Finanzmarktkrise und Kapitalismuskritik: Blanke Nerven, Rhetorik und Beruhigungspillen

von am 21. November 2011 in Allgemein

Seit die Bewegung „Occupy Wall Street“ begonnen hat, international gegen die Macht der Banken zu protestieren und auf damit verbundene Fehlentwicklungen – „Wir sind die 99 Prozent“ – aufmerksam zu machen, gibt es eine Systemdebatte. Das ist gut. In Presse und Medien wird diese unter dem Begriff „Kapitalismuskritik“ thematisiert und sie droht damit in eine alte Sackgasse zu steuern, weil dort nicht über das wirtschaftstheoretische Fundament des Kapitalismus gestritten wird, sondern nur darüber, ob man für oder gegen den Kapitalismus bzw. die Marktwirtschaft ist. Das ist schlecht.

Denn wer Mahner und Kritiker, weil sie den Finger in die Wunde legen, in die Schublade „Kapitalismuskritiker“ oder „Globalisierungskritiker“ stecken und sie auf diesem Weg mit dem Etikett „Gegner der freien Marktwirtschaft“ versehen will, verteidigt eine gescheiterte und zum Dogma gewordene Markttheorie sowie Besitzstände und nicht die Marktwirtschaft.

Tatsächlich werden zunehmend die eigentlichen (bisherigen) Eckpfeiler für Stabilität und Wachstum der globalen Wirtschaft und Finanzmärkte in Frage gestellt. Weil diese ohnehin immer stärker vom Einsturz bedroht sind, liegen dort die Nerven blank. Einige aktuelle Gründe dafür sind:

  • Die US-Staatsverschuldung ist jetzt auf über 15 Billionen Dollar geklettert (1) und damit innerhalb von knapp 6 Monaten um fast 700 Milliarden Dollar gestiegen; übermorgen, das heißt bis zum 23. November, soll zwischen den tief zerstrittenen Demokraten und Republikanern ein Kompromiss für ein Einsparkonzept gefunden werden;
  • weltweit haben Notenbanken von Juli bis September 148,4 Tonnen Gold gekauft und sind damit im Begriff in 2011 so viel Gold aufzukaufen wie seit 40 Jahren nicht mehr (2);
  • ein neuer „Blitzstresstest“ für europäische Banken, demzufolge der Kapitalbedarf deutlich höher ausfällt als auf der Basis des zuvor durchgeführten Stresstests ermittelt (3);
  • Europas Banken arbeiten offenbar verstärkt an riskanten Lösungen für den Wertpapiertausch mit anderen Banken, um an EZB-fähige Wertpapiere zu kommen und so ihre Liquidität notfalls auch in härteren Zeiten sichern zu können (4);
  • Fitch warnt wegen Euro-Krise vor Bankenbeben in den USA (5).

Kein Wunder also, dass etwa Josef Ackermann sich veranlasst sieht zu betonen, dass er in der Zerschlagung von Großbanken keine geeignete Lösung sieht. (6) Bemerkenswert ist indes, dass auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann so spricht (7) – wohlwissend, dass etwa die Schweiz zumindest für den Ernstfall die gesetzlichen Weichen bereits genau dafür gestellt und auch erheblich schärfere Eigenkapitalvorschriften erlassen hat als die EU auf dem letzten Euro-Gipfel (8).

Es geht um die „Global Player“ und damit um die Globalisierung – ein Begriff, mit dem gerne dasselbe rhetorische Spiel wie mit den Begriffspaaren Kapitalismus/Sozialismus und Marktwirtschaft/Planwirtschaft getrieben wird. Denn ebenso wie beim Begriff „freie Marktwirtschaft“ bezeichnet auch der Begriff „Globalisierung“ ein Ziel, den Prozess, aber auch ein spezifisches Konzept, mit dem das Ziel erreicht werden soll. Rhetorisch pfiffig wird regelmäßig das Konzept zum Ziel gemacht, während man Kritikern des Konzepts vorwirft, sie stellten das Ziel in Frage oder wollten die Globalisierung zurückdrehen. Das Perfide daran ist erstens, dass der Begriff „Globalisierung“ an die liberale Wirtschaftstheorie geknüpft worden ist, somit als natürlicher Effekt der Marktwirtschaft daherkommt und folglich akzeptiert werden muss, wenn man „die Marktwirtschaft“ will. Es bedarf also keiner gesonderten Rechtfertigung für die „Globalisierung“. Zweitens wird durch den dargelegten Kniff aber auch das spezifische Konzept der Globalisierung, das verfolgt wird und dessen Resultate heute Anlass für weltweite Proteste sind, zur alternativlosen Antwort auf die Globalisierung im Sinne der „freien Marktwirtschaft“ erhoben. Wer damit nicht einverstanden ist, ist ein Globalisierungsgegner und ein Gegner der freien Marktwirtschaft.

Der Haken dabei ist natürlich, dass diese Verknüpfung an der Realität zu scheitern droht, sobald sich die negativen Folgen für eine kritische Masse von Menschen in den Industriestaaten – den Gewinnern von Freihandel und Globalisierung – bemerkbar machen. Das scheint nun langsam der Fall zu sein, wie Occupy Wall Street zeigt. Der zweite Haken ist, dass diese Verknüpfung nur so lange möglich ist, wie die liberale, neoklassische Wirtschaftstheorie herrschende Auffassung bzw. wirtschaftspolitisches Paradigma bleibt. Auch hier gibt es immer kraftvollere Attacken, etwa seitens der Gruppe von Ökonomen, die sich unter der Bezeichnung „Real World Economics“ zusammengeschlossen haben und für einen Paradigmenwechsel in den Wirtschaftswissenschaften (und der Wirtschaftspolitik) einsetzen – wenngleich sich bisher noch kein alternatives Paradigma herauskristallisiert hat, was ein entscheidender Schwachpunkt ist.

Worin besteht das in der Kritik stehende Konzept der Globalisierung?

Verkürzt kann man sagen, es geht bei diesem Konzept um Freihandel und „internationale Wettbewerbsfähigkeit“, die als Garant für Wachstum und Beschäftigung angesehen werden. Die Förderung und Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist das Ziel der Industriepolitik (abgeleitet von Industrial Policy = Branchen- oder Wirtschaftsstrukturpolitik). Sie bezieht sich nicht nur auf den Industriesektor, sondern auf praktisch alle Sektoren, also etwa auch auf den Bankensektor und den Handel. „Internationale Wettbewerbsfähigkeit“ wird dabei im Sinne der herrschenden (neoklassischen) ökonomischen Theorie definiert. Wettbewerbsfähig zu sein, ist so gesehen eine Frage der Effizienz bzw. der Kosten – dass es neben der Strategie der Kostenführerschaft auch die der Differenzierung gibt, bei der Unternehmen sich über ihre Innovativität und durch Qualität im Wettbewerb zu behaupten suchen, wird ignoriert. Das bedeutet, im internationalen Wettbewerb kommt es für Unternehmen darauf an, Größenvorteile zu realisieren bzw. Skalenerträge zu erzielen.

Das hat man in Europa Ende der 60er Jahre erkannt und entsprechend der herrschenden Auffassung in den Wirtschaftswissenschaften auf Großunternehmen gesetzt. Große, international agierende Unternehmen benötigen wiederum große Banken, die sie in allen finanziellen Angelegenheiten adäquat unterstützen und begleiten können. Das „klassische“ Konzept der Industriepolitik sieht deswegen vor, die Entstehung von „National Champions“ zu fördern und deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken – man kann auch sagen: ihnen beim Kostensenken zu helfen. Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank ist ein solches Beispiel, denn die Bundesregierung wollte neben der Deutschen Bank einen zweiten „National Champion“ im Bankensektor. Nur diese beiden Institute des deutschen Bankensektors wurden jüngst für global „systemrelevant“ erklärt.

Europa wollte seinerzeit gegenüber den USA in puncto internationaler Wettbewerbsfähigkeit aufholen und orientierte sich dabei auch an den Gegebenheiten in den USA – später auch an Japan, weil dort sehr erfolgreich Industriepolitik betrieben wurde. Die Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes und die in diesem Zuge verwirklichte Harmonisierung (ab Mitte der 80er Jahre), die europäische Forschungs- und Technologiepolitik (seit Mitte der 80er Jahre) dienten diesem Ziel. Dasselbe gilt in nicht unerheblichem Maße auch für die Erweiterung der europäischen Union (Zugang der europäischen Champions zu den Märkten der Beitrittsländer – Kostenvorteile, Skalenerträge) und die Verwirklichung der Währungsunion (Ausschluss von Währungsrisiken, geringere administrative Kosten – ganz besonders für Kreditinstitute).

