Eurozone: Arbeitslosenquoten der Schande

von am 31. Mai 2013 in Allgemein

Heute veröffentlichte Eurostat die saisonbereinigten Arbeitslosenquoten für die EU17 und die EU27 und diese belegen, wie nun schon jeden Monat, die Schärfe der Krise in der Südperipherie und die unhaltbaren Divergenzen in der Eurozone. In der Eurozone stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im April 2013 auf 12,2% und damit auf die höchste Arbeitslosenquote seit Bestehen der Gemeinschaft und die höchste Quote seit dem Beginn der Datenerhebung im Jahre 1995. In der Eurozone waren im April 2013 19,375 Millionen Erwerbsfähige arbeitslos. In der EU27 lag die Arbeitslosenquote unverändert zum Vormonat bei 11,0%, dies entsprach 26,588 Millionen Arbeitslosen.

 

1iDie Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten gesamten Arbeitslosenquote in der Eurozone von Januar 1995 bis April 2013 im Chart. Im April 2013 stieg die Quote auf ein Rekordniveau von 12,2%.

Die Krise dokumentiert sich auch im April 2013 in hohen Arbeitslosenquoten, vor allem in der Südperipherie der Eurozone. So lag die offizielle saisonbereinigte Arbeitslosenquote in Portugal im April 2013 bei 17,8% (+0,1 Prozentpunkte zum Vormonat), in Italien lag sie bei 12,0% (+0,1 Prozentpunkte), in Spanien lag sie bei 26,8% (+0,1 Prozentpunkte) und in Griechenland, die mit ihrer monatlichen Datenerhebung immer um zwei Monate hinterherhinken, stieg die saisonbereinigte Quote für Februar 2013 auf 27,0% (+0,3 Prozentpunkte). In allen diesen Ländern wurden neue Allzeithochs bei der Arbeitslosenquote markiert!

1hDie Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten gesamten Arbeitslosenquote von Deutschland (blau), von Frankreich (rot), von Portugal (grün), von Italien (lila), von Griechenland (türkis) und von Spanien (orange) von Januar 2000 bis April 2013 im Chart. Im April 2013 lag die gesamte Arbeitslosenquote in Deutschland bei 5,4%, in Frankreich bereits mehr als doppelt so hoch bei 11,0%, in Portugal bei 17,8%, in Italien bei 12,0%, in Griechenland bei 27,0% (Februar) und in Spanien bei 26,8%!

Ein gemeinsamer Währungsraum mit solchen Divergenzen in den Entwicklungen ist unhaltbar und es bleibt weiter nur eine Frage der Zeit bis ökonomische Fakten über das Fehlkonstrukt obsiegen. Noch viel schlimmer steht es um die Jugend der Eurozone, Perspektivlosigkeit und Verachtung ihres Leistungsvermögens äußern sich in den Kernländer der Eurozone in einer Generation Praktikum, Volontariat, Leiharbeit, Billiglöhn, in befristeten Jobs inklusive unfreiwilliger Teilzeit. In der Südperipherie wird dieser Zustand noch viel weiter getrieben, in Arbeitslosenquoten von Jugendlichen, wie sie bisher nur in der Großen Depression zu beobachten war.

1kDie Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Quote der Jugendarbeitslosigkeit laut Eurostat, von Deutschland (blau), von Frankreich (rot), von Portugal (grün), von Italien (lila), von Griechenland (türkis) und von Spanien (orange) von Januar 2000 bis April 2013 im Chart. Im April 2013 lag die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bei 7,5%, in Frankreich bei 26,5%, in Portugal bei 42,5%, in Italien bei 40,5%, in Griechenland bei 62,5% (Februar) und in Spanien bei 56,4%!

