Griechenland: Kreditkontraktion im Privatsektor
Wie die griechische Zentralbank (Bank of Greece) heute mitteilte schrumpfte das ausstehende Kreditvolumen des griechischen Bankensystems an den privaten Sektor (Unternehmen und private Haushalte) im April 2012 mit einer neuen Rekordrate von -4,7% zum Vorjahresmonat. Seit Juni 2011 schrumpft Monat für Monat das ausstehende Kreditvolumen und dies steht für eine Rezession und für einen Deleverage-Effekt in den Bankbilanzen.
Die Entwicklung des ausstehenden Volumens an Krediten an die griechische Unternehmen und private Haushalte in Prozent zum Vorjahresmonat, seit Januar 1981 im Chart. Im April 2012 sank das ausstehende Kreditvolumen um -4,7% zum Vorjahresmonat auf 242,708 Mrd. Euro.
Kredit- und BIP-Kontraktion verlaufen Hand in Hand. Kredit ist der Schmierstoff der kapitalistischen Wirtschaft, eine Kontraktion beim Kredit steht für eine Krise, was schön im Chart zu sehen ist. Griechenland hat das erste Mal seit über 3 Jahrzehnten mit einer Schrumpfung des ausstehenden Kreditvolumens an den Privatsektor zu kämpfen, was konform geht mit einer bisher nicht gesehenen wirtschaftlichen Depression in Griechenland.
Quelle Daten: Bankofgreece.gr/PressReleases/Bank credit to the domestic private sector: April 2012
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

M.E. - 30. Mai 2012
Griechenland entfernt sich immer mehr von einem Punkt, an dem man von einem wirtschaftlichen Wiederaufstieg ausgehen könnte.
Massenarbeitslosigkeit, Auswanderung von Griechen mit guter beruflicher Bildung, ein handlungsunfähiger Staat, ein Bankensystem in Agonie, Masseninsolvenzen im griechischen Handel und Kleingewerbe, Kapitalflucht, kein Zugang zum freien internationalen Kapitalmarkt…
und so weiter.
ö.ä. - 30. Mai 2012
Weil es so gut geklappt hat bisher:
“EU-Kommission fordert von Griechenland zusätzliche Sparschritte für das nächste und übernächste Jahr. Die Milliardenhilfen können nur fließen, wenn die Reformen besser umgesetzt werden.
13:11 – Echtzeitnachricht”
Jandaya
dank - 30. Mai 2012
Die sind einfach wahnsinnig, schwachsinnig und unsinnig.
Damit glauben die wohl noch die Wahlen (in ihrem Sinne) positiv zu beeinflussen?!
Von nichts kommt nichts – sparen, kann nur der, der mehr hat, als er braucht.
Wer nicht genug hat, ist verdammt es wortwörtlich vom Mund “abzusparen”.
Dann fährt die EU Kommision eines Tages in Militärfahrzeugen über
die Knochen der verhungerten griechischen Kinder nach Athen ein.
Wehe Dir Griechenland, Du schaffst es nicht Dich loszulösen.
Bei Zeus – meine guten Wünsche dazu bekommst Du!
http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Kommission#Legitimit.C3.A4t
ö.ä. - 30. Mai 2012
Wen wundert das? Man muss nur auf die “Entwicklungsländer” schauen, um zu merken, dass bei denen die schon am Boden liegen, nur noch weiter nachgetreten wird (es sei denn, sie könnten noch nützlich sein).
Meiner Meinung nach könnte nur eins wirklich helfen: Grenzen weltweit auflösen und Solidarität innerhalb der unteren Schichten.
Und nun dürft ihr mich steinigen.
schnauzevoll - 30. Mai 2012
Das Problem mit den “unteren” Schichten ist das Gleiche wie mit den “oberen” Schichten. Vollpfosten und korruptes Pack ist sehr ausgewogen verteilt. Selbst unter Pennern gilt kein Ehrenkodex mehr. Es liegt am Bildungsbürgertum, das “Narrenschiff” wieder auf Kurs zu bringen. Die MIttelschicht muss aufgerüttelt werden. Aber die Angst vor Hartz4 (Das Alleinstellungsmerkmal für die Einführung) lässt sowas wie Solidarität nicht aufkommen. Teile und herrsche, Brot und Spiele. Das Römische Reich ging weswegen nochmal unter?
Erich - 30. Mai 2012
Das Problem ist, dass die Mrd. alle in die falsche Richtung gehen. So wie es aussieht, fördern sie nur noch die Kapitalflucht.
M.C. - 30. Mai 2012
Mal angenommen, die Rohstoffe und Ressourcen sind endlich.
Wären schrumpfende Wirtschaften (natürlich am besten nicht die eigene) nicht irgendwie sinnvoll um das Spiel zu verlängern?
Oder was tut Ihr, wenn beim Duschen das heiße Wasser aus dem Boiler zur Neige geht, die Seife aber noch runter muß? Den heißen Wasserhahn aufdrehen?
dank - 30. Mai 2012
Das nächts Mal weniger Seife nehmen?
“Wären schrumpfende Wirtschaften (natürlich am besten nicht die eigene) nicht irgendwie sinnvoll um das Spiel zu verlängern?”
