Erstmals über 500 Mrd. Euro in der Einlagefazilität

von am 17. Januar 2012 in Allgemein

Die kurzfristige Einlagefazilität (Übernachtanlage) bei der EZB durch die europäischen Geschäftsbanken markierte erneut ein Rekordhoch. Die Banken der Eurozone bunkerten zum 16.01.2012 nun bereits 501,933 Mrd. Euro bei den nationalen Notenbanken im Eurosystem zu einem niedrigen Zinssatz von 0,25%.

Die Entwicklung der Einlagefazilität der Geschäftsbanken bei den nationalen Notenbanken im Eurosystem seit Januar 1999 im Dailychart. Die Übernachtanlage notiert zum 16.01.2012 mit 501,933 Mrd. Euro auf einem Allzeithoch, nach 493,272 Mrd. Euro am Vortag. Der Chart verdeutlicht, dass in normalen Zeiten die Einlagefazilität kaum eine Rolle spielt!

Wenn eine Bank am Tagesende Habensalden auf den ESZB-Konten hat, werden diese automatisch zu Einlagefazilitäten. Die Einlagefazilität wird mit einem Einlagezinssatz von aktuell 0,25% versehen. Die Einlagefazilität wird ständig und in einem unbegrenzten Volumen angeboten.

Die Liquiditätsflutung der EZB führt weiterhin weder zu einer nennenswerten Ankurbelung des Interbankenhandels, noch zur Kreditvergabe an die Realwirtschaft, noch zu einer wirklichen Entspannung bei den Staatsanleihen der Südperipherie der Eurozone. Weiter müssen die nationalen Zentralbanken im Eurosystem Staatsanleihen über die SMP-Programme aufkaufen. Letztlich ist nur ein unheilvoller Kreislauf entstanden. Fluchtgeld der Südperipherie, ausgeglichen durch frische Liquidität der Zentralbanken, strömt in die noch gesunden Länder der Eurozone und landet dort meist in den Bankeinlagen. Die mit Fluchtgeld zugeschütteten Banken, parken die für sie überschüssige Liquidität bei der Einlagefazilität. Somit führen die geldpolitischen Maßnahmen am Kern der Probleme weit vorbei, der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit innerhalb der Eurozone, stattdessen schnellt nur die Einlagefazilität in Höhe und diese zeigt sich als ernstzunehmendes Krisenbarometer.

Quelle Daten: Ecb.int/Daten Einlagefazilität

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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23 KommentareKommentieren

  • MagnaBavaria - 17. Januar 2012

    Auch der BDI-Index bleibt seiner Linie treu:
    http://www.bloomberg.com/quote/BDIY:IND

    • Roland - 17. Januar 2012

      Au Backe, jetzt ist der BDI unter das letztjährige Tief gefallen.
      Die Mehrzahl der Reedereien wird wohl Verluste einfahren.
      Wann werden die ersten Schiffe auf Halde gelegt ?

      Heute eine kleine Rohstoff-Spekulation, da eine baldige geldpolitische Lockerung in China, die die dortigen Wirtschaft beschleunigen soll, unterstellt wird.

      Der Krisen-Krebs wird sich vermutlich aber langsam in Europa einfressen und dann weltweit ausstrahlen. Der europäische Wirtschaftsblock ist einfach zu groß, als dass die übrige Welt nicht infiziert werden würde.

  • derdestiller - 17. Januar 2012

    Draghi meint, die Banken die sich über den 3 Jahres Tender versorgt hätten, wären deckungsgleich mit denen die ihr Geld jetzt in der Einlagefazilität horten. Wen könnte er meinen?

    • derdestiller - 17. Januar 2012

      nicht deckungsgleich…

  • MagnaBavaria - 17. Januar 2012

    Btw. die Propaganda-Maschinerie läuft weiter auf Hochtouren:
    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/bundesregierung-steuert-beschaeftigungsrekord-an/6074920.html

  • Frank Bell - 17. Januar 2012

    Leute, warum glaubt ihr an eine Krise?

    Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Wirtschaft boomt (VW, SAP), von Bankenpleiten sind wir weit entfernt, Foreclosures sind in den USA kein Thema mehr.

    Schaut auf den DAX. Sieht so ein Crash aus?