Eine Schande und unumstößlicher Beleg für eine Versagerzone, welche der Jugend in vielen Ländern ihrer Perspektiven beraubt. Die Entwicklung bei den Arbeitslosenquoten, ob Gesamt oder bei den Jugendlichen dokumentiert die unhaltbare Situation in der Eurozone. Ein Wirtschaftraum der gewichtige Bestandteile dermaßen perspektivlos abdriften lässt und mit seinen Maßnahmen den Niedergang dort prozyklisch befeuert, befeuert auch immer seinen eigenen Zusammenbruch als Ganzes und es wird kein anderes Endergebnis geben, es bleibt weiter nur eine Frage der Zeit, bis das erste Mitglied die Reißleine zieht.

Bei den dargestellten Daten handelt es sich wohlbemerkt nur um die offiziellen weichgespülten Arbeitslosenquoten nach ILO-Definition, dem Verhältnis aus den Beschäftigten zu den Erwerbsfähigen die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Millionen Erwerbsfähige die angeblich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (Nichterwerbspersonen, Inaktiv oder auch Not in Labor Force) spielen bei Arbeitslosenquote- und zahl keine Rolle. Nach dem weichgespülten Labour-Force-Konzept der International Labour Organization (ILO) gilt jede Person im erwerbsfähigen Alter als beschäftigt, die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde lang gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit gearbeitet hat. Auch wer sich in einem formalen Arbeitsverhältnis befindet, das er im Berichtszeitraum nur vorübergehend nicht ausgeübt hat, gilt als beschäftigt. Als arbeitslos gilt nur, wer aktiv im letzten 4-Wochenzeitraum nach einem Job gesucht hat und eine neue Arbeit innerhalb von zwei Wochen aufnehmen kann. Personen im erwerbsfähigen Alter, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, gelten als Nichterwerbspersonen und spielen bei der Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenquoten und -zahlen keine Rolle.

Auch die extremen Arbeitslosenquoten aus der Südperipherie sind die maskierten Daten, denn Millionen Entmutigte, Unterbeschäftigte und Selbstständige ohne ausreichendes Einkommen sind damit nicht mal offengelegt.

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/PDF: Arbeitslosenquote des Euroraums bei 12,2%, Quote der EU27 bei 11,0%, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Querschuesse.de: Fakten, Daten und Analysen

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40 KommentareKommentieren

  • Marcito - 1. Juni 2013

    Wahrlich eine Schande!
    Ein Skandal!
    Wie lange noch lassen es sich die Menschen gefallen?

  • Holly01 - 1. Juni 2013

    @ Querschuesse :
    Danke für die übersichtlichen Daten.

    Die 10 Eu Staaten mit eigener Währung sind ja offenkundig die Zugpferde, die mit ihrer positiven Leistungsbilanz und der Vollbeschäftigung das schlingernde EU-Schiff auf Kurs halten.
    Da kann langfristig ja nichts mehr schief gehen ….

    • Querschuss - 1. Juni 2013

      Hallo Holly01,
      “Die 10 Eu Staaten mit eigener Währung sind ja offenkundig die Zugpferde.”
      …Dazu ist im Artikel keine Aussage getätigt. Ich glaube auch nicht, dass es sinnvoll ist die Eurozone und seine Mitglieder mit Volkswirtschaften, wie Rumänien, Bulgarien, Ungarn oder den baltischen Staaten zu vergleichen.

      Relevant ist aber, in der EU27 kommen die Länder mit der höchsten Arbeitslosenrate aus der Eurozone: Portugal (17,8%), Spanien (26,8%) und Griechenland (27,0%) und die Länder mit der niedrigsten Arbeitslosenrate aus der Eurozone: Österreich (4,9%), Deutschland (5,4%) und Luxemburg (5,6%).

      Richtig ist, Dänemark mit 7,0%, auch UK mit 7,7%, Schweden mit 8,4% und Polen mit 10,8% sehen im Vergleich zur Südperipherie noch “gesund” aus.

      Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit zeichnet sich ein ähnliches Bild. Die niedrigsten Quoten im April 2013 verzeichneten Deutschland (7,5%), Österreich (8,0%) und die Niederlande (10,6%), und die höchsten Quoten meldeten Griechenland (62,5% im Februar 2013), Spanien (56,4%), Portugal (42,5%) und Italien (40,5%).