Ob USA, Europa oder Japan – überall verbirgt sich hinter dem Begriff der Globalisierung das Konzept, schlagkräftige Großunternehmen entstehen zu lassen und im Kostenwettbewerb zu unterstützen mit der Konsequenz, dass bedingt durch diese einseitige Fokussierung überall dort heute eine Art Zwei-Klassengesellschaft in der Wirtschaft existiert: Der mittelständische Sektor ist – im wahrsten Sinne des Wortes – die zweite Klasse.

Es ist jedoch klar, dass unter diesen Bedingungen Großunternehmen sowie jene Staaten, in denen schlagkräftige (und Steuern zahlende) Großunternehmen ansässig sind, auf der Gewinnerseite des Freihandels stehen und alle anderen auf der Verliererseite. Allerdings zahlen viele Konzerne keine Steuern mehr oder fast keine, wie beispielsweise eine britische und eine amerikanische Untersuchung zeigen. (9) (10) Auf der anderen Seite dürfte es mehr als fraglich sein, ob sich Krisenstaaten mit eklatanten wirtschaftsstrukturellen Schwächen – wie etwa Griechenland – werden erholen können, so lange sie uneingeschränkt Freihandel ermöglichen und damit dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind. Beides dürfte auch der Grund dafür sein, warum wir bei anhaltender Krise gerade in großen Industriestaaten, insbesondere den USA, zunehmend protektionistische Maßnahmen sehen werden, auch wenn sie gewiss nicht als solche deklariert werden dürften.

Das beschrieben Konzept der Globalisierung ist das der führenden Industrienationen und das gilt auch für die globalisierten Finanzmärkte. Ihre wirtschaftliche Stärke definiert sich im Wesentlichen über ihre Großunternehmen und Großbanken – je nach sektoraler Fokussierung. Allerdings geht dieses Konzept unter den aktuellen Gegebenheiten nicht mehr auf, weil es anders als seine tatsächliche oder suggerierte wirtschaftstheoretische Basis eine reibungslos laufende und fortlaufend Wachstum generierende Marktwirtschaft nicht nur nicht sicherstellen kann. Vielmehr produziert es offensichtlich eine immer kleiner werdende Gruppe ewiger Gewinner und eine ständig wachsende Gruppe von Verlierern – auf der Ebene der Gesellschaft, der Unternehmen, der Banken und der Staaten. Es hat in den zurückliegenden Jahren darüber hinaus zu massiven Verkrustungen in der Wirtschaft geführt, zu sich verstärkenden wirtschaftlichen Ungleichgewichten, Stagnation und letzten Endes zu systemischer Instabilität.

Es ist deswegen die Krönung der Realitätsverweigerung, über besondere Vorgaben für „systemrelevante“ Großbanken die systemische Stabilität sichern zu wollen.

Das gilt umso mehr, wenn man die Ergebnisse einer Studie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (11) berücksichtigt, die erstmals das Netzwerk der insgesamt 43 060 global operierenden transnationalen Konzerne anhand der Eigentümer- und Beteiligungsstrukturen untersuchte und zwar anhand der Daten für das Jahr 2007. Demnach bilden 1 318 Konzerne mit der weitreichendsten Kontrolle über das weltweite Geflecht von Konzernen den Kern dieses Netzwerkes. Sie gehören zu 75 Prozent sich selbst und 75 Prozent der Unternehmen dieses Kerns sind solche aus der Finanzindustrie. 737 Konzerne des Kerns kontrollieren gemeinsam 80 Prozent des gesamten globalen Netzwerks transnationaler Konzerne. Innerhalb des Kerns gibt es nochmals eine Gruppe besonders einflussreicher transnationaler Konzerne („Super-Entity“), die aus 147 Unternehmen besteht, nahezu vollkommene Kontrolle über sich selbst hat und gemeinsam knapp 40 Prozent des globalen Netzwerks multinationaler Konzerne kontrollieren kann. Die 50 einflussreichsten Konzerne sind fast ausschließlich solche aus der Finanzindustrie – fast die Hälfte (24) sind US-Konzerne (Lehman Brothers gehörte auch dazu). Zwischenzeitlich dürfte sich das Netzwerk – eingedenk der vielen Notübernahmen, Pleiten und der Fusionswelle – weiter verdichtet haben.

Lediglich 16 der insgesamt 29 jüngst vom Financial Stability Board (FSB) als „systemrelevant“ eingestuften Großbanken (12) befinden sich unter den in der ETH-Studie aufgelisteten 50 einflussreichsten Konzernen im Kern des weltweiten Konzernnetzes – ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Problem ist aber mit Blick auf die Ergebnisse dieser Studie weniger die mangelnde Stabilität „systemrelevanter“ Banken oder generell systemrelevanter Konzerne aus der Realwirtschaft, denn auch über die müsste realistischerweise gesprochen werden – man erinnere sich nur an den abrupten Einbruch der Weltwirtschaft nach der Lehman-Pleite. Das Problem ist vielmehr die Existenz eines Systems von derart eng verflochtenen Großbanken, Finanz-, Versicherungs- und anderen multinationalen Konzernen der Realwirtschaft, die die Märkte dominieren, die Gewinnströme kanalisieren und vor allem: mit dem die globale Wirtschaft und alles was daran hängt steht und fällt und zwar von heute auf morgen, wie der Fall Lehman Brothers gezeigt hat. Der Grad der volkswirtschaftlichen Abhängigkeit der Industriestaaten von diesen Global Playern dürfte unterschiedlich hoch ausfallen, aber in jedem Fall das Potenzial für ein ernstes Stabilitätsrisiko erreicht haben. Es sind deswegen naheliegende Fragen, inwieweit ein solches System noch etwas mit „freier Marktwirtschaft“ zu tun hat bzw. erhaltenswert ist, inwieweit es sich überhaupt stabilisieren lässt und wenn ja, ob das ein geeigneter Beitrag zur Bewältigung der Krise wäre.

Vor diesem Hintergrund ist es in der Tat angezeigt, das Konzept zu diskutieren, nach dem über einen Zeitraum von einigen Dekaden hinweg die Marktwirtschaft gestrickt und die Globalisierung vorangetrieben wurde. Dafür braucht man kein „Kapitalismuskritiker“ zu sein. Wer rhetorische Spielchen treibt, um das zu verschleiern, verkennt den Ernst der Lage.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

Print article

46 KommentareKommentieren

  • Ben - 21. November 2011

    großartiger artikel!

    diese studie hatte ich auch schonmal gelesen. schön, dass sie hier nochmal eingebaut wurde. sie sollten ganz dringend kolumnen in den wirtschaftszeitschriften und tageszeitungen dieser republik bekommen!

  • hunsrückbäuerlein - 21. November 2011

    mit der bestehenden Industriepolitik der champions haben sich die staaten im zuge der globalisierung selbst in die hand des kapitals begeben. volkswirtschaftliche ziele können nie betriebswirtschaftliche ziele sein und dass das betriebswirtschaftliche ziel eines jeden unternehmens das monopol darstellt, läßt sich in allen lehrbüchern nachlesen.

    ergo, es führt für die staatengemeinschaft und die völker ,gemeinchaften dieser erde, kein weg daran vorbei für eine vielzahl von nachfragern wieder eine vielzahl von anbietern zu schaffen, also die großunternehmen zu zerschlagen bevor sie als monopolist unverzichtbar geworden sind.

    zerschlagung durch entzug des schmiermittels geld, ist die einzig funktionierende möglichkeit für den kleinen mann dafür zu sorgen. viele unternehmen leben nur noch vom operativen tagesgeschäft, haben also wenig substanz, mit denen sie sich längerfristig über wasser halten könnten. das ist ihr wunder punkt. brechen ihnen auch nur für kurze zeit die erträge weg, laufen ihnen die kosten davon, egal wie prall gefüllt die kriegskasse ist, die sagt ja nichts über die tatsächliche finanzielle lage aus. bei einer eigenkapitalquote von nur 20% und weniger, ist jedes unternehmen durch entzug von umätzen und ertrag in die knie zu zwingen. es ist der einzige weg.

  • Gano - 21. November 2011

    Herr SLE, ihr Konzept tritt so langsam hervor, wird mit jedem Beitrag deutlicher und deutlicher. nur weiter so.

    • Gano - 21. November 2011

      mit den super entitäten kommen unweigerlich auch gewisse VT´s an die Oberfläche, da werden jetzt Leute rumschreien, “ich habs euch schon immer gesagt!”.