    • Appaloosa - 17. Januar 2012

      @Bell: Durch das viele Geld wurden die Krisensymtome “Kurstechnisch” bei Anleihen, Börsenkursen etc. fast komplett überdeckt.

  • Roland - 17. Januar 2012

    Der Banken-Lobbyist Prof. Hüther verlangt heute (Süddeutsche) eine Erhöhung des Staatsanteiles bei der Commerzbank und einen Staats-Einstieg bei der Deutschen Bank.

    Die “Kacke” scheint am dampfen zu sein.

  • kurzdump - 17. Januar 2012

    LTRO hat meiner Einschätzung nach einen Liquiditäts-Puffer für die schwer abschätzbaren Effekte der kommenden Staatspleiten geschaffen. Solange diese Risiken bestehen bleiben, werden die Banken dieses Geld bei der EZB auf die hohe Kante legen.

    Wenn die Flutwellen dieser Tsunamis abebben und keine zusätzlichen Risiken im Raum stehen könnten sich Interbankenmarkt und Anleihenmärkte wieder stabilisieren.

  • Duke van Hudde - 17. Januar 2012

    spannend würde ich finden aus welchen Ländern den diese 500 MRd stammen ode besser gesagt in welchen Ländern die Banken sitzen die dort ihr Geld horten.

    Eine nette Statistik würde auch sein diesen Graphen gegenüber den Target2 Salden der Südschiene zu setzen.Das würde vielleicht noch deutlicher zeige das es Fluchtgelder sind.

    Auch würde mich die Haltedauer der Anlage dort interessieren.Also wieviele Tage das Geld da im Durchschnitt liegt.Wenn die stark angezogne ist dann wissen ein Teil der Banken nicht mehr was sie mit den ganzen Schrott machen sollen.

    Ich denke zwar die meisten hier im Blog haben auf diese Fragestellungen schon eine Antwort aber man könnte das dann noch besser sichtbar machen.

    Das der Interbankenmarkt zusammengebrochen ist finde ich eigentlich gut.Umso weniger die jeweils miteinander zusammenhängen umso geringer wird das Risiko eines einzelnen Ausfalls.

    Als entscheidener Punkt für mich ist aber das man endlich alle angeblich Systemrelevanten Banken zerschlagen muss.Wenn etwas Systemrelevant ist gehört es entweder in staatlichen Händen oder wenn das wie bei Banken nicht geht,da der Staat einfach keine riesen Banken führen kann(WestLB BayernLB usw.) müssen sie zerschlagne werden.Das der Trend genau in die andere Richtung leider geht ist wirklich tragisch.

    Aber eigentlich müsste dieser ganze Unfug das man Geld aus Schulden erschafft ohne die Zinsen mit zu erschaffne endlich beendet werden.

    • Roland - 17. Januar 2012

      Das Geschäftsmodell der Landesbanken (als Girozentrale der Sparkassen, deren Kreditbeschaffer und Kreditgeber für den Mittelstand) ist im Jahre 2001 (mit Übergangsfrist bis 2005) von der damaligen Rot-Grünen Regierung zerstört worden:
      Es wurde Ihnen die Gewährträgerhaftung verweigert und damit die billige Refinanzierung erschwert.
      Stattdessen wurde ihnen “empfohlen”, es den Großbanken nachzumachen, und im Casino Geld zu verdienen.

      Der erste Schritt zu einer Gesundung des Bankensystems ist die Wiederherstellung der Gewährträgerhaftung für die Landesbanken und dem gleichzeitigem Verbot von Spekulationsgeschäften für öffentlich-rechtliche Banken..

      • Graf Bankula - 17. Januar 2012

        Hinsichtlich der Gewährträgerhaftung erinnere ich das anders: Die Gewährträgerhaftung musste auf Betreiben der EU eingeschränkt werden, weil die Sparkassen sich dadurch ungerechtfertigter Weise billiger refinanzieren konnten. Die Bundesregierung war nur ausführendes Organ.

        Tatsächlich blutet der deutsche Steuermichel auch ohne Gewährträgerhaftung für Verluste der Landesbanken. Aber nicht nur der Landesbanken. Jeder Leser dieses Blogs dürfte sich an eine Fusion von Sparkassen in den letzten vier Jahren in seiner mittelbaren Umgebung erinnern.

