädchen im Werk, dass Blankfein an Gottes statt auf Erden dirigiert:
    Ausbeutung und Umverteilung von Unten nach Oben. Dass Hollande da wegschaute, kann man dann verstehen, wenn er was von Droghi will: Frischgedrucktes.
    Lagarde hat schon früher die Finger in genau diese Wunde gelegt. Die CDU/CSU/FDP kann aber ohne die Spenden und andere Gelder nicht so gut leben. Auch die SPD muss nicht darben. Sogar der DGB half dabei, Gewerkschaften zu entmachten. Wofür nur?
    Das wird so weitergehen, bis es knallt.

  • Joker - 16. April 2013

    http://www.voxeu.org/article/are-germans-really-poorer-spaniards-italians-and-greeks

    Apropos irrefuehrende Dateninterpretation: ich verstehe zu wenig von Statistik, um zu beurteilen, wie hoch der Aussagewert des Links ist…

    ueber eine ausgeglichene Analyse wuerde ich mich freuen

    • Frankenfurter - 16. April 2013

      Sagenhaft was sich die EZB in letzter Zeit leistet. Die Statistiken der Zentralbanker über die Vermögen in der EU sind ebenfalls durch und durch unseriös. Ausnahmsweise möchte ich auf eine Richtigstellung bzw. Kritik derVermögensstudie von Jens Berger verweisen.
      http://www.nachdenkseiten.de/?p=16819

      Was will die EZB mit diesen manipulatorischen Studien? Öl ins Feuer der Krise schütten? Ich weigere mich zu glauben, dass dies im Sinne einer deutschen Mehrheit geschieht.

      • JL - 16. April 2013

        Hallo Frankenfurter,

        Hierzu ein Zitat eines Wahnsinnigen und propagierenden früheren Kriegsverbrechers Namens Goebbels:

        “Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben. Man kann die Lüge so lange behaupten, wie es dem Staat gelingt, die Menschen von den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Konsequenzen der Lüge abzuschirmen. Deshalb ist es von lebenswichtiger Bedeutung für den Staat, seine gesamte Macht für die Unterdrückung abweichender Meinungen einzusetzen. Die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge, und daher ist die Wahrheit der größte Feind des Staates.”

        Also ist klar: Man hat halt in Brüssel nur die Datensätze „verdummdeutelt“- also „vermurkst“. Das kann schon mal- hin und wieder(holt)- passieren.

        Dabei wird aber einerseits in der breiten Masse das Vorurteil der „faulen“- auf deutsche Kosten lebenden- Pleitestaaten bedient. Andererseits wird im Ausland der Deutsche- mal wieder- als Ursache allen Übels dargestellt. So hatte man schon „Ossis“ und „Wessis“ ausgespielt, jetzt ist eben europaweit Nord und Süd dran.

        Die alten Römer erfanden und nannten dieses Spiel Divide et impera. Tolles Gesellschaftsspiel- es begeistert immer noch.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

        • Frankenfurter - 17. April 2013

          Um Himmels Willen. lieber JL, das Goebbels-Zitat, so interessant es auch ist, passt hier nicht her. Was mich irritiert ist, dass der IWF schon länger sagt, dass Wettbewerbsfähigkeit in Europa keine Einbahnstraße sein kann, bei der nur die volkswirtschaftlich schwachen Länder sich ändern müssen und Deutschland nicht, dass das wenig zur Lösung beiträgt. Damit andere Länder wettbewerbsfähiger werden können, muss Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit ein wenig reduzieren und seine Löhne und Einkommen anheben. Nur so funktioniert das ausgeglichene Spiel des Miteinanders. Nationen konkurrieren nicht untereinander, anders als es einzelne Firmen tun.
          Wenn ausgerechnet die EZB hinter dieser Einsicht wieder zurückfällt, kann ich das nur als ein Einknicken vor der aktuellen Politik von Schäuble und Merkel verstehen, die zu den Krisenländern sagen, macht ihr erst mal eure Hausaufgaben, wir haben alles richtig gemacht und wir machen auch in Zukunft alles richtig!