  • Klaus G. - 21. November 2011

    “Vielmehr produziert es offensichtlich eine immer kleiner werdende Gruppe ewiger Gewinner und eine ständig wachsende Gruppe von Verlierern – auf der Ebene der Gesellschaft, der Unternehmen, der Banken und der Staaten.”

    Wo bleibt der Mensch im Globalisierungsthema ?
    Ist die Masse in diesem Spiel nur noch ein austauschbarer Kostenfaktor?

  • Mark - 21. November 2011

    Hallo, Stefan!

    Ehrlich gesagt finde ich in Deinem Artikel keinen Bezug zur Kapitalismus-/Globalisierungskritik oder der Occupy-Bewegung. Vielmehr handelt es sich doch dabei um (welt-)politische(!) Themen oder Probleme.
    Selbst Entwicklungen wie die Marktkonzentrationen im Zuge von Größendegressionen sind zwar Konsequenzen der Marktwirtschaft, allerdings betonen ja selbst stockkonservative Neoklassiker die Relevanz von politischen Eingriffen im Falle von wohlfahrtsverschlechternden Monopolbildungen, im weiteren ebso im Falle der race-to-the-bottom Problematik hinsichtlich der Unternehmensbesteuerung.
    Der nötige politische Rahmen wird ja nicht mal von “radikalen Marktliberalen” in Zweifel gezogen, wie es häufig fälschlicherweise behauptet wird.
    Aus meiner Sicht wäre eine treffendere Überschrift/Konsens des Beitrags eher “Finanzmarktkrise und Politikversagen” oder “imperiale Demokratie, politische Macht und Fahren auf Sicht zwischen Legislaturperioden und Finanzmarktkrisen” oder so…

    • SLE - 22. November 2011

      Mir ging es darum aufzuzeigen, wie berechtigt die von der Occupy-Bewegung ausgelöste Debatte ist und wie andererseits z. T. versucht wird, der Kritik und der Debatte einen Stempel aufzudrücken und sie somit in eine bestimmte Schublade zu verfrachten, wo sie “keinen Schaden” anrichten kann.

      Aber es stimmt, natürlich muss man vor allem von Politikversagen sprechen, denn Ökonomen handeln ja nicht. Andererseits: Sind es nicht die Ökonomen gewesen, die uns all die Jahre geraten haben, was zu tun ist , die auf den Finanzmärkten keine Problem und die Wirtschaft auf einem guten Weg gesehen haben? Und sind es nicht die Ökonomen gewesen, die von der Krise überrascht wurden und sie dann auch nicht erklären konnten?

      Die Ökonomen haben der Politik einen Persilschein ausgestellt, denke ich. Warum sie das so einträchtig getan haben, ist eine interessante Frage. Die wollte ich hier aber nicht aufgreifen.

      Grüße
      SLE

      • Mark - 22. November 2011

        Hinsichtlich der Berechtigung der Occupy-Bewegung gebe ich Dir uneingeschränkt recht! Es ist auch aus meiner Sicht zwingend sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, da gerade in unserer Situation ein gesellschaftlicher Konsenz wichtig ist um die derzeitigen Probleme in Angriff zu nehmen.

        Bezüglich der Ökonomen-Kritik möchte ich Dir schon widersprechen. Ich sehe nicht, dass “die Ökonomen” stets zu falschen Handlungsweisen geraten haben. Es gab natürlich unterschiedliche Meinungen/Prognosen, was aber unter dem Gesichtspunkt einer ungewissen Zukunft zu betrachten ist. Und gerade wirtschaftliche Entwicklungen sind von einer hohen Komplexität geprägt.

        In dieser Hinsicht wird nun häufig gerade auf “die Ökonomen” mit dem Finger gezeigt, die sich mit Schwung in die Nesseln gesetzt haben oder Interessen vertreten haben, wo hingegen andere typischerweise ausgeblendet werden. Man sollte also auch erwähnen, dass hier keinesfalls in den letzten Jahren ein Kanon gleicher Schönfärberein zu vernehmen war, sondern eine Krise schon lange prophezeit wurde (gerade amerikanische Hypotheken, Konstruktion der Währungsunion, Eigenkapitalausstattungen, unbekümmerte Anwendung von Methoden bspw. risk management, etc…). Sollte Dir als aktiven Wirtschaftsblogger auch nicht entgangen sein (vermute ich mal als langjähriger Leser Deines sehr guten Blogs!). Allerdings war der Zeitpunkt 2007 zugegebenermaßen für viele schon überraschend.

        Viele Grüße

        • SLE - 22. November 2011

          Es ist richtig, dass es eine Reihe von Ökonomen gab, die vor der Krise gewarnt haben. Die wurden aber von den Medien weitestgehend ignoriert – vielleicht einmal abgesehen von Roubini und Shiller. Ich lasse mich gerne korrigieren, aber soweit ich mich erinnere, waren die Mahner keine Vertreter des Mainstreams. Unabhängig davon haben aber auch durchaus eine Reihe von Mainstream-Ökonomen Selbstkritik geübt und offen gesagt, dass ihre Theorien und Modelle gescheitert sind – jedenfalls in der Hochphase der Krise nach der Lehman-Pleite.

          Grüße
          SLE

  • alt-shift-x - 21. November 2011

    “Wo bleibt der Mensch im Globalisierungsthema ?
    Ist die Masse in diesem Spiel nur noch ein austauschbarer Kostenfaktor?”

    vermutlich kennen wir die Antwort

  • matt_us - 21. November 2011

    Die Entflechtung des Finanzkapitals muesste an oberster Stelle stehen. Da sollte es eine eigene EU Kommissar fuer geben, der die Finanzrisiken entflechtet. Denn wir sehen ja was ist. Keine Finanzinstitution ist zu klein in Europa um wirklich pleite gehen zu lassen. Sofort werden Anstseckungsrisiken beschworen – zu Recht uebrigens wie ich meine.

    Allerdings wird sowas ueberhaupt nicht besprochen. Es gibt keine Reform die sich mit sowas beschaeftigt. Ein paar Prozent Eigenkapital mehr werden es auch nicht richten fuer die groessten Banken. Das wird nichts nutzen, bei wirklichen Systemrisiken. Wir haben ja schon eins was sich vor unseren Augen entfaltet. Die CDS binden fast das ganze globale Finanzsystem zusammen. Gehen europaeische Staaten in die Insolvenz, fallen amerikanische Banken die da hauptsaechlich CDS ausgegeben haben. Was helfen da ein paar Prozent zusaetzliches Eigenkapital?

    Was ich nicht verstehe, die CDS sind ja angeblich der Grund, warum EZB nur einen “freiwilligen” Schuldenschnitt will, aber die CDS werden nicht verboten. (Nackte CDS werden ab naechstes Jahr minimal eingeschraenkt) Das Verkaufen von Risiken wird auch nicht unterbunden, durch Verbriefungen. Derivate schieben Bankrisiken durch die ganze Geld, und keiner weiss wohin.

    2008 ist man noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen, und hat den Systemcrasch gerade so vermieden. Seitdem sind Risiken allgemein gestiegen, aber die Verflechtungen der Finanzhaeuser hat man nicht durch Regulation unterbunden. Alle Produkte sind noch erlaubt, nichts wird besteuert. Jeder leiht jedem Geld, oder zieht es ab, wenn man will. Aber keiner traut mehr keinem ueber den Weg. Deshalb ja die grossen EZB Finanzierungen an die Finanzindustrie. Aber keiner legt mal Regeln auf, und sagt, wie genau eine Bilanz aufgebaut sein muss, von Banken, damit man diesen Risken entgeht.

    Obowhl auch Konzentration im Industirebereich und Handel zu beseitigen ist, geht von da wenigstens keine Systemcrashgefahr aus. Wir werden nur, durch die oligopolen Firmen mehr geschroepft als noetig. Aergerlich, aber zweite Baustelle.

  • Joe - 21. November 2011

    SLE “Das Problem ist vielmehr die Existenz eines Systems von derart eng verflochtenen Großbanken, Finanz-, Versicherungs- und anderen multinationalen Konzernen der Realwirtschaft, die die Märkte dominieren, die Gewinnströme kanalisieren und vor allem: mit dem die globale Wirtschaft und alles was daran hängt steht und fällt und zwar von heute auf morgen, wie der Fall Lehman Brothers gezeigt hat. ”

    Mal angenommen diese Enflechtung gelingt, wird dann alles gut? (Mit “gut” meine ich, dass nicht vorher eine Depression mit oder ohne Hyperinflation durchschritten werden muss. Das nach irgendwann nach einer Depression besser wird, kann schon sein.)