      Ich denke innerhalb eines Währungsraumes wird es immer Unterschiede geben, aber Quoten der Arbeitslosigkeit, wie sie sich zwischen Deutschland und Griechenland/Spanien/Portugal zeigen sind als Ungleichgewichte zu verifizieren und mittel- bis langfristig unhaltbar, da die Arbeitslosenquoten ja auch nur ein Aspekt völlig inakzeptabler Divergenzen in den Entwicklungen der Volkswirtschaften sind.

      Ein Währungsraum der unter seinen Mitgliedern statt für Konvergenz für stetig steigende Divergenzen in den wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen sorgt hat auf lange Sicht keine Zukunft.

      Gruß Steffen

      • Holly01 - 1. Juni 2013

        Das steht ausser Frage Steffen, der Zustand ist nicht akzeptabel. Die Nichtbesteuerung der 1% ist nicht akzeptabel. Die Lobbypolitiker die nicht dazu in der Lage sind ihre Zuhälter adäquat zu besteuern sind nicht akzeptabel.

        Arbeitslosigkeit mit allen sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die ganze Nationen von innen zersetzen, aushöhlen und am Ende ruinieren, das ist auf keinen Fall akzeptabel.
        Das diese Entwicklung aktiv befeuert wird … nun wir haben das ja schon oft hier gelesen und gesehen das es fundierte Statistiken gesehen, die beweisen, daß dies alles Folgen aktiver politischer Aktion sind und nicht Gott gegeben oder schicksalhaft.

  • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 1. Juni 2013

    Der Euro bringt Frieden und Wohlstand in Europa!

  • NN - 1. Juni 2013

    Sind die Daten aus Frankreich eigentlich so viel schlechter wie die Grafiken suggerieren? Wenn 1h pro Woche schon als Arbeit gilt, dann koennte es auch sein, dass in F nur weniger Teilzeit gearbeitet wird. Subjektiv habe ich zumindest den Eindruck (Frauen z.B. scheinen wesentlich mehr Vollzeitstellen zu haben als hierzulande).

  • Emilio Herraguiz - 1. Juni 2013

    Die Frage, die ich mir stelle:
    Vordergründig stellt es einen Skandal dar ungeheuren Ausmaßes, dass 50 oder 60% Jugendliche Arbeitslose sind. Aber warum tut sich in den Ländern nichts? Das muss doch eine Erklärung haben:
    - Es war schon immer so (z. B. Süditalien), und jetzt ist es eben nur verstärkt.
    - Die theroetischen Daten stimmen nicht mit der Lebenswirklichkeit überein, d. h. es ist mit Schwarzarbeit oder Elternunterstützung nach wie vor die Party am laufen. Meine Einschätzung: das stimmt für Spanien, kann aber niemals für Italien gelten.
    - Oder es gibt einfach absolut sehr wenig Jugendliche. Gilt aber auch vielleicht für Italien, niemals aber für Spanien.
    - Die Jugend ist über Jahrzehnte Siechtum degeneriert. Gilt vielleicht für Italien und Deutschland, dort scheint es tatsächlich eine art “depressives Gen” mittlerweile zu geben, weil man vielerorts nichts anderes kennt als Niedergang, aber niemals in Spanien. Dort ist der Mega-Boom erst 5 Jahre her.

    Mein Fazit: In Italien ist die Passivität erklärbar, auch in Deutschland. Beide Länder sind Kriegsverlierer und der Verliererstatus hat sich nach 60 Jahren Umerziehung und >20 Jahren wirtschaftlichem Niedergang bereits genetisch manifestiert. Mir fehlt jedoch die Erklärung dafür, warum es in Spanien so ruhig ist (auch wenn Katalanen den Thronfolger ausbuhen, ist das nach wie vor die reinste Ruhe). Offenbar ist dort noch viel mehr Geld im Umlauf als hierzulande angenommen wird (Schwarzgeld aus der Bauboomzeit? Drogengelder aus Südamerika? Menschenhandel?), das immer noch als warmer Regen niederprasselt.

