Einkommens- und Vermögenskonzentration – Teil 6: Das brüchige Fundament – Neuordnung des Erklärungszusammenhangs der Krise und Implikationen

von am 19. September 2012 in Allgemein

Fünf Folgerungen und ein offener Punkt

Bezüglich der Ausführungen zu Teil 5.1 und Teil 5.2 der Aufsatzreihe, die sich im Wesentlichen auf Daten und Studien zur Entwicklung in den USA bezogen, ist es wichtig, diese im Kontext der vorangegangenen Ausführungen zur Vermögenskonzentration in Teil 1 und Teil 2 sowie zur Einkommenskonzentration in Teil 3 und Teil 4 zu sehen.

Es ist insofern erstens zu konstatieren, dass bezüglich der Entwicklung und des Niveaus der Einkommens- und Vermögenskonzentration – auch wenn man sich der vielen, exemplarisch angesprochenen und der hinzukommenden, nicht explizit angesprochenen Ungenauigkeiten und Lücken bei den Daten und Analysen bewusst ist – ein deutlicher Unterschied besteht zwischen den USA und Großbritannien auf der einen und den übrigen Industriestaaten auf der anderen Seite.

Das gilt aber zweitens ganz besonders auch bezüglich der Rolle und volkswirtschaftlichen Bedeutung des Finanzsektors. Denn die USA und Großbritannien sind die beiden Hochburgen der Finanzindustrie. Das gilt ganz besonders für den Subsektor „Other Finance“, unter den, wie in Teil 5.2 ausgeführt, u.a. Wertpapiere, Rohstoffe, Risikokapital, Private Equity, Hedgefonds und Investmentbanken subsummiert werden. Darunter fallen also gerade die in den zurückliegenden Jahren besonders einträglichen Geschäfte, beispielsweise mit Fusionen und Übernahmen, Börsengängen und dem Handel von Derivaten.

Aber die Entwicklungsrichtung ist drittens in den anderen, hier exemplarisch ausgewählten Industriestaaten einschließlich Deutschland – mal stärker, mal schwächer ausgeprägt – dieselbe und auch dort ist zu erkennen, dass die Entwicklung der Finanzmärkte bzw. die an den Börsen eine zentrale Rolle bei der Einkommens- und Vermögenskonzentration spielt.

Zweifellos ist die hier vorgenommene Analyse der Einkommens- und Vermögenskonzentration eine immer noch recht grobe. Allerdings wurde verdeutlicht, dass diese in den herangezogenen Daten und Studien auf globaler Ebene sehr wahrscheinlich unterschätzt wird. Für die in dieser Aufsatzreihe betrachteten Industriestaaten liegen die Anteile der Gruppe der Top-10-Prozent am jeweils nationalen Einkommen jedoch immerhin schon zwischen 30 bis 50 Prozent.

Bei den Privatvermögen liegen die Anteile der Top-10-Prozent zwischen 46 und 74 Prozent, die der Top-1-Prozent der Vermögenspyramide zwischen 17 und 44 Prozent, aber die der unteren 60 Prozent lediglich zwischen 5 und maximal 18 Prozent des jeweiligen gesamten nationalen Privatvermögens. James. S. Henry schätzt in seiner Analyse der „Offshore“-Vermögen (1) allerdings, dass etwa 44 Prozent des tatsächlichen weltweiten Privatvermögens unsichtbar sind und etwa 81 Prozent davon auf eine globale Elite von lediglich 9,35 Millionen Personen entfällt. Den Anteil der nur rund 91.000 Personen umfassenden Gruppe mit einem Vermögen von jeweils über 30 Millionen US-Dollar am globalen Privatvermögen veranschlagt Henry auf 30 Prozent – mehr als die Hälfte davon, nämlich knapp 59 Prozent, befinden sich laut seinen Schätzungen in Steueroasen oder präziser gesagt in „Offshore“-Strukturen. (siehe dazu Teil 2)

Bei den nationalen Anteilen am globalen Privatvermögen lagen die USA laut Global Wealth Databook 2011 der Credit Suisse (2) mit 58,1 Billionen US-Dollar bzw. 25,1 Prozent (2011) weiterhin mit großem Abstand vor Japan (25,9 Billionen USD / 11,24 %) und China (20,7 Billionen USD / 8,75 %) an der Spitze (siehe dazu Teil 1). Im Jahr 2000 hatte der Anteil der Privatvermögen von US-Bürgern am globalen Vermögen noch bei fast 35 Prozent gelegen (siehe dazu Abbildung 2 in Teil 1). Auch in der Gruppe der Top-Vermögenden (Top-1- und Top-10-Prozent siehe dazu Abbildung 4 in Teil 1) und bei den „Ultra High Net Worth Individuals“ (UHNWI) mit einem Vermögen von über 50 Millionen US-Dollar liegen die USA einsam an der Spitze. In letztgenannter machten US-Bürger im Jahr 2011 weltweit einen Anteil von 41,85 Prozent aus (siehe Abbildung 5). An zweiter Stelle lagen Chinesen mit „nur“ 6,39 Prozent. Andererseits hat sich jedoch auch in keinem anderen Industrieland und nicht einmal in China die Schere zwischen Armen und Reichen so weit geöffnet wie in den USA.

Vor diesem Hintergrund spricht viertens das hier aufgezeigte Niveau der Einkommens- und Vermögenskonzentration durchaus dafür, die Profiteure der Krise und der Rettungsmaßnahmen und die dazu zählende Einkommens- und Vermögenselite stärker an den Kosten der Krisenpolitik zu beteiligen.

Es ist indes fünftens falsch anzunehmen, der Finanzmarktsektor sei allein verantwortlich für die starke Einkommens- und Vermögenskonzentration. Dagegen spricht schon die in Teil 5.1 für die USA und den Zeitraum 1979-2006 verdeutlichte Einkommensentwicklung nach Berufsgruppen. Denn demnach haben die Top-Führungskräfte in der Wirtschaft den mit Abstand größten Anteil am gesamten US-Einkommen in der Top-1- und Top-0,1-Einkommensgruppe. Die Finanzmarktprofis haben im angegebenen Zeitraum lediglich das stärkste Wachstum bei den Einkommen in diesen Gruppen realisiert. Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass die Entwicklung und das Treiben des Finanzsektors eine wesentliche Rolle spielt.

Doch für eine Erklärung reicht das sechstens eindeutig nicht aus. Der Blick muss folglich über den Finanzsektor hinaus auf die gesamte Wirtschaft gerichtet werden.

Konzentrationsprozesse in der Finanz- und Realwirtschaft

In den Abbildungen 33 und 34, die die Lohnentwicklung im US-Finanzsektor im Zeitraum 1909-2006 veranschaulichen (Teil 5.2), war ebenso wie in den Abbildungen 12, 13 und 16 (Teil 3) zur Entwicklung der Einkommen in den Gruppen der Top-10-, Top-1- und Top-0,1-Prozent der Einkommenspyramide in den USA, Großbritannien und Deutschland im Zeitraum 1920-2010 sehr deutlich ein übereinstimmendes Muster zu erkennen, auch wenn es nicht in allen drei Ländern gleich stark ausgeprägt ist. Das gilt im Wesentlichen auch für die anderen betrachteten Länder. Danach gab es bereits vor Mitte der 30er Jahre einen signifikanten Anstieg der Einkommenskonzentration, der mit dem seit Ende der 70er/Mitte 80er Jahre beginnenden auch bezüglich des erreichten Niveaus vergleichbar ist und dazwischen eine lange Phase geringer Einkommenskonzentration.

In Teil 3 wurde in diesem Zusammenhang bereits darauf hingewiesen, dass die Jahre mit Spitzen bei den Top-Einkommensanteilen, denen danach deutliche Rücksetzer folgten, in Zusammenhang mit Krisen und Crashs gebracht werden können. Betrachtet man darüber hinaus für diesen langen Zeitraum auch das Fusionsgeschehen auf den Märkten, dann lässt sich auch ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Einkommens- und Vermögenskonzentration, Fusionswellen bzw. Phasen verstärkter Unternehmenskonzentration sowie Krisen und Crashs feststellen. Abbildung 37 („Die amerikanischen Fusionswellen“) zeigt Fusionswellen im Zeitraum 1895-2006, wobei zu ergänzen ist, dass sich die etwa 2002 begonnene 6. Fusionswelle bis 2007 fortsetzte. (3) (4)

Abbildung 37: Quelle: Günter Müller Stewens, Die Fusionswelle hält an, in: io new management Nr 11/2006, S.16

Auch in dieser Abbildung sind Spitzen des Fusionsgeschehens gefolgt von drastischen Rückgängen. Zur Verdeutlichung wurde in die nachfolgende Abbildung 38Income Share of Top 1 Percent Households“, die die Entwicklung des Anteils der Top-1-Prozent der US-Einkommenspyramide am gesamten US-Einkommen im Zeitraum 1913-2008 zeigt, Fusionswellen und signifikante Börsencrashs markiert.

Beim Vergleich der Spitzen in den beiden Abbildungen 37 und 38 gibt es einen Ausnahmefall, in dem keine Übereinstimmung vorliegt, nämlich bezüglich der Spitze beim Anteil der Top-1-Prozent, die sich von Anfang bis Mitte der 30er Jahre aufbaute (siehe Abbildung 37). In Teil 5.2 wurde im Zusammenhang mit der Einkommensentwicklung im Finanzsektor zumindest ein zum Teil erklärender Hinweis gegeben. Von Anfang bis Mitte der 30er sind nämlich die Einkommen im US-Finanzsektor deutlich angestiegen, sie fielen aber mit der dann einsetzenden drastischen Regulierung des US-Finanzsektors (Trennbankensystem) dramatisch ab (siehe Abbildung 33).

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Peak bei Fusionen und dem Top-1-Prozent-Anteil Mitte bis Ende der 60er Jahre (Abbildung 38). Während die relativen Löhne im gesamten US-Finanzsektor in diesem Zeitabschnitt jedoch nahezu unverändert blieben (siehe Abbildung 33), gab es im Subsektor „Other Finance“ (Wertpapiere, Rohstoffe, Risikokapital, Investmentbanken u.a.) sehr wohl einen deutlichen Anstieg mit anschließendem Rücksetzer (siehe Abbildung 35 in Teil 5.2).

Sieht man die Entwicklung der Einkommens- und Vermögenskonzentration im Zusammenhang mit Phasen ausgeprägter Unternehmenskonzentration bzw. Fusionswellen sowie mit Krisenphasen und Crashs, dann erscheint es wenig plausibel, die Einkommens- und Vermögenskonzentration als Ursache der aktuellen Krise zu sehen. Denn zunehmende Unternehmenskonzentration kann je nach den Gegebenheiten (Corporate Governance, Rahmenbedingungen, Reifegrad von Märkten und Volkswirtschaften) ein wichtiger Grund für die Einkommenskonzentration sein. Fusionen & Übernahmen sind darüber hinaus ein bedeutender Treiber der Börsenkurse, die, wie in der in Teil 5.1 behandelten Studie von Bakija et al. (2012) (5) festgestellt wird, neben steuerlichen Rahmenbedingungen ihrerseits ein maßgeblicher Treiber der Einkommenskonzentration sind.

Zu berücksichtigen ist ferner, dass heute die Gewinnströme nicht nur aufgrund der vielfach oligopolisierten, von wenigen Großunternehmen dominierten und vor allem ausgereiften Märkte in hohem Maß kanalisiert werden, sondern auch durch das hohe Maß der branchenübergreifenden Verflechtung und Vernetzung der auf globalen Märkten operierenden Konzerne. Es sei in diesem Zusammenhang noch einmal an die wesentlichen Ergebnisse der ETH-Analyse der Beteiligungsstrukturen der weltweit rund 43.000 multinationalen Konzerne (Stand 2007) erinnert: (6)

  • Die größte zusammenhängende Beteiligungsstruktur umfasst 75 Prozent aller multinationalen Konzerne und 94,2 Prozent der gesamten operativen Erträge;
  • 1.318 Konzerne haben innerhalb dieses größten Beteiligungsnetzwerks besonders weitreichende Kontrollmöglichkeiten und kontrollieren sich zu 75 Prozent selbst; 75 Prozent dieser Unternehmen sind Finanzkonzerne;
  • 737 dieser 1.318 Konzerne kontrollieren über Beteiligungen gemeinsam 80 Prozent des größten Beteiligungsnetzes;
  • 147 dieser 737 Konzerne kontrollieren gemeinsam 40 Prozent des größten Beteiligungsnetzwerks und zudem nahezu vollkommen auch sich selbst; 49 der 50 einflussreichsten Konzerne sind solche aus dem Finanzsektor, 24 davon sind US-Konzerne, 8 britische.

Abbildung 39 „The Core of the Network of Global Corporate Control“ zeigt einen Ausschnitt mit einflussreichen Finanzkonzernen aus dem innersten Kern des Beteiligungsnetzwerks, das 75 Prozent aller multinationalen Konzerne (Stand 2007) umfasst.

Diese marktübergreifend hochgradig vernetzte Struktur von Oligopolisten, in der Finanzriesen eine zentrale Stellung einnehmen, macht die Weltwirtschaft in hohem Maße krisenanfällig, wie nicht zuletzt der Fall Lehman Brothers gezeigt hat. Sie setzt jedoch auch ein großes Fragezeichen hinter die Frage, wie sich dies auf die Form des globalen Wettbewerbs auswirkt. Andererseits ist diese Struktur nicht nur krisenanfällig, sondern wirkt in normalen Zeiten auch in die andere Richtung, nämlich in Bezug auf die Generierung von Profiten, verstärkend, vergleichbar mit einer gut geölten Maschinerie.

In Teil 2 wurde für den Zeitraum 2000-2011 für eine Auswahl von Ländern gezeigt, wie sehr das Privatvermögen in der länderbezogenen Gesamtsumme mit den Hochs und Tiefs der Börsen schwankt (siehe Abbildung 3). In den USA lag es im Jahr 2000 – dem des Platzens der New-Economy-Blase also – bei 39,5 Billionen US-Dollar. In 2007, im Jahr der US-Hypothekenkrise, belief es sich dagegen auf 59,9 Billionen. 2008, im Jahr der Lehman-Pleite, war es auf 46,7 Billionen USD abgestürzt und hat sich danach – parallel zum Börsenaufschwung – bis 2011 wieder auf 58,1 Billionen USD erhöht.

Es ist in diesem Zusammenhang auch nochmals hervorzuheben, dass es vor dem Crash der New-Economy-Blase im Jahr 2000, vor der US-Hypothekenkrise (2007) und auch danach wieder (infolge der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise) jeweils ausgeprägte Fusionswellen gab und dass nicht zuletzt das der Grund dafür ist, warum seit 2008 – zumindest bezogen auf den Bankensektor – immer wieder über „Too big to fail“ und Maßnahmen zur Lösung der damit verbundenen Probleme diskutiert wird.

Aber die „Too big to fail“ Debatte greift zu kurz, weil erstens die Instabilität der Märkte dabei eher im Hintergrund steht. Stattdessen geht es in erster Linie darum künftig zu vermeiden, dass Großbanken zu Lasten der Steuerzahler gerettet werden müssen. Die Dominanz großer Banken im Bankensektor wird folglich gar nicht unbedingt als problematisch angesehen. Zweitens wird deswegen in diesem Zusammenhang auch die hohe Unternehmenskonzentration in der Wirtschaft respektive die Dominanz von wenigen großen Oligopolisten auf zahlreichen globalen Märkten überhaupt nicht thematisiert.

Warum werden die Hinweise auf die Zusammenhänge zwischen Unternehmenskonzentration in Finanz- und Realwirtschaft, Einkommens- und Vermögenskonzentration, Krisen und Crashs im Kontext der Frage der Krisenbewältigung nicht gesehen, obwohl sich die aus der Krise von 2008/2009 hervorgegangene Staatsschuldenkrise mittlerweile erneut zu einer Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise auszuwachsen und die bisherige Krisenpolitik zum zweiten Mal grandios zu scheitern droht?

„Structure - Conduct - Performance“

Konzentrationsprozesse sind eine natürliche Konsequenz der Entwicklung von Märkten in marktwirtschaftlich geordneten Volkswirtschaften. Die Frage ist, bis zu welchem Grad diese volkswirtschaftlich (und weltwirtschaftlich) gesehen positiv zu bewerten sind und ob sowie wenn ja, ab wann und weshalb dies gegebenenfalls nicht mehr der Fall ist. Es ist deswegen an den unterschiedlichen Punkten der zeitlichen Entwicklung durchaus volkswirtschaftlich entscheidend, was die Politik darauf bezogen tut. Fördert und forciert sie die Entwicklung und damit Konzentrationsprozesse? Ist sie passiv und mischt sich nicht ein? Bremst sie diese oder kehrt sie diese im Extremfall sogar um (Dekonzentration)? Je nach Situation bzw. je nachdem an welchem Punkt der Entwicklung die Märkte in ihrer Gesamtheit stehen, kann sich die Politik gesamtwirtschaftlich positiv oder negativ auswirken und das gilt prinzipiell für jede der drei genannten Optionen. Keine ist, wenn man Märkte und Volkswirtschaften als sich entwickelnd, reifend versteht, folglich generell richtig, sofern es darum geht, wie in einer gegebenen Situation erreicht werden kann, dass eine Volkswirtschaft prosperiert.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu berücksichtigen, dass Unternehmenskonzentrationsprozesse ein klassisches Kennzeichen der Entwicklung von Märkten sind und hohe Konzentrationsgrade ebenso wie etwa auch die zunehmende Ähnlichkeit (Homogenität) der im Wettbewerb miteinander stehenden Produkte und intensiver Preis- und Kostenwettbewerb ein typisches Merkmal ausgereifter, gesättigter Märkte.