Egoistisch, aber mag sein, doch die Wahl der Mittel lässt zu Wünschen übrig und dazu ists nur ein Strecken der Zeit, die bleibt. Dann gibts die gleichen Fragen eben nochmals später. Mit Kindern oder Enkel kann da noch weniger darüber hinweg gesehen werden. Dann können wir auch gleich alles jetzt auf den Kopf hauen…
FDominicus - 30. Mai 2012
Die Kreditexpansion ist nicht die Heilung und wenn es so sein sollte, dann wäre das seit langem mal wieder eine gute Nachricht aus Griechenland.
Querschuss - 30. Mai 2012
Hallo FDominicus,
“Die Kreditexpansion ist nicht die Heilung und wenn es so sein sollte, dann wäre das seit langem mal wieder eine gute Nachricht aus Griechenland.” ….Warum wundert mich dieses Statement nicht, du gehörst ja auch zu denen die meinen, dass aus einer Verarmung griechischer Arbeitnehmer und breiter Bevölkerungsschichten und hunterttausenden pleitegegangenen Kleinunternehmern und Selbständigen eine prosperierende Wirtschaft entstehen wird. Dogma versus Realität, durch Fakten und Daten hier im Blog ausführlich dokumentiert!
Matthias - 30. Mai 2012
De-Leveraging ist sicher kein Zeichen fuer eine expandierende Wirtschaft. Andererseits wie wollen die Griechen jemals wieder aus dem Loch rauskommen, wenn sie nicht ihre Schulden abbauen und damit die Zinsbelastung senken. Wenn sie gleichzeitig nur noch bei heimischen Produzenten kaufen und weniger Kosumgueter importieren, geht es auch irgendwann wieder aufwaerts bei gleichzeitig akzeptablen Schuldenstaenden und einer hoffentlich besseren Verwaltung. Wenn die EU gleichzeitig flankiert, damit es keine humantitaere Katastrophe gibt, die EZB auf Teile ihrer Schulden verzichtet, kann das doch ein gutes Ende nehmen.
Querschuss - 30. Mai 2012
Hallo Matthias,
das sinkende ausstehende Kreditvolumen des Privatsektors bringt in der Sache Staatschulden keinen wirklichen Fortschritt, sondern ist nur Zeichen der Depression. Die Verschuldung der privaten Haushalte ist vergleichsweise gering, sogar niedriger als in Deutschland. In der Relation zum nominalen BIP liegt es in Griechenland nur bei 48,0%, in Deutschland bei 55,6%. Mit den Unternehmen, also der gesamte Privatsektor sieht etwas schlechter aus, mit 113,7% und in Deutschland sind es 94,4% des nominalen BIPs. Primär ist das Problem in Griechenland nicht die private Verschuldung, allerdings bei sinkenden Einkommen und sich dramatisch verschlechternden Geschäftsaussichten werden etliche Private ins Schleudern kommen.
Gruß Steffen
Roland - 30. Mai 2012
Aktuelle Schlagzeilen zu Spanien und Griechenland verdecken gegenwärtig den Problemfall Portugal.
Dabei hat die OECD in dieser Woche Portugal dazu aufgefordert, ein weiteres “Spar”programm aufzulegen. Die Rezession verstärke sich in diesem Jahr und der Schulden könnten deshalb nicht wie geplant bedient werden.
Da die Bevölkerung Portugals politisch bewusster ist als diejenige in Spanien, könnte es dort im herbst rummsen.
p.s.
Nach einer aktuellen Umfrage liegt in Griechenland Syriza wieder vorne.
Presto - 30. Mai 2012
Neben Coface übernimmt Euler Hermes bis auf weiteres keine Kreditversicherungen in Sachen Griechenland. Offiziell hält man sich bedeckt, da man nicht mit dem Austieg aus dem Euro rechnet. http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:rueckschlag-fuer-handel-euler-hermes-versichert-keine-exporte-nach-griechenland-mehr/70043872.html
Eurelios - 30. Mai 2012
Also Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, USA, Deutschland usw.
hin oder her.
Unser derzeitiges Geldsystem ist marode und liegt in den letzten Zügen.
Es wird so kommen wie Heute in der WIWO es von Felix Zulauf in einem
Interview beschrieben wird.
Lange schon her das ich so eine excellente Analyse über unserem derzeitigem
Geldsystem gelesen habe.
http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/geldprofi-felix-zulauf-unendliches-leid-ueber-europa/6667872.html
Grüße Günter
BSchramm - 31. Mai 2012
Wollte den Beitrag gerade lesen, aber die Seite ist wohl schon gelöscht.
Das soll aj schon ab und zu vorkommen…
Hat ihn zufällig jemand vorher gespeichert?
Oder bin ich nur zu blöde ihn zu finden?
Gruß Bela
BSchramm - 31. Mai 2012
Bin nicht zu blöd, die komplette Seite der WiWo ist nicht zu erreichen.!!!!
Gruß Bela
M.R. - 30. Mai 2012
So viel zu den Griechen, die ihre Steuern gefälligst bezahlen sollen.
Ohne Worte.
http://www.guardian.co.uk/business/2012/may/29/christine-lagarde-pays-no-tax
Eurelios - 30. Mai 2012
@ schnauzevoll
apropos “Narrenschiff“
http://www.myvideo.de/watch/5573917/Reinhard_Mey_Narrenschiff
schnauzevoll - 31. Mai 2012
@Eurelius
Die exzellente Analyse ist neoliberaler Unfug. Die unterschwellige Botschaft lautet, Rettung durch Privatisierung, öffnen für Reformen und her mit dem Fiskalpakt. Also unter exzellent verstehe ich was anderes. Einfach mal zwischen den Zeilen lesen!