          • JL - 17. April 2013

            Hallo Frankenfurter,

            Solange die wirtschaftlichen Probleme politische Ursachen haben, wird man wirtschaftliche Probleme nicht politisch lösen können.

            Oder anders formuliert: Seit wann trägt der Verursacher eines Schadens zur Schadensbehebung bei?

            Nächste Frage also: Geht das überhaupt noch?

            Was wir momentan sehen ist wohl nur eine „versuchte“ minimale Kreditaufnahme der Staatsschulden einzelner Länder. Die Schulden und Steuerbelastungen von Unternehmen und Privatleuten steigen doch aber genauso wie die Staatsschulden an sich auch immer weiter- trotz all dieser “Bemühungen”- warum auch immer. Dabei rauscht die Wirtschaft immer weiter gegen Süden- ja wer hätte das gedacht!

            Ergo: Einer kreditgetriebenen Wirtschaft geht immer irgendwann die Luft aus, genauso wie den gehebelten Bankeinlagen und „Bankwetten“ der Kreditinstitute.

            Sie sollten sich also freuen, Sie sind Zeitzeuge all dessen.

            Mit freundlichen Grüßen
            JL

    • Querschuss - 16. April 2013

      Hallo Joker,
      das Thema ist für mich längst durch, es gibt endlose Artikel dazu und endlose Interpretationen der Daten und “jeder interpretiert richtig”, noch mehr Artikel ändern an den Fakten nichts und auch nicht an den festgefahrenen Meinungen dazu.

      Meinen Senf dazu gab es bereits hier:
      http://www.querschuesse.de/deutschland-vermogen-fur-viele-unerreichbar/

      http://www.querschuesse.de/deutschland-nettoauslandsvermogen-bei-1070375-mrd-euro/

      Von der Vermengung der Vermögen der privaten Haushalte bzw. die Relativierung des deutschen miesen Medians u.a. mittels NIIP, also dem Vermögenstatus aller Sektoren der Volkswirtschaft (hohes Nettoauslandsvermögen Deutschlands) und dem Kapitalstock (ebenfalls hoch) halte ich nicht viel. Kern meiner Kritik ist der schwache Median, der auf die enorm ungleiche Verteilung der privaten Vermögen in Deutschland weist, dass hat mit Nettoauslandsvermögen, Forderungen, so z.B. der Bundesbank oder dem Kapitalstock nichts bis wenig zu tun.

      Gruß Steffen

      • Frankenfurter - 17. April 2013

        Die Verzerrung bei der Studie rührt wohl daher, dass die Immobilienwerte lt. Eigeneinschätung der Befragten eingetragen wurden. Ich weiß nicht mal, ob auch gefragt wurde, wie hoch deren Hypothekenbelastung ist. Ist für mich verwunderlich, dass eine Zentralbank auf Befragungen angewiesen ist, wenn es darum geht eine präzise Vermögensaufstellung zu machen. Hat die keine Daten zu aktuellen Marktpreisen vom Hausmarkt, über Kredite und Hypothekenbelastungen der Bürger, von dern Spareinlagen usw. ganz zu schweigen?

        • Georg Trappe - 18. April 2013

          “Ist für mich verwunderlich, dass eine Zentralbank auf Befragungen angewiesen ist, wenn es darum geht eine präzise Vermögensaufstellung zu machen. Hat die keine Daten zu aktuellen Marktpreisen vom Hausmarkt, über Kredite und Hypothekenbelastungen der Bürger, von dern Spareinlagen usw. ganz zu schweigen?”

          Nein, das Bankgeheimnis!