Das wohl bekannteste Konzept zur Beschreibung und Erklärung wettbewerblich gesteuerter Märkte ist das von der Harvard-School entwickelte „structure – conduct –  performance“- bzw. „Marktstruktur – Marktverhalten – Marktergebnis“-Konzept. Es baut auf dem Fundament der neoklassischen Theorie auf, orientiert sich jedoch an der Empirie.

Ursprünglich wurde von einem streng linearen Zusammenhang in dem Sinne ausgegangen, dass die Marktstruktur entscheidend das Marktverhalten und darüber letztlich die Marktergebnisse prägt. Später wurde erkannt, dass es auch Wechselwirkungen gibt.

Begreift man – über den Rahmen des Konzepts hinausgehend – auch Einkommen und Vermögen als (direkte oder indirekte) Marktergebnisse, die sich weitgehend aus den Marktstrukturen und dem dadurch geprägten Marktverhalten ergeben, dann habe ich in der Aufsatzreihe „Einkommens- und Vermögenskonzentration“ das Pferd von hinten aufgezäumt.

Das habe ich sehr bewusst getan.

Ebenso bewusst habe ich Wert darauf gelegt, bei allen angesprochenen Facetten der Aufsatzreihe die langfristige Entwicklung zu verdeutlichen. Denn so werden Konzentrationsprozesse oder anders ausgedrückt sich aufbauende und anhaltend signifikante Ungleichgewichte erkennbar, die es gemäß der neoklassischen Theorie und ebenso gemäß des „structure – conduct – performance“-Ansatzes auf Märkten und in Volkswirtschaften so eigentlich überhaupt nicht geben dürfte.

Damit ist im Grunde bereits die am Ende des letzten Abschnitts formulierte Frage beantwortet. Denn die Politik in den Industriestaaten orientiert sich – bewusst oder unbewusst – an den zentralen Annahmen und Lehren der neoklassischen Theorie sowie an dem Markt- und Wettbewerbsverständnis, das von der Harvard School und verwandten Ansätzen geprägt wurde – seit mehr als vier Dekaden.

Dabei war es immer das Ziel der Vertreter des Harvard-School-Konzepts, jenes Set von Marktmerkmalsausprägungen zu bestimmen, bei denen Wettbewerbsprozesse ein möglichst hohes Maß an marktlicher Effizienz und vor allem Wachstum bewirken. Ein optimales Set von Marktmerkmalausprägungen wurde nie gefunden, aber die Tatsache, dass überhaupt danach gesucht wird, ist definitiv ein Beleg für das neoklassische Fundament des Ansatzes. Denn ein solches allgemeingültiges Marktideal könnte es nur geben, wenn Märkte sich nicht entwickeln würden und Wettbewerb unabhängig von Raum und Zeit in immer derselben Weise funktionierte. Genau das sind Basishypothesen der neoklassischen Theorie. Die zentrale Annahme bezüglich des Marktideals, von deren Richtigkeit bis heute und seit fast fünfzig Jahren ausgegangen wird, ist, dass oligopolistische, von Großunternehmen geprägte Märkte im Hinblick auf Marktverhalten und Marktergebnis und damit für Effizienz und Wachstum optimal sind.

Was das „structure – conduct – performance“-Konzept bedingt durch seine neoklassische Basis nicht systematisch berücksichtigt, ist:

1. Die Entwicklung von Märkten und des Wettbewerbs in der Zeit

Wenn Marktstrukturen entscheidend dafür sind, welches Verhalten und welche Ergebnisse Wettbewerbsprozesse zeitigen, dann lässt sich die Entwicklung von Märkten nur damit erklären, dass Wettbewerbsprozesse strukturverändernd wirken (u.a. Unternehmenskonzentrationsprozess), aber die Strukturveränderungen auf den Wettbewerb zurückwirken, das heißt ihn verändern. In welcher Weise sich der Wettbewerb wandelt ist entscheidend dafür, wie die Marktentwicklung tatsächlich verläuft. Wettbewerb und Wettbewerbsfähigkeit auf jungen Märkten („Neuland“) definieren sich deswegen ganz anders als Wettbewerb und Wettbewerbsfähigkeit auf reifen Märkten („Routine“) und das ist maßgeblich für das Verhalten der Akteure auf Märkten.

Vor diesem Hintergrund betrachtet ist es unmöglich ein ideales Set von Marktmerkmalen zu finden, bei denen „der Wettbewerb“ zu jeder Zeit für hoch effiziente und wachstumsstarke Märkte sorgt. Ein Wettbewerbsideal gibt es so gesehen überhaupt nicht. Der Wettbewerb oder genauer gesagt die Form der Wettbewerbsführung muss sich im Gegenteil verändern, damit Märkte sich entwickeln können (siehe dazu im Detail: „In der Wachstumsfalle – Griechenland & Co., Teil 1, Teil 2 und Teil 3). Tut er es nicht, verlangsamt sich die Entwicklung sukzessive und es kommt zu Stagnation. Und das hat ernste gesamtwirtschaftliche und in letzter Konsequenz auch ernste weltwirtschaftliche Konsequenzen, je mehr Märkte betroffen sind.

Die Harvard School und verwandte Ansätze versuchen entsprechend nicht nur etwas Unmögliches. Vielmehr haben sie auch die Politik – und über die an Harvard auf dieser Basis entwickelte Managementlehre nebenbei bemerkt auch Unternehmensberater und Manager – in den Industriestaaten geprägt, die nunmehr seit einigen Dekaden auf die Förderung der Entstehung und Entwicklung oligopolistischer, von Großunternehmen geprägter Marktstrukturen ausgerichtet ist – mal durch Deregulierung, mal durch gezielte Industriepolitik.

Das war über viele Jahre hinweg gesamtwirtschaftlich gesehen richtig und erfolgreich. Das Fatale ist jedoch, dass die Politik in den Industriestaaten generell auch bestrebt ist, diese hochkonzentrierten Marktstrukturen auf Dauer zu erhalten, in der irrigen Annahme, dies würde die Wirtschaft dauerhaft effizient und wachstumsstark machen. Tatsächlich hat sie damit in den zurückliegenden beiden Dekaden die Entwicklung von Märkten zunehmend stärker behindert, weil immer mehr Märkte ihren Zenit bzw. das Reifestadium überschritten haben. Auf solchen Märkten gehen die führenden Großunternehmen tendenziell dazu über, ihre Marktposition zu bewahren und zu verteidigen. Der Wettbewerb wird zu einem reinen Preis- und Kostenwettbewerb und diese Strukturen zu einem gravierenden Hemmnis für die Marktentwicklung. Und genau dabei unterstützt die Politik in den Industriestaaten die Wirtschaft und den Finanzsektor.

Das ist die den meisten nicht bewusste Erklärung dafür, warum wir heute eine Debatte über „Too big to fail“ führen – wenn auch nur bezogen auf den Bankensektor.

2. Die Nachfrageseite, insbesondere deren Rolle für die Entwicklung von Märkten und Wettbewerb

Wenn es auf immer mehr Märkten im Zuge der Entwicklung zur Reifung derselben und bei den Unternehmen auf der Angebots- und Nachfrageseite zu Konzentrationsprozessen kommt, dann ist es wenig realistisch anzunehmen, dies würde nicht auch bei den Einkommen und Vermögen seinen Niederschlag finden. Weil die neoklassische Theorie die Entwicklung von Märkten sowie der Wirtschaft vollständig und die Nachfrageseite weitestgehend ausblendet (angebotstheoretische Perspektive) und auch das Harvard-School- sowie verwandte Konzepte beides nicht systematisch berücksichtigen, sich aber andererseits die Politik in den Industriestaaten daran ausrichtet, liegt der Einkommens- und Vermögenskonzentrationsprozess außerhalb der Wahrnehmung und mithin auch außerhalb dessen, was man wahrzunehmen bereit ist. Denn dieser widerspricht den angesprochenen Theorien und Konzepten, aber vor allem auch der herrschenden angebotspolitischen Auffassung fundamental. Sich entwickelnde Märkte lassen sich nur durch das sich im Zeitablauf signifikant verändernde Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage erklären. Es ändert sich bedingt durch die sich verändernden Marktstrukturen und das findet seinen Niederschlag in einem sich verändernden Wettbewerb. Wenn sich viele Märkte im fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung befinden und hochkonzentriert sind, dann konzentriert dies nicht nur die Profit- und Einkommensströme sondern über diese auch stetig die Verteilung der Vermögensbestände.

3. Die Konsequenzen der Entwicklung von Märkten und des Wettbewerbs in räumlicher Hinsicht, das heißt für die Entwicklung des Raums

Wenn wir von der Globalisierung der Märkte sprechen, dann ist das letztlich nichts anderes als eine Entwicklungsstufe im Prozess der Entwicklung von Märkten und sie hängt unmittelbar mit dem Unternehmenskonzentrationsprozess zusammen. Große Märkte erfordern große Unternehmen und umgekehrt. Das ist zum Beispiel exakt der Grund, warum der europäische Binnenmarkt geschaffen und die Entstehung von „European“ bzw. „National“ Champions in Europa massiv gefördert wurde. Damit hat aber der Unternehmenskonzentrationsprozess unmittelbar auch räumlich Konsequenzen, denn die wenigen Großunternehmen, die – als „Champions“ – die jeweiligen globalen Märkte prägen, sind natürlich nicht gleichmäßig auf alle Volkswirtschaften verteilt. Und so gibt es im Zuge dieser politisch bewusst geförderten Entwicklung, das heißt hin zu hochkonzentrierten Märkten und „National Champions“, unter den Volkswirtschaften und Regionen solche, die von dieser Entwicklung nach wie vor profitieren und viele andere, die nicht oder nur indirekt und damit temporär profitiert haben. Letztere sind all jene, die seit der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise beschleunigt verlieren, also etwa die europäischen Krisenstaaten. Die heute stark ausgeprägten volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte (Stichwort: Leistungsbilanzdefizite), aber auch die räumlich heute ebenfalls stark ungleichgewichtige Verteilung von Top-Einkommen und Vermögen ist eine mittelbare Folge der politisch in allen Industriestaaten übereinstimmend und bewusst geförderten Entwicklung hin zu hoch konzentrierten Märkten, die sich bewusst oder unbewusst am Markt- und Wettbewerbsideal der Harvard School orientiert.
Zunehmende Ungleichgewichte auf den Märkten und sukzessives, politisch gefördertes Verkrusten derselben auf dem erreichten Status Quo, addieren sich mit den Ungleichgewichten bei der Einkommens- und Vermögensverteilung auf der Basis der räumlichen Ungleichgewichte zu einer in hohem Maße instabilen Struktur, die entstanden ist, weil

  • die normale Entwicklung von Märkten dazu führt, dass der Wettbewerb sukzessive an Entwicklungsdynamik verliert und so Märkte verkrusten (sofern es nicht einem Innovator gelingt, diese aufzubrechen oder von der Politik etwas dagegen unternommen wird);
  • die Politik exakt jene Marktstrukturen dauerhaft zu erhalten bestrebt ist, die für ausgereifte Märkte und harten Preis- und Kostenwettbewerb stehen, im falschen Glauben, dies sei auch dann noch ideal für Effizienz, Wachstum und Beschäftigung, wenn nach und nach alle volkswirtschaftlich (global) bedeutenden Märkte die Ausreifungsphase erreicht haben und in die Phase der Stagnation eingemündet sind;
  • die Konsequenzen für die räumliche Entwicklung und die Entwicklung bei den Einkommen und Vermögen ausgeblendet wurden.

Implikationen für die Krisenbekämpfung

Die Einkommens- und Vermögenskonzentration ist nicht die Ursache der Krise. Sie ist ebenso wie die hohe Unternehmenskonzentration das Ergebnis der natürlichen Entwicklungsdynamik von Märkten. Beides ist aus den oben genannten Gründen heute zu einem zentralen Problem geworden.

Die Ungleichgewichte zwischen den Volkswirtschaften werden sich nicht auflösen lassen, so lange die hoch konzentrierten und von hochgradig vernetzten Konzernen dominierten Marktstrukturen auf den globalen Märkten bestehen und von der Politik gezielt gefördert und bewusst erhalten werden. Unter solchen Bedingungen und bei uneingeschränktem Freihandel haben „Verlierer-Volkswirtschaften“ wie zum Beispiel Griechenland, Portugal, Ungarn und Rumänien nicht den Hauch einer Chance, wettbewerbsfähig zu werden. Denn das hieße deren Wirtschaft müsste in der Lage sein, den Global Playern Marktanteile im intensiven Kostenwettbewerb auf den globalen Märkten abzujagen. Das ist schlicht eine Utopie. Drastische strukturelle Reformen zwecks Anpassung dieser Volkswirtschaften an ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, wie sie gegenwärtig erzwungen werden, können daran ebenso wenig ändern wie großvolumige Konjunkturprogramme. Die einzige Möglichkeit, diese Länder wirtschaftlich wieder auf Erholungskurs zu bringen, besteht darin, sie temporär vor dem Wettbewerb auf den globalen Märkten zu schützen, damit sich die heimische Wirtschaft erholen respektive entwickelt werden kann.

Ein weiterer limitierender Faktor ist der hohe Grad der Ungleichverteilung von Kaufkraft, was eine direkte Folge der Einkommens- und Vermögenskonzentration ist. Es fehlen folglich auch die nachfrageseitigen Voraussetzungen für eine Rückkehr auf den Pfad der wirtschaftlichen Erholung. Dieses Problem wird sich ohne eine höhere Besteuerung der Top-Einkommen und –Vermögen nicht lösen lassen und insofern gibt es neben der erforderlichen stärkeren Beteiligung an den Krisenkosten einen weiteren Grund, diese oder eine von der Wirkung her vergleichbare Maßnahme zu ergreifen.

Aber das alleine reicht ebenso wie der zuvor angesprochene Schutz strukturell schwacher Krisenvolkswirtschaften nicht aus, weil die hochkonzentrierten Märkte letztlich der Motor der Einkommens- und Vermögenskonzentration sowie auch der räumlichen Ungleichgewichte sind.

Setzt man am anderen Ende des Problems der sich öffnenden Einkommens- und Vermögensschere an, das heißt bei der wachsenden Gruppe der Niedriglöhner, gilt dasselbe etwa für Mindestlöhne. Die könnten vielleicht die schlimmsten Auswirkungen einer Welt marktübergreifend miteinander verflochtener, großer Oligopolisten eindämmen helfen. Aber sie ändern nichts an den Ursachen und sind letztlich de facto eine Kompensation für politische Maßnahmen, die zwecks Unterstützung der Kostenwettbewerbsfähigkeit dieser Marktstrukturen ergriffen worden sind, einschließlich der Förderung von Fusionen und Übernahmen, um große Wirtschaftseinheiten und „National Champions“ (z. B. Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank) zu schaffen und die das angesichts des Reifegrades vieler Märkte ohnehin existierende Problem weiter verschärft haben.

Auch bezüglich des Problems der Einkommens- und Vermögensungleichheit wird es deswegen eine echte Lösung nicht geben, solange die gegebenen Markt- und Beteiligungsstrukturen auf den globalen Märkten bestehen bleiben und von der Politik konzentriert gefördert respektive in Krisenphasen massiv gestützt werden.

Eine Lösung kann letztlich unterschiedliche Elemente umfassen, wird aber in jedem Fall marktstrukturverändernd sein müssen.

Das gilt nicht nur, aber ganz besonders für den von der realwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelten und die Realwirtschaft dominierenden Finanzsektor. Eine Lösung wird in diesem Punkt jedoch dadurch erschwert, dass die globalen Finanzhochburgen in den USA und Großbritannien liegen und insbesondere Großbritannien volkswirtschaftlich in hohem Maße von der Finanzindustrie abhängig ist.

Die drastischste Maßnahme wäre neben einer rigiden Regulierung des Finanzsektors die Zerschlagung von Finanzkonzernen, was historisch gesehen nicht zum ersten Mal geschähe, aber beides nicht unproblematisch und eher ein letztes Mittel ist – die ganz große Keule eben.

Eine andere, weniger heikle Möglichkeit wäre es, Obergrenzen für die Bilanzsumme einzuziehen, möglicherweise in Stufen und über einen definierten Zeitraum gestreckt, was nichts anderes wäre als ein Schrumpfen der Global Player im Finanzsektor. Allerdings ist es notwendig dabei nicht nur den Finanzsektor ins Auge zu fassen, sondern die ebenfalls vielfach von sehr großen Oligopolisten beherrschten globalen realwirtschaftlichen Märkte. Auch die könnten sich, nebenbei bemerkt, schon bald als „Too big to fail“ erweisen.

Unverzichtbar ist aber in jedem Fall eine Neuausrichtung der gesamten auf die Finanz- und Realwirtschaft gerichteten Politik.