  • Bernd Klehn - 17. Januar 2012

    Einfach nur grausam. Wann kann ausrechen, wann die 500Mrd. LTRO vom 12. Dez. 2011 in Kapitalflucht umgesetzt sind, die Staatsanleihen der Krisenländer wieder steigen und eine neue 500Mrd Charge Zentralbankliquidität fällig wird, um die Kapitalflucht erneut zu fördern, usw. usw.

  • hojo - 17. Januar 2012

    Kann mir jemand erläutern, warum der EURIBOR tendenziell seit einigen Wochen wieder deutlich sinkt, obwohl das Vertrauen der Banken untereinander doch offensichtlich nur noch sehr gering ausgeprägt ist? Die gleiche Situation war doch 2008, als dies zu einem 3-Monats-EURIBOR von bis zu 4,7% geführt hatte (aktuell 1,222%). Was steckt dahinter? Danke für Eure Einschätzung!

    • dank - 17. Januar 2012

      Damals haben die Banken sich gegenseitig nur mit sehr hohem Zinsen Geld geliehen – jetzt wurden die
      Banken mit Geld überflutet und verleihen sich gar kein Geld mehr?
      Bzw. ist die Beschaffung von Geld durch den EZB Geldregen supergünstig geworden und damit geht
      der EURIBOR nicht mehr hoch, warum auch, wenn alle Banken genug Geld haben?
      Oder aber – interessant in dem Zusammenhang:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Euro_Interbank_Offered_Rate#Geschichte

  • Bernd Klehn - 17. Januar 2012

    @ Duke van Hudde

    Leider ist dieses nicht machbar, die Einlagefazilität ist tagesaktuell. Die Daten von Target2 hinken stark hinterher, Frankreich Monate. So dass über Target2 schlecht die aktuelle Kapitalflucht analysiert werden kann. Nur die NZBs verfügen hier über Realtimedaten und können so den Stess einzelner Banken und Nationen tagesaktuell sehen.

    • Querschuss - 17. Januar 2012

      Hallo Bernd,
      Frankreich im November mit -8,1 Mrd. Euro beim negativen Target2 Saldo, nun -90,4 Mrd. Euro.

      Gruß Steffen

  • Bernd Klehn - 17. Januar 2012

    @ hojo

    Kein Wunder, damals betrug der Hauptrefinanzierungssatz auch noch 4,25%, ausserdem wird heute nur noch an sichere Banken ausgeliehen, der Rest besorgt sich das Geld beim Eurosystem, exterm günstig und gegen geringe Sicherheiten.

  • marcito - 17. Januar 2012

    wahnsinn!

    das sind solche schmarotzer. unglaublich.

    danke steffen!

  • Appaloosa - 17. Januar 2012

    @marcito: ..und das wird noch Jahre so weiter gehen.

  • Bernd Klehn - 17. Januar 2012

    Hallo Steffen,

    also hat im November keine Kapitalflucht aus Frankreich stattgefunden, wenn nicht ausländische NZBs massiv in diesem Zeitraum französische Staatsanleihen gekauft haben.

    Oder wie sah es mit den Dollartendern im November bezogen auf Frankreich aus?

  • hunsrückbauer - 17. Januar 2012

    das Casino wurde im Dez. mit mehr Liquidität versorgt, aber die Zocker halten sich zurück und parken ihr Geld lieber bei der Bank. Warum?

    der konsum ist rückläufig, die unternehmen schwimmen in cash, insvestiert wird nur in ersatz und rationalisiserung, meist mit eigenmitteln, produktionsausweitung wozu, also die realwirtschaft hat eine geringe nachfrage nach schuldgeld. wie siehts beim Consumer aus?

    ich denke, die banken halten derzeit ihr pulver trocken um nach einführung der sozialisation der €-länder-schulden begierig neue “sichere” anleihen aufzukaufen um das schuldgeldrad wiedr in schwung zu bringen.

    nichts ist wie es scheint….

  • micdinger - 18. Januar 2012

    Weitere Steigerung der Einlagen um rund 14% von Dienstag auf Mittwoch. Aber einer Bank fehlt anscheinend Geld. Fragt sich nun, wer macht den Lehman?

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/ezb-einlagen-steigen-weiter/6080018.html