  • dank - 1. Juni 2013

    Dankeschön, Steffen – “Schande” ist ein Wort, das ja fast impliziert, dass in der Eurozone bei den Entscheidern/Nutznießern noch so etwas wie Moral und Anstand existiert… ;-)
    Hemmungslose Menschenverachtung, rücksichtslose Geschäftemacherei und machtgeile Politgier wird da meiner Ansicht ausgelebt. Etwas was die Bevölkerung immer weiter verarmen lässt und unsere Jugend der Zukunft beraubt. Riesen Sch*einerei.

    Zum Thema Preistreiber Immobilienmarkt:

    BETONGOLD – Wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam
    http://www.arte.tv/guide/de/048732-000/betongold

    Interessant für alle Langzeitmieter und die Geierhorde die eben glaubt, mit Immos einen Reibach machen zu müssen. Wir werden sehen…

  • Holly01 - 1. Juni 2013

    Na endlich, die Politik hat eine Maßnehme gegen die Arbeitslosigkeit gefunden :

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/frankfurt-schwerverletzte-bei-blockupy-demonstration-12204307.html

    oder zumindest gegen die Kritik daran.

  • Canpichurri - 1. Juni 2013

    Die Abwanderung in das “System D” – Schwarzwirtschaft – nimmt immer grössere Züge an:

    http://www.testosteronepit.com/home/2013/5/25/black-market-or-bust-the-stark-choice-facing-many-of-spains.html

  • georg - 1. Juni 2013

    statistikmüll
    hier ,vom eurostat wird behauptet die arbeislosen quote in ndeutschland liegt bei 5, 4%
    und dann dies
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1239/umfrage/aktuelle-arbeitslosenquote-in-deutschland-monatsdurchschnittswerte/
    dieses datenmüll bringt uns nicht weiter
    gruss georg

    • Querschuss - 2. Juni 2013

      Hallo georg,
      ist ja nicht das erste Mal, dass du hier Datenmüll verortest, meine Frage wie immer darauf, warum liest du hier überhaupt mit und ziehst dir den Müll rein, wenn du so sicher bist, dass es Datenmüll ist?

      Zur Sache, die Daten von Eurostat werden nach dem ILO-Konzept ermittelt, die Daten der Bundesagentur für Arbeit sind eine Arbeitsmarktstatistik nach dem Sozialgesetzbuch, also zwei unterschiedliche Konzepte und nicht vergleichbar und deshalb auch mit unterschiedlichen Quoten als Ergebnis. ILO-Daten resultieren aus fest definierten Stichprobenumfragen und die Daten der Bundesagentur für Arbeit basieren auf denen die bei Arbeitsagenturen und Jobcentern registriert werden.

      Die ILO-Erwerbsstatistik nach dem ILO-Konzept ist für internationale Vergleiche unentbehrlich, weil die Daten nach einem international einheitlichen Konzept erhoben werden.

      Ansonsten gilt, deine Kommentare bringen auch niemand weiter, der Erkenntnisgewinn daraus hält sich in Grenzen :)

      Gruß Steffen

  • Eurelios - 1. Juni 2013

    @ Steffen

    es bleibt weiter nur eine Frage der Zeit, bis das erste Mitglied die Reißleine zieht.

    Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Danach gibt es kein halten mehr und die
    Eurozone wird ungeordnet zerbröseln mit Folgen die, gelinde gesagt, mehr als schädlich
    für die Menschen in unserem Europa sind.
    Bin zur Zeit noch auf Sardinien in Santa Maria Navarrese dies liegt in der Nähe von Arbatax
    dort gibt es ein riesiges Industriegebiet das von Italien in den 60/70 Jahre stark
    gefördert wurde,
    Ich bin da mal durchgefahren es war erschreckend bin mir vorgekommen wie im
    Film Mad Max. Industriegebäude, Schiffswerften und so weiter fast keine Menschen dort
    anzutreffen eigentlich ein Geistergebiet.