Die einseitige Fokussierung der oligopolistischen „1.-Klasse“-Wirtschaft der Konzerne muss beendet und durch eine in den nächsten zehn Jahren bevorzugt auf die Förderung und Stärkung des dynamischen Teils der klein- und mittelständischen Wirtschaft und Finanzindustrie gerichtete Politik abgelöst werden, um dynamische Entwicklungsprozesse blockierende, marktstrukturell bedingte Verkrustungen aufzulösen. Andernfalls bleiben die instabilen, höchst krisenanfälligen Strukturen bestehen, die kaum mehr als Stagnationsperspektiven bieten und aufgrund des immensen Kostendrucks mit Blick auf Beschäftigung und Löhne eine weitere Verschärfung erwarten lassen.

Kommt es zu einem neuerlichen Kollaps an den Finanzmärkten und Börsen oder tritt ein anderes signifikantes, krisenauslösendes Ereignis ein, wird sich die Lage auf den Weltmärkten – wie schon nach der Lehman-Pleite – sehr rasch und drastisch verschlechtern. Das ist angesichts der hier beschriebenen, hochkonzentrierten und hochgradig vernetzten Strukturen der globalen Märkte garantiert. Und dieser Fall wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten, wenn es keine Kurskorrektur gibt.

Gerade deswegen sollte die ebenfalls bittere, aber zumindest potenziell weniger zerstörerische Alternative eines sukzessiven Umbaus der krisenanfälligen und ernste finanzielle, wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Probleme verursachenden Strukturen nicht leichtfertig verdrängt werden. Es wäre nicht weniger als ein Paradigmenwechsel, aber der ist unausweichlich. Darauf zu hoffen, dass die bisherige Krisenpolitik und dieselben, immer wieder angewandten Maßnahmen (aktuelles Stichwort: QE3) doch noch irgendwann einmal den erwünschten Durchbruch erbringen, ist angesichts der Zwischenbilanz derselben im fünften Jahr nach dem Kollaps des US-Hypothekenmarktes nicht einmal mehr ein Strohhalm, an den man sich zu klammern versucht, sondern Realitätsverweigerung. Die einzige Wahl, die wir tatsächlich haben, ist, ob der Paradigmenwechsel bewusst vollzogen oder von den Ereignissen erzwungen wird.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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67 KommentareKommentieren

  • MerijnKnibbe - 19. September 2012

    Off topic. But Weidmann starts to talk about Faust, and Mephito, and ‘artificial’ money. Weidmann is of course not the only one who read Goethe. It seems a save bet that Hjalmar Schacht (who has more right to the title “the most succesful Central Banker ever” than Alan Greenspan) did so, too. And there is reason to believe that his famous MEFO-bills do not have a coincidental resemblance to “Mephisto-bills”: http://www.scribd.com/doc/74667288/Preparata-HITLER%E2%80%99S-MONEY-The-Bills-of-Exchange-of-Schacht-and-Rearmament-in-the-Third-Reich

    These bills did work… Unemployment went down, fast. Production was up, fast. Prosperity returned to Germany, many years earlier than in for instance in Gold Standard countries like France and the Netherlands . Production of course consisted of course of far to many armaments – that was the real work of Mephisto. But post war development shows that other sources of demand besides building an army are possible, too. Weidmann should read his economic history, too.

  • Roland - 19. September 2012

    Hallo Stefan, Gratulation, sehr schöne Arbeit.

    Du hast für die heutige Zeit den erneuten empirischen Nachweis gebracht, dass sich der Kapitalismus seit Marxens Zeiten im Grundlegenden nicht verändert hat.
    Auch Marx sprach schon von der gesetzmäßigen Monopolisierung der Ökonomie. Und Lenin untersuchte die politischen Auswirkungen, nämlich den aus den Monopolen und ihrem Kampf um die Vorherrschaft in der Welt sich ergebenden Imperialismus.
    Wenn wir heute die Rohstoff-Konflikte zwischen China und Japan oder den Kampf aller Großmächte um Afrika ….usw. anschauen, hat sich auch hier gegenüber früher nichts geändert.

    Traurig, dass wir nach 1990 so eine Art “zweite Bücherverbrennung” erlebt haben und die angesprochenen Klassiker aus dem intellektuellen Leben verbannt wurden.
    Wir sollten dies dringend ändern, wenn wir die kommenden ökonomischen und politischen Erschütterungen verstehen wollen.

    • Roland - 19. September 2012

      Nachtrag:
      Nachdem heute auch die japanische Zentralbank die direkte Staatsfinanzierung ausgedehnt hat, ist auch dies ein verzweifelter Versuch (wie FED und EZB) den “kapitalistischen Laden” so einigermaßen am laufen zu halten. Hoffnung ist wohl, sich die Schuldenprobleme weg-inflationieren zu können.
      Mehr fällt den beschränkten “Eliten” der drei großen Wirtschaftsräume USA / EU / Japan nicht mehr ein.
      Du hast recht: Ein Paradigmenwechsel steht vor der Tür.
      Vergessen wir aber die “Eliten”, diese Tür kann nur von anderen aufgemacht werden.

  • Traumschau - 19. September 2012

    WOW! Sehr guter Beitrag!

    “Zunehmende Ungleichgewichte auf den Märkten und sukzessives, politisch gefördertes Verkrusten derselben auf dem erreichten Status Quo, addieren sich mit den Ungleichgewichten bei der Einkommens- und Vermögensverteilung auf der Basis der räumlichen Ungleichgewichte zu einer in hohem Maße instabilen Struktur, die entstanden ist, weil …”

    Ich habe einen sehr guten Beitrag von Heiner Flassbeck gesehen, der die Annahmen der neoklassischen Theorie aus der Perspektive des “Arbeitsmarktes” untersucht hat und zu dem Ergebnis kommt, dass diese grandios falsch sind. Die Entwicklung der Märkte wird ihm zufolge besonders dadurch erschwert, dass durch die H4-Gesetze, Lohndumping, etc. kein Wettbewerb mehr über die Produktivität erfolgt, sondern nur noch über Kostenvorteile, die sich daraus ergeben, dass der Arbeitslose bzw. Arbeitnehmer sich “in den Markt zurück- bzw. einpreisen soll”. So wird es möglich, dass eben auch Unternehmen bestehen und überleben, deren Produktivität eigentlich nicht ausreichend ist. Das erhält den StatusQuo, weil wie du geschrieben hast, die Politik genau diese Entwicklung befördert. Zu sehen ist der Vortrag in dieser excellenten Vortragsreihe:
    http://www.real-world-economics.de/index.php?id=108
    Neben dem Vortrag von Flassbeck gibt es noch eine ganze Reihe anderer spannender Vorträge, die sich dieses Themenkomplexes annehmen.
    Als interessierter Laie bekommt man tatsächlich das ein oder andere AHA-Erlebnis!!
    Vielen Dank für den Beitrag, Stefan!!
    LG Traumschau

  • topperhopper - 19. September 2012

    Aus meiner Sicht die Ursache vieler (Vermögenskonzentrations-) Probleme – das Geldsystem:

    „Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff’ es denn.“

    Vielleicht dringen wir jetzt mal zum Kern der Debatte vor.
    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/klassiker-der-geldpolitik-goethe-liefert-weidmann-die-argumente/7150088.html

    VG

    • Querschuss - 19. September 2012

      Hallo Topperhopper,
      Scheindebatte, die EZB und Draghi übten sich in jüngster Zeit nur in Verbalakrobatik beim Aufkauf von Staatsanleihen, seit 29 Wochen in Folge geht die Bilanzsumme des Eurosystems seitwärts und pendelt knapp um die 3 Billionen Euro.

      Die Ausweitung fand längst statt, immense Volumen an fragwürdigen Assets sind längst aufgesaugt ohne das damit ein zu Grunde liegendes Problem gelöst wurde und auch die BUBA-Bilanz wurde unverantwortlich aufgeblasen, alleine mit 751,5 Mrd. Euro an Target2 Forderungen.

      Weidmann war der verantwortliche Mephisto oder eben hilflose und ungefragte Chef, beim Aufblasen der BUBA-Bilanz.

      • topperhopper - 19. September 2012

        Aber immerhin eine Debatte. Ohne (ausreichend vorhandene) Scheindebatten wäre unsere Presselandschaft um einige Zeitungsseiten bzw. Netzartikel ärmer ;)

        Natürlich wird hier kein zugrundeliegendes Problem gelöst, aber die Ankündigung von Draghi hat gezogen – und sie wird auch umgesetzt, wenn´s nötig ist.

        Ich halte aber Weidmann zugute, dass er überhaupt einmal beginnt, öffentlich über das Geldsystem und seine Grundlagen an sich zu debattieren. Der nächste Schritt müsste dann das Eingeständnis sein, dass wir – wenn wir noch ein paar Jahre so weiterleben wollen wie gehabt…schön als Konsumlemminge und so… – immer weiter aufschulden müssen. Sonst knallt´s – sh. Ponzi.

        VG

        • Querschuss - 19. September 2012

          “immerhin Debatte”, reichlich spät und vor allem nachdem der Karren tief im Dreck steckt, jahrelang wurde den Fehlentwicklungen zugesehen, jetzt debatiert man, welche Antwort der Geldpolitk die richtige sei, nachdem sich die Bilanzsumme des Eurosystems seit 2007 verdreifacht hat.
          Großes Kino

  • Futur - 19. September 2012

    Vielen Dank, SLE.

    Dieses “Finanz-Firmen-Konglomerat” ist nicht nur der Verursacher/ Profteur der letzten Krisen, sondern der Kern der Problematik. Niemals wird es eine Lösung ohne diese Gruppe geben, denn der Einfluss ist übermächtig.

    Deshalb würde ich gerne wissen, wer hier in D ihr oberster Repräsentant ist.

    Viele Grüße
    Futur

    • JL - 19. September 2012

      Hallo Futur,

      Sie schrieben unter anderen “Dieses “Finanz-Firmen-Konglomerat” ist nicht nur der Verursacher/ Profteur der letzten Krisen, sondern der Kern der Problematik”

      Der Kern der Problematik ist wertfreies Schuldgeld. Solang ich in der Lage bin die Leute mit Unsumme von Geldern zu bewerfen, werden diese freudig eine bunte Wirtschafts- und/ oder Finanzblase nach der anderen aufpusten. Nur beim Schuldenbegleichen verliert sich die Freude- wie man derzeit sieht.

      Grotesk daran ist, die Schulden können letztlich nicht beglichen werden (Zinseszinseffekt).

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • Futur - 19. September 2012

        Natürlich besitzt dieses Konglomerat auch das Geldschöpfungsmonopol. Ich schreibe schon sehr lange, dass ein freier Markt völlig illusorisch ist, wenn 60 Prozent zusammen arbeitet und sich auch noch Geld in beliebiger Höhe schöpfen kann.
        Denen geht es doch nicht ums Geld, sondern nur um die Macht.

        Der eigentliche Kern der Problematik ist die Natur des Menschen selber. Ich denke, es wird immer Mächtige geben, die ihre Situation ausnutzen. Deshalb hatten wir ja das System der Demokratie, mit ” Checks and Balances”, auch im föderalen System. Dass trotz aller negativer Erfahrungen ein zentralistisches, undemokratisches System eingeführt wird, empfinde ich als Katastrophe.

        Beste Grüße
        Futur

  • Raini - 19. September 2012

    “Deshalb würde ich gerne wissen, wer hier in D ihr oberster Repräsentant ist.”

    Hier einige Vorschläge :

    http://lobbypedia.de/index.php/Goldman_Sachs
    Freshfields Bruckhaus Deringer LLP
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4054
    http://blog.abgeordnetenwatch.de/2012/07/25/diener-zweier-herren-wie-groskanzleien-die-bundesregierung-in-der-eurokrise-beraten/

  • Futur - 19. September 2012

    Vielen Dank für die links.

    Es ist schon erstaunlich, dass kaum ein verantwortlicher Repräsentant dieser Gruppe zu identifizieren ist. Dieses Konglomerat sind doch die alles bestimmenden “Märkte”, deren Würgegriffe die politischen Entscheidungen bestimmen. Alles anonym! Dies sollte nicht akzeptiert werden. Denn nachher waren es die Computerprogramme, falschen Theorien oder Finanzprodukte, die den Zusammenbruch verursacht haben. Und Niemand hätte Schuld!

    Sicher wird auch Herr Dibelius jede Verantwortlichkeit negieren. Er sieht noch nicht mal die Verpflichtung der Banken für die Allgemeinheit.
    Wann merkt endlich die Allgemeinheit, dass sie nicht den Banken verpflichtet ist?
    Ein größerer Protest ist nötig.

    Trotz allem kann D leider nur mit Hilfe dieser Gruppe die Krise lösen…wenn es denn möglich sein
    sollte.

  • JL - 19. September 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Ihre vorgestellte Artikelreihe ist ausgesprochen umfassend gestaltet, Ihre dargestellten, umfangreichen Datenreihen werden sehr einleuchtend näher erklärt. Ein großes Lob hierzu also auch meinerseits.

    Nun, ich glaube nicht, dass diese Akteure- welche den Markt politisch formten und real- oder finanztechnisch beherrschen- diesen von sich heraus „Umkrempeln“ wollten. Die ganzen Strukturen, wie Sie auch zu Recht schrieben, sind vollkommen verkrustet. Eher stellt in den USA eine neue Partei auf Anhieb den Präsidenten, als das in diesem globalen Markt von „sich heraus“ Veränderungen zu erwarten sind.

    Mit dem Abgleiten in eine weltwirtschaftliche Rezession, mit der stätigen Abwertung der Weltleitwährung US$ und mit der vollkommenen Überschuldung von Staaten und Staatsbürgern aber auch dem Wanken von Banken (und Unternehmen) werden sich wohl aber auch die Marktbedingungen ändern.
    Mögliche weitere, wesentliche Marktveränderungen- außer ein Bankenkollaps könnten doch z. B. sein:

    - Die Ablösung des US$ als Weltreservewährung, da die Halter der größten Dollarbestände, allen voran China, eine Abwertung nicht tatenlos hinnehmen werden. Aufbau einer alternativen wertgedeckten Reservewährung z. B. durch die BRIC- Staaten.

    - Protektionismus als Antwort auf eine Abstürzende nationale Realwirtschaft (z. T. schon Realität, siehe Strafzölle der USA auf Autoreifenimporte aus China). Dies wäre das Ende des globalen „Markttreibens“.

    - Staatsbankrotte, die entsprechenden nationalen Märkte wären vom globalen Marktgeschehen- vor allem finanztechnisch- über Jahre abgeschnitten- siehe Argentinien.

    - Der Zusammenbruch des Euro durch Austritt einzelner Staaten. Die Folgen könnten die von Lehman Brothers in 2008 bei weitem übertreffen, da das Vertrauen- auch der Bürger- nachhaltig erschüttert werden könnte.

    Tatsächlich haben doch bis zum heutigen Tag alle möglichen Verantwortlichen in allen möglichen Ämtern alles Mögliche Versprochen (vor allem 2009), geschehen ist nichts, außer weiteren wirtschafts- und finanzpolitischen Konzentrationen nach Brüssel.

    Und dies wird wohl wieder den 1% und 0,1% guttun, der “Rest” wird immer “kurzatmiger”.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Futur - 19. September 2012

    O-Ton Goldman-Banker Dibelius: Banken sind nicht der Allgemeinheit verpflichtet!

    http://www.focus.de/finanzen/banken/goldman-banker-dibelius-banken-muessen-nicht-das-gemeinwohl-foerdern_aid_470892.html

    ABER DIE ALLGEMEINHEIT SOLL DEN BANKEN VERPFLICHTET SEIN !!!

    Diese Logik spricht für sich!

  • micha - 19. September 2012

    Tja, da hat Herr Eichner wohl völlig recht. Eine m.M.n. völlig korrekte Analyse mit den richtigen Folgerungen. Aber angesichts der Realitäten (s. die Kommentare oben) wohl leider auch herzlich zwecklos.
    Denn eine derartige Verflechtung (Syndikat? Oligarchie?) von Politik und Wirtschaft/Finanz-Elite wird sich auch nicht einfach so aufbrechen lassen wollen.
    Zwei denkbare Möglichkeiten sehe ich, die erste davon hochgradig unwahrscheinlich: Entweder es kommt tatsächlich dazu, dass neue noch unbeeinflusste Parteien/Politiker an die Macht gewählt werden. Der Presse-Ableger der Wirtschaft&Finanz-Eliten wird dies aber wohl zu verhindern wissen. Und selbst wenn es doch passiert: Die wirklich wichtigen Entscheidungen und Richtungswechsel müssen ja international, wenn nicht global, getroffen werden. Da steht das erste Industrieland mit “richtiger” Politik als Außenseiter neben dem “Club” erst mal schön blöd da.

    Oder aber, es kommt “irgendwann demnächst” zu einem “großen Knall” (wie immer das dann auch aussehen mag…hoffentlich nicht allzu schlimm). Das hat der Herr Eichner ja auch schön angesprochen, und er sieht es wohl auch so kommen.