    Aber noch wichtiger, mal angenommen zu dieser Verflechtung wäre es nicht gekommen, wäre dann alles gut?

    Ganz leuchtet mir auch nicht der Zusammenhang zwischen der Finanzkrise und dem Verflechungsgedanken ein. Mit Sicherheit besteht da kein logischer Zusammenhang. D.h. die Existenz des System hätte nicht notwendigerweise in die Krise führen müssen. Grösse ist keine Garantie für Krise. Kleinheit keine Garantie für Wohlstand.

    • SLE - 22. November 2011

      Danke für die kritischen Anmerkungen. Die Konzentration ist m. E. ein zentrales Problem, aber dessen Lösung ist sicher nicht die Lösung aller Probleme. In der aktuellen Situation kann es m. E. nur noch um den Versuch der Schadensbegrenzung gehen. So lange jedoch eine lupenreine Erhaltungspolitik betrieben wird, geht es nicht um Schadensbegrenzung, sondern der Schaden wird im Gegenteil vergrößert.

      Nur mal als Grundlinie gedacht: Ein Schritt in Richtung Schadenbegrenzung (jedenfalls in Europa) wäre es, die seit Dekaden vorgenommene, einseitige begünstigung des “Big Business” zurückzufahren und stattdessen die bisher systematisch geschwächte und heruntergewirtschaftete Säule der klein- und mittelständischen Wirtschaft (intelligent) zu stärken. Damit stiege die Chance einen Wirtschaftseinbruch zumindest zum Teil abfangen zu können. Je höher jedoch die Abhängigkeit von Konzernen ist, desto schwieriger dürfte sich das gestalten.

      Zur Entkräftung des Einwands “Größe ist keine Garantie für Krise” möchte ich – wie es G. Trappe unten auch selbst schon getan hat – auf den folgenden Aufsatz verweisen: http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html

      Davon unabhängig kann ich aber auch aus markttheoretischer Sicht argumentieren, dass Größe auf Märkten eine Garantie für Krise ist: Ich habe das auch genau erklärt und zwar in einem ganzen Buch (“Wettbewerb, Industrieentwicklung und Industriepolitik” (2002)). Das Ergebnis der (theoriegeleiteten) Analyse, die ich 2002 veröffentlichte, war im Kern eine eindringliche Warnung, dass die Entwicklung auf eine Wachstums- und Beschäftigungskrise zuläuft und Instabilität das Resultat sein wird, wenn die Politik den Kurs beibehält. Zwar ist darin nicht explizit vom Finanzmarkt die Rede, aber die Aussagen treffen auch auf diesen zu.

      Grüße
      SLE

  • Kranich05 - 21. November 2011

    Nebenbei gesagt:
    Die Gefahr des Systemcrashs, die von der sog Realwirtschaft ausgeht, sollte bei aller Fixierung auf Finanzprodukte nicht unterschätzt werden, nur weil es dort paar Spezifika gibt. Natürlich gibt es dort nicht Milliardenumsätze in Nanosekunden.
    Bei solchen doch wohl “systemrelevanten Fragen” wie Öl, Wasser, Boden, Eiweiß und etlichen anderen haben wir vielleicht noch das eine oder andere Jährchen Zeit. Historisch gesehen sind das aber auch nur Sekunden.
    Was, übrigens, ist gegen Kapitalismuskritik zu sagen?

  • thomas70 - 21. November 2011

    Miteinander bringt Wohlstand, gegeneinander die Krise.

    • stulle - 21. November 2011

      Genau, “Konkurrenz ist Sünde”. Das haben auch schon andere erkannt und sind mit dieser Definition von Wettbewerbsfähigkeit nicht schlecht gefahren bzw. haben sie andere fahren lassen. Ohne großes Brimbamborium.

  • none - 21. November 2011

    da ich beim letzten Artikel Kritik geübt habe, möchte ich heute auch loben.
    Schön die Zusammenhänge aufgezeigt und mit Quellen belegt! merci

  • JL - 21. November 2011

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    Ihr Beitrag ist sehr lesenswert.
    Leider wurde nicht die Frage aufgeworfen warum dem so ist, wie es nun mal ist- in Deutschland und anderswo.

    Banken und Firmen stehen immer im Wiederspruch zueinander. Während Banken natürlich den größtmöglichen Zins erwirtschaften wollen, versuchen Firmen diesen zu drücken. Durch Übernahmen, Wachstum und Fussionen versuchte man diem Diktat der Banken zu entkommen. Es stellte sich also irgendwann ein nationales Gleichgewicht zwischen Banken und “Großindustie” ein. Dies führte beispielsweise zur ” Deutschland AG”. Diese “Deutschland AG” hielt bis etwa 1995.

    Mit der Globalisierung konnten sich Banken ihre Kreditnehmer neu aussuchen, die Firmen ihre Kunden nicht. Die “Deutschland AG” z. B. zerbrach.

    Und wer war der beste Schuldner mit den besten und sichersten Zinsen für die Banken- der Staat, oder die Staaten.

    Und warum wurden später staatlicherseits die Bankregeln “aufgeweicht”- weil die Staaten sonst keine Kredite mehr von den Banken bekommen hätten, dies hätte wohl vorherigen staatlichen Regulierungen wiedersprochen und währe strafbar gewesen.

    Anschließend mußten die Staaten diverse Banken “retten” weil diese sich mit Staatsschulden “vollgesaugt” hatten, obwohl man keine Sicherheiten für Staatsschulden seitens der Banken vorhalten mußte und diese zusätzlich noch Kredite ohne Bonitätsprüfung vergaben und- geschickt Verpackt- weltweit verkauften (CDS).

    Und, nachdem die Staaten die Banken gerettet hatten sind diese nunmehr so hoch verschuldet, daß diese wiederum von den Banken gerettet werden müssen- wenn dies ihrem Geschäftsinteresse entspricht.

    Nun ja, auch das Imperium Romanum ist an seinen Politikern gescheitert- wie alle anderen Imperien sonst auch.

    Eine Gesellschaftsfrage stellt sich wohl damit nicht.

    Es ist eigentlich nur die Frage, ob man jemanden erlaubt- statt seiner selbst- Schulden aufzunehmen zu dürfen, für die man dann aber später persöhnlich einstehen muß.

    JL

    • SLE - 22. November 2011

      Danke für den Kommentar. Ja, die Politiker tragen die Verantwortung. Wenn man beispielsweise an die ergebnislose Arbeit der Sonderkommission aus Demokraten und Republikanern an einem Einsparkonzept denkt, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass sie mit Verantwortung offensichtlich nichts am hut haben. Eiskalte Klientelpolitik ist es, was (auch und gerade) dort stattfindet. Aber nur mal als gedankliches Experiment: Wieviel interessenpolitik würde es in einer Volkswirtschaft geben, in der es nur kleine und mittelgroße Unternehmen, Banken, Zeitungen, Händler etc gäbe? Ich sage gar nicht, dass das in dieser Form erstrebenswert ist. Aber wenn man sich das einmal so vorstellt, sieht man schon eher das Problem, das ich angesprochen habe.

      Grüße
      SLE

  • rase - 22. November 2011

    ein feiner artikel. zwei anmerkungen hätte ich noch:

    1. es gibt keine ‘kapitalismus’- oder ‘finanzkrise’. das dem kapitalismus zu grunde liegende prinzip ist akkumulation, daß das funktioniert beweist uns das tagesgeschehen. wir leiden also m.e. weniger unter einem systemversagen, sondern dem erfolg dieses systems. dieser perspektivenwechsel scheint mir wichtig, auch im hinblick auf den umgang mit der ‘krise’.

