Fitch stuft Spanien herab

von am 7. Oktober 2011 in Allgemein

Die Ratingagentur Fitch hat heute Abend die Kreditwürdigkeit Spaniens um zwei Stufen von AA+ auf AA- herabgestuft, auf die unterste Stufe eines High Grade bzw. drei Stufen unter einem Triple A. Das Rating Outlook für Spanien ist dazu negativ. Die spanische Finanzministerin Elena Salgado hatte noch gestern mitgeteilt, dass die für 2011 angestrebte Staatshaushaltsdefizitgrenze von 6% des nominalen BIP eingehalten werde. Fitch hingegen sieht die Bemühungen der Zentralregierung durch die Risiken der Haushalte aus den einzelnen regionalen Regierungen gefährdet. Weiterhin wertete Fitch die schwindenden Wachstumsaussichten und die sehr hohe Arbeitslosigkeit negativ, da sie einer Konsolidierung des Staatshaushalts entgegen stehen.

Weiter legte Fitch die Wunde in die hohe Auslandsverschuldung Spaniens, welche das Land anfällig für externe Schocks macht. Der Level der Nettoauslandsverschuldung aller Sektoren der Volkswirtschaft  sei einer der höchsten in der Welt. Passend dazu berichtete gestern die spanische Notenbank (Banco de España) die aktuellen Daten. Ganz entgegen allen vermeintlichen Verbesserungen durch die Sparanstrengungen, stieg die Nettoauslandsverschuldung aller Subjekte der Volkswirtschaft weiter und durchbrach zum 2. Quartal 2011 erstmals die -1 Billion Euro Marke. Die Nettoauslandsverschuldung (Net International Investment Position (NIIP)) zog auf -1,0213 Billionen Euro an bzw. auf -93,7% des nominalen BIP und ist damit um satte -6,0 Prozentpunkte zu Q2 2010 gewachsen.

Die Nettoauslandsverschuldung aller Sektoren seit Q4 1992 bis Q2 2011 in Mrd. Euro im Chart. In Q2 2011 stieg das NIIP auf -1,0213 Billionen Euro. Ein Anstieg von 94,733 Mrd. Euro zum Vorjahresquartal. Nur seit Q2 2003 hat sich die Nettoauslandsverschuldung von -341,088 Mrd. Euro bis Q2 2011 verdreifacht!

Interessant bei der Betrachtung des NIIP, nur wenige Länder übertreffen Spaniens Negativsaldo in der Relation der Auslandsverschuldung zum BIP. So Portugal mit zuletzt -110% des nominalen BIPs und Griechenland mit -100% des BIPs. Nicht wirklich überraschend. Überraschend hingegen das NIIP von Italien lag nur bei -24% des BIPs, jeweils nach Datenlage aus Q4 2010. In den USA betrug 2010 das NIIP -2,471 Billionen Dollar bzw. -17% des BIPs. Das NIIP von Deutschland betrug in Q2 2011 +948,834 Mrd. Euro bzw. +37,2% des nominalen BIPs.

Die Nettoauslandsverschuldung reflektiert den Saldo der Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten und damit die Vermögenssituation aller Sektoren eines Landes. Die Veränderungen des Saldos resultieren aus der Leistungsbilanz, aber auch aus der Enwicklung der finanziellen Vermögenswerte und der finanziellen Verbindlichkeiten.

Die Bruttoauslandsschulden aller Bereiche der spanischen Volkswirtschaft stiegen in Q2 2011 auf -1,778 Billionen Euro. Der Anstieg der Bruttoauslandsschulden aller Sektoren der Volkswirtschaft zum Vorquartal fokussierte sich vor allen auf 2 Teilbereiche, so stiegen die Bruttoauslandsschulden des öffentlichen Sektors um 5,857 Mrd. Euro zum Vorquartal auf -313,832 Mrd. Euro und die Bruttoauslandsschulden der spanischen Finanzinstitute zogen um 31,097 Mrd. Euro zum Vorquartal auf -797,549 Mrd. Euro an!

Daran gemessen erscheinen die aktuellen Bruttoschulden der Zentralregierung in Madrid sogar als ein Teilproblem, denn vor allem die Gesamtverschuldung aller Sektoren der Volkswirtschaft Netto und im Ausland ist erdrückend.

Die Entwicklung des gesamten expliziten (heute zahlungswirksamen) Bruttoschuldenstandes des spanischen Staates in Mrd. Euro seit Q1 2000 bis Q1 2011 nach Maastrichtdefinition laut Eurostat. In Q1 2011 betrug der Bruttoschuldenstand des Staates relativ überschaubare 63,6% des nominalen BIP.

Man mag über die Ratingagenturen richten, dass die mit zweierlei Maß messen und dass sie als politisches Instrument missbraucht werden, aber dies ändert nichts daran, dass die Herabstufungen in der Eurozone sachlich korrekt sind, so auch für Spanien. Eine unterentwickelte Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, mit schlechten Wachstumsaussichten, hoher Arbeitslosigkeit und hoher Verschuldung der privaten Haushalte, eines hoch verschuldeten und de facto bankrotten Bankensystems und vor allem einer hohen Nettoauslandsverschuldung der gesamten Volkswirtschaft lassen ein Herabstufen der Kreditwürdigkeit auch für den Staat mehr als angemessen erscheinen.

Quelle Daten: Bde.es/spanische Notenbank/Datenportal , Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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