    Wenn man die Augen auf macht und etwas näher hinsieht gibt es viele Rohbauten
    in unmittelbarer Nachbarschaft meiner Ferienwohnung die vergammeln. Es gibt da wie
    bei uns so etwas wie einen roten Punkt (Baugenehmigung wo Daten für den Bau zu
    lesen sind) dort stand Baubeginn 2009. Die Krönung war die Sanierung der alten
    Dorfkirche in Santa Maria Naverrese Baubeginn im im Jahre 2011 jetzt ist dort
    Stillstand. Es geht dort nichts mehr voran.

    Änliches habe ich 2009 in Zypern erlebt Rohbauten für Ferienwohnungen ohne Ende
    mit großen Schildern, zu verkaufen.

    Europa hat mit dem Euro fertig und ist am absaufen.

    Das Unfassbare ist meines Erachtens das einige Menschen das alles scheißegal ist
    nur um weitere 4 Jahre an der politischen Macht zu bleiben.

    • Holly01 - 2. Juni 2013

      Wir sind mitten in einem Wirtschaftskrieg. Die “Märkte” gegen die EU und insbesondere gegen den Euro.
      Die werden auch nicht nachlassen, wenn die ganze Schar auseinanderläuft, dann schnappen die sich jeden einzeln.
      Die Beute aus dem “Europafeldzug” wird schliesslich als Basis für den noch viel größeren “asienfeldzug” benötigt.
      Während in Europa die Politik offensichtlich nicht wahr haben will, daß die Protagonisten auf der Gegenseite keine Gestaltungsmöglichkeit haben und selbst keinen Einfluß darauf haben, ob 50 oder 60 oder 70 Millionen Menschen Essensmarken bekommen oder verhungern, vertendelt man die Zeit mit selbstgefälligen Animositäten.
      Den “Märkten” ist das völlig wumpe, für die sind das keine Schicksale sondern Ressourcen.
      Da ist jemand nicht arbeitslos, es ist eine Kostenstelle.
      Dieser Krieg kennt keine Gewinner und er wird auch keine hinterlassen.

  • JL - 1. Juni 2013

    Herzlichen Dank für die aufgezeigten Daten. Wichtig dabei scheint aber nicht nur die Darstellung derselben zu sein, sondern auch die Sicht dahinter.

    Welches global aufgestellte Unternehmen braucht in der Produktion noch Fachkräfte? Wohl keines- entscheidend ist einzig und allein die Einhaltung der Bandtaktrate für die Produktion. Und wo diese Produktionsbänder stehen ist in der globalisierten Wirtschaftswelt egal, entscheidend sind Renditen. Eine nationale Verantwortung entfällt- schließlich ist man ja global aufgestellt.
    Das Ergebnis dessen sind dann eben die aufgezeigten Daten.

    Mit freundliche Grüßen

    JL

    • Ert - 1. Juni 2013

      @JL

      Natürlich brauchst Du Fachkräfte – hoch qualifiziert und das ganze am laufen zu halten, einzurichten, zu optimieren etc. pp. Das Problem: Du brauchst immer weniger Fachkräfte mit immer mehr Wissen – und das schließt sehr viele Leute aus.

      Wo das ganze dann steht ist dann auch abhängig von dem Produkt, den Zielmärkten und hier sind die Transportkosten und Zölle – neben den Arbeitskosten – auch wichtig.