  • RealTerm - 19. September 2012

    Die Ursache der Vermögenakkumulation und der daraus resultieren Krisen und Zusammenbrüche liegt nicht nicht allein an unserem Geldsystem, sondern tiefer geblickt an unserer Eigentumsgesellschaft. Letzendlich geht es nämlich nicht um die Verteilung der bedruckten Baumwollzettel, diese sind nur Mittel zum Zweck und vermehren sich notgedrungen genauso exponentiell wie das Eigentum in der Hand des Eigentümers.

    Nein, es geht vielmehr um die Verteilung des Eigentums, also um,die Verfügungsgewalt über alle Sachwerte auf dieser´m Planeten.

    Keine Angst, ich bin sicher, dass es ohne Eigentum nicht geht und ich bin kein Sozialist. Aber es muss in einer Gesellschaft die folgende Frage im übertragenen Sinne erlaubt sein (frei nach Egon W. Kreutzer):

    “Mit welcher Begründung beansprucht der Ur-Ur-Enkel ganz allein für sich die Kirschen eines Kirschbaumes, den sein Ur-Ur-Großvater vor 80 Jahren auf seinem Grundstück gepfanzt hat.”

    Er ist Eigentümer des Grundstückes. Eine andere Begründung gibt es nicht. Und das ist etwas dünn! Wo aber kämen wir hin, wenn alle Eichhörnchen die Nußbäume beanspruchen würden, nur weil sie einst eine Nuß im Boden vergessen haben.

    Und diese bildhaften Vergleiche hinkem viel, viel weniger, als man zunächst glaubt:

    Bill Gates hatte in seiner Garage eine Idee (“Er versteckte eine Nuss…”) Aber war er es selbst, der das Imperium Microsoft so groß gemacht hat? Oder waren es nicht eher seine Mitarbeiter oder gar einfach nur eine unfaire Monopolstellung?

    Bill Gates spendet freiwillig die Hälfte seines Vermögens. Er würde es nicht einmal merken, wenn er 90% spenden würde, seine KInder auch nicht und seine Ur-Enkel wahrscheinlich auch nicht …

    • Futur - 20. September 2012

      @RealTerm

      Ja, genau! Es ist nicht nachvollziehbar, warum die große Masse immer ärmer wird, während die anderen fast automatisch reicher werden. Der Lobbyismus verhindert wohl einschneidende Änderungen.

      Eine weitere Ursache der Vermögensakkumulation, ist dem großen Einfluss der unzweckmäßigen Theorie der Neoliberalen geschuldet. Diese Ideologie ist über 80 Jahre alt!
      Es existiert leider keine zweckmäßige ökonomische Theorie, die in einer komplexen, dynamischen Wirklichkeit funktionieren könnte.
      Diese müsste ganz anders aufgebaut sein als die bisher bekannten.

      Schließlich kann man die Newtonsche Gravitationstheorie auch nicht im nichtlinearen Raum oder in der Welt der Quanten verwenden. Ein einfaches Medikament heilt auch keine komplexen
      Krankheiten. Lineare (induktive) Theorien versagen immer in einem nichtlinearen System!

      Viele Grüße
      Futur

      • SLE - 20. September 2012

        @Futur

        “Es existiert leider keine zweckmäßige ökonomische Theorie, die in einer komplexen, dynamischen Wirklichkeit funktionieren könnte.”

        Wie können Sie das wissen?

        Haben Sie nicht erkannt, dass die Erklärung, die ich in diesem Post gegeben habe, auf einem ganz anderen markttheoretischen Fundament steht als jenes der klassischen und neoklassischen Theorie?

        Grüße
        SLE

  • Futur - 20. September 2012

    Hallo SLE,

    ich weiß doch, dass Sie kein Anhänger der Mainstream-Ideologie sind. Sonst wäre ich nicht hier.
    Sie beschreiben die Wirklichkeit, so wie sich das markttheoretische Fundament darstellt. Natürlich hat dies nicht so soviel mit den klassischen Ökonomien zu tun. Trotzdem war der Einfluss der Neoliberalen in der Ökonomie entscheidend. Ich würde sogar sagen, dass der Neoliberalismus, durch die Ideologie der Deregulierung, sowohl für die Bildung des oben beschriebenen “Firmen-Finanz-Konglomerats” als auch für die Finanzkrisen verantwortlich ist.

    Wenn es eine solche zweckmäßige Ökonomie gäbe, würden doch nicht ganze Kongresse mit der Frage des Paradigmenwechsels stattfinden: z.B. “Inet” in Berlin oder “Neue Ökonomie denken” vom Stifterverband der deutschen Industrie.

    Vielleicht gibt es ja schon eine Ökonomische Theorie für eine komplexe Wirklichkeit. Die müsste z.B. Das “Firmen-Finanz-Konglomerat miteinschließen. Denn dies ist ja nunmal entscheidend.

    Lieber SLE, ich denke immer rein deduktiv und dann falsifiziere ich Alles. Damit verstehe ich dann
    auch sehr viel. Damit kann ich aber auch sofort Unstimmigkeiten erkennen, deshalb bin ich auf der Suche nach dieser “Ökonomie für eine komplexe Welt”.

    Viele Grüße
    Futur

  • Georg Hasta - 20. September 2012

    Es gibt da ein Beispiel dafür, wie ein Vermögens-/Machtkonzetrationsprozess wieder aufgelöst wurde, oder zumindest zum grossen Teil dazu beigetragen hat.

    Die USA reagierten auf die “Great Depression” 30er Jahre – zwar verzögert aber dann eben doch – mit einem Massnahmenbündel:
    1. Arbeitslosenhilfe und öffentlich Arbeitsbeschaffungsmassnahmen
    2. Bankeneinlagensicherung
    3. Agrarsubventionen
    4. Staatliches Hypothekenprogramm für landwirtschaftliche Betriebe
    5. Streichung der Kriegsschulden des Auslands an die USA, Einziehung der Goldreserven, Durchsetzung einer gleichmässigeren Vermögensverteilung durch höhere Erbschafts- und Einkommenssteuern (bis 90%), nationales Gesetz zur Kinderarbeit, Mindestlöhne, Arbeitslosenversicherung und eine Rentengesetzgebung

    Man stelle sich vor: Einkommenssteuerhöchstsätze von 90%! …. in den USA! Bei Hollandes 75% wird der Weltuntergang prognostiziert.

    Ein Schlüssel, um sich in das Thema einzulesen, ist Mariner Eccles (reicher Banker/Industrieller) Rede vor dem US-Senat 1933 der Kommission zur Untersuchung der Wirtschaftskrise.
    http://www.sltrib.com/sltrib/opinion/51046418-82/eccles-economy-president-federal.html.csp

    Ausschnitte aus der Rede und auch ein Link zur Rede selbst:
    http://londonbanker.blogspot.de/2011/09/testimony-of-marriner-eccles-to.html
    Interessant auch die Herangehensweise des US-Senats damals, der 49 Personen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft einlud, um die Probleme zu erörtern.

    Der Beitrag beginnt gleich mit einem absolut hammermässig auf unsere heutige Situation passenden Zitat aus Eccles Rede, das “schauderlich” klar den Problemzusammenhang beschreibt:

    “Before effective action can be taken to stop the devastating effects of the depression, it must be recognised that the breakdown of our present economic system is due to the failure of our political and financial leadership to intelligently deal with the money problem. In the real world there is no cause nor reason for the unemployment with its resultant esestitution and suffering of fully one-third of our entire population. We have all and more of the material wealth which we had at the peak of our prosperity in the year 1929. Our people need and want everything which our abundant facilities and resources are able to provide for them. The problem of production has been solved, and we need no further capital accumulation for the present, which could only be utilised in further increasing our productive facilities or extending further foreign credits. We have a complete economic plant able to supply a superabundance of not only all the necessities of our people, but the comforts and luxuries as well. Our problem, then, becomes one purely of distribution. This can only be brought about by providing purchasing power sufficiently adequate to enable the people to obtain the consumption goods which we, as a nation, are able to produce. The economic system can serve no other purpose and expect to survive.”

    • SLE - 20. September 2012

      Hallo Georg Hasta,

      ja, auf diese harte politische Linie habe ich anspielen wollen, als ich im letzten Abschnitt auf die Zerschlagung von Konzernen zu sprechen kam und ergänzte, das sei ja schon mal passiert. Vielleicht hat Hollande den Ernst der Lage und die Zeichen der Zeit besser erkannt als viele andere Politiker, die die immer noch vergleichsweise gute wirtschaftliche Lage als Erfolg ihrer eigenen Politik verbuchen und sich dafür beinahe schon selbst feiern.

      Vielen Dank auch für die Links. Sehr interessant. Man darf nur nicht vergessen, dass die globalen Strukturen, der Grad der Vernetzung und damit gegenseitigen Abhängigkeit und auch die Situation insgesamt schon deutlich anders ist als in den 30er Jahren. Und dass alle Regierungen der Industriestaaten auf eine politische Linie wie die von Ihnen in Stichpunkten aufgeführte der USA in den 30ern einschwenken, ist gegenwärtig unvorstellbar.

      Das macht die Sache auch besonders gefährlich. Die Regierungen sind im Grunde sehr schwach. Von echter Handlungsfähigkeit kann man deswegen eigentlich auch gar nicht sprechen. Geredet und angekündigt wurde schon sehr viel …. Aber nur bei der Austeritätspolitik wird fortlaufend wirklich richtig Druck gemacht – und die verschärft das Desaster nur noch!

      Grüße
      SLE

    • JL - 21. September 2012

      Hallo Georg Hasta,

      Sie haben natürlich Recht wenn Sie diese Maßnahmen der USA in den 30′ger Jahren aufführen. Zum Unterschied zu heute gibt es aber fünf wesentliche Unterschiede:

      - Breite Bevölkerungsschichten der USA hatten damals ein “Finanzpolster” auf dem Konto, dieses gibt es heute- für die breite Masse- nicht. Die Leute ertrinken gegenwärtig in Schulden. Die USA selbst waren damals aber nur- im Gegensatz zu heute- gering verschuldet und konnten mit diesem Konjunkturpaket zumindest einem weiteren depressiven Abschwung entgegenwirken. Der eigentliche Aufschwung fand mit Kriegseintritt statt.

      - Viele, durch die Depression “gebeutelten” Arbeiter in den Industriezentren, gingen damals dorthin zurück wo diese einst aufwuchsen- zurück aufs Land. Auch dies ist heute nicht mehr möglich. Diese „hängen“ also heute am „Tropf“ des Staates und werden neuerdings per Wahlkampfgetöse als “Schmarotzer” entlarft- nur weil man Hunger hat!.

      - Staat und Konzerne befinden sich heute in einer Art Symbiose- die einen halten den anderen über Wasser und umgekehrt. Würde z. B. der Staat die Banken zerschlagen, Ruinierte der Staat seine treuesten Kreditgeber und währe pleite. Geben Banken dem Staat keine Kredite mehr aus, Ruinierten diese ihren größten Schuldner- und damit sich selbst. Diese Art Abhängigkeiten gab es damals eben nicht, auf Grund der geringen Verschuldung des Staates.

      - Die heutigen globalen Verflechtungen von realwirtschaftlichen- und finanzwirtschaftlichen Großunternehmen gleichen fast schon einem „Gordischem Knoten“. Überspitzt dargestellt bedeutet dies wohl: Geht heute auf den Osterinseln eine Kreissparkasse Konkurs ist einen Tag später JP Morgan pleite. Dies hat SLE ja auch in Abbildung 39 prinzipiell sehr schön dargestellt. Stellten einzelne nationale Staaten heute also Regeln auf, welches genau dies verhindern soll, „wandert“ man als Konzern einfach aus oder verlagert seine Produktionsstandorte. Nicht selten wird dies auch noch subventioniert- von wem auch immer. Damals dagegen lag es im „nationalen“ Interesse genau dies nicht zuzulassen.

      - Finanzspritzen, so wie Sie diese richtig aufführten, flossen damals in die Wirtschaft. Von den Billionen an Stützungen von 2008 bis heute ist aber realwirtschaftlich nichts angekommen. Diese Gelder dienen ausschließlich der Stabilisierung der maroden Finanz- und Staatswirtschaften.

      Grundsätzlich also unterscheiden sich die Ereignisse von damals zu denen von heute. Damals war es eine (Welt)Wirtschaftskrise, heute ist es eine (Welt)Systemkrise. Man kann also sinnbildlich betrachtet eine lebensbedrohende Lungenentzündung nicht mit Medikamenten für Heuschnupfen kurieren- leider.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • SLE - 21. September 2012

        Sie haben es sehr schön auf den Punkt gebracht. Vielen Dank.

        Grüße
        SLE

      • Georg Hasta - 21. September 2012

        Hallo Jl,
        ich muss doch noch mal erwähnen und ihnen wird es selbst sicher sofort auffallen, wenn Sie es noch einmal lesen, dass Eccles genau eben darauf hinweist, dass es sich nicht um eine Real-Wirtschaftskrise handelt, sondern eben um ein “money problem” bzw. ein Problem von ” purely of distribution”. Die Wirtschaft ist absurderweise, was ihr reales Leistungspotential betrifft, sogar zur Überproduktion fähig, auf der Abnehmerseite besteht jedoch eine Nachfrageschwäche, die er treffend “Underconsumption” nennt.
        Es geht gar nicht so sehr darum, welche Lösungen damals ins Programm genommen wurden – viele der Massnahmen die Eccles aufführt wie Arbeitslosenhilfe, Arbeitsbeschaffung, Agrarsubventionen, Zentralbank etc. haben wir heute schon, einige wie z.B. den Glas-Steagle Act haben wir vielleicht vorschnell verschwinden lassen, einige wie z.B die Zentralbank sind selbst zum Problem geworden.
        Wichtig dagegen ist, wie klar und einfach Eccles beschreibt, dass es sich um ein Verteilungsproblem des Wohlstands handelt, woraus ein Nachfrageeinbruch entsteht, der eine gesamte eigentlich leistungsfähige Wirtschaft zum erliegen bringt. Und immerhin scheint er einen genügend grossen Teil der Senatorenschaft überzeugt zu haben..
        Die Thematik von Herrn SLE’s hervorragenden Text ist ja eben gerade diese schlechte Verteilung von Wohlstand, die sich in Vermögenskonzentration niederschlägt. Die Situation ist heute in verschiedenen Bereichen sicher anders, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ihre fünf Punkte, die Sie anführen, einer genauen Prüfung standhalten würden. Man sagt das oft so leicht aus dem Bauch vor sich hin, dass dies und jenes anders war. Ich will jetzt diesen Text nicht überfrachten, wir können das meinetwegen aber gerne vertiefen. Ich führe nur schemenhaft einige meine Zweifel an.

        zu 1
        Gesamtverschuldung der Gesellschaft auch damals hoch: USA privat und öffentlich 1933 ca. 300%, heute ca 350% Peak.
        Verschuldung des Staate damals wie heute relativ gering (klingt vielleicht merkwürdig, erkläre ich aber gerne).
        Die Zusammensetzung der Privatverschuldung war damals etwas anders gelagert. Es waren, glaube ich (nochmal nachschauen), eher die Unternehmen verschuldet, heute sind es die Privathaushalte.

        zu 2
        Auch heute setzt bereits Landflucht ein, in Griechenland ist das sehr eindrucksvoll zu beobachten. Ob die Landflucht heute weniger möglich ist als früher, müsste genauer untersucht werden. Tendenziell könnte was dran sein, allerdings wird es regional Unterschiede geben. Ich kann mir das in einem Hochwohlstandsland wie Deutschland als tatsächlich schwieriger vorstellen als in den Südländern.
        Damals gab es scheinbar noch keine Arbeitslosenhilfe, also konnte man die auch nicht als Schmarotzer beschimpfen. Ob die Gesellschaft aber weniger gespalten war?
        Die Arbeitslosenrate lag damals in USA immerhin zwischen 20 und 30%!!!

        zu3
        Verquickungen waren vermutlich immer gegeben. Ein kleiner Einblick bietet ein Bericht von Marx über die Revolution in Frankreich 1848. Das liest sich “heiter”:
        “Wie die Staatsverwendungen überhaupt und die Staatsanleihen, so exploitierte die herrschende Klasse die Eisenbahnbauten. Dem Staate wälzten die Kammern die Hauptlasten zu, und der spekulierenden Finanzaristokratie sicherten sie die goldenen Früchte. Man erinnert sich der Skandale in der Deputiertenkammer, wenn es gelegentlich zu Vorschein kam, daß sämtliche Mitglieder der Majorität, ein Teil der Minister eingerechnet, als Aktionäre bei denselben Eisenbahnbauten beteiligt waren, die sie hinterher als Gesetzgeber auf Staatskosten ausführen ließen.”
        Hier geht’s zum gesamten Text, das wird einem echt schwindelig:
        http://www.mlwerke.de/me/me07/me07_012.htm
        Solche Beispiele wird man in der Geschichte zahllos finden.
        Grundsätzlich braucht der Staat die Banken nicht zum Schuldenmachen, das ist eine Definitionsfrage. Bei Schulden muss fein unterschieden werden, denn sie haben eine ganz unterschiedliche Qualität. Man muss z. B. unterscheiden zwischen “self-liquidating debt” und “non-self-liquidating debt”. Self-liquidating sind vor allem die Unternehmensschulden, denn diese werden grösstenteils aufgenommen, um etwas zu produzieren, was über den Verkauf der Güter die Mittel zur Tilgung der Kredite verdient. Das meiste andere sind non-self-liquidating debt. Dies sind die gefährlichen Schulden.