          Auch die Verteilung der Geldvermoegen und Schulden muss erfragt werden. Es gibt bei den Banken keine Computer, die in der Lage sind eine Kontenstatistik zu erstellen. Da wundert es auch nicht, dass es keine Zeitreihen zu den sich veraendernden Verteilungen von Geldvermoegen und Schulden gibt. Haetten die Banken Computer, die soetwas regelmaessig erstellen koennten, dann muesste den Bankern schon laengst aufgefallen sein, dass sie ihren Lebensunterhalt mit dem anreichern einer tickenden Zeitbombe “verdienen”. Dann wuerden sie bemerken, dass sich ihre Passiva zunehmend rechtschief verteilen und es damit zu einer zunehmenden Klumpung des Risikos “Bank Run” kommt. Gleichzeitig waere ihnen dann auch aufgefallen, dass der Nettoabfluss von diesen hochkonzentrierten Guthaben niemals ausreicht (sogar das falsche Vorzeichen hat), um die mit den Schuldnern vertraglich vereinbarten Tilgungs- und Zinszahlungen zu ermoeglichen, was zunaechst eine stetige Aufschuldung / Bilanzerweiterung erzwingt und im Endergebnis dazu fuehrt, dass die Aktiva in einem Mass abfaulen, dass die Banken nur noch durch Staaten und Zentralbanken zu “retten” sind.
          -
          Nein, die Computer in den Banken koennen dies alles nicht ans Tageslicht foerdern. Das liegt am veralteten, von Politik und Staat vorgeschriebenen Betriebssystem “EKNSWNSD”.

      • Joker - 17. April 2013

        Vielen Dank fuer die Bestaetung, so aehnlich hatte ich mir das schon gedacht.

  • RedMoe - 16. April 2013

    Nanu, gar keine Zahlen zum BIP-Deflator, @Querschuss? Daran gemessen haben Frankreich und Italien das Inflationsziel der EZB fast mustergültig eingehalten, während Deutschlan krass darunter liegt (nur ca. 10% Preissteigerung ggü. 1999 bei ca. 30%, die es lt. Inflationsziel hätten sein sollen). Die Intention kommt hier natürlich auch rüber, aber eine Grafik zum indexierten BIP-Deflator hätte es nochmal deutlich gemacht.

    Na ja, wenn sogar der Notenbankchef sich SOLCHE Patzer erlaubt… Gute Nacht.

  • Holly01 - 16. April 2013

    Man prügelt den Leuten tagtäglich die Mär von den sozialen Lasten und den zu hohen Löhnen in die Schädel.
    Die Politiker glauben selbst an diesen Unsinn.
    Der Zusammenhang Summe der realen Entgelte = Konsumfähigkeit wird vollkommen ausgeblendet.
    Niemand soll sich fragen warum 8 Mio. Deutsche arbeitslos sind und gleichzeitig jeder Kauf mit über 40% Zinsen belastet ist.
    Diese 40% Differenz würden reichen, um Vollbeschäftigung und Steuersenkungen zu ermöglichen.
    Man darf nur nicht darüber reden, man muss Ersatzthemen forcieren.
    Durch permanente Wiederholung auf allen Ebenen werden Dummheiten zu Wahrheiten.
    Alle beten mit, das Mantra vom bösen und gierigen Arbeiter, der in der sozialen Hängematte herumlungert und den Reichtum im Alter geniesst.
    Alle sägen den Ast auf dem wir sitzen.

  • Holly01 - 16. April 2013

    Kleiner Rückblick auf einen Thread der hier vor garnicht langer Zeit lief :
    http://www.heise.de/tp/blogs/5/154111

    Ist irgend jemand überrascht?

  • Rupert Rauch - 16. April 2013

    Vielen Dank!!

    Ich hatte das auch gelesen und mir verwundert die Augen gerieben und mich gefragt, an welcher Stelle die getrickst und gedreht haben.

    Wie immer verlinkenswert und kompetent.