    2. die gleichsetztung von ‘freier marktwirtschaft’, ‘freien märkten’ und ‘kapitalismus’ ist ein meisterstück neoliberaler propaganda, denn wenn (kapital)akkumulation im kapitalismus systemimmanent ist, tendiert dieses system zur monopolbildung. monopole sind nun aber das genaue gegenteil eines ‘freien marktes’. ich fürchte also eher eine lösung oder gar überwindung der krise, also die forderung nach mehr finanzmarkt und ‘funktionierendem’ kapitalismus, bzw. würde entschieden das gegenteil bevorzugen, also weniger akkumulation, weniger monopole etc.

    wir beobachten doch etwas ganz anderes: socialism for the rich, free markets for the poor. speziell auf dem arbeitsmarkt. banken und großvermögen wird mit steuergeldern gerettet, und auf dem arbeitsmarkt streitet man sich um den mindestlohn, da das konkurrenz-system für das funktionieren des system unabdingbar sei. 3€ die stunde für die rumänen in den fleisch-zerlegebetrieben inkl. homestay im vom chef gegen ein unkostenentgeld gestellten (wohn)container. sklaverei. jeder weis das das system so ‘falsch’ ist, aber das ist dann der moment wo besitzstandswahrung und kognitive dissonanz an die tür klopfen. ‘ja aber.’ daran wird auch die ‘we want the right to do shopping, too – occupy wallstreet’ bewegung scheitern. ein paar brosamen und ein paar sündenböcke, und weiter geht die umverteilung.

    beste grüße,
    raser

  • Georg Trappe - 22. November 2011

    @ Joe
    “Ganz leuchtet mir auch nicht der Zusammenhang zwischen der Finanzkrise und dem Verflechungsgedanken ein. Mit Sicherheit besteht da kein logischer Zusammenhang. D.h. die Existenz des System hätte nicht notwendigerweise in die Krise führen müssen. Grösse ist keine Garantie für Krise. Kleinheit keine Garantie für Wohlstand.”

    Schauen Sie bitte mal hier:

    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html

    Und dann sagen Sie mir bitte, ob diese Betrachtung fuer Ihren Geschmack genug Logik enthaelt oder nicht.

    • SLE - 22. November 2011

      Den Aufsatz kann ich nur empfehlen. Sehr erhellend.

  • rase - 22. November 2011

    @ joe

    ‘Grösse ist keine Garantie für Krise. Kleinheit keine Garantie für Wohlstand.’

    größe ist zumindest ein erfolgsfaktor für die finale krise. dazu gibt es einen lesenwerten aufsatz von herrn peter kafka:

    http://www.langelieder.de/kafka-gbk.html

    den mann kann man schlecht als esotheriker abtun. da bekommt das ‘too big to fail’ eine ganz neue dimension. ich finde den ansatz gut, weil er ohne jede ‘moral’ daherkommt – vielleicht kann man sich ja so eher treffen.

    beste grüße,
    rase

  • dicke Bertha - 22. November 2011

    Bittere Wahrheiten.

    Nicht nur die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sind weltweit beschränkt, sondern auch
    die Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie.

    Dann kämpft mal schön gegeneinander.
    Und schiebt immer grössere Teile der Bevölkerung in den Niedriglohnsektor ab.

    Nur am Ende habt ihr keines der Probleme gelöst.

    • micdinger - 22. November 2011

      Sehr richtig erkannt. Global wächst die Arbeitslosigkeit.

      http://www.jjahnke.net/wb/wochenbrief90-77311234x.html#wb90.181

    • SLE - 22. November 2011

      …. das nennt man dann “Angebotspolitik” und die sehe ich auch kritisch.

      Es muss beides gesehen werden: die Angebotsseite und die Nachfrageseite. Und es muss beides berücksichtigt werden, wenn eine prosperierende Marktwirtschaft in dem Sinne angestrebt wird, dass sich beide Seiten positiv entwickeln. Was stattdessen seit Jahren geschieht ist aber zudem eine selektive Angebotspolitik, das heißt, nur bestimmte Teile der Wirtschaft werden fokussiert. Deren Prosperität wurde vom Rest der Wirtschaft und von den Nachfragern (insb. auch Arbeitnehmer) im wahrsten Sinne des Wortes “bezahlt” – zu einem wohl nicht geringen Anteil aus der Substanz.

      Leider gibt es unter den Ökonomen jede Menge Angebotstheoretiker und auch einige Nachfragetheoretiker – in der Politik ist es nicht anders. Aber finden Sie mal einen, der beides zu einem aussagekräftigen Ganzen verbinden und erklären kann, wie man es besser machen kann. Ich habe es versucht – jedenfalls für den Bereich “dynamische Markttheorie”. Aber mit “dynamischer Markttheorie” bzw. “Entwicklung von Märkten” haben die führenden ökonomischen Schulen rein gar nichts am Hut. In der Beziehung ist die Welt für die immer noch eine Scheibe.

      Es gibt also noch reichlich zu tun.

      • Tourist - 22. November 2011

        “Es muss beides gesehen werden: die Angebotsseite und die Nachfrageseite. Und es muss beides berücksichtigt werden, wenn eine prosperierende Marktwirtschaft in dem Sinne angestrebt wird, dass sich beide Seiten positiv entwickeln.”

        JA wozu brauch ich denn überhaupt noch den Markt, wenn ich Angobts- und Nachfrageseite soooo beeinflusse, um nicht zusagen wirtschaftpolitsch PLANE, damit sie aufeinander abgestimmt werden können^^

        Dann kann ich auch direkt fragen: “Was wollt und braucht ihr, liebe Mitmenschen? … Ach das! Ok dann schmeissen war mal die Maschinen an!”

        Dann kann ich die Anonymität des Marktes und den Markt ansich vollends aufgeben und alles bewusst (!!!!!!) aufeinander abstimmen!

        Was ja auch in meinem Sinne wäre^^.

    • SLE - 22. November 2011

      Sie könnte mein Buch von 2002 gelesen haben – jedenfalls ist die Analyse m. E. völlig korrekt.

  • Joe - 22. November 2011

    rase: denn wenn (kapital)akkumulation im kapitalismus systemimmanent ist, tendiert dieses
    system zur monopolbildung.

    joe: daher ziehe ich es vor von profitorientierter marktwirtschaft (pm) zu sprechen. die marktteilnehmer werden also alles unternehmen, um den profit zu steigern und dazu gehört die auschaltung des wettbewerbs bzw. die bildung von monopolen.

  • Tourist - 22. November 2011

    Tag zusammen, EINSPRUCH!!!!!!

    für oder gegen den Kapitalismus zu sein, soll schlecht sein? Find ich nicht! Ich bin eindeutig dagegen bzw. was dasselbe ist, gegen die Marktwirtschaft! Es gibt ja auch nicht ein bisschen schwanger!

    Marktwirtschaft bedeutet für den Markt zu wirtschaften!!!!!

    Wir sollten aber für unsere Bedürfnisse wirtschaften! Wir brauchen den Umweg über den Markt nicht! Die Marktwirtschaft dreht das Verhältnis von Bedüfrnis und Produktion auf den Kopf und zerreißt es stellenweise sogar vollends!

    Es ist genau dieser Umweg, ja sogar IRRWEG für den Markt, also für die Anonymität zu produzieren, der das Fenster dieser schädlichen Fehlentwicklungen, arbeitslosigkeit, Überproduktion, Umweltschädigung usw.. erst hervorruft!

    Also man muss für potentielle Konsumenten produzieren, obwohl man nicht weiss, ob das Produkt auch ein Verkaufsschlager wird, letztlich also ausreichend Umsatz abwirft!

    Wir produzieren ins Blaue ….und für diese Markt-Blauäugigkeit soll ich eintreten?

    KEIN Stück weit, da hilft auch keine Besänftigung und Versuche diese Blauäugigkeit in Bahnen zu lenken und einzufangen, um vermeintliche Excesse einzudämmen.

    DARIN liegt der ganze Skandal der Marktwirtschaft mit samt den schädlichen Mechanismen, eben für diese Anoymität zu produzieren!

    Das einzige was zu retten gilt aus der Marktwirtschaft sind die Rosinen der Produktivität. Es ist die Umstrukturierung der Produktionsstruktur zu gunsten der direkt ermittelten Bedürfnisse und zugunsten der Nachhhaltigkeit und zugunsten des Friedens, was anzustreben gilt. DAS ist die eigentliche Aufgabe, vor der wir stehen!

    Wer für die Anonymität, heisst den Markt, produziert, lebt in Unsicherheit, ständiger Anspannung und unter ständigem Konkurrenzdruck, der sich hochschaukeln kann von zickigen Bürorivalitäten bis hinauf zu völkermordenden Kriegen!

    WEEEEGGG mit dem Scheiss Marktwirtschaft! Wir brauchen keine “wahre” oder “reformierte” Marktwirtschaft an der man an einigen Stellschrauben dreht, damit ja alles gut geht! Denn eins haben alle Versionen der Marktwirtschaft gemeinsam. Sie sind Produktionsstätten für die Anonymität!

    Und angeblich soll ja der Mensch im Mittelpunkt der Marktwirtschaft stehen!! Das ich nicht lache…

  • Frederik Weitz - 22. November 2011

    Ein schöner Artikel, der vielleicht, wie einige Posts hier monieren, weniger zu der Occupy-Bewegung sagt, als vielmehr zu den argumentativen Voraussetzungen, wie im Moment Weltbilder entstehen.