        zu 4
        Dieser Punkt geht, was die Vernetzung betrifft, teilweise im vorherigen Punkt auf. Zur Vernetzung ist noch zu sagen, dass wahrscheinlich die vorgeschrittene Technologie diese Vernetzung überhaupt erst möglich gemacht hat, zeitgleich die Beherrschung dieser Vernetzung proportional aber ebenfalls zunahm. Ich ziele darauf ab, dass die Vernetzung auch früher schon für die damals herrschenden Verhältnisse bis Oberkante Unterlippe ausgebaut war.
        Die Ansteckungsgefahr ist ja eben der Effekt der Korruption des Finanzsystems, dass in diesem Schneeballsystem die Deckungen/Pfänder fehlen oder ungenügend sind. Die Banken müssten eigentlich pleite gehen, um ein ordnungsgemässes Wirtschaften wieder herzustellen. Ich halte nichts von der TBTF-Theorie, das hat man uns eingeimpft, das ist der Rettungsanker der Vermögen, ansonsten würden diese eingedampft, was so oder so irgendwann passieren wird. Dass diese sich dagegen wehren, ist verständlich. Man hat das grob damit begründet, dass dann die Realwirtschaft zusammenbrechen würde. Und genau dies passiert nun nahezu allerorten: die Wachstumsraten sind rückläufig.
        Dass man damals so viel nationaler gedacht hat, muss ebenfalls durchleuchtet werden. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, das es zahllose Verstrickungen zwischen US und Nazifirmen gab und man damit gut Profite abschöpfen konnte.

        zu 5
        Genau, es ist sogar noch extremer: es kommt keine Kaufkraft (sprich: Geld) auf der Nachfrageseite an. Im Gegenteil wird der Nachfrage mit all den Sozial-, Renten-, Gesundheits-, und Lohnkürzungen sogar noch Kaufkraft entzogen. Eccles wollte jedoch Kaufkraft, die Kapitalseite war übermässig ausgestattet (…we need no further capital accumulation for the present, which could only be utilised in further increasing our productive facilities or extending further foreign credits.).
        Man könnte sich heute ein QE (Quantitative Easing) für die privaten Haushalte vorstellen, jeder bekommt € 50.000,- auf’s Konto gutgeschrieben, mit der Auflage im Fall von Schulden zunächst diese bezahlen zu müssen. Dass würde die Aktiva der Banken sofort zusammenschmilzen lassen. Die, die keine Schulden haben, würden einkaufen gehen und damit die Wirtschaft ankurbeln. Das ist nur ein lautes Nachdenken, in Wirklichkeit wäre ein solche Massnahme sehr kompliziert und müsste sehr genau durchdacht werden. Aber es wäre mal das Gegenteil von Bankenrettung, eben eine Bürgerrettung.

        Bitte das Gesagte nicht zu sehr auf die Waagschale legen, auch von meiner Seite fehlt viel an Begründung. Ich möchte mehr einen Denkanstoss liefern, bloss nicht als Angriff gegen das sehen, was Sie geäussert haben. Die Themen wären es wert, vertieft zu werden.

        • JL - 22. September 2012

          Hallo Georg Hasta,

          natürlich sehe ich anderslautende Meinungen nicht als persönliche Angriffe an, sondern als Diskussionsbeitrag.

          Ich möchte an dieser Stelle zuvorderst nicht auf Ihre Darstellungen bezüglich meines Kommentars eingehen, sondern Sie bitten die vorhandenen wirtschaftspolitischen Realitäten von 1930 und von heute zu vergleichen.

          Wenn Sie dies wollen möchten, werden Sie sehr schnell an Zeit und Raum erinnert werden, so wie SLE dies hier ( zuvor aber schon Immanuel Kant in „Kritik der reinen Vernunft“) aufzeigte.

          Schaut man sich den Zeitraum so um 1930 an, sieht man:

          1. National aufgeteilte internationale Märkte. Die Amerikaner hatten ihren „amerikanischen Hinterhof“, die Britten ihr Empire und die Franzosen ihre Kolonien. In diesen jeweiligen „Teilweltmärkten“ agierten die entsprechenden nationalen Konzerne monopolistisch.

          2. Nicht nur in den jeweiligen Kolonien , sondern selbst in deren „Mutterländern“ auch gab es eine Reihe von protektionistischen Wirtschaftsgesetzen, welche ein Eindringen ausländischer Konzerne verhindern sollten. Die marktbeherrschende Stellung der jeweiligen nationalen Real- und Finanzwirtschaften wurden also gegenüber möglichen konkurrenzfähigen ausländischen Unternehmen abgeschottet.

          3. Die Märkte an sich waren noch nicht „reif“. Nicht überall fuhr ein Zug, am Himmel sah man- wenn überhaupt- meist Postflieger, die landesweite Versorgung mit Strom war immer noch eine erhebliche „Mammutaufgabe“ und die Verkehrswege und Straßen mussten den gesteigerten Verkehrs- und Transportaufkommen auch erst noch angepasst werden, einschließlich Brückenbauten.

          Und wie sieht die Welt heute aus?

          1. Die Welt und deren Markt ist eine Einheit und global von transnationalen Konzernen „erschlossen“, man könnte auch sagen Aufgeteilt. Nationale Interessen sind „Unternehmensschädigend“ und daher abzulehnen.

          2. Gesetzgebungen wurden, trotz der Erfahrungen der 1930er Jahre aufgehoben, z. B. Trennung von Banken- und spekulativen Bankengeschäften. Geld ist Wertfrei, es ist Fiatgeld, per Notenbank- PC kurzfristig sofort vermehrbar, man muß es noch nicht einmal mehr Drucken um es auszureichen.

          3. In jedem Singlehaushalt stehen „gefühlt“ mindestens zwei Fernseher und liegen drei Mobiltelefone herum, der Markt ist also „gesättigt“. Ergo bau man zur Konjunkturbelebung Brücken ins „nichts“ und plant und baut öffentliche Bauvorhaben die allesamt bedeutend teurer werden als veranschlagt. Ja, und wie Sonnenschirme vor Sonne schützten oder Regenschirme vor Regen werden heutzutage halt auch Rettungsschirme aufgespannt.

          Sie sehen also, bedingt durch Zeit und Raum sind die vorherig richtig angewanden Maßnahmen heute obsolet- also überflüssig- da unwirksam.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

  • zykliker - 20. September 2012

    @SLE

    der Aufsatz enthält i.w. alle Kritikpunkte, die ich an unserer derzeitigen Ausprägung von “Marktwirtschaft” auch habe. Folgende Anmerkungen:

    Die tendenziell wachstumshemmende Wirkung der Konzentration wird zwar dargelegt (Nachfrageseite wird im angebotsorientierten Modell zu wenig berücksichtigt), könnte aber noch etwas ausführlicher und damit überzeugender betont werden: Die Vermögensbesitzer können nur einen immer geringer werdenden Anteil ihres Einkommens/Vermögens konsumieren, und fallen daher als Nachfrager in der Realwirtschaft zurück, zumindest gemessen an ihrem Anteil an der BIP-Verteilung. Dieses Wachstumshemmnis wird dadurch verstärkt, daß sie auch nicht entsprechend ihrem BIP-Anteil in die Realwirtschaft investieren können, da die aus den Investitionen zu erwartenden Erträge das eingegangene Risiko nicht mehr rechtfertigen (Nachfrage der Nicht-Vermögensbesitzer schrumpft tendenziell aufgrund schrumfender Einkommensanteile)
    Der Rest ist bekannt: das Geld weicht in die Finanzcasinos aus.
    Staaten und Notenbanken betrieben mit ihrer Schuldenpolitik/Geldschöpfung zunächst de facto aktive Sozialpolitik, um den oben beschriebenen Kontraktionsprozeß aufzuhalten/abzumildern. Die Rettung der Finanzjongleure/Großunternehmen seit einigen Jahren, in dessen Folge die Notwendigkeit der Rettung überschuldeter Staaten ist eine perverse Entartung des vorher über Jahrzehnte langsam gewachsenen “Tumors der Entkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft.”

    Mich würde interessieren, welche Argumente folgenden Einwand entkräften könnten:

    Die Förderung der “Champions” ist zugleich eine Förderung der höchstmöglichen Produktivität, die über tendenziell niedrige Stückpreise letztlich dem Verbraucher zugute kommen sollten. Werden die Oligopole aufgebrochen, muß dies nicht über geringere Markttransparenz und letztlich höhere Stückpreise vom Verbraucher bezahlt werden? Immerhin strebt eine stärkere Differenzierung auf der Angebotsseite doch zumindest als Nebeneffekt an, mehr Menschen als derzeit eine Teilnahme am Erwerbsleben zu ermöglichen, was aber auch mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Ich vermute, dass diese Kosten zumindest teilweise durch das von höherer Nachfrage der wieder eingebundenen Menschen getriebene Wachstum kompensiert werden kann, zusätzlich die Entlastung der Staatsbudgets aufgrund wegfallender Transferleistungen; im übrigen neigt ja auch die in Großunternehmen “wuchernde” Bürokratie zu gewissen “Produktivitätshemmnissen.”
    Mich würde interessieren, ob es hier ein sinnvolles Schätzmodell der Gegenrechnung von Produktivitätsverlusten einerseits und volkswirtschaftlichen Gewinnen durch breitere Erwerbstätigkeit andererseits gibt/geben kann (ich bin erklärtermassen kein Freund der exakten Mathematik in einer “Wissenschaft,” die letztlich den Menschen zum Untersuchungsgegenstand hat!)

    Inwieweit haben wirtschaftliche/soziale Interessen schon bei der Formulierung und Implementierung des “Harvard-Konzepts” eine Rolle gespielt? Muß man von einer interessengesteuerten scheinintellektuellen Ideologie ausgehen? Z.B. erinnere ich mich daran, wie damals Reagan in seiner Wahlkampagne mit der “Lafferkurve” hausieren ging.
    Ist das jetzige Festhalten an dieser Schule eher interessengesteuerte Machtpolitik oder schlichte “Masseträgheit” analog dem aus der Physik bekannten Phänomen? Mich erinnert das sehr an die Leugnung neuer Erkenntnisse durch die Katholische Kirche z.B. bei Galilei und an die Dekadenz des Feudalismus im 18.Jahrhundert; die notwendige neue “Aufklärung” steht vor umso größeren Wiederständen, je dringender sie wird.

    • SLE - 20. September 2012

      Hallo zykliker,

      vielen Dank für die sehr guten Ergänzungen und Fragen.

      Den Ergänzungen zur Nachfrage (erster Absatz des Kommentars) sind gut und richtig. Das sehe ich auch so. Es ist halt schlcht sehr schwer, alle wichtigen Aspekte in einen ohnehin schon langen Post einzubringen. Mit zunehmender Zahl der Aspekte, die mithin neue “Abzweigungen” von der roten Linie des Textes, die man transprotieren möchte, darstellen, riskiert man leicht, die eigentliche Botschaft zu verwischen, die transportiert werden soll.

      Ich bin aber froh und hoffe im Grunde immer auch darauf, dass solche Dinge in der anschließenden Diskussion aufkommen, erörtert, ergänzt und verständlich geklärt werden können. Ein Hoch auf das Internet und die Kommentarfunktion in Blogs! In Fachpublikationen oder gedruckten Aufsätzen und Artikeln geht das ja schließlich nicht.

      Zum Zweiten Absatz:
      Das Eingangsstatement ist natürlich völlig richtig und die anschließende Frage ist mit “Ja” zu beantworten. Das niedrige Preisniveau vieler Märkte ist nicht zu halten. Andererseits gibt es ebenfalls viele oligopolistische Märkte, auf denen die Preisbildung eindeutig monopolistische Züge hat bzw. die Preise auf einem Niveau liegen, das durch die reale Nachfrage und auch vor dem Hintergrund der realen Kosten nicht mehr schlüssig erklärt werden kann. Spekulation spielt dabei sicher auch oft eine nicht geringe Rolle. Sind das also wirklich Preise hoch effizienter Märkte. Ich denke, das ist sehr oft nicht so und das liegt gewiss nicht nur an der wuchernden Bürokratie.

      Was aber auch eine Rolle spielt und in die Rechnung, ob die Auflösung der Oligopole uns nicht teuer Kommenwürde, einbezogen werden muss, ist, dass die globalen Märkte, in jedem Fall aber die großen Volumenmärkte (die Skalenerträge ermöglichen und deswegen will man ja auch große Oligopolisten haben) eine Homogenität der Nachfrage suggerieren, die es so- jedenfalls vielfach – gar nicht gibt. Anders ausgedrückt gibt es sehr wahrscheinlich heute (wieder) sehr viele Differenzierungsmöglichkeiten, weil die Bedürfnisse der Nachfrager von den Volumenherstellern nur sehr unzureichend befriedigt werden. Dass sie ihre Produkte dennoch loswerden, sogar zu hohen Preise, hängt mit der fehlenden Konkurrenz bzw. fehlenden Alternativen zusammen. Dass Alternative bzw. Ethik-Banken entstanden sind und wachsen oder eine Bäckerei (Familienbetrieb) in NRW großen Erfolg mit Brötchen hat, die auf die alte, traditionelle Weise hergestellt werden (und deswegen auch viel besser schmecken), sind Beispiele dafür.

      Ein Schätzmodell kenne ich leider nicht. Vielleicht kennt jemand anderes hier eins?

      Zum dritten Absatz:
      Das Harvard-Konzept geht im Grunde auf Ende der 30er Jahre zurück! Insofern würde ich ausschließen, dass es interessengetrieben war. Es ist aus der Unzufriedenheit mit dem neoklassischen Modell der “vollkommenen Konkurrenz” und der empirischen Beobachtung, dass es in der realen Welt (damals) eigentlich immer nur unvollkommene Märkte (Oligopole eben) gibt, entstanden. Dass Oligopole als optimal angesehen werden, hängt damit zusammen, dass auf unvollkommenen Märkten – im Unterschied zur vollkommenen Konkurrenz – temporäre Monopole und damit entsprechende Renditen für Innovatoren möglich sind. Das heißt, es geht vor allem um die Anreizwirkung für Innovationen, weil es ohne sie keine Entwicklung gibt und auch kein Wachstum.

      Der Punkt ist, dass die Harvard und verwandte Ansätze auf der Neoklassik aufbauen, aber empirisch nach den richtigen Voraussetzungen für effektiven Wettbewerb bzw. effiziente, wachstumsstarke Märkte gesucht haben, die nichts anderes als ein Ersatz für die Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz sind und sein sollen (atomistische Konkurrenz, vollkommene Information, unendliche Reaktionsgeschwindigkeit, Rationalverhalten etc.).

      Wenn man so will, haben die einfach die neoklassische Markt- und Wettbewerbsvorstellung auf Wachstum zurecht gebogen, was natürlich problematisch ist, aber niemanden schert, so lange es keine alternative Markt- und Wettbewerbstheorie gibt, die Märkte besser erklären kann. Wenn es eine gibt – ich habe ja auch eine erstellt -, tritt in der Tat das kollektive Totschweigen, Leugnen und Verdrängen ein. Davon können sehr viele Ökonomen ein Lied singen. Und dann spielt es beispielsweise auch keine Rolle mehr, dass empirisch nie klar belegt werden konnte, dass Großunternehmen in puncto Innovation kleinen und mittelgroßen Unternehmen überlegen sind oder – andere Baustelle – die Fakten belegen, dass Austeritätspolitik verschuldete Volkswirtschaften wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Ungarn usw. nicht auf Wachstumskurs bringt, sondern wirtschaftlich ruiniert.

      Dass “National Champions” über Mega-Fusionen immer größer und die Oligopole immer enger wurden, liegt an der Globalisierung der Märkte und der Internationalisierung des Wettbewerbs. Das fing Ende der 60er Jahre an und so richtig erst in den 80er Jahren.

      Das war natürlich keine Naturgesetzlichkeit “der Märkte”, sondern folgte selbstverständlich einem wirtschaftlichen Kalkül. Die Industriestaaten haben die Auslandsmärkte für ihre National Champions erschlossen (die USA besonders effektiv) und vor allem auch aus diesem Grund wurde der europäische Binnenmarkt geschaffen und die Erweiterung der Europäischen Union vorangetrieben. Da passt es natürlich gut, wenn alle Welt – Harvard und Neoklassik sei Dank – sowieso glaubt, die ideale Wirtschaftswelt ist eine von Konzernen bzw. Global Playern geprägte. Da hat man eben die Bedingungen optimaler Märkte und für effektiven, wachstumstreibenden Wettbewerb einfach ein wenig angepasst und deswegen gab und gibt es Mega-Fusionen und heute ein “Too big too fail”-Problem – auf vielen globalen Märkten!

      Es ist also beides: “Masseträgheit” verbunden mit interessengesteuerter Machtpolitik. Und Sie haben mit dem Hinweis aus Galilei Recht und ebenso damit, die aktuelle Situation mit der historischen Phase der Aufklärung zu vergleichen. Ja, es gibt immense Widerstände und es ist keine Überraschung, dass Obama mit seinem Versprechen “Change!” gescheitert ist. Dafür hätte in der breiten Bevölkerung und auch sukzessive bis in die Eliten hinein der Boden bereitet werden müssen. Oder schauen Sie sich an, was z.B. aus “Occupy Wall Street” geworden ist …

      Es gibt viel zu tun ….