  • micdinger - 2. Juni 2013

    An diesem verregneten Sonntag hier nochmal zwei Links für alle. Einmal über den nach Ansicht von Mark Dittli “wahren kranken Mann Europas” und ein Vortrag des australischen Investmentmanagers Grant Williams.
    Er fragt sich, Wie es möglich ist, dass die Börsen boomen, obwohl sich das Wirtschaftswachstum weltweit abschwächt und Europa in der Rezession verharrt? Die Präsentation ist auf Englisch, aber recht verständlich. Sie beginnt sehr mathematisch, kommt dann aber schnell zu Frankreich und Deutschland und zeigt am Ende den Unterschied zwischen dem Goldpreis und dem Preis von Gold.

    http://blog.fuw.ch/nevermindthemarkets/index.php/12888/der-wahre-kranke-mann-europas/
    http://www.fuw.ch/article/do-the-math/

    • Querschuss - 2. Juni 2013

      Hallo micdinger,
      Danke für die Links, den Artikel hatte ich schon vor Tagen gelesen, sehr guter und feiner Schweizer Wirtschaftsjournalismus bei Never Mind The Markets!

      Gruß Steffen

      • Frankenfurter - 2. Juni 2013

        Dem Lob für den schweizer Frankreichartikel kann ich mich nicht uneingeschränkt anschließen, denn er erklärt die aktuelle Krise dort mit dem sattsam bekannten Argument, dass Fr. zu hohe Lohnstückkosten und deswegen eine rückläufige Exportquote hat. Für einen, der wie ich, das aktuelle Globalisierungsmodell für weitgehend gescheitert hält, ist das unakzeptabel.

        • Querschuss - 2. Juni 2013

          Hallo Frankenfurter,
          es geht nicht immer darum, jedenfalls nicht mir, ob man jedem Argument oder dargelegten Sachverhalt folgt, sondern im Vergleich zur deutschen Journaille sind dies gute Artikel der Schweizer, die auf umfangreichen Daten und auch deren Darstellungen basieren. Und dies leistet nun Mal Never Mind The Markets oft.

          Letztlich kann sich jeder anhand der Fakten und Charts seinen eigenen Reim machen.

          Gruß Steffen

    • Marrei - 2. Juni 2013

      @micdinger
      Thank you! Fantastic!

  • Frankenfurter - 2. Juni 2013

    Guten Morgen, wo Regen ist, ist auch Sonnenschein. Denn es gibt auch Alternativen zu diesem absurden Wirtschaftsregime in Europa. Ich habe mich daran erinnert, als ich hier vom Streik im Baskenland erfahren habe.
    Der eine oder andere wird den Namen MONDRAGON schon gehört haben. Das ist eine baskischen Kooperative mit über 100.000 Mitglieder in Spanien und in Lateinamerika. Eine Art Mischkonzern, wo ein Manager 4 mal soviel verdient, wie ein Pförtner, und wo es keine Entlassungen seit Anfang der Spanienkrise gab. Wo Gewinne der Eigentümer nicht spekulativ für Finanzalchemie Verwendung finden, sondern in reale Investitionen in den Betrieb und für die Ausbildung der Mitarbeiter fließt. Denn der Betrieb gehört den Arbeitern von Mondragon, die sich nach ihrer Probezeit mit 15 TEuro eingekauft haben.
    Deutschlandradio hat vor kurzem ein Feature zu Mondragon gebracht.Hier ist der Sendemitschnitt fürs schnelle Lesen.
    http://www.dradio.de/download/195194/

    Ps. Es gibt auch Beispiele dafür, dass eine Mitarbeiterbeteiligung das Produkt verschlechtert und plötzlich alle anfangen zu denken und zu handeln wie “Bosse”. Ich meine den SPIEGEL ;-)

    • MartinR - 2. Juni 2013

      Vielen Dank fuer den Link, Frankenfurter. Sehr interessant.

      Mal sehen wie sich das Modell entwickelt, wenn der Neoliberalismus bald ausgedient hat oder zumindest immer mehr sich davon befreien wollen.