    • Holly01 - 16. April 2013

      Bei mir verfestigt sich auch immer mehr der Eindruck, das wir nur eine Bullenrallye (seit 2008?) sehen. Nikkei, Dow, Dax alle an “Höchstwerten” angelangt.
      Das riecht förmlich nach “Korrektur”.
      Der Goldeinbruch ist da nur ein weiterer Hinweis, das es welche geben könnte, die Gold runter prügeln, um günstiger wechseln zu können, raus aus Aktienfonds, rein in Metalle.
      Dieses Verhalten scheint ja ein Klassiker zu sein.
      Auf jeden Fall ist die show im 3. Akt.

  • NN - 16. April 2013

    Rolmag – 16. April 2013 :

    “In gewisser Weise ist das eine Meinungsbezeugung zur Politik Berlins mit den Füßen, nämlich weg von den hochausgebeuteten Jobs, die dem Staat richtig viel Knete bringen und hinein in den sozialwissenschaftlichen Bereich, wo vielleicht jeder millionste Beamte mit vorzeitigem Nerven-Verschleiß zu kämpfen hat.”

    Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten haben sicherlich wesentlich geringe Einkommen, also solche in den hochgelobten MINT-Faechern. Im oeffentlichen Dienst geht es den Beamten (im Verhaeltnis!) gut, aber die Angestellten werden oft mickrig entlohnt und die Posten sind oft unterbesetzt (insbesondere im sozialen Bereich!). Das ist dann bestimmt nicht gut fuers Betriebsklima und fuer die eigenen Nerven…

    (Bin uebrigens MINT und Export, verteidige also keineswegs meinen Job…)

    “Ich muss feststellen, dass die Bundesregierung mit ihrer “Politik” die sog. deutschen Tugenden nachhaltig zerstören wird. Wenn derjenige der viel leistet übermäßig viel staatlich abgezogen wird, dann gehen die dem Staat verloren. Das ist schon so oft geschehen, dass ich die heutigen Politiker nicht ansatzweise verstehe.”

    Sie meinen also, die 25%ige Besteuerung von Kapitaleinkommen sei zu hoch? Und die Vermoegenssteuer abschaffen reicht nicht, man muesste sogar noch nachschiessen? Die Spitzensteuersaetze sind doch eher gesunken! Wobei, die Steuern auf mittlere Einkommen sind, zugegebenermassen, aufgrund der kalten Progression vielleicht sogar gestiegen. Meinen Sie das? An unseren “kapitalen” Leistungstraegern kann es auf jeden Fall nicht liegen…

  • zebulon - 16. April 2013

    “In einer gesunden Volkswirtschaft sollten die nominalen Arbeitnehmerentgelte im Einklang mit der nominalen Arbeitsproduktivität, zuzüglich der Zielinflationsrate steigen…”
    Das ist Denke der 70er Jahre und bereits seit ca. 30 Jahren komplett passe. Der wirtschaftliche Aufschwung weltweit der letzten Jahrzehnte war und ist vor allem durch sinkende Lohnquoten und eine steigende Partizipation des Kapitals am Wirtschaftswachstum gekennzeichnet. Wohlstand für breite Schichten wird heutzutage im Rahmen des postindustriellen Wohlstands- und Wachstumsmodells nicht mehr durch entlohnte Arbeit sondern durch den kreditgetriebenen Wertzuwachs von Anlagevermögen insbesondere Immobilien generiert.

    Arbeitsproduktivität steigt durch vermehrten Kapitaleinsatz und technischen Fortschritt, der sich durch geistiges Eigentum als Kapital verkörpert. Deshab müssen auch die Früchte der Produktivitätssteigerung dahin gelenkt werden, wo sie entstehen, nämlich zum Faktor Kapital.

    • Querschuss - 16. April 2013

      Hallo Zebulon,
      “….nicht mehr durch entlohnte Arbeit sondern durch den kreditgetriebenen Wertzuwachs von Anlagevermögen insbesondere Immobilien generiert.” ….Du bist gut – dass soll also gesund sein. Na dann ist ja alles bestens :)

    • SLGramann - 17. April 2013

      @zebulon,

      Ironie?