  • Joe - 22. November 2011

    “Auch die massiv schaedliche Wirkung dieser Konzentrationsprozesse auf die Qualitaet der wirtschaftlichen Entwicklung ist bekannt, sowie es auch ernstzunehmende Vorschlaege zu ihrer Ueberwindung gibt.”

    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html

    Das solche Konzentrationsprozesse schädlich sind, ist nicht zu bezweifeln. Die entscheidende Frage aber ist, wieso es zu solchen Konzentrationsporzessen überhaupt kommt, obowhl sie ursprünglich natürlich nicht vorhanden sind. Wieso müssen Kartelle in einer freien Marktwirschaft verboten werden und wieso bilden sie sich doch immer wieder? Auch jetzt sehen wir wie sämtliche Gesetze einfach aufgeweicht oder im Sinne der Konzentration einfach umgeschrieben werden. Was ist die Ursache für diesen Willen zur Konzentration, das ist die Frage.

    • SLE - 22. November 2011

      Eine Erklärung dafür könnte die sein, die Rudolf Hilferding, der geistige Vater der sog. Stamokap-Lehre (Staatsmonopol-Kapitalismus) gab (Das Finanzkapital, 1910). Märkte entwickeln sich und reifen und mit zunehmender Reife beginnt ein Konzentrationsprozess, bei dem am Ende oligopolistische Verhältnisse herrschen. (Hinzu kommt seit den 80er Jahren: Um der Globalisierung der Märkte Rechnung zu tragen, hat man als Bezugspunkt nicht mehr die nationalen, sondern eben die globalen Märkte zum Bezugspunkt für die zulässige Unternehmenskonzentration genommen – deswegen gibt es so große transnationale Konzerne.) Wenn das Reifestadium kennzeichnend für eine ganze Volkswirtschaft ist, so Hilferdings These, wird das System instabil und krisenanfällig und der Staat ist dann mehr oder weniger gezwungen die Oligopolisten zu stützen – er wird quasi zum Reparaturbetrieb der Marktwirtschaft. Zudem gibt es unter solchen Gegebenheiten aber auch eine starke Interessenübereinstimmung zwischen Politik und Oligopolisten.

      Ich denke, dass viel für diese Erklärung spricht. Politik und Oligopolisten ziehen an einem Strang. Das ist natürlich noch nicht die ganze Erklärung. Hinzu kommt, dass in den Wirtschaftswissenschaften nach herrschender Auffassung oligopolistische Märkte die besten Voraussetzungen für Innovation, technischen Fortschritt und damit Wirtschaftswachstum (und Beschäftigung) bieten, wobei bedingt durch die Globalisierung zunehmend engere Oligopole akzeptiert wurden. Diese Auffassung teile ich natürlich nicht.

      Den Zusammenhang habe ich einmal anschaulich und mit Beispielen versehen erklärt – falls sich jemand dafür interessiert: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/01/finanzmarktkrise-und-wirtschaftssystem.html

      Grüße
      SLE

  • Tourist - 22. November 2011

    Hilferding: Problem mit ihm ist das er selbst Reformer bleibt!

    Seine Analyse setzt klipp und klar und das ist das erwähnenswerte an ihm, das wertschöpfende, also arbeitsintensive Kapital ins Zentrum der Marktwirtschaft und aus diesem wird DANN das Finanzkapital abgeleitet!

    So is es!!!!!!!! Arbeit, Arbeit, Arbeit!!!! Ebenso erkennt er den Aufstieg des Finanzkapitals in der Fehlentwicklung des arbeitsntensiven lohnauszahlenden Industriekapitals, also in der Marktwirtschaft!

    Nur gehört Hilferding zu den Gestalten, die leider hinter ihren eigenen Erkenntnissen zurückfallen! Denn die Verschmelzung von Staat und Kapital ansich funktioniert mit jeder Kapitalform, also auch mit dem Industriekapital und nicht NUUR mit dem Finazkapital!

    Kurz: Wie so häufig bei Reformern will Hilfderding den Bock bzw. den KrisenMITverursacher Staat zum Gärtner machen!

    Weiterhin sind Hilfdering die Grenzen des Reformismus garnicht bewusst, der ist nämlich nur nationalstaatlich! An der Landesgrenze ist Schluss! UND unter Weltmarktbedingungen ist DANN der Reformismus kein Gestalter der Krise der Marktwirtschaft, sondern die Weltmarktbedingungen setzten dem Reformismus mal ganz klar die auszulotenden inhaltlichen Grenzen! Siehe China! Vor allem, wenn bspw. Industriekapital und Eigentümerstrukturen zugleich über Landesgrenzen hinweg sich entwickeln! Welchen Interessen hat unter solchen ökonomischen Struktur- und internationalen Eigentümerverhältnissen der nationale oder auch staatenbündische Reformismus zu dienen, wenn beides nicht deckungsgleich ist!

    Kurz: Eigentümer- und Konsumenteninteressen und reformerische EntscheidungsREICHweite fallen auseinander!
    DASS ist übrigens der Grund, warum die SPD unter Schröder dem internationalen Finanzkapital Tür und Toren geöffnet haben mit ihren sogenannten Reformen! Damit ihr sozialdemokratische bestzter reformwilliger NationalStaat INTERNATIONAL mitspielen darf!

    Der Reformismus ist strukturell zwanghafter Betreuer der Fehlentwicklungen der Marktwirtschaft und nicht die Lösung ihrer Fehlentwicklungen!

    Oder noch einfacher: Man kann Alkoholismus nicht mit Alkohol bekämpfen!

    Sondern mit dem Entzug bzw. Abschaffung schädlichen Gesöffs!

  • Georg Trappe - 23. November 2011

    @ Joe
    “Die entscheidende Frage aber ist, wieso es zu solchen Konzentrationsporzessen überhaupt kommt, obowhl sie ursprünglich natürlich nicht vorhanden sind. Wieso müssen Kartelle in einer freien Marktwirschaft verboten werden und wieso bilden sie sich doch immer wieder?”

    Die Erklaerung, die das Modell liefert ist: Es genuegt Streuung und die staendige Reinvestition der Gewinne. Fuer mich habe ich das aus dem Abstrakten so uebersetzt:
    Menschen sind sehr unterschiedlich. Daher streut ihr Erfolg wenn sie wirtschaftlich taetig werden ebenfalls stark. Das kombiniert mit der Erfolgsformel Ersparnisse und Gewinne moeglichst konsequent immer wieder zu reinvestieren, um so die Produktiviaet und die Wettbewerbsfaehigekeit zu steigern reicht aus, um diesen Konzentrationsprozess in Gang zu setzen und wie in dem mathematischen Modell ablaufen zu lassen. Das im wahren Leben noch einiges hinzu kommt ist auch klar. Aber die beiden Komponenten reichen alleine aus!
    Und daher auch die Beobachtung dass das Problem wie Unkraut nachwaechst.
    Aus meiner Sicht reicht da nicht eine einmalige Korrektur, sondern es muss ein kontinuierlicher Weg gefunden werden, der dieses Problem auf eine zivilisierte Weise, am besten auf Basis eines breiten gesellschaftlichen Konsens, eindaemmt. In der Studie aus Minnesota klingen ja erste Ideen in diese Richtung an. Ob das wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, weiss ich nicht. Ich wuerde sagen das muss in einer breiten oeffentlichen Debatte abgeklaert werden. Zuvor aber muss das Bewusstsein um die Existenz dieses Problems hergestellt werden. Das groteske ist ja, das die vorherrschende Ideologie behauptet die Foerderung dieses Effekts sei der beste Weg um zu einer prosperienden Wirtschaft zu kommen. Und das ist in den Koepfen tief und fest verankert. Es gilt also eine harte Nuss zu knacken.
    GT

    • Tourist - 23. November 2011

      “Aus meiner Sicht reicht da nicht eine einmalige Korrektur, sondern es muss ein kontinuierlicher Weg gefunden werden, der dieses Problem auf eine zivilisierte Weise, am besten auf Basis eines breiten gesellschaftlichen Konsens, eindaemmt.

      “Zuvor aber muss das Bewusstsein um die Existenz dieses Problems hergestellt werden. Das groteske ist ja, das die vorherrschende Ideologie behauptet die Foerderung dieses Effekts sei der beste Weg um zu einer prosperienden Wirtschaft zu kommen. Und das ist in den Koepfen tief und fest verankert. Es gilt also eine harte Nuss zu knacken.”