      Grüße
      SLE

  • Hans Speck - 20. September 2012

    Sehr interessante Arbeit – sehr viel Infos, sehr klug kommentiert – meine Hochachtung!

    Die falsche neoklassische Theorie soll durch eine “Markttheorie” ersetzt werden.
    Wie steht es denn mit einem der Grundpfeiler des Marktes – dem informierten, rational entscheidenden Verbraucher?
    Haben wir doch nicht – wir haben manipulierte, emotional entscheidende Verbraucher (dank der Werbung und Propaganda=PR) – schon seit Jahrzehnten.
    (Von anderen grundlegenden Postulaten, die ebenfalls nicht der Realität entsprechen, mal abgesehen.)
    Wie soll angesichts dessen ein Markt funktionieren?

    • SLE - 21. September 2012

      Sie haben ganz zweifellos Recht. Die Nachfrageseite bzw. die Masse der Endnachfrager bzw. Haushalte kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen.

      Denn wer hat nicht alles die allseits scharf kritisierten “innovativen” und renditeträchtigen Finanzmarktprodukte gekauft? Und wer will nicht alles Produkte und Leistungen von Marken – vom Smartphone über den Computer, das Auto bis zur Unternehmensberatung, weil diese weltweit ein besonderes Image genießen?

      Und was hinzu kommt: Die immer größere Angleichung der Produkt- und Leistungsmerkmale im Zuge der Reifung der Märkte hat dazu geführt, dass insbesondere die Masse der Endnachfrager verlernt hat, qualitative Unterschiede und qualitativ andersartige Produkte aufzuspüren und im Kontext der Folgen ihrer Kaufentscheidungen auf den Märkten, die am Ende wieder auf sie zurückwirken (auch als Arbeitnehmer!!!), zu bewerten. Pointiert ausgedrückt tragen die Konsumenten mit ihren Kaufentscheidungen zur Öffnung der Einkommensschere und mithin auch zum Abbau ihrer Arbeitsplätze bei.

      Das sind schwerwiegende Hemmnisse für Änderungen oder, wie JL es hier im Kommentar sehr treffend bezeichnete, für die Durchschlagung des “gordischen Knotens”.

      Schaut man etwa nach Griechenland, dann mag man zu dem Schluss gelangen, dass die Masse der Nachfrager erst dann marktwirksame Änderungen ihrer Verhaltensroutinen vornimmt, wenn sie dazu durch die prekäre wirtschaftliche Lage gezwungen sind. Deutschland ist im Moment noch quasi eine Insel der wirtschaftlichen Glückseeligkeit. Deswegen ist das Interesse an Änderungen gering. Die Politiker wissen das.

      Viele Grüße
      SLE

  • Futur - 21. September 2012

    Die theoretische Basis auf der die einflussreichsten Politiker (Merkel, Schäuble, Steinbrück, Helmut Schmidt!…bitte googeln) und einige der wichtigsten nationalen und internationalen Vertreter, (Thomas Mayer, Deutsche Bank & George Soros), des oben dargestellten Oligopols aufbauen, ist: Die Wissenschaftstheorie von Karl Popper.

    http://stifterverband.info/publikationen_und_podcasts/webtv/mayer/index.html
    http://ineteconomics.org/blog/inet/george-soross-speech-opening-session-inet-berlin

    George Soros ist ein ehemaliger Schüler von Karl Popper. Er weiß, dass die “Neue Ökonomie für eine komplexe Welt” nur mithilfe der deduktiven Logik mit ständiger empirischer Nachprüfung konzipiert werden kann. (Dynamische, potentiell instabile Systeme können nicht mit einer induktiv
    erstellten Theorie erfasst werden).

    Die Methodenlehre von Karl Popper an sich ist neutral, wie Thomas Mayer es korrekt zitiert. Also müsste es doch für die Wirtschaftswissenschaftler möglich sein, mit diesen Entscheidungsträgern auf der Ebene der Forschungslogik von Karl Popper eine “Neue Ökonomie für eine komplexe Welt”
    zu erstellen!

    Viele Grüße
    Futur

    • SLE - 21. September 2012

      Hallo Futur,

      das haben Sie mir ja schon alles genau erläutert und das mag auch stimmen – ich kann es nicht entscheieden. Aber so wie Sie es hier schreiben hört es sich so an, als existierten die Wirtschaftswissenschaften und volkswirtschaftlichen Theorien nicht oder seien – pointiert formuliert – von keinerlei Wert. Was schlagen Sie vor? Sollen die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten geschlossen werden?

      Viele Grüße
      SLE

  • Futur - 21. September 2012

    Nein, natürlich nicht. Es hilft aber auch nicht, weiterhin die unzweckmäßigen, induktiven Theorien als wahre Lehre zu unterrichten.
    Die Wissenschaftler unter den Ökonomen, also diejenigen, die abstrakt denken können, sollten sich mal eingehend mit der (ökonomischen) Wirklichkeit beschäftigen. Wir leben eindeutig in einer komplexen, dynamischen Welt. Es finden also ständige Veränderungen, oder auch, um Soros zu zitieren: Reflexive Rückkopplungsschleifen, statt. Durch die Globalisierung ist Alles miteinander verbunden.

    Die Methodenlehre von Popper, die eigentlich sehr einfach ist, beweist eindeutig, dass alle mithilfe der induktiven, empirischen und mathematischen Methode konzipierten Theorien in einer komplexen Welt unzweckmäßig sind. Wie ich schon oben geschrieben habe, gibt es ja auch mehrere Gravitationstheorien, z.B. für lineare und nichtlineare Räume.

    Sehr interessant ist die Rolle der Mathematik. Die Mathematik sollte nicht als Methode zur Erstellung einer Theorie verwendet werden, da sie nicht falsifizierbar ist! Es kann nie sicher sein, ob die verwendeten Gleichungen in einem instabilen Bezugssystem der Wirklichkeit auch korrekt sind.
    Als Beispiel: Der Satz von Phytagoras gilt für alle rechtwinkligen Dreiecke im sogenannten homogenen euklidischen Raum. Jetzt vergrößern Sie mal das Dreieck auf die Erdhalbkugel, dann können Sie den so sicheren Satz vergessen, hier gilt die nichteuklidische Mathematik. Also, Achtung es gibt verschiedene Mathematische Systeme.

    Schon Einstein schrieb den schönen Satz:
    “…insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind (z.B. In einer Theorie, Anmerk’.), beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.
    (Aus Geometrie und Erfahrung, 1921 in mein Weltbild).

    Zur empirischen Überprüfung, so wie Sie es zeigen, ist die Mathematik (wenn auch begrenzt)
    geeignet.

    Zusammenfassend: Mathematik in Theorien: immer unsicher, Mathematik zur empirischen Darstellung: Relativ sicher.

    Viele Grüße
    Futur

    • SLE - 21. September 2012

      Damit bin ich völlig einverstanden … und viele Natur- und Ingenieurwissenschaftler, die sich für die Wirtschat interessieren, sowie zweifellos viele WiWi-Studierende sicher auch.

      Grüße
      SLE

  • Futur - 21. September 2012

    Dann kann die Methodenlehre von Karl Popper das Fundament für die “Neue Ökonomie in einer komplexen Welt” darstellen: Die deduktive Logik ist, im Gegensatz zur deduktiven Mathematik, falsifizierbar! Über Allgemeine Aussagen als 1.Prämissen kann neutral diskutiert werden. Dann muss mithilfe der induktiven, empirischen Methoden eine ständige Nachprüfung (Falsifikation!) der dynamischen, potentiell instabilen Wirklichkeit stattfinden.

    Bei Widerlegung der Aussagen/ Prämissen erfolgt entweder eine Anpassung der 1. Prämisse oder der Versuch der Beinflussung der Wirklichkeit. Da es immer nur “eine” (oder mehrere) und niemals “die” Lösung gibt, sind meistens negative Folgen zu berücksichtigen. Dann entscheidet man sich am besten für diejenige Problemlösung, mit den wenigsten negativen Konsequenzen. (Beispiel: Kurzarbeitergeld). Dann folgt der nächste Schritt, usw…Es gibt also keine übergeordnete Ideologie!

    Zusammenfassung: Die komplexe Wirklichkeit kann nur mit einem offenem Modell, welches die beiden Methoden (deduktive und induktive) eng miteinander verbindet, erfasst werden.
    (Dies steht im Gegensatz zum geschlossenen Modell der induktiven Theorien. Diese können nur in einem stabilen, linearen Bezussystem gültig sein).

    Das Ganze nennt sich “Stückwerk-Technologie”,und wird von Kanzlerin Merkel korrekt angewandt.
    Nach meiner Überzeugung stellt dieses Modell die einzige Methode dar, mit deren Hilfe eine
    “Neue Ökonomie in einer komplexen Welt” erstellt werden kann.

    Grüße
    Futur

  • klaus - 21. September 2012

    Stückwerk-Technologie ?

    Jedenfalls wird jetzt mal ein Stück gewartet.
    Schäuble würde sagen “Wir fahren Wirtschaft auf Sicht”.

    EU und IWF warten auf die Wahl am 6 November in Amerika.

    Vorher geht gar nix.
    Da wird im späteren entschieden, ob der amerikanische
    Präsident die restlichen 230 Mrd ( der 430 Mrd Firewall ) freigibt.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9558771/Greek-troika-report-delayed-by-US-elections.html

    Soweit zu komplex. Reine einfache Handwerksarbeit.
    Dazu Massenpsychologie und Wahlmarketing über Fernsehen zeichnet
    die heutige Lenkung aus.

    Strammstehen und warten auf Geldzusagen.
    Tausende Verträge aushandeln.
    Wie eine Fliege sich immer mehr im Spinnennetz verwickelt.

    Da sieht man, das jeder Bundeskanzler spielen könnte.

    Und der Spruch ist dem seligen FSJ gedankt.

    Gruß klaus

    • Georg Hasta - 23. September 2012

      Genau da will uns die Macht haben. Das ist die Dynamik, die ihr innewohnt, eine Art intellektuelle Verteidigungslinie, die sie instinktiv aufbaut. Nicht ungeschickt diese Methode, aber dynamisch unbewusst. Wenn im “99% Rest” der Gedanke dann einmal fest etabliert ist, dass es keine Alternative gibt, hat die Macht erst mal wieder Ruhe. Diese Argumentationslinie taugt u. U. für Jahrzehnte und hat die Eigenschaft, sich selbstredend zu verstärken.

      Aber halten wir doch mal inne und denken wir mal nach. Die Welt ist zu komplex? Gegenthese: Die Welt ist nicht zu komplex, sie ist lediglich komplex. Und ich stelle mal die Vermutung – quasi zur Diskussion gestellt – auf, dass die Welt schon immer komplex ist. Schon immer war die Zukunft unsicher. Man neigt dann schnell dazu zu sagen, etwas ist zu komplex, um es vorherzusagen. So ist das aber nun mal. Die Zukunft zu meistern, ist nun mal nicht völlig unanstrengend.

      Eine Schlussfolgerung könnte sein, dass man dann eben auf Sicht fährt. Aber Vorsicht auch hier. Es handelt sich dabei um eine Metapher. Metaphern sind wunderbar, um gewisse Dinge besser verständlich zu machen. Aber Metaphern sind nur Abbilder der Wirklichkeit, sie sind nicht die Wirklichkeit selbst. Man gerät sehr schnell in eine Art Metaphernfalle. Wie hier im Beispiel, dass die Beschreibung “die Weltwirtschaft fährt auf Sicht” zwar verständlich macht, worum es geht, aber nicht dazu taugt, dies als Ablaufdefinition der gesamten Weltwirtschaft zu benutzen. Das ist dann der Punkt, an dem die Macht beginnt zu manipulieren – z.B. unter Gebrauch von Metaphern (unbemerkt) – und uns Bilder in den Kopf pflanzt, denen wir als Gesellschaft wohl oder übel, auch wegen ihrer Einfachheit, erliegen.

      Wenn wir dem Gedanken der Alternativlosigkeit erliegen, dann ist das wahrscheinlich der Tod jeder Kreativität, Lösungen zu finden und den Problemen, die anstehen, mit Ideen zu begegnen. Das freut die Macht, denn die Macht will den Status Quo erhalten, denn sie ist es, die von diesem primär profitiert. Auch wenn sie auf lange Sicht dabei selbst mit allem anderen zugrunde geht.

      • Futur - 23. September 2012

        @. Georg Hasta

        Der Alltagsverstand denkt in der Regel linear. Der einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhang bestimmt die Denstrukturen. Tatsächlich gibt es viele Theorien, z.B. die Newtonschen Gesetze, die diesen Zusammenhang nachprüfbar bestätigen.
        Aber die Stabiltät an sich ist nur ein Grenzfall der Kollektiven Instabilität!

        Tatsächlich leben wir also, Sie schreiben dies korrekt, in einer komplexen Welt und sind selber nichtlineare Wesen. In einer solchen dynamischen, potentiell instabilen Welt, voller Rückkopplungen, etc., sind die bisher bekannten empirischen, induktiven Theorien unzweckmäßig, da sie sich immer, per Definition, auf ein stabiles Bezugssystem ( Wirklichkeit?) beziehen.

        Die Komplexibiltät erfordert ein modernes Denken und Herangehensweise, da offen und kreativ nach Lösungen gesucht werden sollte. Ein übergeordneter Plan, die Errichtung von Utopia, darf nicht in Bezug auf eine immer unvollkommene Realität gesetzt werden!

        Die Metapher, als rhetorische Figur, dient in erster Linie dem einfacheren Verständnis einer komplizierten Ausgangslage.
        =>Die Wirkung der unzweckmäßigen induktiven ökonomischen Theorien, ist wie das Verabreichen von Hustensaft bei einer lebensgefährlichen Lungenentzündung!

        Die Wissenschaftstheorie von Karl Popper sollte nicht im Zusammenhang mit “der Macht” gesehen werden, da auch ein Zusammenschluss von zweifellos unverdächtigen Professoren ,(z.B. Prof.
        Schachtschneider), seine Philosophie anerkennen:

        http://www.gkpn.de/

        Schöne Grüße
        Futur

  • Futur - 21. September 2012

    @ Klaus

    Richtig, Klaus, in einer komplexen Welt ist es bestenfalls möglich “auf Sicht zu fahren”.
    Es ist unmöglich alle Veränderungen vorauszusehen, denken Sie mal an die Wettervorhersagen.

    Dann ist es doch immer noch besser, die Wirtschaft in kleinen Schritten zu fahren als z.B. überhaupt keine Steuerung vorzunehmen, oder wie es leider geschehen ist, eine völlig falschen Plan zu verfolgen.

    Beste Grüße
    Futur

  • Huthmann - 22. September 2012

    Wenn ich Sie richtig verstanden haben, dann sagen Sie, daß innerhalb eines Produktlebenszyklus unterschiedliche Anbieter-Nachfrager-Konstellationen herrschen können lso m:n, wobei m = 1,.., k und n= 1,…, l. Einmal Monopol-artig, dann ein Oligopo, dann näherungsweise vollständige Konkurren.

    Die Angebots- und Nachfragestruktur in einem solchen Markt versucht bestmöglichst seine Interessen zu artikulieren und innerhalb einer Demokratie in Gesetze zu gießen. Prinzipiell hat die Angebotsstruktur kein Interesse an niedrigen Preisen und Wettbewerb und strebt immer, wenn sie kann zum Monopol. Warum? Einfach, weil alles andere mehr Energie und Arbeit erfordert und der Mensch tendenziell ein Aufwandsminimierer ist. Die Nachfragestruktur andererseits wünscht sich niedrige Preise und viel Wettbewerb, also ein an die aktuellen Bedürfnisse angepasstes Angebot.

    Diese beiden Seiten ringen in einer Marktwirtschaft und Demokratie ständig um Ausgleich über die Artikulierung und Verfolgung ihrer Interessen. Abhängig des Reifegrads der Demokratie, also aufgeklärte, informierte Bürger und politische Strukturen, die die effiziente Meinungsbildung unterstützen, werden sie auch effiziente Rahmenbedingungen finden für die Wirtschaft. Wenn sie z.B. eine Struktur haben, die eine Verkrustung der Angebotsstruktur bevorzugt (wenig Anbieter, wenig gewollter Wettbewerb durch hohe Markteinstiegskosten), keine reife Demokratie durch Teilhabe informierter Bürger, so sind die Preise hoch, das Angebot nicht an die Bedürfnisse der Bürger angepaßt. Aufgrund dieser Situation werden Investoren nicht investieren, Produkte nicht weiterentwickelt, Geschäftsmodelle veralten. Dieser Zustand wird so lange erhalten bleiben, bis er für eine sich entwickelnde Mehrheit nicht mehr zukunftsträchtig erscheint. Anstöße können sehr wohl von außen kommen, dahingehend, daß eine aufgelaufene exzessive Verschuldung nicht mehr fortgeschrieben werden kann. Andere Länder verfügen dagegen über eine relativ reife Demokratie, aufgeklärte und selbstverwantwortlich lebene Bürger. Sie passen ihre Geschäftsmodelle rasch an geänderte Rahmenbedingungen an, ja antizipieren diese Änderungen sogar und nehmen sie in Ihren Modellen vorweg.