  • Dierk - 2. Juni 2013

    Die Eurozone ist mit oder ohne Euro im Eimer, jedenfalls mit dem Lebensstandard.
    Vor 7 Jahren hat hier in GR eine italienische Pumpe für ein Hauswasserwerk 170€ gekostet.
    Diese Jahr kostet die gleiche Pumpe hier 240€. Kein Fantasiepreis des gr. Händlers, ich habe mir die
    italienische Preisliste zeigen lassen, weil ich glaubte, der veralbert mich.
    Die gleiche Pumpe und wirklich die Gleiche, Leistungsdaten, Anschlüsse, Maße, Farbe, also Unterscheidung
    wirklich nur über das Typenschild, gibt es vom Chinesen für 140€.
    Was kann der Italiener also machen? Als erstes Strongsell für die Aktie, falls der Laden börsennotiert ist.
    Zweitens kann er sich einen anderen Job suchen oder drittens kann er gleich nach China auswandern oder auf die Arbeitslosigkeit warten.

  • Daniel B - 2. Juni 2013

    @micdinger
    Danke fuer die exzellenten Sonntags-Links.

  • micdinger - 2. Juni 2013

    Da dieser Artikel frei zugänglich ist, poste ich noch zwei Links für eventuell neue Leser hier. Die verlinkten Beiträge beschäftigen sich mit eher allgemeinen Betrachtungen und Interpretationen der aktuellen Weltwirtschaft. Es sind allerdings keine Beiträge die man schnell mal so nebenbei lesen kann. Für deren tieferes Verständnis sollte man schon einige Stunden einplanen, jedenfalls war das damals bei mir so. Vielleicht bin ich ja auch nur etwas schwer von Begriff.

    http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/eu-web.htm

    http://www.peakprosperity.com/crashcourse/deutsch

    • Eurelios - 2. Juni 2013

      Vielleicht bin ich ja auch nur etwas schwer von Begriff.

      Überhaupt nicht. -:)

      Danke für die Links.

  • klaus - 2. Juni 2013

    Danke für die die wie immer sehr gute Aufbereitung.

    Dennoch möchte ich Euch bitten euer Augenmerk etwas
    auf die Restlaufzeit Deutschlands in der EU zu richten.

    ALT- Verfassungsrichter DiFabio hält die Staatenfinanzierung
    der EU für verfassungswidrig !

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/frueherer-verfassungsrichter-di-fabio-notfalls-ist-deutschland-zum-euro-austritt-verpflichtet-12205592.html

    Dazu entscheidet das VerfG am 11/12 Juni über ESM/Fiskalpakt.

    Draghi hat Husten und kommt nicht.

    Es wird wohl zum Volksentscheid führen.

    Ich hoffe, UNSER Grundgesetz gewinnt gegen
    die Alternativlosigkeit.

    Möge das GG immer währen.

    Und Herr Weidmann darf seinen guten Job
    weiterführen.

    Gruß klaus

    • Eurelios - 2. Juni 2013

      Ich hoffe, UNSER Grundgesetz gewinnt gegen
      die Alternativlosigkeit.

      Ja die Hoffnung stirbt zuletzt.

      Schließe mich deinen Wunsch an.

      • Marrei - 2. Juni 2013

        @Eurelios
        Ich glaube, Du hast in Sardinien zuviel Sonne ab bekommen…

        • Eurelios - 2. Juni 2013

          Ich glaube, Du hast in Sardinien zuviel Sonne ab bekommen…

          Lieber Marrei,

          ganz im Gegenteil das ist nicht so bin zwar jetzt in der in der dritten Woche schon da
          und fahre am nächsten Freitag dann wieder in die Heimat zurück und das Wettter war
          nicht so gut das ich und, die beste aller Ehefrauen, einen Hitzeschlag bekommen
          hätte.

          Ganz im Ernst. wenn das VerfG den ESM durchwingt. Dann glaube ich nur
          noch an alles egal, scheißegal, egal was kommt

          Viele Grüße von

          Günter

    • RedMoe - 3. Juni 2013

      “Und Herr Weidmann darf seinen guten Job weiterführen.”