      Es gilt vor allem Wirtschaft ansich völlig neu zu denken und welchen Zwecken sie dienen soll! Solange eine Wirtschaftsweise nicht unmittelbar, also auf direktem Wege seine eigentlichen Zwecke verfolgt (Bedürfnisbefriedigung), sondern Umwege gehen muss über anonyme Märkte oder Selektionsmechanismen a la Gewinnmaximierung als ökonomische Mindestexistenzbedinung in Form von einem kostendeckenden Verhökern, werden eben diese Mittel getrennt sein von den eigentlichen Zwecken! Es gilt Zweck und Mittel wieder zusammenzuführen, ohne wenn und aber!

      Wenn die Mittel (Produktionene für anonyme Märkte, Gewinnmaximierung usw…) zunehmend zum Selbstzwecke werden, sind die EIGENTLICHEN Zwecke Nebensache! Willkommen in der Marktwirtschaft, der größten Halluzination der Geschichte!
      Weg mit ihr! Nur so können Mittel und Zwecke wieder auf gleicher Ebene funktionieren und die Mittel wieder den Zwecken ausgerichtet werden! Die Mittel muessen direkt an die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet sein und nicht an dazwischenliegenden Unfug, wie Markt!

      Brot ist zum Essen da!
      Hunger, Brot produzieren, Essen, Brot produzieren, Essen, Brot produzieren, Essen… So einfach ist das!
      In der Marktwirtschaft klappt dieser simple Zusammenhang nicht bzw. er gelingt nur über die unnützesten, abstrakten und anonymsten Umwegen Und diese Umwege müssen weg!

      • Georg Trappe - 24. November 2011

        @ Tourist
        Ich denke, ich verstehe was Sie meinen. Ich wohne hier an einem sehr landwirtschaftlich gepraegten Ort. Im wesentlichen Reisbauern die auch noch etwas Gefleugel oder ein paar Schweine gross ziehen.
        Die Frage ist, warum vertickert der Reisbauer seinen Reis, sein Huehnchen sein Schwein nicht selber? Warum gibt er das Schwein zum Schlachten an die Metzgerin, die das Tier zerlegt und mit Gewinn verkauft. Mit soviel Gewinn, das der andere Reisbauer zu ihr kommt und sich bei ihr Geld leiht um sich einen Kubota Iron Bull kaufen zu koennen, mit dem er sein Feld leichter fluegen kann. Natuerlich gegen erhebliche Zinsen. Die Metzgerin, eine nette Frau, ist so zu einer der reichsten Personen im Dorf geworden. Innerhalb weniger Jahre. Und alle essen Reis, Huehnchen und Schweinefleisch. Kaum Umwege. Nur eine Indirektion und die Vorstellung Arbeitsteilung sei eine tolle produktivitaetssteigernde Sache.
        Wenn man das jeden Tag vor Augen hat, wird man nachdenklich. Dann faengt man an das auf die globalen Ablaeufe zu extrapolieren. Und dann entdeckt man eine Systematik. Skaleninvariant, selbstaehnlich. Und fragt sich was steckt dahinter? Und wie kann man die probleme, die daraus entstehen entschaerfen oder sogar loesen?
        Zumindest ist das der Punkt bis zu dem ich bisher vor dringen konnte. Wenn Sie weiter sind, dann erklaeren Sie es mir bitte.
        GT

        • Tourist - 24. November 2011

          Ich bin nicht sicher was sie meinen^^? Aber zum Thema Arbeitsteilung ist nur das zusagen!
          Diese vollzieht sich auschließlich nach der Rentabilität! Und nicht nach Effektivität!

          Kurz: Erst wenn eine Spezialisierung Gewinn bzw. Umsatz abwirft, wird sie unter marktwirtschaftlichen Bedingungen vollzogen! Tut sie das nicht, wird sie eingestellt, OBWOHL die Bedürfnisbefriedigung ja noch zu vollziehen ist!

          Somit unterliegt eine monetär ausgerichtete Arbeitsteilung einer völlig anderen Zwecksetzung, als die Arbeitsteilung zur Befriedigung der Bedürfnisse! Diese Arbeitsteilung ist dann abhängig vom Geld und nicht vom Gelingen der Bedürfnisbefriedigung!

          Weiter bin ich in der Tat nur in der Kritik an dieser Markt-Wirtschaftsweise!

          Für alternative Produktionsstrukturen weiss ich nur, dass jegleich Produktionskoordinationen von wesentlichen Bedingungen abhängig sein müssen, die die Marktwirtschaft nicht liefert!

          1. Mittel und Zweck der Produktion direkt aufeinander abstimmen und Umwege ausschalten!

          2. Nachaltigkeit berücksichtigen! Soll bspw. heissen: Wenn aus einem Baum zwei Tische gezimmert werden können, und dieser Baum 15 Jahre braucht zum nachwachsen, dann ist klar, das diese Tische 15 Jahre halten muessen oder eben zwei Bäume gepflanzt werden muessen, falls man 4 Tische benötigt! usw..

          3. Vorausplanen: Soll heissen: Wenn man für eine bestimmte Menge Brot eine bestimmte Hektaranzahl Äcker benötigt, um eine bestimmte Menge an hoher Sättigung über Zeiträume hinweg hinzubekommen, dann is klar, wie das Verhältnis aus der Bewirtschaftung eines Stück Ackerlandes auszusehen hat, um die Bedürfnisbefriedung mit Brot z.B.auf einem konstanten ausreichend hohen Level zu gewährleisten, ohne ins unendliche wachsen zu muessen, wie unter marktwirtschaftlichen Bedingungen!

          Kurz und gut: Wieviele Produktionsmittel verbraucht werden hängt von einer ausreichend überschüssigen Obergrenze ab, die zur Befriedigung von Bedürfnissen benötgt wird! Wieviele Leiber Brot isst jeder Mensch am Tag ? 1 Laib Brot zu 500gr., seien wir großzügig und gönnen jedem Menschen ein Kilo Brot am Tag, dann kann mit Überflussgrenzen zurückverfolgt werden, wieviel Ackerland bewirtschaftet werden muss, um den Zufluss und die Sicherstellung von Brot im Überfluss mit einer Obergrenze zu gewährleisten!

          Mit so einer koordinitven Wirtschaft, wenn die Grundbedürfnisse und deren Befriedigung ausreichend gesichert sind, was plantechnisch mit unseren Produktivitätsmöglichkeiten ohne Zweifel machbar wäre, könnten die Menschen die restliche Zeit mit der Erforschung und Erfindung weiterer sinnvoller und besserer Produktionsideen verbringen!

          Eigentlich geht es nur darum die Fehler der Marktwirtschaft zu vermeiden! Wir muessen wissen wofür, wievviel und für wen wir produziere! Produktion unter marktwirtschaftlichen Rahmenbedinungen weiss das nicht!

          Der Bäcker bspw. weiss nur:” Ahah, ich habe soviel Gemein- und Einzelkosten, ich lege die als Kostenträger um , kenne dann irgenwann nach Rechnereien die Stückosten, schaue nach, wieviel die Konkurernz für Brot verlangt und weiss DANN erst wieviel Brotlaiber ich produzieren und verkaufen muss! Fallen jetzt auch noch die Preise, weil bspw. eine Konkurrent mehr Laiber und günstiger anbeiten kann, also mehr Marktanteile abgräbt, dann muss der Bäcker ebenso um am Markt überleben zu können, produktiver werden und mehr Brotlaiber produzieren und zu ebenso günstigeren Preisen anbeiten! Somit geht Preisverfall, Massenkonsum einher mit wachsender Verschwendung von Produktionsmitteln.

          Das meine ich unter anderem mit Umweg! Erst wenn die marktwirtschaftlichen Bedingungen im Bäckerbeispiel vollzogen sind, kann Brot ver- bzw. gekauft werden und erst dann kommt es zu einer Befriedigung, falls man – nächste marktwirtschaftliche Bedingung – Kaufkraft nachweisen kann!

          Mit Bedürfnisbefriedigung ansich hat das alles nichts zu tun, nur sehr indirekt^^!

          Ich hoffe, ich habe ihr Anliegen irgendwie beantwortet!