    Wie könnte nun ein solches Rahmenmodell für die Wirtschaft aussehen. Ein Modell indem die Angebotsstruktur zum Wettbewerb gezwungen wird und die Nachfragestruktur zur Artikulierung ihrer individuellen Bedürfnisse. Welcher Institutionen bedarf es, um den Wettbewerb auf den einzelnen Märkten zu ermöglichen, ja Märkte entstehen lassen (durch neue Produkte) und vergehen lassen (wenn diese Produkte nicht mehr abgesetzt werden können)? Wer entscheidet, welche Produkte angeboten werden und welche nicht? Es geht also um die Identifizierung eines Ordnungsrahmens samt Institutionen, die ihn managen. Wobei gesichert ist, daß dieser Ordnungsrahmen samt seinen Institutionen immer wieder falsifiziert werden muß (hier sind wir wieder bei Popper) und daß Regulierungs- wie auch Deregulierungsinstrumente ständiger Infragestellung und gesellschaftlicher Überprüfung bedürfen. Wer ist der Souverän hinter dieser ständigen Infrastellung? Die Mehrheit in einer Demokratie.

    • SLE - 22. September 2012

      Hallo Herr Huthmann,

      vielen Dank für Ihre Überlegungen zur Frage, wie sukzessive Verkrustungen von marktwirtschaftlich geordneten Volkswirtschaften vermieden bzw. überwunden werden können.

      Vorab möchte ich bemerken, dass es aus meiner Sicht nicht sinnvoll erscheint und auch nicht korrekt ist, marktstrukturelle und damit die Wirtschaftsordnung betreffende Fragen als Untermenge jener der politischen Ordnung zu betrachten. Gleichwohl besteht natürlich ein Zusammenhang und zwar insofern, als individuelle Freiheit und damit Entscheidungs-, Wahl- und Handlungsfreiheit Voraussetzung für beides ist.

      Es ist auch so, dass jenseits der implizit oder explizit definierten Rahmenbedingungen niemand darüber entscheidet, welche Produkte angeboten werden, so lange effektiver Wettbewerb auf beiden Marktseiten existiert – auf der Angebots- und Nachfrageseite. Denn unter solchen Bedingungen besteht eine Art Macht- (bzw. Freiheiten-)Balance.

      Sie haben aber in jedem Fall vollkommen Recht mit Ihren nachfolgend zitierten Aussagen, wobei m.E. aber weniger der Bezug zu Popper wichtig ist, sondern die schlichte Einsicht, dass Märkte/der Wettbewerb NICHT, wie von der klassischen (liberalen) und neoklassischen Theorie (sowie implizit auch von Keynes!) angenommen, PRINZIPIELL selbstreguliernd sind:

      “Es geht also um die Identifizierung eines Ordnungsrahmens samt Institutionen, die ihn managen. Wobei gesichert ist, daß dieser Ordnungsrahmen samt seinen Institutionen immer wieder falsifiziert werden muß (hier sind wir wieder bei Popper) und daß Regulierungs- wie auch Deregulierungsinstrumente ständiger Infragestellung und gesellschaftlicher Überprüfung bedürfen.”

      Zweifellos ist effektiver Wettbewerb die stärkste marktregulierende Kraft, die wir haben können. ABER Wettbewerb erfüllt diese Funktion eben nicht unter allen Bedingungen und außerdem je nach den Gegebenheiten auf Märkten – und insbesondere in Abhängigkeit vom Reifegrad von Märkten und Volkswirtschaften – auch unterschiedlich gut.

      Wenn nicht nur einzelne Märkte, sondern sukzessive ganze Volkswirtschaften verkrusten, dann ist dies heute eine Folge des durch die herrschende liberale und neoklassische Theorie geprägten falschen Verständnisses von wettbewerblichen Märkten. Es ist insofern also nicht korrekt, wenn Fachleute oder Politiker betonen, die Märkte müssten jederzeit frei wirken können, weil die Markt-/Wettbewerbskräfte eben nicht jederzeit Chancengleichheit und Fairness garantieren, sondern je nach den Gegebenheiten auf Märkten genau das nicht mehr leisten, sondern zu massiven Ungleichgewichten führen.

      Das in erster Linie zulösende Problem betrifft deswegen weniger das politische System an sich (obwohl das auch auf den Prüfstand gehört – Stichworte: Klientelpolitik, Einfluss von Lobbyisten, Korruption) oder der Demokratiemangel, sondern das neu zu definierende und – was ganz wichtig ist – künftig DYNAMISCH auszubalancierende Verhältnis von marktlicher und staatlicher Steuerung, das heißt in der Zeit und damit bezogen auf den konkreten Verlauf der Entwicklung von Märkten und Volkswirtschaften.

      Das ist aufgrund der gravierenden Fehler in der Konstruktion der liberalen und neoklassischen Theorien bisher noch nie thematisiert und problematisiert worden und deswegen ist auch die Politik blind für die Ursachen dafür, warum die Krisenpolitik nicht aufgeht, sondern “wir” (in Europa) immer tiefer in die Krise abrutschen.

      Viele Grüße
      SLE

      • Georg Hasta - 23. September 2012

        Eine ganz faszinierende Beschreibung bezüglich dieser Pole Markt und Politik habe ich mal irgendwo gelesen:
        … ein Grundprinzip aller Arbeit verrichtender Systeme: Man brauch dazu immer eine gravitative Kraft (hier der freie Markt), die Ungleichheit erzeugt, und eine thermodynamische Kraft (hier die Politik), die versucht wieder Gleichheit herzustellen. Überwiegt einer der beiden Kräfte vollständig, dann kommt das System nach endlicher Zeit zum erliegen: Sei es im Kommunismus, mit zu viel Gleichverteilung (erliegen der Arbeitswilligkeit mangels ökonomischen Antriebs), oder genauso im ungebremsten Kapitalismus mit zu viel Ungleichheit (erliegen der Arbeitsfähigkeit durch effektiven Einkommensverlust der Konsumenten). Das Optimum liegt immer irgendwo zwischen den beiden Extremen.

        Man muss das jetzt nicht 100-prozentig übernehmen, besonders die etwas zwanghaft wirkende Analogie zur Physik, wie reizvoll schön die auch immer ist. Aber das Spannungsverhältnis von freiem Markt mit seiner fast physikalischen try and error Mechanik und der Ausgleichskraft der Politik ist wohl ein bedeutender Knackpunkt, um dehn sich alles dreht.

        Ich bin mir nicht so sicher, ob die Politik wirklich die Kraft ist, die Gleichheit herstellt. Auch dieses Bild ist so schön, dass es einen geradezu verleitet, ihm zu folgen. Interessengeleitet ist sie vielleicht sogar der Part, der die “physikalische” Mechanik des Marktes stört. Der Markt wäre perfekt, aber die Politik zerstört ihn. Das ist wahrscheinlich der Grundgedanke des Neoliberalismus, ist aber falsch. Denn der Markt ist ja nicht irgendeine mechanische Maschine, bei der vorne was reingeschmissen wird und hinten immer das gleiche vorhersagbare rauskommt. Der Markt ist der Mensch, womit unweigerlich die Politik wieder mit im Spiel ist. So gesehen ist der Markt selbst schon nicht gänzlich unpolitisch und tendiert gerade deshalb über die Zeit zu Ungleichheiten. Dann scheint tatsächlich Politik von Nöten, um für Ausgleich zu sorgen. Diesmal aber quasi eine weitere Ebene, die von aussen, darüberstehend das “politische” Treiben des Markts korrigiert.

        Sie werden wahrscheinlich Recht haben, dass das Ausbalancieren dieser beiden Pole ein essenzielles Problem ist. Blöderweise ist aber das Ausbalancieren selbst wieder ein politischer und damit von Manipulationen bedrohter Vorgang. Es wird also darüber hinaus notwendig sein, eine Balance ins Politische zu bringen. Und jetzt sind wir wahrscheinlich in des Pudels Kern vorgedrungen und bemerken, dass das eigentliche Problem wahrscheinlich gar kein wirtschaftliches ist, keines der Märkte, der Theorien, sondern eben eines der politischen Balance. Seit Jahrzehnten gibt es genug Kritiker des Neoliberalismus, es gab unzählige die vor einer Immobilienblase warnten, viele sahen auch den Finanzkollaps kommen – nur um kurz anzureissen, dass es genug Ideen, Wissen und Alternativen gibt. Politisch konnte sich jedoch (in den westlichen Industrienationen, Südamerika hatte durchaus auch eine andere Dynamik vorzuweisen) nichts anderes durchsetzen. Wir stecken in einer tiefen politischen Disbalance, die viele Abzweige politischen Denkens verstopft. Worin diese Disbalance eigentlich besteht, will ich nicht weiter ausführen, Sie verstehen wahrscheinlich, was ich meine. Allerdings ist das, was Sie in ihrem Aufsatz beschreiben: “Einkommens -und Vermögenskonzentration” ein entscheidendes Symptom.

        • Futur - 24. September 2012

          @ Georg Hasta

          Eine Wissenschaft versagt völlig und schiebt die Schuld auf Andere!
          In jedem Land in der globalisierten Welt werden ständig Gesetze geändert, die die “Märkte” fundamental beeinflussen und die Wirklichkeit verändern. Da kann doch wirklich keiner Glauben, das man mitirgendwelchen, auf veralteten Ereignissen basierenden Theorien, die Realität erfassen kann.

          Grundsätzlich gilt: Die Summe aller Ereignisse einer dynamischen, komplexen Wirklichkeit ist IMMER wesentlich größer als in einer, mithilfe vergangener Ergebnisse, konstruierten (induktiven)
          Theorie erfasst werden können. IMMER! Da braucht man nicht, wie es die Ökonomen lieben, jahrelang zu diskutieren. Das ist ganz sicher immer so, und deshalb sind diese Theorien immer unzweckmäßig! Je älter diese induktiven Theorien sind, desto unzweckmäßiger werden sie.

          Herzliche Grüße
          Futur

          • Georg Hasta - 24. September 2012

            Ich glaube gar nicht, dass DIE Ökonomen – wer auch immer das sein soll – das Diskutieren so sehr lieben. Vielmehr liebt wahrscheinlich die Macht diese Diskussionen um so mehr. In der Macht steckt die Dynamik, etwas so “hinzudiskutieren”, dass sich die Macht vergrössert, die schon einen Machtvorsprung hat. Eine ganzheitliche Vernunft gibt es dabei nicht.
            Wenn nun Machtungleichgewichte tatsächlich das Kernproblem darstellen – und ich nehme das hier jetzt einfach mal an – müsste man nun eine Methode finden, die auf das Streben nach Macht demotivierend wirkt.

        • SLE - 24. September 2012

          Hallo Georg Hasta,

          ich kann Ihrer Erklärung sehr viel abgewinnen und tatsächlich stimmt sie im Wesentlichen mit meiner überein. Was Sie bezüglich des Wechselspiels zwischen Markt und politischem System gesagt haben, ist richtig und relevant, sobald man akzeptiert, dass es eine reine Marktwirtschaft nicht gibt und auch nicht geben kann. Es kommt aber, wie Sie – wenn ich Sie richtig verstehe – implizit ebenfalls sagen, nicht auf das Mischungsverhältnis an sich an, sondern darauf, dass es sich im Zeitablauf dynamisch verändert und nicht dauerhaft in einem beliebigen Zustand verharrt. Das heißt, das Verhältnis von marktlicher und politischer Steuerung ist, wenn man Entwickung will, notwendigerweise ein dynamisches. Das trifft darüber hinaus auch auf die Märkte selbst zu – wenn man also die Politik einmal aus der Betrachtung herauslässt. Auch auf Märkten ist das Kräfteverhältnis der handelnden Akteure notwendigerweise ein dynamisches. Dauerhafte Machtgleichgewichte sind für die Entwicklung von Märkten ebenso schlecht wie dauerhafte Machtungleichgewichte.

          Wenn die Politik ein Ideal bzw. präziser gesagt einen Idealzustand anstrebt, kommt – wie Sie es ausgedrückt haben – folglich letztlich das ganze System zum Erliegen. Wenn Sie das vermeiden will, wird sie als Ziel Veränderung/Wandel ins Auge fassen müssen, was in zeitlicher Perspektive einem Wechsel zwischen allen denkbaren Zuständen einschließlich des Gleichgewichtszustandes als Möglichkeitsraum auf Märkten umfasst und in der Konsequenz bedeutet, dass auch das Verhältnis zwischen marktlicher und politischer Steuerung nicht fix sein kann. Wohlfahrtssteigerungen sind das Ergebnis von Wandel. Die Idee eines gleichgewichtigen Wachstumspfades, ist eine Utopie.

          Viele Grüße
          SLE

  • Huthmann - 23. September 2012

    Sehr geehrter SLE,

    in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung kommt ein Artikel eines Wolf Lotter “die Bürokraten der Wirtschaft”, der in die Richtung Ihrer Vorstellungen geht. Auch interessant ein weiterer Artikel von Patrick Welter dort “der Keim des künftigen Unglücks” mit folgendem Satz: Die Aufgabe des Ökonomen ist es, über die entfernter liegenden Effekte zu informieren, so daß wir Handlungen vermeiden können wie die die Versuche, gegenwärtige Übel dadurch zu heilen, daß wir den Samen für künftige größere Übel säen” (siehe auch Verweis auf ein Working-Paper von William White zur aktuellen Notenbankpolitik des billigen Geldes).

    Ich persönlich frage mich, ob eine Deflation nicht für die Weltwirtschaft langfristig besser ist, als die wohl von den Notenbanken angepeilte finanzielle Repression, also der Versuch die Verschuldung über einen negativen Realzins und eine gesteuerte Inflation abzubauen.

    In der Wirtschaft gibt es immer Aufs und Abs. Der Versuch die Abs zu vermeiden hat seit dem Siegeszug von Keynes (über Hayek und von Mises) ja dazugeführt, daß die Schulden immer mehr gestiegen sind. Das ist auch leicht verständlich, da Krisen entweder mit Konjunkturprogrammen oder später ab den 80ziger Jahren mit Strategien des billigen Geldes angegangen wurden. Ziel war immer das kurzfristige “weiter so”.

    Die neoklassische Vorstellung, daß Löhne und Gehälter flexibel und abhängig vom Preisniveau sind, erscheint mir bedeutender und tiefgründiger als die Keynessche Sicht, daß nach Unten keine Anpassung erfolgen kann. Insofern halte ich die Anpassungsmechanismen in Südeuropa für richtig. Es kann nicht sein, daß wir Anpassungen immer nur nach oben vornehmen. Gerade hieraus entwickelt sich das System zu immer größerer Verschuldung und Instabilität.

    Des weiteren git es nach Keen zu sehen (das scheint mir momentan die Erkenntnisplattform zu sein, auf die man aufbauen kann), daß eben

    Nettoinvestionen = Ersparnisse bei einer aggregierten WeltVWL nicht gilt.

    Es muß vielmehr heißen:

    Nettoinvestitionen (in den Kapitalstock der VW) plus Nettoinvestitonen in Kapitalmarktanlagen (Investition-Deinvestition) = Ersparnisse plus Nettokreditaufnahmen (entspricht zukünftigen Ersparnissen).

    Damit ergibt sich, daß Länder, die aufgrund einer exorbitanten Nettokreditaufnahme aus dem Ausland entweder ihre Löhne und Gehälter über einen Realwirtschaftsboom in die Höhe getrieben haben, oder ihren Staat in ungebührlicher Weise ausgebaut haben (Schere Staatseinnahmen – -ausgaben geht auseinander) oder ihre Assetpreise hochgetrieben haben, Anpassungsmaßnahmen nach unten betreiben müssen. Das erachte ich für selbstverständlich.

    • SLE - 23. September 2012

      Ich denke, Steve Keens Erklärung ist in diesem Punkt zutreffend, auch wenn z.B. Krugman das anders sieht. Ich gehe darüber hinaus davon aus, dass wir schon eine deflationäre Entwicklung hätten, wenn nicht so viele bedeutende und ausgreifte Märkte nicht von lediglich ein paar – zudem marktübergreifend verflochtenen – Konzernen dominiert würden. Dadurch und durch die vorliegende spezifische Form des Wettbewerbs wird eine dynamische Entwicklung und eine effektive Anpassung der Preise an die rückläufige Nachfrage verhindert. Verstärkt wird dieser Effekt durch Spekulation, insbesondere die auf den Rohstoffmärkten.

      Grüße
      SLE

    • Georg Hasta - 24. September 2012

      Sie äussern sich ” …Insofern halte ich die Anpassungsmechanismen in Südeuropa für richtig…” und dann weiter unten “Des weiteren gilt es nach Keen zu sehen….”
      Keen schlägt aber ein von ihm so betiteltes “Modern Jubilee” vor. Ich habe die dazugehörigen Massnahmen schon weiter oben erwähnt (jeder Bürger erhält beispielsweise € 50.000,- auf’s Konto gutgeschrieben etc.). Das wäre zunächst eine expansive Massnahme, würde aber zum Abbau der Schulden führen. Abbau der Schulden ist gleich Abbau der Vermögen und schon ist Schluss mit der Vermögenskonzentration. Natürlich muss ein Jubeljahr von vielen Massnahmen begleitet werden, sonst geht der ganze Konzentrationsprozess einfach wieder von vorne los.