      Welchen guten Job?

  • klaus - 2. Juni 2013

    @Marrei
    Vielleicht hat Eurelios das hier gelesen.

    Die Banken in der EU-Zone leihen sich nix mehr.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/10094747/BIS-records-startling-collapse-of-eurozone-interbank-loans.html

    Draghi, der Mitte Juni von Asmussen vertreten wird, sieht
    auch nicht sooo gut aus. Und der liebe Luxemburger Mersch meckert auch schon.

    http://www.welt.de/wirtschaft/article116728165/EZB-Praesident-Draghi-verliert-seine-Hausmacht.html

    Und Mutti will keine Kompetenzen mehr an die EU abtreten.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article116736487/Merkel-will-der-EU-keine-Kompetenzen-mehr-geben.html

    Sie will ja vorerst nicht die Verfassungrichter ärgern.
    Kreide futtern, nennt man das.

    Es sieht aus, als ob viele bereits ahnen, das das
    REFERENDUM bevorsteht. Da hilft auch kein Schimpfen. ;)

    Wir werden sehen !

    Gruß klaus

  • Holly01 - 3. Juni 2013

    Wenn es in DE zu einem Referendum über den ESM kommt, dann nehm ich daran teil und geh zur nächsten Bundestagswahl, die danach ansteht.
    Und DAS will etwas heissen.

    • Eurelios - 3. Juni 2013

      und geh zur nächsten Bundestagswahl, die danach ansteht.
      Und DAS will etwas heissen.

      Und dann noch die AfD wählen. :-)

      Mein Dank ist Dir dann sicher.

  • Rolmag - 3. Juni 2013

    “Mir fehlt jedoch die Erklärung dafür, warum es in Spanien so ruhig ist”

    Nun, in Spanien fehlt der Unterdrücker, gegen den man vorgehen, den man hassen kann.
    Die Spanier haben doch fast allesamt von den nachgeworfenen Krediten profitiert, also an wen sollen die sich pöbelnd wenden?

    Wenn die jetzt ihre Regierung und alle Beamten verjagen, dann geht es denen auch nicht besser, eher noch viel schlechter.

    Wogegen sollen die protestieren? Wen außer ihre eigene Gier anklagen?

    Ich wundere mich dagegen, dass es in Deutschland so ruhig bleibt, so rücksichtslos und unmenschlich wie wir für die EU ausgeplündert werden. Muss wohl was dran sein, am Bild des trägen, unterwürfigen und häufig leicht stumpfsinnigen Deutschen.

  • Karin Jürgens - 3. Juni 2013

    @ Frankenfurter

    Wenn Sie sich für solche Alternativmodelle interessieren (ich finde das auch spannend) dann ist die Migros in der Schweiz mitsamt ihrer Entstehungsgeschichte auch beachtenswert. Dieser Riesenladen wurde als kleiner Einzelhandel vom kinderlosen Gottlieb Duttweiler den Schweizern mit bestimmten Auflagen geschenkt. Dazu gehört u.a., daß alle Mitarbeiter gut versorgt werden und die erzielten Gewinne wieder im Laden investiert werden müssen. Die Migros hat also die Rechtsform einer Genossenschaft, könnte, wenn sie denn wollte, in vielen unterschiedlichen Bereichen die ganze Schweiz alleine versorgen und schwimmt im Geld. Wenn man sie mit einer herkömmlichen großen AG vergleicht, dann sieht man, was es ausmacht, wenn kein Geld nach außen abfließt. Vor allem aber, was es ausmacht, wenn die Einstellung der Führungskräfte nicht nur auf Gewinnmaximierung programmiert ist, sondern die soziale Komponente im Vordergrund steht. Sehr interessant!

  • Frankenfurter - 3. Juni 2013

    Merci für den Hinweis. Ich dachte immer Nestle’ hätte die Migros längst geschluckt. Besser, daß dem nicht so ist…..