          • Georg Trappe - 25. November 2011

            Ja, das haben Sie. Vielen Dank. Das der Markt nicht funktioniert, war mir klar. Das er zu vollkommen perversen Entwicklungen fuehrt auch. Z.B. dass jeder der ein gaengiges Konsumgut kauft (Ausnahmen sind Lebensmittel, Energie) inzwischen weit mehr fuer Marketing, Vertrieb, Admin bezahlt als fuer Direct Material und Direct Labour. D.h. wir zahlen im wesentlichen dafuer, dass man uns den Kram aufschwaetzt. Das ist aus meiner Sicht die direkte Folge des deflationaeren Drucks, der entsteht wenn ueber sehr lange Zeiten Gewinne und Ersparnisse konsequent in produktivitaetssteigernde Massnahmen reinvestiert werden. Das fuehrt zu dieser sog. “Dienstleistungsgesellschaft”, in der die Produkte, die zu minimalen Kosten hergestellt werden koennen, den Leuten durch “Dienstleister” in Marketing, Vertrieb etc. aufgeschwatzt werden. D.h. irgendwann besteht die gut bezahlte “hoch qualifizierte” Arbeit der meisten Leute darin, sich gegenseitig das Gehirn zu waschen um Beduerfnisse zu wecken, die eigentlich nicht da sind.
            Ueber Ihre Idee, das durch eine irgendwie geartete Koordination abzustellen und die so frei gesetzten Potentiale besseren Ideen zuzufuehren, muss ich nochmal ausfuehrlicher nachdenken. Das spontane Fragezeichen, das in meinem Kopf entsteht ist, welche Instanz ist zu so einer Koordination faehig und legitimiert und welche Instanz weiss, was die besseren Ideen sind? Die Maerkte sind ganz offensichtlich eine suboptimale Wahl, zumindestens in der Form, wie sie heute gestaltet sind.

  • M.M. - 23. November 2011

    The model is the message
    Hier wird mal wieder verschleiert, dass ein “Naturgegebener” Prozess von Menschen ausgeht.
    Max Keiser hat das gestern mal wieder fein gesagt:
    Wer hat den die Direktive 1.25 an der Wallstreet ausser Kraft gesetzt? So daß Banker mit mehr derivaten handeln konnten ?
    Och und der nette Herr Lambsdorff, ganz vergessen, dass der gehen durfte als er von Regeln sprach?
    Pfui, Bäh, Globalisierung heisst gegen Regeln.
    Man hat aber ein paar übrig gelassen, die gegen die unliebsame Konkurrenz aus der zweiten Klasse, wie da Patentrecht und so weiter.
    In Israel kann ich gentechnisch machen was ich will, aber welche Firma kann nach Israel auswandern.
    Tun sie doch nicht so, als ob es einen Markt gibt. Zuerst sollte mal einer eingeführt werden, welcher sehr schnell zur Bereinigung führen würde, wie es in der Marktwirtschaft dringend erwünscht ist. Wenn Sie Banken stützen, dann haben Sie Stamokap, den könnse selber fressen.

  • Joe - 23. November 2011

    GT: “Aus meiner Sicht reicht da nicht eine einmalige Korrektur, sondern es muss ein kontinuierlicher Weg gefunden werden, der dieses Problem auf eine zivilisierte Weise, am besten auf Basis eines breiten gesellschaftlichen Konsens, eindaemmt.”

    Hat man nicht nach dem 2. WK auf “zivilisierter” Weise versucht Kapitalismus zuzulassen? Um ihm ein freundliches Gesicht zu geben, hat man sogar von “sozialer Marktwirtschaft” gesprochen. Hat es nicht genug Korrekturmechanismen gegeben, um vor allem im Bankebereich auswüchse zu verhindnern. Und was ist daraus geworden? Sämtliche Korrekturmechanismen haben versagt. Ich denke über die Gründe für dieses Versagen sollte man zuerst nachdenken, bevor man darüber nachdenkt wieder Kontrollmechansmen einzuführen, denn auch diese werden versagen.

    SLE: Ich denke, dass viel für diese Erklärung spricht. Politik und Oligopolisten ziehen an einem Strang. Das ist natürlich noch nicht die ganze Erklärung. Hinzu kommt, dass in den Wirtschaftswissenschaften nach herrschender Auffassung oligopolistische Märkte die besten Voraussetzungen für Innovation, technischen Fortschritt und damit Wirtschaftswachstum (und Beschäftigung) bieten, wobei bedingt durch die Globalisierung zunehmend engere Oligopole akzeptiert wurden. Diese Auffassung teile ich natürlich nicht.

    Wieso ziehen Politik und Oligopol an einem Strang? Da muss man ansetzen. Die Wirtschaftswissenschaften sind doch nur die Ideologie der herrschenden Klasse. Wieso soll man sich darüber wundern, dass sie Oligopolie als ideale Lösung darstellen.

    • Georg Trappe - 24. November 2011

      @Joe
      Sehen Sie bitte mal etwas weiter oben meine Antwort an Tourist. Da wird hoffentlich klar, wo ich mit meinen Denken und Nachdenken stehe.
      -
      Das der Eindruck entsteht, das saemtliche Korrekturmechanismen versagt haben ist klar. Ich sehe es aber so, das die Vorstellung ein einmal etablierter Mechanismus stabilisiert das Ding auf alle Zeiten falsch ist. Ich betrachte die “Stabilisierung” als eine ewig fortbestehende Gestaltungsaufgabe, der man sich stellen muss und die man nicht an irgendwelche magischen Haende delegieren kann. Wirtschaft ist also eher etwas, wie ein Besenstiel, den man auf der Fingerspitze balanciert, um die Dinge einigermassen im Lot zu halten. Das Ding ist kein gleichgewichtsnahes System. Es strebt auch kein Gleichgewicht an. Vielmehr entwickelt es sich staendig. Differenziert sich aus und schafft Ungleichgewichte aus sich heraus. Das faengt im Kleinsten an und manifestiert sich auf allen Ebenen. Individuen, Firmen, Konzerne, Gemeinden, Laender, Staaten, Staatenverbuende. Die Frage wie gehen die Staerkeren mit den Schwaecheren um, muss immer wieder neu beantwortet werden, weil diese Farge immer wieder nachwaechst. Die Antwort, wir geben den Schwaecheren billigen Kredit und wenn es uns zuviel wird erhoehen wir die Zinsen von heute auf morgen um ein Vielfaches ist, wie man sieht, eine der destruktivsten Antworten die man auf diese Frage geben kann. Kredit alleine ist keine Antwort. Zuwendung, Zusammenarbeit und viel Geduld muessen hinzu kommen, sonst wird das nichts.

      • Tourist - 24. November 2011

        so is es^^

        “Ich betrachte die “Stabilisierung” als eine ewig fortbestehende Gestaltungsaufgabe”

        auf die Gefahr hin mich zu widerholen: Das Maß für diese Stabilisierung sind Obergrenzen zur gelingenden Bedürfnisbefriedigung, welche natürlich selbst anpassungsfähig sein müssen und immer neu bestimmt werden sollten! Nicht mehr und nicht weniger! Allein dieses Kriterium sollte im Zentrum unserer gesellschaftlichen Insitutionen liegen, auch unser Fortschritttsgedanke daran ausgerichtet sein, nicht die Gewinnmaximierung, weg mit ihr, mit samt dem Marktblödsinn!

  • Georg Trappe - 25. November 2011

    Hier noch ein Aufsatz, in dem ebenfalls eine Ahnung, eine sehr schemenhafte skizziert wird, die aber auf die gleichen Punkte hindeutet.
    http://www.adbusters.org/magazine/99/end-consumerist-model.html

  • Joe - 26. November 2011

    RE: GT

    Weshalb kommt es zur Konzentration? Sieht man genau hin, dann erkennt man, dass sie sich auf zwei wichtige Komponenten zurückführen lässt: Profit und Macht. Diese beiden sind freilich nicht unabhängig voneinander. Profit erklärt eher das Entstehen von wirtschaftlicher Konzentration, auf Seiten der Politik spielt eher der Faktor Macht eine Rolle. Im Grunde genommen war das beim erneuten Hochfahren der Profitorientieren Marktwirtschaft nach WK II (und nach der Planwirtschaft im Nationalsozialismus) bekannt und man hat entsprechende Kontrollmechanismen eingebaut, die ein Wiederholen einer grossen Depression (Ursache für WK II) verhindern sollte. Im Nachhinein zeigt sich, dass es nicht so sehr auf „eine ewig fortbestehende Gestaltungsaufgabe“ (GT) angekommen wäre, sondern eher eben auf das Verhindern einer solchen Gestaltung. Tatsächlich kann Macht, wenn man sich mal entschieden hat sie zuzulassen, nur durch Macht verhindert werden. Um also Konzentration in Politik und Wirtschaft zu verhindern, bedarf es machtvoller, unabhängiger Institutionen, die sich auch in kritischen Phasen als stabil und zuverlässig erweissen (also genau das Gegenteil, von dem was wir beobachten) und sich nicht beliebig, nach Wünschen der Mächtigen oder sonstigen Wünschen, gestalten lassen. Offensichtlich eine schwierige Aufgabe.

1 Trackback