  • Huthmann - 23. September 2012

    Sehr geehrter SLE,

    Krugman hat nicht verstanden wie die Banken Geld schöpfen. Er geht davon aus, daß die Banken Spareinlagen nach einem Input-Output wieder verteilen. Er hat noch nichts gehört von Buchungen wie: Ausreichung eines Kredits: per Forderung an Sichtguthaben oder dito bei Kauf eines Assets (beides führt zur Bilanzverlängerung und ist Geldschöpfung).

    Viele Grüße Huthmann

      • Futur - 24. September 2012

        @ Georg Hasta

        Das Problem der “Machtungleichgewichte”:

        Sie organisieren einen Kindergeburtstag und erklären allen anwesenden Kindern ein Spiel.
        Während Sie mit den Kindern spielen und darauf achten, dass alle die Regeln einhalten, kommen völlig unbemerkt weitere “ungeladene” Kinder in Ihr Haus. Was machen die? Richtig!

        Die essen Ihnen das ganze schöne Buffett leer, einschließlich dem Geburtstagskuchen!

        Hinterher bekommen Sie noch ganz viel Ärger, weil diese Kinder Bauchschmerzen bekommen und die anderen hungrig sind.

        Dann kommen noch die Väter, Wirtschaftswissenschaftler, und erklären Ihnen, dass Sie das falsche Spiel gespielt haben und fangen an zu diskutieren, welches denn richtig wäre.

        Das ist so was von lächlich!
        Futur

        • Georg Hasta - 24. September 2012

          Gut, aus diesem Kindergeburtstag können alle Teilnehmer aus den Fehlern, die unterlaufen sind, lernen. Interessant wird es, sollte es zu einer Diskussion darüber kommen, wie man beim nächsten Geburtstag verfahren sollte, ob es zu einem horizontal gegliederten machtfreien Entscheidungsprozess kommt oder ob eine Gruppe/Person die Deutungshoheit übernimmt.
          Solche Systeme mit horizontal strukturierten Entscheidungsprozessen gibt es.

          Eines wird von Fredmund Malik unter dem Begriff “Syntegration” seit Jahren erfolgreich bei Unternehmen eingesetzt. Eine Syntegration dauert nie länger als 3,5 Tage (also keine ewigen Laberrunden) und Ergebnisverbesserungen von 100 – 300 % sind keine Seltenheit. Mehr und mehr haben sich nun auch Gemeinden und Landes-Staaten (Niederösterreich) an Malik gewandt, um sich einer Syntegration zu unterziehen. Maliks Grundgedanke ist, dass wir in einer technologisch hypermodernen Welt eine völlig veraltete Methodik der Entscheidungsfindung haben, was zu einem hoffnungslos schlechten Funktionieren von Organisationen führt. Über das, was er damit genau meint, kann man sich auf seiner Web-Seite informieren: http://www.malik-management.com/de

          Interessant ist auch sein Blog, den ich allerdings schon seit Jahren verfolge und ich glaube, dass sich der Sinn vieler Posts und Diskussionen einem auch nur dann richtig erschliesst.
          Adresse Blog: http://blog.malik-management.com/?view=table

          Der Hammer kommt jetzt: Laut Meldungen auf seinem Blog hat er jetzt wohl den Auftrag bekommen, Griechenland zu syntegrieren. Er kündigte schon vor ein paar Monaten an, dass er Gespräche auf Ministerebene in Griechenland führe. Jetzt könnte es für Malik ernst werden und er kann beweisen, was er seit Jahren behauptet, dass eine Syntegration auch auf Ebene von National-Staaten innerhalb weniger Monate zu einem eklatant verbesserten Funktionieren der gesamten Gesellschaft führt. Er geht davon aus, dass mit seinen Methoden und Tools Griechenland innerhalb von 12 Monaten auf den “Pfad der Gesundung” gebracht wird.

          • Querschuss - 24. September 2012

            Hallo Georg Hasta,
            dies würde voraussetzen, dass Maliks Vorschläge mit Wohlwollen der griechischen Regierung der Troika (IWF, EZB und EU) auch umgesetzt werden, dass glaubst du, Malik doch selber nicht oder etwa doch? Ist bereits Weihnachten? Ich behaupte mal, er wird den Beweis das seine Syntegration auch auf Ebene der National-Staaten funktioniert nie antreten können.

  • Georg Hasta - 24. September 2012

    Genau das denke ich auch, ist ja auch naheliegend. Aber einen Auftrag hat er schon mal in der Tasche, ausser er lügt. Natürlich wurde Malik auch schon mit diesen Einwänden konfrontiert – nicht zuletzt auch von mir. Er begegnet diesen in etwa so:

    Natürlich bin ich auch weiter skeptisch und kann eigentlich gar nicht glauben, was er da “verzapft”. Gleichzeitig wünsch ich ihm viel Erfolg, dass es klappt.

    Malik kennt zahllose aktuelle und frühere Topleute aus Politik und Wirtschaft , ist also nicht ganz ohne Netzwerk. Er hat lange gewartet, er wurde oft aufgefordert “loszuschlagen”, hat aber immer wieder angemahnt, dass ein zu frühes Eingreifen sinnlos ist, da “intelligente” Lösungen insbesondere in der Politik erst dann akzeptiert werden, wenn die Lage absolut aussichtslos ist. Er hat nun das Gefühl, dass Griechenland in einer solch aussichtslosen Lage steckt.

    Übrigens, Griechenland braucht die Troika nicht, sie ist eher Teil des Problems. Vielleicht kann Malik den dortigen korrupten Politikern das begreiflich machen.

    Warten wir mal auf Weihnachten.
    Gruss
    Georg Hasta

    • Querschuss - 24. September 2012

      Hallo Georg Hasta,
      ich befürchte für neoliberale Hardliner ist die Lage nie aussichtslos genug. Das Griechenland die Troika nicht braucht, glaube ich gerne und das sie eher Teil des Problems ist auch, ist in dutzenden Artikeln bei Querschuesse übrigens dokumentiert! Gibt es überhaupt ein Land welches seine Volkswirtschaft voranbringen will und die Troika und deren Rezepte braucht? Ich denke nicht weil beides zusammen sich ausschließt!

    • Georg Hasta - 24. September 2012

      In meinem Post ist irgendwie der Absatz nach “Er begegnet diesen in etwa so:” abhanden gekommen. Vielleicht weil ich ihn in spitze Klammern gesetzt habe. Jedenfalls sollte dort folgendes stehen:

      Machtpolitik wird umgewandelt in eine Intelligenzpolitik, denn die Mächtigen erleben dadurch, dass sie durch die neuen Tools noch viel bessere Lösungen herbeiführen können, als durch schiere Macht. Wer nicht mitmacht, bleibt auf der Strecke. Nicht alle werden das erkennen, aber genügend viele.

    • SLE - 24. September 2012

      Ich bin da auch nicht allzu optimistisch. In Portugal und Spanien spielt sich dasselbe ab. Die neoliberale Austeritätspolitik wird durchgezogen, egal wie heftig die Konsequenzen und auch die Proteste sind.

      Man darf zudem nicht vergessen, dass die EZB den Druck weiter erhöht, weil sie künftig nur dann Staatsanleihen aufkaufen will, wenn u.a. die entsprechenden Staaten unter den Rettungschirm schlüpfen und sich – unter Troika-Beteiligung – auf diesen Kurs begeben, was darauf hinaus läuft – siehe Griechenland – , dass er immer weiter verschärft wird.

      Wenn also die mit Fakten klar belegte verheerende Wirkung des Kurses der Troika ignoriert wird, was kann dann Prof. Malik realistisch betrachtet bewirken? Außerdem ist das, was Griechenland und den anderen Schuldenstaaten am ärgsten fehlt, ein tragfähiges Wachstums- oder besser gesagt Entwicklungkonzept. Das ist kein politisches, sondern ein ökonomisches Problem, das – angesichts der Krise der ökonomischen Theorien – eine kreative Leistung erfordert, was nicht zuletzt Sorros klar ist, weswegen er das INET gegründet hat.

      Grüße
      SLE

      • Futur - 24. September 2012

        Hallo SLE,

        das Konzept von Professor Malik ist doch kreativ. Die Probleme können nur mit einer innovativen Problemlösungsstrategie im Sinne von Karl Popper angegangen werden. Dabei dürfen Sie sich alle möglichen Problemlösungen ausdenken, diese müssen nur falsifiziert werden.
        Mir z.B. fallen ganz spontan folgende Problemlösungen für Griechenland ein:

        1. Gute, typische Produkte aus Griechenland werden unter dem Label “TransGreece” analog zu “TransFair” vermarktet.

        2. Land wird für 99 Jahre an internationale Touristikunternehmen verpachtet.

        3. Eine landesweite Umfrage befragt die Bevölkerung, für welche Produkte und Dienstleistungen sie bereit wäre, Geld auszugeben. (Könnte man übrigens auch mal hier in D machen).
        usw….

        Dann ist der Trick natürlich, alle zu befragen, damit wirklich alle bereit sind, mitzuarbeiten.
        Außerdem hat Griechenland noch Öl- und Gasvorkommen!

        Beste Grüße
        Futur

        • SLE - 25. September 2012

          Hallo Futur,

          Sie brauchen nicht jedesmal zu betonen, dass Sie auf der Basis von Popper argumentieren.Ich habe schon den einen oder anderen Workshop mitgemacht, an dem Verantwortungsträger aus unterschiedlichen Bereichen beteiligt waren und insofern ist mir einerseits die Effektivität des Instruments klar, andererseits sehe ich – zumindest nach einem ersten Überblick – nicht wirklich etwas grundlegend Neues im Ansatz von Prof. Malik.

          Außerdem hatte ich geschrieben, “… angesichts der Krise der ökonomischen Theorien – eine kreative Lösung erfordert”. Darauf bezogen stellt Maliks Ansatz keine Lösung dar, er adressiert das Problem nicht und soweit ich es verstanden habe, ist das auch gar nicht sein Anspruch.

          Ökonomische Ansätze erklären, wie Märkte und Wirtschaft funktionieren. Sie abstrahieren dabei von der Realität oder anders ausgedrückt reduzieren sie die Komplexität der Realität. Wenn sie fehlerhaft sind, helfen sie nicht bei der Bewältigung von Krisen und genau hier gibt es ein Vakuum. Das habe ich oben bereits mit dem Hinweis auf das Beispiel INET/Soros verdeutlichen wollen.

          Wenn Sie in Griechenland 20-40 Top-Entscheidungstträger zusammensetzen, werden Sie dieses Problem dann nicht lösen können, wenn a) keiner von denen die Funktionszusammenhänge der Wirtschaft anders und besser erklären kann, was aber nicht unbedingt wahrscheinlich ist, so lange keine Querdenker dabei sind, die auf andere öknomische Erklärungsansätze rekurrieren (Praktiker können das selbstverständlich durchaus auch leisten). Und sie werden es b) auch dann nicht lösen können, weil es kein ausschließlich griechisches Problem ist und insofern auch gar nicht alle relevanten Entscheidungsträger mit am Tisch sitzen.

          Ich habe das – die Ebenen des zu lösenden Problemkomplexes – hier im obigen Aufsatz und ausführlicher auch schon in einem früheren Post dargelegt. Schauen Sie dort bitte noch einmal hinein:

          http://www.querschuesse.de/die-debatte-uber-den-fiskal-und-wachstumspakt-droht-an-den-kernproblemen-europas-vollig-vorbeizugehen/

          Insofern sind die Beispiele, die Sie nennen, gut und richtig. Aber Sie betreffen nur eine einzige Problemlösungsebene und sie sind auch noch kein Konzept. So lange die anderen Problemebenen nicht in das Lösungskonzept mit eingebunden werden, kommen Sie damit nicht weiter – auch nicht mit dem “Trick”, alle zu befragen, die mit diesem spezifischen Teilproblem zu tun haben.

          Gleichwohl haben Sie natürlich vollkommen Recht, dass die Leute vor Ort die größte Kompetenz für die Erarbeitung eines Entwicklungskonzepts der griechischen (oder portugiesischen oder irischen oder spanischen oder ungarischen etc.) haben dürften. Doch auch dafür brauchen Sie ein Leitbild oder eine Vision, die nur dann erreichbar sein wird, wenn das Verständnis von der Funktionsweise von Markt- und Wettbewerbsprozessen korrigiert wird. Denn wie Sie ganz richtig selbst bemerkt haben, hilft – in wirtschaftlich turbulenten Zeiten – die Orientierung an der Vergangenheit und an in der Vergangenheit gesammelten Daten und Erfahrungen nur sehr bedingt dabei.

          Viele Grüße
          SLE

          • Futur - 25. September 2012

            Hallo SLE,
            hier kurz die Erläuterung der abstrakten Problemlage:
            Die neue Sichtweise auf Basis der Wissenschaftstheorie von Popper kann nur mit der
            Sogenannten ” Kopernikanischen Wende ” verglichen werden. Sie ist allumfassend. Es existieren in jeder Wissenschaft lineare und nicht-lineare Systeme parallel. Die Probleme treten oft dann auf, wenn versucht wird, mithilfe von linear konstruierten Theorien, die komplexe Wirklichkeit zu erfassen.

            Wenn man deduktiv, also streng logisch denkt, sieht man die Welt anders, und dann weiß man auch, dass es kein Utopia, also den Idealzustand, geben kann und deshalb orientiert man sich auch nicht danach. Zitat von Helmut Schmidt: “Wenn Sie Visionen haben, dann gehen Sie zum Arzt”.
            Es gibt also in der Erkenntnistheorie von Popper nicht das zielgerichtete Streben nach einem Idealzustand.

            Bei der sogenannten ” Stückwerk- Technologie”, bei Prof. Malik heißt es Sozial- Technologie “Syntegration

            • SLE - 25. September 2012

              Hallo Futur,

              einen Idealzustand gibt es auch bei den entwicklungstheoretischen Ansätzen (z.B. Schumpeter 1912) und den evolutorischen Ansätzen in den Wirtschaftswissenschaften nicht.

              Viele Grüße
              SLE

          • Futur - 25. September 2012

            (Sorry, ich schreibe mit dem iPad und bin leider unbeabsichtigt auf das Absender-Feld geraten).

            Hallo SLE,

            hier kurz die Erläuterung der abstrakten Problemlage:

            …Bei der sogenannten ” Stückwerk- Technologie”, bei Prof. Malik heißt sie Sozial-Technologie “Syntegration” (ist sicher eher an den Erfordernissen der Ökonomie orientiert), braucht man kein übergeordnetes Konzept, es geht rein um das praktische Problemlösen.
            Zum Einstieg eignet sich “Alles Leben ist Problemlösen” von Popper.

            Es dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass die Politiker, die Popper kennen, wie Soros auch, Bilderberger sind (waren). Das Oligopol wird von Biderbergern geleitet. Professor Malik, der einzige? Ökonom, der die Wissenschaftstheorie von P. umsetzt, wird nach Griechenland geschickt.
            Er wird garantiert die entsprechende Unterstützung erhalten!

            Viele Grüße
            Futur

  • Futur - 24. September 2012

    @ Georg Hasta

    Vielen Dank! Tatsächlich konnte ich ja nicht glauben, dass es keinen Ökonomen gibt, der die Grundproblematik nicht erkennt. Natürlich hätte ich eher in Österreich suchen sollen, denn da ist die Wissenschaftstheorie von Popper bekannter.

    “Vernetzte Probleme können eben durch herkömmliche Vorgehensweise immer weniger gelöst werden, sondern nur durch Methoden, die der Problem-Vernetzungen entsprechen” -Prof.Malik

    Ja, genau! Komplexe Probleme verlangen komplexe Problemlösungsstrategien!

    Professor Malik wird in Griechenland erfolgreich sein, davon bin ich überzeugt!

    Viele Grüße
    Futur

    • Futur - 25. September 2012

      Hallo SLE,

      Schumpeter und seine ” schöpferische Zerstörung” ist ganz interessant und bestimmt seiner damaligen Zeit weit voraus. Sie schrieben doch in Ihrem Text von Leitbildern und Visionen, die erreichbar sein sollten. Ein Leitbild Europa ist Aufgabe genug. Schumpeter ist trotz allem eine veraltete Ökonomie, die Soros bestimmt nicht sucht:
      http://www.google.de/search?q=handelsblatt+oekonomie+politik+nachrichten+millionenangriff+auf+die+etablierte+oekonomie&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de&client=safari

      Wenn der Befund doch so ist, dass die Bekämpfung des Oligopols unmöglich ist, dann sollte doch überlegt werden, wie man mit denen zusammenarbeiten kann.

      Insgesamt gesehen, müsste jedem klar sein, dass die Zeit der alten Gewissheiten endgültig vorbei ist:
      “Die Zukunft ist weit offen. Sie hängt von uns ab, von uns allen”.
      Karl Popper zitiert von Angela Merkel, Neujahrsansprache 2011

      Grüße
      Futur