      Oder selbst seit 2008 null, nix verstanden?

  • Alexander - 16. April 2013

    Herr Prof. Heiner Flassbeck (http://www.flassbeck.de/ ; http://www.flassbeck-economics.de/ ) schreibt sich seit vielen Jahren darüber die “Finger wund”, dass in einer Währungsunion die Produktivität der einzelnen Länder in Einklang mit den entsprechenden Löhnen stehen MÜSSEN bzw. die Inflationsraten der EU-Länder im Einzelnen den Inflationszielen genau zu entsprechen haben. Abweichungen nach oben (höhere Inflationsrate / niedrigere Produktivität zu relativ höheren Löhnen – Mediterran und andere EU-Länder) oder nach unten (niedrigere Inflationsrate / höhere Produktivität zu relativ niedrigere Löhnen – Deutschland) sind gleichermaßen verzerrend und eine schwere Belastung für die EU-Währungsunion ! Ironischerweise haben sich Frankreich genau (und Finnland) daran gehalten, Deutschland (und viele andere Länder) eben nicht. Hier hat sich Deutschland einen befristeten Wettbewerbsvorteil geschafft, der ohne die Währungsunion so nie möglich gewesen wäre. Siehe auch das Stichwort: “Beggar thy neighbour”.

    An dieser Stelle herzlichen Dank an alle mitwirkende Autoren für diese tolle Webseite – ich kenne keine deutsprachige Webseite, auf der so viele exzellent aufgearbeiteten Wirtschaftsdaten samt klarer Interpretation der Öffentlichkeit so eindeutig präsentiert werden.

    Viele Grüße von einem besorgten (deutsch-slowenischen) EU-Staatsbürger,

    Alex. P.

  • Georg Trappe - 17. April 2013

    Vielen Dank Steffen !
    Ich denke, die in diesem Artikel brilliant heraus gearbeiteten Punkte haetten es verdient in Stein gemeisselt an einem prominenten Ort fuer Jeden unuebersehbar verewigt zu werden.
    Und damit meine ich nicht nur
    1. Die Richtigstellung der Fakten u. Zuammenhaenge
    sondern auch
    2. Die Aufdeckung dessen, wer hier wen manipuliert
    3. Die Aufdeckung dessen, wer sich hier (bereitwilligist?) manipulieren laesst.
    -
    @Zebulon
    Ihre Zuspitzungen sind in diesem Zusammenhang ausgesprochen hilfreich, denn sie machen die Gedankenwelt derer, die diese Geschichte inszenieren, zugaenglich.

    Viele Gruesse
    GT

  • Duke van hudde - 17. April 2013

    Ein sehr guter Artikel wo einen fast das Essen aus dne Gesicht fällt wenn man nichtwüsste woher der Herr Dragi kommt und daser das mit absicht macht.

    Ganz wichtig ist aber noch eins.Das wirkliche Problem ist aber vor allen die Untershciedlichen Entwicklungen von Deutshcland und deR südschiene.

    Den würden wir uns alle gleich bei der hier vorgestellten Fragestellung entwickeln würde bei zu starken Lohnanstiegen im Vergleich zur Produktivität entwickeln würde die Währung abwerten und damit die Löhne am Ende wieder passen ,den dann können wir uns doch weniger Güter leisten und wieder nur soviel wie wir auch erarbeiten.

    Wenn unsere Entwicklung bei dne Löhne aber der Produktivität hinterher hinkt würde die Währung aufwerten und die Arbeitnehmer würde so ihre aufwertungsdividende erzielen.So war es sehr lange mit duetshcland das starke Produktiitätsanstiege mit eigentlich zu schwachen Lohnentwicklungen zu Aufwertungen geführt haben.Am Ende haben die Arbeitnehmer über den Wechselkurs halbwegs gerechte Löhne bekommen.

    Heute ist die Währung aber die Entwickung aus den Löhne und der Produktivität der ganzen Teile des Euros.Wir in Deutshcland bekommen unsere Aufwertungsdividende nicht mehr und daher kommt es zu einen so grossen Plus in der Handelsbilanz ,da das ganze aber ein Nullsummenspiel ist macht die Südschiene wie zu erwarten ist das gleiche als Minus und da dieses Minus/Plus dauerhaft nicht tragbar ist muss der ganze Übershcuss an die Südschiene wandern.Genau das passiert gerade bei der angeblichen Rettung des Euros.

    Im PRinzip ging es der Elite beim Euro dadrum die Aufwertugnsdividende der Arbeiter sich selber einzustreichen und die Kosten dieseR Politik den Staat aufzuhalsen um die Vershculdung weiter steigen zu lassen und von den Zinsen der Verschuldung profitiert eh nur noch wenn überhaupt noch 10 %.Der Rest zahlt massiv drauf.

    • Frankenfurter - 17. April 2013

      Eine Aufwertungsdividende realisierte sich in der Vergangenheit zum überwiegenden Teil nur dann, wenn Deutsche ins Ausland fuhren, dann verbilligte sich deren Urlaub in den Südländern entsprechend. Gut, der Schafkäse aus Griechenland war wahrscheinlich damals auch billiger in dt. Supermärkten zu haben.

      Wäre es nicht besser die Preise wären Europaweit annähernd die Gleichen und nur die Löhne entsprechend der nationalen Produktivitäten [im angemessenen Rahmen] unterschiedliche?

  • egal - 17. April 2013

    Denkt mal weiter, Ziel dieser Strategie ist das die Südländer den Austritt aus dem Euro erklären müssen weil er sich für sie nicht mehr rechnet. Die deutschen wollen / Können nicht austreten Das müssen die anderen besorgen, die Assets von Deutschland haben sie ja bereits.

  • Nordic Talking - 17. April 2013

    Hallo Steffen,

    wieder mal eine eindrückliche Datendoku auf Basis unbestechlicher Daten – und das Echo bei den blog-Nachbarn ließ nicht lange auf sich warten…

    http://lostineu.eu/draghi-liest-die-leviten

  • Joker - 17. April 2013

    Zum Thema Irrefuehrung (bereits auch im Markus Gaernter Blog hinterlegt)

    http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article115068597/Waehrungshueter-Oder-Nachtwaechter.html

    Ist mir zumindest durchgegangen, dass die EZB im normalen Tagesgeschaeft……

    Bitte selber lesen.

    • MartinR - 17. April 2013

      Der WELT-Artikel verdeutlicht doch, daß die EZB die Einhaltung der Kreditregeln der nationalen Notenbanken gar nicht strikter kontrollieren will. Sonst würde sie ja schon die Pleite des einen oder anderen Mitgliedlandes trotz der Rettungsmaßnahmen offenbaren und hätte womöglich den schwarzen Peter.

  • Freiberufler - 17. April 2013

    In F beobachte ich immer wieder: Was in Deutschland 1 Euro kostet, kostet in Frankreich 1,30 Euro.
    Und lassen wir es 1,20 Euro sein. Der F-Euro hat gegenüber dem D-Euro längst abgewertet, wird aber 1:1 umgetauscht. Das kann nicht funktionieren.

    • Frankenfurter - 17. April 2013

      That’s it!

  • Frankenfurter - 17. April 2013

    Ja nun, was machen wir jetzt mit den bisher in Stein gemeiselten Maastricht-Kriterien, was mit dem Fiskalpakt, was mit der Schuldenbremse? Und stimmt eigentlich der Zusammenhang von zu hoher Staatsverschuldung und Inflation, wie allerorten behauptet wird?